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  1. Buddhaland Forum
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Beiträge von Michael Haardt

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 29. August 2025 um 09:44

    Glauben ist keine Anmaßung von Wissen. Wenn wir glauben, dann geben wir einem Konzept einen Namen, so als ob wir ein mentales Modell davon hätten. Damit können wir es im Denken verwenden. Das klingt jetzt nach einer schlechten Idee, aber faktisch glauben wir enorm viel. Anders geht es nicht.

    Wissen wird durch mentale Modelle abgebildet. Die müssen nicht richtig sein, aber sollten Beobachtungen nicht widersprechen, damit wir ihren Vorhersagen vertrauen können. Das ist der Grund, warum wir abweichende Beobachtungen etwas angleichen: Das mentale Modell bleibt dann weiter nutzbar und wir bleiben handlungsfähig.

    Die Welt so sehen, wie sie ist: Das ist uns streng genommen nicht möglich. Wir bauen aus allen Wahrnehmungen mentale Modelle. Aber eben diese Einsicht hilft sehr, durch Selbstreflexion bessere Modelle zu bekommen. Dafür empfiehlt Buddha Meditation. Die Welt findet nur in unseren Gedanken statt: Das ist Konstruktivismus pur.

    In dem Kontext muss man sehen, dass Buddha aufruft, alles zu prüfen. Wir sollen nicht glauben, sondern wissen. Das ist natürlich immer besser, denn man kann leicht etwas falsch glauben, aber viel schwerer etwas Falsches wissen. Gute Theorien halten dem Experiment stand und das Experiment schafft Vertrauen, dass sie gut sind. Wir sollen Buddha nicht glauben und vertrauen, sondern wir sollen Wissen erlangen, dem wir vertrauen.

    Psychologie und Buddhismus sagen oft das Gleiche.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 25. August 2025 um 20:12

    Es gibt Leid. Man kann sehr viel zu Deutschland sagen, vorschlagen, jammern, klagen, besorgt sein oder sonst was tun. Aber dieser eine Satz fasst all das zusammen. Und da Buddha das schon feststellte, scheint sich in der Welt seitdem nicht umwerfend viel verbessert zu haben.

    Laufen die Dinge in Bhutan besser? Überraschung. Buddhisten sind keine besseren Menschen als Andere:

    https://www.fluchtgrund.de/2017/06/bhutan-ethnische-saeuberung-im-land-des-gluecks/

    Buddha hat einen Weg für Einzelne gefunden, die fast nie klappt. Er verringert nicht das Leid in der Welt. Global gesehen könnte man nun sagen, wow, das ist alles? Das ist nicht viel. Ist das nicht egoistisch? Ganz schön ignorant.

    Oder man sieht es vom Standpunkt eines Einzelnen aus. Im Christentum wird versprochen, am Ende eines leidensvollen Lebens bei Beachtung aller Regeln belohnt zu werden. Ob's so kommt? Maximales Risiko, das muss man schon glauben. Buddha liefert ein Vorgehensmodell, ein besseres Leben zu bekommen. Hier und jetzt, überprüfbar. Besser. Nicht superhimmlischständigglücklich. Im Buddhismus wird Freundschaft hoch angesehen und Freunde haben manchmal etwas davon. Der Rest der Welt nicht. Angenommen, Du erwachst, dann könnten Freunde sogar darunter leiden, dass du dich von ihnen entfernt hast. Das ist die Messlatte.

    Gut, machen wir es besser. Knien wir uns rein! Globaler Anspruch, keine egoistische Ignoranz! Und siehe da, kaum wirft man alle Regeln über Bord, wird es schlechter.

    Das ist die Situation. Man kann das verschieden sehen, aber wenn man daran verzweifelt, tut man sich Leid an und davon wird nichts besser.

