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  1. Buddhaland Forum
  2. Tai

Beiträge von Tai

  • Der Weg zum Buddhismus

    • Tai
    • 28. Dezember 2020 um 19:43

    Hallo Shankara (und alle anderen),

    was mich schon als Kind fast wahnsinnig gemacht hat, war die Angst vor der eigenen Vergänglichkeit, der unausweichlichen Sterblichkeit und Auslöschung. Mein im engeren Sinne atheistisches und im weiteren Sinne auch evangelisch-christliches Umfeld schien da wenig Antworten zu haben. Am Buddhismus haben mich als Teenager vorerst besonders zwei Dinge fasziniert: Dass der Buddha (und z.B. viele tibetische Lamas und Tulkus) sich angeblich ihrer früheren Leben bewusst geworden waren, sie also 'ihre' Vergänglichkeit in gewissem Sinne transzendiert zu haben schienen. Und zweitens das Buch Die große Befreiung von D.T. Suzuki, das ich mit 16 zu lesen versuchte.

    Ich war damals vielleicht sogar noch überheblicher als heute und war fasziniert davon, den Inhalt dieses Buches einfach nicht verstehen zu können. Nach ein paar Jahren versuchte ich es noch einmal. Beim dritten Versuch begann ich dann aus eigenen Stücken mit Koans zu praktizieren. Als ich wieder Jahre später einen koreanischen Zen-Meister traf, der Koanschulung anbot, hatte ich das Gefühl, nach Hause gekommen zu sein. Ich blieb dort 9 Jahre, nahm an etwa 20 längeren sowie rund 90 Wochenend-Retreats teil und wurde zum Übersetzer meines Lehrers. Die Koan-Praxis ist auch heute mein Zuhause.

    Shankara:

    Last but not least: Habt ihr das Gefunden, was ihr im Buddhismus gesucht habt? Oder seid ihr noch am suchen? Was hat sich in eurem Leben verändert und habt ihr das erreicht, was ihr ursprünglich erreichen wolltet?

    Ich kann nicht behaupten, dass ich mein ursprüngliches Problem gelöst hätte. Gefunden habe ich nichts, das nicht ohnehin schon immer genau jetzt da war. Ich bin definitiv noch am suchen, sehe aber vielleicht die Richtung heute klarer. Nach meinem Verständnis ist Koan-Praxis genau diese Suche, die sich im jeweils jetzigen Gewahrsein auf den Suchenden selbst (und darin zugleich auf alles) richtet.

    _()_

    Tai

  • Reichtum

    • Tai
    • 26. September 2020 um 18:49
    Deepa:

    Nehmen wir an:

    Person x überlegt sich: Ich möchte ein Auto kaufen, dessen Karosserie eher einen Auffahrunfall aushält, ohne dass d. Insassen körperlich Schaden nehmen.

    Er vergleicht diverse Marken und kauft sich dann den Mercedes.

    Deines Erachtens bereits Anhaftung?

    Oder in dem Moment, in dem Freude darüber aufkommt, dass er es gekauft hat?

    Keine Ahnung. :)

    Sich jetzt auf ein solches Gedankenspiel einzulassen und (wie ich gerade) darauf zu antworten, ist wahrscheinlich Anhaftung. (:

  • Reichtum

    • Tai
    • 26. September 2020 um 14:22

    Der entscheidende Schlüssel zum Verständnis der Zen-Haltung ist, dass für sie immer nur der genaue jetzige Augenblick von Bedeutung ist.

    Rudolf:

    Meinst du damit, dass wir ständig, unzählige Male am Tag bei jedem neuen Erlebnis einen kurzen Augenblick die reine Soheit erleben ohne die geringste Einordnung oder Bewertung dieses Erlebnisses?

    Das würde man daher im Zen so nicht unbedingt sagen, obwohl du es gut beschrieben hast. Im genau jetzigen Moment ist die Idee ständiger, kurzer Soheits-Erlebnisse lediglich ein Festhalten an Vorstellungen, die den Ausblick auf das Genau-Jetzt verstellen. Wir können uns das natürlich trotzdem jetzt so vorstellen und uns darüber austauschen. Aber mit dem Erwachen in der Soheit hat das dann erstmal nichts zu tun. Die Zen-Lehre, wie ich sie verstehe, ist im Grunde nichts anderes als ein Hinweisen auf diesen Zustand des Erwachens und die Aufforderung, ihn genau jetzt unmittelbar zu ergreifen bzw. zuzulassen.

