Notfall Sanitäter*Innen müssen reanimieren. Da hilft auch keine Tätowierung wie "keine Reanimation" auf der Brust. Meine Tochter die hier ihre Berufung gefunden hat musste letztens einen Mann der Tot vom Sofa gefallen ist reanimieren. Seine Frau die erschrocken die Hilfe angefordert hatte sagte dann während der Reanimation dass ihr Mann das nicht gewollt hätte. Schwierige Situation. Hätte sie besser nicht die Feuerwehr rufen sollen?
Einnicken, neben seiner Frau sitzend, und ableben ist doch eine angemessene - um nicht zu sagen "schöne und friedvolle" Art abzuleben.
Ein guter Freund von mir erlitt vor sechs Monaten einen Herzinfarkt. Als er mit der Trage aus dem vierten Stock heruntergebracht wurde, um in einem Krankenhaus zur Weiterbehandlung gefahren zu werden, hörte sein Herz auf zu schlagen. Die Reanimation im Treppenhaus war erfolgreich. Vor kurzen sagte er mir, witzelnd und lebensfroh, das er dankbar war das seine Frau nicht gesagt hatte das er in seiner Patientenverfügung "keine Reanimation" niedergeschrieben hatte.
Was ist wann und in welcher Situation Richtig oder Falsch oder angemessen?
Ein Mann springt vom Dach 25 Meter in die Tiefe. Die eingeleitete Reanimation war - wie sollte es anders sein - erfolglos. Unser aller Menschenverstand sagt uns doch: " gut so - was für ein Glück!"
Die von mir geschilderten Fälle sind keine krassen Einzelsituationen sondern die gängige Praxis. Mir geht es darum, aufzuzeigen dass das Sterben, wie wir es uns denken und wünschen, nicht wirklich selbstbestimmt ist, sondern durch gut gemeinte Fremdeinwirkung fast immer unterbrochen wird.
Ich habe mein gesamtes berufliches Dasein im Klinischen Bereich gearbeitet, - ein würdevolles und friedliches Sterben ist äußerst selten. Die meisten Patienten, auch Buddhisten und christlich orientierte Menschen, haben höllisch Angst zu sterben. Und die Möglichkeiten der modernen Medizin erscheinen äußerst Hoffnungsvoll. So operierten wir über 80, 90 jährige...
Auch wenn die OPs, nicht selten von Assistenzärzte zum Erfahrungsaufbau, erfolgreich durchgeführt wurden sind wurden die darauffolgenden altersbedingten Komplikationen vorab nicht oder selten bedacht.
Ein selbstbestimmtes (humanes) Sterben erfordert viel Klarheit und Vorbereitung. Denn die Entscheidungsfähigkeit läßt im Alter und mit zunehmenden Leid deutlich nach.
Ich bin selbst überrascht wie irritierend, ggf. dramatisch sich meine heutige Schreibe an hört/anhören mag. Nur möchte ich mit der Mähr aufräumen das es selbstverständlich ist den Tot Vorab eigenverantwortlich gestalten zu können.
Na ja, ein Suizid scheint sich doch Eigenverantwortlich, selbstbestimmt und in aller Klarheit machen zu lassen. Leider wohl auch nicht immer. Mein bester Freund hat sich vor fünf Jahren rücklings aus dem Fenster seines Bürozimmers gestürzt. Die Ursachensuche hat ergeben das er aufgrund urologischen Problemen 6-8 mal Abendlich Wasser lassen mußte. Der über Monate andauernde Schlafdefizit hat ihn zermürbt.
Selbstbestimmt? Ich weiß nicht...
Ich möchte heute, ein wenig verlegen, enden mit:
Das Leben ist schön!