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Beiträge von Dharma Buddy

  • LGTB+ und Buddhismus

    • Dharma Buddy
    • 14. August 2021 um 01:04
    Thorsten Hallscheidt:

    Die Identifikation mit einem Label (ich bin der und der, ich gehöre zu dieser oder jener Gruppe, ich bin anders als die anderen) ist ebenfalls Ausdruck von Dukkha.

    Die "Identifikation mit einem Label" ist keine Frage von Lifestyle sondern für die meisten queeren Menschen das Ergebnis eines oft schmerzhaften Prozesses der Selbstakzeptanz. Es ist sogar die Voraussetzung für eine Lebensgestaltung, von Liebe und Partnerschaften. Ich glaube, Du wirst in dem Heft einige Artikel finden, die sich damit beschäftigen.

    Ich persönlich halte es für völlig unrealistisch zu glauben, wir Menschen seien frei von Identitäten oder könnten sich davon befreien. Das würde ja im Endeffekt auch bedeuten, große Teile unserer Kultur zu transzendieren. Wir uns vielleicht als "aufgeklärt", "demokratisch", "Buddhist:in", "hetero", "schwul", "Ehemann", "Vater" usw. Eine Identität z.B. als "Ehemann" bedeutet, sich zu einer Beziehung zu bekennen, Verantwortung zu übernehmen, das Leben auf eine langfristige Beziehung zu zweit auszurichten. Dafür steht "Ja, ich will" und "Von nun sind sie.."


    Aber ist das eine Form von Leid? Leid beginnt doch, wenn sich Menschen verändern und auseinanderleben, wenn man Single und Ehemann zugleich sein will oder man eigentlich ein monastisches Leben anstrebt usw. Ja, Identitäten sind immer problematisch, deswegen sollte man nicht an ihnen haften. Ich sehe auch hier einen mittleren Weg, der sie nicht leugnet (oder glaubt sie überwinden zu können) aber auch nicht an ihnen haftet.

    Das ist auch der Grund, warum das Bild des Regenbogens genutzt wird: Es steht von einem Kontinuum statt Polaritäten. Und das Wort "queer" steht in der Community auch dafür, sich nicht in Schubladen nicht stecken lassen zu wollen. Sie sind nützlich, aber sie passen in den meisten Fällen nicht.

    Wir können aber nicht auf die Label verzichten. In dem Heft schreiben vier Menschen, die sich als nicht-binär definieren, u.a. ein Monastic. Was würde denn passieren, wenn wir auf die Label verzichten? Gerade dieser Aspekt wird unsichtbar. Zurück bleiben nur die Kategorien unser Kultur, die christlich geprägt ist: "Gott schuf den Menschen als Mann und Frau". Für alles andere hat unsere Kultur noch nicht mal Begriffe. Selbst das Wort Homosexualität wurde vor 200 im angelsächsischen Raum erfunden und übernommen, weil wir nichts hatten. Das ist auch die Antwort auf die Frage, was denn eigentlich Norm ist. Es sind ziemlich genau die Dinge, für die wir in unserer Kultur Begriffe haben. Das Heft geht ziemlich gut darauf ein, was in dieser Kultur bekannt ist, etwas bekannt und weitgehend unbekannt. Streichst man Worte, macht man Dinge unsichtbar. Ist das nicht auch eine Form von Verblendung?

    Zitat

    Aber vielleicht gibt es auch noch viele Formen der Diskriminierung, die ich nicht wahrnehme, so dass die öffentliche Demonstration einer von der Norm (welche eigentlich?) abweichenden sexuellen Orientierung oder Identität in Deutschland noch notwendig ist. Kannst Du dazu was sagen?


    Vor ein paar Jahren hätte ich gesagt, dass es queeren Menschen gut geht, wenn sie in einer größeren Stadt leben, schwul oder lesbisch sind, weiß, und mindestens der Mittelschicht angehören. Heute sehe ich das anders. Alle paar Tage liest Du von massiver Gewalt. In den Großstädten werden queere Menschen jedes Wochenende zusammengeschlagen. Wenn Du z.B. als Transgender durch Frankfurt gehst, ist es wahrscheinlich, dass Du auf der Zeil zusammengeschlagen wird. Wenn Du Glück hast, wird Dir nur hinterhergeschrien: "Dich mach ich kalt". Das gesellschaftliche Klima ist rauer geworden. Ich kenne sehr viele Männer- und Frauenpaare, die sich nicht mehr trauen, Hand in Hand durch die Straße zu gehen.

  • LGTB+ und Buddhismus

    • Dharma Buddy
    • 13. August 2021 um 18:26
    User19823:

    Es sind die vielen kleinen Reaktionen, deren Verletzungspotenzial uns selbst nicht bewusst ist, die wir aufdecken müssen, damit wir es ändern können.

    Oder z.B. die oft wiederholte Darstellung in den Medien: z.B. Homos in der Regel als etwas durchgeknallte, reichlich bunte Vögel darzustellen.. So was prägt sich einfach ein und führt zur entsprechenden Bewertungen.

    Danke für den Zuspruch.

    Die Idee, zusammen mit anderen queeren Menschen zu praktizieren, entstand ja 2018 nach einer Meditationskurs. 2019 fanden sich dann einige zusammen, die den Gedanken weiter trugen und im Februar 2020 startete das erste Treffen vor einem bundesweiten Einzelmitgliedertreffen der DBU. Und an dem ganzen Projekt sind ja so viele Menschen beteiligt. Und ich glaube, dass allen, die Teil dieser Graswurzelbewegung sind und diese Unterstützen, Dank gebührt. Und das werde ich allen ausrichten.

    Das, was Du schreibst, ist ein sehr wichtiger Punkt. Es sind die vielen kleinen Dinge, mit denen Menschen anderen Menschen das Gefühl geben, nicht dazu zu gehören. Aus "anders sein" wird der "das Andere" - und das ist ein großer Unterschied. Im Englischen ist das deutlicher, denn das heißt es "being different" und "the other". Und das machen wir ständig, wenn wir z.B. die dunkelhäutige Kellnerin, die in Deutschland geboren ist, fragen: "Wo kommst Du denn her?" Und wenn sie sagt "Ich lebe hier" dann kommt die Frage "Wo kommst Du denn eigentlich her?" Das ist harmlos, aber wenn man so etwas ständig, Tag für Tag, hört, dann hat es eine Wirkung.

    Meiner Ansicht ist das Problem, dass wir alle, selbstverständlich mich eingeschlossen, Vorurteile, Vorbehalte haben und verletzten gegenüber anderen handeln. Die Dinge, die Teil unserer kulturellen Prägung sind. Und diese umgibt uns wie die Luft: sie ist unsichtbar aber wir atmen sie mit jedem Atemzug. Wir reproduzieren diese Dinge unseren Handlungen, in unserer Sprache, die für Vieles ja noch nicht mal Worte hat. Und deswegen sehen queere buddhistische Gruppen sich nicht als "die anderen", sondern eher als einen Teil eines engagierten Buddhismus, den es um das Bilden inklusiver Gemeinschaften geht. Das hat Alan Lessik vom Zen Center San Francisco beschrieben. Nicht zu diskriminieren ist ein Teil der Gelübde für Viele - und sie praktizieren das auch im Leben. Ich finde diese Menschen so eindrucksvoll und es zeigt auch, dass die Praxis wirkt.

    Und ich wollte auch Ken aus dem Zen Center San Francisco zu Wort kommen lassen. Für mich waren die Zennies, die zur Zeiten der AIDS-Katastrophe die Hospiz-Bewegung in den Staaten gründeten, immer Helden, die an vorderster Front kämpfen, als das große Sterben begann, die Angst vor Krankheit die Gesellschaft erfasste, Menschen ausgegrenzt wurden. Aber es blieb ja nicht bei ihnen. Was mich so gefreut hat, war, dass auch so viele Dharmalehrende aus Deutschland Beiträge schrieben. Das sind die wirklichen Menschen, die die wichtigen Beiträge geliefert haben. Und ihnen möchte ich danken.

    _()_

  • LGTB+ und Buddhismus

    • Dharma Buddy
    • 13. August 2021 um 14:58
    Sudhana:

    Ein buddhistisches Thema wäre dies, wenn es in der Sangha Diskriminierung gäbe - aufgrund welcher Merkmale auch immer. Darüber muss und soll man einen Diskurs führen, Sangha ist inklusiv und wo sie das nicht ist, trägt sie ihren Na,men zu Unrecht. Aber Diskriminierung 'queerer' Menschen nehme zumindest ich nicht als ein Problem insbesondere westlicher buddhistischer Gemeinschaften wahr - und eben dies wird, soweit ich bislang gesehen habe, in dem Heft auch gar nicht thematisiert. Falls doch, bitte ich @Ichbinderichbin um einen Hinweis. Jedenfalls - eine Aufteilung in eine Cis - Sangha und eine LBSTQIA+ - Sangha (womöglich eine L-Sangha, B-Sangha, S-Sangha ...) scheint mir ein besonders ungeeigneter Ansatz. Die Werbung für 'queere' buddhistische Gemeinschaften (Sanghen) in dem Heft löst bei mir nur Kopfschütteln aus ...

    _()_

    Leider gibt es diese und einiges findet sich im Heft und zwar in den Artikeln "Würdigung statt Diskriminierung" sowie "Sichere Räume schaffen". Und es gibt weltweit noch viel drastischere Beispiele: Bhante Akaliko erhielt z.B. Todesdrohungen, wie er auf Sutta Central schrieb.

    Warum ist dies nicht bekannt? Eine Mehrheit wird niemals die Probleme mariginalisierter Gruppen wahrnehmen, weil sie die Lebenswelten nicht kennt. Das können sie nur selbst und sie werden nur Ernst genommen, wenn sie sich als Gruppe äußern. Das war aber schon immer so: Für Themen wie Nonnenordination muss es ja auch erst Konferenzen von Sakyadhita geben. Und genau das Thema gibt es bei der Ordination queerer Menschen: Im Theravada wird oft teilweise abgelehnt, da man queere Menschen als "Pandaka" identifiziert.


    Aber ist es allein deswegen ein buddhistisches Thema? Die queeren Sanghas haben sich nie primär gegründet, weil Menschen Diskriminierung erfuhren, sondern weil sie mit Menschen mit ähnlichen Lebenssituationen (lass es mich ruhig ähnliches Karma nennen), zusammen praktizieren wollen. Das ist gar nicht mal so etwas Besonderes. Niemand käme auf den Gedanken, die Junge Buddhistische Union, eine Frauengruppe oder was auch immer zu hinterfragen. Bei queeren Gruppen ist das aber die erste Reaktion, die genauso sicher kommt wie das "Namo Tassa" im Theravada.

