Hier, mal eine "Anfänger-Frage" in die Runde: Wie seid ihr denn gerade Anfangs mit den ergänzenden Eigenheiten zu Zazen, wie Kinhin, mit dem Kyosaku http://www.youtube.com/watch?v=DzvDy6--oCM oder gar den Niederwerfungen umgegangen? Habt ihr das einfach gemacht, ohne nachzudenken (wie man es wohl auch tun sollte), habt ihr euch damit gleich ganz wohl gefühlt oder erst später? Und wie wichtig findet ihr das gemeinsame Praktizieren?
Kinhin, Kyosaku und Niederwerfungen
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Hallo badcox,
Kinhin dürften wohl die meisten Übenden als angenehm empfinden - jedenfalls ist mir noch selten begegnet dass jemand dabei sitzen geblieben ist.
Den Kyosaku habe ich erst nach einigen Jahren bei Hungerleider kennengelernt - weder Lassalle noch Willigis haben ihn benutzt. Und es hat dann einige Zeit gedauert, bis ich es einmal 'ausprobiert' habe. Ich war nicht von vornherein dagegen [wie so Manche] nur eher skeptisch - aber meine Erfahrungen damit sind gut - wenn man ihn vernünftig einsetzt [was nicht immer der Fall ist...]
Mit Niederwerfungen wurde ich erst später konfrontiert, als ich erstmals mit Japanern übte - die waren dafür dann wieder mit dem Kyosaku sehr sparsam- ich eher bei den Niederwerfungen, einmal wegen meiner kaputten Bandscheiben, und auch weil mir persönlich diese Art der Übung nicht so sehr hilfreich scheint.
Das gemeinsame Praktizieren halte ich für sehr wichtig - das alleine-Sitzen allerdings ebenso
() Wolfgang
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Gute Fragen. Wie bin ich selber damit umgegangen?
Bei Kinhin hab ich mir gedacht, dass das wohl eine Sekte ist (man hört ja so einiges und die laufen alle in Schwarz rum...). Vor dem Kyosaku hatte ich grosse Angst. Konnte mir kaum vorstellen das es gut tun kann mit dem Stab geschlagen zu werden. Dann hatte ich mein erstes Sesshin und war froh über den Stab am Rücken. Aber ich lass mich heute noch nicht von jedem schlägern...
Bei den Niederwerfungen fällt mir folgende Begebenheit ein. Mein Meister bemängelte, dass ich mich nicht an die Regeln des Zendo halte. Darauf ich zu ihm: Aber im Zen geht es doch kaum darum sich an Regeln festzuhalten... Daraufhin er: Ah, Du gehst also nackend einkaufen?Klar war ich schockiert - sowas tut man nicht. Mein Meister grinste mich an und sagte: Ach, aber die "Hausregeln" eines Zendo kannst Du nicht beherzigen?
Wobei ich es wohl dann später mit den Niederwerfungen übertrieben haben dürfte, denn kurz darauf fragte mich mein Meister, warum ich mich denn vor dem Buddha niederwerfe... Klar, weil er heilig ist usw.
Nö, ist er nicht - ist doch nur ein Stück Holz - nicht mehr und nicht weniger...
Man - mein alter Meister hat mich oft zur Verzweiflung gebracht. Aber war schön die Zeit mit ihm.
Puce
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Ich seh das ganz nüchtern:
Kinhin nach 25 Minuten, und wenn ich aus dem Fenster linse, erinnere ich mich an die Übung und kehre dazu zurück.Kyosaku - da höre ich erst mal hin, wie der/die schlägt, dann bitte ich dennoch selten, aber gelegentlich ganz gerne um seine Anwendung (Gassho im Sitzen).
Niederwerfungen - ja, aus Verehrung des Weges ... und als gute Erinnerung, dass es weder um meinen Willen geht noch um mein Belieben.
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Puce:
Gute Fragen. Wie bin ich selber damit umgegangen?
Vor dem Kyosaku hatte ich grosse Angst. Konnte mir kaum vorstellen das es gut tun kann mit dem Stab geschlagen zu werden. Dann hatte ich mein erstes Sesshin und war froh über den Stab am Rücken. Aber ich lass mich heute noch nicht von jedem schlägern...
