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  2. K-Dorje

Beiträge von K-Dorje

  • "Reinkarnationstheorien in Tibet"

    • K-Dorje
    • 3. Februar 2017 um 13:14

    Ne, reicht nicht. Um mal in deinem Jargon zu bleiben: jeder Prozess hat einen Owner, der ihn gestartet hat und an den das Ergebnis gemeldet wird, in unserem Fall z.B. Vergegenwärtigen. Wenn das nicht nach Accounts oder 'Einzelindividuen' geordnet abläuft, könnte jeder alles abrufen. Und andere könnten meine Erinnerungen überschreiben. Es müsste. um in deinem Bild zu bleiben, wie beim Computer schon einzelne, über die Zeit beständige User geben.

  • "Reinkarnationstheorien in Tibet"

    • K-Dorje
    • 3. Februar 2017 um 13:01

    moosgarten schrieb

    Zitat

    z.B. an mental Verschüttetes, das wiederum können reine Geist-Objekte sein, die keinerlei andere Sinnes-Bewußtseins-Objekte zur Grundlage haben.

    ok, es bleibt dann aber ein Problem zu erklären, warum sich jemand nur seine eigenen früheren Leben vergegenwärtigen kann, nicht aber die von jemand anderem. Auch wenn etwas mental verschüttet ist, z.B. aus der Kindheit, gibt es ja hier zumindest eine Gemeinsamkeit, nämlich den Erleber. Ich kann mir nichts aus der Kindheit meines Nachbarn vergegenwärtigen. Wenn das schon in diesem Leben so ist, worin bestände dann die Gemeinsamkeit zu vorigen Leben? Man bräuchte ja zumindest so eine Art Konto im Klaren Licht, damit man später an seine verschütteten Archive rankann, und nicht etwa an die Anderer. Wie Sherab schreibt, es braucht einen Jemanden.

  • "Reinkarnationstheorien in Tibet"

    • K-Dorje
    • 3. Februar 2017 um 11:05

    Naja, der Begriff 'Erinnerung' setzt schon eine gemeinsame Basis zwischen Erlebnis und Wiederaktivieren im Gedächtnis voraus. Er ist die Abstraktion aus dem Sprachgebrauch ' jemand erinnert sich an etwas'. Das setzt notwendigerweise voraus, dass dieser 'Jemand' das 'etwas' damals tatsächlich erlebt hat und zudem derselbe ist, der sich jetzt erinnert. Wir würden sicher nicht sagen: 'Ich erinnere mich an Pearl Harbour' obwohl ich gar nicht dabei war. Wir würden auch nicht sagen 'ich erinnere mich an DEINE Erlebnisse.' Ist also doch ein Kern nötig, zumindest soweit es die Erinnerung betrifft?

  • Kalachakra

    • K-Dorje
    • 1. Februar 2017 um 16:16

    Nach dem DL mit Kalachakra kommt nun bald das nächste große öffentliche Empowerment, auch in Bodhgaya:
    Karmapa mit Cakrasamvara am 7./8. Februar, für Details siehe hier:
    http://the17thkarmapa.blogspot.de/2017/01/comple…s-gyalwang.html
    Das Empowerment wird, im Gegensatz zu Kalachakra vom DL, wohl nicht live übertragen, wahrscheinlich aber die Belehrungen hinterher.

    2 große Anuttarayogatantras von 2 großen Linienhaltern gleich zum Jahresanfang, was für glückliche Umstände!

  • Tibetisch-buddhistische Methoden zum Umgang mit der Welt

    • K-Dorje
    • 30. Januar 2017 um 14:38

    Wenn man seine Seite länger liest, merkt man, dass sich Poller auf die 'verklösterlichung' der ursprünglich wilden Mahasiddha-Kultur bezieht. Dabei waren im Kloster bestimmte Elemente nicht mehr erwünscht (gleichberechtigte Rolle der Frau war Mahasiddhas und Poller wichtig). Außerdem etablierten sich Machtstrukturen, die Einfluß auf die Weitergabe der Tantras hatten. Also sowas wie Lehrberechtigung statt freier Einschätzung durch die Mahasiddhas. Poller weist auch darauf hin, dass keiner der 84 Mahasiddhas Ngöndro machte, dass dies aber später (Gampopa?) zur Zugangsvoraussetzung erklärt wurde etc. Man muss mit Poller nicht immer einverstanden sein, aber bzgl. Tantra schärft er den Blick ungemein.

  • Tibetisch-buddhistische Methoden zum Umgang mit der Welt

    • K-Dorje
    • 30. Januar 2017 um 14:08

    mkha fragte:

    Zitat

    a.) welcher Tradition des tibetischen Buddhismus liegen die Belehrungen, die Du hier darlegst, zugrunde - und
    b.) welcher tibetisch-buddhistische Lehrer erteilte Dir die Initiation (inclusive wang chen, etc.)?


    zu a) Karmamudra ist mindestens ab Tilopa Bestandteil des Vajrayana. Der gehört in den Kagyü Stammbaum. Andere Traditionen praktizieren das aber auch, z.B Nyingma, von denen hab ich's. Das Tantra, innerhalb dessen ich das tue, ist allerdings auch eine wichtige Praxis der Sakya. Es steht also zu vermuten, dass Karmamudra dort auch praktiziert wird. Und zu guterletzt hat sich Tsongkhapa dazu ausführlich geäußert, also Gelug. Es ist wohl weniger an heutigen Traditionen festzumachen, sondern man fragt besser danach, wo die das wiederum herhaben. Keith Dowman ist der Meinung, dass die Praxis sehr früh über Oddiyana in den Buddhismus gekommen ist (vgl. Guru Pema here and now). Helmut Poller (siehe b) hat sich sehr ausführlich darauf spezialisiert und verortet die Ursprünge ebenfalls in Übernahmen aus shivaitischen Tantras.

    zu b.) für westliche Schüler in Europa, die eine starke Anziehung zu diesem Thema verspüren, halte ich Helmut Poller in Wien für den besten Lehrer/Initiator. http://helmutpoller.eu/index.html

  • Tibetisch-buddhistische Methoden zum Umgang mit der Welt

    • K-Dorje
    • 29. Januar 2017 um 19:04

    Gelübde musst du halten, wenn du welche genommen hast und dann die, die du genommen hast.
    Ob das hier der richtige Thread ist für bestimmte Techniken, hängt vom Thema ab. Ich wollte eigentlich nur das Thema Kindererziehung als Beispiel anführen und es in buddhistischen Kontext setzen. Ich halte das übrigens für eine originäre Leistung eines entstehenden westlichen Buddhismus, da sich in Kangyur und Tengyur sonst wenig zu diesem Thema findet.