    Was bedeutet nun "ähnliche Lebenssituationen"? Queere Menschen haben oftmals andere Lebenswelten. Sie haben oft keine Kinder (das Recht zur Adoption gibt es erst seit Kurzem), viele sind einsam manche haben mit der Familie gebrochen usw. Aus diesem Grund gibt es in der queeren Community oft Wahlfamilien. Und hier geht es um spirituelle Freundschaften. Ich staune immer noch darüber, wie sich in dieser schlimmen Zeit der Pandemie queere Menschen online gefunden haben, immer noch gemeinsam praktizieren, Freundschaften entstanden und sich gegenseitig unterstützen. Dies führte zu vielen Aktivitäten wie das Sonderheft, der IQBC, der Gründung von Meditationsgruppen und bald hoffentlich auch einem bundesweiten Treffen. Es geht um ein lebendiges Sanghaleben. Die wichtigsten Themen sind meiner Erfahrung Anwendung des Dharma im Alltag und Engagement - z.B. in sozialen Projekten der queeren Community aber auch allgemein.

    Aber wieso funktionieren die spirituellen Freundschaften eigentlich? Es ist eben so, dass Menschen in ähnlichen Situationen besser zusammen finden, weil sie einfacher Verbindungen spüren. Deswegen gehen meiner Ansicht viele Asiat:innen in asiatische Sanghas, deswegen bilden sich auch Frauengruppen usw. Hier gibt es noch einen Grund und das sind geschützte Räume. Ich will mal zwei Beispiele nennen. Wenn ein nicht-binärer Mensch kommt und bittet, dass das Pronomen "dey" benutzt werden soll, dann schüttelt niemand den Kopf, startet niemand eine Diskussion um "Gendersprache" oder "Identitätspolitik". Wir machen das einfach aus Respekt. Ein anderes Beispiel: Jemand ist intersexuell und sagt, dass er deswegen kommt, weil er nicht ausgefragt wird und sich nicht rechtfertigen muss. In der Sangha, die er sonst besucht, kommen, wenn er das erwähnt, die nächsten 20 Minuten totale Quatschaussagen ("Das ist ja praktisch, dann brauchst Du ja keinen Partner zum Kinderkriegen") oder sehr intime und als unangenehm empfundene Fragen über seinen Körper. In einem sicheren Raum passiert so etwas nicht - es wird niemand ausgefragt, in Frage gestellt und auch nicht der Kopf geschüttelt. Das heißt jetzt nicht, dass in Sanghatreffen über diese Dinge gesprochen wird, aber manche Menschen schätzen es einfach, in einem Raum zu sein, wo dies möglich ist.

    Das größte Missverständnis, dass ich immer wieder erlebe, ist die Befürchtung, es käme zu einer Aufspaltung der buddhistischen Sangha. Es ist immer als ein Angebot für spezielle Menschen. Unter denen gibt sehr viele, die weiter in ihren Sanghas praktizieren und es toll finden, einmal im Monat mit anderen queeren Menschen zu praktizieren. Es gibt wiederum andere, die in ihren Sanghas schlechte Erfahrungen gemacht haben mit Diskriminierung und sich freuen, eine Gruppe gefunden zu haben, in der nicht über sie geurteilt wird. Und dann gibt es wieder andere, die so zum Buddhismus gekommen sind und sehr dankbar sind, dass sie Anschluss gefunden haben und denen wir helfen, eine Richtung zu finden, die ihnen zusagen könnte.

    Interessanterweise war das dem Rat der DBU klar, weswegen er die Regenbogensangha immer unterstützt hat. Er sieht es als eine Bereicherung für Menschen in speziellen Lebenswelten. Ebenso ist es auch eine Chance, dass sich Menschen artikulieren, die sonst nicht vernommen werden. Und es war immer klar, dass sich die Regenbogensangha als Teil der buddhistischen Gemeinschaft sieht und nicht für sich im eigenen Saft köcheln will, sondern sich artikulieren will. Und ich freue mich, dass neben dem Rat der DBU, den Einzelmitgliederversammlungen es so viele Organisationen gibt, die die "Buchstabensanghas" willkommen heißen.

    _()_

  • Divers

    • Dharma Buddy
    • 1. Juli 2021 um 23:35
    gabi.voelkel:

    Mir ist gerade dazu eingefallen, dass es vor ein paar Monaten oder länger Menschen gab, die verbieten wollten, dass ihre Kinder in der Schule über die Diversität der Menschen unterrichtet werden sollten. :x

    Aber gerade in der Schule müsste man doch - altersgerecht- damit anfangen , aufzuklären, dass es eben nicht nur Mann oder Frau gibt ! Oder nur weiße , nur Nichtbehinderte etc.


    Ich glaube, dass die Kulturministerkonferenz sich mit dem Thema theoretisch auseinandersetzt. Ein Ziel ist gerade der Demokratieerziehung sind "Ambiguitätstoleranz" und "wertschätzender Umgang". Mit Ambiguitätstoleranz ist gemeint. dass Menschen nicht in Schwarz-Weiß-Kategorien denken. Ich nenne mal ein paar Beispiele für mangelnde Ambiguitätstoleranz:

    • Manche Menschen haben Probleme, sich einen Deutschen mit dunkler Hautfarbe vorzustellen und fragen: "Ok, Du bist Deutscher, aber wo kommst Du wirklich her?"
    • Manche meinen, ein etwas femininer Junge müsse immer schwul sein. Ich kenne Mitschüler, die sehr darunter gelitten haben.
    • Manche meinen, jeder Deutsche mit türkischen Wurzeln und islamischer Religion sei automatisch Vertreter eines konservativen Islams.

    Ich glaube, dass die Freiheit vom Denken in Sterotypen ein wichtiges Erziehungsziel ist. Die Welt ist komplexer als unsere Vorstellungen. Und wir sind es auch. Wenn wir an festen Rahmen hängen, engen wir uns ein.

    Die anderen Themen sind schwieriger. Ich glaube, dass das Thema z.B. in den Biologieunterricht kommen sollte. Manche Dinge sind wirklich wichtig. Ein Dharma-Freund, der intersexuell ist, hat mir mal erklärt, dass er so etwas in der Regel nicht erwähnt (auch nicht in der Sangha), weil dann die nächsten 20 Minuten kommen Fragen wie: "Das ist ja praktisch, dann brauchst Du zur Fortpflanzung keinen Partner..." usw. All diese Dinge muss man mit Feingefühl erklären - und auch in der Schule sollte das der Fall sein. Bzgl. nicht-Binären Menschen ist es schwierig, denn die Wissenschaft weiß wenig darüber.

    Ich glaube, dass am Wichtigsten aber der Respekt ist. Wenn jemand "anders" ist, muss man den Menschen das nicht spüren lassen. Wieso kann man nicht sagen, die Person ist anders, gehört aber dennoch zu uns. Und ja, manchmal gibt es auch Probleme, aber diese Dinge muss man ansprechen. Ich will also sagen, dass meiner Ansicht die Werte das Wichtigste sind bei der Erziehung. Unsere Welt ist so komplex geworden, da müssen wir lernen, mit jeglicher Vielfalt umzugehen, sonst zoffen wir uns nur. Das Thema sehe ich also viel weiter als "nur" sexuelle und geschlechtliche Vielfalt.

    _()_

  • Divers

    • Dharma Buddy
    • 27. Juni 2021 um 15:33
    Sudhana:

    Auch von meiner Seite, Dharma Buddy, danke für den Einblick in Deine Sichtweise. Ich kann nicht alles nachvollziehen, muss ja auch nicht sein. Wo mein 'Problem' (kein persönliches, sondern ein Akzeptanzproblem im Kontext buddhistischer Praxis) liegt, wurde vielleicht auch ein Stück weit deutlich - in erster Linie bei der Selbstidentifikation mit Rollen; zugewiesenen und selbstgewählten. Dass das in der 'Szene' auch problematisiert wird, hast Du ja deutlich gemacht, zumindest das war neu für mich.

    Auch, wenn es OT ist - Du hast ja nun selbst deutlich gemacht, dass bei dem von Dir erwähnten 'animitta-samādhi' von einer isolierten Praxis im Rahmen eines Stufenweges (die ich nicht kenne) die Rede war. Eben darum war ich irritiert, dass so etwas von jemandem kam, der sich dem Zen zugehörig fühlt, was ja nun erklärtermaßen eben kein Stufenweg ist. Weil hier OT will ich nicht allzu tief darauf eingehen, aber den Bezug zum Zazen zumindest andeuten. Er leitet sich aus der Übung der tiefen Prajñāpāramitā des Bodhisattva Avalokiteśvara ab (Kanjizai Bosa gyō shin hannya haramita) - es ist ja kein Zufall, dass dieses Sutra im Zen ständig rezitiert wird. Wenn man die Überlieferung eben dieser Übung studiert, findet sich da natürlich auch etwas zum animitta-Aspekt dieser Übung. Speziell aufschlussreich für mich war da das Astasāhasrikā-prajñapāramitā-sūtra, Abschnitt XIX und XX. Muss man aber nicht unbedingt wissen, um Zazen zu üben ... :grinsen:

    _()_


    Ich muss mich auch bedanken, dass Du mein langes Geschreibe gelesen hast und auch so gnädig warst, einige von mir blöd oder missverständlich formulierten Dinge gnädig zu übersehen.

    Und ich kann Deine Sichtweise schon verstehen: Wenn man die Community von außen betrachtet, kommt sie einem durchaus seltsam vor mit eigenen Ritualen und Eigenschaften einer typischen Subkultur wie den Fußballfans. Aber das sehe ich nur als einen Teil der Wahrheit.

    Und sollte ich irgendwann das Astasāhasrikā-prajñapāramitā-sūtra lesen, dann komme ich vielleicht auf Dich zu. Aber erst mal sind noch andere Dinge auf meiner Leseliste.