    Rudolf:

    Und wenn ja, bekommen wir das bewusst mit? Oder nur manchmal? Oder wenn nicht, welchen Wert hat dies dann?

    Was Soheit genannt wird, ist gemäß der Zen-Lehre genau jetzt unmittelbar gegeben und "erlebbar", aber dazu bedarf es extremer Hingabe, allen Mutes und konsequentester Selbstdisziplin, sonst fällt man sofort aus dem Zustand wieder heraus (genau wegen unseres von Buddha so treffend beschriebenen Hanges zum Ergreifen und Abstoßen). Vor allem muss diese Form der Praxis letztlich eine nonverbale sein, eine Praxis jenseits bzw. diesseits von Vorstellungen. Im Zen gibt es dafür auf den Begriff des "Augenblicks vor dem Denken", wobei mit "Denken" u.a. vor allem die Einordnung und Bewertung von Geschehen gemeint ist.

    Deepa:
    Zitat

    Ein unmittelbares Erlebnis ist selbst noch nicht die Anhaftung an (oder Ablehnung) dieses Erlebnis. Es bedarf erst einer Haltung zu diesem Elebnis; und bevor wir eine Haltung zu einem Erlebnis einnehmen, müssen wir das Geschehene erst in welcher auch noch so vagen Form auch immer emotional begreifen und für uns einordnen.

    (Hervorhebung von mir)

    Würdest Du das bitte mal anhand eines Beispiels verdeutlichen? Ich habe hier ein Video eingestellt, da ging es um den Dalai Lama und um den Besitz eines Mercedes und eines günstigen Autos.

    Dort hieß es, dass man ruhig einen Mercedes besitzen dürfe (dürfe i.S.v.: Das allein ist noch keine Anhaftung) - dass es um die innere Haltung gehe, die man zu dem Auto (was auch immer) habe - unabhängig davon, was es gekostet habe.

    Ist es im Zen (wie Du es verstanden hast) bereits Anhaftung, einen Mercedes zu kaufen - z.B. weil er als sicherer eingestuft wird, als ein (sagen wir mal) Smart?

    In der Soheit ist man laut Zen-Lehre keineswegs unfähig, alles zu tun, was intuitiv gerade notwendig erscheint. Da kann man ohne weiteres auch einen Mercedes besitzen und mit ihm z.B. zur Arbeit fahren. Sobald du aber denkst, "ich habe einen Mercedes oder Smart" und dich auf das dazugehörige Spiel der mit Vorlieben und Abneigungen einhergehenden Assoziationen einlässt, verlierst du dich im Kreislauf von Gier, Ablehnung und Verblendung. Verblendung setzt übrigens schon da an, dass die Vorstellung 'Mercedes' dem Ding an sich keineswegs gerecht werden kann und sich quasi als 'Verblendung' vor das unmittelbar Gegebene schiebt (bisschen sperrig ausgedrückt - sorry dafür).

  • Reichtum

    • Tai
    • 26. September 2020 um 12:53

    Eine interessante Diskussion um das Thema "Freude und Anhaftung" durfte ich hier verfolgen.

    Meine (zen-basierte) Sicht:

    Rudolf: Ein unmittelbares Erlebnis ist selbst noch nicht die Anhaftung an (oder Ablehnung) dieses Erlebnis. Es bedarf erst einer Haltung zu diesem Elebnis; und bevor wir eine Haltung zu einem Erlebnis einnehmen, müssen wir das Geschehene erst in welcher auch noch so vagen Form auch immer emotional begreifen und für uns einordnen.

    @Thorsten: Eine solche Einordnung von Geschehenem geschieht bei uns Menschen (und sicher auch bei Tieren) reflexhaft und vermutlich meist im Bruchteil von Sekunden; die entsprechende Bewertung und damit einhergehende Haltung zu dem Erlebnis ist i.d.R. ebenso reflexhaft quasi mitgegeben (ob wir das immer wahrhaben wollen oder nicht). Ich glaube, genau an dieser Stelle setzt die ursprüngliche Lehre des Buddha an, die darauf hinweist, dass unser reflexhaftes Annehmen und Ablehnen zwangsläufig Leid erzeugt und dem Erwachen im Wege steht. Dieses Verhängnis lässt sich meiner Auffassung nach auch nicht umgehen, indem wir unsere ursprüngliche Anhaftung oder Ablehnung nachträglich zu relativieren versuchen; das macht es lediglich noch komplizierter.