Ja, das Teilnehmen an einem Sesshin oder Retreat mit stundenlangem Sitzen über Tage scheinen die Bereitschaft dazu naturgemäß zu fördern.Puce:
Bei den Niederwerfungen fällt mir folgende Begebenheit ein. Mein Meister bemängelte, dass ich mich nicht an die Regeln des Zendo halte. Darauf ich zu ihm: Aber im Zen geht es doch kaum darum sich an Regeln festzuhalten... Daraufhin er: Ah, Du gehst also nackend einkaufen?
Klar war ich schockiert - sowas tut man nicht. Mein Meister grinste mich an und sagte: Ach, aber die "Hausregeln" eines Zendo kannst Du nicht beherzigen?
Wobei ich es wohl dann später mit den Niederwerfungen übertrieben haben dürfte, denn kurz darauf fragte mich mein Meister, warum ich mich denn vor dem Buddha niederwerfe... Klar, weil er heilig ist usw.
Nö, ist er nicht - ist doch nur ein Stück Holz - nicht mehr und nicht weniger...
Da hat er ja Recht. "Ein Buddha aus Metall schwimmt nicht im Wasser, ein Buddha aus Holz hält dem Feuer nicht stand".Puce:
Man - mein alter Meister hat mich oft zur Verzweiflung gebracht. Aber war schön die Zeit mit ihm.
- Sehr schöne Geschichte! -
qilin:
Kinhin dürften wohl die meisten Übenden als angenehm empfinden - jedenfalls ist mir noch selten begegnet dass jemand dabei sitzen geblieben ist.() Wolfgang
Dabei sitzen geblieben ist in meiner Gruppe auch noch niemand. Einer findet das Kinhin nach 25 Jahren immer noch schwierig richtig auszuführen und für mich ist es z.B. auch nicht einfach, weil ich krankheitsbedingt auch so schon naturgemäß nicht so gut gehen kann. Das Kinhin macht das sehr viel deutlicher als es beim Gehen im täglichen Leben der Fall ist.qilin:Den Kyosaku habe ich erst nach einigen Jahren bei Hungerleider kennengelernt ... Und es hat dann einige Zeit gedauert, bis ich es einmal 'ausprobiert' habe.
Mit Niederwerfungen wurde ich erst später konfrontiert, als ich erstmals mit Japanern übte - die waren dafür dann wieder mit dem Kyosaku sehr sparsam- ich eher bei den Niederwerfungen, einmal wegen meiner kaputten Bandscheiben, und auch weil mir persönlich diese Art der Übung nicht so sehr hilfreich scheint.
Ich habe alles auf einmal von Anfang an kennengelernt und dann natürlich auch noch die Sutra-Reizitationen nicht zu vergessen. Es wurde damals schon bei der Einführung humorvoll darauf hingewiesen, dass es sich dabei wirklich nicht um "Gehirnwäsche" handle.qilin:
Das gemeinsame Praktizieren halte ich für sehr wichtig - das alleine-Sitzen allerdings ebenso
Ja, in jedem Fall. -
Namaste!
Bei meiner ersten Einführung in die Praxis eines Dojos war mir das Kinhin sehr suspekt. Ich dachte mir dann aber - ach, das kriegst du schon hin; mach einfach was alle machen.
Bei meinem ersten Kinhin dann, waren meine Schritte zu groß, so dass ich Acht geben musste, dem Vormann nicht in die Hacken zu schreiten. Aller Anfang ist schwer!Mittlerweile möchte ich das Kinhin gar nicht mehr missen. Den Wechsel der Zen-Haltung, vom Sitzen zum Gehen, sehe ich besonders auch beim Sesshin als sehr wertvoll an.
Das Kyosaku wird in unserem Dojo sehr selten eingesetzt; eigentlich nur beim Sesshin. Ich habe festgestellt, dass es andere wirksame Methoden gibt, mit dem Kyosaku Achtsamkeit herzustellen, als das Schlagen auf den Rücken - beispielsweise das "versehentliche" fallenlassen des Erweckungsstabes. Das wirkt auf abgelenkte Sitzer ebenso erweckend wie der direkte Schlag (so habe ich es jedenfalls empfunden und war gleich wieder präsent).
Mit Niederwerfungen oder Verbeugungen hatte ich eigentlich nie ein Problem. Ich hatte vorher von der Praxis der 111.111 Niederwerfungen im Vajrayana gelesen und empfand dann die drei Niederwerfungen, die wir nach einer Sitzung (Zazen-Kinhin-Zazen-Rezitation oder Zazen-Kinhin-Zazen-Kinhin-Zazen-Rezitation) vollziehen schon fast als Notwendigkeit.