    _()_

  • Divers

    • Dharma Buddy
    • 26. Juni 2021 um 22:54
    Sudhana:

    Doch kein notwendiges Ergebnis. Dass Selbstakzeptanz - zu lernen, sich selbst liebevoll anzunehmen - ein schwieriger und oft auch schmerzvoller Prozess ist, ist natürlich richtig. Aber es ist ein Unterschied, ob man es bei einem "so bin ich - damit kann und will ich arbeiten" belässt oder ob man daraus ein "ich bin ein Opfer der gesellschaftlichen Umstände" oder auch ein "ich bin queer und stolz darauf" macht.

    Mir ist nicht klar, warum Du lauter Widersprüche aufmachst. Wieso kann man "nicht so sein, wie man ist" und gleichzeitig "Opfer gesellschaftlicher Umstände" sein? Viele Transgender haben sich akzeptiert, wurden aber auch wegen des TSG zwangsgeschieden, zwangssterilisiert und man hat ihnen die Möglichkeit genommen, selbst über ihren Körper und vorzunehmende Maßnahmen zu entscheiden. Beides ist wahr: Man kann Opfer von Umständen sein und sich selbst lieben.

    "Stolz" wird meiner Ansicht in der Community nicht im Sinne von "White Pride" verwendet sondern als Gegenteil von "Scham" und betont Selbstwert. Ich persönlich finde es auch ungeschickt, so etwas so kritisieren. Menschen mit Erfahrung von Marginalisierung müssen meiner Erfahrung diesen Selbstwert erst aufbauen - und das ist dann auch die Basis auf der eine spirituelle Entwicklung möglich ist.

    Sudhana:

    Ich halte von dem Verorten nicht viel. Das mit dem Regenbogen ist ja ein schönes Bild - aber gerade weil es, wie Du richtig schreibst, ein "Kontinuum" ist, welchen Sinn soll da das säuberliche scheiden machen? Zwischen rot und blau, grün und gelb usw. Zwischen "wir" und denen die anders sind. Ist nicht genau das die Wurzel der Probleme, die Menschen so miteinander haben?


    Die Verortung ("Coming Out") ist für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten schon wichtig, denn sie ist Voraussetzung für Selbstgestaltung. Ich bringe mal zwei Beispiele: Wenn jemand sich als "schwul" definiert, dann bedeutet das z.B.: "Ich bin nicht krank. Ich habe auch nicht sporadische gleichgeschlechtliche sexuelle Anfälle, sondern ich will emotionale Bindungen zu Männern aufbauen. Ich will eine Partnerschaft, vielleicht sogar eine Familie. Ich will ehrlich mir gegenüber sein, meinen Freunden, meiner Familie, meinen Arbeitskollegen. Mir ist klar, dass dies ein schwieriger Weg werden kann. Aber ich will diesen Weg gehen. Ich will ehrlich sein zu mir und anderen." Wie wichtig das ist, kannst Du z.B. an Menschen beobachten, die das Konzept dieser Identität nicht kennen. Schwule Geflüchtete erzählen mir, dass dies in ihrer Heimat völlig abwegig ist. Es gibt dafür keine Lebensentwürfe, noch nicht einmal einen Namen. Es wird eher wahrgenommen als eine krankhafte sexuelle Energie, die vielleicht etwas wie eine diffuse Bisexualität im Rahmen einer Ehe mit vielen Lügen ist. In so einer Situation müssen sie viele Dinge lernen: "Ich bin OK, wie ich bin. Ich kann meine Entscheidungen treffen und muss das Leben nicht von Unwerturteilen beeinflussen lassen."

    Ich bringe noch ein weiteres Beispiel. Die Wissenschaft nennt das, was transgender, nicht-binär, gender-fluid etc. zugrunde liegt "Geschlechtsdysphorie". Bis vor kurzem dachte die Wissenschaft, dass dies nur bei transgender vorkommt. Nun lernt die Wissenschaft, dass das nicht so ist. Das hat erhebliche Auswirkungen, denn bei der Diagnose "Geschlechtsdysphorie" ist dann die Geschlechtsangleichung (Transition) nicht die richtige Entscheidung. Was nun einem Menschen hilft und was nicht und sogar schädlich ist, müssen die Betroffenen sehr gut verstehen, sonst entscheiden sie sich z.B. für Operationen, die sie später bereuen. Das erfordert auch Stärke, denn sie müssen sich mit Psychologen auseinandersetzten, die das Phänomen teilweise nicht verstehen und ihnen ggf. widersprechen.

    Ich sehe die Verortung deswegen nicht als Problem, sofern sie auf Selbsterkenntnis und Selbstakzeptanz beruht. Und Du kannst auch davon ausgehen, dass die Betroffenen in diesem Prozess viel über sich lernen u.a. Selbstbild als internalisiertes Fremdbild ggf. um Familien- oder Gesellschaftserfahrungen zu entsprechen usw. Und jetzt gibt es noch was zu sagen. Sobald in der Community die Frage nach "Identität" und "Label" gestellt wurde, kam sofort die Gegenreaktion: "Wenn wir sowieso nicht in Schubladen passen, wieso schaffen wir uns neue?" Diese Position ist derjenigen, die sich "queer" nennen das oben beschriebene Vorhaben von sich weisen.

    Diese Diskussion tobt nun seit Jahrzehnten in der Community. Ich persönlich meine, dass beide Seiten gute Argumente für ihre Position nennen - also in beiden Positionen steckt Weisheit. Ich persönlich möchte sie deswegen aber nicht gegeneinander ausspielen. Beide haben ihre Berechtigung und sie müssen sich nicht widersprechen, wenn man z.B. eine Positionierung nicht als endgültig betrachtet, sondern bereit ist, sich diese Fragen immer wieder und wieder zu stellen.

    Es ist geht meiner Ansicht nicht um Abgrenzung, sondern der CSD hat andere Aussagen: Queere Menschen sind gerade nicht die "Anderen", sondern Söhne, Töchter, Onkel, Arbeitskollegen usw. Und wir sind auch keine "Besonderheiten", sondern eben eine Konsequenz der unendlichen Vielfalt, zu der alle(!) gehören. Wir sind doch nur "anders", weil die Gesellschaft in Polaritäten wie Mann - Frau oder heterosexuell - heterosexuell denkt. Natürlich gibt es auch die Polaritäten in der Realität, aber auch das Kontinuum dazwischen.

    Sudhana:

    Das wundert mich jetzt etwas, bei jemandem, der Zen als seine "Richtung" bezeichnet. Ist Zazen nicht die Übung des Weilens im Zeichenlosen? Und gibt es da Anfänger und Fortgeschrittene? Wenn du den Weg gehst, ist es weder nahe noch fern ...


    Ich habe von einer Samadhi-Praxis geschrieben, von der mir Buddhologen gesagt haben, dass sie jenseits der Jhanas liegen soll. Ich habe aber nur kurz gegoogelt und geschlossen, dass es eine stufenweise Praxis ist und wohl völlig außerhalb meiner bescheidenen Praxis liegt. Mir ist jetzt nicht klar, warum Du eine Verbindung zu Zazen ziehst. Kennst Du eine?

    _()_

    P.S.: Sorry, dass ich so lange geschrieben habe. Ich komme mir sehr oberlehrerhaft vor.

  • Divers

    • Dharma Buddy
    • 26. Juni 2021 um 17:58
    AAA:

    ich erinnere mich als ich im Retreat war,

    in einem Retreat Zentrum und eine Person dort ebenfalls einige Zeit verbrachte,

    die von sich Sagte, das sie nur zu "Soundsoviel" % einen Weiblichen bzw. Männlichen Körper hat.

    Eigentlich kein Thema.

    Aber wenn ich für mich in's Retreat gehe,

    und JEDES Frühstück, JEDES Mittagessen, JEDES Abendessen,

    war sie mit ihrem Thema "da" und es wurde bei allen 3 Malzeiten darüber Gesprochen....

    Ein Lama Sagte mal :

    "es ist ein zeichen von gutem Karma, wenn Männer Männlich sind,

    und Frauen Weiblich sind."

    Normalerweise stehen Frauen auf Männliche Männer,

    und Männer bevorzugen Weibliche Frauen.

    und ich Denke: das ist Gut so.

    Alles anzeigen

    Wenn eine Person in einem Retreatzentrum etwas ständig thematisiert, dann hat sie vielleicht ein Problem. Und dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Du kannst helfen oder nicht. Wenn Du es nicht kannst, dann wäre vielleicht ein spezieller Retreat sinnvoll, wo Menschen sich in komplexen Findungsphasen damit beschäftigen. Das ist sinnvoll, denn diese Dinge sind schwierig und die Menschen oft verwundbar.

    Es gibt Möglichkeiten, den Menschen zu helfen. In einem Retreat saßen z.B. Männer auf der einen Seite und Frauen auf der anderen. Als eine nicht-binäre Person ratlos da stand, merkte das der Lehrer sofort und sagte, dass wir heute keine zwei Reihen machen sondern ein U - und alle, die sich nicht auf die Reihe setzen wollen, können die untere Seite wählen. Das war ein starkes Signal: "Du gehörst zu uns und wir sind bereit, die Regeln zu ändern". So etwas ändert dann alles und gab der Person die Möglichkeit, sich sicher und akzeptiert zu fühlen.

    Es ist auch möglich, dies Teil der Praxis werden zu lassen. Im Jodo Shu gibt es Rituale, die Männer und Frauen unterschiedlich ausführen: Die einen gehen mit dem linken Fuß zuerst und die anderen mit dem Rechten. Ein guter Lehrer oder Lehrerin macht das zur Praxis und fragt: Kannst Du im Moment wissen, als was Du Dich fühlst. Dann spüre es uns handle. Aus einem Konflikt wird dann eine Achtsamkeitsübung und letztendlich Akzeptanz des Bestehenden, um Wissen und geistige Freiheit bei inneren Konflikten zu erlangen.

    Zu dem Zitat des Lama bin ich ratlos. Meinte er das wirklich so? Sollten Buddhist*innen sich nicht des Urteils enthalten? Was ist denn schon "normal"? Ich halte das nicht für weise, weil es immer zu Diskriminierung führen kann. Als der Buddha mit Mönchen und Nonnen konfrontiert wurde, die wir heute wohl "transgender" nennen würden, hat er nicht geurteilt. Er hielt auch keinen Dharma Talk über "gutes Karma". Er hörte zu und entschied, dass sie in den Orden des Geschlechts wechseln dürfen, dem sie sich zugehörig fühlen.

