Paramarthasatya (p. Paramatthasacca) und Samvrtisatya (p. Voharasacca / Voharavacana) sind die Bezeichnungen der zwei Wahrheitsebenen, die der Buddha gelehrt hat.
Paramatthasacca als absolute Wahrheit zu übersetzen, halte ich für unangemessen, da absolute Wahrheit ein direkter Gegensatz / Widerspruch zum abhängigen Entstehen wäre, von dem es nach der Lehre des Buddha keine Ausnahme gibt. Absolute Wahrheit ist wohl auch lediglich ein Produkt westlicher Übersetzer, die diese Kategorie ja bestens aus ihrer Philosophietradition kennen.
Der Buddha hat zwei Wahrheiten gelehrt, weil die Personen und die Phänomene nicht so existieren wie sie uns erscheinen. Es gibt eine Diskrepanz zwischen beiden.
Paramatthasacca als Wahrheit im höchsten Sinne bedeutet, dass die Person keinen Wesenskern besitzt, dass sie frei von einem innewohnenden Eigenwesen ist, das sie zur Person macht, weil die Person nur in Abhängigkeit existiert.
Voharasacca wird meist mit konventioneller Wahrheit oder auch verhüllender Wahrheit übersetzt. Das bedeutet, nur durch das Wahrnehmen der Person erkennen wir noch nicht ihre Wahrheit im höchsten Sinne. Auf dieser Ebene beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Formen des abhängigen Bestehens der Person.
Wenn wir über Person und Individuum reden, dann bewegen wir uns auf der Ebene der konventionellen Wahrheit. Mit dem Begriff der Person grenzen wir uns als Menschen von den anderen Phänomen, die keine Menschen sind. Mit dem Begriff Individuum betonen wir die Person als Einzelwesen mit ihren besonderen Qualitäten und Tugenden. Jeder Mensch ist gleichzeitig eine Person als auch ein Individuum. Beide Begriffe betonen nur verschiedene Aspekte des Menschen und stehen nicht in irgendeinem Gegensatz zueinander.
Meines Erachtens ist es deshalb nicht angemessen, den Begriff der Person Paramatthasacca und den Begriff des Individuums Voharasacca zuzuordnen.