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  1. Buddhaland Forum
  2. PRI

Beiträge von PRI

  • Loslassen

    • PRI
    • 30. Dezember 2024 um 11:35

    Hallo Monika,

    Zitat

    Mir hat damals der Gedanke geholfen, wenn ich schon morgen nicht mehr weiß, warum ich wütend war, dann kann sie doch auch jetzt schon verschwinden.

    jetzt schreibst du von mir ab :lol:

    Genau. Wenn ich eine Minute später nicht mehr weiß, worüber ich mich eigentlich gerade so geärgert habe, dass mir der Puls um die Ohren flog, dann zeigt das deutlich, wie schnell man sein kreiertes Ich auch wieder vergessen und neu basteln kann. Ich habe das in einem meiner Tagebücher mal "Demenz-Ich" genannt.

    Zitat

    Das Denken bzw Reflektieren ist auch ein Weg.

    Bei mir auf jeden Fall. Selbstbeobachten, Refektieren, Tagebuch führen, ... das ging meinem Weg bis zum Buddhismus voraus.

  • Loslassen

    • PRI
    • 30. Dezember 2024 um 08:43

    Hallo Asod55

    Zitat

    Gier, Hass und Unwissenheit sind die 3 Geistesgifte. Ich hafte leider dran an. An Gier und Hass nicht so sehr, aber an das Ich. Durch das Ich hab ich Begehren. Wenn es nicht so läuft wie ich es will werde ich manchmal wütend. Wie lasse ich das Ich los? Dass das Ich eine Illusion ist, ist schon schwer zu realisieren. Und es noch loslassen noch schwerer. Ein Freund hat ein Buch gelesen und stand das Leerheit heisst dass man kein Ich hat. Es sei wie eine Fata Morgana. Wie nimmt man so was wahr?

    Ich denke, die Leerheit, das Nicht-Ich versteht man erst dann wirklich, wenn man es mal gefühlt, wahrgenommen und erlebt hat.

    Das Leben ist voll von solchen Zwischenmomenten, also Momente zwischen zwei Gedanken, zwischen zwei Rollen, zwischen Worten, zwischen Gefühlen, ... Zwischenmomenten, die einem die Chance bieten, das Gefühl der Leerheit, des Nicht-Ich mal bewusst wahrzunehmen.

    Ich habe das am deutlichsten gespürt, als ich mich nach meiner letzten Diplomprüfung leer fühlte. Es fühlte sich an, als wäre mein Ich ausgelöscht. Da war nichts mehr. Ich war nicht mehr die Studentin, nicht mehr die Freundin, ... Da war nichts mehr, bis ich mir im Alltag eine neue Struktur schuf. Da war das Gefühl der Leere weg, da hatte ich wieder etwas, womit ich mein Ich beschreiben und definieren konnte. Zugleich war das der Moment, in dem ich das Nicht-Ich nicht nur vom Kopf her verstand, sondern auch fühlte.

    Dasselbe gilt für Gedanken, Gefühle, ... Diese Zwischenmomente, in denen ich mal nicht denke, mal nicht fühle, lassen mich diese Leerheit bewusst werden. Ich kann sie dann fühlen. Und ich fühle auch, wie sich mein Ich wieder "füllt", wenn ich beginne mich mit meinen Gedanken oder Gefühlen zu identifizieren.

    Gedanken verändern sich mehrfach über den Tag. Diese Zwischenräume, in denen ich von einem Gedanken zum anderen springe, bieten mir den Raum in dem ich wahrnehmen kann, wie sich mein Ich verändert. Ich fühle mich anders, wenn ich Wutgefühlen nachhänge als wenn ich an ein lustiges Ereignis denke. Das lässt mich deutlich spüren, wie meine Gedanken mich verändern.

    Durch diese Wahrnehmung von Veränderung ist mir bewusst geworden, welche Rolle die Identifikation mit einem Gefühl, einer Rolle, einem Gedanken, ... spielt. Das, was ich jetzt fühle, denke, tue, das bin ich jetzt. Aber in ein paar Minuten, wenn ich etwas anderes tue, denke, fühle, verändert sich meine Selbst- und Ich-Wahrnehmung.