    Wir haben alle unser Karma. Wichtig ist, wie wir es nutzen. Ich meine, dass andere Diskussionen ("Frauen sind in diesem Leben Frauen, weil sie schlechtes Karma haben", "Schwule sind schwul, weil sie in einem früheren Leben Ehebruch begangen haben") schädlich sind. Ja, es sind Positionen in manchen asiatischen Traditionen, aber sie führten leider zu Diskriminierung und Leid - und damit zu unserem Karma. Deswegen wäre ich da sehr vorsichtig.

    _()_

  • Divers

    • Dharma Buddy
    • 26. Juni 2021 um 17:43
    mkha':
    Dharma Buddy:

    Am besten gefällt mir das Bild des Regenbogens. Er ist ein Kontinuum , auf dem sich Menschen verorten können. Vielleicht sind Bilder in diesen Dingen besser als Sprache.

    Ja, der Regenbogen - er gefällt mir besser, als all diese neuen Worte. ...

    Wisst Ihr, ich habe ein ganz blödes Gefühl ... Jedes einzelne dieser Worte kommt mir vor wie ein neues Brett, das sich - wie aus dem Nichts erscheinend - zwischen mich und die bunte Vielfalt, (mit der ich mich bereits in meiner Berliner Zeit vor über 40 Jahren freundschaftlich verbunden fühlte), schiebt.

    Die dämliche Frage in Dokumenten: männlich/ weiblich? fand ich schon immer überflüssig. Wir sind Menschen - Punkṭ. Meines Erachtens liegt das Geschlecht einer Person irgendwo zwischen Mann und Frau, oder ist auch beides in unterschiedlicher Kombination, ... die gelebte Sexualität ist (m. E.) Privatsache.

    Die Anzahl der Möglichkeiten rein genetischer Varianten, zeigt doch auf, dass Mann-sein oder Frau-sein lediglich zwei Möglichkeiten sinḍ. Mich wunderte es, mit welcher Selbstverständlichkeit alles Nicht-Männliche oder Nicht-Weibliche als "Abweichung", "Syndrom", etc. bezeichnet wird ...

    Vielleicht ändert sich diese Einstellung ja irgendwann einmal, ... Alles, was dazwischen liegt, kann meines Erachtens nur ein weiteres Provisorium seiṇ auf einem langen steinigen weg seiṇ - (und so etwas im 21 Jh.!) Erst wenn all dies gar kein Thema mehr ist, sondern ebenso "normal und nicht erwähnenswert", wie die bislang ausschließlich akzeptierten Möglichkeiten - werde ich unterstellen, dass sich durch das wahrhafte Leben der neuen Erkenntnisse in den Köpfen etwas getan hat, und dieser Prozess nun tatsächlich als abgeschlossen zu betrachten ist.

    Könnt Ihr das nachvollziehen, oder stehe ich allein mit meinem Denken? LG mkha'

    Alles anzeigen


    Du stellst eine spannende Frage - und ich denke auch wie Du. Aber wird das kommen?

    Es gibt Gelehrte, die meinen, für den Buddha war Geschlecht und unsere Reaktion darauf eine grundlegende semiotische Kategorie (Nimitta). Überwinden können wir sie nur durch sehr fortgeschrittene Praxis (Animtta-Samadhi). Aber das ist so fortgeschritten, dass es außerhalb unserer Reichweite ist als einfache Praktizierende ist.

    Was können wir also tun? Ich meine, dass ein mittlerer Weg helfen kann. Es ist weise, diese Dinge über einen zu wissen. Man sollte seine Orientierung, Identifikation mit dem Geschlecht usw. kennen. Wir sollten sie als das erleben, was sie sind und keinesfalls leugnen, aber auch nicht an ihnen anhaften.

    Deine Vision gefällt mir auch gut, aber ich glaube nicht, dass ich sie erleben werden. Selbst unter Buddhist*innen ist das Thema "Buddhismus und Queerness" leider hin und wieder ein Triggerthema - von dem Rest der Gesellschaft will ich gar nicht sprechen. Also ja - vielleicht passiert das, aber in diesem Leben rechen ich nicht damit.

    _()_

  • Divers

    • Dharma Buddy
    • 26. Juni 2021 um 16:20
    Sudhana:

    Das mit dem LBGuswusfetcpp kommt mir mittlerweile wie ein running gag vor - jedesmal, wenn ich irgendwo darauf stoße, sind da ein oder zwei neue Buchstaben hinzugekommen. Ich vermute, als nächstes ist BDSM fällig, das wird ja auch nicht von jedem so ganz vorbehaltlos akzeptiert. Da stellt sich mir allmählich die Frage, wo da Inklusion zu Exklusion wird ...

    Mal von meiner Belustigung abgesehen - ich finde es nicht okay, wenn man Menschen irgendwelche Labels verpasst. Wenn man die dann auch noch benutzt, um sie zu diskriminieren, ist das schon mal gar nicht in Ordnung. Durchaus ein berechtigter Grund, sich dagegen zur Wehr zu setzen, egal ob man nun selbst davon betroffen ist oder nicht. Ob man sich dazu selbst ein Label verpassen muss, ist allerdings eine andere Frage. Aber okay, soll jeder für sich beurteilen, ob er ein Etikett braucht. Anders gesagt: ob man auf Aus- und Abgrenzung damit reagiert, sich selbst aus- und abzugrenzen. Psychologisch sicher verständlich - aber sinnvoll? Geht es in unserer Übung nicht eher darum, u.a. Labels und Etiketten abzulegen; die, die man sich selbst und die, die man Anderen anheftet? Sich und Andere nicht damit zu identifizieren? Dachte ich jedenfalls ...

    _()_


    Für die meisten Betroffenen ist das "Label" nicht so was ne ne coole neue Jacke ("Ich bin jetzt Influencer"), sondern oft Ergebnis einer sehr langen und manchmal peinvoller Phase der Selbstakzeptanz. Es gibt z.B. viele Buddhist*innen, die nach Jahren Meditation und Reflektion ihrer Gedanken und Körperlichkeit z.B. zu der Erkenntnis gekommen sind, dass sie sich nicht als "Mann" oder "Frau" definieren können. Manche sind z.B. dazwischen, bei manchen wechselt es usw. Ich nehme das ernst und vermute, dass sie Dinge über ihren Körper, ihr Geschlecht und Sexualität gelernt haben, die ich so nie empfinden kann. Ich habe dafür Respekt.

    Oder denk an die Intersexuellen ("divers"). Im Kaiserreich gab es noch die Möglichkeit, dass man bei nicht-eindeutiger Geschlechtszugehörigkeit die Zuweisung später vornimmt. Später war das nicht der Fall. Ärzte (und Eltern) waren nach der Geburt ratlos - und dann wurde am Neugeborenen rumoperiert. Die Kinder verstarben überdurchschnittlich häufig. Manche Medizinhistoriker sagen, dass der Tod billigend in Kauf genommen wurde - ein düsteres Kapitel. Dass dies überhaupt thematisiert wird, liegt daran, dass diese Menschen durch den Buchstaben "I" sichtbar gemacht wurden. Und dann konnte der Gesetzgeber endlich durchsetzen, dass in manchen Fällen die Geschlechtszuweisung erst später erfolgt - oder nicht. Für die Betroffenen (und auch deren Eltern) ist das Wissen darum ein Segen. Und da hat die LGBT+ Bewegung dazu beigetragen, denn sie hat dadurch die Aufnahme des Buchstabens (LGBT -> LGBTI) Solidarität gezeigt. Ich sehe das als einen bewussten Akt der Menschlichkeit.

    Und dass diese Begriffe nun kommen liegt daran, dass es sie in unserer Kultur zumeist nicht gab. Selbst das Wort "Homosexualität" entstand im 19. Jahrhundert im angelsächsischen Raum. Im alten Indien kannte man immerhin 4 Geschlechter. Erst seit Kurzem akzeptiert diese Kultur, dass es zwischen den Polaritäten "Mann" und "Frau" noch mehr gibt. Aber unsere Sprache hat keine Wörter. Das gilt für viele Kulturen. Im arabischen Raum gibt es nur abwertende Begriffe. Schwule sind "Loti" (vom biblischen Lot - also Sodom und Gomorrha). Jetzt suchen sie nach nicht-diskriminierenden Begriffen (z.B. "Mithli").

    Am besten gefällt mir das Bild des Regenbogens. Er ist ein Kontinuum , auf dem sich Menschen verorten können. Vielleicht sind Bilder in diesen Dingen besser als Sprache. Aber wie so ist es, dass Sprache letztendlich nicht auf die Dinge verweisen kann. Aber wir können nun mal nicht darauf verzichten.

    _()_

  • Divers

    • Dharma Buddy
    • 26. Juni 2021 um 15:38
    Punk:

    Naja, diese Jekami-Friede-Freude-Eierkuchen Mentalität treibt mitunter seltsame Blüten:

    Premiere für Olympia - Erstmals Transgender-Athletin an Olympischen Spielen - News - SRF

    Wenn man ein Thema nur auf dem Niveau von "Blüten" diskutiert, besteht die Gefahr, dass man die Lebenssituation der Betroffenen aus den Augen verliert. Wie viele Trans-Menschen sind Profisportler? Ich würde Dich bitten, doch mal die Lebenssituation der Betroffenen zu betrachten anstatt einzelne Aspekte herauszupicken.

    Für Transgender bedeutet die Transition in der Regel gesellschaftliche Stigmatisierung, Berufsverlust usw. Sie sind überdurchschnittlich Opfer von Drohungen und Gewalt. Jeder Trans-Mensch wird Dir von Drohungen berichten können ("Dich stech ich ab!") bis hin zu Gewalt. Eine mir bekannte Transfrau auf FFM wird ständig auf der Straße bedroht: "Dich steh ich ab!" Andere sind schon krankenhausreif geschlagen worden. Sprich: Sie gehen in die Stadt und müssen fürchten, dass sie am Abend im Krankenhaus landen. Eine andere aus dem doch ländlichen Oppenheim findet jede Woche eine Morddrohung in ihrem Briefkasten.

    Bzgl. der rechtlichen Situation ist es sehr traurig. Bis 2011 (also ca. 30 Jahre) waren die Hürden vor Änderung des Personenstandsregisters unmenschlich groß: komplette Operation, Zwangsscheidung & Zwangssterilisierung. Sprich: selbst zu entscheiden, ob und welche medizinischen Maßnahmen sie machen wollen, hat man ihnen nicht gestattet. Das Gesetz wurde vom Verfassungsgericht gekippt - und die Politik interessiert sich eigentlich nicht dafür, diesen Zustand zu beenden und eine vernünftige Lösung zu schaffen. Die meisten sagen, dass es für sie am einfachsten wären, wenn sie ihren Personenstand ändern, vielleicht eine Hormontherapier machen, vielleicht eine Operation.

