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Ordinationsformen??

  • Vajrakila
  • 23. Juli 2010 um 10:19
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  • Vajrakila
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    • 23. Juli 2010 um 10:19
    • #1

    http://www.buddhaland.de/posting.php?mode=edit&f=22&p=77821

    Könnte mir einer den Untschied zwischen Vinaya-Ordinierten und Brahmajala-Ordinierten erklären? Warum unterschiedlich Ordinationsformen? Wann wurde denn die Brahmajala-Ordination eingeführt?
    Danke :D:D

  • Benkei
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    • 23. Juli 2010 um 17:54
    • #2

    Namaste!

    Vajrakila:

    Könnte mir einer den Untschied zwischen Vinaya-Ordinierten und Brahmajala-Ordinierten erklären? Warum unterschiedlich Ordinationsformen? Wann wurde denn die Brahmajala-Ordination eingeführt?
    Danke :D:D


    Die Vinaya-Ordination umfasst, je nach Überlieferung zwischen ca. 223 und 260 Gelübde für Bhikkhus und über 300 Gelübde für Bhikkhunis. Sie geht auf den Korb der Ordensdiziplin des buddhistischen Dreikorb zurück (z. B. im Pali-Kanon zu finden).

    Die Brahmajala-Ordination, von Dengyo Daishi Saicho auch "Mahayana-Ordination" genannt, geht auf das Brahmajala-Sutra des Mahayana-Kanon zurück, welches von Kumarajiva (343 - 413 n. Chr.) aus den Sanskrit ins Chinesische übersetzt wurde. Das Mahayana-Brahmajala-Sutra ist nicht zu verwechseln mit dem Pali-Brahmajala-Sutta.

    Die ursprüngliche Brahmajala-Ordination, bestehend aus 10 Haupt- und 48 Nebengelübden, wurde zuerst zusätzlich zur Vinaya-Ordination genommen; sie sollte wohl den Bodhisattva-Aspekt des Weges in Form von zusätzlichen Gelübden herausstreichen. Dengyo Daishi Saicho hat dann bei der Etablierung seiner japanischen Tendai-Shû, um 800 n. Chr., für seine Mönche die Brahmajala-Ordination als wesentlich angesehen, die Vinaya-Ordination war in der Tendai-Shû folglich keine Pflicht mehr, sondern konnte zusätzlich zur Brahmajala-Ordination genommen werden.

    Die anderen japanischen Schulen, wie z. B. die Shingon Shû oder die Kegon Shû gingen dann ebenfalls dazu über, die Brahmajala-Ordination als die Hauptordination zu etablieren.

    Auch die meisten "neueren" Schulen der Kamakura-Zeit übernahmen zuerst die Brahmajala-Ordination wie sie sie von der Tendai Shû, aus der ihre "Gründer" ja hervorgingen, kannten (z. B. die Rinzai Shû, die Jodo Shû oder die Nichiren Shû).

    Später wurde die Brahmajala-Ordination dann teilweise vereinfacht, so dass zumeist nur noch die 10 Hauptgelübde genommen wurden (vgl. Meister Dogen's "Shobogenzo Jukai"). Ergänzt wurden diese Gelübde dann durch die jeweiligen Tempel-/Klosterregeln.

    In den heutigen japanischen Schulen, in welchen noch ein Mönchs-Klerus besteht, spielen vordergründig die 10 Hauptgelübde des Brahmajala-Sutra (ggf. in abgewandelter Form) eine Rolle.

    Außerhalb der japanischen Traditonen nehmen die Mönche zumeist die vollständige Vinaya-Ordination in ihrer jeweiligen Form an, sie sind dann folglich Bhikkhus (bei Nonnen Bhikkhunis).

    Ich hoffe das erhellt ein wenig.

