1. Übersicht
  2. Forum
  3. Lexikon
  • Anmelden
  • Registrieren
  • Suche
Alles
  • Alles
  • Seiten
  • Forum
  • Lexikon
  • Termine
  • Erweiterte Suche
  1. Buddhaland Forum
  2. Anandasa

Beiträge von Anandasa

  • Sichtwechsel auf der Autobahn: War das ein Moment des Erwachens?

    • Anandasa
    • 9. März 2026 um 18:14

    So ein Erlebnis wie es der TE hatte, hatte ich noch nicht. aber manchmal habe ich beim Meditieren sowas wie ein "Erwachen aus dem Schlaf" (womit nicht das buddhistische Erwachen gemeint ist), dass das überhaupt nicht so sein muss. Bei irgendeiner jahrzehntelangen Annahme wurde mir klar, dass diese Annahme überzogen ist. Das lockert den Geist und hebt den Horizont. Ist vermutlich Folge der Lockerung des Geistes beim Meditieren, wenn man durch das Meditieren anfängt festgefahrene Gedanken loszulassen.


    Einmal habe ich auf ein Vokabelheft für einen Sprachkurs gekauft statt meinem bürgerlichen Namen spaßeshalber "Anandasa" draufgeschrieben. Für einige Sekunden stand es mir da klar vor Augen: Mein bürgerliche Name steht nicht für mich. Es hat überhaupt nicht alles so kommen müssen, ich hätte mich auch anders entwickeln können und wäre dann jemand anderes geworden.

  • Wie geht ihr damit um, wenn nahestehende Menschen euren Glauben nicht ernst nehmen?

    • Anandasa
    • 1. März 2026 um 12:45

    Zur Rechten Rede im Buddhismus gehört es dazu, dass man z.B. einem Handwerker, der schlechte Arbeit abgeliefert hat, zuerst abmahnt, so dass er eine Möglichkeit zur Nachbesserung hat. Erst danach kürzt man das Geld.


    Sinngemäß kannst du deiner Freundin sagen, dass du ihr lachen als unsinnig und als Auslachen aufgefasst hast. Dann kannst du ihr einige Wochen Zeit geben darüber nachzudenken. Wenn sie dann nie mehr darauf zurückkommt, kannst du es getrost abhaken. Dann must du auch nicht dich fragen, ob du vielleicht doch jemand wertvolles verloren hast. Dann kannst du die Sache getrost vergessen. Kann auch sein, dass es eine positive Überraschung gibt. Es hilft nichts zu erwarten, dann tut es einem nicht weh, wenn nichts kommt. Wenn sie sich aber tzrotzdem meldet und zu verstehen gibt, dass es nicht gut war, was sie gemacht hat, kannst du dich andersherum freuen.


    Ich würde aber so oder so nicht viel erwarten. Gleich loszulachen bedeutet wenig Achtsamkeit und Überlegung zu haben, keine Toleranz gegenüber über anderen, die anders sind.Sich nicht überlegen können, dass es den anderen verletzt. Da wird vermutlich nicht mehr viel kommen.

  • Wie geht ihr damit um, wenn nahestehende Menschen euren Glauben nicht ernst nehmen?

    • Anandasa
    • 27. Februar 2026 um 18:56
    Lotoslara:

    Statt Verständnis oder zumindest Respekt zu erfahren, wurde ich jedoch ausgelacht. Meine Freundin machte sich gemeinsam mit den anderen über mich lustig und ahmte mich nach. Das hat mich tief verletzt – vor allem, weil es von einer Freundin kam und weil ich etwas sehr Persönliches und Wichtiges geteilt hatte.


    Das ist für dich verständlicherweise verletzend gewesen. Gerade von einer Fredunin hätte man so ein schlechtes Verhalten nicht erwartet, sondern geglaubt einen Menschen zu haben, der zuhören kann und ergebnisoffen etwas besprechen kann oder andere Leute anders sein lassen kann. Müssen nicht alle die gleichen Ansichten haben.


    Du wirst auf deinem Weg weitergehen und neue Horizonte entdecken, sei es im Buddhismus oder noch weitere neue Horizonte. Du wirst neue Menschen treffen, von denen vielleicht mal jemand sich als wertvoller Mensch herausstellt. Deine "Freundin" hat deswegen nicht die überragende Bedeutung. DIe wird ihr u.U. wegen der ihr entgegengebrachten Erwartungen zugestanden, aber es hat sich nicht bewahrheitet.


    Es hilft, wenn man den Menschen gegenüber allgemein eine freundliche Geisteshaltung hat. Dann fallen einzelne Menschen nicht so sehr ins Gewicht. Neben Buddhismus bin ich auch Jesus zugwandt (ohne Gott, Dreifaltigkeit, ewiges Leben, Auferstehung und all das). Jesus ist für mich der größte Metta-Lehrer. Buddha hätte sicher auch von Jesus etwas übernommen, hätte er nicht lange vor ihm gelebt. Das ist aber nur ein Beispiel wie ich das mache. Kann man natürlich auch anders machen.


    Der Punkt ist aber, dass man durch eine allgemeine Menschenliebe innerlich unabhängiger wird. Es hängt nicht mehr alles von einer Person ab, weil es mir auch so gut geht. Das ist eine Rückwirkung auf einen selbst durch die allgemeine Menschenliebe. Man kann spielenden Kindern zuschauen und sich daran erfreuen. Zu der Freundin, die eine Enttäuschung war, sagt man dann im Geiste: So, so, du hast dich in der Situation dann so enthalten. Das war nicht viel und für eine Freundin zu wenig. Hat man diesen innere Ruhepol nicht, nimmt man die spielenden Kinder gar nicht wahr, weil man nur damit beschäftigt ist, dass diese Freundin, auf die man Hoffnungen gesetzt hat, dann eine Enttäuschung war.


    Das kann nicht auf einer logischen Ebene verstanden werden. Denn durch logische Gedankengänge allein entsteht keine Bewusstseinsänderung. Metta-Meditation, Hinwendung zu Jesus, Buddha Amitaba, Weiße Tara oder sonst irgendwas metta-mäßiges praktizieren um in so eine Art allgemeine Menschenliebe zu kommen.


