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  1. Buddhaland Forum
  2. Leonie

Beiträge von Leonie

  • Guteis Finger Mumonkan Fall 3

    • Leonie
    • 29. Juli 2025 um 18:38
    Anna Panna-Sati:

    Jetzt stellt sich mir allerdings eine neue Frage:


    Warum wollte/will man "vom Kern des Koan ablenken"???

    (Ist das eigentlich deine Interpretation?)

    Und was hältst DU für den Kern des Koans?

    Immer wenn jemand ihm eine Frage stellte, hat Ehrwürden Ju-zhi nur einen Finger steil in die Höhe gereckt.


    Ich will den alten Meister nicht imitieren - sonst gibt's was auf die Finger.

    Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da du keine Berechtigung hast, diesen Inhalt zu sehen.

  • Guteis Finger Mumonkan Fall 3

    • Leonie
    • 28. Juli 2025 um 18:48
    Anna Panna-Sati:

    Ja, rätselhaft...

    Wenn einer keine Ahnung von der Materie hat, über die er dann so daher schwätzt, dann wirkt das mindestens rätselhaft, wenn nicht einfach nur albern.

    Das Koan ist recht berühmt und ist zunächst im Bi-Yan-Lu oder Hekigan-roku als Fall 19 aufgetaucht und dann im Shoyoroku als Fall 84.

    Es besteht aus nur einem Satz:

    Immer wenn jemand ihm eine Frage stellte, hat Ehrwürden Ju-zhi nur einen Finger steil in die Höhe gereckt.

    Die Geschichte, die im Mumonkan Fall 3 drum herum erzählt wird, ist einfach nur eine legendäre Ausschmückung, um vom Kern des Koan abzulenken. Und was ist nicht besser dafür geeignet, wenn da der Meister den Finger des Dieners, der ihn ja nur imitiert, einfach mal zack abschneidet.

    Die Frage, die einem im Dokusan gestellt wird, ist dann auch recht einfach: was wollte Ju-zhi denn nun damit ausdrücken? Und wieso hat er das nicht ausgeschöpft bzw. erschöpfend ausgedrückt?


    Nebenbei bemerkt -ist das Mumonkan etwa 300 Jahre später zusammen gestellt worden, als die beiden anderen Sammlungen. Diese wiederum gehen auf eine noch ältere Sammlung zurück.

  • Tugend und Depression

    • Leonie
    • 21. Juli 2025 um 11:08
    Igor07:

    Aber das Leiden ist real – und das weiß jeder.

    Tja - klar. Aber was ist mit "real" gemeint?

    Das buddhistische Konzept fragt nach den Bedingungen/Ursachen von Leiden - dukkha - und kommt zum Ergebnis, es ist "Durst". Tanha - . Auch "real" ist bedingt - nämlich vom "irreal" oder Wahn, wie es in manchen Übersetzungen heißt.

    Dieses "reale" Leiden ist eine Einbildung, die aber natürlich auch "real" ist. Jeder, der sich schon mal was ehrlich eingebildet hat, weiß, was es dann bedeutet, wenn man dies erkennt und aus der Einbildung erwacht - es ist wie mit dem Glauben.

    Wenn dieses Leiden nicht leer wäre, gäbe es keinen Weg zum Erlöschen.

  • Tugend und Depression

    • Leonie
    • 20. Juli 2025 um 18:40
    Igor07:

    Na ja, die Symptome sind real, das Leiden ist auch real.

    Selbst wenn die gesamte Erinnerung nicht der Wahrheit entspricht, bedeutet das nicht, dass das innere Trauma als Erlebnis, als Erfahrung, nicht stattgefunden hat.

    Andernfalls wäre das ein Hohn und eine Verspottung der Menschlichkeit.

    Du hast mich vielleicht nicht verstanden.

    Wenn mir jemand sagt, er fühle sich mies, habe eine Depression, seit längerem, dann zweifle ich das nicht an. Ich frage nach den Möglichkeiten zu helfen.

    Der Punkt ist nicht der, ob Erfahrung und Trauma statt gefunden haben, sondern ob eine Identifikation hilft, dies festzuhalten oder ob es besser ist loszulassen. Manchmal dauert es Jahre, aber es führt ja kein Weg daran vorbei das was Vergangen ist, auch zu verabschieden. Du weißt ja, dass eben genau das Leiden bedeutet: Vergänglichkeit nicht anzunehmen, Festhalten wollen, an dem was war.

    Erfahrung ist bedingt durch Bewusstsein - und die Spuren der Erfahrung verlaufen im Sand - wie Vögel, die im Flug keine Spur hinterlassen.

    Das Thema der False Memory ist vor allem für Therapeuten von Bedeutung, die manchmal nicht die nötige Distanz zum Patienten haben und die dazu dann neigen, alles zu glauben, was da erzählt wird in der Therapie.

