1. Übersicht
  2. Forum
  3. Lexikon
    1. Letzte Änderungen
  • Anmelden
  • Registrieren
  • Suche
Alles
  • Alles
  • Seiten
  • Forum
  • Lexikon
  • Termine
  • Erweiterte Suche
  1. Buddhaland Forum
  2. Tai

Beiträge von Tai

  • Festgefahren in der Praxis – wie geht es weiter?

    • Tai
    • 10. August 2025 um 10:35
    LastTrainHome:

    Ich würde mich freuen wenn du noch genauer darauf eingehen würdest!

    Der Zen-Weg geht ja davon aus, dass wir in dem Augenblick zu unserer wahren Natur erwachen (Erleuchtung verwirklichen) in dem wir unsere permenente Anhaftung an unser begriffliches Denken mit den dazugehörigen Vorlieben und Abneigungen (Gier, Wut, Verblendung etc.) aufgeben bzw. loslassen.

    Im Shikantaza wird dieser Weg durch Nur-Sitzen bzw. unmittelbares Loslassen gegangen; im Koan-Zen über das sich Einlassen auf die Koan-Frage. Selbstverständlich ist auch die Koan-Frage eine Form/Methode des Loslassens.

    Von Augenblick zu Augenblick alles einfach loszulassen, ist für uns sehr schwer bis fast unmöglich. Reflexhaft greifen wir (gedanklich) doch immer wieder zu; auch wenn wir es nicht wollen. Und selbst die Absicht, alles loszulassen, ist in sich selbst erst mal auch wieder nur eine gedankliche Vorstellung. Hier setzt die Methode der Koan-Praxis an:

    Bei der Arbeit mit der Koan-Frage geht es nicht darum, eine gedankliche oder assoziativ gefühlte Antwort zu finden. Es geht darum, die Frage im Geist als Frage bestehen zu lassen - von Augenblick zu Augenblick. An einer im Geist als Frage wachgehaltenen Frage, die nicht auf den Zug irgendeiner Antwort aufspringt, beißt sich der denkende Geist die Zähne aus. Eine angemessene "Antwort" auf die Koan-Frage kann immer nur die lebendige Soheit genau jetzt sein. An unseren Antworten im Dokuzan erkennt ein/e fähige MeisterIn, wie weit wir hierin gekommen sind und gibt uns gegebenenfalls Anstöße zur weiteren Praxis.

    Für diese Art der Praxis muss allerdings zuerst vor allem eine geeignete Frage gefunden werden. Nicht irgendeine beliebige Frage, sondern eine Frage, die sich auf dasjenige richtet, das fragt. Das gilt für das Koan "Was ist dies?" und auch für das Koan "Mu". Und ehrlich gesagt gilt es auch für die vielen anderen Koans, die unsere Lehrer uns im Dokuzan geben mögen - auch wenn das auf den ersten Blick vielleicht nicht immer für jede/n so leicht erkennbar ist.

  • Festgefahren in der Praxis – wie geht es weiter?

    • Tai
    • 9. August 2025 um 08:29
    LastTrainHome:

    Zu den Koans: Wie genau geht man damit um? Hast du eine Anleitung oder ein Beispiel wie man sich und mit welcher Ausrichtung man sich damit hinsetzt? Sind Koans für jeden was, der praktiziert?

    Klassische Koan-Schulung geht natürlich nur mit einem in der Koan-Schulung ausgebildeten Zen-Meister/Zen-Meisterin. So wie ich es aus meiner eigenen Praxis kenne, arbeitet man dabei neben den Koans, die im Dokusan besprochen werden, auch mit einem sogenannten Hauptkoan oder Lebenskoan. Das ist i.d.R. das Koan „Was ist dies?“ oder „Mu“.

    Wenn du ein solches Lebenskoan hast, kannst du im Grunde Tag und Nacht damit arbeiten; im Zazen, aber auch im Alltag, und auch in Phasen, in denen du vielleicht gerade keinen Lehrer hast oder auf der Suche nach einem bist.

    Ich könnte da noch genauer drauf eingehen, aber da du geschrieben hast, dass du den Thread schließen willst, bin ich unsicher, ob das noch erwünscht ist.

  • Festgefahren in der Praxis – wie geht es weiter?