    Zitat

    Sie war demnach total "überrumpelt", gleichzeitig ev. auch frustriert und dadurch in diesem Moment vielleicht (leicht) sauer auf dich.

    Nein, jemanden auszulachen wegen etwas, das man überhaupt nicht versteht, sollte man nicht in vorauseilendem Gehorsam salomonisch entschuldigen. Es war ein schlechtes Verhalten. Du hast dich schlecht verhalten, aber ich finde Gründe, warum das okay ist, löst keine Probleme und behindert die eigene Entwicklung. Man lässt sich dann von solchen Leuten begrenzen.

  • Tugend und Depression

    • Anandasa
    • 22. Juli 2025 um 19:43
    MaKaZen:

    Ich hab immer wieder die wertvolle Zusammenarbeit von Psychotherapie und Spiritualität erwähnt, was Buddhisten offenbar nicht interessiert, hauptsache der Kopf liefert Erlösung. 😨

    Hallo MaKazen,

    ich gebe dir hier recht. Es gibt neben dem "Kopf" im Buddhismus auch Metta, was die Kultivierung guter Eigenschaften ist wie Mitfreude, Mitgefühl, Großzügigkeit, u.a. Metta dient dazu gutes Karma zu erzeugen, so dass es keine negative Wirkung auf die Außenwelt und sich selbst gibt, was Leiden reduziert.

    Metta geht aber nicht so weit z.B. im Christentum Ideen wie "Der Friede des Auferstandenen möge mit euch sein" oder "Was ihr meinen geringsten Schwestern und Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan". Das Christentum geht hier eine Stufe weiter. Buddha hat ca. 500 Jahre vor Jesus gelebt. Hätte er nach Jesus gelebt, hätte er womöglich auch Ideen von Jesus übernommen.

    Bei diesen Beispielen aus dem Christentum geht es mir darum auf deinen Punkt einzugehen, dass der Buddhismus was Spiritualität angeht nicht so weit geht wie andere Strömungen und ich dir hierbei recht gebe. Ich kann dir aber gleich sagen, dass in diesem Forum es kaum jemand außer uns beiden geben wird, der dies auch so sieht. Ich bin schon eine Zeitlang in diesem Forum und habe da auch meine Erfahrungen gemacht. Du hast ja auf deine Aussage im Zitat oben ja schon entsprechende Antworten bekommen, die das widerspiegeln.

    Zitat

    "Ich bin ernüchtert, weil ich wenig Sinn in meinem Leben finde" wird zu "Ich bin voller Hoffnung, weil ich aktuell viel Sinn im Leben finde."

    Ja und diese Hoffnung wird sich irgendwann als Illusion herausstellen und dann fühlt man wieder die Sinlosigkeit im Leben. Der Buddhismus hat hierauf keine weitere Antwort außer, dass Suche nach Sinn im Leben enttäuscht werden wird und man sich daher die Sinnsuche sparen soll. Das lässt einen aber innerlich leer zurück.

    Ich habe es so gemacht, dass ich Buddhismus und Christentum kombiniert habe. Der Buddhismus ist Lebensschule und schafft die Basis durch Freundlichkeit und gezähmten Geist. Darauf baue ich eine Zuwendung zu Jesus und seiner Lehre auf, was mir den Sinn im Leben gibt, also Nächstenliebe was viel mehr ist als Metta und die Zuwendung zu Jesus selbst. Alles andere im Christentum neben Jesus lasse ich aber sein, insbesondere glaube ich nicht an einen Gott. Denn der Glaube an einen Gott führt zu einer völligen Umkehrung des Denkens: Dann gibt es jemanden, der für mich da ist. Oder ich bin ein guter Mensch, weil Gott mich dazu gemacht hat, etc. Diese Sicht im Christentum habe ich immer als Unsinn abgelehnt. Im Buddhismus ist es andersrum: Nie einen anderen Kopf über den eigenen setzen und immer der Herr im eigenen Kopf sein. Wenn man bestimmte Teile im Christentum abtrennt, lässt es sich gut mit dem Buddhismus kombinieren.

    Wie gesagt, wirst du bei solchen Dingen kaum jemanden in diesem Forum finden, der dies ähnlich sieht. Typischerweise kommen dann Kommentare, die die Existenz von Jesus anzweifeln und so ähnlich, weil alles andere außer Buddha geht gar nicht. Aber hier sind jedenfalls meine 5 Cents zu dem Thema.

    Das Buch "Christ sein" von Hans Küng soll beim Glauben an Jesus selbst sehr gut sein (d.h. es wird nicht die Sicht der katholischen Kirche dargelegt, sondern eine allgemeine und die Bedeutung für das eigene Leben). Wollte mir dieses Buch schon vor ein paar Wochen besorgen. Guter Anlass es jetzt zu tun. Vielleicht kann dir dieses Buch auch Denkanstöße geben.

  • Verletzlichkeit abmildern

    • Anandasa
    • 1. Mai 2025 um 18:04
    Monika:

    Das sehe ich genauso, Anadasa. Aber wie kommst Du auf 12 Jahre 2 Weltkrieg? Es waren 6.

    _()_Monika

    Oh ja, es waren 6 Jahre. Sorry. 1933 war "erst" die Machtergreifung. Peinlich, peinlich ...

  • Verletzlichkeit abmildern

    • Anandasa
    • 1. Mai 2025 um 17:49

    Ich denke es ist auch wichtig unabhängig vom Buddhismus sich vor Augen zu halten, dass die Dinge heute ganz anders sind als früher. Der Krieg in der Ukraine ist schlimm - wirklich sehr schlimm. Der 2.Weltkrieg ging in Europa 12 Jahre und war enorm viel schlimmer. Wieviele Menschen sind damals nur in Europa ums Leben gekommen? Sehr viele Millionen. Trotzdem bleibt der aktuelle Krieg in der Ukraine schrecklich. Ich will nur sagen, dass frühere Generationen auch enorm schlimme Zeiten durchgemacht haben. Zu sehen, dass die DInge früher auch sehr schlimm waren und manchmal enorm schlimm, hilft etwas.