    Mit anderen Worten: Ich glaube an das, was Thorsten "Freude ohne Anhaftung" nennt, aber in dem Moment, wo wir es begreifen, einordnen und als "Freude" bezeichnen, ist zwangsläufig bereits Anhaftung oder Ablehnung involviert (das stimme ich Rudolf zu). Im Zen wird dafür gerne der Begriff der Soheit verwendet. In der Soheit ist das Erlebnis einfach so, weder gut noch schlecht, ohne Form und nicht zu begreifen. Sobald du es aber als etwas verstehst, sobald du es "Soheit" nennst oder "das Unbedingte" oder "Freude" oder "Gleichmut" oder "Nirwana", bist du bereits aus der Soheit gefallen. Denn das sind lediglich Begriffe und bedingte Vorstellungen, die ebenfalls reflexhaft mit Bewertungen und samsarischen Verstrickungen einhergehen.

    Mein Fazit: Anhaftung und Ablehnung willentlich vermeiden zu wollen, ist ein ehrenwerter Vorsatz, führt aber zwangsläufig zu anderen Formen von Anhaftung und Ablehnung. Ein Leben in der Soheit, ein Leben im Nirwana ist der Weg des Buddha. Wenn du es aber als Soheit, als Nirwana oder als irgendetwas verstehst, ist es bereits keine Soheit und kein Nirwana mehr.

    _()_

  • Reichtum

    • Tai
    • 21. September 2020 um 09:37
    Martin1980:

    Dürfen wir nicht mehr antworten?

    Dürfen wir uns nicht mehr einbringen, eine Meinung dazu haben?

    Das forum wird dann halt ziemlich still.

    Ich weiß schon nicht mehr, wo ich was schreiben soll und darf.

    Vielleicht kann derjenige der ein neues Thema aufmacht, dazuschreiben ob er antworten haben möchte oder nicht, dann trete ich weniger oft in ein Fettnäpfchen.

    Natürlich darfst du das. Monika schrieb ja sogar: "Auch wenn ihr Recht habt." - was ihr ja tatsächlich auch habt. Aber darf sie sich nicht auch mit einer etwas anderen Sichtweise einbringen und eine Meinung dazu haben? Genau das macht einen ehrlichen und lebendigen Dialog doch aus.

  • Reichtum

    • Tai
    • 21. September 2020 um 09:31
    Martin1980:
    Thorsten Hallscheidt:

    Wer könnte reicher sein?

    Reicher ist der, der die buddhistische Lehre kennt und versteht.

    Ich lese Thorstens Wertschätzungen eher als eine Art Spiegelbild des Loslassens all der anderen vielen Anhaftungen,von denen wir uns sonst so zielstrebig abhängig machen und somit bereits als Ausdruck der buddhistischen Lehre. Eine Haltung, wie Thorsten sie beschreibt, kann eine gute Voraussetzung zum Innehalten und zur Praxis des gegenstandslosen Gewahrseins sein. Könnten wir diese Haltung klar und konsequent verwirklichen, so stünden wir damit der (zumindest zen-)buddhistischen Lehre näher als durch das Lesen noch so vieler weiser Texte, die lediglich unseren Intellekt erreichen.

  • Loslassen - sich einfach vom Lauf des Lebens tragen lassen

    • Tai
    • 29. August 2020 um 09:17
    Punk:

    Ich sehe wie wir Menschen Dinge und Abläufe immerzu in einer gewissen Weise verändern wollen. Wir wollen die Welt in allen Ebenen; materiell, spirituell, ideell, sozial usw. in unserem Sinne umgestalten.

    Stimmt. Und nicht zu vergessen: Das Eingreifen von Augenblick zu Augenblick durch Denken, das ich mal 'die Mutter aller Umgestaltungsversuche' nennen möchte.

    Interessant ist, dass Zen für die Kunst des Loslassens völlige Kontrolle des Geistes einfordert und das dann als 'Große Freiheit' bezeichnet. Ich verstehe das so: Unser zwanghaftes Eingreifen ist so übermächtig, dass wir es nur unter vollständiger Geisteskontrolle (von Augenblick zu Augenblick) loszulassen imstande sind.