Was mich die ersten Monate störte waren die Rezitationen auf japanisch. Ich machte zwar mit und versuchte, auch die ein oder andere auswendig zu lernen, war aber der Meinung, dass man das abschaffen müsste und stattdessen deutsche Übersetzungen verwenden sollte (was ich allerdings für mich behielt).
Mittlerweile möchte ich auch das nicht mehr missen. Es klingt einfach kraftvoller mit tiefer Stimme das "Hannya Shingyo" zu chanten als das "Herz-Sutra" in deutsch aufzusagen. Auch daheim nach dem morgentlichen Zazen gibt es deshalb im stillen Kämmerlein nunmehr das Hannya ShingyoEinen schönen Sonntag!
< gasshô >Benkei
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Benkei:
[...] Auch daheim nach dem morgentlichen Zazen gibt es deshalb im stillen Kämmerlein nunmehr das Hannya Shingyo
Finde ich schön, dass du das sogar auch zuhause rezitierst - etwa so richtig mit den Klängen zwischendurch, den "Bings" an den richtigen Stellen? Also ich schaffe das Hannya Shingyo nur, wenn ich es vom Blatt ablese und selbst dann habe ich häufig noch Probleme damit und vertu mich mit der nächsten Zeile o.ä. Das gemeinsame Rezitieren in der Gruppe ist angenehm.Mein Zazen findet meistens nach der Arbeit statt, bevor ich mich mit etwas anderem beschäftige, aber selbst dann nur das Zazen völlig ohne alles übrige. Ich zünde nur ein Weihrauchstäbchen an. - Morgens steh ich jobbedingt auch so schon vor 5 auf. Da schaffe ich das Sitzen dann nicht, obwohl die Morgenstunde von der Physis her sicher besser wäre.
Dir auch einen schönen Rest-Sonntag mit
< gasshô > -
Also zuhause rezitiere ich nicht - schon um nicht die Familie zu stören - nur an einmal kann ich mich erinnern:
Da waren die Kinder noch klein, und die Tochter fragte mich mal, was wir denn beim 'Sitzabend' so täten -
ich erzählte es ihr, und beim Wort 'rezitieren' stutzte sie und fragte, was denn das sei. Ich sagte, ich könne
es ja mal vorführen, und sie rief laut nach ihrem Bruder: "Du, komm schnell, Papa subtrahiert uns was vor!"Wolfgang
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qilin:
: "Du, komm schnell, Papa subtrahiert uns was vor!"
Wolfgang
einfach herrlich!
(Sicher praktizierst du schon lange, vermute ich?! - Ich habe nun einige Menschen kennengelernt, die das schon seit 25-30 Jahren tun. Das beeindruckt mich und ich frage mich dann, was denn da wohl die spürbarsten Veränderungen, Erkenntnisse o.ä. gewesen sein mögen, aber das ist schon wieder ein anderes Thema.)
Schönen Abend
badcox -
Namaste!
badcox:Finde ich schön, dass du das sogar auch zuhause rezitierst - etwa so richtig mit den Klängen zwischendurch, den "Bings" an den richtigen Stellen?
Leider nicht. Dafür hätten die Mitbewohner meines Hauses wohl weniger Verständnis, da das ihren Schlaf beeinträchtigen würde - die stehen erst auf, wenn ich zur Arbeit fahre.
Ich halte es so, dass ich vor der Rezitation (direkt nach dem Zazen) einmal mit dem Juzu raschele und dann, relativ leise, loslege. Nach dem Hannya Shingyo kommen dann noch drei Niederwerfungen
Vor dem Zazen rezitiere ich die Zufluchtnahme, die Vier Großen Gelübde und andere kürzere Texte auf deutsch.ZitatAlso ich schaffe das Hannya Shingyo nur, wenn ich es vom Blatt ablese und selbst dann habe ich häufig noch Probleme damit und vertu mich mit der nächsten Zeile o.ä. Das gemeinsame Rezitieren in der Gruppe ist angenehm.
Ich lese auch meistens noch ab um nicht "zu springen", was beim Auswendigrezitieren schon mal passieren kann. In der Gruppe finde ich es auch angenehmer.< gasshô >
Benkei