Tashi delek liebe Mahasiddhas und Dzogchenpas,
Hier part 3
Best wishes
KY
Dies ist eien Fortsetzung von Part 2
http://www.buddhaland.de/viewtopic.php?f=14&t=11744
Wenn wir daher die Natur des Geistes erkennen, gibt es keinen Grund eine Verzögerung vorzunehmen.
Im Sutra- System reinigen wir unseren Geist, indem wir Gegenmittel anwenden.
Im Tantra- System benutzen wir Visualisierung, um unsere Sichtweise zu transformieren und bewirken eine Vereinigung von Shunyata und Bodhicitta. Diese ist die Methode der Transformation, nicht die der Anwendung von Gegenmitteln.
Aber im Dzogchen haben wir die Methode der Selbstbefreiung.
So besitzt jedes System seine eigene, unterschiedliche Basis, seinen Pfad und seine Frucht.
Im Mahamudra, welches den Höhepunkt des Tantra-Systems repräsentiert, existiert die Vereinigung von Wonne und Leerheit (bde-stong zung-‘jug), und dies ist die Erfahrung von Detong Yeshe, dem Wissen von Wonne und Leerheit. Und hier wird “Leerheit” so begriffen wie im Madhyamika, weil es auf diese Art und Weise von Marpa dem Übersetzer erklärt wurde.
Es gibt die Vereinigung (zung-‘jug) von Gefühl (bde-ba) und Leerheit (stong-pa nyid) und diese zwei werden zu Wissen (ye-shes). Dieses Detong Yeshe (bde-stong ye-shes) ist das, was Tantra vom Sutra unterscheidet.
Shunyata ist immer auf der Objekt-Seite, und daher sind in diesem System Dewa (bde-ba) und Yeshe (ye-shes) auf der Subjekt-Seite. So sprechen die Sutras von der Intellegenz, die die Leerheit versteht (stong-nyid rtogs-pa‘i shes-rab), und die Tantras sprechen von dem Wissen, das Wonne und Leerheit ist (bde-stong ye-shes). Aber wenn wir uns im Dzogchen auf den Natürlichen Zustand beziehen, sprechen wir nicht von Gedanken (mam-rtog) oder Bewußtsein (mam-shes), sondern von Klarheit (gsal-ba) und Gewahrsein (rig-pa).
Daher finden wir hier im Dzogchen nicht dieselbe Ausdrucksweise wie beispielsweise im Madhyamika von Tsongkhapa. Der Natürliche Zustand hat seine Leerheits-Seite (stong-cha), aber auch in gleicher Weise seine Klarheits-Seite (gsal-cha). Diese 2 sind untrennbar, wie Feuer und Hitze.
Jedoch gibt es im Madhyamika und im Mahamudra immer ein wenig subtiles Greifen durch einen Gedanken (‘dzin-pa), ein Fangen oder Greifen oder Verstehen von etwas, auch wenn dieses etwas gerade nur die Leerheit ist.
Es muß dort eine Gedanke vorhanden sein, der die Leerheit kennt.
Aber dies ist nicht wahr in Bezug auf den Natürlichen Zustand (Dzogchen).
Da ist kein Gedanke gegenwärtig, der den Natürlichen Zustand kennt, weil der Natürliche Zustand selbstgewahr ist und sich selbst von Anfang an kennt.
Im Dzogchen ist alles offen und es gibt kein Greifen (‘dzin-med).
Die verschiedenen tibetischen Schulen stimmen darin überein, daß wir Buddhaschaft entweder durch den Pfad des Sutra oder durch den Pfad des Tantra erlangen können. Aber nach dem Tantra ist die Buddhaschaft, die man durch die Methode des Sutra erlangt, nicht vollständig und nicht voll realisiert. Es gibt einige weitere Stufen, die durchlaufen werden müssen, und diese werden in den Tantras beschrieben.
Im Sutra-System, gehören die Paramitas zur Relativen Wahrheit und Shunyata zur Absoluten Wahrheit.