    Heute wird viel darüber geschrieben, dass Schulkinder wegen der 1-2 Jahre Schulzeit im Home Office während der Corona-Zeit psychisch starkt belastet seien. Als meine Eltern klein waren haben sie gesehen wie die Bomben gefallen sind. Die Eltern, die ihnen sonst gesagt haben, dass alles gut wird, sagten das jetzt nicht mehr, weil sie das vor lauter Angst, die sie selbst hatten, nicht mehr konnten. Und die Kinder haben das gesehen und begriffen. Das ist eine ganz andere Belastung. Die psychischen Folgebelastungen von Corona bei Schulkindern gibt es natürlich, aber das Ausmaß wie es durch die Medien weitergegeben wird, kann ich so nicht nachvollziehen. Das ist echt kein Vergleich zu früher. Das ist einfach das normale Leben und die allermeisten Schulkinder sind gut weggegekommen.

    Ich will über sowas keine Diskussion anfangen. Aber ich will sagen, das viele Dinge früher auch schlimm waren und in manchen Fällen viel schlimmer. Das sollte man sich einfach vor Augen halten. Dann sieht man besser, dass das Leben riskant ist und schlimme Dinge passieren. Dass es so ist - früher und heute. Insgesamt haben wir es heute in Europa sehr viel besser als früher, würde ich sagen. Einzelne Schicksale heutzutage bleiben sehr hart.

    Von buddhistischer Seite gibt es auch die sehr schöne Kontemplation über Gleichmut und Akzeptanz: https://tenzinpeljor.de/PDF/Kontemplat…t-Akzeptanz.pdf

  • Leerheit - wie ist das zu verstehen?

    • Anandasa
    • 13. April 2025 um 15:43
    ewald:
    Igor07:

    Das bedeutet, dass all diese Beschwerden nicht mir gehören und nichts mit mir zu tun haben. Anders ausgedrückt: Ich bin nicht dafür verantwortlich. Oder --Ich kann nicht dafür.

    Das Problem ist wenn ich Schmerzen habe, die das Leben arg beeinträchtigen, wenn ich glaube, sie gehen mich nichts an und sind kein Teil von mir, auch keine Linderung eintritt. Es braucht Intervention, um Veränderung zu ermöglichen. Da sind buddhistische Lehren unvollständig, ...

    Hallo ewald,

    ich habe auch seit Jahren weiderholt starke Schmerzen. Ich verstehe sehr gut was du meinst. Für physische Leiden gibt es Ärzte und Medikamente. Buddhismus ist nur für psychische Leiden.

  • Tukdam - Meditation bis in den Tod

    • Anandasa
    • 13. April 2025 um 14:41

    So etwas in der Art gibt es auch im Theravada. Wir haben uns mal auf Ko Samui in Thailand im Urlaub einen buddhistischen Tempel angeschaut. Am Eingang war ein Glaskasten mit einem schon fast mumifiziertem Mönchen darin, der zu Meditieren anfing als er im hohen Alter an der körperlichen Schwäche den kommenden Tod erkannte und dann während der Meditation verstarb oder in den Tod hinüberglitt oder wie man dem sagen will.

  • Umgang mit starker Anhaftung (Gier als geistiges Gift)?

    • Anandasa
    • 13. April 2025 um 14:33

    Mir ist noch etwas Lehrreiches aus der Vergangenheit eingefallen. Ich hatte mal in jungen Jahren eine Kollegin, die sehr sehr gut aussah. Wenn man zufällig neben ihr stand, musste man sich schon fast konzentrieren. Nach einigen Jahren begann sie sich für mich zu interessieren. Ich bin darauf nie eingegangen, weil ich mal gesehen hatte wie sie sich anderen Frau gegenüber nicht gut verhalten hat. Sie hatte scheinbar Spaß daran der anderen Frau ihr Date abzujagen. Diesem Urlaubsfreund aus dem Urlaub in der Karibik, den sie sich manchmal für die Dauer eines Touristenvisas ins Land holte, benahm sie sich auch ziemlich bestimmend gegenüber.

    Damit wäre die Geschichte eigentlich erledigt. Nur die große Schönheit und ihr Interesse an mir, drehten in meinem Kopf noch lange Zeit ihre Kreise. Es gibt die verträumte Sicht von der schönen Frau und "dem schönem Leben mit der schönen Frau" und die reale Sicht, dass sie egozentrisch und ziemlich haben-wollend war (sie hatte auch gute Seiten, aber unter dem Strich für mich nicht gut). Als schöne Frau bekam sie halt so fast immer was sie wollte. Vielleicht hat das in ihr eine Art Gier losgetreten. Es passiert ganz ganz schnell, dass die Gedanken von der realen Sicht in die verträumte Sicht wechseln und es nicht bemerkt wird. Ich muss sagen, dass es schon ein bisschen erschreckend ist. Aber es erkannt zu haben und es zu wissen ist schon mehr als die halbe Miete.

    Es ist daher wichtig die Gedanken zu beobachten und zu erkennen, was da in Wirklichkeit passiert. Hat man dies erkannt, kann man daran arbeiten die geölten Autobahnen im Kopf wieder in die realen Bahnen zu kriegen. Nichts gegen schöne Träume, aber das Auffschlagen auf die Realität ist nicht so heilsam und kann dann noch sehr lange weh tun.

    Das Meditieren hilft, weil man dabei lernt seine Gedanken zu betrachten und nicht gleich auf den Gedankenzug aufzuspringen. In den Meditationsbüchern steht, dass es schon 5 Monate dauert bis man beim Meditieren im Alltag einen Unterschied spürt. Ich würde sagen, es dauert eher 5 Jahre. Es gibt aber ständig Fortschritte während dieser Zeit, weswegen sie der Weg amS schon lohnt. Kann man die Gedanken beobachten und sie untersuchen hat man ein sehr hilfreiches Werkzeug in der Hand. Man kommt den Dingen langsam auf die Spur wie sie wirklich sind und dann kann man das Leiden auch beenden (mit noch ein bisschen Disziplin dabei ...).

  • Umgang mit starker Anhaftung (Gier als geistiges Gift)?

