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Beiträge von Rolf82

  • Frage zum Thema Mitgefühl und Gewalt

    • Rolf82
    • 9. Mai 2024 um 21:57
    Sudhana:

    Ja - wie geht man mit so etwas um? Nach Möglichkeit so, dass es sich nicht wiederholt. Wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, dann ist es doch das Mindeste, dass man ihn mit einem Deckel sichert. Was konkret bedeutet, dass man ethnische Säuberung und Genozid zumindest beim Namen nennt und nicht aus politischer Opportunität verschweigt - mit der Rückfalloption des Beschönigens, Relativierens und Entschuldigens, falls Ignorieren nicht ausreicht. Aber man kann natürlich auch einmal jährlich um den Brunnen tanzen und Geister beschwören.

    Dahinter steht immer der Wunsch nach Frieden (nach Möglichkeit ewiger Frieden - was bis jetzt offensichtlich nicht geklappt hat).

    Das war bei der Veranstaltung in Mauthausen nicht anders.

    Da sind was weiß ich wie viele Nationen mit ihrer Flagge und Soldaten aufmarschiert, haben einen Kranz hingelegt und sind dann abgebogen und haben sich dann an die Seite gestellt damit die nächste Nation mit Flagge und Soldaten ihren Kranz niederlegen kann.

    Am Schluss sind dann eine große Gruppe jugendlicher mit Peace-Flaggen zu dem Denkmal gelaufen, wo die ganzen Kränze lagen.

    Also zuerst die Soldaten und dann der Frieden.

    Und das ist eben (vielleicht unbewusst) die Message: Durch Krieg und Soldaten kann man den Frieden erkämpfen.

    Aber Friede fängt bei jedem einzelnen in seinem Geist an!

    Wie soll man denn so Frieden erreichen, wenn man Leute mit Gewehren Kränze an ein Denkmal legen lässt? Was erzeugt denn diese Botschaft im Geist?

    Statt linke Kampflieder hätte man vielleicht das spielen können: https://youtu.be/ydIUXXhnIyo?si=LH1DYxEQhCOOTvwh

    Ich hab das ganze einfach total daneben gefunden, wie der Ablauf war und war irgendwie schockiert ...

  • Frage zum Thema Mitgefühl und Gewalt

    • Rolf82
    • 9. Mai 2024 um 18:34
    Sudhana:

    Google mal nach "al-Mawasi".

    Uff hier gehts politisch zu ... :| Aber wäre al-Mawasi nicht eher ein Ghetto?

    Mir gings bei der Frage auch nicht darum, ob KZ's oder das was dort passiert ist, verbrecherisch ist. Sondern wie man das aufarbeitet und damit umgeht.

    Übrigens war an dem Tag auch jemand mit einer Palästinenserflagge dort, was für Aufsehen sorgte: "Free Palestine" bei der Befreiungsfeier im KZ Mauthausen - Watchblog - derStandard.at › Inland

  • Wenn unser Glaube verächtlich gemacht wird...

    • Rolf82
    • 8. Mai 2024 um 19:18
    Hue32:

    In den letzten zehn Jahren wurde ich mehrmals damit konfrontiert, dass ich, wenn ich mich als Buddhist geoutet habe, vor allem von anderen Männern hart angegangen wurde. Dies hat Groll und Zweifel in mir genährt und mein Mitgefühl geschwächt; ich wurde regelrecht aggressiv. Es wurde praktisch als Schwäche ausgelegt, dass ich ein Buddhist bin, nach dem Motto: "Ein Buddhist lässt sich alles gefallen." Auch wurde ich belächelt, wenn ich erzählte, dass ich an das Dharma glaube. Diese Belästigungen waren in der Vergangenheit teilweise unerbittlich und unvermeidlich. Ich war fast selbst gewalttätig geworden. Fast traumatisch habe ich erleben müssen, wie ich aufgrund meiner Zugewandtheit und meines Versuchs, Verständnis aufzubringen, behandelt wurde.

    Meine Frage, besonders an Männer, lautet: Habt ihr solche Situationen erlebt, und sagt ihr heute noch offen, dass ihr an das Dharma glaubt?

    Ich dachte immer, jeder würde die guten Seiten darin sehen, aber damit lag ich falsch.

    Sorry, ich habe jetzt nicht alle Antworten zu deiner Frage gelesen, aber ich möchte meine Erfahrung mit dir (da ich ein Mann bin) teilen, wenn ich mich als Buddhist oute.