    Wilfred R. Bion hat auf dieses Problem des Therapeuten in seinen Schriften häufig hingewiesen.

  • Tugend und Depression

    • Leonie
    • 20. Juli 2025 um 13:43
    Samadhi1876:

    Alles meistens nur erfunden und erdichtet…

    Ich weiß nicht wie Du so etwas behaupten kannst…

    Psychologie: Wie lassen sich falsche Erinnerungen enttarnen? - FernUniversität in Hagen

    https://bvvp.de/wp-content/uploads/2023/12/20231211_Die-False-Memory-Debatte-oder-Besonderheiten-der-Erinnerung_Interview-Langfassung_public.pdf

    Irren ist eben menschlich - nur wenn es bezüglich einer Straftat geschieht, ist die Falschaussage oder falsche Erinnerung auch eine Straftat.

  • Tugend und Depression

    • Leonie
    • 20. Juli 2025 um 11:49
    MaKaZen:

    Psychologie war ursprünglich eine Geisteswissenschaft, ringt seit her mit ihrer Wissenschaftlichkeit und wird auf Rezept gegeben. 😄

    Nö.

    Psychologie hat sich als Nebenzweig der Medizin entwickelt und zwar im 19. Jh.[lz]

    Die Gründung des ersten psychologischen Instituts in Deutschland 1879 durch Wilhelm Wundt, ebenfalls in Leipzig, stand auch in einem engen Zusammenhang mit der Medizin. Kraepelin, der Begründer der modernen Psychiatrie, hatte dort an dem Institut ein Jahr gearbeitet und in einem sogenannten Arbeitsversuch einen Leistungstest entwicket, der heute noch als “Pauli-Test” benutzt wird. Bedeutender sind die Arbeiten von Kraepelin aus dem Jahre 1892 über die Beeinflussung einfachster psychischer Vorgänge durch einige Arzneimittel. Es handelte sich dabei um pharmakopsychologische Untersuchungen, die den Einfluß bestimmter chemischer Substanzen auf das Seelenleben deutlich machen sollten.[/lz]

    hier

    Auf Rezept wird da auch nichts gegeben - evtl Psychopharmaka - aber es gibt die Möglichkeit der Überweisung durch einen Hausarzt oder man zahlt seine Therapie selbst.

    Philosophische Verbindungen gibt es natürlich, da das Menschenbild hier ja seine Begründungen hat. Die "Seele" ist ja was aus dem Platonismus kommt, aber die Studien Humes sind da wieder sehr dem buddhistischen Konzept angenähert.

    Wissenschaftlich hat die Psychologie ziemliche Schwierigkeiten die Wirksamkeit und Evidenz ihrer Interventionen nach zu weisen - da ist dann eben ziemlich viel Glaubenssache. So gesehen hat die Psychologie auch ihre Wurzeln in der Theologie - bzw. in der Seelenkunde der Religionen.

    Es geht aber nur deshalb um Wissenschaftlichkeit, weil die Krankenkassen die Behandlungen bezahlen sollen und diese Leistungen auf Evidenz basieren sollen.

    Dass da sehr vieles auf Glaube und Gutgläubigkeit beruht und es um Autorität geht ist das auch die wesentliche Schwäche dieser Art von Heilkunst. Es ist aber auch so, wenn jemand am Ertrinken ist und nicht Schwimmen kann oder ins Meer gefallen ist, dann braucht es einen Rettungsring - und evtl. jemand der die Fähigkeit hat, einen da wieder raus zu ziehen. Meistens reicht es, wenn ein guter Freund oder eine gute Freundin für einen da ist.

    Die buddhistische Praxis ist da auf dieser Ebene des "guten Freundes" angesiedelt.

    Noch ein Hinweis auf die Problematik der Erinnerung - da ist vieles "erfunden" oder erdichtet, da das Gehirn sich eine plausible Geschichte bastelt, um seinen jetzigen Zustand rational zu begründen.

    Schlimm sind dann solche Fälle, die der "False Memory Verein" bearbeitet.

    False Memory Deutschland - Aufklärung und Beratung zu falschen Erinnerungen an sexuellen Missbrauch

  • Wie sinnvoll sind Übersetzungen von Chan-/Zen-Texten?

    • Leonie
    • 16. Juli 2025 um 11:48
    JoJu91:

    Der Grad an Vertrauen ist m.E. der Maßstab für die Verbindung mit dem diesem Wahren Geist.

    Damit sind wir gefährlich nah am Gottvertrauen und beim

    Das kann und wird auch vielfach missverstanden, solange man nicht aus der Subjekt-Objekt-Unterscheidung heraus gefunden hat.

