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  1. Buddhaland Forum
  2. mynoself

Beiträge von mynoself

  • Übernatürliche Vorkommnisse

    • mynoself
    • 12. Oktober 2024 um 18:56
    Samadhi1876:

    Die Wissenschaft wird solange zweifeln, bis sie den Nachweis erbracht hat „wie“ etwas funktioniert.

    Ja, ganz genau! Der Zweifel treibt die Wissenschaft an und so hat der Zweifel vieles hervorgebracht, was zuvor unvorstellbar war und das Leben maßgeblich verbessert hat, weil Chemiker, Mediziner und Physiker - forschten, sich also ihrem Zweifel hingaben wie Rinzai-Zen-Praktizierende beim Brüten über einem Koan.

    Ich habe mal gelesen, Sinn des Koans sei es, seine Zweifel lebendig zu halten.

    Bis der wissenschaftliche Nachweis erbracht ist, dass nichts eindeutig ist, wird dieser Zweifel der Naturwissenschaftler erhalten bleiben.

    Und wir kommen ja schon an die Grenzen des Wissbaren im Sinne eines "so und so IST das":

    - Die Unschärfe in der Größe von Ort und Impuls eines Quantenobjekts,

    - in der Mathematik die gödelschen Unvollständigkeitssätze,

    - das Horizontproblem in der Kosmologie

    Und tatsächlich ist daraus irgendwann einmal die Erkenntnis herausgewachsen, dass es a) Fragen gibt, die offen bleiben müssen, also unentscheidbar sind und b) unter welchen Bedingungen ein Sachverhalt prinzipiell unentscheidbar ist. Das konnte nur mittels der Naturwissenschaften erkannt werden.

    Das bedeutet aber nicht, dass man an übernatürliche Vorkommnisse glauben sollte! Es zeigt nur, dass unser Verständnis der Natur noch nicht ausreicht, um Sachen zu erklären, die eben noch nicht erklärt sind.

    Das betrifft sicherlich keine parapsychologischen Erscheinungen (was hier wohl mit "übernatürlich" gemeint ist), die in den 1970er Jahren Mode wurden, sondern äußerst langweilig aussehende Messreihen, die in der Alltagserfahrung keine Rolle spielen.

    Ich bemühe mich ja selber, im Zazen mindestens 30 cm über dem Kissen zu schweben, aber dazu hat es bisher nicht gereicht und fürchte, der Logik folgend, das wird nie passieren.

    (Wer hier Ironie findet, darf sie behalten)

    - mynoself -

  • Antai Ji und die Toten Hirsche oder „muss ein Mensch überhaupt so lange leben“

    • mynoself
    • 9. Oktober 2024 um 15:41
    Samadhi1876:

    Nicht alle Schimpansen sind böse.

    Bei Schimpansen wurde schon oft Kannibalismus beobachtet, und zwar in einer ritualisiert anmutenden Form, nachdem zwei Gruppen gegeneinander gekämpft hatten. Bevorzugt wurden dabei Jungtiere aus dem gegnerischen Lager verspeist.

    Dass Schimpansen auch Menschen, die sie als bedrohlich ansehen, angreifen, ist also nicht verwunderlich, und auch nicht, dass sie die Beute dann verzehren.

    Aber kann man Schimpansen deswegen böse nennen?

    Wie sieht es mit Raubtieren aus, die immer darauf angewiesen sind, andere Tiere zu fressen - sind die böse?

    Menschenaffen stehen uns biologisch so nahe, dass wir unsere kulturelle Prägung auf sie übertragen und das menschliche gut-böse gleich mit. Bei hauptberuflichen Raubtieren ist das nicht so, obwohl sie sicherlich mehr Beute töten als Schimpansen.

    Als es noch viele Wölfe und Bären in Mitteleuropa gab, war der Wolf natürlich böse, wie wir aus vielen Märchen wissen. Im Laufe seines Lebens hat ein Wolf sicherlich mehr als die sieben Geißlein auf dem Gewissen, folglich war er ein Nahrungskonkurrent.

    Mit der Unterscheidung von gut und böse sollen sich Menschen plagen, denn die haben das Konzept erfunden. Tiere haben keine Einsicht in die Folgen ihres Handelns, jedenfalls nicht langfristig.