    Ich erlebe es so, dass die meisten Leute keine Ahnung vom Buddhismus haben und ihn als "Intellektuellen-Religion" sehen oder als "Wellness-Religion". Ich gehe da normalerweise nicht in die Tiefe, weil sich die meisten eh nicht damit auskennen und es ihnen auf die Nerven gehen würde.

    Wenn sich jemand dafür interessiert gebe ich halt so oberflächliche Infos "Der Buddha war kein Gott, Buddhisten glauben nicht an eine Seelenwanderung, der Dalai Lama ist nicht das Oberhaupt "der Buddhisten"".

    "Meine Frage, besonders an Männer, lautet: Habt ihr solche Situationen erlebt, und sagt ihr heute noch offen, dass ihr an das Dharma glaubt?""

    Ich war in meiner Jugend Christ. Als Christ habe ich sowas erlebt. Die Christen müssen in der Hinsicht viel aushalten. Ich würde mir überlegen, ob ich offen sage, das ich gläubiger Christ bin oder gläubiger Moslem ... Das ist nicht ohne.

    Ich habe noch nie gesagt, dass ich an den Dharma glaube. Ich weiß gar nicht, was das bedeuten soll. Ich nehme Zuflucht zu den Lehren (dem Dharma) oder ich finde den Dharma gut und richtig usw. aber ich glaube nicht an den Dharma.

    Aber als Buddhist hat man es finde ich leicht. Der Buddhismus hat, glaube ich, unter den Religionen den besten Ruf. Ich hab überhaupt keine Angst zu sagen, dass ich Buddhist bin - ich sage es aber auch nur wenn es notwendig ist.

  • Frage zum Thema Mitgefühl und Gewalt

    • Rolf82
    • 6. Mai 2024 um 20:50
    void:

    Es ist eine Schule der soldatischen Abhärtung in der man erstmal in sich alles als "weich" und "weiblich" ausmerzt was schwach, mitfühlend oder auch nur entspannt ist. Theweleit beschreibt das als Angst vor der Ich Auflösung - als Aufbau eines "Körpepanzers".

    Da ist sicher so extrem was dran! Ich denke da nur an "Zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl".

    Außerdem ist es ja eben Kern des Sozialdarwinismus, dass Mitleid oder Mitgefühl - ich weiß, da muss man unterscheiden - ein Ausdruck von Schwäche und in der Natur nicht zu finden ist. Und der Mensch eigentlich daran degeneriert, weil er das Schwache mit durchschleppt.

    Das Buch von Theweleit hab ich leider nicht gelesen. Das ist aber auch ein super-interessantes Buch von ihm, was gut zu dem Thema passt: Klaus Theweleit Das Lachen der Täter.

    Das Lachen der Täter: Breivik u.a.: Psychogramm der Tötungslust. Unruhe bewahren : Klaus Theweleit: Amazon.de: Bücher

    "Vom Lachen der Killer wird in zahlreichen Fällen erzählt, auch die deutschen Wehrmachtssoldaten sollen einander in englischer Kriegsgefangenschaft ihre Gräueltaten mit großer Heiterkeit berichtet haben. Hinter dem Lachen verbirgt sich aber auch die andere Seite der Tötungslust: die kalte Rationalität der Rede, wenn die Täter ihre Taten öffentlich begründen. So kommt Anders Breiviks Verteidigung vor Gericht dem Text eines Statistikseminars über Einwandererzahlen in Norwegen nahe. Theweleits Essay entlarvt die Begründungssprache als Deckmantel der Tötungslust, denn, so die provokante Kritik des Autors, begründen lässt sich alles, doch glauben sollte man davon eher nichts."

  • Frage zum Thema Mitgefühl und Gewalt

    • Rolf82
    • 6. Mai 2024 um 18:19

    Wow, danke für die vielen Antworten. :D Das Thema regt scheinbar zum Diskutieren an …

    Ich schreib mal „kurz“ was mir dazu einfällt:

    Zuerst, Metta Mediation funktioniert für mich so, dass ich Vier Sätze habe, die so aufgebaut sind: Mögen Wir glücklich sein. Mögen Wir Frieden finden. Mögen Wir Freude finden. Mögen Wir frei sein von Leid.

    Dabei schließe ich die Augen und schau, was für Bilder kommen, während ich die vier Sätze langsam wiederhole. Ich lasse dabei den Geist umher schlendern und wenn mir Personen im Geist erscheinen, wünsche ich ihnen das. Ich kann es natürlich auch mir wünschen. Ich schau einfach was kommt. Wenn ich merke, ich kann es der Person nicht ehrlich wünschen, bleib ich bei der Person und schaue, was da los ist und versuche das aufzubrechen.