    Zurück zu Deutschland. Wenn man für sich feststellt, dass man nirgendwo sonst leben könnte, es überall schlechter ist, man ausschließlich hier die nötige Medizin bekommt und überhaupt - dann ist man am allerbesten Ort der Welt. Dieser allerbeste Ort ist auf dem Weg, das Opfer seiner Ideologie zu werden. Viele Menschen wollen davon nichts wissen. Sie sind auch nicht nett. [hier weitere berechtigte Klagen einfügen] Da waren wir am Anfang schon. Es gibt Leid.

    Entweder macht man den Zyklus mit, wieder oben anzufangen. Oder man entscheidet sich für das bessere Leben. Natürlich hält man die Augen offen. Buddha rät deutlich dazu. Hier und da klingen die Dinge schon irgendwie vielversprechend, und wenn man genau hinschaut, sieht man die Äquivalenzen zu Buddha.

    Michael

  • Ich bin aus der Deutschen Buddhistischen Union ausgetreten

    • Michael Haardt
    • 17. August 2025 um 20:16

    Ich mache einen Unterschied zwischen Religion und Kirche. Die Bibel sagt nichts von Kreuzzügen und der Vergewaltigung von Kindern und Buddha sagt nichts davon, dass Kloster Unsummen an Geld einsammeln oder Menschen Vereine gründen sollen, um in seinem Namen was auch immer zu tun.

    Irgendwo las ich, dass der Skandal in Thailand den Glauben erschüttert. Ich hoffe nicht, denn ich sehe keinen Grund dazu.

  • Die Wahrheit ist ein pfadloses Land

    • Michael Haardt
    • 25. Juni 2025 um 23:26
    Anna Panna-Sati:

    Die Wahrheit erweist sich für manche Menschen aus verschiedenen Gründen unter Umständen als schwer- bis unerträglich, dann schützt sich die Psyche ggf. davor und kreiert "barmherzige Lügen" als Überlebensstrategie.

    ("Kognitive Verzerrungen" gibt es sicherlich nicht nur in Bezug auf Wahrnehmungen in der Umwelt - sie sind auch bei der Bewertung einer "Innenschau" und spiritueller Erlebnisse denkbar.)

    Das ist definitiv so. Wir mögen widerspruchsfreie mentale Modelle, weil nur die vertrauenswürdige Vorhersagen erlauben. Kognitive Verzerrungen entstehen, weil neue Beobachtungen oder Gedanken hinzugefügt werden, die, obwohl oder weil bereits vereinfacht, unverändert Widersprüche ergeben würden. In kleinem Ausmaß kein Problem und sogar hilfreich, aber wenn das Feedback des Modells auf die Integration von Neuem so stark wird, dass das Modell konvergiert, ist das eine ernste Störung.

    Es ist kein Schutzmechanismus, sondern einfach die Art, wie wir lernen. Man kann nur versuchen, darauf zu achten und sich damit zu arrangieren. Vermeiden kann man es nicht.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 20. April 2025 um 17:50

    Wenn Du damit ausdrückst, dass man sich im Berufsleben maskieren muss: Ja, das ist so. Vermehrt bestimmt die Konformität und nicht die Arbeit selbst den beruflichen Erfolg. Dazu passt dieser Artikel sehr gut:

    Compliance is the New American Dream
    How risk aversion has shaped our schools, our government, and our global standing
    kyla.substack.com

    Natürlich kann man einfach hingehen und sagen: "Meine Güte, wieso sind die alle so dämlich. Ich halt's im Kopf nicht aus." Allerdings ist dieses mentale Modell derartig schwarz-weiß und allquantifiziert, dass es sieben Meilen gegen den Wind nach etwas riecht, was auf einer verzerrten Wahrnehmung der Realität beruht. Es ist also mehr als berechtigt, sich zu fragen, wie man zu diesem Gedanken kommt, und genauer hinzusehen. Und dann offenbart sich, dass die Realität erheblich komplexer ist. Ich vermute, man könnte diese Bemühung unter rechte Gesinnung oder rechtes Streben einsortieren. Die Psychologie liefert an der Stelle praktische Kriterien, schlechte und nicht hilfreiche mentale Modelle (Glaubenssätze) zu identifizieren.