    < gasshô >

    Benkei

    "Allmorgendlich beginne ich meinen Tag damit, den Spiegel zu polieren;
    Täglich türme ich neue Staubschichten auf;
    Allabendlich beende ich meinen Tag damit, weiter zu polieren;
    Und scheinbar wirbelt auch ein Schlafender noch Staub auf."
    HôShin

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    • 23. Juli 2010 um 18:03
    • #3
    Benkei:

    Namaste!

    Vajrakila:

    Könnte mir einer den Untschied zwischen Vinaya-Ordinierten und Brahmajala-Ordinierten erklären? Warum unterschiedlich Ordinationsformen? Wann wurde denn die Brahmajala-Ordination eingeführt?
    Danke :D:D


    Die Vinaya-Ordination umfasst, je nach Überlieferung zwischen ca. 223 und 260 Gelübde für Bhikkhus und über 300 Gelübde für Bhikkhunis. Sie geht auf den Korb der Ordensdiziplin des buddhistischen Dreikorb zurück (z. B. im Pali-Kanon zu finden).

    Die Brahmajala-Ordination, von Dengyo Daishi Saicho auch "Mahayana-Ordination" genannt, geht auf das Brahmajala-Sutra des Mahayana-Kanon zurück, welches von Kumarajiva (343 - 413 n. Chr.) aus den Sanskrit ins Chinesische übersetzt wurde. Das Mahayana-Brahmajala-Sutra ist nicht zu verwechseln mit dem Pali-Brahmajala-Sutta.

    Die ursprüngliche Brahmajala-Ordination, bestehend aus 10 Haupt- und 48 Nebengelübden, wurde zuerst zusätzlich zur Vinaya-Ordination genommen; sie sollte wohl den Bodhisattva-Aspekt des Weges in Form von zusätzlichen Gelübden herausstreichen. Dengyo Daishi Saicho hat dann bei der Etablierung seiner japanischen Tendai-Shû, um 800 n. Chr., für seine Mönche die Brahmajala-Ordination als wesentlich angesehen, die Vinaya-Ordination war in der Tendai-Shû folglich keine Pflicht mehr, sondern konnte zusätzlich zur Brahmajala-Ordination genommen werden.

    Die anderen japanischen Schulen, wie z. B. die Shingon Shû oder die Kegon Shû gingen dann ebenfalls dazu über, die Brahmajala-Ordination als die Hauptordination zu etablieren.

    Auch die meisten "neueren" Schulen der Kamakura-Zeit übernahmen zuerst die Brahmajala-Ordination wie sie sie von der Tendai Shû, aus der ihre "Gründer" ja hervorgingen, kannten (z. B. die Rinzai Shû, die Jodo Shû oder die Nichiren Shû).

    Später wurde die Brahmajala-Ordination dann teilweise vereinfacht, so dass zumeist nur noch die 10 Hauptgelübde genommen wurden (vgl. Meister Dogen's "Shobogenzo Jukai"). Ergänzt wurden diese Gelübde dann durch die jeweiligen Tempel-/Klosterregeln.

    In den heutigen japanischen Schulen, in welchen noch ein Mönchs-Klerus besteht, spielen vordergründig die 10 Hauptgelübde des Brahmajala-Sutra (ggf. in abgewandelter Form) eine Rolle.

    Außerhalb der japanischen Traditonen nehmen die Mönche zumeist die vollständige Vinaya-Ordination in ihrer jeweiligen Form an, sie sind dann folglich Bhikkhus (bei Nonnen Bhikkhunis).

    Ich hoffe das erhellt ein wenig.

    < gasshô >

    Benkei

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    ja prima danke...und wie heißen die 10 Hauptgelübde dieser Ordination?

  • Benkei
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    • 23. Juli 2010 um 19:05
    • #4

    Namaste!

    Vajrakila:

    ja prima danke...und wie heißen die 10 Hauptgelübde dieser Ordination?


