Beiträge von Thorsten Hallscheidt
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Ich denke, das wird unterschiedlich gehandhabt. Bisher habe ich bei z.B. Rohatsu oder Gotan e nur den Abt selbst den Kyosaku geben sehen. Und das war auch durchaus mal in der Mitte des Sesshins morgens sehr früh. Wikipedia schreibt von zwei bis drei Schlägen. Von einem Schlag habe ich noch nie gehört. Aber da bist Du sicher der Experte.
Einen schönen und lesenswerten Text habe ich hier gefunden:
Keisaku (Claude Durix)Claude Durix · Wien September 1999 Keisaku. Man sagt auch Kyôsaku, und es wird auf dieselbe Weise geschrieben. Der große Keisaku im Kloster Manpuku-ji von…zendowien.orgAch ja, in diesem Text steht auch folgendes:[lz]
Die Haltung von dem, der ihn bekommt, und die Technik von dem, der ihn gibt, sowie das Zeremoniell und die Anzahl der Schläge unterscheiden sich also geringfügig je nach Tempel, Kloster oder Persönlichkeit des Meisters.[/lz]
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Ich finde, es ist ein Punkt erreicht, an dem du selbst langsam zum Schluss kommen könntest, dass dir hier schlicht die Basis fehlt, um hier vehement einen Standpunkt zu vertreten.
Meine Basis besteht aus persönlichen Erfahrungen und Gesprächen innerhalb der letzten zehn Jahre. Ich bin sicher kein Experte bezüglich all der unzähligen Details der Soto-Zen-Tradition. Das muss ich auch nicht sein, um zu beurteilen, ob Leute in Ryumon Ji zur Bestrafung, Demütigung, Korrektur des Verhaltens oder als "Unterweisung" mit dem Kyosaku geschlagen werden.
Hast Du eine solche Basis persönlicher Erfahrungen aus den letzten 10 Jahren?
Ich habe auch nicht geschrieben, dass Du etwas erfunden hast. Ich kann Deine Behauptungen nur in keiner Weise bestätigen, obwohl ich mehrfach im Jahr dort bin und auch viele Leute dort gut und persönlich kenne.
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Olivier Wang Ghen ist Gründer und Abt von Weiterswiller, Präsident der AZI und war oder ist Präsident der Buddhistischen Union in Frankreich.
Rensaku wird auf La Gendroniere m.W. mit seiner Billigung praktiziert und aufgrund seiner Rolle vermute ich, dass es auch in Weiterswiller praktiziert wird.Damit suggerierst Du, dass in der AZI Rensaku übliche Praxis ist. Bezüglich La Gendroniere weißt
Du es sogar. Nun berichtest Du im Nachgang von zwei Fällen. Einer außerhalb der AZI und einem Fall vor 30 Jahren, der aber für Dich irrelevant ist. Eine glaubwürdige Quelle berichtete Dir davon, in einen Fall in jüngerer Zeit "involviert" gewesen zu sein.
Nun schreibst Du:
Mein Gespräch mit der Person drehte sich aber allgemein um problematische Strukturen im Zen, dieser Vorfall an sich war nur ein exemplarisches Beispiel, die konkreten Daten haben keine Rolle gespielt. Da dies für mich auch nicht relevant ist, werde ich mich da auch nicht reinhängen und das ganze überprüfen.
Das wäre aber angemessen, bevor Du Gerüchte verbreitest, oder? Es könnte ja für Menschen, die sich als Neulinge für Zen und das Kloster interessieren, relevant sein.
Es muss sich jedenfalls in den letzten 30 Jahren sehr viel geändert haben, denn ich habe von dieser "Bestrafungsmethode" nicht einmal als Gerücht gehört, auch nicht von Leuten, die, mit sehr schlechter Meinung über das Kloster, Zen ganz aufgegeben haben. Ich habe sehr viel diskutiert mit unterschiedlichsten Leuten bis in die jüngste Zeit. Da gibt es welche, die sich die Anfangszeit zurückwünschen, als es nur um Sitzen ging und die ganzen japanischen Rituale noch eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Damals hatte die Praktizierenden noch Ferienhäuser im Schwarzwald gemietet, um Sesshins abzuhalten, oder sich privat in Wohnzimmern getroffen. Andere beschweren sich, dass Zen im Westen immer mehr verweichlichen würde, dass früher mehr Disziplin geherrscht hätte. Andere waren in Japan zur Ausbildung und berichteten, dass es dort in manchen Aspekten weniger diszipliniert zugehen würde.