    _()_

  • Austausch von Erfahrungen

    • Tai
    • 22. Juli 2020 um 08:03
    Dawa:

    Hallo Auf dem Wege ,

    mach nicht den Fehler und verwechsle Buddhismus mit Nihilismus, das führt in eine Sackgasse.

    Gerade der Fluß ist doch ein Super Beispiel dafür, dass Phänomene eben nicht dauerhaft und unveränderlich sind. Ich radle jeden Morgen

    über etwas, das als "Regnitz" bezeichnet wird. Trotzdem ist es jedesmal ein anderer Fluß.

    mfg

    Dawa

    Alles anzeigen

    Wie kommst du auf die Idee, Wegsuchend könne Buddhismus mit Nihilismus verwechseln? Oder beziehst du dich auf Silis Beitrag Nr. 32?

  • Gefühle

    • Tai
    • 19. Juli 2020 um 17:48

    OT zum Titel in ():

    Um etwas zu reanimieren, muss es erstmal tot sein. Das Zenforum hingegen ist ein spannender, lebendiger Ort mit großen Ressourcen. Der Umgang dort ist respektvoll; auch im Sinne einer gewissen zentypischen Offenheit und Ehrlichkeit miteinander. Reanimiert werden muss der Zenbereich im Forum sicher nicht.

    Schwer verständlich sind mir in diesem Zusammenhang auch Äußerungen, die das „Schweigen im Zenbereich“ als großes Problem darstellen. Neben anderen Threads hatten wir dort in letzter Zeit auch interessante Diskussionen in den drei „Lesegruppen“, in denen es natürlich keineswegs darum ging, nur zu lesen (wie teilweise behauptet wurde). Dass — nach intensivem Austausch — unser aller unablässiger Gedankenstrom auch mal ein paar tagelang keinen Widerhall im Zenforum findet, passt zu Zen und spricht aus meiner Sicht durchaus auch für diesen Bereich von Buddhaland.

    Vielleicht verstehe ich den Klammerteil im Titel dieses Threads ja auch ganz falsch; doch gerade jetzt, wo dieser Thread nicht einmal mehr im Zenbereich steht, welchen Sinn macht da noch dieser Titel?

  • Lesegruppe: Übersichts-Thread

    • Tai
    • 12. Juli 2020 um 21:04
    Schmu:

    Es gibt einen Text auf der Antaiji-Seite, aus dem ich immer mal wieder gerne diesen oder jenen Abschnitt lese. Es sind Ausschnitte aus An Dich von Sawaki Kōdō Rōshi (https://antaiji.org/de/services/kodo-to-you/).

    Wow

  • Lesegruppe 03.06 - 09.06: Mumonkan Fall 20 - Ein Mann von großer Kraft

    • Tai
    • 3. Juli 2020 um 21:34
    Leuchtende Birke:
    Tai:

    Das "Passt auf" ist keine bloße Redewendung.

    Ich würde nicht zuviel auf das "Passt auf" geben, womöglich steht es gar nicht im chinesischen Text drin... Vorsicht, schamloser Plug für meine Twitter-Seite Zen und China (auch echt ohne Account).

    Danke für den Hinweis und für den Link zur Twitter-Seite.

    Als jemand, der des Chinesischen nicht mächtig ist, kann ich es nicht beurteilen, folge aber gerne deiner Argumentation. An der Bedeutung der Passage ändert sich meiner Auffassung nach dadurch nichts.


    _()_

  • Lesegruppe 17.06 - 30.06: Das Herz Sutra

    • Tai
    • 27. Juni 2020 um 14:57
    Ellviral:

    ‚Leer von Eigensubstanz’ wird im Zen auch so verstandenen, dass es (für dich) nichts geben kann, das unabhängig von dir, also aus eigener Substanz heraus existieren könnte, weil Du selbst auch bei Dir keine Eigensubstanz finden kannst, aber doch bedingt entstanden bist.


    Der Geist, als die Grundlage von allem, ist selbst keiner Bedingung unterworfen und entspricht dem Unbedingten (Widerspruch mit Buddha: Alles ist bedingt entstanden. Kann Huang Po so nicht gesagt oder gemeint haben. Das trifft nur zu wenn er frei ist von den Geistesgiften und von Mein, Ich, ein Selbst ist. Nirwana).

