Wenn rechte Gesinnung überflüssig wird, gibt es kein "gerichtet sein" mehr.
Das steht ja da aber gerade nicht.
Wenn rechte Gesinnung überflüssig wird, gibt es kein "gerichtet sein" mehr.
Das steht ja da aber gerade nicht.
So ähnlich habe ich mir das auch gedacht, aber hier der Punkt der mich verwirrt:
[lz]
Beobachtung und Gerichtet sein der Gedanken, an Zielbewußtsein des Geistes[/lz]
Gerade dies spricht doch gegen die Annahme (aber so hätte ich es auch verstanden):
"Tue nichts, dann wird alles getan." "Tun ohne Tun."
Wenn "gerichtet sein der Gedanken" (auf Entsagung) eine nicht vollkommene Gesinnung wäre (Punkt 1) kann man ja nicht das Gegenteil sagen, das "gerichtet sein der Gedanken" (auf Ausleben der Triebe) zutreffend wäre. Oder ist dieses Gerichtetsein auf "das Höchste", weder dies noch das, Meinungsreiheit?
Rechte Gesinnung ist erst dann überflüssig, wenn kein "Lohn" mehr erwartet wird und zu einem Tun führt das eben kein absichtsvolles handeln ist.
Wäre das dann Punkt 2?
Und warum ist eine entsagende Gesinnung den Trieben unterworfen? Eine friedvolle Gesinnung den Trieben unterworfen? Das sind doch alles Teile der Silas und des 8gliedrigen Pfades, welches doch gerade Triebe beseitigen soll?
Rechte Gesinnung, sage ich, ist von zweierlei Art: es gibt eine rechte Gesinnung, die noch den Trieben unterworfen ist, verdienstvoll ist und weltlichen Lohn bringt; und es gibt eine rechte Gesinnung, die edel ist, triebfrei, überweltlich und zum edlen Pfade gehört.
1. Entsagende Gesinnung, haßlose Gesinnung, friedfertige Gesinnung, das ist eine rechte Gesinnung, die noch den Trieben unterworfen ist, verdienstvoll ist und weltlichen Lohn bringt.
2. Was da aber bei einem, der mit heiligem, ungetrübtem Herzen auf dem heiligen Pfade verweilt und den heiligen Pfad entfaltet, an Gedanke besteht, an Gedankenfassung, Denken, Beobachtung und Gerichtet sein der Gedanken, an Zielbewußtsein des Geistes, an sprachlicher Tätigkeit (des Geistes, vací-sankhāra): das ist eine rechte Gesinnung, die edel ist, triebfrei, überweltlich und zum edlen Pfade gehört.
Versteh ich nicht
Ja, genau das. Nur wenn ich daran denke, ich leite den Prozess ein. Es läuft alles weiter schon automatisch ab. Das praktishe Umsetzen ist dann unausweichlich. Und ich bin schon gefangen.
Nein nicht unbedingt - unsere karmischen Tendenzen drängen uns zwar dazu, und man könnte dies natürlich auch als "Zwang" sehen, aber wir können in diesen Prozess bewusst eingreifen - darum machen wir ja Geistestraining. Wäre dies nicht möglich, wäre keine Befreiung möglich. Das dies jedoch ein Prozess ist, der nicht von Heute auf Morgen geht und dass wir innerhalb dieses Prozesses ständig scheitern, ist wohl eine allgemeine menschliche Erfahrung - aber darum praktizieren wir ja. Erkenntnis alleine genügt leider nicht, wir müssen tatsächlich auch eingreifen, mit den Dämonen ringen, uns reinigen, Zuflucht suchen.
Anhaftungsfreies Genießen verstehe ich als Erfahrung eines Geschmacks, wenn man etwas isst z.B.
Denn dass man einen Geschmack empfindet, wenn man ein Stück Brot isst, das bleibt ja nicht aus. Der Geschmack stellt sich automatisch ein.