Ich kann nur sagen: wenn es in Ryomon Ji der heutigen Zeit (und damit schließe ich die letzten zehn Jahre mit ein) Züchtigungen mit dem Kyosaku geben würde, wäre das ein gewichtiger Aufreger, der mit Sicherheit die Runde gemacht hätte. Die Leute regen sich ja schon über ganz andere "Skandale" ganz fürchterlich auf.
Es gab einmal einen "Fall" vor etwa dreißig Jahren, da hatte ein Mönch mit Gasho den Kyosaku während eines Sesshins erbeten. Er lag damals mit dem Abt in einem persönlichen Streit. Danach hat er behauptet, der Abt hätte ihn mit dem Stock über Gebühr heftig geschlagen, angeblich, weil er sich habe rächen und den Mönch bestrafen wollen. Ich weiß davon, weil ich damals, lange vor meiner aktiven Zen-Zeit, mit diesem Mönch befreundet war, und er mir diesen Vorfall erzählt hat. Wahrscheinlich meinst Du den gleichen Fall.
Wann warst Du eigentlich das letzte Mal dort?
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Du unterstellst mir trotzdem Geraune
Geraune ist, wenn jemand (ohne Klarnamen) etwas über jemanden (ohne Klarnamen) schreibt, was irgendwann, irgendwo vielleicht (ohne dass Zeugen genannt oder Belege erbracht) stattgefunden haben kann. Damit habe ich nicht gesagt, dass Du lügst, sondern nur, dass derart unkonkrete Behauptungen eine Wolke von Vermutungen erzeugen, die dann zu Gerüchten führen. Gerüchte erzeugen dann "Wahrheiten", die irgendwer irgendwo aufgeschnappt hat, und die dann mit Zunahme an Skandalträchtigkeit weiterverbreitet werden. Ich mag eher sowas: Fakten auf den Tisch oder schweigen. Wer, wann, wo, was.
Ich habe übrigens den Beitrag geschrieben, bevor Du mich privat angeschrieben hast. Privat habe ich Dir geantwortet.
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Rensaku wird auf La Gendroniere m.W. mit seiner Billigung praktiziert und aufgrund seiner Rolle vermute ich, dass es auch in Weiterswiller praktiziert wird.
Solche "Erziehungsmethoden" sind um Zen tief verankert und solche und noch weitaus üblere werden in den meisten Zen Klöstern Japans ausgeübt.So ein Kappes...
Kyosaku kann man bei längeren Sesshins erbitten, und zwar genau dann, wenn man Rückenschmerzen oder Schulterschmerzen hat. Der wohl dosierte Schlag auf die Schultermuskulatur führt zu einer Entspannung verkrampfter Rückenmuskeln. Der Meister geht mit dem Stock von Schüler zu Schüler. Wenn man jeweils zwei Schläge rechts und links haben möchte, macht man im Sitzen Gasho (also eine Verbeugung). NUR dann bekommt man dieses Mittel. Ansonsten geht der Zen-Meister weiter. Im Video ab Minute 3:00
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Man kann nichts bestimmt vorhersagen, weil es noch nicht eingetroffen ist und wenn es da ist, ist es Gegenwart und die ist eigentlich vergehende Zukunft.
Ok, dann ist es also nicht notwendig, sich rücksichtsvoll gegenüber anderen Wesen zu verhalten, weil ja eh nicht bestimmt vorhergesagt werden kann, wie die Zukunft aussieht? Das hat der Buddha gesagt?
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Ich besuche seit 2016 das Kloster Ryumonji mehrmals im Jahr. Und ich kann tatsächlich nichts Negatives davon erzählen. Es ist ein sehr schönes Kloster in der Nähe eines alten französischen Dorfes am Waldrand gelegen. Die Mönche und Nonnen, die dort leben, sind sehr freundlich und helfen Anfängern gerne und ausführlich bei Fragen zu Klosteralltag und Meditation. Die Sesshins waren für mich mit die besten Erlebnisse, ich in im buddhistischen Kontext je machen durfte.
