Ich würde mich freuen wenn du noch genauer darauf eingehen würdest!
Der Zen-Weg geht ja davon aus, dass wir in dem Augenblick zu unserer wahren Natur erwachen (Erleuchtung verwirklichen) in dem wir unsere permenente Anhaftung an unser begriffliches Denken mit den dazugehörigen Vorlieben und Abneigungen (Gier, Wut, Verblendung etc.) aufgeben bzw. loslassen.
Im Shikantaza wird dieser Weg durch Nur-Sitzen bzw. unmittelbares Loslassen gegangen; im Koan-Zen über das sich Einlassen auf die Koan-Frage. Selbstverständlich ist auch die Koan-Frage eine Form/Methode des Loslassens.
Von Augenblick zu Augenblick alles einfach loszulassen, ist für uns sehr schwer bis fast unmöglich. Reflexhaft greifen wir (gedanklich) doch immer wieder zu; auch wenn wir es nicht wollen. Und selbst die Absicht, alles loszulassen, ist in sich selbst erst mal auch wieder nur eine gedankliche Vorstellung. Hier setzt die Methode der Koan-Praxis an:
Bei der Arbeit mit der Koan-Frage geht es nicht darum, eine gedankliche oder assoziativ gefühlte Antwort zu finden. Es geht darum, die Frage im Geist als Frage bestehen zu lassen - von Augenblick zu Augenblick. An einer im Geist als Frage wachgehaltenen Frage, die nicht auf den Zug irgendeiner Antwort aufspringt, beißt sich der denkende Geist die Zähne aus. Eine angemessene "Antwort" auf die Koan-Frage kann immer nur die lebendige Soheit genau jetzt sein. An unseren Antworten im Dokuzan erkennt ein/e fähige MeisterIn, wie weit wir hierin gekommen sind und gibt uns gegebenenfalls Anstöße zur weiteren Praxis.
Für diese Art der Praxis muss allerdings zuerst vor allem eine geeignete Frage gefunden werden. Nicht irgendeine beliebige Frage, sondern eine Frage, die sich auf dasjenige richtet, das fragt. Das gilt für das Koan "Was ist dies?" und auch für das Koan "Mu". Und ehrlich gesagt gilt es auch für die vielen anderen Koans, die unsere Lehrer uns im Dokuzan geben mögen - auch wenn das auf den ersten Blick vielleicht nicht immer für jede/n so leicht erkennbar ist.