  • Tibetisch-buddhistische Methoden zum Umgang mit der Welt

    • K-Dorje
    • 29. Januar 2017 um 16:54

    Ja, in dem Sinne einer Transformation meinte ich das. Mal schauen, ob ich es erklärt kriege, ohne Samayas zu verletzen.
    Es gibt im Anutaratantra (und nicht nur da) die Energiekanäle, wo in den beiden Äußeren solare und lunare Energien zirkulieren, welche die Grundlage für unser tägliches weltliches Erleben bilden. Also z.B. auch für Gier und Ärger. Traditionelle Buddhistische Wege zielen durch 'sich Distanzieren von Geistesgiften' darauf, die unheilsamen Energien nicht neu anzuregen und bei den schon existierenden zu warten, bis sie sich 'totgelaufen' haben, wie die Wellen auf dem Wasserspiegel. Durch den ruhigen Wasserspiegel kann man dann in die Tiefe blicken, und durch Erkenntnis das Thema der Verblendung lösen.

    Bestimmte Tantrische Methoden greifen an prinzipiell anderer Stelle ein. Hier wird der Schüler befähigt, diese Energien (egal ob heilsame oder unheilsame) in den Seitenkanälen zu identifizieren, zu leiten und schließlich umzuleiten in den mittleren Energiekanal. Mit dem Verlassen der Seitenkanäle und dem Eintritt in den Mittleren verlieren die Energien interessanterweise ihre weltlichen Spezifika, bleiben jedoch weiterhin viril. Man könnte also sagen 'transformiert'. Eine der bekanntesten Übungen ist Karmamudra, also die Arbeit mit einem sexuellen Partner (siehe z.B. Guru Rinpoche und Mandarava).Und hier kommt der Begriff 'hochziehen' her. Er steht für die Anstrengung, die Energie daran zu hindern, im Orgasmus zu verpuffen, sondern sie zu 'transformieren'. Im Grunde ist man dann da, wo auch die Kundalini-Leute vorbeikommen. Sexualität ist nun nicht die einzie Energie, das funktioniert eben auch mit Ärger und Hass, wenn man es beherrscht.
    Die Übung ist nun kein Selbstzweck, sondern erst der Anfang eines längeren Prozesses der Arbeit mit den Chakren, deren Zustand in diesem System u.a. für unsere samsarische Verblendung verantwortlich gemacht wird. Der geniale Weg von Tilopa, Naropa etc. bestand also darin, den Schüler nicht mit praktischen monastischen Verhaltensregeln wie Distanzierung und auch nicht mit Begriffen wie Leerheit auf intellektuellem Weg an einen Punkt zu bringen, von wo aus er sich von Gier, Hass und Verblendung befreien kann, sondern ihn zu befähigen, subtile Energieflüsse so zu manipulieren, dass sich schließlich die reine Sicht (primordial clarity) ergibt. (Keith Dowman beschreibt dies in 'Guru Pema' mit dem tollen Ausdruck 'Samsara und Nirvana reinigen'). Diese Sicht zu erkennen und zu halten ist dann nochmal ein eigenes Problem.
    Die Methode hat etwas von Radiobasteln. Erscheint magisch, wenn's klappt, kann aber richtig schief gehen, wenn man nicht weiß, was man tut. Distanzierung ist wohl für die meisten tatsächlich die geeignetere Methode. So verstehe ich Sherabs Zitat des Rinpoche. Aber sie ist nicht die einzige Methode. Allerdings: 'hochziehen' erfordert viel Selbstdisziplin.

  • Tibetisch-buddhistische Methoden zum Umgang mit der Welt

    • K-Dorje
    • 29. Januar 2017 um 13:26

    Ich denke z.B. an Kindererziehung. Insbesondere wenn deren Entwicklung ab dem Jugendalter anders verläuft als man sich das als Eltern vorgestellt hat. Ich versuche hier gelegentlich, aus dem tibetischen Buddhismus das tantrische Prinzip zu übernehmen. Also mal nicht den klassischen Weg der Ruhe und Gleichmut ansteuern durch Betrachtung der Probleme als leer, vergänglich und mich nicht treffend. Die Jugendlichen wollen sich ja auch reiben und da ist es nicht immer hilfreich, wenn die Eltern immer die totalen Softies sind.
    Statt dessen ein kleines Stück weit die Enttäuschung und den Ärger in sich aufkommen lassen, vielleicht auch artikulieren (bis hierher kriegen die Kinder das mit, der Rest findet ausschließlich in mir statt). Sich dem Ärger dann aber nicht zu ergeben, sondern seine Energie zu beobachten. Die eigentliche Übung ist dann ganz bewußt Stop zu sagen, das eigene Anhaften bzw. die Hingabe an den aufgebauten Ärger loszulassen und die Energie "hochzuziehen". Hochziehen meint hier sowas wie bei Karmamudra. Nach tantrischer Sicht haben auch Ärger und Enttäuschung letztlich die gleiche Natur wie alle anderen Phänomene dieser Welt, können also als rein betrachtet und als Mittel auf dem Weg genutzt werden. Nicht ganz ungefährlich (das gilt ja für alle tantrischen Mittel) aber sehr wirksam.

