Die Zitate in diesem Thread habe ich folgendem Buch entnommen:
ZitatUm seine Schüler die segensreiche Tugend des Gebens zu lehren, erzählte ein alter Chan-Meister oft die folgende Geschichte:
Einst kam Buddha in eine große Stadt, um dort zu lehren. In dieser Stadt lebte eine alte Bettlerin, die überhaupt nichts besaß. Kaum war Buddha in der Stadt eingetroffen, strömten von überall her die Leute zusammen und überreichten ihre Gaben, um den Erleuchteten zu ehren. Das Stadtoberhaupt lud ihn ein, in seinem Palast zu wohnen. Auch die alte Bettlerin wollte den Buddha sehen, von dessen Lehre sie schon viel gehört hatte. Aber sie besaß nichts, was sie ihm als Gabe hätte darbringen können. Die Ausbeute eines ganzen Betteltages war nur eine Hand voll gelber Linsen, die jemand in ihre Schale geworfen hatte. Obwohl sie selbst hungrig war und den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte, wollte sie ihre einzige Gabe dem Buddha opfern.
Am Palast eingetroffen, wollte man sie nicht einlassen. So schmutzig und ungepflegt, wie sie sei, könne sie nicht durch dieses Tor treten, erklärten ihr die Wärter schroff. Doch die Bettlerin ließ sich nicht so einfach abwimmeln und forderte lautstark Einlass. Sie schrie so laut, dass der Buddha in seinem Gemach ihr Rufen vernahm. Als die Wärter sie gerade mit handfester Gewalt vertreiben wollten, trat Buddha hinaus vor das Tor, lief zu der alten Bettlerin und erkundigte sich, was geschehen sei. Diese überreichte voller Freude ihre Spende, die Buddha in großer Dankbarkeit entgegennahm.
Buddha ging sogleich in die Palastküche und bat den Koch, diese Linsen zu dünsten und überall auf jede der Speisen zu verteilen, die auf dem festlichen Bankett gereicht würden. Am Abend dieses Tages, als der Buddha mit anderen hohen Gästen an der Tafel des Herrschers saß, wurde das Essen aufgetragen. Es gab keine der reichlich gefüllten Platten und Schüsseln, auf der nicht irgendwo ein paar gelbe Linsen lagen. Kaum hatte der Herrscher die breit gestreuten Hülsenfrüchte bemerkt, wurde er ärgerlich und wollte den Koch herbeirufen. Doch Buddha erklärte sogleich, dass er es veranlasst habe und erzählte von seiner Begegnung mit der Bettlerin vor dem Tor. »Dies ist die kostbarste Speise des ganzen Banketts«, verkündete er, »denn sie kommt tief aus dem Herzen der Spenderin. Die alte Bettlerin hat nichts zurückgehalten. Sie hat alles gegeben, was sie hatte.«
Der König war beschämt und ließ die Wächter nach der Bettlerin suchen. Sie sollte auch am Festmahl teilnehmen.