  • „Nichts ist so wie es scheint“

    • Michael Haardt
    • 23. Februar 2025 um 22:44

    Mit Wahrheit meine ich den aktuellen Stand der Erkenntnis. Mir ist klar, dass die Wahrheit anders aussehen kann und das vermutlich auch tut.

    Man kann die makroskopische Welt eben nicht ohne QM beschreiben, wenn man in den Keller geht und das Doppelspaltexperiment mit einzelnen Photonen macht. Die Quantisierung sieht man auch woanders, aber dieses Experiment zeigt die Natur des Wahrscheinlichkeitsfelds in Wellenform und das Photon als die Wechselwirkung. Wenn ich aus dem Keller raus zurück in die Sonne komme, kann ich das Ergebnis nicht als "was im Keller passiert, bleibt im Keller" abtun. ;)

    Wenn ich mir bewusst bin, wie ich lerne und wie mentale Modelle entstehen, ist das eine ähnliche Erfahrung. Das war der Punkt, wo ich beim Buddhismus erstaunt feststellte, dass die Aussage, die Identität sei eine Illusion, schon begründbar ist.

    Man beweist gar nichts außerhalb der Physik mit QM. Aber es gibt interessante Analogien.

  • „Nichts ist so wie es scheint“

    • Michael Haardt
    • 23. Februar 2025 um 15:01

    Volle Zustimmung. Ein schlüssiges Gedankenexperiment müsste schon mathematisch formuliert werden.

    Bis dahin bleibt es Philosophie. Kann man es wissenschaftlich beweisen, wandert ein Konzept in den Bereich der Wissenschaft. Dennoch gab es das Konzept schon vorher und die QM zeigt, dass unsere mit den Augen sichtbare Vorstellung der Welt zu naiv ist, und ich halte es für wichtig, dass man einige Effekte der QM mit den Augen sehen kann, denn damit kann man nicht so tun, als sei das nur irgendwelche in unserer Realität irrelevante Forschung. Wenn einem in der Sonne warm wird, erlebt man quantisierte Wechselwirkungen von Wahrscheinlichkeitsfeldern, oder von etwas, was sich so verhält, und Materie ist keine Ausnahme. Das ist nicht der Realitätsbegriff, mit dem man aufwächst.

    Wo ist nun die Korrelation zum Buddhismus? Es dreht sich dort sehr viel um das, was man in der Lerntheorie Konstruktivismus nennt. Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist. Unsere mentalen Modelle der Welt sind nur das, Modelle. Buddha nannte sie eine Illusion. So weit würde ich nicht gehen, aber ich kann es nachvollziehen. Die Wahrheit sind sie jedenfalls nicht. In dem Zusammenhang sagt die QM, dass unsere Wahrnehmung der Welt überwiegend als makroskopisches Modell taugt, aber nicht die Wahrheit ist.

    Damit beweist man nichts, aber es ist interessant.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 23. Februar 2025 um 14:41

    Deine ganzen Fragen sind eigentlich die eine Frage danach, in welcher Situation Du Dich befindest, und warum, und Letzteres erklärt Ersteres.

    Es gibt sehr viele Prozesse, die eine fraktale Struktur haben. Wenn die Richtung kurzer Zeiteinheiten mit der langer Zeiteinheiten korreliert, wird es hektisch. Meistens tun sie das nicht, und mit etwas längerem Blick betrachtet ist es die meiste Zeit ruhig. Katastrophenpropheten liegen darum fast immer falsch, aber hin und wieder passieren auf lange Sicht gesehen unwahrscheinliche Dinge und das in schneller Folge. Das harmoniert mit der Normalverteilung, die in der Natur oft vorzufinden ist.