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Anders sieht es m.E. aus, wenn der normale, unerleuchtete, ego-behaftete "Weltling" - ohne Bewusstheit - drauflos agiert, um z.B. (vermeintlich) "Gutes" zu tun - in diesem Fall kann es durchaus richtig und falsch geben....
Gutes tun? Das ist doch gar nicht der Punkt. Reicht schon, wenn man nix kaputt macht.
Schlecht ist zudem, was das Leid der Wesen vermehrt.Natürlich gibt es richtig und falsch im Buddhismus, nur eben nicht als absolute Größen, sondern eben (wie alles andere) in Abhängigkeit von- und zueinander.
Prajna, also Weisheit als Geistesfaktor wird im Buddhismus folgendermaßen definiert:
[lz]Unterscheidendes Gewahrsein (tib. shes-rab, Skt. prajna, Weisheit) ist der Geistesfaktor der eindeutig unterscheidet zwischen richtig und falsch, angemessen und unangemessen, hilfreich und schädlich und so weiter.[/lz]
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Ja, es geht mir nicht schlecht, es geht mir sogar oft richtig gut. Darum habe ich manchmal Zeit und Kraft mich um mehr als nur um mein eigenes Wohl zu kümmern. Egoismus? Ja, mag sein. Ist mir aber egal. Solange es nützt.
Das Umweltschutz für viele den Ruin bedeutet, übersieht er.
Dass fehlender Umweltschutz den Ruin für alle bedeutet, ist noch nicht angekommen. Das wird sich aber ändern. Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel.
Das für viele Leute Migration ein Problem ist, weil sie Ressourcen die für Migranten abgestellt werden, gerade in den ärmsten Bundsländern (Thüringen, Sachsen und co.) selbst benötigen, übersieht er.
Ihr habe doch kaum Migranten. Und du glaubst ernsthaft, wenn die weg sind, geht es euch besser? Und wenn euch die Migranten so stören, dann kümmert euch um Arten- und Klimaschutz, dann kommen die nämlich gar nicht erst. Cool, oder? Glaubst Du, die kommen freiwillig nach Deutschland, weil es so super ist, sich für Hautfarbe oder Herkunft diskriminieren zu lassen?
Als Zen-Praktizierender sage ich, anderen helfen wollen? Ego! Loslassen.
Nur zu! Lass Dich nicht aufhalten.
Klima- und Umweltschutz sind auch eine besonders hinterhältige Form des Egoismus! Aber diese weltlichen Schwächen hast du ja offenbar schon losgelassen. Dafür hast Du jetzt mehr Energie, Dich ausschließlich und nur um dein eigenes Wohl zu sorgen. Sehr gut!
Aber lass Dich dabei bitte nicht von sowas hier von Deinem Zen-Weg abbringen:
[lz]Wir sind an einer entscheidenden Wegkreuzung angelangt, an der unser Überleben und das anderer Spezies aufgrund unserer Handlungen auf dem Spiel stehen. Noch ist Zeit, die Geschwindigkeit des Klimawandels abzuschwächen und die Auswirkungen einzugrenzen. Um das zu erreichen, muss der Gipfel in Paris beschließen, fossile Brennstoffe stufenweise abzubauen. Wir müssen den Schutz der am meisten Gefährdeten sicherstellen durch entsprechende zukunftsweisende, umfassende, schaden-begrenzende Maßnahmen.
Unsere Bedenken basieren auf Buddhas Erkenntnis des bedingten Entstehens, welches alle Phänomene im Universum verbindet. Das Verständnis für diese ineinandergreifenden Kausalzusammenhänge und die Konsequenzen unseres Handelns ist ein notwendiger Schritt, um unsere negativen Umwelteinwirkungen zu reduzieren. Aus der Einsicht der Verbindung aller Wesen und dem Mitgefühl für diese werden wir in der Lage sein aus Liebe, nicht Angst, zum Schutz unseres Planeten zu handeln. Die buddhistischen Führer sprechen seit Jahrzehnten davon. Das alltägliche Leben lässt uns allerdings allzu schnell vergessen, dass wir untrennbar mit jedem Atemzug, jedem Schluck Wasser und der Nahrung, die wir unseren Körper zuführen, mit der Natur verbunden sind. Durch unsere mangelnde Einsicht zerstören wir die Lebenserhaltungssysteme von denen unser Überleben und das aller lebenden Wesen abhängen.
