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Lügen

  • Grund
  • 23. August 2011 um 11:00
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  • Grund
    Themenautor
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    18. Juni 2011
    • 23. August 2011 um 11:00
    • #1

    Hallo Theravadins

    Ich vermute, dass es im Theravada-Abhidhamma eine Definition für "Lüge" gibt, weil die Kommentare ja meist etwas genauer als die Sutten sind, was Definitionen angeht.

    Falls ich mich nicht täusche, kann jemand von euch die Definition von "Lüge" gemäß dem Theravada-Abhidhamma geben?


    Grüße
    TM

  • Hanzze
    Gast
    • 23. August 2011 um 11:42
    • #2

    ich habe gerade eine Seite entdeckt: ABHIDHAMMA.DE ...wobei ich jedem jedoch empfehle selbst in sein Herz zu sehen und die Abläufe selbst herauszufinden.


    Zitat

    Akusala kamma-patha durch Rede sind Lüge, Verleumdung und Geschwätz, die durch lobha motiviert werden. Diese Art von Rede hat ihren Beweggrund in lobha, wenn man etwas erreichen möchte oder sich vor anderen herausstellen möchte. Vielleicht nehmen wir fälschlich an, eine sogenannte 'Notlüge' oder eine Lüge aus Spaß seien harmlos. Tatsächlich werden jedoch alle Lügen durch akusala citta motiviert. In der Lehrrede 'Ermahnungen an Rāhula im Ambalatthikā' (Ambalattikā-Rāhulovāda-sutta, MajjhimaNikāya, Bhikkhuvagga) spricht Buddha zu Rāhula über die Lüge. Buddha sagte:

    „Ebenso, Rāhula, sage ich von dem, der sich einer bewussten Lüge nicht schämt, daß es nichts Böses gibt, das er nicht vollbringen könnte. Deshalb, Rāhula, soll gelten 'nicht einmal im Scherz will ich lügen'..., also hast du dich, Rāhula, wohl zu üben."

    Was Verleumdung angeht, so gibt es viele Menschen, die gern über andere sprechen. Wenn keine Absicht vorliegt, das Ansehen anderer zu schädigen, ist es kein akusala kamma-patha. Wenn jedoch das Gespräch über andere zur Gewohnheit wird, ist die Gelegenheit zum entstehen von akusala kamma-patha gegeben.

    Es wird von lobha-mūla-citta motiviert, wenn man durch die Verleumdung etwas für sich selbst erreichen oder anderen gefallen möchte. Wir werden weniger über andere sprechen oder sie verurteilen, wenn wir uns selbst und andere als Phänomene erkennen, die aufgrund von Bedingungen entstehen und wieder vergehen.

    In dem Augenblick, in dem wir das Verhalten anderer Menschen besprechen, hat sich die bedingt entstandene Wirklichkeit bereits wieder verändert. Was sie gesagt oder getan haben, ist verschwunden und existiert nicht mehr. Leichtfertiges Geschwätz umfasst Gespräche über unnütze, sinnlose Dinge. Mitunter sind diese Art von Gespräche durch lobha-müla-citta motiviert, die nicht die gleiche Heftigkeit wie akusala kamma-patha besitzen. Mitunter ist lobha von der Stärke, daß sie die Ursache für Geschwätz ist, das akusala kamma-patha ist.

    Lobha-mūla-citta kann zwei Arten von akusala kamma-patha durch den Geist bedingen: Habsucht und falsche Erkenntnis.

    Habsucht bedeutet, man möchte etwas durch unehrliche Mittel für sich erlangen, das jemand anderem gehört. Es gibt viele Arten von ditthi (falsche Ansicht, falscher Glaube, falsche Erkenntnis). Jedoch sind drei davon akusala kamma-patha durch den Geist. Eine Art von ditthi ist ahetuka-ditthi. Das ist die Ansicht, es gäbe keine Ursache für die Existenz der Lebewesen und keine Ursache für ihre Reinheit oder Verderbtheit.