    Aus meiner Sicht sind wir kurz vor so einem Punkt, wo sich die Trends diverser Zeiteinheiten gerade treffen und es turbulent wird. In vielen Ländern wurde z.B. der demografische Wandel ignoriert, obwohl man wusste, was es bedeutet und was dann passiert. Der demografische Wandel fällt mit einer wachsenden Ungleichverteilung von Vermögen zusammen. Dann gibt es sehr vielfältige Gründe, die die Produktivität einer Wirtschaft hemmen: Stagniert diese dauerhaft, scheitert eine grundlegend auf Wachstum basierte Gesellschaft. Und vieles mehr.

    Die treibende Kraft von all dem ist die Ideologie der Kultur, deren Antworten vor langer Zeit richtig waren und den Erfolg begründeten, der die Welt änderte, so dass die Antworten nun falsch sind.

    Es gibt auf YouTube diverse Videos, die sich mit dem Nobelpreis für Wirtschaft 2024 befassen: Why nations fail. Man sollte meinen, jede politische Führung wäre nun glücklich, weil sie endlich die Antwort hat, wie man erfolgreich wird. Nein, es wird ignoriert. Weil Ideologie allgemeingültige Antworten liefert. Ideologie ist im Grunde ein Symptom kognitiver Verzerrungen.

    Das gab es in der Geschichte schon immer und aus jeder Unruhephase gingen dann neue Kulturen hervor. Jede dachte immer, die Beste und Letzte zu sein. Hat nie gestimmt.

    Du kannst verzweifeln, den Lauf der Geschichte nicht ändern zu können. Buddha sagt, "Ist halt so. Mach's nicht schlimmer. Verstehe Deine Situation." Man kann sich an der Vergangenheit nicht festhalten, also tust Du am Besten das, was für Dich am Besten ist, aber nicht auf Kosten Anderer.

  • „Nichts ist so wie es scheint“

    • Michael Haardt
    • 21. Februar 2025 um 21:56
    Hendrik:

    Nun, was die Quantenphysik beobachtet, befindet sich im Microbereich. Es gibt überhaupt keine Hinweise darauf, dass dies auf Bereiche übertragbar wäre, die sich auf der Grössenskala woanders befinden.

    Das sehe ich anders. Man kann sich z.B. fragen, wie groß ein Photon ist, bzw. wie groß die Wellenfunktion vor der Wechselwirkung ist. Eine Lichtquelle im Bereich einzelner Photonen, deren lange Integration am Doppelspalt dann ein statistisches Interferenzmuster zeigt, ist definitiv in unserer makroskopischen Welt zu sehen. Materiewellen sind in der makroskopischen Welt zu sehen.

    Das ändert nichts an der makroskopischen Physik, aber es zeigt, dass unsere Vorstellung von Realität im Alltag oberflächlich ist.

  • Buddhismus und Religion

    • Michael Haardt
    • 29. Januar 2025 um 22:56

    Elliot Wenn man den Glauben an den Weg zur Beendigung oder das Auslöschen von Dukkha herausnimmt, bleibt meiner Meinung nach nichts Religiöses mehr in MN 141 übrig. Die Terminologie ist wirklich schwierig, aber ich denke, dass alles sonst im Einklang mit moderner Psychologie steht. Es ist schlüssig und passt zu meiner Lebenserfahrung.

  • Buddhismus und Religion

    • Michael Haardt
    • 29. Januar 2025 um 19:29

    Elliot Ich denke, damit würde man die vierte Wahrheit so abändern, dass der Weg zur Verringerung der Leiden führt, aber nicht zur Auslöschung. Mehr nicht. Aber das ist so elementar, dass ich es nicht mehr Buddhismus nennen würde, auch wenn sich im Grunde im Leben sonst nichts ändert. Finde ich wenigstens. Es wird ja ziemlich klar benannt, wie selten das Erwachen ist (ein Mensch pro Jahrhundert?). Umgedreht ist der Weg nicht weniger lohnend.

    Was die Gruppen angeht, so ist das für mich die Unterscheidung zwischen Religion und Kirche. Kirchen, also organisierte Glaubensgemeinschaften, werden in den besten Absichten gegründet, aber oft nimmt dann doch die Politik oberhand, genau wie bei organisierten Gemeinschaften für weltliche Zwecke. Das hat nichts mit der Religion zu tun.