    Meiner Auffassung nach verhedderst du dich da ein wenig in der Vorstellung von Entstehen und Vergehen, aus der du dann alles weitere ableitetest. Durchaus logisch und sinnvoll, solange du über bedingte Erscheinungen/ Phänomene redest. Begriffen wie ‚Leere’, der ‚Eine Geist‘ oder das ‚Unbedingte‘ wirst du mit einer solchen Logik nicht gerecht.

    Huang Po‘s Lehrreden beginnen mit den Worten: „Alle Buddhas und alle Lebewesen sind nichts als der eine Geist, nicht entstanden (ungeboren) und unzerstörbar.“

    (Sorry, ich bekomme es mit dem Handy nicht besser hin: Die blauen Sätze sind von Ellviral, die schwarzen von Tai)

    _()_

    Tai

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  • Lesegruppe 17.06 - 30.06: Das Herz Sutra

    • Tai
    • 27. Juni 2020 um 12:08

    ‚Leer von Eigensubstanz’ wird im Zen auch so verstandenen, dass es (für dich!) nichts geben kann, das unabhängig von dir, also aus eigener Substanz heraus existieren könnte. Selbst, wenn du denkst, ganz unabhängig von mir ist da ja noch diese Welt, so ist das (aus deiner Perspektive) nichts anderes als eine Vorstellung, die in diesem ganz bestimmten Augenblick dein Erleben ausfüllt. Was immer du wahrnimmst — und Denken wird im Buddhismus ja als 6. Wahrnehmungsorgan verstanden — ist Teil dieses Geistes, der du bist. Die fünf Skandas sind leer, bedeutet also zugleich, alles ist der Eine Geist.

    Meister Huang Po beschreibt den Geist, indem er ihn immer wieder mit der Leere oder dem leeren Raum vergleicht. So wie der leere Raum (als Grundlage aller Phänomene) nicht heller oder dunkler werde, wenn Sonnenlicht erscheint oder wieder verschwindet, so bleibe auch der Geist (der du bist und der alles ist) stets unberührt, ungeboren und unzerstörbar.

    In diesem Sinne bekommt auch der Lehre der Bedingtheit aller Erscheinungen einen etwas anderen Rahmen als lediglich den von Ursache und Wirkung oder karmischer Verstrickung - nämlich aus dem Verständnis des Unbedingten. Meister Huang Po drückt es so aus: „Alles unter, über und um dich her ist augenblicklich aus dem Geist geschaffenes Sein.“ Der Geist, als die Grundlage von allem, ist selbst keiner Bedingung unterworfen und entspricht dem Unbedingten. Spezifische Erscheinungen, Gefühle, Wahrnehmung, Wollen und Bewusstsein sind bedingt, weil sie des Geistes bedingen. Sie sind leer, weil sie Geist sind. Die ‚Erfahrung‘ des unbedingten Geistes entspricht der Praxis des Prajñāpāramitā.

    Wichtig: Hiermit wird keinerlei weltanschauliche Aussage darüber gemacht, ob unabhängig von dir eine Welt existiert oder nicht. Es wird lediglich eine Perspektive beschrieben, die die einzige ist, die du haben kannst — nämlich deine. Und für dich gilt: Du kannst nichts denken oder erleben, das nicht zugleich dein Geist ist, also du bist. Die Koanfrage „was ist dies?“ richtet sich folgerichtig also zugleich auf dich und auf auf alle Dinge. (Bin heute unterwegs und kann von hier schlecht korrekt zitieren, kann das aber später nachholen).

    Wem das alles zu kompliziert klingt, kann beim Lesen des Herz-Sutras das Wort „Leere“ bzw. „leer“ gerne mit „Geist“ übersetzen und wird damit dem Sinn des oben Beschriebenen recht nah kommen. Das gilt natürlich auch für die scheinbaren Widersprüche wie ‚Form ist Leere, Leere ist Form‘ usw.

    _()_

    Taxi

  • Lesegruppe 17.06 - 30.06: Das Herz Sutra

    • Tai
    • 25. Juni 2020 um 09:19
    Lucy:

    was steht denn in den anderen Versionen? Wir nutzen eine längere Fassung, die auf Vimalamitra zurück geht. In ihr steht ‚Buddhas der drei Zeiten‘.

    Die von dir xiaojinlong zitierte Version nennt in den Fußnoten die Erklärung für ‚drei Zeiten‘, schreibt aber im Text ‚drei Welten‘ ....