    • Anandasa
    • 11. April 2025 um 18:08
    Gurkina:

    Nachdem ich nun die buddhistische Theorie etwas studiert habe, vermute ich, dass ich sehr stark vom geistigen Gift "Gier" eingenommen werde. Bevor ich mich für Buddhismus interessiert habe, war ich mit meinem Kopf ständig in irgendwelchen Vorstellungen, Gedanken, Projektionen etc. Auch merke ich, wie mich die Vergangenheit (insbesondere meine Jugend) immer wieder geistig "einsaugt", was zu einem Gefühl von Melancholie führt. Mir war nicht klar, wie egozentrisch meine Gedanken sind ("was will ich noch tun?", "Wo will ich noch hin?", "Was kann ich tun, damit es mir besser geht?" etc.)

    Meine Frage nun: Gibt es von Eurer Seite einen Tipp, wie ich mit diesen Anhaftungen umgehen kann (zusätzlich zum Zazen und Achtsamkeit im Alltag)?

    Das mit der Gier ist schon so. Aber die Dinge bestehen meistens aus vielen Dingen und nicht alleine aus Gier. Für eine Zeitlang mag die Erkenntnis der Gier dich von dieser Sache mit der anderen Frau kurieren, aber irgendwann wird der Gedanke aufsteigen, dass da nicht nur Gier war, sondern auch andere Sachen, die gut waren. Und dann beginnt der Gedankenkreislauf im Kopf von neuem.

    Bei der anderen Frau, die du schon seit deiner Kindheit kanntest, haben die Voraussetzungen nicht gestimmt, so dass nichts entstanden ist. Viele Voraussetzungen waren erfüllt, aber eine wichtige war es nicht. So sind die Dinge im Leben. Die Dinge verändern sich konstant und was einmal war lässt sich nicht mehr zurückholen, weil die Voraussetzungen von damals sind inzwischen auch wieder nicht mehr gegeben. Das nicht einsehen zu wollen und die Voraussetzungen wieder zurückdrehen wollen ist die Krankheit des Geistes. Das ist die Wiederholung der immer gleichen Leiden, das ist Samsara.

    Nehmen wir an, du könntest aber doch in der Zeit zurückreisen zu der Zeit als mit deiner Jugendfreundin von damals sich noch etwas hätte entwickeln können. Auch dann werden dann wieder einige Voraussetzungen passen, damit etwas zwischen euch entstehen kann, und einige nicht. Vielleicht sind die nicht passenden Voraussetzungen diesmal nicht so entscheidend und es klappt diesmal. Irgendwann später kommt dann wieder eine Frau aus der Vergangenheit, bei der es so schön gewesen wäre, wenn etwas geworden ist. Aber damals haben die Voraussetzungen nicht alle gepasst. Und damit beginnt trotz Reise zurück in die Vergangenheit auch wieder ein Kreislauf des Leidens, es kommt wieder zu Samsara.

    Im Buddhistmus geht es darum aus dieser ganzen Wolke von Anhaftungen und dem Sog durch dies oder das auszusteigen und das Ganze von außen zu betrachten wie es beim Meditieren passiert (jedenfalls ist es das ein Ziel beim Meditieren dort irgendwann einmal hinzukommen).

    Es ist schön, dass du diese Jugendliebe wiedergefunden hast. Damals haben irgendwelche Voraussetzungen nicht gepasst, was beide schade finden. Das kann man einander schreiben. Die Zeit zurückdrehen wollen wird nicht funktionieren. Sich treffen und "in Hitze" geraten wird nicht helfen, sondern evtl. nur verschlimmern. Die Natur interessiert das nicht. Der Mensch muss sich überlegen, wie die Dinge wirlkich sind. Es kann sein, dass es Sinn macht sich einmal zu treffen, sich zusammen zu freuen sich im Leben noch einmal gesehen zu haben und sogar freundlich miteinander gesprochen zu haben. Dann wünscht man dem anderen alles Gute. Wenn es dem anderen mal wirklich sehr sehr schlecht geht (tödliche Krankheit u.ä.) darf man sich melden. Oder irgendwie so. Ist nur was ich mir gerade dazu ausdenke. Andere kommen auf andere Sachen. Aber es geht um die mentale Einstellung.

    Es kann natürlich sein, dass diese Jugendliebe tatsächlich der richtige mensch ist und nicht die Frau, die du geheiratet hast. Da musst du selbst in dir gehen. Aber es sieht eher aus nach nicht verarbeitetem Trennungsschmerz. Diesen Trennungsschmerz irgendwann später verarbeiten zu können ist doch prima.

    Ich bin als Jugendlicher mit meinen Eltern ins Ausland gezogen, weil mein Vater dort eine Stelle angenommen hat. Nach 20 Jahren dort bin ich wieder nach D zurückgekommen, was immer mein Herzenswunsch war. Eher zufällig wohnen wir nicht weit weg von meinem Heimatort. Wenn ich dort durch die kleine Fußgängerzone laufe eine kleinen Hang nach oben, kommen so viele gute Erinnerungen aus Kindheit und Jugend in mir hoch, dass es überhaupt keine bessere Kur für meine Psyche gibt. Die Zeit im Ausland damals waren sehr anstrengend, weil der Deutschenhass dort groß ist. So ist alles gut bis mal wieder ein Klassentreffen kommt. Aus Verbundenheit zu meiner Klasse, in der auch alle wirlich nett waren, fahre ich dann wieder ins Ausland. Dann steigt die Zeit von damals in mir auf. Ich fange an dieses Land zu vermissen. Ich kann das auch in Google Maps machen ohne dorthin zu fahren. Ich laufe durch die Fußgängerzone in meinem Hematort in Google Maps und danach durch verschiedene Orte in Google Maps im Ausland damals. Wechsle ich in Google Maps zum Ausland von damals, kommt auch der Trennungsschmerz wieder hoch. Obwohl ich immer irgendwann wieder nach Hause wollte, habe ich dieses Land doch etwas lieb gewonnen. Wenn ich Google Maps sein lasse und nur die Fußgängerzone in meinem Heimatort durchlaufe ist alles gut. Die Kunst ist Goolge Maps sein zu lassen. Ich brauche es nicht. Ohne Google Maps bin ich im Gleichgewicht. Das bist du vermutlich ohne deine Jugendliebe von damals auch. Sie einmal wiedergesehen zu haben war schön. Sich einander gesagt zu haben, dass es schade ist, dass es damals nicht geklappt hat, tut beiden gut. Dann geht man in sein Hier und Jetzt zurück und winkt sich einander zu.