    Buddhismus heißt, sich dem Leid zuzuwenden. Und irgendwann begreifen wir, dass es nun ein Leid gibt. Das Leiden ist aber immer konkret. Es erscheint mir nicht weise, es zu relativieren, weil etwas anderes irgendwie wichtiger erscheint. Im Endeffekt bedeutet das doch in den allermeisten Fällen, das man Menschen gegeneinander ausspielt und ihr Leiden trivialisiert - anstatt zu helfen. Dazu ist es aber notwendig, die Lebenssituationen der Menschen zu betrachten, anstatt sie auf irgendetwas, was man man auf Social Media liest, zu reduzieren. Das passiert aber leider derzeit sehr oft und ist ein Zeichen, wie vergiftet eine gesellschaftliche Debatte ist. Sehr komplexe Sachverhalte werden reduziert auf irgendetwas, was sich gut skandalisieren lässt. Und das ist leider eine sehr erfolgreiche Strategie, um Menschen in ihr Leid in den Hintergrund treten zu lassen. Und sie klappt, weil unser Geist leider immer versucht, dem Leiden zu entfliehen. Wir trivialisieren es, wir gucken nicht hin. Und das finde ich sehr schade.

    _()_

  • Divers

    • Dharma Buddy
    • 24. Juni 2021 um 07:55
    Schwarz:

    Hallo,

    es gibt ja aktuell die Diskussionen rund um Gender und Divers. Gender ist die Sexualität zu der man sich hingezogen fühlt, unabhängig davon welches Geschlecht man rein körperlich ist.

    Hat der Buddhismus dazu eine Meinung? Gibt es durch die verschiedenen Richtungen verschiedene Meinungen dazu?

    Wie steht der Buddhismus zu Schwulen, Lesben, Bi,...

    Versteht mich nicht falsch. Ich akzeptiere diese Ansichten voll und ganz

    Gruß

    Alles anzeigen


    Das Thema ist sehr umfangreich - wie auch der Buddhismus.

    In den Ordensregeln findest Du, wie der Buddha auf Mönche und Nonnen reagierte, die wir heute "transgender" nennen würden. Er hörte ihnen zu, urteilte nicht, sondern entschied einfach, dass sie in den Orden desjengen Geschlechts wechseln dürfen, dem sie sich zugehörig sahen. Viele Gelehrte der frühbuddhistischen Schriften sagen auch, dass sich der Buddha nie gegen Homosexualität ausgesprochen hat. Es ist aber eine Tatsache, dass der Buddhismus später sehr patriarchalisch wurde. Ob nun Tsongkapha oder Vasubandu und andere - immer mehr begannen Vorschriften zu machen, wer wann mit wem zu schlafen darf. Homosexualität wurde als Verstoß gegen das 3. Sila gesehen. Die Regeln wurden formuliert aus einer typisch männlichen Sichtweise. Ein Beispiel aus tibetischen Schriften: Der Mann darf in der Nacht (und nur dann) 5 Orgasmen mit seiner Frau haben. Was die Frau dazu sagt, wird nicht erwähnt. Auch Themen wie Kindesmissbrauch werden nicht behandelt.

    Da du speziell nach dem Thema "divers" fragst, möchte ich Dich auf eine Arbeit von Ven. Vimala hinweisen, die sich mit dem Thema Ordinationsverbot für Menschen auseinandersetzt, die nicht der geschlechtlichen Norm entsprechen: Through The Yellow Gate – Ordination of Gender-Nonconforming People in the Buddhist Vinaya, Ven. Vimala definiert sich selber als nicht binär und forscht zu buddhistischen Schriften in Pali und Sanskrit. Ihre Forschungsgebiet sind Parallen in diesen Texten. Ich finde das faszinierend, da es ein gemeinsames Forschungsprojekt u.a. mit der Uni HH ist und sie nicht nur übersetzt sondern auch Software schreibt, um den Kanon besser zu verstehen.

    Es gibt aber nicht "die" Sichtweise im Buddhismus. In Japan sieht es z.B. ganz anders aus. Kodo Nishimura ist ein nicht-binärer Priester der Jodo-Shu. Jodo-Shu ist bzgl. dieser Themen sehr sensibel und überlegt sich, wie z.B. Rituale, die sich bei Männern und Frauen unterscheiden, für nicht-binäre Menschen durchgeführt werden. Speziell im Amida-Buddhismus ist das alles kein Thema: Buddha Amida hilft allen, die sich an ihn wenden. Deswegen wurden im Amida-Buddhismus z.B. schon seit langem gleichgeschlechtliche Paare gesegnet.

    _()_

  • 4. Mai: weltweiter Gedenktag für die Opfer antiasiatischer und antibuddhistischer Gewalt in den USA.

    • Dharma Buddy
    • 24. Juni 2021 um 07:34

    Inzwischen ist das Video erschienen und ich glaube, es spricht für sich: May We Gather

    Es ist eine sehr bewegende Trauerveranstaltung einer großen Menge von asiatischen und nordamerikanischen Gruppen. Es ist das erste Mal, dass sie zusammenkommen, um darauf hin zu weisen, dass seit der Zeit, als Asiat*innen einwanderten, sie massiver Diskriminierung ausgesetzt sind und ihre Tempel angegriffen und verwüstet werden. Und nach den letzten gezielten Morden gegen asiatisch-stämmige Menschen äußern sie sich das erste Mal laut als Gruppe, denn die Stimmen einzelner Individuen werden oft überhört.

    Ich finde es ein hoffnungsvolles Zeichen, dass diese Aktion weltweit so viele Unterstützung findet. Es sollte keine Rolle spielen, ob Köster in Tibet dem Erdboden gleich gemacht werden, ob in China Guan Yin-Statuen abgerissen oder in den USA Tempel verwüstet werden. Es gibt nur ein Leid und wir können es nur gemeinsam überwinden.

    _()_

  • People of Colour im Buddhismus

    • Dharma Buddy
    • 14. März 2021 um 10:26

    Hallo!

    Vielleicht sind diese Informationen interessant. Es gibt in Afrika einige wenige buddhistische Zentren, wo afrikanische Mönche Leben und andere ausbilden, z.B. Home - Uganda Buddhist Centre Zu Nonnen kann ich leider wenig sagen.

    Ebenso hat sich der chinesische Buddhismus ausgebreitet, da China sehr viel in Afrika investiert und viele chinesische Arbeiterinnen und Arbeiter die dortige Infrastruktur aufbauen. Auch der taiwanische Buddhismus hat einige Zentren: Fo Guang Shan Hsi Lai Temple: FGS World Wide Branches-Africa

    Ich habe den auch Eindruck, dass das deutsche Buddhismus nicht so divers ist. Verknüpfungspunkte gibt es in Zentren, die bewusst kulturelle Brücken bauen wie z.B. in den Tibethäusern aber auch in den Gemeinschaften von Thich Nhat Nanh.

    Und ja, auch Deutschland ist faktisch ein Einwanderungsland und es leben Menschen mit vielen ethnischen Hintergründen hier. Mein Eindruck ist, dass nur wenige den Buddhismus entdecken. Ich glaube, dass es viele Gründe gibt. In den USA hat man das untersucht und festgestellt, dass viele Einwanderer ab der zweiten Generation Religion nicht mehr so wichtig finden. Nur einige halten an rigorosen Formen fest, vor allem, wenn sie Ausgrenzung erfahren. Aber generell werden die Menschen "säkularer" und interessieren sich eher für "säkularere" Praxisformen wie z.B. MBSR. Ein anderer Aspekt ist die Zugehörigkeit zu einer Kultur. Wir sollten hier uns nichts vor machen: Viele Menschen suchen Kontakt zu anderen Menschen, die ähnliche Erfahrungen und Werte besitzen. Es wundert ja auch niemanden, wenn Menschen mit Wurzeln in Tibet in ein Tibethaus gehen oder Vietnamesen in einen vietnamesischen Tempel. Wir sollten uns deswegen Fragen: Heißen wie Menschen mit einem anderen ethnischen oder kulturellen Hintergrund auch willkommen? Sprechen wie diese auch an auf Homepages?

    _()_

  • Buddhismus unter dem Regenbogen

    • Dharma Buddy
    • 13. Januar 2020 um 23:16

    Für alle, die es interessiert: Wir werden uns vor dem Einzelmitgliedertreffen der DBU in Berlin treffen. Wer mitmachen will ist herzlich eingeladen.

    Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da du keine Berechtigung hast, diesen Inhalt zu sehen.

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  • Buddhismus unter dem Regenbogen

    • Dharma Buddy
    • 4. Januar 2020 um 22:17
    void:

    Das Wort 'homosexuell" klingt so, als wäre man wenn man schwul ist dauernd sexualisiert und als wären Schwule untereinander dauernd auf Sex versessen.

    Kann man sich nicht einen schwulen Kartenspielertreff vorstellen, wo man sich einfach nur unter such sein will und es die ganze Zeit nicht um Sex geht? Sondern wirklich nur um Kartenspielen?

    Von daher muss ja selbst eine queere Sangha kein Sexualisierung bedeuten.

    Richtig.

    Ich gehe davon aus, dass Deine Frage rhetorisch war? Umgekehrt klingt das Wort "heterosexuell" ja auch recht sexuell.

    ()

  • Buddhismus unter dem Regenbogen

    • Dharma Buddy
    • 4. Januar 2020 um 22:03
    void:

    Ich weiss nicht, ob er das beherzigt hat und noch lehrt. Also wenn ich ein Zentrum hätte, und da kämen dauernd junge labile Punker, die von mir Rettung erwarten und mich anhimmeln - das ist schon eine Situation wo man selber gefestigt sein muss.

    Und das war Noah Levine wohl nicht. Ich habe in der Erinnerung er habe hat gesagt, er sei ein sexuelles Alphatier und da habe er es nicht mitbekommen, dass er Grenzen überschritten habe. Und den Brief von Spirit Rock hat er vor seinen johlenden Schülern genüsslich zerrissen und das im Netz übertragen.