    Meist reicht es, wenn ich mir das Leid der Person vor Augen führe und ihren Wunsch glücklich zu sein, damit ich es ihr wünschen kann.

    Aber man muss das ja nicht gleich jeder Person wünschen können, sondern tastet sich vorsichtig ran.

    Zu dem Ausflug nach Mauthausen kann ich sagen, dass ich mit den Kommunisten dort war. Und mich sprechen die Kommunisten in der Hinsicht an, dass sie eine weltweite Solidarität anstreben. Was mich aber abstößt war, dass diese Solidarität erkämpft wird oder werden muss. Und eigentlich war eben die ganze Veranstaltung so geprägt. Es waren z. B. auch US-Soldaten eingeladen oder Menschen vom Bundesheer, was ich an so einem Ort für fast pietätslos halte, dass man dort Soldaten hinschickt, um Kränze niederzulegen. Ich find auch die Geste der erhobenen Faust bei den Kommunisten nicht gut. Das alles hat mich deprimiert.


    Gurkenhut:

    Bei Gewaltanwendungen sollte der erste Schritt aber immer Mitgefühl für die Opfer statt die Täter_innen sein, für die Täter_innen ist es dann erst der zweite. Auch wenn der zweite von vielen oder allen gegangen schön wäre, ist der erste mMn auch wertvoll und es wert, gewürdigt zu werden.

    Ich finde man sollte besser in der Kategorie zwischenmenschliche Katastrophe denken – natürlich ist der, der das Verbrechen begeht, durch die Tat nicht mehr gesellschaftsfähig und muss aus der Gesellschaft rausgenommen werden und man muss schauen, ob man ihn wieder einfügen kann.

    Thorsten Hallscheidt:

    Ja, absolut! "Mit Nazis reden" ist viel besser.

    Ich glaube, dass grade bei diesen Menschen, Freundlichkeit und Mitgefühl sehr gut funktioniert, um an sie ranzukommen. Gewalt kennen sie es schon gut.

    void:

    Was bedeutet den

    „Was bedeutet denn Mitgefühl mit Tätern?“

    Es geht da auch gar nicht so um die Täter. Wenn ich Mitgefühl mit den Tätern in mir kultiviere und deren Leid und die Verwundungen sehe, kommt mein eigener Geist zur Ruhe.

    void:

    Das ganze hängt doch eben nicht insofern schief, als alle sich auf die Täter stürzen. Sondern umgekehrt. Wir haben es mit einer Situation zu tun, wo die Bevölkerung die Täter unterstütze und deckte. Als Häftlinge flohen, gaben ihnen die lokalen Leute keinen Unterschlupf sondern beteiligten sich an der mörderischen Treibjagd .

    Den Film zu dem Thema kann man sich übrigens hier anschauen: https://youtu.be/WkW_33r7AXw?si=nZxCN6pgpHTDd1Ep Wobei der Titel halt auch wieder sehr heavy ist: Hasenjagd - Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen.

    Igor07:

    Sorry, ich führe keine langen Diskussionen. Eine einzige Frage habe ich jedoch. Wenn man Hitler, seinen Krieg und das totale Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht gestoppt hätte, mit entsprechender Gewalt, wo könnten wir jetzt leben? Die Demokratie fällt nicht vom Himmel und sollte, wenn es notwendig ist, mit den geeigneten Mitteln verteidigt werden. Andernfalls würden wir wieder in einer Diktatur landen, aber wir würden es vielleicht nicht einmal bemerken

    Antwort von Panna-Sati auf Zitat von Igor:

    Anna Panna-Sati:

    Eine wichtige Konsequenz aus dem ganzen Desaster der Weltkriege, war ja die Parole "Nie wieder Krieg!", ebenso bedeutsam ist aber "Wehret den Anfängen". Und dieses "Wehren" sollte nachdrücklich, aber gewaltlos sein.


    Ich gebe dir Recht: Ab einem bestimmten Punkt, wenn versäumt wurde, rechtzeitig die Ursachen anzugehen und geeignete - gewaltlose - Maßnahmen einzuleiten, ist Gewalt wohl unvermeidlich, um noch größeres Leid zu verhindern.

    Deshalb ist es so wichtig vorzubeugen und feindselige, gewalttätige Tendenzen gar nicht aufkommen zu lassen, bzw. schnell zu begrenzen.


    Das sehe ich einfach genau so, hätte Igor hier die gleiche Antwort gegeben.