    Eine andere falsche Ansicht, die akusala kamma-patha durch den Geist ist, wird akiriya-ditthi genannt. Sie ist der Glaube, gute und schlechte Taten würde kein Ergebnis bringen. Akusala kamma-patha durch den Geist ist auch die dritte falsche Ansicht, die natthika-ditthi oder Nihilismus heißt. Natthika-ditthi ist der Glaube, daß es kein Weiterleben nach dem Tode gibt. Alle Stärkegrade der lobha, seien sie grob oder fein, bringen Leiden. Wir sind Sklaven, solange wir an den Objekten, die wir durch Augen, Ohren, Nase, Zunge und den Tastsinn des Körpers erfahren, verhaftet sind und uns von ihnen blenden lassen. Wir sind nicht frei, solange unser Glück von Situationen abhängig ist, in denen wir uns befinden, und von der Art und Weise, wie andere sich uns gegenüber verhalten.

    In manchen Augenblicken sind Menschen liebenswürdig zu uns, in anderen Augenblicken sind sie verletzend. Wenn wir der Zuneigung anderer Menschen zu viel Bedeutung beimessen, werden wir zu leicht im Geiste gestört und werden somit Sklaven unserer Launen und Gefühlsregungen.

    Wir können unabhängiger und freier werden, wenn wir erkennen, daß wir selbst und andere nur nāma und rūpa sind, Phänomene, die aufgrund von Bedingungen entstehen und wieder vergehen. Wenn andere Menschen uns unerfreuliche Dinge sagen, dann reden sie so aufgrund von Bedingungen. Für uns sind Bedingungen entstanden, deretwegen wir solche Worte anhören müssen. Das Benehmen anderer Menschen und unsere Reaktionen ihnen gegenüber sind nāma und rūpa, die nicht dauerhaft sind. In dem Augenblick, in dem wir über diese Phänomene nachdenken, sind sie bereits weggefallen. Die Entfaltung des Klarblicks (Einsicht in die wahre Natur der Dinge) ist der Weg, freier zu werden. Achtsamkeit im gegenwärtigen Augenblick ist der Weg, dem Benehmen anderer Menschen uns gegenüber weniger Bedeutung beizumessen.

    Weil lobha so tief verhaftet ist, kann sie nur in verschiedenen Stufen getilgt werden. Zuerst muß ditthi vermieden werden und danach die anderen Arten der Bedingungen. Der sotāpanna hat ditthi entwurzelt. Er hat die Weisheit entfaltet, die alle Phänomene als nāma und rūpa erkennt und sie nicht mehr als ein 'Ich' betrachtet. Da er frei von ditthi ist, entstehen die lobha-mūla-citta mit ditthi nicht mehr. Wir haben gesehen, daß vier Arten der lobha-mūla-citta mit ditthi entstehen (sie sind ditthigata-sampayutta) und vier Arten ohne ditthi (sie sind ditthigata-vippayutta). Für den sotāpanna entstehen noch die vier Arten von lobha-mūla-citta ohne ditthi, da er noch nicht jede Art von Bindung ausgemerzt hat. Der sotāpanna ,ein Mensch, der die eiste Stufe der Erleuchtung erreicht, hat noch Eigendünkel (māna).

    Eigendünkel kann mit den vier Arten von lobha-mūla-citta ohne ditthi (ditthigata-vipayutta) entstehen. Eigendünkel, Einbildung (māna) bedeutet, daß man sich selbst mit anderen vergleicht, und man z.B. glaubt, man sei weiser als andere Menschen. Jedesmal, wenn man sich selbst besser, gleichwertig oder geringer als andere Menschen denkt, geschieht es aufgrund von Eigendünkel. Sich selbst geringer zu achten als andere, ist akusala. Eigendünkel ist so tief verwurzelt, daß er erst von dem arahat getilgt ist.

    Der Mensch, der die zweite Stufe der Erleuchtung erreicht, der sakadāgāmī (Einmalwiederkehrer), hat weniger lobha als der sotāpanna. Der Mensch, der die dritte Stufe der Erleuchtung erreicht, der anāgāmī (Nichtwiederkehrer), hat keine Bindung mehr zu den Objekten, die sich durch die fünf Sinne erfahren lassen. Er erlebt aber noch Eigendünkel und hält noch am Leben fest. Der arahat hat lobha vollständig getilgt.