    Das, was Du schreibst, liest sich etwas, als ob die Opfer womöglich labil seien. Weißt Du das? Und wenn ja, was spielt es für eine Rolle? Meines Wissens kamen die Anschuldigungen von 2 Schülerinnen und von 7 oder 9 nicht-Schülerinnen. Das spricht doch dafür, dass er einen Hang hat, übergriffig zu werden. Und das war wohl für ihn normal.

    Dass das ein Grundproblem der Gruppenstrukturen der Dharma Punx wäre, habe ich noch nie gehört. Deswegen würde ich das ohne weitere Anhaltspunkte nicht vermischen wollen.

    ()

  • Buddhismus unter dem Regenbogen

    • Dharma Buddy
    • 4. Januar 2020 um 20:30
    ARYA DHARMA:
    Schueler:

    Du sprichst von Sanghas für Punks. Es gibt sie tatsächlich: "Dharma Punx".

    Diese "Dharma Punx" sind aber auch nur eine Erfindung. Auch nicht unbedingt notwendig, da sich der "normale Punk" sagen könnte, dass er das Dharma ja auch als normaler Punk leben kann. Dabei wird aber vergessen, dass Noah selbst aus der Straight Edge Bewegung kommt, die den "normalen Punk", also den Drogentypen, rigoros abgelehnt haben. Eben weil sie keine Disziplin haben, die man aber für das Dharma unbedingt brauch.

    Lucy:

    Und ja, das ist eine strenge Sichtweise.
    zuallererst sollten wir eine dharmische Person sein

    Meine Rede!

    Aber diese Gruppen werden ihre Erfahrungen machen.

    Ich kenne den Begriff "dharmische Person" nicht und habe ihn auch in keinem Sutta je gelesen. Oder habe ich etwas überlesen? Kann gut sein...

    Ich kenne nur Menschen, und diese sind von ihrer Kultur, ihren Lebensumständen usw. unterschiedlich. Deswegen ist es kein Wunder, dass ihr Zugang zum Dharma unterschiedlich ist.

    Schon zu Buddhas Zeiten versuchten alle zu definieren, wer denn nun ein guter Praktizierender ist und wer nicht. Aber das ist nicht einfach. Zum Erstaunen sagte Buddha, dass der Säufer Sarakani in den Strom eingetreten sei. Und dann brachte er sein Gleichnis mit den Saalweiden im Hain.

    Was ich damit sagen will, ist, dass ich es sehr problematisch finde, einem Menschen oder gar einer Gruppe pauschal abzusprechen, die sie würden nur Bauchnabelschau betreiben. Auch die Gleichsetzung von queeren Menschen mit Briefmarkensammlern verkennt etliche Aspekte.

    Meine Empfehlung ist, Pauschalurteile zu vermeiden und sich immer im Einzelfall angucken, wie der Dharma praktiziert wird. Und man sollte Menschen ins Herz gucken und wenn man dort Güte findet, Gleichmut und Mitgefühl und den Wunsch zur Befreiung, dann stimmt meiner Ansicht die Richtung.

    ()

  • Buddhismus unter dem Regenbogen

    • Dharma Buddy
    • 4. Januar 2020 um 10:15
    Lucy:

    Hier geht es um Dharma Gruppen!


    wie ich bereits ausgeführt habe sehe ich das durchaus nicht nur positiv, weil es Bauchnabel Themen befördert.

    Und ja, das ist eine strenge Sichtweise.
    zuallererst sollten wir eine dharmische Person sein, erst viel später Mann, Frau, Single, Alkoholiker, Tierschützer, sozial aktiv, schwul, Koch, einsam, verrückt, kiffer, sexsüchtig, Briefmarkensammler, Psychotisch, im System gefangen, Punk, wasauchimmer!!


    achja, hochsensibel und Autist fehlt noch, sowie unsozial, aggressiv und kritiksüchtig.

    Wir sind, was wir sind und sollten uns einander zumuten und zumuten dürfen!

    Liebe Lucy,

    Du sprichst von Sanghas für Punks. Es gibt sie tatsächlich: "Dharma Punx". Ich habe mir die Vorträge von Noah Levine gerne angehört, bis ihn #MeeToo erreichte. Aber seine Gruppen existieren noch und haben vielen geholfen. Er unterrichtet Dharma, sogar sehr traditionell, richtet sich aber an Menschen mit schwerem Karma: Drogen, Straßengangs, Rockerbanden. Er kennt die Probleme, er kennt Sucht und konnte vielen helfen, wieder Struktur ins Leben zu bringen, von Drogen freizukommen, zu meditieren, den Dharma zu entdecken.

    Die Sangha, speziell für Laien, besitzt viele Funktionen. Sehr wichtig sind spirituelle Freundschaften. Ich habe sehr von spirituellen Freundschaften mit anderen schwulen Männern profitiert. Der Grund ist, dass es ähnliche Erfahrungen und Probleme gibt. Und mir hat das geholfen zu lernen, wie sie damit umgehen. Ich will jetzt nicht behaupten, dass das der richtige Weg für jeden und jede ist. Es ist lediglich ein Angebot, das für manche hilfreich sein kann. Diese Erfahrung ist auch nicht neu, denn die ersten queeren Sanghas haben sich ja in den 70er Jahren gegründet.

    Ich finde, Du machst eine falsche Unterscheidung auf. Natürlich muss man sich gegenseitig zumuten können. Und ich besuche z.B. Retreats in einem sehr international geprägten Tempel und schätze das sehr, weil dort Menschen praktizieren, die aus anderen Kulturkreisen stammen. Das heißt aber nicht, dass es nicht Angebote für spezielle Personengruppen geben darf. Die Zugänge zum Dharma sind vielfältig. Das ist ja gerade die Stärke - es ist gelebtes Upaya.

    ()

  • Buddhismus unter dem Regenbogen

    • Dharma Buddy
    • 4. Januar 2020 um 07:06
    xiaojinlong:

    Wie bereits ja schon klar geworden ist - oder zumindest habe ich es so verstanden - geht es ja nicht darum einen Raum zu schaffen in dem eine Minderheit in ihrer eigenen Suppe sitzen kann. Sondern es scheint darum zu gehen, dass es einen Raum gibt in dem jeder der Interesse hat (unabhängig von Geschlecht, Sexualität, Identität, Ethnie, Staatsangehörigkeit, etc) sich austauschen kann über das Dharma. Dabei soll der Fokus darauf liegen, dass ein Weg miteinander gefunden wird. Also darum die Unterscheidung Minderheit vs Mehrheit zu überwinden hin zu einem Wir und das geht nur, wenn wirgemeinsam in einen Dialog treten.

    Für die Teilnahme an dem Dialog sollte doch vielmehr die Intention als die Zugehörigkeit zu einer Gruppe zählen, oder nicht? Ich kann nicht Transsexuell sein, aber mich dennoch für diese Gruppe mit einsetzen. Würde ich mich am Dialog beteiligen und wäre komplett destruktiv, würde versuchen den Dialog zu manipulieren und Leute gegeneinander ausspielen, dann wäre ein Ausschluss gerechtfertigt. Der Minderheitenschutz sollte nicht zu einer Abkapselung führen. Hier das Gleichgewicht zwischen Schutz und Offenheit zu finden ist nicht leicht - wenn es überhaupt möglich ist.

    Ziel der Initiative ist es erst einmal, die eigene Situation zu reflektieren, verschiedene existierende Angebote bekannter zu machen, sich also zu vernetzen. Dafür muss sie breiter und bekannter werden. Unterstützung durch andere wird es immer geben und ist wichtig- niemand lebt für sich allein. Wenn man z.B. einen Retreat organisieren will, braucht man ja z.B. einen Raum/Unterbringung. Ich bringe es mal auf den Punkt: Wir wollen doch keine Parallelwelt erschaffen, sondern die jetzt schon existierende buddhistische "Szene" bereichern. Dazu brauchen wir Unterstützung.

    Wie das im Detail aussieht, möchte ich erst einmal diskutieren. Ich habe hier zwar meine Meinung, aber ich möchte erst einmal andere zu Wort kommen lassen. Ich kann mir vorstellen dass es inklusive Veranstaltungen gibt als exklusive. Unter einem inklusiven Angebot meine ich eines, von demauch Buddhist_innen, die sich nicht als queer definieren, profitieren, wo jede_r herzlich eingeladen ist. Auf der anderen Seite kann ich mir exklusive Veranstaltungen ebenso vorstellen. Es gibt immer noch Menschen, die in ihren Sanghas nicht geoutet sind. Hier ist also ein Öffnungsprozess notwendig. Ich will erst einmal diesen Menschen zuhören, was sie meinen.

    Habe ich Deine Frage jetzt beantwortet oder an Dir vorbei geredet? Willst Du uns unterstützen oder willst Du z.B. durch einen Newsletter informiert werden? Wenn ja, kannst Du mich auch anschreiben. Ich würde mich sehr freuen :) Ich bin derzeit etwas in Eile, deswegen entschuldige die schnell geschriebene Nachricht.

    ()

  • Buddhismus unter dem Regenbogen

    • Dharma Buddy
    • 3. Januar 2020 um 22:00
    ARYA DHARMA:
    Fǎ Fá:

    Grundsätzlich hat jede Minderheit an Anrecht darauf, sich als Minderheit zu organisieren. Die Angehörigen der Mehrheit haben das m.E. nicht zu diskutieren oder zu bewerten.

    Das sind genau solche Sätze auf die ich hinweisen wollte.

    Danke für das Paradebeispiel, da es zeigt, wie sich in solchen Untergruppierungen die "Toleranz" in Wirklichkeit verhält. Der User Schueler kommt mir dahingehend aber sehr besonnen vor, mit solchen Menschen kann man dann auch in einen Dialog treten.

    Da ich ein "Angehöriger der Mehrheit" bin dürfte ich und viele andere User hier in dem Thread ja gar nichts schreiben. Gut, dass es nicht nach solchen Leuten wie dir geht.

    Ich mische mich nur ungern ein. Ich habe eine Frage: Würdest Du auch diskutieren, wenn Du mitbekommst, dass sich eine Gruppe "Frauen und Buddhismus" gründet? Das Beispiel ist etwas schief, denn ich vermute mal, dass Frauen im Buddhismus keine Minderheit sind. Aber mal ein ganz konkretes Beispiel aus der Vergangenheit: Die DBU hat sich bzgl. sexuellen Fehlverhaltens von Lehrern lange nicht geäußert. Also gründeten sich die "Tara-Frauen", die eine Auseinandersetzung und ethische Leitlinien einfordern, die inzwischen existieren. Würdest Du tatsächlich hinterfragen, ob sich die Tara-Frauen organisieren dürfen? Ich halte Fǎ Fás Standpunkt für somit für weise. Lass sie sich organisieren und höre, was sie zu sagen haben. Oder siehst Du das anders? Und wenn ja, warum?