Kann man dies wirklich als "Genießen" definieren? Ich denke der Geschmack ist eine Eigenschaft, welches das Lebensmittel natürlicherweise mitbringt und dieser Geschmack ist dann die einfache Sinnesdeutung. Wenn ich dich richtig deute, dann meinst du, dass Geschmack zwar immer da ist, aber man sollte nicht weiter spinnen im Sinne von "Sehr gutes Brot, aber das Brot vom Bäcker XY war viel besser und außerdem hab ich gelesen, dass Vollkornbrot mit Hanfsamen jetzt der absolute Bringer ist, also muss ich...."
Vielleicht dass man den Genuss nicht extra sucht, wenn er da ist gibt es eben ein angenehmes Gefühl das man nicht ablehnt, man haftet aber auch nicht dran und wenn es wieder weg ist strebt man nicht danach es wieder zu bekommen.
Ok, untersuchen wir das einfach mal ganz sachlich mit dem Beispiel der Schokolade:
Es gibt ja einen Grund, warum ich zur Schokolade greife und nicht zum Maiskolben. Es könnte das Dessert sein, es könnte wegen dem Seretonin sein, es könnte einfach wegen dem Geschmack sein usw.
Alle diese Dinge wären aber schon nach meiner Einschätzung des Sutras und der Lehre, streng genommen, Gier - man brauch sie ja nicht unbedingt. Trotzdem will ich sie, wegen den Eigenschaften, habe also ein klares Begehren nach diesem bestimmten Objekt Schokolade - so wie ich das verstehe, und das sind ja dann klitzekleine Nuancen bzw. Prozesse, die man fast gar nicht abtrennen kann, hafte ich schon an dem Objekt. Und ich hafte an dem Objekt bereits VOR dem Verzehr.
Gut kann man das ja sichtlich machen, wenn man einem Kind den Schokoriegel an der Kasse kauft, ihn aber danach in die eigene Tasche steckt und dem Kind statt dessen den Maiskolben in die Hand drückt - das Kind wird wütend, wird schreien, wird weinen.
Soweit so gut. Dann esse ich die Schokolade. Habe ich sie gegessen, dann kann man m.M.n. gut davon reden (sich vormachen), dass man daran keine Anhaftung hat - "die Tafel ist leer, ich gehe jetzt nicht wieder in ein Geschäft und kauf mir direkt ne neue...". Aber diese "falsche" Anhaftungslosigkeit kommt doch nur daher, dass ich gerade genossen habe und alle Vorteile daran geschmeckt habe, oder?
Worauf ich deuten möchte, ist der Zeitpunkt der Anhaftung - er ist quasi immer vor dem Verzehr, eigentlich ja schon wenn ich den Gedanken denke und ihn anfange, in die Tat umzusetzen (ich krame in der Schublade ob da noch Schoki rumliegt).
Wie sind eure Gedanken dazu?
Also: ich glaube dir nicht, dass du freiwillig Schokolade isst ohne Anhaftung.
Das Problem was ich hier in dieser spannenden Diskussion noch sehe:
Wie definieren wir überhaupt Anhaftung? Was wäre "anhaftungsfreies Genießen"?
Auch das nicht daran hängen, nicht davon betört werden, nicht davon eingenommen werden - während des Genießens - spricht für eine gewisse Verwirklichung.
Das ist eigentlich der königliche Weg, zumindest mal im hinduistischen Tantra. Königlich, weil die Verwirklichung sehr sehr schwer ist - darum gelten Tugendregeln als natürlicher Schutzmechanismus.