    Alles anzeigen

    Dazu die unheilsamen Geistehaltungen:

    Zitat

    1. Moha (delusion) Unwissenheit
    2. Ahirika (shameless) Schamlosigkeit
    3. Anottappa (utter recklessness, not having normal dread) Äusserste Rücksichtslosigkeit
    4. Uddhacca (distraction, restlessness) Zerstreuung, Rastlosigkeit
    5. Lobha (greed) Gier
    6. Ditthi (wrong view) falsche Ansicht
    7. Mana (conceit) Dünkeln
    8. Dosa (hatred, anger) Haß
    9. Issa (envy) Neid
    10. Macchariya (jealousy, selfishness) Selbstsüchtigkeit
    11. Kukkucca (worry) Sorge/Kummer
    12. Thina (sloth) Faulheit
    13. Middha (torpor) Trägheit
    14. Vicikiccha (skeptical doubt) Zweifel

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    PS: ich kenn mich im Theravada Abhidhamma nicht wirklich aus

  • sumedhâ
    Gast
    • 23. August 2011 um 12:06
    • #3
    TMingyur:

    Hallo Theravadins

    Ich vermute, dass es im Theravada-Abhidhamma eine Definition für "Lüge" gibt, weil die Kommentare ja meist etwas genauer als die Sutten sind, was Definitionen angeht.

    Falls ich mich nicht täusche, kann jemand von euch die Definition von "Lüge" gemäß dem Theravada-Abhidhamma geben?


    Grüße
    TM


    wie wichtig ist die definition? (frage ich mich, natürlich)
    ich finde es spannend herauszufinden warum ich zu einem bestimmten anlass nach "ausreden" suche? oder strategien entwickle um nicht zu "ent-wickeln" aber zu "ver-wickeln"
    echt spannend was ich mir manchmal zu recht biege, auf den ersten blick ist es auch nicht immer sichtbar....
    was würde ich schon alleine in der "wildniss" :D (übertreibe schon mal gerne) tun? ohne glotze .... hier hält mir der eine order andere "penetrant" den spiegel vor.... langsam wird es eng für "ausreden"....

    @Hanzee....ich weiss das du wieder was dazu weisst........vielen dank im voraus :D

    _()_

  • Hanzze
    Gast
    • 23. August 2011 um 12:23
    • #4

    Die Definition ist nur für die theoretisch praktizierenden Praktiker wichtig und für die praktisch Praktizierenden vielleicht ganz gut zum abgleichen und weiterwühlen *schmunzel* (nach so einer Einladung ist so eine Antwort ziemlich gezwungen) Über die Bedeutung eines penetranten Spiegels muß ich noch etwas sinnieren *schmunzel* ... penetrieren, durchdringen

  • Grund
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    • 23. August 2011 um 15:44
    • #5
    sumedhâ:

    wie wichtig ist die definition? (frage ich mich, natürlich)

    Zur Abgrenzung wann der Begriff "Lüge" gültig ist und wann nicht. Aus der Debatte darüber wurde ersichtlich, dass es da wohl Unsicherheiten gibt. Ich habe im "Allgemein" Thread ja eine Definition aus einer anderen Tradition gegeben, welche ich schon hilfreich finde.
    Natürlich wird die Analyse dadurch nur auf eine andere subtilere Ebene verschoben. Insofern ist das "weiterwühlen" von Hanzze schon zutreffend. Aber Erkenntnisgewinn hängt ja vom "Wühlen" ab.

    Grüße
    TM

  • Tenzin Sherab
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    18. Dezember 2009
    • 9. Februar 2012 um 09:38
    • #6

    Zu diesem sehr interessanten Thema gebe ich heute mal einen imaginäres Beispiel aus dem wahren Leben.
    Mich würde dazu mal eure fachliche, aber gerne auch einfach nur persönlche Meinung interessieren!