    Auf der anderen Seite gebe ich auch Dir Recht: Wenn ein Beitrag im Forum ist, dann darf man sich auch dazu äußern. Dazu ist das Forum da. Ich finde Offenheit und Diskurs gut und meine auch, dass jede Gruppe sich bemühen sollte, ihr Anliegen zu erklären.

    Ich finde also beide Standpunkte richtig. Ich würde es aber kritisch finden, wenn beide Standpunkte verabsolutiert werden. Das würde dann dazu führen, dass es keine Diskussion zwischen Mehr- und Minderheit gibt, bzw. die Minderheit der Mehrheit kategorisch abspricht, sich zu ihr zu äußern. Umgekehrt sollte man immer vorsichtig sein, eine Minderheit zu bewerten, sich Zeit lassen und sich viele Stimmen anhören, die lauten aber auch die leisen, die man oft überhört.

    Die Lösung für alle diese Probleme hat der Buddha gegeben: Es ist Rechte Rede. Und Toleranz ist praktiziertes Dana: Man ist großzügig, da man anderen auch mal etwas durchgehen lässt, was man nicht in Ordnung findet. Wenn eine Minderheit durch die Mehrheit nicht bewertet werden will, dann hat das doch immer den Grund, dass Grenzen verletzt wurden. Nur: Wo sind diese Grenzen? Vielleicht ist die Situation so eingefahren, dass ich einen Vorschuss geben muss, auch wenn eigentlich meint, dass das anderen Menschen nicht zusteht. Aber auch das sehe ich als Dana.

    ()

  • Buddhismus unter dem Regenbogen

    • Dharma Buddy
    • 3. Januar 2020 um 15:53
    SGM:

    Mal kurz zur Info aus einer Hamburger/Rinnen Sicht der Szene🏳️‍🌈

    Wer in einem Hamburger Ghetto (Jenfeld) Anfang der 70 er aufgewachsen ist wird die Lange Reihe sicher nicht als Ghetto oder womöglich Homo-Ghetto bezeichnen.

    Weder früher noch heute.

    In Hamburg sprechen wir im übrigen in Verbindung mit dem Stadtteil rund um den HH Hbf./St.Georg eh nur von einer bunten Multi-Kulti Szene die viele Richtungen enthält.Eine besondere Bedeutung oder Betonung für Lebensformen oder Neigungen benutzt hier keiner mehr.

    Der Stadtteil ist total bunt, voller Schauspielern, Künstler, Junkies, Strichern, Nutten, Strassenkünstlern,Musikern,Flüchtlingen undundund♥️

    Die Geschlechter sind dabei ebenso unwichtig, wer weiß da schon was genaues😉

    Aber, es sind ja eh nur leere Worte...🙏

    Alles anzeigen

    Ich habe auch den Eindruck von St. Georg heute und ich finde schön, dass Du ihn bestätigst. Danke für den Post :)

    Mein Eindruck von St. Georg Ende der 80er und Anfang der 90er war etwas anders. Man konnte das, was Du beschreibst, immer sehen. Aber es gibt auch die Drogen am Hansaplatz und die ganze Prostitution - und das gibt es wohl auch noch heute. Aber mein Eindruck ist, dass es sich verbesserte. Und ein Grund ist meiner Ansicht, dass es aber immer Menschen gab, die sich für den Stadtteil einsetzten z.B. in Stadtteilinitiativen. Und ähnliche Initiativen gab es auch in der schwulen Szene. Das Hein & Fiete war damals in der Gurlittstraße und weit mehr als ein Präventionsprojekt. Dort gab es Ehrenamt, ein Stricherprojekt, eine Jugendgruppe und vieles mehr. Ich habe eben gegoogelt. Sie sind an den Pulverteich umgezogen und es treffen sich dort immer noch viele Gruppen z.B. Selbsthilfe bei Depressionen, schwule Väter usw. usf. Und das war so meinte Sichtweise: Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht eben nur, wenn Menschen zusammen kommen und sich sozial engagieren.

    Meiner Ansicht kann sich das nicht nur positiv z.B. einen Stadtteil auswirken, sondern man lernt viel z.B.

    • neue Erfahrungen
    • Umgang mit Menschen - insbesondere schwierigen Personen
    • angewandtes Mitgefühl: man kümmert sich um andere

    Ich befürchte, dass unsere Gesellschaft in den letzten Jahren etwas Ego-zentrierter geworden ist. Das bedeutet auch, dass man sich nicht selbst fragt, was man besser machen kann, sondern viel schneller auf andere zeigt, die dann dafür verantwortlich sind. Und das sind dann z.B. "die da oben", "die Politker". Irgendwer, aber eben andere.

    Siehst Du das auch so, oder hast Du andere Erfahrungen?

    ()

  • Buddhismus unter dem Regenbogen

    • Dharma Buddy
    • 3. Januar 2020 um 12:15
    void:

    Mir hat mal jemand gesagt, dass er die schwule Subkultur in München und in Köln so eine andere Struktur haben.

    Während es in München durchaus alles gibt, ist es mehr "Subkultur" insofern man sich mehr von der Mehrheitskultur abschottet. Man hat sein schwules Glockenbachviertel wo es viel gibt, aber außerhalb dieses Viertel gibt es nahezu nichts. Es hat also was von einem Ghetto.

    Diese Ghettoisierung in München war das Ergebnis und die Antwort auf extreme Repression.

    Spiegel:

    Zum Vokabular des Herrenmenschen griff Kultusminister Hans Zehetmair. Aids sei das Symptom einer maroden Gesellschaft, die gesellschaftlichen Randgruppen müßten jetzt "ausgedünnt werden". Homosexualität gehöre in den "Randbereich der Entartung". Zehetmair: "Das Umfeld der ethischen Werte muß wiederentdeckt werden, um diese Entartung auszudünnen."

    In Köln - so wurde mir gesagt - ist das viel weniger so und schwule und nicht-schwule Orte greifen mehr ineinander und es erheben sich "schwulenfreundliche Orte".

    Ich fand diese Darstellung interessant und habe mir das gleich so grafisch vorgestellt. In München ein tiefroter Fleck umgeben von Weiß während es in Köln viel Töne dazwischen gibt.

    Das sind so die Extreme. Auf der einen Seite steht das Ghetto - mit seinen klaren Grenzen zwischen Mehrheit und Minderheit. In der Mitte stehen offene Orte wo sich die Farben durchdringen. Und das andere Extreme sind eben Regenbogenflaggen in Geschäften, die zeigen dass es sich um einen Ort handelt, wo Homosexualität akzeptiert wird, selbst wenn nicht unbedingt mehr Homosexuellen als Heterosexuelle da sind.

    Im Bezug auf den Buddhismus finde ich den Ansatz, dass sich erstmal alle die es betrifft zusammenfindet und man erstmal einen Überblick über die Bedürfnisse bekommt. Und sich dann daraus eine Struktur ergibt.

    Und die Struktur kann ja ganz vielfältig sein. Es kann sich ja eine sehr gemischte buddhistische Gruppe eine Regenbogenfahne auf ihrer Website haben und so LGBT Leuten zeigen, dass sie willkommen sind. Ohne Abgrenzung. Dem widerspricht es ja nicht, dass es Leute gibt, für die der Safe Space eines LGBT Retreats oder eine Gruppe ganz wichtig ist.

    Alles anzeigen

    Der letzte Satz gefällt mir sehr gut. Ich will das noch mal unterstreichen und auch zeigen, dass "Ghettobildung" auch eine positive Wirkung haben kann.

    Manchmal entsteht ein "Ghetto" einfach so. In Hamburg gibt es ein Viertel in der "Langen Reihe", das entstanden ist, da ein Vermieter anfing, an homosexuelle Menschen zu vermieten. In der Zeit mussten sich schwule Männer verstecken und es gab soziale Kontrolle durch die Nachbarn. Das "Ghetto" machte ein "normales" Leben erst möglich. Dies erschuf dann Sichtbarkeit und dann eine eigene Kultur. Das "Ghetto" ist also nicht unbedingt ein Ort der Abschottung. Es bilden sich Kneipen, Restaurants und so wird es zu einem Treffpunkt. Heterosexuelle Menschen besuchten diese auch. Viele Paare, die in der Gesellschaft z.B. als Außenseiter angesehen wurden, trafen sich dort, weil dort nicht geurteilt wird. Es gibt z.B. heute immer noch Stammtische z.B. von heterosexuellen Menschen, die sich für diese Orte entscheiden. Und irgendwann war man nicht mehr gezwungen, Türklingeln zu haben, sondern jeder konnte reingehen. Und die Geschäfte von homosexuellen Inhaber sind auch auf heterosexuelle Kundschaft angewiesen. Das "Ghetto" enthält also Schutzräume und Räume des Zusammenkommens.

    Dieses "Ghetto" in der Langen Reihe war auch der Ort eines gesellschaftlichen Aufbruchs. Du sprichst von der AIDS-Krise und ich will das Beispiel fortführen. Dort entschlossen sich viele zu sagen, dass man mit einer Krankheit anders umgehen muss: Man darf die Gesellschaft nicht spalten sondern man muss sie einen. Man muss zeigen, dass AIDS alle angeht. Aber man muss für alle Gruppen spezifische Präventionsarbeit machen. Um es mal platt zu sagen: Der Lederkerl, der eine schwule Sauna besucht, braucht eine andere Botschaft als ein Familienvater, der ein Abenteuer sucht, und der wieder eine andere als eine Person, die weder das eine noch das andere will.