Ich denke das Hauptproblem dürfte es sein, dass man sich nur etwas vormacht - das Gehirn trickst einen aus, so dass man denkt, man macht etwas ohne daran zu hängen, aber tut es doch. Mein Vater ist da ein gutes Beispiel: Er trinkt jeden Tag Kaffee, seit ich ihn kenne. Oftmals auf das Thema angesprochen meint er immer: "Wie kann man denn von Kaffee süchtig sein? Nein, ich könnte jederzeit damit aufhören, das ist ja kein Alkohol oder so was..." Tatsächlich hat er aber nie aufgehört, noch nicht einmal einen Tag.
Auch ist es ein Problem, ein eher subtiles, dass man von dem Genussobjekt schon eingenommen werden muss, damit es zum Genuss kommt - hier sagt Buddha:
[lz]
Daß er, während er sein Vermögen genießt, nicht daran hängt, nicht davon betört wird, nicht davon eingenommen ist, da er das Elend merkt und den Ausweg kennt, aus diesem vierten Grunde ist er zu loben.[/lz]
Ich wähle dahingehend mal das Beispiel eines Kinofilms - der Genuss ist doch dann am Größten, wenn wir von dem Film vollkommen eingenommen werden, in die Rollen eintauchen und um uns herum alles vergessen. Natürlich könnten wir auch im Kino bewusst bleiben, uns unseres Körpers, des Atems usw. bewusst sein, während wir den Film schauen - aber das ist nicht das Gleiche und mindert tatsächlich den Genuss. Ich habe das selbst schon festgestellt, bzw. ausprobiert.
Meine Lösung ist dann halt quasi ein "unbewusstes Geniessen" - so nehme ich mir dann vor, ins Kino zu gehen, aber gleichzeitig "vergesse" ich für dies 2 Stunden mal meine "Praxis" - danach kann es ja wieder weiter gehen. Ich denke in einem kleinen Rahmen kann man dies tun. Und Kino ist da eigtl. ein gutes Beispiel, weil man ja nicht jeden Tag ins Kino geht. Anders verhält es sich wohl mit Suchtsubstanzen, Fernsehkonsum, unsachgemäßes Essen, also Dinge, auf die wir ständig Zugriff haben.
Darf ich fragen, welche Richtung du gefunden hast?
Zen, Theravada, Tibetischer Buddhismus?
Ja ich bin quasi vom Zen gewechselt zum tibetischen Buddhismus - aber dort muss ich mich erst zurechtfinden, ist noch eine relativ frische Angelegenheit und hat sich erst so ergeben.
Wenn du magst, kannst du dort ja gern mal Teilnehmen. Es ist kostenlos. Auch der Unterricht ist kostenlos.
Vielen Dank für dein Angebot, das ist eine tolle Sache. Jedoch habe ich meine Richtung auch gefunden und lerne dort, so wie du auch, über Online Vorträge - das ist das große Plus an der weltweiten Vernetzung. Das Schöne ist ja am Buddhismus, dass dort irgendwann jeder seine Nische findet und damit glücklich werden kann.
Das ist doch toll dass du da deine Richtung gefunden hast! Ich finde an der Amida Lehre gibt es nichts auszusetzen.
Aber da kommt immer wieder der "Genießer" und damit es nicht ein endloser Kampf wird geb ich im öfter einfach nach.
Jap ich mach das auch so, ich habe gemerkt, das erschafft am wenigsten Druck. Habe zwar auch meine Asketenphasen, aber die erschaffen in mir immer Druck, vor allem werde ich schnell ungehalten, was normalerweise nicht mein Naturell ist.
er muss es auch nicht einsehen
Ich weiß das
Solche Sachen ergeben sich ja aus Online Gesprächen mit Leuten, die noch nie von Buddhismus gehört haben - da schreib ich halt mal 2,3 Sätze dazu...geht mir eigentlich nur drum, dass es mal gehört wurde...Samen legen, so dieses Prinzip.
