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Freude als verdecktes Leid

  • anita.m4
  • 5. Juni 2009 um 07:32
  • Zum letzten Beitrag
  • anita.m4
    Gast
    • 5. Juni 2009 um 07:32
    • #1

    Hallo,

    was hat die Isis mit dieser Aussage gemeint?

    "Freude als verdecktes Leid"

    Habe die Worte schon von allen Seiten betrachtet, bin zu keinem Ergebnis gekommen :?:

    Grüsse Anita

  • melong
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    • 5. Juni 2009 um 07:35
    • #2
    anita.m4:

    Hallo,

    was hat die Isis mit dieser Aussage gemeint?

    "Freude als verdecktes Leid"

    Habe die Worte schon von allen Seiten betrachtet, bin zu keinem Ergebnis gekommen :?:

    Grüsse Anita

    Das ist auch ganz normal, weil du nicht Isis bist :D
    Nur Isis kann wissen, was Isis damit gemeint hat, obwohl - wenn ich das so sagen darf unter Berücksichtigung allgemeiner Aspekte menschlicher Wahrnehmung und damit einhergehender Taten - ich mir da manchmal auch nicht so sicher bin.

    Wenn man aber die Ansicht hat - und diese ist im Theravada wohl sehr verbreitet - dass Leben identisch mit Leid wäre - dann ist natürlich jedes Phänomen, welches in diesem Leben in Erscheinung treten kann, auch "irgendwie" Leid.
    Aber dann müsste man konsequenterweise auch sagen, dass der buddhistische Weg Leid ist oder "verdecktes Leid" ist. Das widerspricht aber dem, was der Buddha Gautama selbst gelehrt hat.

    Die Ausdrucksweisen der Buddhas sind ohne Grenzen, vielfältig ihre Sprachen.

  • Dhammika
    Gast
    • 5. Juni 2009 um 07:55
    • #3

    Die vier edlen Wahrheiten:

    - die Wahrheit vom Leiden, (dukkha)
    - von der Leidensentstehung, (dukkhasamudāya)
    - der Leidenserlöschung, (dukkhanirodha)
    - der zur Leidenserlöschung führende Achtfache Pfad, (dukkhanirodhagāminī patipadā)

    Die erste Wahrheit, die Wahrheit vom Leiden, von der Unzulänglichkeit lehrt, dass alles Dasein unbefriedigend und dem Leiden unterworfen ist. Dies ist zu durchschauen. (Dukkha Sacca)
    Die zweite Wahrheit ist die Wahrheit von der Ursache des Leidens: Die Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung. Sie sind zu überwinden. (Samudāya Sacca)
    Die dritte Wahrheit ist die Wahrheit von der Aufhebung des Leidens: Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. Dies ist zu verwirklichen. (Nirodha Sacca)
    Die vierte Wahrheit gibt an, wie man die endgültige Leidenserlöschung erreichen kann. Hierbei handelt es sich um den edlen Achtfachen Pfad. Er ist zu gehen. (Magga Sacca)


    Man kann unterscheiden zwischen Spass/Freude haben...eine Freude die abhängig ist von einem außen, eine Freude die aber zwangsläufig auch wieder vergeht und Gier nach "Wieder haben wollen" neuer Freude weckt und daher letztendlich leidvoll ist und der Freude, die nicht anhaftet. Dann gibt es noch die Feude, die man jederzeit "selber" hervorrufen kann. Egal wo man gerade steht im Leben.

    Letztendlich ist das ganze Leben insofern leidvoll, dass alles vergänglich, unzulänglich, ohne Bestand ist.
    Eben ob dieser "Leidhaftigkeit" hat der Buddha einen Weg daraus aufgezeigt. Der edle achtfache Pfad.

  • melong
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    • 5. Juni 2009 um 08:10
    • #4

    Ehrlich gesagt, Anita, ich verstehe nicht warum du das gleiche Thema hier nochmal aufmachst.
    Aber ich habe auch nichts dagegen mich hier zu wiederholen :D
    Betreff: dürft ihr spass haben??

    Zitat

    8. „Hat er die Befleckungen des Geistes teilweise aufgegeben, ausgetrieben, losgelassen, überwunden und beseitigt, so erwägt er: ,Ich bin von vollkommener Zuversicht in Bezug auf den Buddha erfüllt‘, und er wird davon begeistert, er wird vom Dhamma begeistert, er erlangt Freude im Zusammenhang mit dem Dhamma. Wenn er froh ist, steigt Verzückung in ihm auf; bei einem, der verzückt ist, wird der Körper still; einer, dessen Körper still geworden ist, empfindet Glück; bei einem der Glück empfindet, wird der Geist konzentriert.“


    http://www.phathue.de/buddhismus/dha…e-sammlung/mn7/

    Die Ausdrucksweisen der Buddhas sind ohne Grenzen, vielfältig ihre Sprachen.