    Das hat mir bewusst gemacht, dass es kein "stabiles Ich" gibt. Das Schöne daran ist die Erkenntnis, dass ich mein Ich verändern kann. Ich muss nicht das "Hass-Wut-Ich" bleiben,

    Dasselbe gilt auch für Gier, Hass und Begehren.

    Da ich eher der dem Hass anhafte und so was wie Begehren nur selten verspüre, bleibe ich mal bei meinem Wut- und Hass-Gefühl.

    Auch hier nehme ich dieses "Zwischen zwei Emotionen" wahr. Und ich nehme auch wahr, dass es meine Gedanken sind, die mich an der Wut haften lassen. Denke ich etwas anderes, wie z.B. kürzlich, neuen Kleiderschrank kaufen, dann ist die Wut plötzlich weg. Ich hatte keine Zeit mehr über meine Wut nachzudenken. Das Gefühl "Ich habe einen neuen Schrank, der ist schön" ließ mich mein Wutgefühl nicht mehr spüren.

    Wenn Wut verschwinden kann, dann kann Wut nicht Ich sein. Es wird zu meinem Ich, wenn ich beginne, mich mit der Wut zu identifizieren.

    Als mir das bewusst wurde, habe ich begonnen an meiner Wut zu arbeiten. Mir hat es sehr geholfen meine Wut auch mal aus der Perspektive des anderen zu sehen. Ich begriff das Große und Ganze, begriff, wie alles zusammenhängt, begriff, warum mir die Menschen, auf die ich wütend war, soviel Leid zugefügt haben.

    Ich spüre derzeit deutlich, wie ich so langsam die Anhaftung an mein Wutgefühl loslassen kann.

    Mein Ziel ist noch nicht erreicht, aber die ersten Schritte sind getan.

  • Sichtweise zum Buddhismus

    • PRI
    • 29. Dezember 2024 um 18:25

    Hallo Igor,

    Zitat

    Das Heimtückische an dieser Geschichte ist, dass man blind den Ärzten oder Psychotherapeuten vertraut, als wüssten sie die endgültige Wahrheit.

    Das ist in der Tat etwas, woran ich derzeit noch sehr zu knabbern habe.

    Ich habe viele buddhistische Texte zum Thema "Umgang mit Wut und Emotionen" gelesen. Denn, wenn man 50 Jahre lang anstatt Hilfe nur über 70 falsche Diagnosen bekommt, und die Persönlichkeit eines Menschen nur auf Diagnosen reduziert wird und mit diesen erklärt wird, ..., das kann ganz schön wütend machen. Da entstehen so viele "negative" Emotionen, die sehr belastend sind.

    Am hilfreichsten im Umgang mit meiner Wut war der Appell, das Große und Ganze zu sehen. Also, nicht nur bei mir und meiner Wut und meinen Endlos-Gedanken verweilen, sondern das System zu verstehen, das zu meinem Leid führte. Das Leistungsdenken in unserer Gesellschaft, der unhinterfragte Glaube an (psychologische) Theorien, Theoriendenken, Zeitmangel, das eigene Burnout der Helfer, das Diagnosendenken in der westlichen Welt, ...

    Ich landete beim Thema "Lernen mit Wut umzugehen" immer wieder beim Thema "Toxische Menschen", die ich meiden sollte, die mir nicht gut tun.

    Im Privatbereich würde ich keinen Umgang mit Menschen pflegen wollen, die mir nicht gut tun. Doch in der Medizin, und auch im psychologischen Bereich, brauche ich genau diese Menschen. Ich bin aufgrund meiner Erkrankungen auf deren Hilfe angewiesen. Ich bin von deren Hilfe abhängig. Zugleich jedoch schadet mir dieses Helfer-System.

    Ich befinde mich somit in einem Konflikt, einerseits eine Fürsorge für mich selber und meinem Körper zu haben. Anderseits jedoch von toxischen Menschen abhängig zu sein, die mir und meinem Körper, meiner Gesundheit schaden.

    Ich versuche derzeit, mich als buddhistisch denkender Mensch in einem westlichen toxischen System zurechtzufinden, so dass ich so wenig psychischen und körperlichen Schaden wie möglich erleide.

  • Unheilbar krank = schlechtes Karma?