    Zunächst einmal gibt es kein Vertrauen ohne die Aufgabe dieses unterscheidenden Bewusstseins. Denn wenn ich bereits eine Vorstellung entwickelt habe von dem was Wahrer Geist oder Gott sein soll, dann bin ich wieder in den Ansichten gefangen und vertraue höchstens meiner Vorstellung - das führt dann auch zur Enttäuschung.

    Mir geht es bei dem verlinkten Buch um die Übersetzung des Xin xin ming und nicht um den Kommentar von Shen-yeng. Jeder Kommentar entfaltet wieder neue und weitere Vorstellungen und man entfernt sich dann von der Erfahrung, der Unmittelbarkeit, des Jetzt.

    JoJu91:

    Paradox ist, dass man erleuchtet sein muss, um wahres Vertrauen in diesen Geist zu haben.

    Dies ist im übrigen nichts anderes als das, was Nagarjuna von den zwei Wahrheiten aussagt - MMK 24 - man muss sich auf die Anwendung von Worten stützen, um die "höchste Wahrheit" auszudrücken, doch diese wird erst erkannt, wenn die Leerheit aller Phänomene erkannt ist - und letzteres ist nichts anderes als "erleuchtet".

  • Wissen queerbeet über die tibetische Tradition

    • Leonie
    • 15. Juli 2025 um 10:15
    Christopher:

    "Queerbeet" ist gut und wäre eigentlich auch einer Diskussion wert :)

    Das sollen die Queerdenker mal erst unter sich diskutieren.

  • Wissen queerbeet über die tibetische Tradition

    • Leonie
    • 14. Juli 2025 um 23:07

    Warum gehst du nicht einfach in ein Tibetisches Zentrum oder liest im Berzin Archiv?

  • Tugend und Depression

    • Leonie
    • 14. Juli 2025 um 11:21

    Ich denke es ist naheliegend dieses Konzept, das sich an einen einzelnen Menschen wendet auf die globale Menschheit zu übertragen.

    Wir thematisieren in den Staaten zunehmend Depressionen und daneben aber auch eine ausufernde Event-und Reisekultur, die sich natürlich auf die wohlhabenden Schichten bezieht. Den Ärmeren fehlt es hingegen am Nötigsten - außerdem können wir durch die sozialen Medien und die weiteren Medien jedes Ereignis wahrnehmen, sei es in China, im Outback Australiens, sei es in irgendeinem Zoo. Es gibt daher keine "Flucht" als Möglichkeit, keine Ausflucht oder Ausrede - wir werden laufend mit den Folgen unseres Handelns konfrontiert - und außerdem erfahren wir auch von der Monstrosität "des" Menschen, d.h. wir erfahren, was in den Menschen steckt. Damit verliert vieles seinen Ausnahme- oder Einmaligkeitscharakter.

    Also sind wir jetzt in einem Entwicklungsstadium, in dem wir immer mehr dem Geschehen oder den Ereignissen ausgeliefert sind. Und auch die wenigen, die meinen sie hätten da das Heft in der Hand, erkennen dass sie auch in einem Netz gefangen sind.

    Verzweifelte Tech-Fuzzies, wie Thiel oder Mask sehen noch Hoffnung im Mars oder in einem Zukunftsprojekt wie AI/KI ----

    das sind aber Irrtümer und sie kommen so auch nicht aus dem Netz - lediglich der Tod bietet sich als Option. Daher liegt auch hier die größte Gefahr - einer Zerstörung durch Massenvernichtung.

    Wenn man also Gier und Hass nicht mehr ausleben kann, weil die Objekte auf die Subjekte zurückfallen, kommt es zu Niedergang und wildem Ausleben.

    Der Klimawandel mit seinen Ereignissen ist da eine Hilfe, denn er zeigt schon, wo es lang gehen muss - doch während die einen am Verlust von Angehörigen und Besitz verzweifeln, erkennen andere, dass ein einfaches Leben und der Rückbau der Welt möglich und sehr befriedigend ist.

    Allerdings ist es viel Arbeit den ganzen Kram, der sich über die Zeit angesammelt hat, wieder umweltfreundlich los zu werden.

  • Tugend und Depression

    • Leonie
    • 13. Juli 2025 um 16:19
    Thorsten Hallscheidt:
    [lz]

    Aber man wird ja nicht wirklich moralisch und auch nicht tugendhaft sondern bildet sich das nur ein, oder?

    [/lz]

    Ich denke, von außen wie innen ist das manchmal nicht zu unterscheiden. Der Geist ist da schon sehr einfallsreich.

    Ich habe hier in diesem thread nicht alles gelesen, will aber doch was ergänzen, weil mir die buddhistischen Konzepte hier fehlen.

