Zum Ende der Umgewöhnungsphase regte sich der Drang Fleisch zu essen nochmal mächtig, das war wie so ein Aufbäumen, aber nur kurz und vergänglich. Danach gab es kein Problem mehr. Fleischessen war für mich absurd.
Interessant, genauso ist es bei mir auch gerade. Als würde die alte Gewohnheit nochmals mit aller Macht hervorkommen. Auf jeden Fall gut zu wissen, dass andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das gibt mir Zuversicht, dass auch ich es schaffen kann.
Später habe ich als Gärtnerin in einem biologischen Gemüsebaubetrieb mit Tierhaltung (Schafe, Enten und Kaninchen) gearbeitet. Im Laufe der Zeit sah ich in Bezug zur Tierhaltung ganz andere Aspekte: Ohne Schafsmist hätte es einige Gemüsesorten gar nicht gegeben, ohne Tierhaltung hätte es die ganze Herde nicht gegeben. Ohne Enten hätten die Gemüsesetzlinge, Kohlrabi und so, nicht überlebt, weil Schneckenplage war. Die Enten haben sich über die Schnecken als Zusatzkost sehr gefreut.
Nach fünf Jahren in dem Betrieb hatte ich diese Zusammenhänge zwischen Tier, Mensch und Gemüse verinnerlicht. Ich konnte es nicht mehr so sehen, dass für pflanzliche Nahrung kein Tier getötet würde. Damit war dann die Motivation für fleischlose Ernährung pfutsch. Nach 13 Jahren hörte ich mit dem Vegetarismus auf.
Man kann nicht auf der Erde wandeln, ohne auch nur einen einzigen Grashalm umzuknicken.
Tierleid wird es wohl solange geben, wie es Tiere gibt. Das ist nicht zu ändern. Aber der Verzicht auf Tierprodukte macht schon eine Menge aus. Allein die Tatsache, dass man rein flächenmäßig 12 Milliarden Menschen ernähren könnte, würde man die Ackerflächen nicht zur Tiermast nutzen. Aber die westliche Welt will 3x am Tag Fleisch auf dem Teller. Am liebsten jeden Tag.