    .... die letzte Version aus dem ausgangsposting spricht auch von Vergangenheit/Gegenwart/Zukunft.


    haben wir jetzt dann hier eine Erläuterung zu den drei Welten, die aber nicht im herzsutra stehen?

    'Buddhas der drei Zeiten' ist korrekt.

  • Lesegruppe 17.06 - 30.06: Das Herz Sutra

    • Tai
    • 21. Juni 2020 um 13:39
    Schmu:

    Ich habe eine Frage:

    Warum werden wir für gewöhnlich der Leere / fehlenden Eigensubstanz der Phänomene nicht gewahr? Was ist dafür verantwortlich, dass wir da eine Substanz "hineinmogeln"?

    Gute Frage.

    Im Grunde ist es die Frage nach unserem von Augenblick zu Augenblick reflexhaft einsetzenden dualistischen Denken, unserem Verstehen von Wirklichkeit. Denn genau dieses Denken ist es ja, das den Phänomenen Eigensubstanz zuordnet und dabei in einem Modus agiert, in welchem sich die 'Landkarte' so weit vor die 'Landschaft' schiebt, dass wir über zunehmend weite Strecken nur noch aus der Karte heraus verstehen/leben. Gelingt es uns, uns wieder auf die ursprüngliche Landschaft einzulassen indem wir diesen Denkzwang in den Griff bekommen, steht auch der Praxis der Prajna Paramita nicht mehr viel im Weg. Aber warum scheint das so schwer für uns zu sein?

    Ein Leben in der Soheit des Augenblicks darf man wohl als beglückend in einem gegenstandslosen Sinn bezeichnen; es ist aber auch per Definition unfassbar intensiv. Als Säuglinge sind wir dieser Art des Erlebens natrugemäß wahrscheinlich näher denn als Durchschnitts-Erwachsene. De facto haben wir im Laufe unseres Älterwerdens allerdings hart daran gearbeitet, unser frühkindliches Ausgeliefertsein durch Verstehbarmachen der Welt unter Kontrolle zu bringen.

    Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ein Loslassen des Denkzwangs all unseren Mut, all unsere Entschlossenheit, all unsere Hingabe und all unsere Beharrlichkeit erfordert. Deswegen heißt es auch, Zazen sei eine Sache von Leben und Tod; es geht um alles.

    _()_

  • Lesegruppe 17.06 - 30.06: Das Herz Sutra

    • Tai
    • 20. Juni 2020 um 20:21
    Horin:

    ... alles ist leer bedeutet, alles ist bedingt.

    Könntest du das ein wenig erläutern?

    Ich hätte im Kontext von Prajna Paramita und 'alle Dharmas sind leer' eher eine Verbindung zum Begriff des 'Unbedingten' (Asamskrita) erwartet; so in dem Sinne, dass in die Prajna Paramita und die Erfahrung der Leerheit aller Dinge aus dem Unbedingten hervorgeht. Etwa wie es im 7. Kapitel des Diamant-Sutras heißt:

    [lz]

    Der Dharma, den der Tathagata gelehrt hat – er kann nicht ergriffen werden, und über ihn kann nicht gesprochen werden; er ist weder ein Dharma noch ein Nicht-Dharma. Warum ist das so? Weil alle Weisen und Heiligen Unterscheidungen auf der Grundlage des unbedingten Dharmas (asamskrta) treffen.

    Quelle: International Zen-Temple in Berlin

    [lz]

  • Lesegruppe 17.06 - 30.06: Das Herz Sutra

    • Tai
    • 20. Juni 2020 um 20:07
    Lucy:
    Tai:

    Das sehe ich ähnlich und biete eine freie Interpretation des ersten Abschnitts unter Verwendung des Begriffs 'Eigensubstanz' an:

    [lz]

    Bodhisattva Avalokiteshvara

    praktiziert das tiefe Prajna­ Para­mita

    als er erfasst, dass die fünf Skandhas alle leer sind

    so abschneidend Leiden und Unheil ...

    [/lz]

    Mit anderen Worten: In der Verwirklichung des Prajna Paramita wird erkannt, dass Körper (Materie), Gefühl, Wahrnehmung, Wollen und Bewusstsein leer sind, was zugleich der Befreiung von allem Leiden entspricht.

    Alles anzeigen

    hallo Tai, ich dachte, es sei die weibliche Form angebracht: die paramita, nicht der paramita - kennst du es anders?