  • Buddhismus und Religion

    • Michael Haardt
    • 28. Januar 2025 um 19:20

    Mir ist der Zusammenhang zwischen dem, was ich schrieb, und Deinem Artikel nicht klar, aber ich denke nicht, dass es wissenschaftlicher Konsens ist, dass die Karmaformation das Entstehen des Bewusstseins bedingt, was Teil der Abhängigkeitskette ist.

    Was Karl Marx da sagt, ist seine Ansicht, der man wissenschaftlich durchaus widersprechen kann. Es ist eine sehr offene Frage, warum es Religiosität gibt und die Versuche von Antworten sind erheblich komplexer und weit weg von Marx' Theorien über das Volk.

    Religion und, damit eng verbunden, Glauben, halte ich nicht für problematisch. Gruppendynamik und daraus entstehende Subkulturen sind es hingegen oft. Ohne dass es uns klar ist, glauben wir eine ganze Menge. Wenn Du die Wissenschaft hochhältst, dann glaubst Du, dass das Licht der Sonne wellenförmige Wahrscheinlichkeitsfelder quantisierter Interaktion sind. Wenn Dir davon warm wird, dann weil Du in Mathematik stehst - und diese Felder sind Teil unserer makroskopischen Welt und verschwinden bei einer Interaktion sofort, d.h. nicht nur mit Lichtgeschwindigkeit. Das nagt sehr am makroskopischen Realitätsbegriff. Wir glauben das, weil Physiker es sagen und sie einen Haufen guter Gründe dafür haben, und uns ähnlich wie Buddha nahelegen, Physik selbst zu verstehen, statt sie als Magier anzusehen.

    Buddhismus ist eine Religion. Zugegeben eine, in der man sehr wenig glauben muss, und in der sehr viel Logik und Wissenschaft steckt, aber eben nicht nur.

  • Buddhismus und Religion

    • Michael Haardt
    • 26. Januar 2025 um 22:21

    Religion ist ein sozialer Ausdruck von Gefühlen und Gedanken, in dem die Erklärung von Übernatürlichem eine wichtige Rolle spielt, und da Letzteres halt jenseits der Wissenschaft liegt, ist es Glauben und nicht Wissen. Im Buddhismus sind das Karma, die Wiedergeburt und der Glauben an die Existenz des Erwachens. Lässt man das weg, wäre es meiner Meinung nach keine Religion mehr, aber auch kein Buddhismus.

  • Was macht ein Erleuchteter in der Freizeit ?

    • Michael Haardt
    • 18. Januar 2025 um 13:19

    Das zusammenfallende Bild, oder sagen wir mal Trugbild, sehe ich nicht als Begleiterscheinung auf dem Weg, sondern als Teil des Wegs. Es ist ein Ziel in sich selbst.

    „Bedenke,“, sagt Morpheus, „alles, was ich dir anbiete, ist die Wahrheit, nicht mehr.“

    So in der Art. Wie oft passierte das Erwachen schon? Es spielt keine Rolle, ob es doppelt so viele waren, oder zehnmal so viele - mir wird's rein statistisch gesehen nicht passieren. Ich könnte mir die Frage stellen, ob es real ist, ob es Buddha wirklich passierte. Ich kann es nicht nachprüfen, sondern muss es glauben. Das ist ein Grund, warum es eine Religion ist.

    Aber ich verstehe Buddha nicht so, dass er den Weg nur lehrt, um zum Ziel zu kommen. Der Weg führt dahin, irgendwann, wenn nicht vorher die Sonne ausbrennt. Aber der Weg selbst ist der eigentliche Wert, und den muss ich nicht glauben und den kann ich nachprüfen, und davon habe ich hier und jetzt etwas. Das ist nicht so, dass man sagt "Oh Mist, erst 1% geschafft, das dauert ja ewig und wird nie was." Je mehr man auf das Ziel schaut, desto weniger sieht man auf den Weg. Ich glaube, sich vom Ziel ablenken zu lassen, ist hinderlich. Es gibt sowieso keine Abkürzung und die Richtung ist auch klar. Das Erwachen ist nicht der Hauptgewinn, sondern nur das allerletzte Stück. Damit kann man sich befassen, wenn es so weit ist.