    In AN X. 61-62 geht es um das Bedingte Entstehen und da heißt es - die Bedingungen für die Unwissenheit (Verblendung) sind die fünf Hemmnisse - die nivaranas.

    Und weiter heißt es, dass die fünf Hemmnisse durch den dreifachen üblen Wandel (Gedanken, Worte, Werke) ernährt werden.

    Anguttara Nikaya X.61-70

    Daraus ergibt sich der Zusammenhang von Tugend und z.B. Depression, wie Krishnamurti das leider etwas überheblich formuliert hat. Es ist ein ganz normaler Verlauf des "spirituellen" Lebens, dass jemand, der sich von der Welt zurückzieht und sich in dieser Welt nicht mehr auslebt oder austobt, es zu geistigen Problemen kommt. So wie jemand sich in den Bergen verirren kann, in schlechtes Wetter gerät und dann abstürzt oder gerettet werden muss.

    Die fünf Hemmnisse sind -

    1. Sensual desire (kamacchanda), Gier

    2. Ill-will (byapada), Hass

    3. Sloth and torpor (thina-middha), Verblendung 1

    4. Restlessness and worry (uddhacca-kukkucca), Verblendung 2

    5. Skeptical doubt (vicikiccha). Verblendung 3


    https://www.insightmeditationcenter.org/wp-content/uploads/articles/FiveHindrancesQuotes-1.pdf

    Kamacchanda und byapada sind durch Subjekt-Objekt-Beziehung bestimmt. Subjekt (Ich) und Objekt (die Dinge) stehen sich gegenüber - wie bei einem Spiegel. Wenn die Objekt-Subjekt-Beziehung als illusionär erkannt wird und verschwindet - dann treten die anderen Hemmnisse stärker hervor oder werden überhaupt erst wahrgenommen.

    Hier sind nun Subjekt und Objekt identisch und das "Drama" spielt sich im Innen ab - d.h. die vorherigen Projektionen sind nun zurück gespiegelt in den Anfang und das verbleibende Ich-Bewusstsein kann hier nichts mehr machen - es muss die Prozesse geschehen lassen und falls das nicht ausgehalten werden kann, dann nimmt man eben entsprechende Mittel oder Therapien. Das sind recht gefährliche Lebensphasen und da kann auch keiner eine Vorhersage geben, wie es denn ausgeht.

    Die Übung des Zen ist auch eine Übung des Sich-Aushaltens. Das Aushalten von Hoffnungslosigkeit, von Perspektivlosigkeit, von Verlust oder das Aushalten von Angst und Panik, Aufregung bzw. Erregung begleiten diese Praxis.

    Und wie ich mit dem Hinweis auf Bernd Golz, Der Innenspiegel,

    https://www.dhamma-dana.de/files/Dhamma%20Dana/Buchcover/Autoren_A-Z/golz-bernd/Golz,%20Bernd%20-%20Der%20Innenspiegel.pdf

    versuchte zu erklären, ist auch diese Spiegelung als leer zu erkennen und zu dem Punkt zu kommen, wo Erwachen als Verlust , als das Abfallen von Körper-Geist, erkannt wird, wo der Geist sich selbst erkennt.

    Dann verschwindet auch der letzte Rest - der skeptische Zweifel.

    Diese Erfahrung gibt es in allen spirituellen Wegen und im christlichen ist das als Akedia bekannt. Es ist keine Depression, sondern Überdruss, wobei es recht viele Übereinstimmungen gibt.

  • Wie sinnvoll sind Übersetzungen von Chan-/Zen-Texten?

    • Leonie
    • 11. Juli 2025 um 12:00
    JoJu91:

    Ich seh mir die Fassung der Buddhistischen Gesellschaft Berlin an, danke für den Link

    Das ist keine Fassung der Buddhistischen Gesellschaft. Ich fand das Buch so im Netz - ich selbst habe es als gedruckte Fassung. Das Gute daran ist, dass es den chinesischen Text, die englische und deutsche Übersetzung enthält.

    Ich schaue mir im allgemeinen die Herkunft der Übersetzer auch an, wenn das möglich ist. Und wenn das nicht transparent gemacht wird, dann ist das auch schon ein Makel.

    Endres hat 1985 in Würzburg bei Hans Steininger im Fach Sinologie über eine taoistische Sekte des 12. Jh. promoviert. Deren Legenden wurden allerdings erst 1893 publiziert - ich vermute mal unter dem Einfluss der christlichen Missionare. Endres hat ja auch Missionswissenschaft studiert.

    Falls du an einer interessanten Ausgabe des Daodejing Interesse hast, dann empfehle ich Viktor Kalinke - und was deinem speziellen Interesse entspräche wäre auch das Fangnei - auch von Kalinke übersetzt.