  • Kalachakra

    • K-Dorje
    • 10. Januar 2017 um 19:43

    Ich habe mir die Trimondis auch vor einiger Zeit zu Gemüte geführt. Sachliche Kritik hat dem Grundsatz der Benevolenz zu folgen, d.h. der Kritiker hat sich auf die Suche zu machen, ob das Kritisierte nicht unter bestimmten Blickwinkeln doch positiv im Sinne des Angeklagten gesehen werden könnte. Und nur wenn diese Suche erfolglos bleibt, sind derart negative Einschätzungen zulässig. Bei den o.g. Herrschaften hatte ich aber den Eindruck, dass sie sich dieser Mühe zu wenig unterzogen haben und mehr als einmal gezielt nach Blickwinkeln gesucht haben, die die Sache in schlechtem Licht erscheinen lassen. Die Trimondis haben vielleicht Dinge erlebt, die sie zu solchen Äußerungen motivieren und das ist zu akzeptieren. Nur wird.das Ganze dann zu einer Art persönlicher Abrechnung, denn für sachliche Kritik liegt die Messlatte deutlich höher.

  • Dukkha / Sukha

    • K-Dorje
    • 9. Januar 2017 um 11:59

    Zur Suche nach weiteren rationalen Gründen, warum Dukha und nicht Sukha als Daseinsmerkmal benannt wurde, würde mir noch Folgendes einfallen:

    Einer der Knackpunkte liegt vielleicht in einem unterstellten, aber nicht explizit benannten Ausschließlichkeitsanspruch der 3 Daseinsmerkmale.
    Es könnte ja sein, dass es mehr als 3 Daseinsmerkmale gibt, wozu die genannten drei, aber darüberhinaus auch andere gehören. Diese Möglichkeit ist in Betracht zu ziehen, solange keine Aussage behauptet, es gäbe 3 und NUR 3 Daseinsmerkmale. Gäbe es NUR 3 Daseinsmerkmale, würde tatsächlich daraus folgen, dass ALLES Dukkha ist.

    Dagegen spricht aber z.B. Thich Nhat Hanh: "Seit der Buddha das Leiden als Erste Edle Wahrheit beschrieb, haben viele seiner Anhänger sich ernsthaft um den Beweis bemüht, daß es auf Erden nichts anderes gäbe als Leiden. Die Theorie von den "Drei Arten des Leidens" (duhkhata), die nicht vom Buddha selbst stammt, ist solch ein Versuch.[...] Es ist wahr, daß der Buddha die Währheit vom Leiden lehrte, aber er lehrte auch die Wahrheit vom "Glücklichen Verweilen in den Dingen, so wie sie sind" (drishta dharma sukha viharin). Um auf unserem Übungsweg voranzukommen, müssen wir aufhören, beweisen zu wollen, daß alles leidvoll ist." Quelle: ist ein anderer interessanter Thread hier: http://www.buddhaland.de/viewtopic.php?t=15686
    In diesem Fall wäre die Eingangsfrage zum Thread so zu beantworten, dass die 3 benannten Faktoren sicher als besonders zentral erachtet werden, nicht aber in Abrede gestellt wird, dass es weitere Daseinsmerkmale gibt, wie Sukha. Überdies wäre möglich, dass Lebensereignisse sowohl Dukha als auch Sukha enthalten und dass damit die Beispiele von Same 'xyz == Sukha' keine Gegenbeispiele zu 'Dukha = Daseinsmerkmal' wären. Bliebe zu belegen, warum typische Sukhaereignisse AUCH Dukha beinhalten, und dazu hat der Thread ja viele Hinweise geliefert.

  • Dukkha / Sukha

    • K-Dorje
    • 8. Januar 2017 um 16:21

    mkha' hat geschrieben:

    Zitat

    Das kann doch nicht sein, ... Du hast Deine Frau/ Deinen Mann/ Dein Kind doch eben noch in Deinen Armen gehalten ...


    Diese Beispiele illustrieren zwar, dass Leben AUCH leidvoll ist, nicht aber, warum Dukkha so dominant sein soll, dass es zu einem Daseinsmerkmal erklärt werden kann. Man kann fast immer ein Gegenbeispiel zugunsten von Sukha aufmachen: "Es klingelt an der Tür, draussen steht der Mann von der Lotterie und sagt, man habe gewonnen". Oder ich bin krank, glücklicherweise gibt es aber Impermanenz und die sagt mir, dass ich nicht ewig krank bleibe. Sukha wird jedoch im Buddhismus nicht zu einem Daseinsmerkmal erklärt. Im Gegensatz zur Bhagavad-Gita z.B., wo beide gleichberechtigt auftauchen mit dem Hinweis, man sollte sich durch keines der beiden beeinflussen lassen: : samaduhkhasukham dhiram so 'mrtatvaya kalpate (2.15) .
    Ich habe zum Thema schon einige Diskussionen mit tibetischen Geshes erlebt, aber da kamen dann meist auch nur auswendiggelernte Beispiele aus historischen Schriften, die Westler nicht wirklich überzeugt haben.

  • Sartres Ekel.

    • K-Dorje
    • 7. Januar 2017 um 09:57

    Spacy schrieb:

    Zitat

    Ist dieses Sartre nicht nach Stammheim gefahren um die Hohepriester der Freiheit von seiner Göttlichkeit zu überzeugen?


    Genau der war das. Die Linken hatten Sartre entdeckt, weil sein Existentialismus philosophische Rückendeckung für revolutionären Ideen bot. Heute ist der Enthusiasmus deutlich abgeflaut, weil man im Grunde jede Ideologie bei ihm verankern könnte, solange sie sagt: 'mein Ausgangspunkt ist der individuelle Mensch'. Auch den Buddhismus könnte man hier unterbringen, deshalb ist die Ausgangsfrage dieses Threads durchaus interessant. Die Sorge um das Individuum wäre im Mitgefühl und im Bodhisattvaideal gegeben, die Entsprechung zum Fehlen von höherem lenkendem Sinn wäre das 'Entstehen in Abhängigkeit', und die Geste der Erdberührung durch den Buddha passt auf die Idee, dass man selbst Verantwortung übernehmen muss, dafür wie man geworden ist und wohin man steuert. Was der R. in dem Park treibt könnte man wohl auch als Meditation bezeichnen.