    • Tai
    • 7. August 2025 um 08:41
    LastTrainHome:

    Aber der Kreislauf dieser Konstruktionen endet nicht und ich habe das Gefühl, ich Dreh mich im Kreis.

    Durch unsere Sozialisation sind heutzutage viele Menschen auf solche Sinn-Konstruktionen konditioniert. Der einzige Sinn - wenn man überhaupt ein solches Konzept wie „Sinn“ ergreifen möchte/muss - kannst natürlich immer nur du selbst sein in deiner Soheit. Und diese Soheit ist zwangsläufig immer genau jetzt. Wenn du genau jetzt dasjenige schaust/erährst, das solche Konstruktionen hervorbringt, dann ist genau jetzt alles erreicht. Der Anspruch, dass der Kreislauf der Konstruktionen ein für alle mal enden solle, ist selbst ein von diesem Augenblick abgehobenes Konzept.

    Koan-Praxis, wenn sie halbwegs authentisch ist, sollte dein Gewahrsein genau in diese unmittelbar gegebene Soheit führen. Die ist sich selbst Sinn genug in einer absoluten Weise, die unsere Sinn-Konstruktionen niemals erreichen können. Es geht aber darum, sich dem von Augenblick zu Augenblick immer wieder neu zu stellen.

    Huang Po sagt (im Sinne deiner Fragestellung etwas frei übersetzt):

    Zitat
    Den Geist für gedankliche Konstruktionen zu benutzen, bedeutet, sich von der Substanz abzuwenden, um sich an Formen zu binden. Der ewig seiende Buddha (der du selber bist) ist aber kein Gegenstand der Bindung. Wenn du zum Einen Geist erwachst, gibt es nichts, das noch zu verwirklichen wäre.
  • Festgefahren in der Praxis – wie geht es weiter?

    • Tai
    • 6. August 2025 um 20:54
    LastTrainHome:

    Warum muss ich überhaupt meinem Leben ständig einen Sinn geben, um glücklich zu sein?

    Warum reicht es nicht, einfach zu sein

    Genau.

    Die Zen-Praxis sollte dir eigentlich dabei helfen, immer genau jetzt bei dir anzukommen diesseits solcher Sinn-Konstruktionen.

    Nach welcher Methode praktizierst du, wenn ich fragen darf.

  • Festgefahren in der Praxis – wie geht es weiter?

    • Tai
    • 6. August 2025 um 20:05

    Herzlich willkommen LastTrainHome.

    Was ist denn deine Motivation? Warum praktizierst du?

  • Rezensionen Goenka

    • Tai
    • 12. Juli 2025 um 20:00
    pano:

    Darüber hinaus entfernt Google in Deutschland schlechte Bewertungen durchaus schnell wenn sich der Laden / die Gaststätte nur zu verteidigen weiß. (Man Reported eine schlechte Bewertung als „Rezensent war kein Kunde bei uns“, dann wird diese von Google entfernt bis man nachweist dass man vor Ort war, und an dieser Stelle fragt man sich als Rezensent dann ob man sich angreifbar machen will für rechtliche Schritte weil die ganze Sprache des berufungsprozesses schon so juritistisch klingt - ich glaube es wird im Formular von übler Nachrede gesprochen). Ergo: Google Bewertungen sind keine verlässliche Quelle.

    Ja. Es gibt für die Gewerbetreibenden, die ja auch die potentiellen Werbekunden von Google sind, mittlerweile auch noch andere Begründungsmöglichkeiten, Kommentare ungeprüft löschen zu lassen z.B. indem man sie als "verläumderisch" und "geschäftsschädigend" bezeichnet. Anschließend wird den Kommentatoren dann meist noch mit juristischen Konsequenzen gedroht. Im Internet findet man leicht Agenturen, die diese Dienste für wenig Geld den Gewerbetreibenden anbieten. Oder die juristische Abteilung des Unternehmens kümmert sich darum.

    Ich habe das vor kurzem mit einer unfassbar schlechten Steuerberaterin selbst erlebt. Es hagelte auf Google schlechte Kommentare und Bewertungen über ihre Firma, die im großen Stil immer wieder zeitnah gelöscht wurden. Als meine Frau in einem Kommentar über unsere Erfahrungen berichtete, verschwand auch dieser Bericht schon nach einem Tag und uns wurde eine Klage angedroht.