  • Schwierigkeiten bei Sammlung und Achsamkeit auf dem Kissen

    • mynoself
    • 8. Oktober 2024 um 12:38

    Es gibt einen schönen Spruch vom Zen-Mönch Jack Haubner: Fake it till you don't fake it anymore.

    Es hat keinen Sinn, sich beim Praktizieren zu zwingen. Dann lieber nur sitzen und die Zeit abwarten. Mit der Übung versteht man immer besser, wie man die richtige Art von Konzentration erreicht.

    Über Deine Rückenschmerzen beim Sitzen wundere ich mich. Bei mir war es genau umgekehrt: Meine verschwanden dadurch innerhalb einer knappen Woche. Du machst wohl irgendwas bei der Sitzposition nicht richtig. Die Wirbelsäule sollte eigentlich ohne Anstrengung die natürliche Form annehmen, wenn man gerade sitzt, mit dem Schwerpunkt auf dem Kissen.

    Hierzu muss ich aber erwähnen, dass mir die Einnahme des Lotussitzes inzwischen nicht mehr möglich ist, ein Tribut an das Alter :( . Ich sitze im Kniesitz, lege noch zwei Bände Schopenhauer unter das Zabuton, um überhaupt auf dem Kissen sitzen zu können, und trotzdem schläft mir immer noch der linke Fuß ein. Aber das ist nicht schmerzhaft. Wenn der Rücken streikt, ist das eine andere Baustelle, dann ist etwas nicht in Ordnung, entweder an der Haltung oder mit dem Rücken.

    Zu Beginn des Zazen schaukelt man auch mit dem Oberkörper etwas herum, um die "Nullanstrengungs-Position" für den Rücken zu finden. Wenn das Sitzen trotzdem noch Schmerzen hervorruft, hast Du diese Position nicht gefunden.

    - mynoself -

  • Einsamkeit

    • mynoself
    • 29. Juni 2024 um 17:49
    Qualia:

    Depressiv gibt es nicht.

    Doch, und was ich da gelesen habe von @Tim99, das klingt nach einer klinisch manifesten Depression. Und die hat wohl auch einen Grund - die Erlebnissen am Arbeitsplatz würden dafür allein schon ausreichen.

    @Tim99, das zu lesen hat schon fast physisch wehgetan. Gibt es denn keine Möglichkeit, den Arbeitsplatz zu wechseln? Deine Schilderungen lesen sich, als hättest Du dich nie gewehrt.

    Jetzt habe ich mal ein paar (längst nicht alle) älteren Beiträge von dir gelesen, und da finde ich viel Wut auf "die Anderen" - und die ist ganz verständlich -, aber keine Entwicklung in dem Jahr in dem Du hier bist. Und ich lese da sowas wie "Alles ist Sch[beep]e und alle sind Ar[beep]cher.

    Seit wann geht es dir so?

    Ja, es sieht draußen ziemlich blöde aus und die Menschen werden sich weiterhin gegenseitig an die Gurgel gehen. Du scheinst resigniert zu haben, weil die Größe der Probleme da draußen plus deine eigenen so schwer sind.

    Um Handeln zu können, muss man zunächst aus der Depression raus, also die eigenen Schwierigkeiten angehen, aber da bist Du schnell dabei mit der (sinngemäßen) Antwort: Das nützt sowieso nichts.

    Du leidest auch unter dem Mangel an Kontakten zu anderen. Gleichzeitig sind die anderen die Feinde. "Die Hölle sind die Anderen" hast Du mal zitiert. Und von denen trennt dich eine diffuse Wut.

    Wie sieht es bei der Meditation aus? Ist da auch nur Wut oder ein bewusstes Unterdrücken oder kommst Du dabei zur Ruhe? Zazen ersetzt keine Therapie, kann diese manchmal sogar konterkarieren, wenn man dabei auf Ansichten beharrt, die vielleicht nicht gesund sind.

    Diese Abneigung gegen Andere gehört zu den drei Geistesgiften.

