Hallo, liebe Hingabe ,
vielen Dank für deine Antwort, die mich u.a. dazu anregte, noch mal das eine oder andere zu überdenken...
Alles anzeigenAyya Khema betonte stets, dass mit dem Daseinsbegehren i.d.R. nicht nur am Dasein an sich festgehalten würde, sondern dass mensch auch auf eine bestimmte Art und Weise - nämlich "recht komfortabel" (also möglichst behaglich, glücklich und leidfrei) leben, "da sein" wolle...
Ok. Kann es nur am Dasein zu kleben/ daran anzuhaften also nicht geben ?
So verstehe ich das nicht, es ist ja absolut natürlich (Stichwort "Selbsterhaltungstrieb") am Dasein zu hängen.
Menschen (ebenso Tiere und Pflanzen) haben schon unglaubliche Strapazen dank dieser Begierde, da zu sein/ zu bleiben, überlebt. *
(Siehe auch oben die Verse von Wilhelm Busch, Titel "Seelenwanderung": Der Wunsch, dass die "Seele" - in einem möglichst angenehmen Daseinsbereich - wiedererscheinen möge, zeugt auch von Daseinsbegierde...)
* https://www.tagesschau.de/ausland/ozeani…ckerin-104.html
Das Leben als völlig wertlos zu erachten (dafür sind verschiedene Ursachen, z.B. auch pathologische, denkbar), kann letztlich zur Ablehnung, bzw. Hassgefühlen führen und als fast zwangsläufige Konsequenz, wird der Betreffende sowohl sich selbst, als auch Anderen Schaden zufügen.
Er könnte auch einfach nur gleichgültig werden darüber was mit anderen passiert ( oder auch was mit ihm passiert, oder er/ sie bemüht sich dennoch das Notwendisgte zu haben, so ein Mensch kann sich aber über nichts mehr erfreuen ), sich von allen Anderen abkapseln, Probleme Anderer nicht mehr ernst nehmen ( kein Mitgefühl mehr haben ) oder die es auf der Welt gibt ( aber nicht aus Gleichmut, sondern aus Gleichgültigkeit ) ? Ein Freund meinte mal zu mir, Gleichgültigkeit ist auch Ablehnung.
Ja, da würde ich dir zustimmen, wobei Gleichgültigkeit sowohl als Ursache, wie auch als Folge der Einstellung, dass das Leben wertlos sei, eintreten könnte.
Im Gegensatz zu Hass, der als starke, oft destruktive Emotion zu entsprechend unheilsamen Aktivitäten (im Denken, Reden, Handeln) führen kann, zeichnet sich Gleichgültigkeit, aufgrund fehlender Gefühle/fehlenden Interesses, mehr durch Passivität, also mögliche Schädigung durch Unterlassen, aus.
Dein Freund hatte vielleicht ein Zitat des Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel im Kopf:
Zitat»Ich habe immer daran geglaubt, daß das Gegenteil von Liebe nicht Haß ist, sondern Gleichgültigkeit.
Das Gegenteil von Glaube ist nicht Überheblichkeit, sondern Gleichgültigkeit.
Das Gegenteil von Hoffnung ist nicht Verzweiflung, es ist Gleichgültigkeit. Gleichgültigkeit ist nicht der Anfang eines Prozesses, es ist das Ende eines Prozesses.« - Erinnerung als Gegenwart. Elie Wiesel in Loccum [Mai 1986]. Loccumer Protokolle 25/[19]86, S. 157
Hass ist zweifellos auch das Gegenteil von Liebe, allerdings besteht durch ihn immer noch eine intensive Verbindung zwischen Menschen (und Hass kann sich auch wieder legen...), während Gleichgültigkeit, mangels jeglichen Interesses oder Mitgefühls, eine vollständige Trennung darstellt.
Es kann m.E. nur darum gehen, das Leben/Dasein anzunehmen, wie es ist - mit den Daseinsfreuden UND dem, teilweise daraus erwachsenden, -Leiden, allerdings eben
OHNE ANHAFTUNG (Anupadana), frei von Verlangen, Identifikation und Vereinnahmungswünschen/Besitzdenken.
Ja, Daseinsfreuden annehmen. Wenn man an nichts mehr anhaftet, wieso würde dann da dennoch Leiden entstehen durch die Daseinsfreuden ?
Ich denke nicht, dass noch Leiden entsteht, wenn an nichts und niemand mehr angehaftet wird - da habe ich mich wohl unklar ausgedrückt.
Freisein von Anhaftung => Leidensfreiheit
Allerdings ist es bis dahin meist ein langer, mühsamer Weg, denn im Allgemeinen hängt man ja ziemlich an den (Daseins-) Freuden...
Einen positiven Wochenstart und alles Gute für dich!
Liebe Grüße, Anna