    Das ist nur meine Meinung. Vielleicht hat Buddha das ganz anders gemeint.

  • Was macht ein Erleuchteter in der Freizeit ?

    • Michael Haardt
    • 17. Januar 2025 um 18:00
    Anna Panna-Sati:

    Wenn "Erleuchtung"/Erwachen quasi banalisiert würde, wären wohl kaum noch Menschen bereit, irgendwelche Anstrengungen ("Edler Achtfacher Pfad"...) dafür auf sich zu nehmen, sondern würden sich mutmaßlich eher dem Hedonismus verschreiben, maximalen Lebensgenuss anstreben (zumindest, bis Alter, Krankheit und Sterben sich in den Vordergrund schieben...).

    Warum denkst Du das? Ich sehe das genau anders herum. Wer nach dem Erwachen strebt, wird vermutlich enttäuscht, es nicht zu erreichen. Aber der achtfache Pfad ist ein Weg zu einem guten Leben. Hier und jetzt.

  • Was macht ein Erleuchteter in der Freizeit ?

    • Michael Haardt
    • 14. Januar 2025 um 22:00

    Auch wenn ein Mensch erwacht, sieht der Rest der Welt immer noch so wie vorher aus. Wie könnte es nicht glücklich machen, zu vermitteln, wie man die löst? Ein paar Menschen interessiert das ja.

  • Wenn unser Glaube verächtlich gemacht wird...

    • Michael Haardt
    • 18. Dezember 2024 um 12:50
    JoJu91:

    Ich habe gehört:

    "Buddhisten sind Menschen, die versuchen, der Hölle zu entgehen, indem sie sich selber eine Hölle machen."

    Die Ansicht kann ich nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht teile. Das ist kein Klischee.

    Die vier Wahrheiten und der achtfache Pfad klingen erstmal gut. Klar und einfach. Aber es ist nicht einfach, kein bisschen. Es wird erwartet, dass man sich damit beschäftigt, es selbst versteht, und das führt sehr in die Tiefe. Das ist nichts für jeden. Reflexives Denken ist für manche Leute die reinste Hölle. Es gibt Leid. Realistisch betrachtet hat der Pfad kein Ende. "Die Hölle, das sind wir selbst" ist ein gruselig realistisches Theaterstück und es klingt genau so.

    Ich finde die Frage "Wer bin ich" sehr interessant. Buddha erklärt viel dazu und fragt "Wer bist Du nicht?" Wenn man sich darauf einlässt, versteht man sein Leben und die Welt besser, finde ich. Andere Menschen sehen das anders. Die menschliche Erfahrung ist breiter, als ein einzelner Mensch nachvollziehen kann. Das muss man so hinnehmen.

  • Wenn unser Glaube verächtlich gemacht wird...

    • Michael Haardt
    • 17. Dezember 2024 um 19:24

    Wow. Damit hatte ich nicht gerechnet. Also ganz klar kein Klischee, sondern ein Missverständnis.

  • Wenn unser Glaube verächtlich gemacht wird...

    • Michael Haardt
    • 16. Dezember 2024 um 23:29

    Zu #1 weißt Du offenbar viel mehr als ich (ist nicht schwer ;) ).

    Ich finde bei #3 argumentierst Du eher in Richtung Philosophie, die versucht, die Wahrheit zu entdecken, während Religion beschreibt, was man nicht anders erklären kann und darum glauben muss.