Wir halten es für unerlässlich, dass die globale buddhistische Gemeinschaft anerkennt, dass wir voneinander und der Natur abhängen. Die Menschheit muss vereint handeln zur Beseitigung der Ursachen dieser Umweltkrise, die bedingt ist durch unseren fossilen Brennstoffverbrauch, nicht nachhaltigem Verbraucherverhalten, mangelnder Bewusstheit und fehlender Betroffenheit über die Konsequenzen unserer Handlungen.
Aus der Buddhistischen Erklärung zum Klimawandel an die führenden Politiker der Welt[/lz]
Der ganze Text lohnt sich sehr. Interessant für Buddhisten ist auch, wer das unterschrieben hat.
In jedem Fall wünsche ich Dir ehrlich und von Herzen alles Gute. Ich möchte mich hier nicht mit Dir streiten.
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Aber muss es immer gleich eine "Maximierung" sein?
Maximierung ist hier genannt, weil man in der derzeitigen Wirtschaft mit Blick auf das BIP vor allem den pekuniären, materiellen Gewinn gerne maximiert. Und dabei bleibt das Wohlbefinden gerne mal auf der Strecke. Darum hier eine Verschiebung des Fokus nicht auf Gewinn, sondern auf das Erleben Glück, das von materiellen Gütern abgekoppelt werden kann. Ich gehe davon aus, dass auch Buddhismus ein Nischenphänomen sein wird. Darum braucht es eine Idee des Wirtschaftens, die mit Menschen und ihren Geistesgiften kompatibel ist.
Bruttonationalglück – Wikipediade.wikipedia.org -
Ich habe nur manchmal das Gefühl, dass bei uns das reiche-Industrienation-Sein als etwas verwerfliches angesehen wird und wir deshalb möglichst schnell schrumpfen und in Sack und Asche gehen müssen, um der Welt ein Vorbild zu sein.
Einen Schritt zurück in ein Öko-Mittelalter gibt es nicht. Aber es gibt einen Schritt vorwärts in eine smarte Form des Wirtschaftens und Konsumierens, die diesen Ausdruck auch verdient. Dabei ist ein wesentlicher Faktor die intelligente Maximierung von Glück. Denn danach sehnen sich alle Wesen.
ZitatDenn Erlebnisse steigern die Zufriedenheit nachhaltiger als weiterer Besitz. Dieser Befund wurde in zahlreichen Studien bestätigt. Am intensivsten untersuchten dieses Phänomen die amerikanischen Glücksforscher Leaf van Boven und Thomas Gilovich. Sie zeigten das erste Mal systematisch anhand von Experimenten, dass Erlebnisse wie Essen gehen, Konzertbesuche und Reisen die Probanden glücklicher machten als der Kauf von materiellen Produkten von vergleichbarem Wert.
Ein anderer ist die intelligente Nutzung des totalen Überangebots an Energie.
Zitat„In einer halben Stunde schickt die Sonne mehr Energie zur Erde als Menschen im Jahr verbrauchen“
Ein dritter ist der intelligente Umgang mit Ressourcen. Z.B. Cradle to Cradle
ZitatAbfall = Nahrung
Beim ... [Cradle to Cradle Prinzip] ... geht es nicht um die Betrachtungsweise, dass Abfall verringert oder vermieden werden soll, sondern Systeme sollen so designt werden, dass alle „Outputs“ wieder als Stoffe in anderen Prozessen aufgenommen werden. Damit sollen Kreisläufe aus der Natur auf menschliche Produktions-Konsum-Systeme übertragen werden. Materialien werden hierzu in „biologische und technische Nährstoffe“ eingeteilt, die in offenen bzw. geschlossenen Kreisläufen wieder in Naturprozesse (biologischer Kreislauf) oder ins Recycling (technischer Kreislauf) eingehen. Ein Produkt sollte dabei entweder nur auf „eine Nährstoffart“ zurückgreifen oder leicht in biologische und technische Nährstoffe getrennt werden können. Emissionen in die Umwelt sollen prinzipiell als Nährstoffe dienen.