    • PRI
    • 29. Dezember 2024 um 08:35

    Hallo Nimble

    Zitat

    Wie damit umgehen? Wie soll ich noch vernünftig meditieren, wenn ich quasi permanent Schmerzen habe?

    Ich habe nach einer Virusinfektion das sog. ME/CFS entwickelt. Außenstehenden wird der Begriff "Post-Covid" vertrauter sein. Bei mir war der Auslöser jedoch ein anderes Virus als Corona, ...

    Ich kann deshalb gut nachempfinden, wie es dir derzeit geht. Auch ich habe lernen müssen mit etwas zu leben, was mich von einer Sekunde auf die andere aus dem Leben gerissen hat und mich seit nun sieben Jahre ans Haus fesselte.

    Ich möchte Dir einfach mal schreiben, was mir u.a. geholfen hat - und noch immer hilft - um mit der Erkrankung umzugehen:

    Fokus darauf legen, was noch geht. Also nicht nur all das sehen, was alles nicht mehr geht, sondern die Aufmerksamkeit auch auf das richten, was noch geht.

    Neue Verhaltensweisen entwickeln, damit das, was nicht mehr geht, dennoch geht. Ich habe z.B. festgestellt, dass mir Pausen helfen, es einfacher für mich ist, Kartoffeln im Sitzen als im Stehen zu schneiden, ... Also das loslassen, was man bisher für selbstverständlich hielt und Neues entwickeln. Vielleicht klappt Meditation im Liegen besser als Sitzen? Ausprobieren und neue Wege finden, wie Dinge dennoch noch klappen können.

    Auch das Positive an der Erkrankung sehen:

    Zu Beginn der Erkrankung trauerte ich meinem alten Leben nach. Ich wollte es wieder haben. Ich lebte gedanklich und emotional in der Vergangenheit, in der Trauer um das, was nicht mehr da ist.

    Mit der Zeit begriff ich, dass mein altes Leben, so wie ich es geführt habe, mit ein Grund dafür war, warum mein Körper krank wurde.

    Diese Erkenntnis führte dazu, dass ich mein altes Leben nicht nur loslassen konnte, ich wollte es zudem nicht mehr wiederhaben.

    Der nächste Schritt war dann, mir etwas Neues aufzubauen. Etwas, was dem Ist-Zustand, dem Hier und Jetzt entspricht.

    Leid kann stark machen:

    So paradox es klingt, auf der einen Seite führte meine Krankheit dazu, dass ich nur noch wenig körperliche Kraft habe, auf der anderen Seite hat mich meine Krankheit stark gemacht.

  • Sichtweise zum Buddhismus

    • PRI
    • 29. Dezember 2024 um 07:47

    Hallo Asod,

    Deine Fragen waren Anlass für mich, mich hier mal zu registieren, anstatt nur still mitzulesen.

    Zitat

    Wie seit ihr zum Buddhismus gekommen?

    Mein Leben, und die aus diesem gewonnenen Erkenntnisse, haben vor einem halben Jahr dazu geführt, dass ich auf buddhistischen Internetseiten gelandet bin und mich zum ersten Mal im Leben verstanden fühlte.

    Ich habe mich Zeit meines Lebens mit meinen Selbsterkenntnissen wie ein Alien in dieser westlichen Denkwelt gefühlt. Das, was mir meine Selbsterkenntnisse sagten, passten nicht zu der westlichen Denkweise, insbesondere zu dem Menschenbild, das in westlichen Psychotherapien vertreten wird.

    Ich dachte all die Jahre, dass ich mit meiner Einstellung über Leid, Nicht-Ich usw. alleine bin. Vor einem halben Jahr jedoch fand ich heraus, dass meine Selbsterkenntnisse buddhistischen Vorstellungen entsprechen.

    Mit Ausnahme der Wiedergeburt. An Wiedergeboren werden kann ich nicht glauben, aber ich kann aus dieser buddhistischen Theorie etwas für mich im Alltag gewinnen, nämlich die Tatsache, dass meine Vergangenheit solange meine Gegenwart und Zukunft beeinflusst, wie ich es zulasse.

    Leerheit, ... Es gab einige Schlüsselereignisse in meinem Leben, die mir bewusst gemacht haben, dass mein Ich, mein Selbst, meine Persönlichkeit immer wieder aufs Neue buchstäblich ausgelöscht und neu beschrieben wird.