    Wenn wieder Klassentreffen ist, wird es für mich dann auch schwierig werden. Wichtig ist für mich, diese Zerissenheit nicht wieder aufzubauen, im Kopf keine Zeitreise zurück zu machen. Sonst ist das Leiden vorprogrammiert. Ich bin wieder zu Hause in meiner Heimat und bei der Abfahrt vom nächsten kommenden Klassentreffen winke ich meinen Klassenkollegen von damals zu. Wenn ich wieder abfahre, werde ich ihnen zuwinken und in mein Hier und Jetzt zurückkehren, wo ich zu Hause bin. Sie werden winken und in ihr Hier und Jetzt zurückkehren wo sie zu Hause sind. Man hat sich wiedergesehen, was sehr schön war. Die Dinge von damals existieren aber nicht mehr. Sie sind vergangen. Dankbar sein dass gewesen.

  • Anderen - und sich selbst - vergeben können...

    • Anandasa
    • 10. April 2025 um 12:12
    Zitat

    Die kindlichen "Attacken" gegen meinen jüngeren Bruder basierten hauptsächlich auf dem Gefühl des Nichtgeliebtwerdens von den Eltern (was auf die Mutter, aufgrund ihrer Geschichte und psychischen Verfassung, tatsächlich zutraf), des Zurückgesetztseins, geschwisterlicher Rivalität - ich litt darunter und mein Bruder war für mich die Ursache, der "Sündenbock", weswegen ich ihn leider ziemlich drangsalierte...

    Das ist ein häufiges Problem beim Erstgeborenem, der immer für die Eltern die einzige Nummer 1 gewesen ist und plötzlich bekommt das Neugeborene viel mehr Aufmerksamkeit. Von der Sicht der Eltern ist das klar, weil das Neugeborene nun eben ein Säugling ist und alleine viel weniger lebensfähig ist als der Erstgeborene. Für den Erstgeborenen ist der Entzug der Beachtung durch die Eltern aber ein tiefer Einschnitt.

    Meine ältere Schwester hat mich auch immer wieder runtergemacht. Sie muss heute noch manchmal irgendwas hervorkramen um damit ihre Überlegenheit zu demonstrieren, obwohl ich sie privat und beruflich eh überholt habe und das nur Unsinn ist. Wichtig ist, dass man das Problem erkannt hat und erkannt hat, dass es für dieses Verhalten inzwischen keinen Grund mehr gibt und man es beenden kann. Das ist bei Anna Panna-Sati ja so. Im Alter eines kleinen Kindes kann es nicht erkannt werden. Das ist normal und sogesehen, ist es eine normale Folge, dass es erst später erkannt wird. Dann kann man es zu den Akten legen.

  • Wie geht ihr damit um? Was würde Buddha sagen, oder uns raten?

    • Anandasa
    • 7. April 2025 um 18:56

    [lz]

    Was würde Buddha sagen?[/lz]

    Egal was immer passiert, verliere nie deine Achtsamkeit, verliere nie dein Herz und bewache immer die Eingänge zu deinen Gedanken.

    Das hier ist noch ganz nett: Gib niemals auf

  • Anderen - und sich selbst - vergeben können...

    • Anandasa
    • 7. April 2025 um 15:34

    Hallo Anna Panna-Sati,

    ich habe mal in "Bild der Wissenschaft" einen Artikel gelesen über einen Human-Genetiker, der tatsächlich sowas wie Gensequenzen im menschlichen Genom gefunden haben will, bei denen "unempathisches Verhalten" stärker wahrscheinlich ist. Er schrieb von seinem Bruder, der ihn einmal völlig ungerührt in Todesgefahr gebracht hat und den das überhaupt nicht interessiert hat. Er habe seitdem mit seinem Bruder nie mehr geredet.

    Irgendwann hat er seine eigenen Gene sequenziert um sie zu analysieren und ist mit Erstaunen auf genau diese problematischen Gene gestoßen für unempathisches Verhalten (bzw. Hang zum böses Tun oder sowas - weiß nicht mehr genau, ist lange her dass ich den Artikel gelesen habe). Er vermutet, dass diese Gene bei seinem Bruder durchgeschlagen sind und bei ihm nicht, weil er durch glückliche Umstände eine besondere Sozialisierung erhalten hat. Irgendjemand fandt sein Verhalten seltsam und hat ihn als Jugendlichen zum Fußball geschickt, damit er in einem Mannschaftssport lernt mannschaftsdienlich zu werden.

    Ich will damit sagen, dass du dir die Dinge eventuell nicht so sehr persönlich zu Herzen nehmen solltest. Es kann an Konstellationen liegen, für die du nichts kannst und von denen du nichts weißt. Und außerdem: Die wirklich unempathischen Leuten tut so ein Verhalten wie bei dir mit dem Füttern mit Sand keine Spur leid. Dir tut es noch nach Jahrzehnten leid. Also ist alles im Prinzip i.O.

    Wen man meditiert, sieht man, dass schlechte, gute und neutrale Gedanken aufsteigen. Jeder Mensch hat schlechte Gedanken. Man kann dagegen nichts machen. Erst nachdem der Gedanke entstanden ist, wird er bewertet. Das Teil im Gehirn, das die Gedanken erzeugt, kann sie noch nicht bewerten. Das passiert erst bei einem späteren Gehirnteil, das diese Gedanken weiterverarbeitet. Man kann schlechte Gedanken minimieren, indem meine sich von Gier und Anhaftung fern hält, sowie v.a. sich von schlechten Taten fern hält. Schlechte Taten haben einen stärkeren schlechten gedanklichen Nachlauf als nur schlechte Gedanken. Du warst damals in einem Alter, in dem du noch keinen Umgang mit schlechten Gedanken gehabt hast. Kann sein, dass das alles ist. Wäre der Altersunterschied umgekehrt gewesen, wärst du vielleicht das Opfer gewesen und dein Bruder der "Täter", weil er sich auch erst einen Umgang mit schlechten Gedanken hätte erarbeiten müssen.