    Ein "Ghetto" hat vielfältige Funktion. Der Vergleich mit dem Retreat ist gut: Wenn man sich in einen Retreat zurückzieht, heißt das nicht, dass man sich grundsätzlich von der Welt abwendet. Es kann das genaue Gegenteil sein und dazu führen, dass man sich bewusster der Welt zuwendet. Und so kann ein "Ghetto" dazu führen, dass man begreift, dass es ein gemeinsames Leid gibt. Es bringt Menschen zusammen, die daran etwas ändern wollen und die auch sich helfen. Entscheidend ist doch der Geist, der dahinter steht. Und der enthält offene Ort und auch solche, wo Betroffene unter sich bleiben. Das Symbol des "Regenbogens" steht aber für Einheit in der Vielfalt - und so schloss man niemanden aus. Deswegen kam es ja zu dieser seltsamen Buchstabensuppe LGBTIQAA... - die Sprache ist da nicht so elegant. Ich habe das vielleicht zu stark idealisiert, denn es gibt auch kritische Aspekte. Aber ich wollte Deinen Beitrag bestätigen, dass in dem "Ghetto" auch Werte der Inklusion entstehen können und ebenso der Hilfe und Selbsthilfe - und das dient dem gesellschaftlichen Zusammenhalt.

    Also noch mal vielen Dank für Deinen Post.

    ()

  • Buddhismus unter dem Regenbogen

    • Dharma Buddy
    • 3. Januar 2020 um 10:23
    Katrin.:

    Stell dir die Gesellschaft als eine Raucherin vor. Die Zigarette repräsentiert den beruhigenden Effekt durch das klare Einhalten von Geschlechterrollen. Was passiert nun, wenn man der Raucherin erzählt, dass Zigaretten sich negativ auf einen Teil ihres Körpers auswirken?

    Das Bild gefällt mir sehr gut. Und ja, ich bin ebenso ein Raucher. Teile der schwulen Community bietet auch mir eine Zigarette an. Die verschiedenen Tabaksorten sind Hedonismus, freizügiger Umgang mit Sexualität, Körperkult insb. der Jugendlichkeit usw. Und hier ist es meine Aufgabe das zu erkennen. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass diese Community auch andere Dinge vertritt wie z.B. gegenseitige Hilfe und Wahlfamilien. Ebenso sieht viele Dinge mit einem Augenzwinkern: romantisches Begehren, zelebrierte Maskulinität (wie hier durch die Marlboro-Werbung, in der ja keine Zigarette auftaucht) usw.

    Ob das Ursache einer Irritation ist, weiß ich nicht. Buddhistische Praxis enthält meinem Verständnis zwei Aspekte: Im Zentrum steht Nibbana, das nun jenseits aller Konzepte liegt - auch jenseits von Konzepten wie männlich/weiblich. Aber Magga fordert uns auf, uns mit den Dingen zu beschäftigen, mit denen wir tagtäglich konfrontiert sind. Und damit wurde auch der Buddha konfrontiert: Er schuf eine Gemeinschaft, in denen einige gesellschaftliche Regeln nicht mehr galten, er schuf dafür andere. Er und seine Unterstützer (ich meine Upasakas), waren auch mit den Bedürfnissen der Frauen konfrontiert. So schuf er eine Sangha während Upasakas erreichten, dass auch Frauen den Dharma hören durften, was in der Zeit eine Innovation war. Und Buddha wurde u.a. auch mit den Bedürfnissen von Transgender konfrontiert und fand meiner Ansicht eine sehr weise Lösung.

    Nun haben wir einen historischen Abstand von mehr als 2500 Jahren. Unser Weltbild ist anders und auch unsere Lebensweise. Es haben sich z.B. Laienorden gebildet, säkulare Interpretation des Dharma, einige praktizieren Traditions-übergreifend und gehen zu den Lehrer_innen, mit denen sich sich verbunden fühlen usw. Wir haben uns vom Ursprung entfernt, leben in völlig anderen gesellschaftlichen Umständen. Die sozialen Gruppen haben sich geändert. Wir sind also gezwungen zu reagieren, wir können gar nicht anders. Zudem hat sich auch der Buddhismus geändert und es entstanden in 2500 Jahren völlig neue Interpretationen. Auch wir interpretieren sie neu, da wir u.a. durch ein anderes Weltbild geprägt sind.

    Ich muss mich für meine Oberlehrer-hafte Art entschuldigen - ich schaffe es nicht so zum Punkt zu kommen wie Du. Aber ich meine, dass sich dieses Spannungfeld in unseren Diskussionen niederschlägt. Was ist denn nun der Kern? Haben wir uns von dem Kern entfernt? Deswegen überraschen mich die Fragen auch nicht besonders mit Ausnahme der Tatsache, dass man sie Frauengruppen nicht so stellt.

    ()

  • Buddhismus unter dem Regenbogen

    • Dharma Buddy
    • 2. Januar 2020 um 14:27

    Ja, solche Geschichten, wie Du sie beschreibst kenne ich auch. Die Szene ist eben ein Ort, in dem man viele Außenseiter findet. Manche sind liebenswert, manche kratzbürstig, bei machen verbirgt sich das Liebenswerte unter einer harten Schale.

    mkha':

    :) Doktrin hin oder her ... Sowohl in einem historischen Text Taranathas, * 1575 † 1634, "Die goldene Mala“, Tib. Sergyi Trengwa, als auch in einer Erklärung Bokar Tulkus, * 1940, wird dargelegt, dass Tara vor vielen Weltzeitaltern eine Prinzessin namens "Weisheits-Mond" gewesen sei:

    Zitat

    Zu dieser Zeit war sie Schülerin des Buddhas Dundubhisvara, dessen Name "Licht aus vielen Welten" oder auch "Vielfarbiges Licht" bedeutet. Als sie das Bodhisattva-Versprechen ablegte, trat ein Mönch an sie heran und riet ihr, in späteren Leben einen männlichen Körper anzunehmen, umso die Erleuchtung erlangen zu können. Sie antwortete ihm, dass ein erwachter Geist kein Geschlecht hat, und dass diese den Mann zum Mittelpunkt machende Perspektive aus einer falschen Sicht der Wirklichkeit herrührt. Sie fügte hinzu: "Viele wünschen sich in einem männlichen Körper die Erleuchtung zu erlangen, aber niemand arbeitet zum Wohle der Wesen in einem weiblichen Körper. Daher werde ich bis zum Ende der bedingten Welt in einem weiblichen Körper zum Wohle der Wesen arbeiten." …

    Und ja, die Geschichte der Tara ist sehr schön. Vielen Dank!

    Sie steht auch in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Buddhismus Aktuell" auf Seite 7, das das Schwerpunktthema "Frauen" besitzt.

    ()

  • Buddhismus unter dem Regenbogen

    • Dharma Buddy
    • 2. Januar 2020 um 10:06
    Lucy:

    also, ich mag mich da nicht weiter reinhängen, kann dir aber Dharma Buddy versichern, dass ich bei Tierschützer - Buddhismus Gruppen und engagierte - Buddhisten Gruppen an ähnliche Dinge denke, wie hier von Fǎ Fá ausgeführt wurden.


    es hat nicht unbedingt was exklusiv mit ‚euch‘ zu tun, soweit es mich betrifft.


    auch hätte mich mein Weg bestimmt nicht in eine exklusive Frauengruppe geführt, jedoch waren eine Zeit lang weibliche Vorbilder, lebendige und geschichtliche sehr wichtig um mich wohl zu fühlen. Inzwischen ist es für mich (weitgehend?) erledigt, Dharma kennt kein Geschlecht. Diejenigen Frauen, die eher politisch aufzeigen, wo der Buddhismus sexistisch ist, haben mich eher nicht so inspiriert....


    soweit als kleines puzzelsteinchen unter vielen...


    liebe Grüße

    Danke für Dein Feedback. Wie gesagt wollte ich auch niemanden etwas unterstellen. Ich bin dankbar für jedes Puzzlesteinchen, wie Du es so schön genannt hast.

    Und ich kann auch Deine Einstellung zu Frauengruppen nachvollziehen, auch wenn ich noch nie in einer war. Persönlich glaube ich, dass beides einen Wert hat: Manchmal braucht es "Politikerinnen", die patriarchalische Strukturen beim Namen nennen. Inspirierend finde ich aber auch diejenigen, die die Geschichte untersuchen und die Aspekte, die eben nicht (von den Männern) erzählt werden. Es gibt ein tolles Buch ZenFrauen - Jenseits von Teedamen, Eisernen Jungfrauen und Macho-Meisterinnen, das ich inspirierend fand. Es zeigte, dass Frauen kreativ seien mussten, denn sie waren im alten China gesellschaftlich viel eingeschränkter. Es war für sie schwieriger, Nonne zu werden, und sie konnten sich aus Angst vor Überfällen auch nicht so im Land bewegen, wie die Männer. Und so war ihre Praxis auch anders. Sie mussten kreativ werden und mehr soziale Arbeit leisten, um Unterstützung zu erhalten. Sie setzten sich auch mit ihren Körpern anders auseinander und meditierten z.B. vor Spiegeln. Und während es bei Männern in der Praxis im monastischen Zusammenhang oft darum ging, durch Regeln das männliche Ego kleiner zu machen, waren Sie sich bewusst, dass es auch positive Aspekte in der Selbstbehauptung ging und erarbeiteten sich diese Dinge. Das ist auch natürlich in einer Gesellschaft, die vom Konfuzianismus geprägt war mit seinen strikten Rollenbildern. Und so war ihr Zen auch anders. Sie schufen sich in ihrer Situation ihre Kultur des Erwachens, die sich von der der Männer in Teilen unterschied. Mir war das unbekannt, denn ich kannte nur die von Männern überlieferter Tradition, "die" Tradition, die Frauen geflissentlich ausließ.

    Du sprichst eine spannende Frage an: Hat Dharma kein Geschlecht? Ich sympathisiere mit dieser Einstellung und merke auch in meiner Praxis, die Klarheit, die offene Weite, kein Geschlecht kennt. Aber Dharma als Doktrin schon: Da haben Männer definiert, dass Frauen als Männer wiedergeboren werden müssen und diese Doktrin wird von vielen noch geglaubt. Und somit die Dharma-Praxis kennt Geschlechtlichkeit. Gerade bei asiatischen Frauen habe ich erlebt, dass sie ihre Aufgabe darin sehen, die Männer zu unterstützen um als Mann wiedergeboren zu werden. Aber das ist auch nur ein Teil der Geschichte. Ich fand den Bericht über japanische Tempelfrauen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Buddhismus Aktuell" sehr erhellend, denn sie zeigt, wie vielfältig die Rollen und Selbstverständnisse buddhistischer Frauen sind und dass wir das zu schnell in Schubladen stecken, anstatt genauer hinzugucken.

    Ich muss gestehen, dass das schwierige Diskussionen sind. Vielleicht sollte ich diese in einem eigenen Thread führen und vielleicht sollte ich hier erst einmal zuhören und mehr lesen.

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Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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