    Gelassenheit bedeutet nicht Ignoranz! Mitleiden allein verdoppelt das Leiden. Niemandem ist damit geholfen, dass Du dich zurückziehst. Dogen schrieb in einem Kapitel des Shobogenzo (ich glaube es ist in den dreißigern der Kapitelzahl) über Kannon Bosatsu, den Bodhisattva des Mitgefühls, dass dieser bei der Hilfe für die leidenden Wesen so handelt wie jemand, der sich im Halbschlaf nachts das Kissen unter dem Kopf zurechtrückt. Also nicht mit Wut im Bauch, sondern gelassen, fast unwillkürlich.

    Leider, leider beginnt die große Welt mit all dem Unrecht darin direkt vor unserer Haustür, und das hast Du selbst leidvoll erfahren mit dem Sch[beep]ß am Arbeitsplatz. Der erste Schritt, Unrecht zu bekämpfen besteht darin, es nicht hinzunehmen, wenn es einen selbst trifft. Du gehst dem durch Rückzug aus dem Weg und gerätst dadurch vom Regen in die Traufe. Wenn man mit dem Vermeiden anfängt und dies als, äh, "alternativlos" immer wieder praktiziert, landet man im Wurschteln und im Leben von der Substanz.

    Ich weiß nicht wie alt Du bist, aber egal wie alt, ist das Leben zu kurz, um es auf diese Weise zu verbringen.

    -mynoself-

  • Einsamkeit

    • mynoself
    • 29. Juni 2024 um 09:21

    Hallo Tim99,

    was Du geschrieben hast über dich, das klingt mir stark nach "people-pleaser", also jemand, der es nur anderen Recht machen will und sich dafür aufopfert. Aber eigentlich nur, um nicht einsam zu sein und Freunde zu haben.

    Das funktioniert so nicht. Jemandem zu helfen bedeutet nicht automatisch, es ihm Recht zu machen. Wenn Du anderen nur Lasten abnimmst und Du selbst hinter dieser Arbeit verschwindest, merkt man nichts von dir. Aber Du erwartest etwas dafür, was über die monatliche Entlohnung hinausgeht, nämlich menschliche Zugewandtheit, und die erreicht man nicht, indem man andere nur bestätigt in ihren Erwartungen. Das wird sehr schnell als selbstverständlich hingenommen.

    Grenzen setzen macht dich für andere sichtbar!

    Geholfen habe ich früher auch, in professionellem Rahmen, aber ehrenamtlich. Da habe ich Zeit mit verbracht, die ich übrig hatte. Die Hilfe war immer an Bedingungen gebunden, und eine wesentliche war, dass das Gegenüber sich helfen lässt - und nicht immer wieder mit demselben Problem ankommt, weil er nicht daran gearbeitet hat.

    Sich auf andere einzulassen bedeutet auch, dass sie sich auf dich einlassen, sonst hängt etwas schief.

    Wie macht man den ersten Schritt? Das zuvor schon genannte Beispiel mit dem Pferdesport ist schon mal ein Einstig, aber mehr auch nicht. People-pleaser machen gern den Fehler, es dabei zu belassen und sind hinterher enttäuscht, weil sie dann doch nur den anderen in sich gespiegelt haben, sein Ego etwas gestreichelt wie immer und sich keine Freundschaft entwickelte. Ich würde sogar den gegenteiligen Weg vorschlagen: Mit ganz anderen Interessen als der Gesprächspartner wirst Du als Gegenüber viel besser sichtbar!

    Mein bester Freund ist z.B. nie mit mir einer Meinung. Wenn doch, dann heißt es: "Ich muss einen Denkfehler gemacht haben, weil wir mal einer Meinung sind." Und trotzdem wissen wir, dass wir uns immer und unbedingt aufeinander verlassen können, weil wir es so über viele Jahre erlebt haben.

    Aus dem was ich hier gelesen habe (und nur aus dem, daher musst Du es selbst am besten wissen) würde ich den Rat geben: Sichtbar werden und Grenzen setzen!

    -mynoself-

  • Shobogenzo: Ja, aber welches?

    • mynoself
    • 28. Juni 2024 um 15:32

    Leonie: Herzlichen Dank für diese Literatursammlung!

    Da habe ich zwei teure online-Seminare besucht, war hinterher kaum schlauer als zuvor und dann lese ich diesen Text und finde schon zu Anfang ein Aha-Erlebnis nach dem anderen!

    -mynoself-

  • Shobogenzo: Ja, aber welches?

