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Insekten-Ethik

  • Schnolsch
  • 14. Februar 2014 um 10:05
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  • itssead
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    • 23. Februar 2014 um 06:49
    • #26

    Hallo Zusammen,

    (sorry wenn hier leicht das Thema von mir verfehlt wird: Moskito Beute: ua. Mensch, Thema-Insekt Beute: ua. Tapete)

    Ich hab gestern nochmal die Moeglichkeit gehabt zu relektieren. In einer Dokumentation ueber eine(Kanu-) Reise im Amazonas wurde der sehr hell-heutige
    'Hauptdarsteller' regelrecht von Moskitos 'gefressen'. ("Ich zaehle 52 Moskito Stiche an meiner Linken, 50 an meiner rechten Hand" etc.) aber auch die
    besuchten Ureinwohner wurden gerne zum Ziel der Moskitos - wenn auch diese nicht annaehernd so lecker erschienen wie der besagte Hauptdarsteller.

    Meine Gedanken:

    Der Amazonas ist Moskito Land. Die Lebensbedingungen erscheinen mir dort fuer Moskitos ideal und fuer Menschen weniger. Wenn man sich in den
    Amazonas begibt akzeptiert man die Dominanz der Moskitos. Auch wenn man sich vor Ort bestimmt auchmal dazuhinreissen laessen - aus Frust, Wut
    oder Reflex nach den Moskitos zu schlagen und einzelne zu toeten wird es dardurch ja nicht besser. Der Kampf ist aussichtslos. Ich Mensch moechte hier
    in diesem Amazonas leben (oder ihn bereisen) - also nehme ich die Moskitos und (leichten) Schaden fuer mich selbst in kauf.

    Wenn sich nun z.B. ein Berliner (Region war frueher wohl ausgedehntes Sumpfland) ueber Menschen und Bausubstanz fressende Insekten aufgregt gibt
    es doch Ansich garkeinen Grund dazu. Wenn dann wohl das Insekt ueber den Menschen, der sich ja wohl extrem effektiv und ausdauernd das urspruengliche
    Wohngebiet - in dem beide Nachbarn waren - unter den Nagel gereissen hat.

    Kleinslebewesen, Bakterien etc. Meiner Meinung nach (und ich bin kein Experte) - leben(!) diese meist in komplexer Symbiose - in und um um uns herrum.
    Ich waere mir da garnicht so sicher ob wir da teaglich millionen davon umbringen. Schon mal versucht etwas was nur wenige micrometer gross ist zu zertreten?
    Ebenso koennte ich mir gut vorstellen, dass wenn man Barfuss durch die Natuer laeuft - dadurch auch automatisch achtsamer (um Schaden von den eigenen
    Fuessen abzuhalten) und somit weniger bis minimalen Schaden anrichtet (\.B Kleinstinsekt wird nicht zerquestscht sondern in den Boden getreten).

    Mir geht es nicht drum dass wir alle ein schlechtes Gewissen haben sollten und Berlin ins uerspruengliche Sumpfgebiet rueckbauen sollten - sondern um
    die Entwicklung von Achstamkeit und Toleranz ('Wer geht hier wem wohl auf die nerven?') -Dies ist bei (fuer das eigene Leben recht ungefaehlichen)
    kleinen und kleinst Lebewesen halt ideal zu trainieren - Bei der Begegnung mit einem Hornissenschwarm oder einer Elefantenherde sind wir dies ja wohl
    meist schon automatisch :D

    ps. (Ich lese sowas zwar aber beschaeftige mich nicht weiter damit, hehe). Also der Nazivergleich ist meiner Meinung nach recht einfach durch das Relativieren
    zu erklaeren. Da Nazis gerne als Idealbild fuer "Das maximal Schlechte was Menschen - Menschen antun koennen (oder getan haben)" genommen werden.
    Die Rekativierung lautet daher: "Die Nazis waren so schlimme Menschen - da bin ich (und mein Tieretoeten) ja noch harmlos dagegen."

    pps. Godwin’s law wird nach meiner Ansicht verwendet um (meist den Gegner) mit dem menschlich maximal schlechten Gleichzusetzen. "Das kleine Ego
    moechte bitte aus dem Kinderparadis abgeholt werden" :D

    ppps. Ist der Mensch ueberhaupt als einzelnes Lebewesen zu sehen oder als ein komplexes symbiotisches System? hehe

  • fotost
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    • 23. Februar 2014 um 07:30
    • #27

    :lol: Ja, richtiger Ansatz. Ähnlich wie bei meinem Bild mit dem Wohnraum, den wir beanspruchen und den die meisten gerne relativ Bakterien-, Viren- und Krabbeltier frei halten möchten.