    Buddha sagte explizit, man soll ihm nicht einfach glauben, sondern es selbst verstehen. Die Ausnahme ist eben das Erwachen, was als nicht in weltlichen Gedanken beschreibbar definiert wird. Damit ist es ein religiöses Element, was man glauben muss. In den Religionen, die ich etwas kenne, ist es so, dass man eigentlich alles glauben muss und nur hin und wieder etwas vorfindet, was nachprüfbar der richtige Weg ist. Im Buddhismus ist es genau anders herum. Der achtfache Pfad ist kein Axiom, was vom Himmel fällt, sondern alles wird erklärt. Es gibt keinen dogmatischen Wahrheitsanspruch, sondern nachprüfbare Wahrheiten.

    Eben darum fragte ich mich lange, ob es wirklich eine Religion ist. Religion und Philosophie haben sehr viel gemeinsam.

  • Wenn unser Glaube verächtlich gemacht wird...

    • Michael Haardt
    • 16. Dezember 2024 um 21:49

    #2 und #4 erstaunen mich jetzt. Sachen gibt's!

    Die anderen Dinge sind für mich nachvollziehbare Missverständnisse.

    #1 verstehe ich gut, denn er ist das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus. Angesichts der Verbreitung des Buddhismus im Westen kann man wirklich nicht verlangen, dass die verschiedenen Richtungen bekannt sind.

    #5... tja, er wird als lachender oder glücklicher Buddha bezeichnet. Das ist schon missverständlich.

    #3 hat mich eine Weile beschäftigt. Ist Buddhismus Religion oder Philosophie? Wo ist das dogmatische übernatürliche Element, was man glauben muss, was es zur Religion macht? Ich fand es: Dass Buddha erwacht war und es das Erwachen gibt, die Wiedergeburt und die Nicht-Existenz einer Seele, und Letzteres hängt sehr stark davon ab, was man als Seele bezeichnet. Es gibt moderne Definitionen, die auf einer Linie mit Buddha liegen. Wenn ich mich nicht irre, ist alles sonst, und das ist die absolute Mehrheit, Philosophie, d.h. begründet und zu großen Teilen sogar von der Philosophie in die Psychologie gewandert, nur mit anderer Terminologie.

    Ich habe mich ernsthaft gefragt, was sich ändert, wenn man das Erwachen und die Wiedergeburt nicht glaubt, abgesehen davon, dass es damit kein Buddhismus mehr ist. Man bestreitet die dritte Wahrheit. Was ist mit der Vierten? Der Pfad hat dann kein Ende mehr, aber realistisch gesehen hat er das auch so fast nie. Das macht ihn bisher nicht falsch und darum ändert sich nichts. Und an nichts sonst, was Buddha sagte, ändert sich etwas. Das finde ich sehr beeindruckend. Wie konnte jemand vor so langer Zeit so klug sein? Hmm. ;) Also man muss sich schon damit befassen, um zu erkennen, warum es eine Religion ist.

  • Wenn unser Glaube verächtlich gemacht wird...

    • Michael Haardt
    • 16. Dezember 2024 um 19:24

    Schneelöwin Das höre ich zum ersten Mal. Interessant.

    Amdap Ist die Assoziation mit Gewaltlosigkeit, Meditation und Frieden denn ein Klischee?

  • Wenn unser Glaube verächtlich gemacht wird...

    • Michael Haardt
    • 16. Dezember 2024 um 12:48

    Jetzt werde ich neugierig: Welche kitschigen oder klischeehaften Vorstellungen gibt es denn vom Buddhismus?

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 12. Dezember 2024 um 17:00

    @Monika Wenn man sich sicher sein kann, dass der Empfänger darüber schmunzeln wird, kann man das so sagen, weil es sehr klar ist. :) Ich glaube aber nicht, dass das hier der Fall ist.

    @Tim99 Es ist Deine Entscheidung, auf wen Du hier wie reagierst, aber ich glaube nicht, dass es Dir lieber wäre, das Forum zu verlassen. Gedanken, die in eine Richtung gehen, die nicht Deinem Wohl dient, sind ein Indiz für mentale Modelle, die die Wahrnehmung verzerren:

    Constructivism part 3
    How mental models can break
    michaelhaardt.substack.com

    Irgendwie ist die Diskussion seltsam abgedriftet. Wir waren zuletzt bei "Der Buddhismus ignoriert schon viele Dinge, wobei kommt darauf an, wie man sich mit ihm beschäftigt, es ist ja eine Religion und keine Politik, Soziologie etc.."