  • Niederwerfungen

    • Tai
    • 24. April 2025 um 18:15
    Metta:
    Amdap:

    Wie sieht denn eine Niederwerfung "auf Koreanisch" aus?

    Wie eine Boden-Verbeugung, oder ist es eine Ganzkörper-Niederwerfung?

    Ganzkörper.
    Wirklich gute Videos hab ich nicht gefunden, aber die japanische Art kommt dem sehr nahe.

    Externer Inhalt www.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Externer Inhalt www.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Ja, genau so kenne ich es auch.

  • Niederwerfungen

    • Tai
    • 23. April 2025 um 20:27
    Metta:

    Versuchs mit 108, dann siehst du die Verbindung zur Meditation.

    :like:

    Auch bezogen auf Metta 's Beitrag #13 erlaube ich mir darauf hinzuweisen, dass im koreanischen Zen (Seon) Niederwerfungen tatsächlich ein weit verbreiteter Teil ritueller Praxis sind (neben rituellem Sitzen/Zazen, Gehmeditation, rituellem Essen, Koan-Interviews u.a.). Wie auch in jeder anderen Praxis des Seon geht es bei den Niederwerfungen darum, die Zweiheit dualitären Denkens aufzugeben/ die Soheit des Geistes zu 'schauen'. Die Zahl 108 steht dabei für die 108 möglichen Formen des Leidens. Diese erklären und errechnen sich so:

    Jede Form von Leiden ist prinzipiell mit (mindestens) einem unserer 6 Sinne verknüpft - also dem:

    - Sehen

    - Hören

    - Riechen

    - Schmecken

    - Fühlen

    - Denken.

    Jeder dieser 6 Sinne setzt sich zusammen aus 3 Elementen, die jeweils Ursache von Leiden sein können:

    - dem Sinnesreiz

    - dem Sinnesorgan, auf das dieser Reiz trifft

    - dem Sinnesbewusstsein, das in dieser Begegnung von Sinnesreiz und Sinneorgan entsteht.

    Diese 3 mal 6 also 18 Aspekte von Sinneserlebnis finden in den 3 von Buddha gelehrten Welten statt:

    - der Welt der Begierde (Kamaphum)

    - der Welt der reinen Form (Rupaphum)

    - der formlosen Welt (Arupaphum)

    Diese zusammengenommen 54 Aspekte von Sinneserlebnis erstrecken sich aus dem Genau-Jetzt in zwei zeitliche Richtungen:

    - die Vergangenheit

    - die Zukunft (also insgesammt 108).

    In koreanischen Zen-Sesshins (Yong Meng Jong Jin) werden i.d.R. ein bis zweimal täglich 108 Niederwerfungen praktiziert. Es gibt auch intensivere Formen dieser Praxis, in der an zehn aufeinanderfolgenden Tagen jeweils 1080 Niederwerfungen ausgeführt werden.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Tai
    • 20. April 2025 um 11:11
    Timi:

    Ich denke, ich habe die Ursache gefunden, warum die Menschen mit mir nichts anfangen bzw. umgekehrt.

    Ich kenne natürlich deine spezielle Situation nicht und kann nichts dazu sagen. Ganz allgemein gesehen läßt sich aber nach meiner Erfahrung (ich habe beruflich seit mehreren Jahrzehnten zwangsläufig mit sehr vielen Menschen unterschiedlichen Alters, Menschengruppen, 'Peer Groups' etc. zu tun) sagen:

    Nahezu alle Menschen kreisen in hohem Maße um sich selbst, um ihre bevorzugten Themen und um Menschen/Wesen, die sie als sich zugehörig empfinden (wie z.B. ihre Familie, Freunde, Haustiere etc.). Wenn man sich nun fragt, was Menschen auszeichnet, die besonders beliebt sind und von anderen als intressant angesehen werden, dann zeichnet sich ein klares Muster ab:

    Besonders beliebt sind Menschen, die es schaffen, sich auch für andere zu interessieren. Menschen, die zuhören können und wirklich auf das eingehen, was der/die andere sagt. Menschen, die in der Lage sind, anderen persönliche oder intellektuell treffende Fragen und Nachfragen zu stellen. Menschen, die auch emotional offen für den anderen sind.