    Sorry, wenn ich nicht allen geantwortet habe, war sehr viel … Nochmals danke für die vielen Antworten. :) (:

  • Frage zum Thema Mitgefühl und Gewalt

    • Rolf82
    • 5. Mai 2024 um 22:57

    "Und deine Traurigkeit kommt daher, dass bei deinem Aufenthalt diese Fragen nicht gestellt wurde. Statt den Ursachen des Hasses nachzuspühren begnügt man sich damit, die einen( legitim) zu beweinen und die anderen (legitim) zu hassen."

    Ja, aber ich glaube auch daran, dass Gewalt (neue) Gewalt erzeugt.

    Wer Frieden will, muss damit anfangen. Gewaltloser Widerstand funktioniert sehr gut. Und man kann schon mal Anfangen ein Mitgefühl für alle Wesen in sich zu kultivieren.

    Transparente mit der Aufschrift "Faschismus zerstören","Dem Krieg keinen Frieden" tragen nicht dazu bei. Auch keine linken Kampflieder.

    Nach so einer zwischenmenschlichen Katastrophe, sollte jeder Mensch sich bemühen Mitgefühl für alle Wesen in sich zu kultivieren. So wie der Buddha es im Metta-Sutta lehrt. Das ist die beste Voraussetzung, damit sowas nicht mehr passiert.

    “So wie eine Mutter ihr einziges Kind unter Einsatz ihres eigenen Lebens liebt und beschützt, sollst du grenzenlose Liebe zu allen Lebewesen im gesamten Kosmos kultivieren.”

  • Frage zum Thema Mitgefühl und Gewalt

    • Rolf82
    • 5. Mai 2024 um 21:43

    Ich glaube, du verstehst nicht was ich meine ...

  • Frage zum Thema Mitgefühl und Gewalt

    • Rolf82
    • 5. Mai 2024 um 21:16

    Hallo,

    ich war heute im Konzentrationslager Mauthausen, weil der 79. Jahrestag der Befreiung heute ist und mich hat die Situation unglücklich gemacht, bzw. macht mich das Erlebte noch immer unglücklich.

    Weil eigentlich war nur für die Opfer ein Mitgefühl bzw. Mitleid da, aber nicht für die Täter. Es macht mich grad echt traurig, wenn ich darüber nachdenke, weil man sollte doch diesen Ort betreten und gedenken, was für ein zwischenmenschliches Unglück sich dort ereignet hat. Man sollte ein Mitgefühl für alle Wesen in sich kultivieren. Aber ich hatte nicht den Eindruck, dass dieses Mitgefühl mit allen Wesen während dieser Veranstaltung ideologisch auch nur im Ansatz da war.

    Stattdessen sind die verschiedenen Gruppen mit Transparenten herum marschiert mit der Aufschrift: "Den Faschismus zerstören!", "Frieden erkämpfen", "Dem Krieg keinen Frieden".

    Und in dieser Situation waren Menschen wie der Österreichische Bundespräsident die dort einen Kranz niedergelegt haben.

    Grade an diesen Ort hätte ich mir gewünscht - ich glaub es waren über 9000 Menschen dort - wir machen gemeinsam 15 Minuten Metta -Meditation zum Wohle aller Wesen.

    Stattdessen wurden politisch linke Kampflieder gesungen ... Mich macht das echt grad traurig.

    KZ-Gedenken in Mauthausen: "Das Recht richtete sich nach der Politik" - Inland - derStandard.at › Inland

  • Ich empfinde den Buddhismus als trost- und hoffnungslos

    • Rolf82
    • 27. Januar 2024 um 16:16
    Anna Panna-Sati:

    Vielleicht gibt dir der folgende Link noch Anregungen?:

    Buddhistische Ansätze in der Trauerarbeit - Mobiles Hospiz Bei einer Durchsicht von deutsch- und ­englischsprachiger Literatur zu Trauerbewältigung fällt auf, dass ein Großteil dessen, was über allgemeine, meist aus… http://www.hospiz-oebr.at

    Ich habe dort die Ausbildung zum Lebens-,Sterbe- und Trauerbegleiter gemacht und bin dort auch ehrenamtlich tätig.


    void:

    Und da versucht der Dalai Lama eben gerade nicht als Spaßbremse rüberzukommen sondern versucht "nice" den Leuten Tips zu geben , sich ethisch, freundlich, wohlwollend und geduldig zu verhalten.


    Je nach Publikum ist die Botschaft eine andere.