    Religion ist sehr viel: Sie bietet mentale Modelle für Unerklärliches und löst damit Verständnisprobleme der Welt. Sie beeinhaltet einen sozialen Gefühlsausdruck, tröstet, verbindet, braucht Kommunikation und ist damit definitiv sozial. In dieser Funktion konkurriert sie mit Politik, was in der Geschichte oft Konflikte ergab.

    Buddha hat nicht versprochen, dass er weiss, wie man die Welt in Ordnung bringt. Er hat keinen Weg geliefert, wie man andere Menschen dazu bringt, nicht mehr schlecht zu sein. Das ist keine Ignoranz. Natürlich kann man hingehen und sagen, schau her, dann kann man die Sache lassen. Er weiß es auch nicht. Noch dazu hat er auch keinen Rat, wie man stinkreich wird, bestes Essen kocht und kosmologische Rätsel löst. :) Wenn man danach das Leid der Welt beklagt, kommt man aber bereits zum Anfang des Buddhismus: Es gibt welches. Wenn man nicht daran verzweifeln will, wenn man die Welt nicht noch schlechter machen will, dann hat Buddha einen Rat, wie man das anfängt. Und schon ist man mitten drin.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 6. Dezember 2024 um 22:10

    Ah, so meinst Du das! Verstand ich erst anders. ;)

    Die Sache ist tiefgehend unbefriedigend. Theoretisch und praktisch noch mehr, denn das Gegenteil lief auch nicht gut:

    "When exposing a crime is treated as committing a crime, you are being ruled by criminals! ” - Edward Snowden.

    "If wars can be started by lies, peace can be started by truth" - Julian Assange

    Die deutsche Regierung wollte beiden kein Asyl geben und half damit, ein Exempel zu statuieren, was denen passiert, die sich trauen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Das war leider zu erwarten.

    Der Buddhismus erklärt, dass es mein Problem ist, wenn ich das unbefriedigend finde. Faktisch stimmt das auch. Daran zu verzweifeln, sein Leben zu zerstören, oder das anderer Menschen, hilft keinem. Wenn man es schafft, nicht unter die Räder zu kommen, und dabei noch halbwegs den achtfachen Pfad im Auge behält, und es dennoch unbefriedigend ist, hat man wohl schon viel geschafft.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 6. Dezember 2024 um 19:46

    @Tim99 Ich glaube, dass Du mich missverstanden hast. Bei diesen Fakten sind wir uns einig und bei den Zukunftsaussichten auch. Aber innerhalb dieser wenigstens nicht unmittelbar zu ändernden Umstände hätte es vielleicht einen besseren Weg für Dich gegeben. Gute Besserung!

    void Ich muss mich sehr wundern. Michael Koolhaas ist das Paradebeispiel eines gescheiterten Freiheitskämpfers, der schon nach kurzer Zeit moralisch nicht mehr von denen zu unterscheiden war, die ihm einst Unrecht antaten. Es gibt viele andere Beispiele und es endet eigentlich immer mit vielen Toten und viel Leid.

    Meine Meinung ist, dass die Geschichte zeigt, dass man Kulturen nicht ändern kann. Sie gehen einen ideologisch gewiesenen Weg, bis sie auf ein Hindernis stoßen und scheitern. Daraus geht dann eine neue Kultur hervor. Ich glaube, Buddha hat das erkannt und darum dazu geraten, die umgebende Kultur und ihren Staat zu respektieren und nicht zu bekämpfen. Er hat einmal einen Krieg nicht kritisiert und es wird spekuliert, ob das der Tribut für seine Sicherheit war. Hätte Kritik Leid verringert? Vermutlich das Gegenteil. Das ist aber nur meine Meinung.

Ausgabe №. 137: „Sorgen entsorgen?"

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