    • mynoself
    • 26. Juni 2024 um 18:02

    Hallo zusammen,

    und erstmal vielen Dank für den Link zu der sieben :shock: bändigen Übersetzung.

    Ich habe die von Nishijima und Linnebach und die englische von Nishijima und Chodo Cross. Diese übrigens von Brad Warners Homepage. Er erhebt nicht den Anspruch, verbindliche Predigten zu halten, sondern präsentiert seine Videos als unterhaltsamen Einstieg.

    Ganz gelesen habe ich die engl. Version nicht, nur zu Vergleichen herangezogen und da sah es mir danach aus als wären beide eng verwandt. Beide basieren auf einer neujapanischen Übersetzung, die von der Originalsprache vermutlich so weit entfernt ist wie heutiges Deutsch mit Mittelhochdeutsch.

    Also ist das was ich da in der Hand hielt, eine Zweitübersetzung, so als würde man den Pazival des Wolfram von Eschenbach erst ins Neuhochdeutsche und dann ins Englische oder was auch immer übersetzen.

    Mir war beim Lesen immer klar, dass alles was da steht mit Vorsicht zu genießen ist.

    Bei der Teilnahme an einem Wochenendseminar zum Kapitel "Genjo Koan" war die Grundlage eine nachlässig angefertigte Übersetzung aus dem Englischen, die mit meinen nur schlecht zusammenpasste.

    Für uns Westler sind die Übersetzungen das einzige Schriftliche was wir haben und daher ist das Nebeneinander verschiedener Versionen ein echtes Problem, wenn man nicht gerade ein Vollzeitstudium absolvieren will.

    -mynoself-

  • Nissim Amon

    • mynoself
    • 26. Juni 2024 um 17:33

    Hallo zusammen,

    der recht bekannte israelische Zen-Meister Nissim Amon hatte nach den Pogromen vom 7.Oktober mit einem Video, das an israelische Soldaten gerichtet war, eine fette Kontroverse ausgelöst:

    Es ist in hebräischer Sprache, aber auch mit englischen Untertiteln in Umlauf. Darin wird den im Kampf befindlichen Soldaten eine Art Anleitung zum Handeln aus Zen-Sicht gegeben. Kurz: Die Handlungen im Kampf wird beschrieben als eine Übertragung der Zen-Praxis auf das Kampfgebiet. Hört man es ohne Zusammenhang ist das echt verstörend. Da wird beschrieben, wie man im Rhythmus der Atmung zielt, schießt, nachlädt "without mercy and compassion". Dieser letztere Aspekt wird in den Medien und den "sozialen" Netzwerken gern laut betont. Was danach kommt, wird ebenso gern verschwiegen: Wie man mit dem Kummer umgeht, mit der Angst und der Reue.

    Was haltet Ihr von seiner Rede? Also so, wie die Übersetzung rüberkommt?

    Tatsächlich ist das eine einfühlsame Vorbereitung für Leute, die bald einen schrecklichen Job machen müssen und wie man mit Angst und Traumata während und besonders nach dem Kampf umgeht. Steinigt mich gerne virtuell dafür, aber wäre es nicht außerhalb des Zusammenhangs und von Israel-Hassern geframed zur Diffamierung missbraucht worden, gälte es als gelungene Motivationsrede in einem existenziell schwierigen Zusammenhang.

    Wie man als Buddhist zur israelischen Wehrpflicht steht und ob man sich freiwillig melden darf/kann/soll oder nicht - das mal ganz außen vor.

    -mynoself-

  • Alkohol

    • mynoself
    • 26. Juni 2024 um 14:58
    Jan87:

    Gras und Meditieren passt ja noch zusammen.

    https://www.npr.org/sections/goats…f-his-followers

    Naja. Der Zen-Meister Brad Warner sagte in einem seiner Youtubes mal: Don't mix Zen and drugs!" Seit einem Mail-Disput mit einem Praktizierenden, der mit LSD seine Meditation boosten will, könnte ich das so unterschreiben.

    Was will man mit psychoaktiven Substanzen verbessern? Am klarsten ist man doch, wenn man gar nichts eingenommen hat.