    Alles anzeigen

    Mag sein, dass du recht hast: Ich kenne es in der Neutrum Form das Prajna, aber da es i.d.R. für "Weisheit" steht, müsste es in der Eindeutschung tatsächlich weiblich sein.

  • Lesegruppe 17.06 - 30.06: Das Herz Sutra

    • Tai
    • 20. Juni 2020 um 15:58
    Sudhana:

    Ich denke, bei solch einem extrem komprimierten Text ist es zumindest sinnvoll, Abschnitt für Abschnitt vorzugehen und zu klären, worum es da inhaltlich jeweils geht.

    Das sehe ich ähnlich und biete eine freie Interpretation des ersten Abschnitts unter Verwendung des Begriffs 'Eigensubstanz' an:


    [lz]

    Bodhisattva Avalokiteshvara

    praktiziert das tiefe Prajna­ Para­mita

    als er erfasst, dass die fünf Skandhas alle leer sind

    so abschneidend Leiden und Unheil ...[/lz]

    Mit anderen Worten: In der Verwirklichung des Prajna Paramita wird erkannt, dass Körper (Materie), Gefühl, Wahrnehmung, Wollen und Bewusstsein leer sind, was zugleich der Befreiung von allem Leiden entspricht.

    Wichtig ist es, hier erstmal zu klären, was wir unter Prajna Paramita und Leersein verstehen wollen. Bleiben diese Begriffe vage, bleibt auch die Aussage des ersten Abschnitts vage. Legen wir die Begriffe konkreter aus, findet zwangsläufig auch eine Interpretation der Begriffe statt. (Hier würde mich euer Verständnis der beiden Begrifflichkeiten interessieren).

    Bereits das Wort "Prajna" bezeichnet eine Form von Weisheit, die über herkömmliches 'Wissen' oder 'Bewusstsein' als duale Prozesse hinausweist. Prajna könnte man vielleicht als ganzheitliches, so gegebenes Weisheitserlebnis beschreiben. Unter Prajna Paramita verstehe ich eine Weisheitserfahrung, die Prajna transzendiert, also ohne jeden Begriff von Prajna oder Weisheit ist.

    "leer" wird im buddhistischen Kontext häufig als 'leer von Eigensubstanz' ausgelegt. Ich verstehe dabei Eigensubstanz als etwas, das wir in dem Versuch, die Dinge zu begreifen, diesen Dingen in einem gedanklichen Prozess zuweisen; um das Dasein für uns verstehbar (durchaus auch im Sinne von kontrollierbar) zu machen, abstrahieren wir in Vorstellungen und unterstellen den Dingen und uns selbst dabei Eigensubstanz. Die Erkenntnis, dass alle 5 Skandhas leer sind, dreht diesen Prozess quasi wieder um und führt zurück in einen Zustand ursprünglicher Soheit. Die hier beschriebene Haltung bezeichnet in diesem Sinne keine gedankliche Erkenntnis, sondern ein reales Aufgeben aller Vorstellungen von Eigensubstanz in der Prajna Paramita.

    Die im Herz-Sutra beschriebene Erkenntis der Leerheit aller Skandas ist meiner Auffassung nach daher also nicht die gedankliche Erkenntnis, dass alle 5 Skandhas leer sind. Eine solche gedankliche Erkenntnis tut letzlich nichts anderes als die 5 Skandhas wie etwas zu behandeln, das Eigensubstanz besitzt - wenn auch in verneinender Form.

    _()_

    Tai

  • Austausch von Erfahrungen

    • Tai
    • 19. Juni 2020 um 18:31

    Erst mal herzlich willkommen! (:

  • Lesegruppe 17.06 - 30.06: Das Herz Sutra

    • Tai
    • 17. Juni 2020 um 21:24

    Warum nicht beide dort verlinken?

  • Lesegruppe 17.06 - 30.06: Das Herz Sutra

    • Tai
    • 17. Juni 2020 um 20:24

    @ Sudhana: Könntest du eine gute Online-Version des Herzsutras empfehlen?

  • Lesegruppe: Übersichts-Thread

    • Tai
    • 16. Juni 2020 um 14:22
    Schmu:

    Ein Koan ist im Großen und Ganzen nicht besonders gut geeignet für die Lesegruppe, weil hinsichtlich der Lösung nichts gesagt werden sollte, ganz unabhängig davon, ob sich ihr jemand nähert oder nicht; oder ob jemandem die Lösung bekannt ist, entweder weil er/sie selber damit gearbeitet hat oder die Lösung aus anderen Gründen kennt.