    Edition ERATA | Leipziger Literaturverlag

  • Wie sinnvoll sind Übersetzungen von Chan-/Zen-Texten?

    • Leonie
    • 10. Juli 2025 um 21:14
    void:

    Selbst wenn man annimmt, Dōgen sei erwacht, verleiht ihm das doch kein Wissen über die Geschichte des chinesischen Dachziegels und seiner Lackierung. Ich bezweifle sogar, ob Gautama Buddha selber auf dem Gebiet bewandert war.

    Dogen kannte natürlich die Geschichten der Patriarchen, zu denen auch Nansen Fugan zählt - und der sagte mal "Wissen ist Illusion" - insofern nützt das Wissen über Texte nur bedingt.

    Die Wahrheit ruht nicht auf Geschriebenem (Gedrucktem, auf einer Schrift).

    教外別傳 Kyōge betsuden

    不立文字 Furyū monji

    直指人身 Jikishi jinshin

    見性成佛 Kenshō jobutsu

    Das sind die dem Bodhidharma zugeschriebenen vier Grundsätze des Zen, die jedoch erst von Nansen Fugan formuliert wurden.

    Nansen Fugan ist in der Linie von Nangaku und Baso Doitsu, von denen der Dialog mit dem Ziegel polieren berichtet.

    Dass man Keramik-Ziegel nicht durch Polieren zum Spiegel machen kann, wussten natürlich beide - und heute wissen das auch solche, die sich mit technischen Details auskennen.

    Also wusste auch Nansen, dass Zen keine Methode ist, um irgendwas zu werden -

  • Wie sinnvoll sind Übersetzungen von Chan-/Zen-Texten?

    • Leonie
    • 10. Juli 2025 um 16:10
    Christopher:

    oder Jo X

    Danke. An genau diesen hatte ich auch gedacht. :)

  • Wie sinnvoll sind Übersetzungen von Chan-/Zen-Texten?

    • Leonie
    • 10. Juli 2025 um 12:15
    lubob:

    Leonie Vielen Dank für den Hinweis auf das Buch.

    Wie lange warst du in Japan und wie blickst du mit dieser Erfahrung auf das europäische Zen? Du sprichst ja vom "zum Affen machen", belässt es aber bei dieser Andeutung

    Ich war häufig in Japan - von kürzeren bis längeren Aufenthalten. Der längste war ein 3/4 Jahr. Es waren private und auch berufliche Aufenthalte in Yamato. Während dieser Zeiten habe ich auch das Zendo der Sanbo-Kyodan, jetzt Sanbo Zen in Kamakura besuchen können.

    Was meinen Ausdruck "zum Affen machen" anbetrifft, so ist das eine Anspielung auf die Kostümierung und Verhaltensweisen derjenigen, die hier Zen veranstalten, im tatsächlichen oder angeblichen Auftrag von "Meister XYZ". Und da es so viele sind, will ich die hier nicht nennen - aber sie sind bekannter, weil sie viel für sich werben.

    Dagegen gibt es auch die, die sich nicht zum Affen machen - z.B. Nyogen Senzaki und Thomas Yuho Kirchner.

  • Wie sinnvoll sind Übersetzungen von Chan-/Zen-Texten?

    • Leonie
    • 10. Juli 2025 um 11:06
    JoJu91:

    Ich meine, entscheidend ist der "Grad an Erwachen" oder der "Geist" des Übersetzers.

    Das Shinjinmei ("Verse über den Glaubensgeist") von Sosan in der Übersetzung von Dr. Günther Endres ist für mich persönlich ein absolutes Meisterwerk und fasst die gesamte Lehre in wenigen Zeilen zusammen, es "geht runter wie Öl" und ist eine Offenbarung.

    Endres' Übersetzung ist für mich sein eigenes Werk und keine Übersetzung, wie sie etwa auch von einer KI generiert werden könnte, einer KI, die noch nie was von Endres' Übersetzung "gehört" hat.

    Du meinst wahrscheinlich diese Übersetzung?

    https://www.partner-des-wandels.de/wp-content/uploads/2025/05/Shinjinmei.pdf

    Da sind Begriffe, die dem Chinesischen der Tang bzw. Sui -Zeit unbekannt sind, wie z.B. Wesensnatur ...... das kommt aus dem christlichen Kontext und der Willigis Jäger Ecke. Dies verwundert insofern nicht, als Endres Schüler von Sabine Hübner war. Über Frau Hübner ließe sich eine Menge sagen, aber sie hat ja ihr Zendo aufgelöst.

    Vor Jahren gab es da mit Frau Hübners Lebensgefährten eine Auseinandersetzung, da dieser sich als Nachfolger eines japanischen Zen-Meisters ausgegeben hatte und dieser Schwindel dann beendet werden konnte.