  • Sartres Ekel.

    • K-Dorje
    • 6. Januar 2017 um 21:45

    Da buddhistische Parallelen zu erkennen ist natürlich verlockend.
    Nun war Sartre ein franz. Philosoph, der mittels Romanen versuchte, seine eigene Theorie (Existentialismus) unter die Massen zu bringen. Die beschriebene Szene ist deshalb auch dahingehend zu beleuchten, inwieweit er sie sie ggf. als geschicktes Mittel verwendet, damit sich am Ende sozusagen der Existentialismus als Quintessenz ergibt.

    Spätestens nach Nietzsches "Gott ist tot" war den meisten Philosophen klar, dass (christliche) Religion doch nicht in der Lage war, für wiss. denkende Menschen eine letztgültige Begründung von Existenz zu liefern. Deshalb konnte sie auch nicht mehr als tragender Fixpunkt dienen für eine Suche nach Sinn im Leben, So ein Sinn, würde man ihn finden, wäre hilfreich, um z.B. Ethiken abzuleiten und dem eigenen Leben Richtung zu geben.

    Der Rouquentin in o.g. Buch sucht Sinn in seinem Leben, sucht Notwendigkeiten, um seine eigene Existenz zu rechtfertigen. Er findet aber im täglichen Leben wenig, statt dessen viel Sinnlosigkeit und Zufall der Existenz. Das führt bei ihm zu Melancholie und einem gewissen Ekel vor seinem Leben.
    In der Szene im Park wird ihm plötzlich klar, dass er die Welt (Existenz) bisher nie direkt, sondern immer durch die Brille von vorgefertigten Kategorien und Begriffen gesehen hat, die zwar Sinn lieferten, der aber gar nicht aus der Welt kam, sondern aus der Bedeutung der Kategorien und Begriffe. Und die waren menschengemacht. Beim Anblick der Wurzel gelingt es nun R, zum ersten Mal ohne diese Brille die Existenz direkt zu sehen (wie das gehen soll, verschweigt Sartre leider und Hermeneutiker wie Gadamer würden einwenden, das sei schlichtweg unmöglich, insbesondere, wenn man das Ergebnis des Anblicks dann doch wieder in Begriffe fasst). Wie dem auch sei, dem R.gelingt das und ihm wird klar, dass in der Existenz selber gar kein feststehender Sinn enthalten ist. Am Ende des Romans findet R. dann auch noch den nach Sartre richtigen Ausweg: Wir Menschen müssen selber Sinn geben, auf feste Fundamente können wir uns aber nicht stützen, sondern müssen jeweils neu beim Individuum in seiner Zeit ansetzen.

    Hm, ist das nun buddhistisch? Oder ist die beschriebene Szene vielleicht eine weitere Instanz von Illuminationserlebnissen, die zu allen Zeiten geschickt verwendet wurden, um die eigene Theorie im Numinosen zu verankern? Also, ich denke, Sartre würde zustimmen, wenn man den Buddhismus selber praktisch lebt, als Eine von mehreren möglichen Antworten auf das Existenzproblem.

  • Kalachakra

    • K-Dorje
    • 5. Januar 2017 um 09:53

    Soweit ich diese Reihe von jährlichen Kalachakra-Einweihungen verstanden habe, gibt der DL hier nur Teile von Wang, Lung und Tri. Die muss man dann praktizieren und vielleicht nach einem Jahr kann man sich dann wieder melden. Man wird dann bzgl. des erreichten Standes befragt und nur wenn der hinreichend ist, kommt die nächste Stufe. Früher war dieses Zug um Zug-Prozedere die Standardvorgehensweise des Einweihens des Schülers in immer tiefere Praktiken. Von da her ist das nix sooo ungewöhnliches, was hier passiert. Außerdem habe ich den DL ein paar mal selbst erlebt. Wenn man dann mit mehreren tausend Besuchern beim Empowerment sitzt, wird schnell klar, dass die vielen potentiellen Schüler nicht alle einzeln bzgl. 'Geeignetheit' untersucht wurden und dass da auch fragwürdige Gestalten mit bei sind. Das war sicher auch dem DL klar, denn er erklärte, dass die Veranstaltung so zu verstehen sei, dass diejenigen, die ernsthaft die Praxis üben wollen, eine damit gültige Einweihung bekommen, und die Anderen einen Segen, den sie für ihr Leben mitnehmen, der sie aber zu nichts verpflichte und deshalb auch nicht schädlich sei.

  • Kann man das Sterben in der Meditation üben?

    • K-Dorje
    • 2. Januar 2017 um 19:44

    Der Thread fragte, ob man das Sterben in der Meditation üben kann.
    Die Mehrzahl der Antworten zeigte, dass diese Frage innerhalb des tibetischen buddhistischen Kontextes positiv zu beantworten ist. Und: es gibt offensichtlich verschiedene Übungen mit verschiedenen Ansätzen für Praktizierende mit verschiedenen Fähigkeiten und folglich unterschiedlich hohen Zielen.

    Ich habe mal versucht, eine Systematik zu erstellen, an der man sich orientieren kann bzgl. dessen was möglich ist und auch was nötig ist, um in der entsprechenden Liga mitzuspielen. Das System erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, es ist ein Versuch. Es erhebt nicht den Anspruch einer wiss. Arbeit (z.B. bzgl. Quellenlage, Hermeneutik etc.)., wohl aber einen Gültigkeitsanspruch (also bitte nix erfinden). Bei derartigen Vorhaben kann ein Einzelner nicht alles wissen, aber eine Gruppe könnte doch eine Übersicht zusammenbringen. Was mir vorschwebt ist eine kollektive Arbeit, wo verschiedene Leute ihr Wissen beitragen. Der Überblick soll also gern ergänzt oder korrigiert werden. Die Systematik hätte sicher auch anders gewählt werden können, z.B. nach Zeiten und Schulen, mir erschien die Ordnung hinsichtlich der Verwirklichungsgrade aber sinnvoller in Hinsicht auf Forumsleser, die sich bzgl. eigener Praxismöglichkeiten orientieren wollen.