  • Lirum Larum
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    Buddh. Richtung
    Ich protestiere gegen den mangelnden Respekt vor den unterschiedlichen Traditionen.
    • 5. Juni 2009 um 09:02
    • #5

    Och, ich finde schon, dass es ein anderes Thema ist als "Dürft Ihr Spaß haben?"
    Freude ist doch nicht unbedingt mit Spaß gleichzusetzen.

    Ich verstehe die Aussage "Freude als verdecktes Leid" so, dass Freude zur dualen Welt gehört. Wir versuchen solange, das eine ohne das andere zu haben, bis wir mit der Sache durch sind und einsehen, wie es alles wirklich ist.
    Die Freude, die man verlieren kann, bereitet starken Schmerz. Die Palette geht von Wehmut bis zu Höllenqualen des Zusammenbruchs.
    Man sagt ja landläufig, das würde sich wohl so 50/50 ausgleichen, aber ich hab in meinem Leben beobachtet, dass es für 5% starke Freude 95% echtes Verlustleid gibt. Oftmals.

    Es geht gar nicht darum, dass man sich nicht freuen soll, sondern nur darum, dass man die Dinge angucken und erkennen möge, wie sie SIND. Und dann sind die Ausführungen von Dhammika (Die Vier Edlen Wahrheiten) ein Fluchtpunkt aus dem Dilemma und greifen.

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • anita.m4
    Gast
    • 5. Juni 2009 um 10:33
    • #6

    Hallo,

    so langsam kann ich Euch besser verstehen.

    Melong - ich habe das Thema aufgemacht, weil Isis mir dazu geraten hat, sie hat recht, denn jetzt ist der "Spaßfaktor" draußen.
    Dhammika - danke für Deine Zeilen, man merkt in all Deinen Berichten, wie sehr Du Dich mit der Lehre (ernsthaft) beschäftigst. Ich werde mir die Lehrreden anschauen, besonders den Achtfachen Pfad.
    Losang Lama - danke auch Dir, als ich Deine Zeilen lass, habe ich gedacht: "Sie hat recht, so ist es mir auch schon oft gegangen."

    Also, ich verfolge das Thema weiter.

    Grüße Anita

  • Isis
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    • 5. Juni 2009 um 22:35
    • #7

    Hallo Anita,

    es handelt sich um das Erkennen des Leids (der Unzulänglichkeit), die 1. Wahrheit.

    Wenn man Vier Edle Wahrheiten verstehen will, kommt man nicht ohne Palikanon aus. Durch das meditative Lesen kannst du dann vieles eher verinnerlichen, als das, was im Forum nur so nebenbei geschrieben wird. Einen guten Anfang findet man in der Wikipedia unter "Buddhismus"...

    ... dann kann dir den Max Ladner empfehlen, der über die Leidensentstehung schreibt...

    Zitat

    Die zentrale Ursache alles Leidens dieser Welt findet sich aber in dem Begriff der Vergänglichkeit....
    So steckt in jeder Freude und in jedem Lustgefühl der Stachel der Vergänglichkeit, der das Leben immer wiederum in Leiden wandelt...


    http://www.palikanon.de/diverses/max_ladner/m_ladner01_1.htm

    ... hier, im Kommentar zur Satipatthana-Sutta findest du das Thema auch...

    Zitat


    "Wer Glück als Leiden sieht und Leid als Stachel,
    In dem, was weder Freude ist noch Leid, Vergänglichkeit erkennt,
    Ein Mönch, der also recht versteht,
    voll Frieden wird sein Leben sein."
    (Samy.36.5)

    "Wer Glück als Leiden sieht", nämlich als das in der Veränderlichkeit bestehende Leid.

    "Leid als Stachel", weil es eine schmerzliche Wunde erzeugt, weil es tief eindringt und schwer zu beseitigen ist.

    Außerdem sind alle diese Gefühle als leidvoll zu betrachten. Denn es heißt: "Was auch immer gefühlt wird, ist im Leid."

    D.h., es ist im Leiden eingetaucht, in ihm einbegriffen; weil man nämlich über die allen Daseinsgebilden eigene Leidhaftigkeit nicht hinwegkommen kann.

    Auch Freude ist als Leiden zu betrachten, und in diesem Sinne heißt es: "Beim freudigen Gefühl ist sein Bestehen Glück, seine Veränderung ist Leid usw."

    Alles anzeigen


    http://www.palikanon.de/diverses/satipatthana/satikom01.htm

    ... und hier auch... (ein schönes Zitat daraus):

    Zitat

    Das eine Glück beruht auf dem unverlierbaren Wissen um die wahre Natur aller Daseinserscheinungen, das andere auf der zeitweiligen Anwesenheit günstiger Umstände. Den Unterschied zeigt sofort ein Blick in die Umwelt: Da sieht der Weltling die Wesen in Elend fallen, krank werden und sterben, und große Angst erfaßt ihn, daß auch sein Glück sich wenden könnte. Der Heilige aber kennt keine Angst - er hat alle Verhaftungen aufgegeben und steht unberührt von den Wandlungen des Daseins.


    http://www.palikanon.de/diverses/licht…cht_lehre04.htm

    Dieses Forum ist speziell dazu da, dass man Fragen stellt wenn man etwas nicht versteht, einen Rat braucht usw. Also nur zu, du musst keine Angst haben hier etwas nicht thematisieren zu dürfen.
    Die PK-Suchfunktion hast du?
    http://suche.nibbanam.com/

    :D8) Bis denne, dir lieben Gruß.

