Das Prinzip der Ökonomisierung ist auch im menschlichen Denken zu beobachten, hier insbesondere in seiner Tendenz, die Dinge zu vereinfachen und Komplexität zu reduzieren. Die Verwendung griffiger Schlagwörter gehört hierzu. Schlagwörter sind Etiketten, die man der Welt aufklebt in dem Glauben, man würde sie dergestalt gedanklich in den Griff bekommen. Oft sind diese Etikettierungen jedoch nur Ausdruck von Denkfaulheit. Sie zementieren Fronten.
Nehmen wir den Begriff "Wohlfühlbuddhismus". Er eignet sich hervorragend, buddhistische Richtungen, mit denen man sich aus welchen Gründen auch immer nicht anfreunden mag, polemisch abzuqualifizieren. Man klebt diesen Richtungen das Etikett auf und basta. Den wenigsten wird bei diesem Manöver klar sein, was sie exakt unter dem Begriff verstehen. Der Begriff ist einfach ein praktikables Gefäß für diffuse Ressentiments.
Die buddhistische Geistesschulung versucht, auch solche Mechanismen transparent zu machen. Dem Praktizierenden ist klar, dass Begriffe ihren Nutzen haben, die Komplexität der Welt doch niemals in der Tiefe erfasssen können. Erwachen ist ein Vorgang, der den Menschen über die Begriffe hinaus führt. Die Geistesschulung beinhaltet einen sorgfältigen und achtsamen Umgang mit den Dingen. Auch mit Sprache. Sie beinhaltet im Hinblick auf Sprache diverse Fragestellungen: zu wem spreche ich? Was will ich zum Ausdruck bringen? Was ist das Motiv meiner Sprachhandlung? Ist meine Sprachhandlung dem Mitgefühl erwachsen oder der Aversion? Welche Folgen kann mein Sprechen haben?
Im Falle des Begriffes "Wohlfühlbuddismus" beobachte ich: die Tendenz zur Vereinfachung, das Bedürfnis nach Abgrenzung, das Bedürfnis, die eigene Praxis und das eigene Verständnis in der Abwertung des anderen aufzuwerten, reflexhaften und unachtsamen Umgang mit Begriffshülsen.
LG
Charlie