  • Neu und keine Ahnung :-)

    • Anandasa
    • 5. April 2025 um 16:09
    Monika:

    Ich habe nur zu Beginn, also 80er/90er Jahre formell meditiert.

    Seit ich Analayo "der direkte Weg - Satipathana" gelesen habe, ist das, was ich bereits Ende der 80er Jahre durch J. Krishnamurti erfahren habe, zu meiner normalen täglichen Praxis geworden, nämlich

    möglichst ständig ACHTSAM auf meine Gedanken, Handlungen und Umgebung zu achten.

    Gegenwärtig so gut es geht.

    Das interessant. Wenn ich mal kurz den Thread von Dharma-News kapern dürfte. Ich bin zwar nicht neu wie Dharma-News, habe aber auch keine Ahnung ...

    Ich halte Meditation schon für eine gute Sache für den Geist. Wie Zähneputzen hilft die Zähne gesund zu halten, hilft das Meditieren den Geist sauber zu halten. Aber die Wirkung vom Meditieren kann wieder sehr schnell verflogen sein (weswegen regelmäßiges Meditieren wichtig ist, aber anderes Thema).

    @Monika: Bei dir ist also Meditieren nicht die Hauptsache, sondern achtsam zu betrachten was im Geist gerade losgetreten wird und dem begegnen, wenn unheilsam? Mir kommt die Ahnung, dass dies tatsächlich wichtiger ist als das Meditieren um im Alltag nicht so leicht zu "entschweben".

  • Verletzlichkeit abmildern

    • Anandasa
    • 23. März 2025 um 18:09

    Eine Idee, aber jetzt wirklich nur eine Idee von mir, wäre darauf zu achten kein Ego zu bilden. Ist kein Ego da, wird nur wahrgenommen, dass da jemand sich nicht davon abhalten kann etwas verletzendes zu sagen. Nur muss man mit "kein Ego bilden" aufpassen, da es leicht missverstanden werden kann.

    Ein Mensch mit einer gesundes Psyche braucht ein gesundes Ego. Da sind sich die meisten Buddhisten und Psychologen einig. Deswegen ist das mit "kein Ego bilden" richtig gemacht nicht so ganz einfach. Es wäre vielleicht einen Versuch wert zu probieren die gedanklichen Gestaltungen, die jeweils zur Bildung eines Egos führen, wahrzunehmen und sich dann darin zu üben diese Gedanken ziehen zu lassen und nicht auf sie einzugehen.

  • Säkularer Buddhismus im Vergleich

    • Anandasa
    • 25. Januar 2025 um 16:34
    Hendrik:
    Anandasa:

    Warum Stephen Batchelor Karma im säkulären Buddhismus rausstreicht, habe ich nie verstanden. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass man sich selbst überlegen muss, was man aus dem Buddhismus übernimmt und was nicht. Ich überlege mir das jedenfalls wie sonst alles auch selbst.

    Auch das ist ein Missverständnis: Batchelor streicht lediglich traditionelle Vorstellungen über Karma (und Wiedergeburt), nicht aber grundsätzlich Karma.

    Aha, danke für die Info.

    Igor07:

    Anandasa .

    Ganz einfach. Weil mit dem Tod ist das Ende. Aber diese Tatsache kann uns verhelfen, das Leben, wie es ist, wertzuschätzen und die reaktiven Muster im eigenen Geist rechtzeitig zu durchschauen. So kann man vermeiden, verblendet durch kilesa zu reagieren, und stattdessen angemessen der Situation zu agieren. Es gibt keine höhere Instanz, also die Ethik kommt aus dem Inneren, nicht wegen äußerer Zwänge. Das wäre dann dasselbe wie im Christentum. LG.

    Damit ist gemeint, dass Karma nicht über den Tod hinaus wirkt? Ich würde jedenfalls zustimmen, dass die Wirkung von Karma über den Tod hinaus begrenzt wie z.B. wie die Kinder eines Verstorbenen ihr Leben weiterführen oder zu führen vom Verstorbenen gelernt haben.

    Aber ich bin davon überzeugt, dass Karma zu Lebzeiten existiert, vielleicht nur so zu 60-70%, weil es Verlust gibt. Deswegen behalte ich in meinem eigenen "säkulärem Andandasa-Buddhismus" Karma bei.

  • Säkularer Buddhismus im Vergleich

    • Anandasa
    • 21. Januar 2025 um 12:22
    Igor07:
    Zitat

    Einer der prägendsten Autoren zum Begriff des säkularen Buddhismus ist Stephen Batchelor. Für ihn folgt die Notwendigkeit eines säkularen Buddhismus aus zwei Aspekten:[1]

    • Die Vorstellung einer Reinkarnation passt nicht zum westlichen wissenschaftlichen Weltbild.
    • Die Vorstellung; dass Karma den Kreislauf der Reinkarnation beeinflusst; lässt sich ebenso wenig mit einem wissenschaftlichen Weltbild vereinen.

    Warum Stephen Batchelor Karma im säkulären Buddhismus rausstreicht, habe ich nie verstanden. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass man sich selbst überlegen muss, was man aus dem Buddhismus übernimmt und was nicht. Ich überlege mir das jedenfalls wie sonst alles auch selbst.

    Für mich ist daher der Begriff "säkulärer Buddhismus" ein Kunstbegriff, bei dem oft versucht wird eine Ersatzreligion zu bauen, bei dem andere dann auch mitmachen müssen. Ich steige da aus und mache eh mein eigenes Ding. Dann muss ich nicht bei irgendwelchen Sachen mitmachen, die ich schräg finde.

  • Zweifel am Buddhismus

    • Anandasa
    • 16. August 2024 um 17:50
    Jenscha:

    Das Retreat war der Auslöser für den Thread, denn obwohl ich nur positive Erfahrungen mit Tenzin gemacht habe, habe ich überlegt, dort nicht hinzugehen und dem Buddhismus den Rücken zu kehren, bevor sich auch Tenzin womöglich noch als Egomane oder Massenmörder oder sonst wahnsinnig herausstellt und durch sein Verhalten die Lehren ad absurdum führen würde.

