Hallo alle,
Ji'un Ken:Das Ich ist leer von inhärenter Existenz. Ja, da stimme ich dir zu. Von mir aus auch ein sich immer wieder veränderndes Geist-Körper-Konstrukt. Das buddhistische Wort ist Shunyata. Wenn du (Matthias65) jetzt aber sagst. "Ich bin eine Illusion, ich bin ein ...", dann sage ich nein.
Nun kommen wir zu den drei Daseinsmerkmalen, dukkha, anicca und anatta. Alle Phänomene sind leidbehaftet, veränderlich und ohne ein Selbst.
Wenn du sagst,ich bin eine Illusion, dann machst du aus der Illusion, der Leerheit, ein Etwas, das du sein kannst. Außerdem benötigst du auch ein Ich, das etwas sein kann. Dann hast du schon Dualität.
Die Aussage "Ich bin" wird häufig konventionell gebraucht und hat da auch ihre Richtigkeit. Aber auch nur dort. Ich bin verheiratet, ich bin Krankenpfleger, usw.
Ansonsten ist sie ein Ausdruck von Dukkha (Sankhara-Dukkha), der subtilsten Form von Dukkha.
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Und sie widerspricht anatta. Sie ist ein Ausdruck von Daseinsdurst, dem Wunsch, etwas sein zu wollen. Da ist nichts, was du bist, Matthias. Alles ist leer. Auch Leerheit ist leer. Du kannst dich also ganz entspannt zurück legen.
Ich weiß nicht warum, aber jedes mal, wenn ich eine solche Erklärung für 'Leerheit' lese, sträuben sich mir innerlich die Nackenhaare.
Das finde ich interessant. Interessant genug, dass ich ab jetzt besonderes Interesse für diese Reaktion aufbringen werde.
Nun mag da einer sagen, na klar sträuben sich Dir bei einer solchen Erläuterung innerlich die Nackenhaare, da schwimmen Deinem gewohnten Weltbild ja auch die Felle davon.
Ich meine aber, noch ist es meinen, dass es so einfach nicht ist und ich aus einem anderen Grund heftig reagiere.
Nämlich weil ich es für eine unzureichende und irreführende Darstellung halte.
Die Wirkung jeder Erscheinung ist ihr Inhalt. So ist nichts ist Leer, denn alles hat Wirkung.
Jetzt ist meine Meinung zufrieden, die Nackenhaare legen sich. Bin gespannt, wie sich das nun in mir weiterentwickeln wird.
Herzliche Grüße,
Mirco