Eine Transformation also von einer nicht so schlauen zu einer intelligenten Methode auf diesen Planeten zu hausen.
Glück? JA!
Wirtschaft? JA!
Wohlstand? JA!
Konsum? JA!
Aber bitte nicht so selten doof, dass wir uns den Ast absägen, auf dem wir sitzen.
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Und der Beitrag der EU zur Klimarettung ist minimal.
Der Beitrag Deutschlands ist mini-minimal.
Dennoch muss jede Region, jedes Land nach ihren und seinen Möglichkeiten die Transformation voranbringen. Das ist wie bei einem Ruderboot mit vielen Ruderern. Wenn jeder einzelne denkt, mein Beitrag ist eh gering, also muss ich mich nicht so reinhängen, wird das Boot sich irgendwann nur noch langsam im Kreis drehen. Das gilt für Staaten, aber auch für jeden Einzelnen. Unserer Menschenwelt besteht eben aus der Summe der Taten und Wünsche aller Einzelner. Zudem sind historische Verantwortung und technologisches Vorbild, bzw. technologische Vorreiterrolle nicht zu unterschätzen: Wenn selbst die reichen Industrienationen sich nicht anstrengen, sondern nationale und wirtschaftliche Interessen vor Interessen des Umwelt- und Klimaschutzes stellen, warum sollen wir, die wir mit wirklich existenziellen Problemen zu kämpfen haben, uns überhaupt bemühen.
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Warum zum Teufel hast Du Deine kostbare Lebenszeit vergeudet, um diese Idioten zu bekehren und zu retten ?
Hättest Du Dein Leben nicht besser wie Gunter Sachs mit schönen Frauen an der Cote d'Azur verbracht ? Oder das getan, was zwar sinnlos ist, aber Dich erfüllt ?
Oder mehr Zen-Sesshins besucht ?
Schau, ich will weder jemanden retten noch bekehren. Ich begreife aber die Wirklichkeit, in der wir leben als die Wirkung der Gesamtheit der Gedanken, Worte und Taten aller Menschen, als Kausalnetz, von dem ich ein winziger Teil bin. Als ich mich fragte, was ich gegen den Klimawandel als Einzelner tun kann, habe ich einiges gelesen zum Thema. Neben den üblichen Dingen, die jeder tun kann, und da waren sich alle Experten einig, ist es die tägliche Diskussion mit anderen, die eine Sensibilität für das Thema allmählich in die Gesellschaft sickern lässt.
Als ich Kind war, haben wir in wilden Müllkippen im Wald gespielt, auf dem kleinen See in der Nähe unseres Hauses schwammen mindestens einmal im Jahr alle Fische tot an der Oberfläche. Bei Wanderungen in der Nähe von Wuppertal roch der Wald nach Waschmittel und Jauche. Im Auto würde natürlich Kette geraucht, sodass uns Kindern regelmäßig kotzübel wurde. Müll würde im Garten verbrannt, Hühner in Legebatteriehaltung, u.s.w.
Ich habe mich schon früh für Umweltschutz begeistert, weil der Wald, die Berge und Flüsse, das Meer für mich Orte der Rettung, der Ruhe und der absoluten Schönheit waren und sind. Ich liebe Bäume und Pflanzen und ich achte die wilden Tiere wegen ihrer Freiheit und Schönheit. Die Situation innerhalb der Gesellschaft hat sich nicht viel verändert. Auch damals gab es eine Mehrheit, die nichts von Umweltschutz wissen wollte, auch damals gab es die, die sich bevormundet gefühlt haben, wenn man ihnen sagte, dass es nicht cool ist den Müll im Wald zu entsorgen, etc.
Und doch hat eine deutliche Entwicklung stattgefunden. Heute kann man im Rhein schwimmen, Müll in den Wald zu kippen ist bei Strafe verboten und kaum jemand käme auf die Idee, Kinder während der Fahrt in den Urlaub bei geschlossenen Fenstern Zigarettenrauch inhalieren zu lassen. Diese Entwicklung ist unmerklich und langsam. Getragen wird sie aber von allen Menschen, die jeweils an ihrem Ort und mit ihren Möglichkeiten in Form von Worten und Taten mit anderen zu diesen Themen kommunizieren.
