Ich kann nur wiederholen, wenn man von Gewissheit und spiritueller Hingabe erfüllt ist, können einem solche "inneren Angriffe" überhaupt nichts anhaben.
Dämonenartige Verkorksungen können sich nur verselbstständigen, wenn man bereits zu psychischer Labilität neigt, bevor man solche Kurse antritt. Leider habe ich immer wieder beobachtet, dass Mitglieder in religiösen Gemeinschaften zu einem höheren Prozentsatz davon befallen sind als Durchschnittsmenschen. Das liegt aber nicht in unserer Hand, darum müssen sich Fachleute kümmern. Wenn aber kein Befallener sie aufsucht, kann man auch nichts machen. Der Topf muss schon zum Deckel kommen, anders geht es nicht.
Ich sitze ja auch nicht auf dem Sofa, drehe Däumchen und denke: schluchz, schluchz, ich bin so einsam, wenn doch jemand käme und mich wahrnähme! - Nein!, denn wie soll einer kommen, wenn keiner weiß, dass ich einsam auf dem Sofa sitze? Da muss ich mich schon selbst bemerkbar machen.
Wir Otto Normalmenschen können nicht verhindern, dass psychisch Angeknackste nicht selten eher zu einer religiösen Gemeinschaft gehen als zum Psychiater. Wir sind keine Fachleute.
Aber spirituelle Lehrer sind nicht imstande, mit solchen Erscheinungen umzugehen. Das sollten sie aber. Doch sie sind darauf nicht geschult, und das ist fatal.
Ich habe mal an einem Ngöndro-Kurs teilgenommen mit einem Teilnehmer, der offensichtlich an Tourette-Syndrom litt. Er war einmal nach dem Mittagessen zum Küchendienst eingeteilt, während ich noch mit ein paar Anderen plaudernd am Tisch saß. Anscheinend bekam der Betroffene in der Küche einen Anfall. Kurz darauf ein furchtbares Geschrei, und eine Ehrenamtliche des Kamalashila-Instituts schmiss ihn raus und brüllte, er dürfe sich in der Küche nie wieder sehen lassen. Diese Ehrenamtliche ist mir sowieso unsympathisch. Sie hat ein Mitgefühl wie ein Holzhammer. Dass sie im Institut helfen darf, ist mir ein Rätsel.
Wenn man Ehrenamtliche(r) ist, darf man an den Kursen kostenlos teilnehmen. Sie wusste also schon vorher, dass der Betroffene krank ist, denn er verhielt sich etwas seltsam während der Sitzungen (wahrscheinlich hatte ihn sein Therapeut angeleitet, wie er am besten einen drohenden Anfall ableitet), aber in diesem Fall störte es eher nicht. Ich vermute auch, dass ihm sein Therapeut ein Attest geschrieben hatte, dass er an dem Kurs teilnehmen durfte.
Der Kandidat selbst war relativ schüchtern und mir tat es sehr Leid, dass er so isoliert wirkte.
Einmal habe ich ihm "Arbeitsmaterial" geliehen und bin selbst rausgegangen, weil ich die Übung in jener Stunde nicht ertragen konnte und mal an die Luft musste. Ich hatte gesehen, dass ihm Material für die Übung fehlte, aber er traute sich nicht, jemanden zu fragen.
Am nächsten Morgen nach dem Krach in der Küche, beim Frühstück, als der Lama in meiner Nähe saß, fragte dieser mich, was denn mit dem jungen Mann los sei, und ich erklärte ihm, dass ich vermute, dass er an Tourette-Syndrom leide. Der Lama hatte anscheinend noch nie davon gehört. Er hat mich das gefragt, weil er weiß, dass ich einen medizinischen Beruf erlernt habe.
Wie man sieht, ist hier einiges schiefgelaufen, dank der Tatsache, dass "spirituelle Fachpersonen" null Ahnung haben über neurologische Störungen.
Selbst die Lamas sind, trotz ihrer Ausbildung zum Lehrer, eher im "Learning-by-Doing-Modus", wenn es um ihr eigenes spirituelles Fortkommen geht, und das ist fatal, wie gesagt.
Mit den Vorgaben zu traditionellen Ritualen kommen sie zurecht, aber wenn es bei den Kandidaten zu Unregelmäßigkeiten kommt, aus welchem Grund auch immer, dann müssen sie passen. Das gilt auch, wenn man eine harmlose Frage stellt, die jedoch außerhalb der Norm liegt und nicht erwartet wurde.
Habe ich alles erlebt.