    Regeln: Das System ist im Detail bewusst unspezifisch gehalten, um keine Samayas zu brechen. Als Kriterium würde ich ansetzen, was im öffentlichen Buchhandel von jedermann gekauft werden kann oder im Internet ohne offensichtliche Verletzung von Samayas nachzulesen ist.
    Was hier eingetragen wird, sollte zumindest mit einem Verweis auf Quellen oder weiterführende Literatur belegt sein, damit Interessierte sich dann weiter vorarbeiten können.
    Es geht um Übungen zur 'Selbsthilfe', nicht um Hilfen Dritter a la 'Jemand liest dem Verstorbenen das tib. Totenbuch vor'.

    Ich habe zuerst den Überblick erstellt, darunter dann Erläuterungen. Erkennbar ist eine gewisse Reihenfolge vom Einfachen zum Schwierigen. Literaturangaben sind gesammelt am Ende der Übersicht.

    Übungen in der Meditation bzgl. Sterben (Version 1.0):

    1. Übungen, die lediglich gute Voraussetzungen schaffen, damit auch ohne selbstinitiierte Transformation der Sterbeprozess nicht zu schlechten Wiedergeburten führt
    1.1. Bardo Thödol lesen und üben
    1.2. Meditation auf oder Anrufungen von Amitabha (vgl. Arya amitabha vyuha nama mahayana sutra)
    1.3. sich bei Anzeichen des Sterbens in seiner Standardmeditation visualisieren und darin zu sterben

    2. tatsächliche Transformation
    2.1. Einleitung der Transformation zu Lebzeiten, aber erst, wenn die Zeichen des nahen Todes untrüglich wahrgenommen werden
    2.1.1. Übertragung mit Hilfe von Amitabha
    2.1.2. Auflösung von Energien aus dem mittl. Nervenkanal in der absoluten Wirklichkeit
    2.1.3. Identifikation der eigenen Geist-Natur mit der Leerheit
    2.1.4. kleiner Regenbogenkörper (normal Rainbow body)
    2.1.5. mittlerer Regenbogenkörper (Rainbow body of light)

    2.2. Transformation mitten im Leben eingeleitet und abgeschlossen
    2.2.1. großer Regenbogenkörper: Rainbow body of great transference
    2.2.2. forcefull projection (nicht mehr praktiziert)

    2.3. Transformation im Bardo of Death

    Erläuterungen
    1. Übungen, die gute Voraussetzungen schaffen, damit auch ohne selbstinitiierte Transformation der Sterbeprozess nicht zu schlechten Wiedergeburten führt
    1.1. Bardo Thödol lesen und üben
    -es gibt mehrere gute Übersetzungen mit hervorragenden Einleitungen. Quellen: [1],[2],[3].
    1.2. Meditation auf oder Anrufungen von Amitabha (Quellen: vgl. Arya amitabha vyuha nama mahayana sutra)
    - ich sehe mich hier nicht qualifiziert genug für eine kleine Erklärung, vielleicht können Sachkundige aus dem Forum weiterhelfen.
    1.3. sich bei Anzeichen des Sterbens in seiner Standardmeditation visualisieren und darin zu sterben
    Tsongkhapa empfiehlt hierzu in [4]: " Alternatively, for those who are not qualified in this way, but who have achieved some meditative stability, then as the moment of death draws near they should engage in their samadhi and make the stream of it strong, meditating in order with the way they practiced during their lifetime.The strength of this will then carry over into the bardo. If during this crucial experience that positive mind can be recollected, it will have beneficial impact on the process of dying and the bardo."

    2. tatsächliche Transformation
    2.1. Einleitung der Transformation zu Lebzeiten, aber erst, wenn die Zeichen des nahen Todes untrüglich wahrgenommen werden:
    Lobsang Dargay nennt in [2] drei Varianten einer Transformation mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad für Praktikanten unterschiedlicher Leistungsfähigkeit:
    2.1.1. Übertragung mit Hilfe von Amitabha:
    "Das eigene Bewußtsein kann jedoch auch durch die Zuhilfenahme von Amitabha, dem Buddha des unermesslichen Lichtes, bewirkt werden. In dieser Weise ist die Übung auch für Leute geeignet, die noch wenig spirituelle Erfahrung haben." Das ist sicher die Variante, die heute die meisten Westler mit einer Phowa-Initiation verfolgen. Der Däne Nydahl hat sowas jahrlang gelehrt, es gibt aber auch eine Reihe anderer Lehrer, an die man sich halten kann.
    2.1.2. Auflösung von Energien aus dem mittl. Nervenkanal in der absoluten Wirklichkeit:
    "In der zweiten Art wird die Übertragung vorgenommen, indem der Yogi seine Geist-Natur als wesensidentisch mit der Sphäre der absoluten Wirklichkeit erfährt. Dazu meditiert er den mittleren Nervenkanal ... [Auslassung von K-Dorje] ... löst sich in der Sphäre der absoluten Wirklichkeit auf." Ich habe die genaue Anleitung ausgelassen, wer der Überzeugung ist, das sei was für ihn/sie, der mag sich selbst kundig machen und die nötigen Voraussetzungen schaffen. In meinen Augen ist diese Praxis die folgerichtige Stufe für Leute, die eine Phowa-Einweihung mit Zuhilfenahme von Amitabha haben, und nach viel üben dann noch eine Stufe höher greifen wollen. Quellen: [2]
    2.1.3. Identifikation der eigenen Geist-Natur mit der Leerheit:
    "Das Bewußtsein wird übertragen, indem der Yogi seine eigene Geist-Natur als das Wahre Sein, die Leere betrachtet. Diese Übung setzt hohes spirituelles Training voraus und ist daher nur erfahrenen Yogis vorbehalten.". Ich denke, hierher gehören Dzogchen, Mahamudra oder die kollektive Verwirklichung von mehreren der 6 Yogas von Naropa.