    Generell ist mir aufgefallen, dass das Thema Mitgefühl im Vajrayana-Buddhismus am stärksten präsent ist. Dann kommt Theravada mit Metta-Meditation und im Zen hab ich davon eigentlich überhaupt nichts mehr mitbekommen - außer halt bei TNH.

    Das Video ist übrigens vielleicht nicht an Buddhisten gerichtet, aber er spricht in dem Video z. B. auch von den Bardos usw.. Also es ist nicht einfach so ein allgemeines Video zum "nett sein".

    Du kannst auch dieses Buch nehmen von Lama Thubten Yeshe oder die Praxis von Tonglen von Yeshe U. Regel ...

  • Ich empfinde den Buddhismus als trost- und hoffnungslos

    • Rolf82
    • 22. Januar 2024 um 17:51
    Monikadie4.:

    Lieber Rolf, ich bewundere Menschen, die Sterbenden beistehen. Und natürlich ist da "Missionierung" völlig fehl am Platze, denn als nichts anderes empfinde ich Dein Beispiel.

    Danke, ich mach da eh nicht so viel, ich hab halt die Ausbildung gemacht.

    Wobei ich letztens in einer Trauergruppe war und da war ein Herr, der seine Mutter so schrecklich vermisst, die verstorben ist ...

    Ich kenne die Geschichte mit der Frau, die dann jedes Haus abklappert und dann nicht mehr zum Buddha zurück kommt, weil sie kein Haus findet in dem noch nie jemand gestorben ist - aber auch die Geschichte würde ich niemanden erzählen der gerade einen Menschen verloren hat, weil es so wirkt als will man damit vielleicht seinen Verlust bagatellisieren.

  • Ich empfinde den Buddhismus als trost- und hoffnungslos

    • Rolf82
    • 22. Januar 2024 um 17:10
    Leonie:

    Hoffnung und Trost sind Einstellungen, die man hat, wenn man keine Erfahrung selbst machen will, sondern auf andere sich stützen will. Bei mir gab es diese Stützen nicht. Ich musste immer selbst gehen.

    Ich habe z. B. die Ausbildung zum Lebens-,Sterbe- und Trauerbegleiter gemacht. Sagen wir ein Menschen erzählt dir aufgelöst, dass seine Mutter oder sein Vater sterben wird oder Krebs hat. Wie gibst du ihm fußend auf den Lehren Buddhas Trost?

    Hier ist mir eigentlich aufgefallen, dass der Buddhismus Trostlos oder Hoffnungslos ist oder sein könnte.

    Ich weiß gar nicht was ich dem Menschen sagen soll. Ich höre ihm halt achtsam zu und zeige ihm, dass ich seinen Schmerz wahrnehme.

    Aber würde ich ihm in dem Moment wirklich irgendwas zum Thema anicca, anatta, dukkha sagen, wäre das wohl eher schrecklich für ihn.

    Ich hab da ein Interview gelesen, wo ein (europäischer) Zen-Schüler erzählt, dass seine Mutter verstorben ist und er sich auf den Weg zur Beerdigung machte und er seinen Lehrer fragte, ob er ihm irgendwas in puncto Rat (wahrscheinlich tröstende Worte) mit auf den Weg geben könnte. Der Lehrer sagte: "Vergiss nicht Milch zu kaufen, wenn du zurück kommst".

  • Ich empfinde den Buddhismus als trost- und hoffnungslos

    • Rolf82
    • 22. Januar 2024 um 10:15
    Kaiman:

    ich glaube auch das es eher die Vorstellung von leerheit und dem erlöschen ist, was dich betrübt. Vielleicht solltest du nur soviel glauben und das glauben was dir auch gut tut/gesund ist.

    Mein Zugang zum Buddhismus ist eigentlich über Metta-Meditation oder Tonglen. Reine Achtsamkeitsmeditation hilft mir irgendwie nicht. Ich arbeite in der Pflege. Das kultivieren von Mitgefühl ist da super wichtig. Gott sei Dank gibt es immer mehr Bücher die zum Thema Achtsamkeit auch das Thema Mitgefühl dabei haben.

  • Ich empfinde den Buddhismus als trost- und hoffnungslos

    • Rolf82
    • 21. Januar 2024 um 22:42
    Thorsten Hallscheidt:

    Der Buddhismus wirkt so lange düster und beinahe depressiv, bis der erste wirkliche Schritt in die Stille erfolgt ist. Ohne diesen Schritt ist die buddhistische Lehre ein Konstrukt.