    Ich habe diese Geschichte nicht googeln können, da ich mich an verschiedene Namen nicht mehr erinnere, die in der Geschichte vorkamen. Deswegen die Geschichte einfach frei singemäß aus dem Gedächtnis:

    Im alten Japan lebte einst ein Zen-Meister in einem Kloster. Eines morgens lag ein wohl vor kurzem geborenes Baby vor dem Tor des Klosters. Der Zen-Meister nahm das Baby auf und zog es groß. Einige Leute im Dorf begannen zu tuscheln, dass das Baby womöglich von dem Abt sei und die Mutter es deswegen dem Kloster vor das Tor gelegt hat. Der Zen-Meister hörte davon und sagte zu den Leuten, die das erzählten: "So, so, ist das so?".

    Nach vielen Jahren, das Baby war inzwischen schon ein Jugendlicher, kam die wahre Mutter des Kindes zum Kloster und wollte es von dem Abt zurückhaben. Der Zen-Meister antwortete ihr: "So, so, ist das so?" und gab ihr ihr Kind zurück.

    Dies ist eine Geschichte über Gleichmut im Buddhismus. Gleichmut ist ein wichtiges Thema um die innere Ruhe zu bewahren. Die innere Ruhe bewahren wie der Zen-Meister und die Lehrer Lehrer sein lassen ;)

  • Zweifel am Buddhismus

    • Anandasa
    • 14. August 2024 um 08:57

    Hallo Jenscha,

    ich kann dein Entsetzen über diese Leherer, die du gehabt hast, gut verstehen. Mir fällt da ein Beispiel ein von Tenzin Peljor ein, der zuerst der Neuen Kadampa Tradition angehörte und diese verließ, weil sie sektenartig war und der Sektenführer die buddhistischen Lehren gar nicht selbst lebte. Hier ist ein guter Artikel dazu: Interviews mit ehemaligen „Kadampa Buddhismus“ (NKT) Mitgliedern.

    Er hat diese Sekte verlassen und wurde dann vom Dalai Lama ordiniert. Ich höre oft seinen Vorträgen online und manchmal vor Ort zu. Sind für mich lehrreich und er macht auf mich einen sehr guten Eindruck.

    Tja, leider ist es so, dass man bei den Lehrern im Buddhismus sehr gut aufpassen muss. Solche Dinge, die in den Bereich von Religionen/Lebenssinn fallen, stellen für manche Lehrende eine Art Versuchung dar sich selbst darzustellen. Das ist was anderes als Fußball-Trainer zu sein. Vermutlich ist das bei anderen Religionen oder Welt-Philosophien auch so.

    Ich lese hauptsächlich Bücher oder schaue Youtube-Videos. Auf diese Weise komme ich auch gut weiter und fange an die Dinger besser zu verstehen. Empfehlen kann ich die Bücher von Jack Kornfield, Dalai Lama oder Thich Nhat Hanh. Persönlich mag ich Ajahn Buddhadasa, Ajahn Chah und Ajahn Brahm.

    Bei Lehrern vor Ort sollte man immer ein bisschen wachsam sein. Mal im Internet über den Lesen schadet nichts. Meine allererste Meditations-Einführung war bei einem Mönch aus der New Katampa Tradition. Nachher las ich im Internet darüber und war verblüfft - war froh darüber noch rechtzeitig gelesen zu haben.

    Buddha lehrte keinen Kopf über den eigenen zu setzen, also den Dingen immer selbst auf den Grund gehen, selbst nachprüfen. Ich bin immer wieder verblüfft wie manche Leute kein selbständiges Denken haben. Ich kenne sowas nicht. Ich habe die Dinge immer selbst überprüft, bin einfach von Natur aus kein autoritäts-orientierter Menschenschlag. So komme ich jedenfalls sehr gut durch.

    Es gibt gute Lehrer wie Tenzin Peljor (den Test der Zeit besteht kein Blender). Denen höre ich gern zu und lerne immer was. Aber zuerst muss man sehr aufpassen mit wem man es zu tun hat. Vor einiger Zeit war ich an einem Vortrag über Wiedergeburt von einem Mönchen aus Tibet. Er erzählte einfach was Buddha dazu gemäß Pali-Kanon gesagt hat, was aufgrund des Wissens der heutigen Wissenschaft mind. in Teilen nicht mehr haltbar ist. Die Leute stellten dann am Ende des Vortrags Fragen als ob sie das alles jetzt glauben würden, dass es genau so ist mit der Wiedergeburt wie dargestellt. Ich war echt schockiert. Man muss die Dinge selbst überprüfen, selbst durchdenken. Andere Leute mögen nett sein, sich für kompetent halten, aber man muss mind. am Anfang sehr wachsam sein.

    Die Idee einen Lehrer finden zu wollen ist womöglich die große Falle. Wenn man einen Lehrer finden will, gibt man dem automatisch einen Vorschussbonus. Und dann ist es schnell passiert, dass es ein böses Erwachen gibt. Ich brauche keinen Lehrer. Ich höre jemanden zu, der sicher mehr Ahnung hat als ich. Aber wenn ich merke, dass es kein Gewinn ist, mache ich damit nicht weiter. Und Lehrer brauche ich überhaupt keinen. Mein einziger Chef bin ich. Ein guter Lehrer setzt einen auf die Spur, so dass man selbst draufkommt. Das ist auch der Sinn der Koans, glaube ich. Aber ein guter Lehrer erzählt nie, dass irgendwas jetzt die Wahrheit wäre.

  • Glaube nicht jedem Gedanken?

    • Anandasa
    • 27. Juli 2024 um 17:42

    Das ist noch ein schönes Youtube-Video zu dem Therma: Unser Geist ist kein Freund

  • Suche Rat: Sein Glück im Außen suchen

    • Anandasa
    • 14. Juli 2024 um 02:35

    Hallo Max,

    ich kann dein Problem gut verstehen. Von außen kannman sich letztendlichkeine "Hilfe" holen. Alles, was man sich von außen reinzieht, belastet am Ende nur den eigenen Geist. Das ist so in etwa die Lehre Buddhas wie ich sie verstehe. Wobei ich das an Beobachtungen an mir selbst bestätigen kann.