    Weiterhin würde ich hier die beiden kleineren Stufen des Rainbowbody einordnen. Eine Einteilung in 3 Stufen verschiedener Rainbowbodies wird hier vorgenommen [5]: https://soonyata.home.xs4all.nl/sorubasamadhi.htm
    2.1.4. kleiner Regenbogenkörper (normal Rainbow body):
    Der Autor beschreibt dies als "The most common level is the normal Rainbow body that occurs only after body death. Every 10 years or so a Buddhist from Tibet enters into this state. There are no physical signs indicating the start of the process before death and once physical death occurs it takes on average 7 days for the body to shrink and dissolve into light and most of the time a small child size body remains behind and in more advanced yogi's only hair and nails."
    2.1.5. mittlerer Regenbogenkörper (Rainbow body of light):
    Hier sehe ich Fälle wie Yeshe Tsogyal eingeordnet. Vgl. hierzu Keith Dowman: "Sky Dancer"[6]. Der Autor von [5] beschreibt dies mit "in this level all the signs are showing up while the yogi is still alive. The process of dissolving into light might go really fast but in most cases it takes month to years to complete, all while remaining fully functional. It is also possible that the yogi who is in the middle of this process slows it down or is unable to continue the process and dies before the completion of the Rainbow body. This has been the case with most of the famous siddhars. If the process is continued the body will start to shrink and shine real light over time until it reaches the size of a baby and then as a flash of bright rainbow light will disappear into emptiness forever."

    2.2. Transformation mitten im Leben eingeleitet und abgeschlossen:
    2.2.1. die vollständige Verwirklichung des Regenbogenkörpers (Rainbow body of great transference). In [5] wird der Rainbow body of great transference wie folgt definiert: "The most advanced and extremely rare level is the attainment of the Rainbow body of great transference. In this level the yogi not only dissolves the body completely into light but remains functional and visible as light." Als Beispiel fällt mir eigentlich nur Padmasambhava ein. Frage an die Milarepa-'Nachfolger': In dem Film 'Milarepa' taucht der Held nach der Transformation noch mal auf. Würde man das hier einordnen können?
    2.2.2. 'forceful projection' ist eine exotische Methode, die offiziell nicht länger praktiziert wird. Anforderungsniveau wohl ähnlich Rainbow body of great transference und Transformation im Bardo of death. Für Hintergründe, Gefahren und Nebenwirkungen: 6 Yogas von Naropa.

    2.3. Transformation im Bardo of Death
    Der Zusatz zu 'of Death' macht Sinn, wenn man mit Tsongkhapa das ganze menschl. Dasein als Folge von Zwischenzuständen betrachtet: Bardo of being awake, bardo of sleep, bardo of death.
    Tsongkhapa weist in [4] darauf hin, dass hier nicht die verschiedenen Clear Light Praktiken aus 2.1. gemeint seien. Vielmehr geht es im Sinne des Bodhisattva-Ideals darum, zum Wohle aller Wesen in geeigneter Form wiederzukommen. Im Kern zielt er hier darauf, wie man aus dem Illusory Body of Death gezielt einen Sambhogakaya und aus diesem einen Nirmanakaya macht.
    Anspruchsniveau : extrem hoch.
    Ob für 2.3. weitere Unterteilungen sinnvoll sind, darüber kann man streiten. Für weitere Unterteilungen spricht, dass auch Tsongkhapa weiter unterteilt. Dagegen spricht, dass er auf ein extrem hohes Anspruchsniveau zielt, was für die Allermeisten hier im Forum weit jenseits unserer Fähigkeiten liegt.

    Quellen und Literatur:
    Bardo Thödol. Es gibt mehrere von Lehrern empfohlene Ausgaben.
    [1] Nydahl empfahl Evans-Wentz: Das Tibetanische Totenbuch oder die Nachtod-Erfahrungen auf der Bardostufe.
    [2]"Das tibetische Buch der Toten", Eva Dargay und Geshe Lobsang Dargay. Einleitung von Lama Anagarika Govinda, 1977 Scherz-Verlag für Barth Verlag
    [3] Und natürlich gibt es auch noch die Variante von Sogyal Rinpoche: Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben
    [4] Tsongkapa: A book of three aspirations, engl. in Glenn H. Mullin "The Six Yogas of Naropa Tsongkhapa's commentary entitelt A Book of Three inspirations...
    [5]: https://soonyata.home.xs4all.nl/sorubasamadhi.htm
    [6]: Dowman, Keith: Sky Dancer: The Secret Life and Songs of Lady Yeshe Tsogyel, Snow Lion Verlag

  • Kann man das Sterben in der Meditation üben?

    • K-Dorje
    • 25. Dezember 2016 um 09:35

    mkha schrieb:

    Zitat

    Ich bin neugierig, in welchem Kontext Lama Anagarika diese Aussagen machte. Sei bitte so nett, Deine Ausführungen etwas genauer zu belegen, ich suchte, fand aber in seinen Schriften nichts dergleichen.