    Auf einer rein biologischen Ebene konkurrieren wir mit anderen Lebewesen und erzeugen damit Leid für diese. Der Löwe will eigentlich auch nur überleben und seine Jungen durchbringen - Pech für die Antilope. Andere Lebewesen konkurrieren mit uns und erzeugen Leid für uns und sei es in der Form von Moskitostichen.

    Wir haben im Unterschied zu anderen Lebensformen die Möglichkeit über diese Zusammenhänge nachzudenken und bei richtiger Einsicht die Gesamtmenge an Leiden zu vermindern. Es gibt da interessante Schnittmengen von buddhistischen Gedanken zu anderen Ansätzen wie der ökologischen Bewegung oder vegetarisch, veganen Ideen.

  • itssead
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    • 23. Februar 2014 um 07:43
    • #28

    Naja ich sehe uns Menschen schon meist eher als Stoerfaktor dieser Bio/Oeko-Ebene: Aus einem "Fress mich ruhig - Du wirst ja auch (noch) von jemand gefressen" ist ein unausgeglichenes "Ich fress euch alle" geworden, oder? :D

    ...nur wie gsagt ist jetzt ja auch nicht der Grund uns alle selbst zu hassen :D

  • fotost
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    • 23. Februar 2014 um 08:05
    • #29
    itssead:

    Naja ich sehe uns Menschen schon meist eher als Stoerfaktor dieser Bio/Oeko-Ebene: Aus einem "Fress mich ruhig - Du wirst ja auch (noch) von jemand gefressen" ist ein unausgeglichenes "Ich fress euch alle" geworden, oder? :D

    Ja, wir sind als Spezies schon unheimlich 'erfolgreich' :doubt:

    Das interessante an dieser Bio/Oeko-Ebene ist für mich der Versuch, stärker in Systemen und Zusammenhängen zu denken als in Einzelmaßnahmen. Das ist zwar komplizierter aber letztlich wahrscheinlich erfolgreicher.

  • Schnolsch
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    • 5. März 2014 um 17:55
    • #30

    Danke für eure interessanten Meinungen ;)

    Mein Zimmer ist nun gestrichen und die HInausbetreuung der nicht mal stecknadelkopfkleinen Insekten war schwierig.
    Besonders zwischen Ecken und Kanten, da konnte mein Becher mit Loch unten, wo der Staubsauger mit Nylonstrumpf war, wenig ausrichten, da die Insekten sehr haften.
    Also stellte ich den Staubsaugerregler immer höher und nach und nach ging es mehr schlecht als recht.
    Nach jeder kleinen Aktion entleerte ich den Becher auf meinen Balkonblumen, aber die Insekten darin waren steif, entweder stellten sie sich Tod oder sie waren es leider schon.
    Später nahm ich nur das Staubsaugerrohr mit einer Nylonsocke, die bis zu 20 Zentimeter hineinging, um eine Auffangbecken zu schaffen.
    Auch hier, nach einer Saugung von ca 30 Sekunden schaltete ich den Sauger aus und betreute die Insekten in die Blumen, von denen sich aber keines bewegte (später sah ich dort aber eines der Insekten krabbeln, deshalb stellten sie sich vielleicht meist bloß tod).
    Während ich das hier schreibe, entdecke ich im linken oberen Augenwinkel ein krabbelndes Insekt: Sie kommen wieder.
    Ich kann den Kampf nicht gewinnen. Es sei denn: Feuer.

    Aber das stört mich nicht besonders, denn im Grunde ging es dadrum, dass ich nicht mehr unter einer schmandigen, versifften Tapete leben wollte.

    Ich habe mich auch mehrere Male bei den Insekten entschuldigt, aber irgendwann war der Punkt erreicht, wo ich just die Farbe in alle Ecken klatschte
    und mein Staubsaugersystem reichte leider nicht an das obere Fünftel der Wände und schon gar nicht zur Decke.
    Und da ich nach 2, 3 Tagen erst mein Zimmer gestrichen hatte, hatte ich kein bock mehr auf Flur und Bad, denn dort sind sie noch.
    Und nach dieser schweißtreibenden Sissifusaktion kann ich mir nicht vorstellen, so schneller wieder zum Nylonsauger zu greifen.
    Meine Zimmeraktion war ein Pyrrhussieg.^^

    Vielleicht melde ich mich demnächst für ein thailändisches Kloster und lasse die Wohnung hinter mir, denn langsam fällt mir in dieser Wohunung die Decke auf den Kopf.

    mit Grüßen, Schnolsch

    PS: Nochmal danke für eure Posts.

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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