    _()_
    Das aber verkünde ich, o Freund: in eben diesem klafterhohen, mit Wahrnehmung und Bewusstsein versehenen Körper, da ist die Welt enthalten, der Welt Entstehung, der Welt Ende und der zu der Welt Ende führende Pfad.
    BUDDHA

  • Isis
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    • 6. Juni 2009 um 14:16
    • #8

    Beiträge abgetrennt -> Mahayana...
    Isis

    _()_
    Das aber verkünde ich, o Freund: in eben diesem klafterhohen, mit Wahrnehmung und Bewusstsein versehenen Körper, da ist die Welt enthalten, der Welt Entstehung, der Welt Ende und der zu der Welt Ende führende Pfad.
    BUDDHA

  • anita.m4
    Gast
    • 6. Juni 2009 um 15:43
    • #9

    Hallo Isis,

    danke für die Internetseiten, besonders für die Suchfunktion.

    Jetzt kann ich mal nach den buddhistischen Begriffen schauen, denn ohne Übersetzung verstehe ich fast kein Wort.
    Habe aber auch von Dhammika schon Seiten bekommen z.B. "Achtfacher Pfad".

    Wünsche Dir ein schönes Wochenende.

    Grüsse Anita

  • pema
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    • 9. Juni 2009 um 23:16
    • #10

    Liebe Anita,
    ich persönlich :D verstehe diesen Ausdruck "Freude als verstecktes Leid" wie folgt.
    Es gibt verschiedenen Arten der Einteilung der Leiden im Buddhismus, eine davon ist eine dreifache: Leiden des Schmerzes, Leiden des Wandels und Allesdurchdringendes Leiden.
    Ersteres ist ziemlich klar, darunter fallen alle offensichtlichen körperlichen und auch geistige Leiden.
    Zweiteres ist aber schon schwieriger zu fassen. Und ich denke es hat vielleicht mit deiner Frage zu tun. Es gibt Dinge und Zustände, die wir als Glück auffassen, die aber nur rein zeitweiliges Glück bedeuten und sich in Leiden wandeln können. Ein Beispiel: gutes Essen kann einen vorübergehend doch recht glücklich machen, isst man aber zuviel, geht es einem bald nicht mehr so gut. Und so geht es uns mit vielen Dingen - wir halten sie für wahres Glück und streben nach ihnen , ja haften sogar nach ihnen an - und verstehen nicht, dass sie uns kein wahres Glück bringen können.
    Wäre so ein Ding in der Lage wahres Glück zu bringen, dann müsste man umso glücklicher werden, je mehr man davon hat oder zu sich nimmt. Das ist aber nicht der Fall, oder? Sogar Dinge, die einen kurzfristig sehr glücklich machen, langweilen einen nach einer gewissen Zeit oder gefallen einem sogar gar nicht mehr.
    Manchmal geht's auch ganz schnell und deine Freude über ein neues Kleidungsstück, die du noch im Geschäft hattest, kehrt sich schon zuhause in Missmut, da es doch nicht so passt wie du geglaubt hast.
    Überhaupt denk ich auch, dass sehr oft in unserer Gesellschaft das Stillen irgendwelcher Begierden und kurzfristige Lustgefühle mit Glück verwechselt wird und in Wahrheit Leiden bringen - und vor allem dann, wenn man denkt, dass sie das Potential besitzen einen glücklich zu machen. So gesehen versteckt oder tarnt sich so manches Leid als Glück und ist schwerer als ein solches zu erkennen. Im allgemeinen ist es vielleicht schwieriger, die Begierde als unheilsam zu erkennen als z.B den Hass oder die Wut. So gesehen ev. Freude als verstecktes Leid?
    Ist man sich allerdings bewusst, dass die weltlichen Dinge nie zu dauerhaftem Glück führen können und haftet daher auch nicht mehr an ihnen an, dann wird man in der Lage sein, sie richtig genießen zu können. Man unterliegt keinen Illusionen mehr.
    Also ist der Buddhismus keine lebensfeindliche Religion, die jeden Spass ausschließt - aber diese Diskussion hattest du ja schon - und auch verschiedenen Antworten dazu :)
    Es würde mich freuen wenn ich dir mit meiner Antwort ein wenig helfen konnte bei deinem Verständnis. :P
    Alles Liebe
    pema

Ausgabe №. 137: „Sorgen entsorgen?"

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