Wie Madhyamika und das Sutra-System lehrt uns die Thodgal- Praxis im Dzogchen die illusorische Natur aller Dinge. Wir kommen zur Realisation, daß alle Erscheinungen Illusionen sind, die durch den Geist geschaffen werden. Aber wenn wir im Natürlichen Zustand sind, brauchen wir solche Beurteilungen, wie bei¬spielsweise zu denken: “Das ist nur eine Illusion!”, nicht zu machen. Der Trikaya muß gleichzeitig erlangt werden, nicht nacheinander, aber gemäß dem Madhyamika kann es ohne die Zwei Wahrheiten kein Erlangen der Buddhaschaft geben. Im Sutra-System finden wir diese zwei Ideen: erstens, daß das Wissen, das die Leerheit kennt, die Ursa¬che für den Dharmakaya ist, und zweitens, die Praxis der Anhäufung der Paramitas ist die Ursache für den Rupakaya. Aber diese Sutra-Praxis benötigt eine sehr lange Zeitspanne, um das Ergebnis zu realisieren. Sie praktizieren nur Shunyata, aber nicht die Visualisation der sichtbaren Formen der Gottheiten.
Im Tantra hingegen beginnen wir, indem wir den Zustand der Leerheit einnehmen und dann die Visualisierung der Gottheiten von Anfang an praktizieren. Daher ist diese Methode viel schneller. Sutra besitzt nur die Ursache für den Dharmakaya, die Praxis von Shunyata; es kennt nur dies, es kennt nicht die wirkliche Ursache für den Rupakaya. So ist das Sutra-System so, als ob man Holzkohle in den Boden pflanzt und sie regelmäßig wässert, es wird aber dadurch kein Baum wachsen. Tantra praktiziert Shunyata, aber auch die Visualisierung der Gotthei¬ten, das bewirkt also eine Ursache für die Manifestation des Rupakaya, und diese Methode arbeitet viel schneller.
Aber wenn Sutra und Tantra Dzogchen betrachten, sehen sie keine Ursachen für das Hervorbringen des Rupakaya. Es gibt keine Visulisations-Praxis. Es wird nichts getan, das die Ursache für den Rupakaya sein könnte. Dzogchen erkennt die 2 Wahrheiten nicht an, wie kann Dzogchen also zum Erlangen der Buddhaschaft führen? Im Gegensatz dazu hat Dzogchen den Natürlichen Zustand, der überhaupt nicht dasselbe wie das Shunyata von Madhyamika ist.
Leerheit bedeutet eine Abwesenheit von inhärenter Existenz. Es ist eine Verfassung, die einfach leer, passiv und negativ ist. Aber nach dem Dzogchen, existieren alle sichtbaren Dinge spontan (lhun-grub) als Manifestationen der inhärenten Energie (rang rtsal) des Natürlichen Zustandes. Wenn wir zum Beispiel eine Senfsaat anschauen, sehen wir kein Öl. Aber enn wir die Saat pressen, kommt Öl heraus. Daher existiert dieses Öl spontan Saat, aber die sekundäre Ursache der Saatpressung ist notwendig, damit Öl sich manifestiert.
Wenn Buddhaschaft nicht bereits spontan im Natürlichen Zustand existieren würde, würde nichts geschehen, ganz gleich welche Praktiken wir wie lange auch immer durchführten. Der Natürliche Zustand hat das Potential für die zehn Paramitas bereits vollständig gegenwärtig in ihm. Dzogchen besitzt alle Ursachen der Buddhaschaft, weil alles bereits spontan innerhalb des Natürlichen Zustandes existiert. Daher müssen wir nur diese einzige Wahrheit praktizieren und nicht zwei.
Gemäß dem Dzogchen kann Tantra nicht die vollständige Buddhaschaft erreichen, weil es erst den einen Weg geht und dann den anderen. Wir können nicht gleichzeitig auf zwei Straßen laufen. Alle Formen der tantrischen Gottheiten, der Zhitro (Bardo). oder Friedvollen und Grimmigen Gottheiten, sind im Natürlichen Zustand inhärent.
Nach den Jonangpas, besitzt der Natürliche Zustand diese Formen der Gottheiten als Potential, daher ist jedes fühlende Wesen ein potentieller Buddha, aber diese Buddhaschaft ist noch nicht sichtbar. Daher kann alles aus dem Natürlichen Zustand herauskommen. Es muß aber sekundäre Ursachen geben, damit sich dieses Potential manifestieren kann; es ist nicht wie ein Bild des Buddha, das auf dem Altar eines Tempels mit geöffneten Türen steht. Thodgal- Praxis verbindet uns mit den sekundären Ursachen für ihre Manifestation.
Aber diese sind nur sekundär; die wahre Ursache und Quelle der Visionen ist der Natürliche Zustand.