    "Der Buddhismus" wirkt gar nicht düster und depressiv. Ich bin mit diesem Vortrag beim Buddhismus gelandet. Der ist super nice und lebensbejahend. Man braucht nur kurz in den Anfang reinhören, dann merkt man es eh schon.

    💎 Über den Aufstieg und seine Voraussetzungen - Dalai Lama (youtube.com)

    Aber je mehr ich mich mit dem Buddhismus beschäftige (vor allem Theravada/Pali-Kanon) desto mehr habe ich den Eindruck, dass es dem Buddha eigentlich nicht darum ging, was da der Dalai Lama erzählt. Auch im Zen hatte ich nicht den Eindruck.

  • Ich empfinde den Buddhismus als trost- und hoffnungslos

    • Rolf82
    • 21. Januar 2024 um 18:58
    Leonie:

    der Buddhismus bietet Befreiung vom Leiden an und das ist weder Trost noch Hoffnung - weil wenn einer vom Leiden befreit ist, dann ist da nichts mehr was eines Trostes oder einer Hoffnung bedarf - das ist dann auch einfach weg, dieses Bedürfnis.

    Könnte man dann nicht auch einfach tot sein? Dann ist auch kein Leid mehr. Ja, ich weiß, einmal Anatta und einmal Wiedergeburt ... Es klingt halt so, als wäre es dem Buddha darum gegangen, wie man tot sein kann.

    Ist das nicht trostlos?

    Ich meine jetzt aber wirklich das, worum es dem Buddha gegangen ist. Im Mahayana ist ja dann schon einiges anders und was weiß ich wie viele Bücher es zum Thema "Wellnessbuddhismus" gibt.

  • Ich empfinde den Buddhismus als trost- und hoffnungslos

    • Rolf82
    • 20. Januar 2024 um 13:22
    Kaiman:

    Ja das kann ich verstehen. Wie wärs damit du praktizierst erstmal etwas und schaust ob du Fortschritte machst. Mit Fortschritte meine ich, das dein Bewusstsein ausgeglichener wird und du mehr Frieden in dir erweckst. Ich für meinen Teil kann sagen, das ich den Buddhismus immer noch nicht wirklich (philosophisch) verstanden habe.

    Ich beschäftige mich seit ca. 12 Jahren mit dem Buddhismus.

    Dieses Empfinden, ist das Ergebnis meiner Achtsamkeitspraxis und Studien. Das war natürlich nicht immer so, vielleicht habe ich auch gerade ein Tief.

    Ich hab schon alle möglichen Gruppen (Traditionen) hinter mir. Natürlich den Zen-Buddhismus mit regelmäßig gut einer Stunde Shikantaza aber auch die Sachen nach Thich Nhat hanh, wie restlos Essen, Gehen, Bügeln, Geschirr waschen usw.

    Wenn man das Buch von TNH Das Herz von Buddhas Lehre liest, hat man das Gefühl er verdreht wirklich alles so, dass der Buddha gelehrt hat, wie man ein Glückliches leben führt. Er sagt da z. B. dass man Dukkha als drittes Daseinsmerkmal streichen kann und mit Nirwana ersetzen sollte.

    Ich spüre halt schon was Achtsamkeit bei mir bewirkt, nämlich, dass ich mich der Soheit nähere, also das Empfinden, dass alle Dinge aus sich heraus leer sind. Nur ich empfinde das als trostlos und lebensverneinend.

    Ich finde Metta-Meditation sehr gut. Weil man dadurch das dualistische Denken überwinden kann und erkennt, dass jedes Wesen aus dem Wunsch heraus agiert glücklich zu sein und mein Glück von dem Glück des anderen Wesen abhängig ist und umgekehrt.

    Das Fundament von Metta-Meditation ist natürlich Achtsamkeit aber ohne Metta ist Achtsamkeitsmeditation für mich einfach nur trostlos. Ich merke halt wie ich dem Schrecken einer schrecklichen Welt gegenüber immer gleichgültiger (entschuldige "gleichmütiger") werde.

    Ich glaube halt nicht, dass es dem Buddha darum gegangen ist glücklich zu werden, sondern zu erlöschen - das spüre ich auch, wenn ich Achtsamkeitsmeditation mache. Das erweckt halt den Eindruck, dass sich ein anderer Mensch umbringen würde, der nicht an die Wiedergeburt glaubt. Nur Suizid bringt hier nichts, weil du ja dadurch aus dem Samsara nicht rauskommst, du erfährst einfach die nächste Wiedergeburt.

    Weil wir uns nicht umbringen können, versuchen wird das erlöschen zu erreichen.