    Dein Escooter ist aber nicht einfach nur sich was von außen reinziehen, sondern auch eine Art Befreiung aus dem Leben im Bett wegen der Schmerzkrankheit. Der Escooter birgt aber die Gefahr, dass die Dosis zu groß wird, und es daher zu einer Sache wird, bei dir was von außen reingezogen wird.

    Eine Idee wäre sich in kleinen Schritten voran zu tasten. Also zuerst einen kleinen kurzen Ausflug machen mit dem Escooter. Zu einem Baum fahren, unter dem du meditierst oder nur den Vögeln zuhörst und dann wieder nach Hause fährst. Dann kann man das etwas erweitern. Man stellt dann womöglich fest, dass noch mehr als das nicht gut war und beläst es bei den Ausflügen zum Meditieren unter einem Baum. Oder man erhöht den Radius etwas und entdeckt was neues, was einem sinnvoll erscheint. Kann sein, dass dann danach die Schmerzen wieder höher wurden. Also Dosis wieder reduzieren.

    Natürlich verstehe ich das Problem nur begrenzt. Nur was mir jetzt spontan dazu eingefallen ist, wie man das angehen könnte.

  • Buddhistische Praxis ist eine gute Altersvorsorge

    • Anandasa
    • 4. Juni 2024 um 14:53
    Zitat

    Solange Ego besteht, bestehen Sorgen.

    Ja, das ständige Bilden eines Egos führt zu ständigem Ergreifen. Kein Ego bilden zu wollen, dies umlaufen zu können, hat großen Nutzen, da hieraus geistige Klarheit folgt und das Loslassen von ständiger geistiger Beschäftigung, die auch zum Einschlagen eines ganz anderen geistigen Lebenswegs führt, der nur belastend und "versiffend" ist.

  • Buddhistische Praxis ist eine gute Altersvorsorge

    • Anandasa
    • 3. Juni 2024 um 15:07
    Igor07:

    Eine gute Frage ist, was bleibt von dem "Menschen", also im Sinne eines denkenden und selbstreflektierenden Wesens, wenn der Schmerz unerträglich wird oder wenn ein Mensch an Alzheimer erkrankt? Über welche Praxis kann man dann überhaupt noch reden? Ich finde keine Antwort.

    Das ist ein guter Punkt. Bei bestimmten Krankheiten wie u.a. Alzheimer lässt sich weder mit Geistesschulung noch Medizin was machen. Das ist aber eine weitergehende Thematik, die über das Annehmen des Sterbens an sich hinausgeht.

    Meine Nachbarin hat Alzheimer. Es ist jetzt soweit fortgeschritten, dass ihr Mann sie ins Pflegeheim bringen musste. Er besucht sie jeden Tag und sie erkennt ihn mittlerweile nicht mehr. Problem ist der weitere krankheitsverlauf bis zum Tod. Am Ende sterben die meisten Menschen mit Alzheimer an einer Lungenentzündung, was bis dahin ein furchtbarer Krankheitsverlauf ist. Diese Thematik ist für mich dann eher ein Problem mit der Sterbehilfe als mit ein buddhistisches Problem.

  • Buddhistische Praxis ist eine gute Altersvorsorge

    • Anandasa
    • 2. Juni 2024 um 15:10
    Zitat

    Buddhistische Praxis ist eine gute Altersvorsorge

    Ja, das sehe ich auch so. Die Beschäftigung damit unheilsame Dinge vom eigenen Geist fern zu halten hat Nutzen, der sich mit der Zeit auch wenigstens bedingt summiert. Frühzeitig einen Umgang damit zu entwickeln, dass die Dinge vergehen, macht es leichter, wenn das eigene Vergehen näherrückt.

    Wenn ich in meinem Freundeskreis nur sowas sage wie "alle Dinge vergehen" schauen sie schon verdutzt und betreten. Dann wird es irgendwann sehr schwer, wenn man keine Vorbereitung hat, und man sieht wie der Körper immer mehr nachlässt.

  • Ich empfinde den Buddhismus als trost- und hoffnungslos

    • Anandasa
    • 22. Januar 2024 um 18:38
    Monikadie4.:

    Ich war im Nachhinein sehr traurig, weil ich die Situation nicht realisierte. Dass ich so unbewusst war, konnte ich lange nicht begreifen.

    Heute weiß ich, dass ich keine Wahl hatte.

    _()_ _()_ _()_

    Als meine Mutter wieder einmal ins Krankenhaus musste hat mich der Arzt ziemlich böse angeschaut. Ich wusste gar nicht warum, ich hatte ihm gar nichts getan. Sie ist dann aus dem Krankenhaus nicht mehr zurückgekommen. Ich hatte es aber überhaupt nicht gewusst, dass es jetzt so ernst steht.

    Sie musste immer öfter und in immer kürzeren Abständen ins Krankenhaus. Im Nachhinein habe ich mir gesagt, dass ich das hätte sehen müssen. Aber ein Teenager hat nicht die Übersicht wie ein Erwachsener um sowas zu sehen. Ich bin sie nach der Schule immer im Krankenhaus besuchen gegangen. Das war das was ich als Teenager machen konnte und das habe ich auch gemacht. Damit war es gut.

    Das Schuldgefühl ist auch durch den Schock und weil es nun nicht mehr wegen Unumkehrbarkeit des Todes korrigiert werden kann. Manchmal muss man sich selbst gegenüber auch nachsichtig sein, wenn ein "fehlerfreies" Verhalten einen Perfektionismus erfordert hätte, den ein sehr wohl gewissenhafter Mensch nicht schaffen kann. Das menschliche Gehirn kann einfach nicht derart fehlerfrei arbeiten.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

  1. Impressum
  2. Datenschutzerklärung
  3. Nutzungsbedingungen
Community-Software: WoltLab Suite™ 6.1.18
Buddhaland Forum in der WSC-Connect App bei Google Play
Buddhaland Forum in der WSC-Connect App im App Store
Download