    Das vielleicht verständlichste Beispiel ist: Jahre lang fuhr ich zur Universität, identifizierte mich mit der Rolle der Studentin, der Mitstudentin, ... lernte von morgens bis abends, ... Doch an dem Tag, an dem ich mein Diplom in der Hand hielt, fühlte ich mich plötzlich völlig leer. Ich hatte kein Ich mehr, kein Selbst mehr, ... und dachte, "Du musst Dir eine neue Struktur schaffen". Zugleich jedoch hinterfragte ich dieses Gefühl der Leerheit und mir wurde bewusst, dass mein vergangenes Ich nur eine Frage der Identifikation war. Das, womit ich mich identifizierte, nahm ich als Ich wahr. Als ich mir eine neue Struktur schuf wurde mir bewusst, dass ich mein Ich, mein Selbst nun ganz anders definiere und wahrnehme.

    Ein anderes Beispiel aus meinem Leben ist: Ich habe eine seltene neurologische Erkrankung, die 50 Jahre lang nicht erkannt wurde. Die Symptome dieser Erkrankung werden gerne mit einer psychischen Persönlichkeitsstörung verwechselt. Ich landete also immer wieder in Psychotherapien, in denen an meiner "Persönlichkeit" gearbeitet wurde. Zeit meines Lebens habe ich mich gefragt, warum ich so eine "Persönlichkeit" bin, Doch dann stellte sich heraus, dass das, was alle, auch ich selber, für meine "Persönlichkeit" hielten, eine neurologische Erkrankung ist.

    Als ich eine neurologische Diagnose erhielt, bekam all das, was ich für meine "Persönlichkeit", für mein Ich, mein Selbst, hielt, einen anderen Namen. Plötzlich war meine "Persönlichkeit" weg und ich musste mich komplett neu finden.

    Als ich das erste Mal auf Dukkha stieß, war das wie ein Befreiungsschlag.

    Ich habe zwar aufgrund der Psychologisierung meiner nicht erkannten neurologischen Erkrankung mehrere westliche Psychotherapien gemacht, aber in diesen nicht lernen können, zu akzeptieren, dass Leben nicht nur Freude, Spaß und Lachen bedeutet, sondern auch Leid. In der westlichen Psychotherapie geht es nur um, alles Negative aus dem Leben entfernen und dem Positiven nachjagen. Eine Akzeptanz und ein Umgang mit Leid habe ich in dieser nicht lernen können. Ist ein Problem gelöst, dann kommt das nächste Problem und mensch sitzt wieder in der Psychotherapie.

    Psychotherapeutische Sätze wie "Erzählen sie, was man ihnen angetan hat", "Bleiben sie bei ihren negativen Gefühlen", ... halfen mir nicht dabei loszulassen, sondern führten zum "In der Vergangenheit leben".

    Menschen in Opfer und Täter Kategorien einzuteilen, Patienten in der Opferrolle festnageln, keine anderen Perspektiven zulassen, als das eigene Leid, ... Das alles sind so Erfahrungen mit der westlichen Psychologie, die mich auf Abstand gehen ließen. Es hilft mir weit aus mehr, mein eigenes Problem auch mal aus der Perspektive des anderen zu sehen, als mich nur um mich selbst zu drehen.

    Je mehr Erfahrungen ich mit der theoriengeleiteten und in Krank-Diagnosen-denkenden westliche Psychotherapie gemacht habe, desto mehr Zweifel bekam ich an der westlichen Psychologie. Ich fühlte mich nicht als Mensch gesehen, sondern wie ein Objekt, das mit Theorien erklärt wird und in Diagnosen-Schubladen gepackt wird.

    In der westlichen Psychotherapie saß ich Psychotherapeuten gegenüber, die selber über Burnout klagten, aber ihren Patienten die Ideologien der Leistungsgesellschaft vermittelten; das vermittelten, was sie selber krank gemacht hat, ... immer höher, immer schnell, immer weiter.

    Ich könnte noch unendlich viel dazu schreiben, wie ich zum Buddhismus fand.

    Letztendlich war es, kurz gesagt, mein Leben, meine Erfahrungen, meine Selbsterkenntnisse, .. die mich andere Wege finden ließen als die westlichen.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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