    Der Kontext bei Govinda war meist, dass er dem westlichen Leser die Methodik des Vajrayana verständlich machen wollte. Dazu nahm er oft eine historisch überlieferte Praxis und erläuterte an ihr die Punkte, die ihm exemplarisch erschienen. Später hat er auch eigene Übungen entwickelt, aber meine Ausführungen oben bezogen sich auf Eva Dargay und Geshe Lobsang: Das Tibetische Buch der Toten, Scherz Verlag 1977. Govinda schrieb damals die Einleitung. "Ist man nämlich in dieser Meditation weit fortgeschritten, könnte es geschehen, daß man unversehens stirbt, wenn das Hri - nämlich der eigene Geist - nicht wieder in den Körper zurückkehrt."
    Die Wichtigkeit der Reihenfolge und der Rückwärts-Schritte erläutert er in seinen "Foundations of Tibetan Mysticism ". Ich habe nur ein altes Buch von Motilal aus Indien, aber das gibt es auch in Europa. Mit etwas Sachkenntnis erkennt man Govindas Beispiel dort unschwer als eines der 6 Yogas von Naropa.

  • Kann man das Sterben in der Meditation üben?

    • K-Dorje
    • 22. Dezember 2016 um 17:09

    Die Rekonstruktion des 'Unfallherganges' gestaltet sich hier schwierig, weil die Betreffenden ja nicht mehr Auskunft geben können;-)
    Generell wird bei nichttrivialen Tantraübungen aber auf zwei Dinge Wert gelegt:
    1. Der Schüler muss wirklich in der Lage sein, seine Meditation über mehrere Minuten stabil zu halten und nicht mittendrin den Geist auf was anderes wandern zu lassen oder womöglich einfach aufzuhören.
    2. Viele dieser Übungen werden schrittweise erarbeitet und jeder Schritt muß dann auch wieder rückwärts gegangen werden. Nach dem Motto Mach A -> Halte dich dort stabil -> Mach Minus-A.
    Wenn das dann klappt, kommt der nächste Schritt:
    Mach A -> Mach B -> Halte dich dort stabil -> Mach-B -> Mach -A
    Und das steigert sich dann auf komplexe Prozeduren i.S.v.
    ABCDEFGH->Stabil-> -H-G-F-E-D-C-B-A
    Bei einem Automechanikerlehrling, der lernt, einen Motor auseinander- und wieder zusammenzubauen, ist es ja ähnlich:
    Motorhaube auf, Öl raus, Ölfilter ab ....... Ölfilter wieder dran, Öl rein, Motorhaube zu.
    Govinda wies darauf hin, dass insbesondere die Rückkehrphase mit der gleichen Sorgfalt zu absolvieren ist, wie die Hinphase. Und hier können die genannten 2 Punkte schief gehen. Wer zwischendrin rumdödelt oder einfach aufhört oder beim Wiederzusammenbauen was falsch macht, der braucht sich nicht wundern, wenn der Motor nicht mehr anspringt.
    Und hier ist eben der Lehrer wichtig, der den Schüler Schritt für Schritt an die Sache ranführt.

  • Kann man das Sterben in der Meditation üben?

    • K-Dorje
    • 21. Dezember 2016 um 21:09

    Sobald es um Tantra geht, braucht man eine Einweihung. Und damit diese ihre Wirkung entfalten kann, braucht es auch eine zumindest bezüglich dieses Tantras funktionierende Lehrer Schüler Beziehung. In einem seiner vielen Bücher hatte der gute Lama Anagarika Govinda schon vor 30 Jahren darauf hingewiesen, dass es ohne sachkundige Anleitung beim Trainieren von Phowa zu Fällen kommen kann, wo Schüler 'wegbleiben' (also beim Üben vorzeitig versterben). Wenn es darum geht, bestimmte Energien so umzuleiten, wie das beim Sterben passiert, dann probiert man nicht alleine rum, sondern möchte dringend einen Lehrer vor sich haben, der weiß, wovon er spricht.
    Und das ist ja nicht ungewöhlich. Wer Fallschirmspringen lernen will, der springt auch nicht auf eigene Faust irgendwo raus, sondern bittet besser jemanden, ihm die Sache zu erklären, mit ihm zu üben und notfalls korrigierend einzugreifen.

  • Das Bewusstsein aus der Sicht des Tantra

    • K-Dorje
    • 14. Dezember 2016 um 19:41

    Solche Fälle wie die Entwicklung von alamerrot hier im Forum finde ich immer ganz interessant, weil ich an ihnen ein tieferes Verständnis von Leiden lernen kann. Man kann den guten Willen von alamerrot zur Diskussion förmlich spüren, man sieht aber auch, wie die Sache dann schief geht. An solchen Beispielen wird mir klar, wie wir Menschen dazu tendieren, unser eigenes, mühevoll konsistent gemachtes Weltbild nach aussen zu projizieren. Und je mehr wir in unsere Auffassung 'investiert' haben (auch ein Begriff von Castaneda), desto mehr leiden wir darunter, dass Andere die Zusammenhänge nicht so sehen. Wird dann noch Kritik geäußert, interpretiert das Ego dies leicht als Verkennen der eigenen Leistung und reagiert entsprechend unheilsam.

  • Das Bewusstsein aus der Sicht des Tantra

    • K-Dorje
    • 11. Dezember 2016 um 17:05
    Zitat

    kilaya hat geschrieben:
    "... könnte man vielleicht sagen, dass die Erfahrung des Klaren Lichts als Grundlage aller Phänomene sozusagen diese Phänomene "erleuchtet" - während wenn diese Erfahrung fehlt, die veränderlichen Phänomene als Samsara erlebt werden. "


    Bei tieferem Durchdenken komme ich immer mehr zu der Auffassung, dass dies eine der brilliantesten Aussagen ist, die im Forum je gemacht wurden. Legt man noch ein Zitat aus dem Usprungstext hinzu "Das subtilste Bewusstsein existiert zu jeder Zeit und wird niemals unterbrochen", dann ist Kilayas Satz sogar unabhängig davon, ob der Erwachte nach dem Tod ist oder nicht, oder beides oder keins von beiden oder sonstwas. Denn davon wäre nur der einzelne Erwachte betroffen, nicht jedoch die "Erleuchtung der Phänomene" durch die Erfahrung des klaren Lichtes. So eine Formulierung hat schon fast Heideggersches Niveau ('Lichtung des Seins') und hintergeht die folgenschwere Unterscheidung von Subjekt und Objekt. KLASSE!