    Ganz sicher ist Endres ein netter Mensch - und irgendeinen Grad des Erwachens hat er auch - wie im übrigen jeder Mensch so einen Grad des Erwachens hat.

    ich habe eine Ausgabe des Xin xin ming von Sheng-yen - übersetzt von Helena und Max Kälin.

    https://buddhistische-gesellschaft-berlin.de/downloads/vertrauen-in-den-geist.pdf

  • Wie sinnvoll sind Übersetzungen von Chan-/Zen-Texten?

    • Leonie
    • 9. Juli 2025 um 13:08
    lubob:

    Ich habe schon immer ein gewisses Misstrauen gegenüber vielen deutschen und englischen Übersetzungen alter Texte gehabt. Einfach deshalb, weil ich in vielen keinen Sinn erkenne und mir die Erklärung, das wäre halt ein Koan o..ä. oft nicht plausibel erscheint.


    Jetzt kam aber noch etwas hinzu, dass mir gezeigt hat, dass das Übersetzungsproblem vermutlich viel größer ist, als ich dachte.

    Ich habe vor einiger Zeit Kai Marchal gelesen und dabei einiges über Übersetzungsprobleme gelernt:

    Kai Marchal: "Tritt durch die Wand und werde, der du (nicht) bist" - Wie Chinesen denken
    Der Philosoph Kai Marchal vermischt Familiengeschichten, Restaurantbesuche und Reiseerfahrungen und versucht so, dem "chinesischen Denken" näher zu kommen. Die…
    www.deutschlandfunkkultur.de

    Wenn man - wie ich - sich auf die Zen-Praxis einlässt und diese dann in sein Leben integriert, dann ist das auch ein Kulturtransfer. Zunächst war das die japanische Kultur, die natürlich faszinierend erscheint und mich bei meinen Japan-Aufenthalten beeindruckt hat. Aber ich habe auch in Japan "den Westen" gesehen und erlebt und und dann letztlich das Japanische und deren Tradition als (eine) Form des menschlichen Lebens. Was tut man also, wenn man die Form des Zen an andere Orte transferiert? Man macht sich zum Affen.

    Das ist natürlich bei Japanern anders, die in die USA oder nach Europa ihre Zen-Tradition exportiert haben. Was mich an Kafka's Bericht an eine Akademie erinnert.

    Diese Re-Transfer war im übrigen seitens der japanischen Zen-Schulen beabsichtigt, weil man ja noch voll der Überzeugung war, dass die Satori-Erfahrung was genuin Asiatisches war, dass man den alten Kolonialmächten mal aufs Auge drücken sollte.

    Der kulturelle Transfer, der den Buddhismus einschließt, verläuft also bereits seit längerem - zunächst durch den Imperialismus und Kolonialismus Europas/USA und dann nach dem 2. Weltkrieg in die andere Richtung.

    Und was ich für Japan hier beschreibe, gilt natürlich auch für China. Es war daher auch klar, dass mit der Öffnung Chinas durch Deng die Beziehungen und der Kulturtransfer sich intensivieren. Bekanntes Beispiel sind die Konfuzius-Institute, an denen einfache chinesische Sprache und Schrift gelehrt wird. Im Gegensatz zu Japan, dass aufgrund seiner engen Beziehungen zu Nazi-Deutschland schon lange Deutsch-Japanische-Gesellschaften hat, sind die Beziehungen zu China immer durch die Vorbehalte und Vorurteile gegenüber dem politische System bestimmt.

    Der Buddhismus wird in China als kulturelles Phänomen betrachtet und dient mit seinen Statuen und Anlagen vor allem dem Tourismus.

    Nun entdeckt man, wenn man sich dem japanischen Zen angenähert hat, dass der "Ursprung" dieser Praxis in China war und von dort durch Dogen ( 1200 - 1253) und Eisai (1141 -1215) nach Japan transferiert wurde. Bei solchen Transfers werden immer auch Schriften mit gegeben und über-setzt.

    Wie geht man nun mit Schriften um, vor allem wenn man sie nicht versteht, wie mir das anfangs mit dem Genjokoan gegangen ist?

    Schrift ist ja im Gegensatz zu Sprache "tot" und muss daher zum Leben erweckt werden. Die Schrift muss mir was sagen, damit ich

    sie verstehe und d.h. nichts anderes, dass ich damit kommuniziere.

    Das gilt im übrigen für alle Schriften, wie z.B. das Formular einer Steuererklärung oder eine Gebrauchsanweisung, ein Rezept.

    Schrift hat sich deshalb im Kontext einer staatlichen Kultur entwickelt, als Anweisungen von oben nach unten, über Entfernungen etc. transferiert werden sollten.