    Also, kurz und gut: Vom öffentlichen Besprechen eines Koans sollte man die Finger lassen. Das kann man so sagen, oder?

    Ja, ich sehe das so. Allerdings:

    1. Was man natürlich machen kann, ist über die Art und Weise zu reden, wie ganz allgemein in der formalen Koanschulung mit Koan praktiziert wird (das ist in der Lesegruppe ja auch geschehen).

    2. In gewissem Sinne reden mitunter auch Zen-Meister zu ihren Schülern über Koans ohne allerdings die Antworten zu verraten; teils vertraulich, teils aber auch in ihren Dharmareden, was damit wieder einen öffentlicheren Charakter erhält. Auch Mumons Verse und Kommentare gehören zu dieser Art von Belehrung. Hier geht es u.a. darum, sicherzustellen, dass Schüler, die sich mit großem Aufwand der Koanpraxis widmen, zumindest grob in die 'richtige' Richtung 'schauen'.

    3. Es gibt auch die Tradition, dass sich fortgeschrittene Schüler über ihr Verständnis des Dharma bzw. bestimmter Koan in einer Weise austauschen, die der Art von Hinweisen der Zen-Meister sehr ähnlich sind. Solche Hinweise von Meistern oder fortgeschrittenen Schülern sind für Anfänger i.d.R. nicht weniger unverständlich als die Koans selbst. Erstaunlich häufig kommt es heutzutage vor, dass hochintelligente, sprachlich begabte Menschen diese Art des Zen-Sprechs imitieren. Gerade Koans sind ein gutes Mittel, hier die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn obwohl es sich für Anfänger nach authentischen Zen-Sprüchen anhören mag, wird jemand, der/die ein Koan durchdrungen hat, sofort erkennen, wenn jemand anderes darüber Unsinn redet. (Der Begriff "dharma combat" oder "Issatsu" kann darüber hinaus auch für einen intensiven Austausch zwischen Lehrer und Schüler oder für einen solchen unter Zen-Meistern stehen.)

    4. Koans sind kein Exklusivrecht der traditionellen Koanschulung. Es steht jedem frei, über sie zu assoziieren oder zu fantasieren oder sie einfach lyrisch aufzufassen oder sie wie auch immer intuitiv auf sich wirken zu lassen.

    Die in Punkt 4 beschriebene Haltung ist völlig legitim; meiner persönlichen Auffassung nach wird man aber, wenn man dabei stehen bleibt, den Koans nicht gerecht. Die in Punkt 1 bis 3 beschriebenen Handlungen machen aus meiner Sicht langfristig nur Sinn, wo ein genuines Interesse an tatsächlicher Koanpraxis vorhanden ist.

    _()_

    Tai

  • Lesegruppe 03.06 - 09.06: Mumonkan Fall 20 - Ein Mann von großer Kraft

    • Tai
    • 14. Juni 2020 um 12:03
    Ellviral:
    Tai:
    Ellviral:

    Ist eine Anekdote oder ein Koan wirklich?

    Bist du wirklich?

    Aber sicher!!!!

    Im selben Maße ist es dann auch das Koan, das du dir vergegenwärtigst, denn das bist ja immer noch du.

  • Lesegruppe 03.06 - 09.06: Mumonkan Fall 20 - Ein Mann von großer Kraft

    • Tai
    • 14. Juni 2020 um 12:02

    @ Schmu: Ja, gut beschrieben.

    Vergiss aber nicht, dass das Nichtverstehen des Koans ein wunderbarer Einstieg in gegenstandsloses Gewahrsein ist. Und gegenstandsloses Gewahrsein führt in ein Erleben der Soheit dessen, was da genau jetzt erlebt. So unterschiedlich die Aspekte des Erwachens sind, auf die das jeweilige Koan ein Schlaglicht wirft, die Koans weisen doch alle in diese eine Richtung - da hat Horin sicher nicht unrecht.

  • Lesegruppe 03.06 - 09.06: Mumonkan Fall 20 - Ein Mann von großer Kraft

    • Tai
    • 14. Juni 2020 um 11:08
    Ellviral:

    Ist eine Anekdote oder ein Koan wirklich?

    Bist du wirklich?

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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