„Auf welche Weise hat ein Bhikkhu keine Kenntnis von Form? Da versteht ein Bhikkhu nicht der Wirklichkeit entsprechend: ,Alle Form, von welcher Art auch immer, besteht aus den vier großen Elementen und aus Form, die von den vier großen Elementen abstammt.‘ Auf solche Weise hat ein Bhikkhu keine Kenntnis von Form.“
Ich versuche das ganze Sutta so zu erklären wie ich es verstanden habe:
Der Buddha nimmt ein einfaches Bild. Ein Kuhhirte hat eine Herde. Will er, dass die Herde wächst und gesund bleibt, muss er einiges können. Fehlen ihm diese Dinge, geht die Herde zurück. Hat er sie, gedeiht sie. Dann überträgt der Buddha das Bild auf einen Übenden. Elf Dinge lassen die Praxis schrumpfen. Elf Dinge lassen sie wachsen.
- Ein Hirte, der die Kühe nicht kennt, kann die Herde nicht führen. Ein Übender, der den Körper nicht als vier Elemente und als das, was davon abhängt, versteht, kennt die Form nicht. Wer den Körper so sieht, kennt die Form.
- Ein Hirte, der die Zeichen der Tiere nicht kennt, führt die Herde schlecht. Ein Übender, der nicht versteht, dass Taten den Menschen prägen, kennt die Merkmale nicht. Ein Tor zeigt sich durch Taten. Ein Weiser zeigt sich durch Taten. Wer das sieht, ist geschickt in den Merkmalen.
- Ein Hirte, der die Eier der Fliegen nicht entfernt, lässt die Herde krank werden. Ein Übender, der aufkommende Sinneslust, Übelwollen und den Wunsch zu schaden, stehen lässt, entfernt die Eier nicht. Wer diese Zustände aufgibt, entfernt die Eier.
- Ein Hirte, der Wunden nicht versorgt, lässt die Herde leiden. Ein Übender, der die Sinne nicht hütet, verbindet die Wunden nicht. Beim Sehen greift er nach Zeichen und Merkmalen. Begierde und Trauer fließen ein. Wer die Sinne hütet, verbindet die Wunden.
- Ein Hirte, der keinen Rauch macht, vertreibt die Insekten nicht. Ein Übender, der andere den Dhamma nicht lehrt, wie er ihn gehört hat, macht keinen Rauch. Wer den Dhamma weitergibt, macht Rauch.
- Ein Hirte, der die Furt nicht kennt, findet den Übergang nicht. Ein Übender, der die Erfahrenen nicht nach dem Sinn und der Bedeutung fragt, kennt die Furt nicht. Wer fragt, kennt die Furt.
- Ein Hirte, der nicht weiß, wann genug getrunken ist, tut den Tieren nicht gut. Ein Übender, der beim Hören des Dhamma keine Freude, keine Zuversicht und keine Klarheit findet, kennt das Trinken nicht. Wer Freude am Dhamma findet, kennt das Trinken.
- Ein Hirte, der den Weg nicht kennt, verirrt sich. Ein Übender, der den Edlen Achtfachen Pfad nicht kennt, kennt den Weg nicht. Wer den Pfad kennt, kennt den Weg.
- Ein Hirte, der die Weide nicht kennt, findet kein gutes Futter. Ein Übender, der die vier Grundlagen der Achtsamkeit nicht kennt, kennt die Weide nicht. Wer diese vier kennt, kennt die Weide.
- Ein Hirte, der die Tiere leer melkt, nimmt ihnen die Kraft. Ein Übender, der alles annimmt, was ihm gegeben wird, ohne Maß, melkt leer. Wer Maß hält und etwas übrig lässt, melkt nicht leer.
- Ein Hirte, der die alten Bullen nicht ehrt, verliert die Führung. Ein Übender, der die älteren, erfahrenen Mönche nicht ehrt, ehrt die Alten nicht. Wer sie ehrt, ehrt die Alten.
Das Sutta zeigt, dass Wachstum nicht von allein kommt. Es braucht Aufmerksamkeit für den eigenen Geist, für die Sinne, für die Gemeinschaft. Die elf Dinge sind Werkzeuge für den Alltag. Wer sie vergisst, fällt zurück. Wer sie lebt, wächst. Das Sutta ist wie ein Spiegel. Es zeigt, wo man noch nachlässig ist. Es zeigt auch, was schon da ist. Kein Grund zur Überheblichkeit. Kein Grund zur Verzweiflung. Einfach weitergehen. 🙏