    Es gab da mal eine 3-teilige ARTE Doku über Schrift "Vom Schreiben und Denken" - kann ich nur empfehlen.

    Und wenn ich dann also mich auf so etwas exotisches wie ein Koan-Studium einlasse und mich - wie oben gesagt - zum Affen mache - dann brauche ich schon viel Vertrauen - oder, wie in meinem Fall - keine Wahl.

    Ich mache hier mal ein Ende mit meinem Beitrag. Der wird sonst zu lang.

  • Mein psychologischer Weg zur Buddhaschaft #1

    • Leonie
    • 7. Juli 2025 um 15:07

    Ich bin ja etwa 13,8 Milliarden Jahre alt und bestehe aus Sternenstaub - poetisch gesagt - die Frage warum bzw. nach dem Verursacher habe ich beiseite gelegt - ist mir gleich.

    Und außer meiner Spülmaschine, die nicht richtig heizt, habe ich keine Probleme. Da kommt dann bald ein Experte und der weiß dann warum.

  • Mein psychologischer Weg zur Buddhaschaft #1

    • Leonie
    • 5. Juli 2025 um 22:48
    MaKaZen:

    Ehrlich gesagt wundere ich mich ein wenig, dass sich die meisten Rückmeldungen hier kaum auf die Inhalte meiner Beiträge beziehen. Mir geht es in erster Linie um den Austausch über die beschriebenen Erfahrungen und Schritte – nicht um Form, Stil oder persönliche Motive.

    Würde man sich auf deine Inhalten beziehen, müsste man endlos mit dir diskutieren. Es fällt dir ja offenbar nicht auf, dass du nur von deiner subjektiven Erfahrungsebene sprichst, also nur von dir selbst. Und also bist du hier auf Bestätigung aus. Was aber willst du bestätigt haben? Deine Erfahrung - von was auch immer - ?

    Erfahrung ist ohne Bewusstsein sind möglich und da gibt es eben die Grundlagen des Bewusstseins, die Sinne und das Denken. Du zeigst hier nur deine Gedanken, die mir dann aber zeigen, dass du überhaupt keinen Schimmer hast, was Buddhismus ist.

    Aber letzteres ist ja nicht weiter schlimm, du bist ja hier um zu lernen - oder?

    Jetzt hast du also eine Erfahrung gemacht - und da bist du beeindruckt und willst andere beeindrucken - der Bewusstseinseindruck ist die Bedingung für eine Wahrnehmung, wie z.B. Gefühl. Das Gefühl wiederum ist Bedingung für Begehren, nämlich für Habenwollen oder nicht Habenwollen. Das Begehren ist dann wiederum die Bedingung für dukkha - Leiden - , denn es führt einfach nur zur Erkenntnis der Unzulänglichkeit jedweder Erfahrung. Also: Erfahrung ist letztlich vergänglich, leidvoll und hängt von Bedingungen ab und wenn diese wegfallen, fällt auch die Erfahrung weg.

    Deine Erfahrung ist also eine Blase.

  • Vorschlaghammer gegen üble Menschen oder immer Metta ?

    • Leonie
    • 3. Juli 2025 um 12:46

    Igor07

    Du stöberst doch auch gelegentlich dort und da könnte dich dieses Buch interessieren.

    https://www.dhamma-dana.de/files/Dhamma%20Dana/Buchcover/Autoren_A-Z/golz-bernd/Golz,%20Bernd%20-%20Der%20Innenspiegel.pdf

    ich habe das vor einiger Zeit mal gelesen und bin da auf die Probleme mit dem "Spiegel" richtig aufmerksam geworden. Wie in MN 26 es heißt:

    Zitat

    'Dieses Dhamma, das ich erlangt habe, ist tiefgründig, schwer zu sehen und schwer zu verstehen, friedvoll und erhaben, durch bloßes Nachdenken nicht zu erlangen, subtil, von den Weisen zu erfahren. Aber diese Generation ergötzt sich am Verlangen, begeistert sich für das Verlangen, erfreut sich am Verlangen. Es ist schwer für so eine Generation, diese Wahrheit zu erkennen, nämlich die zugrundeliegende Bedingtheit, die bedingte Entstehung. Und es ist schwer, diese Wahrheit zu erkennen, nämlich die Stillung aller Gestaltungen, das Aufgeben aller Vereinnahmung, die Vernichtung des Begehrens, die Lossagung, das Aufhören, Nibbāna.


  • Vorschlaghammer gegen üble Menschen oder immer Metta ?

    • Leonie
    • 2. Juli 2025 um 15:58

    Die Übung besteht darin, sich seiner Gedanken, seiner Worte und seiner Taten klar zu werden - und zwischen miesen und guten Gedanken, Worten und Taten unterscheiden zu können. Dann sind solche unheilsamen Geisteseindrücke aufzulösen - das dauert u. U. Jahre, je nach Persönlichkeit.