    1.) Nicht töten
    2.) Nicht stehlen
    3.) Abstandnahme von missbräuchlichem sexuellen Verhalten
    4.) Nicht lügen
    5.) Nicht mit Rauschmitteln handeln
    6.) Öffentlich keinen Bodhisattva und kein Sangha-Mitglied kritisieren
    7.) Sich nicht selbst loben und andere nicht herabsetzen
    8.) Nicht geizig sein
    9.) Sich nicht Wut, Ärger und Zorn hingeben
    10.) Die Drei Kostbarkeiten nicht herabsetzen

    Das Brahmajala-Sutra findest du hier (in Englisch).

    Ergänzend sei noch angemerkt, dass die Brahmajala-Ordination bereits im alten China sowohl von Bhikkhus/Bhikkhunis als auch von Laien angenommen wurde. In manchen japanischen Schulen legen folglich Laien heute dieselben Gelübde ab wie Mönche oder Nonnen.

    < gasshô >

    Benkei

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    Täglich türme ich neue Staubschichten auf;
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    • 24. Juli 2010 um 10:53
    • #5

    Sind also die Brahmajala-Gelübde in den Vinaya-Gelübden enthalten, so scheint es mir. Aber umgekehrt wird dadurch das meiste "mönchstaugliche" ausgeklammert. Was hat das für einen Sinn? Filtern? Ausklammern? Wenn ja, warum? Laienkompatible Mönchsregeln oder mönchkompatible Laienregeln?

  • Benkei
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    • 24. Juli 2010 um 13:21
    • #6

    Namaste!

    Vajrakila:

    Sind also die Brahmajala-Gelübde in den Vinaya-Gelübden enthalten, so scheint es mir.

    Ich denke die ersten fünf der Zehn Gelübde sind sicher irgendwo im Vinaya enthalten. Bei den anderen bin ich mir nicht so sicher.
    Im Vinaya bin ich nicht ausreichend belesen, um darüber eine Aussage treffen zu können.

    Vajrakila:


    Aber umgekehrt wird dadurch das meiste "mönchstaugliche" ausgeklammert. Was hat das für einen Sinn? Filtern? Ausklammern? Wenn ja, warum? Laienkompatible Mönchsregeln oder mönchkompatible Laienregeln?

    Wie gesagt, bestand die ursprüngliche Handhabe darin, als Bhikkhu/Bhikkhuni die Brahmajala-Ordination zusätzlich nach der Vinaya-Ordination zu nehmen, bzw. als Laie nur die Brahmajala-Ordination.

    Dengyo Daishi Saicho sah in der Vinaya-Ordination hauptsächlich den Hinayana-Aspekt, also die Bestrebungen ausschließlich zur eigenen Befreiung, während für ihn die Brahmajala-Ordination den Mahayana-Aspekt verkörperte, also den Weg des Bodhisattva - das Wirken zum Wohle aller Wesen.
    Daneben steckt auch politisches Kalkül hinter der Entscheidung für die Brahmajala-Ordination. Die Vinaya-Ordination war im damaligen Japan nämlich den alten Nara-Schulen vorbehalten, von welcher sich die gerade eingeführten Tendai Shû und Shingon Shû unabhängig machen wollten.

    Die "Nachfolger" Saichos behielten dann, wie gesagt, die Brahmajala-Ordination bei, bzw. legten irgendwann das Hauptaugenmerk auf die Zehn Hauptgelübde. Man sollte aber keinesfalls vergessen, dass neben den Gelübden auch immer die jeweiligen Tempel-/Klosterregeln gelten, welche diese dann ergänzen.

    Allein der Umstand, dass in japanischen Traditionen selten(1) die Vinaya-Ordination genommen wird, macht japanische Klöster nicht zu "lauen Einrichtungen".

    Das ganze ist wohl auch im japanischen System begründet. Die Mönche sind meist Söhne von Mönchen, die einem Dorf- oder Stadttempel inklusiv Laien-Gemeinde und Friedhof vorstehen (man könnte auch Priester sagen). Für ihre Ausbildung gehen sie für mehrere Jahre in größere Ausbildungsklöster, in welchen einige Mönche auch auf Dauer leben. Nach ihrer Ausbildung übernehmen sie dann irgendwann die Tempel ihrer Väter, heiraten und gründen eine Familie - sie wirken dann quasi "in der Welt" für ihre Laien-Gemeinde.
    Die Mönche, welche dauerhaft in den Ausbildungstempeln leben, sind im Gegensatz zu den Familientempel-Mönchen dauerhaft den Klosterregeln unterworfen.