    Ein Theravada Mönch lebt ganz alleine in 1-2 Häusern!
    Nach Außen gibt er (durch Bilder auf seiner Homepage und Zeitungsinterviews) an, dass zur Zeit 2-3 Mönche fest dort leben.

    Dazu meine folgenden 3 Diskussionsfragen:

    1. Ist das Haus ein Buddhistisches Kloster?
    Wenn JA:
    2. Ist der Mönch dessen Klostervorsteher?
    Wenn 2x NEIN:
    3. Ist dieser Mann ein Lehrer und spiritueller Führer?

    Mann/Frau kein Unterschied!
    Aber wenn eine Frau fest entschlossen nach Erleuchtung strebt,
    ist sie letztendlich immer im Vorteil!
    Guru Rinpoche

  • Onyx9
    Gast
    • 15. Februar 2012 um 00:32
    • #7
    Tenzin Sherab:

    Zu diesem sehr interessanten Thema gebe ich heute mal einen imaginäres Beispiel aus dem wahren Leben.
    Mich würde dazu mal eure fachliche, aber gerne auch einfach nur persönlche Meinung interessieren!

    Ein Theravada Mönch lebt ganz alleine in 1-2 Häusern!
    Nach Außen gibt er (durch Bilder auf seiner Homepage und Zeitungsinterviews) an, dass zur Zeit 2-3 Mönche fest dort leben.

    Dazu meine folgenden 3 Diskussionsfragen:

    1. Ist das Haus ein Buddhistisches Kloster?
    Wenn JA:
    2. Ist der Mönch dessen Klostervorsteher?
    Wenn 2x NEIN:
    3. Ist dieser Mann ein Lehrer und spiritueller Führer?

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    Sind das Fangfragen ? :grinsen:
    Was hast du gegen den ?

  • hedin
    Gast
    • 15. Februar 2012 um 08:07
    • #8
    Onyx9:
    Tenzin Sherab:

    Zu diesem sehr interessanten Thema gebe ich heute mal einen imaginäres Beispiel aus dem wahren Leben.
    Mich würde dazu mal eure fachliche, aber gerne auch einfach nur persönlche Meinung interessieren!
    Ein Theravada Mönch lebt ganz alleine in 1-2 Häusern!
    Nach Außen gibt er (durch Bilder auf seiner Homepage und Zeitungsinterviews) an, dass zur Zeit 2-3 Mönche fest dort leben.
    Dazu meine folgenden 3 Diskussionsfragen:
    1. Ist das Haus ein Buddhistisches Kloster?
    Wenn JA:
    2. Ist der Mönch dessen Klostervorsteher?
    Wenn 2x NEIN:
    3. Ist dieser Mann ein Lehrer und spiritueller Führer?

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    Sind das Fangfragen ?
    Was hast du gegen den ?

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    Tenzin Sherab will wissen, ob er ein Lügner wäre ;)

    hedin

  • Bambus
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    • 15. Februar 2012 um 08:47
    • #9
    Zitat

    Dazu meine folgenden 3 Diskussionsfragen:

    Das kann ja jeder nach seinem Wissensstand selber entscheiden.

    Mir sieht es eher danach aus, dass hier öffentlich auf mögliche Verfehlungen hingewiesen wird und "durch die Blume" gesagt wird Person xy ist ein Lügner. Das finde ich, nicht nur aus Sicht eines Moderators, nicht in Ordnung.

    Wenn eine Person oder eine Institution etwas falsch gemacht hat, oder Lügen erzählt, dann kann das selbstverständlich gesagt werden. Ob das Zeigen mit dem ausgestreckten Finger heilsam ist oder nicht ist dann noch eine andere Frage. Wenn man es denn aber sagen will, um z.B. Dritte zu schützen, dann bitte belegt und mit allen Fakten. Andeutungen geben nur böses Blut.

    Vielen Dank

    Bambus

    Von mehreren Theorien, die die gleichen Sachverhalte erklären, ist die einfachste allen anderen vorzuziehen.

    Die Leute von denen Du am meisten lernen kannst sind die mit denen Du nicht einer Meinung bist.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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