  • Kennt ihr ein passendes Zitat von Buddha zum Thema Vergänglichkeit?

    • Rolf82
    • 19. Januar 2024 um 14:53

    Auf jeden Fall ein wirklich Toller Spruch für einen Partezettel ... Kennst du vielleicht noch einen, der etwas "leichter" ist? So ungefähr: "Alles hat einmal ein Ende ..." "Alles hat ein Ende nur die Wurscht hat zwei". Kann aber ruhig auch etwas mehr Tiefe besitzen. Ich will es einfach für die letzte Folie benutzen statt einem "Vielen Dank für Zuhören".

  • Kennt ihr ein passendes Zitat von Buddha zum Thema Vergänglichkeit?

    • Rolf82
    • 19. Januar 2024 um 14:36

    Ich mache eine Powerpoint-Präsentation zum Thema Meditation und hätte gerne als letzte Folie ein Bild des Buddha mit einem Zitat zum Thema Vergänglichkeit - weil die Präsentation ja vorbei ist.

    Habt ihr da irgendwas passendes?

    Danke und LG _()_

  • Wie steht ihr zu dem Lied Happiness is here and now von Thich nhat hanh?

    • Rolf82
    • 10. Januar 2024 um 15:59
    Igor07:

    Das Glück ist nur das Nibbana , also seine Realisation, so Pali-Kanon, und nicht anderes.

    Er sagt das aber doch da nirgends.

    Wer nach Glück giert, wird in den Bereich der Götter wiedergeboren. Der Bereich ist aber gar nicht so gut zum erlöschen, wie der der Menschen. Nach Glück zu gieren oder zu suchen, führt nicht ins Nibbana. Nibbana ist ein Zustand jenseits von Glück und Leid, da es ohne Leid ja gar kein Glück geben kann.

  • Wie steht ihr zu dem Lied Happiness is here and now von Thich nhat hanh?

    • Rolf82
    • 10. Januar 2024 um 14:51
    Qualia:

    Bezieht sich nicht auf die Aussage die du kritisierst.


    Das Glück ist hier und jetzt,


    dieser Satz deckt sich mit allen Aussagen des Buddha zu Befreiung von Leid.

    Danke für die vielen Antworten. :)

    Wo steht das? Also wo wird das gelehrt?

    Spricht der Buddha in den Vier edlen Wahrheiten vom Glück?

    Ich will hier niemanden kritisieren. Ich bin da einfach nur selbst grad an dem Punkt für mich, wo ich mir diese Fragen stelle ...

    _()_

  • Wie steht ihr zu dem Lied Happiness is here and now von Thich nhat hanh?

    • Rolf82
    • 10. Januar 2024 um 13:58
    Qualia:

    Buddhistisches Beispiel: Mögen alle Wesen glücklich werden. Heißt es müssen viel unglücklich sein und man betet für all die Unglücklichen, ohne überhaupt ernst zu nehmen, dass glücklich sein ein festhalten ist, das Leiden erzeugt, meistens das Leiden, das zum Glücklich sein noch etwas fehlt.

    Ich hab nicht den Eindruck, dass es dem Buddha um Glück gegangen ist. Sondern um Soheit. Er hat aufgezeigt, dass alles Leidvoll ist (auch das Glück).

    Gibt es irgendwo Zitate von ihm, wo er über das Glück redet? Ich habe das Gefühl, das ist ihm erst viel später in den Mund gelegt worden - "Mögen alle Wesen glücklich sein und frei von Leid".

    Das klingt eher nach dem Bodhisattva-Ideal, was der Buddha nie gelehrt hat.

  • Wie steht ihr zu dem Lied Happiness is here and now von Thich nhat hanh?

    • Rolf82
    • 10. Januar 2024 um 09:47

    Ist es dem Buddha überhaupt darum gegangen? Also um Happiness? Vielleicht eher: Tathata is here and now, I have dropped my worries?

    Ich habe schon gehört, dass TNH als Wohlfühlbuddhist verschrien ist - als würde der Buddha lehren, wie man ein glückliches Leben lebt ... Der Buddha lehrt doch aber das Erreichen von Soheit, um aus Samsara rauszukommen. Mit Happiness kommt man nicht aus dem Samsara raus. Oder?

  • Wie steht ihr zu dem Lied Happiness is here and now von Thich nhat hanh?

    • Rolf82
    • 7. Januar 2024 um 15:46

    Also der Text geht:

    Happiness is Here and Now

    Happiness is here and now,
    I have dropped my worries.
    Nowhere to go, nothing to do,
    no longer in a hurry.

