Als Verfasser des Textes an dieser Stelle eine kurze Antwort auf die Frage, warum ich von „buddhistischer Ökonomie“ spreche. Anders als im Englischen gibt es im Deutschen keine Unterscheidung zwischen economics und economy, also von Wirtschaft als akademischer Disziplin und Wirtschaft als gesellschaftlicher Sphäre. Der Begriff Ökonomie kann je nach Kontext das eine oder andere bedeuten. Schumachers „Buddhist Economics“ findet sich in deutschen Übersetzungen auch als „buddhistische Wirtschaftslehre“, ein mit „buddhistische Ökonomie“ bedeutungsgleicher Begriff.
Meine Darstellung derselben folgt in diesem Beitrag streng den zentralen Kategorien der klassischen Nationalökonomie, nämlich Arbeit, Natur und Kapital und sucht nach Unterschieden und Entsprechungen im buddhistischen Denken. Anders als klassische Denker wie Smith und Ricardo oder die heutige neoliberale Ökonomie betrachtet die buddhistische Wirtschaftslehre die Ökonomie nicht als moralfreie Zone mit eigenen, allein der Zweckrationalität unterworfenen Gesetzmäßigkeit. Dieser reduktionistische Blick ist ein Produkt neuzeitlichen Denkens. So sah Aristoteles die Ökonomie allein im engen Verbund seiner Tugend- und Ethiklehren und auch in der alten englischen Moralökonomie wird dieser Ansatz gepflegt. Der griechische Ursprung des Wortes Ökonomie ist oikos (das Haus), und die ursprüngliche Bedeutung von wirtschaftlichem Handeln war ein haushälterischer Umgang mit den Dingen. Verschwendung und übermäßiger Konsum galten als schlecht und schädlich. Es gibt also viele Verbindungslinien zwischen dem buddhistischen, dem griechischen und alteuropäischen Denken über das „rechte Wirtschaften“. In den gegenwärtigen wissenschaftlichen Diskursen über Wirtschaftsethik tauchen diese Themen als Reflexe auf die kontraproduktiven Wirkungen wirtschaftlicher Aktivitäten immer wieder auf. Tatsächlich ist die heutige Ökonomie keine ausschließlich deskriptiv-analytische Wissenschaft, sondern insofern sie Handlungsvorschläge unterbreitet - was Ökonomen beständig tun - auch normativ.
Dass illusionäre Gebilde dennoch faktische Wirkungen entfalten können, habe ich gar nicht bestritten. Das ist ein Allgemeinplatz. Vom Ich und der Anatta-Lehre ist im ganzen Text überhaupt nicht die Rede.
Ich würde raten, Schumachers Text bis zu Ende zu lesen. Seine Vorstellungen vom „menschlichen Maß“ und der Effizienz dezentraler Systeme haben über die Jahrzehnte in vielen Bereichen die Politik beeinflusst und auch auf die Ausformulierung neuer wirtschaftswissenschaftlicher Paradigmen gewirkt. Leider noch nicht umfassend genug. Seine Ausführungen betreffen grundlegende Axiome wirtschaftlichen Denkens und Handeln und sind m.E. auch nach 60 Jahren noch so aktuell wie damals.