    Daher würde ich jemanden, der offensichtlich angetrunken ist, auch höflich darum bitten, in nüchternem Zustand wiederzukommen. Und wenn er dann zu fluchen anfängt, wäre das eher ein Zeichen dafür, dass es besser ist, ihn auf später zu vertrösten, bevor er das Zendo auseinandernimmt.

    Mein halbes bewusstes Leben habe ich ehrenamtliche Seelsorge für Menschen gemacht, die mit dem Staat in Konflikt geraten sind. Leute, die manchmal akut Hilfe brauchten. Aber was will man machen, wenn der Klient betrunken ist oder unter Drogen steht? Da geht nicht viel. Deshalb kann ich dem Thread-Starter nur zustimmen, wenn er den Interessenten abgewiesen hat. Das habe ich bereits mehrmals gemacht, als einer immer wieder zugedröhnt oder betrunken in meine Gruppe kam. Am Ende hat er mich und andere Verantwortliche beschimpft und bedrängt und dann hilft nur ein klarer Rauswurf. Sorry, ist aber so.

    -mynoself-

  • Fleischkonsum und Buddhismus

    • mynoself
    • 26. Juni 2024 um 13:26

    Hallo zusammen,

    mein erster Beitrag hier, ich stelle mich später noch vor. :)

    Was Fleischkonsum betrifft, leben wir in einer Zeit des obszönen Luxus. Jeder, egal aus welcher Einkommensschicht, kann täglich Fleisch konsumieren bis es ihm zu den Ohren rausfliegt.

    Noch in den 1950er Jahren war der Braten was für Sonntags. Fleisch war teuer.

    Heute ist es billig, weil es massenhaft "produziert" wird. Es ist ein "Essen" wie alles andere und wenn man pappsatt ist, werden die Reste behandelt wie aller Abfall.

    Aber es ist nicht nur "Essen", sondern unweigerlich ist dafür ein Tier gestorben, und das auch noch nach einem Leben in einer unsäglichen Hölle, in der es nur darauf ankommt, dass möglichst viel möglichst billig produziert wird. Jagd in der Natur ist sicherlich eine wesentlich humanere Art der Lebensmittelgewinnung als Massentierhaltung. Da zeigt sich unsere Doppelmoral: Der Jäger als Bambi-Mörder steht dann am Pranger, während man sich den Döner aus dunkler Herkunft schmecken lässt.

    Bevor man ernsthaft über Vegetarismus spricht, muss man sich erst mal darüber bewusst werden, dass wir in einer historisch nie dagewesenen Zeit der Überfülle leben, auf Kosten von anderen empfindenden Wesen. Wenn wir unseren Konsum auf das Normalmaß reduzieren und tierische Produkte so auswählen, dass möglichst wenig Leiden dadurch entsteht, wäre allein das schon ein enormer Kulturbruch, den durchzuhalten eine Herausforderung ist.

    "Bewusstheit" ist so ein Modewort, mit dem man alles kaschieren kann. Sich aber bewusst werden über das was wir täglich beim Essen tun, dass ein empfindendes Wesen sein Leben im Elend verbracht hat, um dann auf kostenoptimierte Weise getötet zu werden, damit dieses Schnitzel vor mir auf dem Teller liegt, sich dessen wirklich bewusst zu sein, ist auch eine Herausforderung, die ans Unerträgliche grenzt. Stellen wir uns dieser Herausforderung?

    Wir sind nun mal so entstanden, dass wir auch von tierischen Produkten leben müssen. Aber von der Entstehung unseres "Essens" sind wir durch eine lange, undurchsichtige Lieferkette getrennt. Wir brauchen nicht den letzten Schrei des Wesens zu hören, das uns seine Lebenskraft gegeben hat und dessen Reste im Müll landen wenn wir satt sind. Wir können alles ausblenden was uns unangenehm ist.

    Ich bin kein kompletter Vegetarier, richte nur mein Konsumverhalten entsprechend dem oben Gesagten aus. Auf der Lieferpizza darf Salami sein, bin mir aber klar darüber, was das ist, was ich da esse, wo es herkommt und dass dies etwas Besonderes bleiben muss.

    Und die Dankbarkeit gegenüber dem unbekannten Wesen, dem wir die Mahlzeit tatsächlich "verdanken", fordert einen sparsamen und achtsamen Umgang mit dieser Nahrung.

    -mynoself-

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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