    Happiness is here and now,
    I have dropped my worries.
    Somewhere to go, something to do,
    but I don’t need to hurry.

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    Stellt euch mal vor das sagt man einer Mutter die dabei zuschauen muss, wie im Krieg ihre Kinder erschossen werden ...

    Wie empfindet ihr das aus buddhistischer Sicht?

    LG

  • Ich empfinde den Buddhismus als trost- und hoffnungslos

    • Rolf82
    • 21. Dezember 2023 um 21:28

    Danke für die vielen Antworten, tut mir leid, wenn ich nicht auf alle eingehe. :)

    "“Und, wie geht es dir jetzt?" fragt der Mann. "Viel besser", entgegnet der Bekannte, "ich war beim Psychiater!" "Du machst also nicht mehr in die Hose?" erkundigt sich der Erste. Da strahlt der Zweite: "Doch, schon, aber ES MACHT MIR NICHTS MEHR AUS!" ---- SO "wirkt" Buddhismus!

    Du wirst geboren, erlebst Krankheiten, Verluste, Alter, Sterben usw. - aber es macht "dir" nichts mehr aus. :)““

    Ich hab mir letztens den Film Dead man walking angeschaut und da wird ein Insasse, der zum Tode verurteilt ist, seelsorgerisch betreut.

    Ich wüsste gar nicht, was ich dem sagen soll.

    „Du leidest, weil du an deinem Körper anhaftest“, „Alles ist vergänglich“, „ES GIBT GAR KEIN ICH!“, „Der Moment ist, wie er ist, weder gut noch schlecht, das zu verstehen und zu akzeptieren ist der Schlüssel zum Glück“, „Dein Leid ist nur geistigen Ursprungs“, „Form ist Leerheit und Leerheit ist Form“,

    „Ja, klar leidest du. Es ist ja auch alles leidvoll. Selbst das Glück – weil es vergänglich ist. Wenn du glück hast, wirst du nicht mehr wiedergeboren und bist raus aus dem Albtraum. Aber ich fürchte du kommst nach der Hinrichtung eher in die niedrigsten Bereiche in puncto Wiedergeburt.“

  • Ich empfinde den Buddhismus als trost- und hoffnungslos

    • Rolf82
    • 21. Dezember 2023 um 08:50

    Je mehr ich mich mit dem Buddhismus beschäftige, desto mehr habe ich das Gefühl, dass es darum geht, wie man nicht mehr wiedergeboren wird und aus dem Samsara rauskommt (erlöschen).

    Ich habe den Eindruck, dass mit Samsara das Leben (Lebenskreislauf) gemeint ist und es dem Buddha darum ging, wie man da rauskommt, denn man kann sich ja nicht umbringen und sterben, sondern wird dann einfach wiedergeboren und zwar wahrscheinlich noch zusätzlich in eine schlechtere Existenzform.

    Mir ist schon klar, dass man sich im Buddhismus die Wiedergeburt anders vorstellen muss, als im Hinduismus – Anatta usw..

    Aber eigentlich geht es darum, wie man aus dem Kreislauf der Wiedergeburten herauskommt?

    Warum ist es nicht positiv bzw. schön geboren worden zu sein und zu leben?

    „Das Leben im Daseinskreislauf ist leidvoll: Geburt ist Leiden, Altern ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden; Kummer, Lamentieren, Schmerz und Verzweiflung sind Leiden. Gesellschaft mit dem Ungeliebten ist Leiden, das Gewünschte nicht zu bekommen ist Leiden. Kurz, die fünf Ansammlungen sind Leiden.“

    Ist es das Ziel im Buddhismus nicht zu existieren bzw. aus dem Leben (Samsara) rauszukommen?

  • Ist der Buddhismus lebensbejahend?

    • Rolf82
    • 11. November 2023 um 20:03

    Also ist es gut, dass es etwas gibt (Welt/Universum) und nicht nichts?

    Oder wäre es eigentlich besser, wenn es einfach nichts gäbe? Ist die Welt an sich das Samsara? Der Buddha ist ja, denke ich, von einer zyklischen Welt ausgegangen, die schon immer da war und sich halt permanent verändert. Also so wie ein Kreis in dem das Wasser die ganze Zeit fließt.

    Ging es dem Buddha eigentlich darum, wie man ein glückliches Leben lebt oder einfach darum, wie man aus diesem Kreislauf herauskommt, der ja im Grunde leidvoll ist? Denn auch das Glück ist ja leidvoll, da es der Vergänglichkeit unterliegt.

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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