    Schon deine Gedanken sind mir inzwischen fremd - ich teile nicht Menschen in solche oder solche ein - ich sehe sie und im nächsten Moment ist der Eindruck schon wieder weg. Da kann sich ein Gedanke, der den anderen identifiziert gar nicht bilden.

    Das war nicht immer so.

    Natürlich lässt sich das Verhalten anderer und unsere Reaktionen durch die Spiegelmetapher vergleichen - wenn in einem Theater oder Konzert jemand anfängt herum zu schreien, dann löst das in jedem, der dabei ist, unangenehme Gefühle aus, weil sich da eben jemand der Situation nicht entsprechend verhält. Das kann aber ein medizinischer Notfall sein - was ich schon im Theater erlebt habe.

    Aber in Wahrheit gibt es keinen Spiegel - so wie es eben auch kein Selbst gibt, dass sich in einem anderen spiegelt.

    Alles sind nur flüchtige Phänomene, wie Blasen oder Schaum - sie kommen und gehen - .

  • Pamphlet gegen die Krone der Erleuchtung

    • Leonie
    • 30. Juni 2025 um 23:19

    Hier wird auch nichts geboten - was soll also da mitgenommen werden?

  • Pamphlet gegen die Krone der Erleuchtung

    • Leonie
    • 30. Juni 2025 um 18:13

    Die Blumen im Frühling - der Mond im Herbst,

    Im Sommer die kühle Brise - im Winter der Schnee!

    Wenn unnütze Sachen den Geist nicht vernebeln,

    ist dies des Menschen glücklichste Jahreszeit!

    Dies ist der Vers, der zum Fall 19 des Mumonkan die Erfahrung ausdrückt, dass der alltägliche Geist das DAO, der WEG, die Wahrheit oder was auch sonst für Worte da einer machen will, ist.

    Das ganz gewöhnliche Leben: aufstehen, einkaufen, Blumen gießen, Fische füttern, ......

    Yoka Daishi im Shodoka nennt es in den ersten Zeilen:

    Kimi, erkennst du nicht diesen stillen Menschen des Weges, der Erwachen erlangt und Grübeln und Gehabe aufgegeben hat?

    Er legt weder Illusionen ab noch sucht er weiter nach der Wahrheit.

    Das ist alles.

  • Pamphlet gegen die Krone der Erleuchtung

    • Leonie
    • 29. Juni 2025 um 19:01
    Helmut:

    Dafür dass du erst seit gestern hier auf dem Forum bist, machst du ganz schön dicke Backen.

    :rofl:

    Da bläst einfach ein Newbie seine Backen auf und bringt Leben in das Forum und dann ist das auch wieder nicht Recht.

    MaKaZen

    Nachträglich noch herzlichen Glückwunsch zum 65. Geburtstag.

    Und - willkommen.

  • Die Wahrheit ist ein pfadloses Land

    • Leonie
    • 26. Juni 2025 um 23:24
    Thorsten Hallscheidt:

    Die "Unbestechlichkeit des Selbst" ist für mich der zentrale Begriff. Sich nicht korrumpieren lassen. Sich selbst nicht verarschen. Sich nichts einbilden. Die Verantwortung nicht delegieren, um sich schlafen legen zu können.

    Schön gesagt - aber am Ende seiner Rede deckt Krishnamurti seine Absichten auf - und die sind leider doch wieder eine weitere Vorstellung über das bekannte Thema:


    [lz]

    Doch diejenigen, die wirklich verstehen wollen, die Ausschau halten nach dem, was ewig ist, ohne Anfang und ohne Ende, werden gemeinsam mit großer Intensität diesen Weg gehen, sie werden eine Gefahr sein für alles, was unwesentlich ist, für Unwirkliches, für Schatten. Und sie werden sich zusammenschließen, sie werden die Flamme sein, denn sie verstehen. Eine solche Gemeinschaft müssen wir bilden, und das ist mein Ziel. Aufgrund dieses wirklichen Verstehens wird es dort wahre Freundschaft geben. Aufgrund dieser wahren Freundschaft - die Sie nicht zu kennen scheinen - wird eine wirkliche Zusammenarbeit möglich sein. Und das nicht aufgrund von

    Autorität, nicht aufgrund von Erlösung, nicht aufgrund der Aufopferung für eine Sache, sondern weil Sie wirklich verstehen und daher fähig sind, im Ewigen zu leben. Das ist etwas Größeres als alles Vergnügen, als jedes Opfer. Dies sind die Gründe, weshalb ich nach zwei Jahren reiflicher Überlegung diese

    Entscheidung getroffen habe. Sie kommt nicht aus einem momentanen[/lz]

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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