Zudem halte ich andere Menschen nicht für Idioten. Viele haben einfach ganz andere Präferenzen, Sorgen und Nöte, als sich um Umwelt- und Klimaschutz zu sorgen. Manche sind auch einfach selbstbezogen und in ihrer Welt und ihren Ich- und Wertegefügen gefangen. Dennoch ändern sich auch diese Leute, wenn der Wind in der Gesellschaft sich dreht. Aber dieser Wind dreht sich nicht von alleine. Jeder und jede ist daran beteiligt, mit Gedanken, Worten und Taten. Das ist etwas, dass ich durch diverse Zen-Sesshins und durch meine Beschäftigung mit der Lehre des Buddha gelernt habe: Wir sind die Erben unserer Gedanken, Worte und Taten, weil alles mit allem in unmittelbarer Verbindung steht. Was ich tue, hat Auswirkungen, auch wenn ich sie nicht spüre.
Vor 4000 Jahren war es Gesetz, dass bei einem Unrecht man dem, der das Unrecht begangen hat, es 7 x 7-fach heimzahlen sollte, um ein Verbrechen zu sühnen. Dann kam die große Revolution: Auge um Auge. Das reicht! Und dann kamen Menschen wie Buddha oder Jesus, die Vergebung und Liebe an die Stelle der Vergeltung gesetzt haben. Natürlich ist die Welt heute noch voller Unrecht, Blindheit, Gewalt und Wut. Aber diese Impulse habe auch etwas freigesetzt, dass heute Strafgefangene in manchen Gebieten der Welt menschenwürdig behandelt werden und die Vergebung, wenn jemand Mist gebaut hat, als große menschliche Fähigkeit gefeiert wird. Auch diese Entwicklung verlief langsam und unmerklich, ohne all die Menschen aber, die diese Ideen immer wieder diskutiert und vorgeschlagen haben, hätte sie nicht stattgefunden.
Heute stehen wir vor einer neuen gesellschaftlichen Transformation. Wir müssen uns als Menschheit und als Einzelner als Teil eines globalen Ökosystems begreifen, das zu schützen, zu schätzen, zu erhalten und zu fördern grundlegende Ethik werden wird. In 50 Jahren ist das, was wir heute verhandeln, selbstverständlich. Man wird den Kopf schütteln über unsere Form des Umgangs mit der Natur, so wie wir heute den Kopf schütteln über frühere Generationen.
Für mich ist das keine Zeitvergeudung, sondern unmittelbare Konsequenz aus der buddhistischen Lehre und Praxis. Mein Beitrag ist minimal, aber er ist Teil einer Richtungsänderung in der Gesellschaft.
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Aber wenn ich meinen Nachbarn missionieren will, dass er mein Wissen annehmen und in mein Handeln umsetzen soll, wird das eher das Gegenteil bewirken.
Es geht nicht um "mein" Wissen, sondern um das Erkennen bestimmter Zusammenhänge, die nicht sofort offensichtlich sind, und um Handlungsempfehlungen, die Problemen, die aus diesen Zusammenhängen für alle erwachsen, begegnen. Dieses Erkennen von Zusammenhängen und Entwickeln von Problemlösungsansätzen leistet die Wissenschaft. Die Wissenschaft missioniert nicht, sondern stellt Zusammenhänge dar.
Einfaches Beispiel: Wenn jemand in den Pool kackt, hat es wenig mit Missionierung zu tun, wenn man ihm oder ihr mitteilt, dass das nicht so cool ist, weil alle, die im Pool schwimmen, dann mit dieser Kacke konfrontiert sind.
Es geht also um gesunden Menschenverstand, nicht um Glaubens- oder Meinungsfragen, die einer Mission bedürfen würden.
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Oft schaden uns die Menschen am meisten, die uns helfen wollen.
Nun ja, es würde ja fürs erste reichen, wenn wir mit unserem Lebensstandard anderen Wesen weniger schaden würden. Von helfen ist ja erst mal gar nicht die Rede. Um Deinen Satz an diesen Gedanken anzupassen:
[lz]Oft schaden uns die Menschen am meisten, die uns schaden.[/lz]