Heute ist es dieser hier, unangenehm aber wahr:
Ja, ich hatte gerade gestern darüber eine Diskussion mit jemandem, der einfach nicht einsehen wollte, dass Angenehmes letzlich zu Leiderfahrung führt. Er sagte dann, dass müsste ja nicht sein, wir könnten ja ständig Angenehmes erfahren und so dem Leid aus dem Weg gehen - ich denke diese Tendenz haben wir alle, mehr oder weniger. Doch selbst wenn wir es schaffen würden, so etwas hinzubekommen - dann wären wir beim Prinzenleben Siddharta Gautamas angekommen und wären, aus buddh. Sicht, am absoluten Anfang des Weges angelangt - weltlich gesehen können wir Teil der Spitzengesellschaft sein, mit endlos Reichtümern zum Genießen - doch buddh. gesehen, wären wir dadurch innerhalb maximaler Verblendung und wären nicht an der Spitze, sondern ganz unten in der spirituellen Gosse.
Ja, freut mich, dass du das auch so siehst.
Ja ich finde halt diese Verbindung zwischen Psychotherapie und buddh. Ethik bzw. Lehre sehr spannend und wirksam - es gibt da ja nicht viele, die diesen speziellen Weg gehen, also beides verbinden - mir fällt da noch James Low ein, den ich auch super finde.
SN 56.11 weil da die Lehre das erste Mal zusammengefasst wurde.
DN 33 weil da die gesamten Daten, Tatsachen zusammengefasst sind.
Das Satipatthana sutra, weil es die pingeligste Meditationsanleitung ist, die ich kennengelernt habe.
Sehr schön, danke, habe mir direkt mal Lesezeichen reingesetzt!
Wie soll das denn gehen? Die Inhalte des Dharma lassen sich doch nicht nach Belieben eines Schülers formen!
Kommt halt darauf an was du unter einem Lehrer verstehst, der seinen Schülern nach dem Mund redet. Für mich ist so jemand kein Lehrer. Buddha Sakyamuni hat ja seinen Schülern nicht nach dem Mund geredet
Warum richtet ihr denn eure Einwände an mich?
Ich hege doch ganz genau die gleiche Überzeugung:
Ja, aber auch dies könnte man übertreiben, bzw. in die Versuchung kommen, einem ständig "nach dem Mund zu reden". Ich finde es schon wichtig, dass man seine Kernigkeit behält und sich nicht überall zwanghaft anpasst.
Ich wünsche Dir viel Freude beim Sammeln der Lieblings-Suttas/ -Sutras
LG mkha'
Danke Danke, ich hab hier Inspiration! Meine Lieblingssutras sind eigentlich das Herzsutra und das Diamantsutra. Außerdem mag ich sehr das Samantabhadra Dzogchen Gebet, Mahamudra von Tilopa und das Traktat der Ochsenkopfschule.
Jiddu Krishnamurti. Sorry, ich habe mich in meinen eigenen Sätzen verfangen.
Ich habe noch soooo viel zu lernen.
Ich meinte ihn als Beispiel für einen Lehrer, der aus der eigenen tiefen Erfahrung heraus lehrt und handelt.
Kannst dich ja mal mit U.G. beschäftigen, da lernt man einiges.
Für mich ist z.B. Krishnamurti ein gutes Beispiel für die zweite Gruppe, für den ich leider zu spät geboren bin.
Welcher Krishnamurti? Also wenn du U.G. Krishnamurti meinst, der war alles andere als ein Dogmatist, aber ich denke eher du meinst J. Krishnamurti, mit dem konnte ich noch nie was anfangen, aber da hat ja jeder seinen eigenen Zugang.
Ja, aber auch dies könnte man übertreiben, bzw. in die Versuchung kommen, einem ständig "nach dem Mund zu reden". Ich finde es schon wichtig, dass man seine Kernigkeit behält und sich nicht überall zwanghaft anpasst.
Das ist aber nicht das Problem des Lehrers / der Lehrerin sondern des Schülers / der Schülerin.
Nein, hier ging es spezifisch um den Lehrer (Buddha) und nicht um Schüler.