    Natürlich hat jedes System seine schwarzen Schafe; ob man nun japanische Brahmajala-ordinierte Mönche nimmt, die zechen und sich im Royals Rolls durch die Gegend fahren lassen, oder nach dem Vinaya ordinierte Bhikkhus, die in Anzügen und mit Rolex bewaffnet auf Empfängen flanieren, das ist einerlei.

    < gasshô >

    Benkei

    zu (1): Es mag auch in Japan noch Traditionen geben, die nach dem Vinaya ordinieren (beispielsweise vielleicht die Shingon-Ritsu?). Auch kommt es vor, dass sich nach Brahmajala-Sutra ordinierte Mönche oder Nonnen dazu entschließen, zusätzlich die Vinaya-Ordination anzunehmen. Das wird dann meist im Ausland, beispielsweise in Taiwan gemacht, wo die Vinaya-Ordination zum Standard gehört.

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    • 24. Juli 2010 um 15:09
    • #7

    Vielen Dank Benkei,
    für Deine Ausführlichkeit...sehr hilfreich......allein die Frage bleibt für mich übrig, warum man Gelübde ablegt, wenn man sie doch nicht hält...oder Gelübde ändert, damit man sie halten kann? Ja, es menschelt überall! :oops::idea:

  • Benkei
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    • 24. Juli 2010 um 16:42
    • #8

    Namaste!

    Vajrakila:

    Vielen Dank Benkei,
    für Deine Ausführlichkeit...sehr hilfreich......allein die Frage bleibt für mich übrig, warum man Gelübde ablegt, wenn man sie doch nicht hält...oder Gelübde ändert, damit man sie halten kann? Ja, es menschelt überall! :oops::idea:


    Du hast Dir die Antwort soeben selbst gegeben - "es menschelt überall!"

    Ich denke mal Saicho hat einfach eine Wahl getroffen, ohne etwas zu ändern. Er hat abgewägt, was wohl eher dem Leben nach dem Mahayana - dem Leben als Bodhisattva - entspricht.

    Seine "Nachfolger" haben dann einfach die typisch japanische Vereinfachung angewandt:
    Zehn Gelübde statt 10 + 48, alles übrige regeln die Tempelvorschriften an die man sich hält, solange man im Tempel lebt, ausgebildet wird oder gerade an einem Sesshin teilnimmt.

    Daneben spielte natürlich auch Politik, wie in der Meji-Zeit, als die Mönche teilweise zur Heirat gezwungen wurden, eine nicht zu verkennende Rolle.

    Ich denke in Japan wird es kaum noch anders gehen, und der Umstand, dass dieses System in einem -na sagen wir mal "westlichen" Land- wie Japan funktioniert, deutet daraufhin, dass es auch hier funktionieren könnte.

    Ein System wie in Thailand oder Burma jedenfalls, also Bhikkhus die morgens um vegetarisches Essen betteln, kein Geld berühren dürfen, keinen direkten Kontakt mit einer Frau haben dürfen, auch sonst kaum etwas besitzten dürfen, dass wird bei uns nicht funktionieren. Jedenfalls nicht, solange man gewillt ist, die Vinaya-Regeln vollumfänglich einzuhalten.

    Aber wie schon anderwo gepostet: Das ist immer eine individuelle Entscheidung.

    < gasshô >

    Benkei

    "Allmorgendlich beginne ich meinen Tag damit, den Spiegel zu polieren;
    Täglich türme ich neue Staubschichten auf;
    Allabendlich beende ich meinen Tag damit, weiter zu polieren;
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    HôShin

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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