  • Buddhismus ohne Wiedergeburt?

    • K-Dorje
    • 9. Dezember 2016 um 19:19
    Zitat

    Spacy hat geschrieben:
    Gemeinsamkeiten kann man nicht erarbeiten! Gemeinsamkeiten passieren. Nicht weniger, nicht mehr...


    Wenn das so wäre, dann würden auch die Gemeinsamkeiten zwischen Buddha und mir irgendwann passieren (oder vielleicht auch nicht) und ich brauchte mich gar nicht
    um buddhistische Praxis zu bemühen. Es würde reichen einfach zu warten. Andererseits fordert mich die buddh. Lehre aber auf, dieses kostbare Menschenleben nicht verstreichen zu lassen, sondern es zu nutzen. Also liegt da doch irgenwo Entscheidung und Arbeit dahinter.

  • Das Bewusstsein aus der Sicht des Tantra

    • K-Dorje
    • 9. Dezember 2016 um 19:08
    Zitat

    Hedin02 hat geschrieben:
    'Was passiert wenn ein Erleuchteter stirbt, kann aus diesen „klaren Licht“ eine Wiedergeburt entstehen? '


    Interessante Frage. Wenn die Antwort 'Nein' wäre, dann würde das bedeuten, dass zukünftige Buddhas nur aus dem verblendeten Teil kommen könnten. Also normale Menschen werden zu Buddhisten und nach langer Praxis dann zu Buddhas, um schließlich endgültig zu 'verlöschen'. Würde es dann irgendwann keine Buddhas mehr geben, weil die gesamte Verblendung 'aufgebraucht' ist?

  • Das Bewusstsein aus der Sicht des Tantra

    • K-Dorje
    • 7. Dezember 2016 um 21:11

    Es kommt halt auch darauf an, welche Anforderungen man an solche Texte stellt. Sucht man nach Orientierung und Halt für seine buddhistische Praxis, dann ist der Text tatsächlich 'sehr schön'. Wenn man allerdings tiefer diskutieren will, ob ein Bewußtsein ohne Objekt möglich ist, dann müsste man genauer darauf eingehen, welche Bedeutung diese Begriffe hier haben sollen. Zunächst wäre eine Suche danach im vorliegenden Text durchzuführen, falls sich dort nix Einschlägiges findet, dann würde man im weiteren buddhistischen Kontext suchen und falls auch das nicht hinreichend ist, sucht man im normalen Sprachgebrauch. Und an dieser Stelle muss man einfach sagen, dass der vorliegende Text bzgl. eindeutiger Definitionen und lückenloser Abfolgen von Schlüssen in einem heutigen linguistischen, sprachlogischen oder philosophischen Seminar an einer Uni nicht gut abschneiden würde.

    Einige Beispiele:

    'Bewusstsein ist aus buddhistischer Sicht in seinem Wesen klar und erkennend. Aus diesem Grund kann auch seine Grundlage nicht materieller Art sein;'
    -hier ist schlicht zu sagen, dass aus dem ersten Satz logisch keineswegs der zweite folgt. Zwar folgt in hinteren Textteil noch mal eine Argumentation, aber auch diese hat schwere Lücken.

    'Wir erkennen, dass das Bewusstsein des Klaren Lichts kontinuierlich existiert'
    -der Schluss, der Leser würde auf Basis der vorausgegangenen Sätze Kontinuität erkennen ist nicht gerechtfertigt. Vielmehr hat Dharmakirti die Kontinuität am Anfang der Argumentation selber gesetzt = Zirkelschluss = unzulässig.

    'Ein Moment des Klaren Lichts folgt auf den nächsten Moment usw. ohne Unterbrechung.'
    -hier scheint die Momenten-Auffassung des Zenon von Elea durch, bekannt mit dem Paradoxon von Achilles und der Schildkröte. Man kann so ansetzen, aber man muss höllisch aufpassen mit den Schlußfolgerungen. Jeder Gynasiast lernt heute mit lim n gegen unendlich, wo der Trugschluss des Zenon lag.

    Etwas anspruchsvoller:
    '...ob das Bewusstsein des Klaren Lichts inhärent, von seinem eigenen Wesen her existiert.'
    -hier gibt es das Problem, dass der Prädikator '... existiert' nicht zur Zufriedenheit der überwiegenden Anzahl von heutigen Philosophen mit Bedeutung hinterlegt werden kann - dies ist unter anderem die Ursache für das Verschwinden der 'Ontologie', also der Wissenschaft vom 'Seienden'.

    Bitte versteht mich nicht so, dass ich den Text vom DL schlecht reden möchte. Keineswegs. Auch die Texte von Aristoteles und Platon sind brilliant. Doch muss man die historische Herkunft im Auge behalten und anerkennen, dass sie nur begrenzt taugen als Grundlage für heutige tiefere philosophische Detailfragen. Dafür waren sie wohl auch nie gedacht, sondern eher als praktische Orientierung des Denkens, als Hilfe für den Praktizierenden.

  • Vom Sinn des sinnlosen Geschwätzes

    • K-Dorje
    • 6. Dezember 2016 um 20:35

    Wenn jemand den Bodhisattvaweg beschreitet, könnte ich mir durchaus Situationen vorstellen, in denen sinnloses Geschwätz heilsam sein kann. Zum Beispiel um explosive Situationen zu entschärfen. Auf Arbeit gibt es manchmal diese Leute, die in aufgeladenen Situationen irgendwelches Zeug erzählen (ev. auch unwahre Sachen) und anschließend lachen alle. Geschieht dieses bewußt, dann könnte man es als upaya, also geschicktes Mittel, einstufen. Ich denke, das Kriterium wäre hier die Motivation, also ob der Schwätzende helfen will, oder ob er sich gehen lässt und sein Ego aufbläst.

Ausgabe №. 137: „Sorgen entsorgen?"

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