    Besonders isoliert sind dagegen i.d.R. Menschen, die primär über sich und ihre persönlichen Lieblingsthemen reden. Diese Themen können dabei durchaus gesellschaftsrelevant sein. Wenn ein solcher Mensch aber nicht bereit ist, sich aufrichtig für die Sicht seines Gegenübers zu interessieren, dann verliert der/die andere i.d.R. schnell das Interesse am Austausch mit und der Nähe zu solch einem Menschen.

    Mein persönlicher Tipp an alle, die sich vereinsamt bzw. sozial nicht gut eingebunden fühlen: Hört auf nach jemandem zu suchen, der sich für euch interessiert, auf euch eingeht und eure Nähe schätzen lernt. Versucht stattdessen, auf andere einzugehen - so schwer das solchen Menschen vielleicht auch erst mal fällt. Denn wer sich vereinsamt fühlt, hat ja i.d.R. das Grundgefühls eines Mangels, ein starkes Bedürfnis nach Zuwendung von außen. Oder die Resignation, sich mit der Einsamkeit 'abgefunden' zu haben. Für jemanden, der sich so fühlt, ist es emotional oft fast unmöglich, das alles einfach zurückzustellen, um sich erst mal auf die Sicht und Sorgen eines anderen einzulassen. Und doch liegt hier der einzige realistische Ausweg. Es ist oft ein Weg der kleinen Schritte (zum Beispiel dem Gegenüber im Gespräch - und sei dieses noch so banal einfach mal eine passende, interessierte Nachfrage zu stellen).

    Das Gute ist, das sich so eine gewisse Eigendynamik entwickeln kann. Das heißt, aus ein paar krampfhaften Versuchen entsteht allmählich echtes Interesse und aus echtem Interesse entsteht auf Dauer menschliche Nähe. Diese Vorgehensweise funktioniert sehr zuverlässig. Beruflich bin ich quasi gezwungen, genau dieses Verhalten gegenüber Menschen ständig auszuüben; also herauszufinden, was sie wirklich meinen, wollen und brauchen und dann für sie da zu sein. Und was im Gegenzug dafür an Zuwendung und echtem Interesse zurückkommt, ist geradezu überwältigend.

    Das ist vielleicht auch insofern interessant, als ich vom Temparament her und in meinem Freizeitverhalten eigentlich ein eher introvertierter Mensch bin. Ich habe sowohl als Jugendlicher, als auch als junger Erwachsener jeweils nach einem Umzug lange Phasen gehabt, in denen ich keinen Anschluss gefunden und mich extrem einsam gefühlt habe bzw. auch komplett vereinsamt war und nicht da raus kam. Mit meinem Verständnis von heute hätte ich natürlich ganz anders mit diesen Situationen umgehen können (aber klar, so funktioniert das Leben natürlich nicht, dass man einem früheren Ich aus der Zukunft heraus 'game-changende' Erkenntisse einflößen kann).

    Eine ganz wichtige Warnung bei der oben angedeuteten Strategie: Ich würde sie nur bei Menschen/Gesprächspartnern anwenden, die selbst eine gewisse Offenheit gegenüber anderen signalisieren. Gegenüber stark selbstbezogenen Menschen funktioniert die oben angedeutete Methode nicht. Solche Menschen nehmen die Aufmerksamkeit, die wir ihnen zukommen lassen zwar gerne an, sind aber nicht bereit oder in der Lage, uns dafür mit Gegenaufmerksamkeit zu begegnen.

    Der Schlüsselmoment liegt also in den Momenten, wo wir mal auf einen nicht so ausschließlich selbstbezogenen Menschen treffen. Aus dem Gefühl eines tiefen Mangels heraus neigen vereinsamte Menschen - wenn sie sich überhaupt noch öffnen können - dazu, in einer solchen Situation endlich mal über sich oder über ihre Themen zu reden. Das ist für sie verständlicher Weise erst mal so wichtig, dass sie nicht unbedingt sofort dazu kommen, viel Gegeninteresse zu zeigen und z.B. dem gegenüber viele Fragen und treffende Nachfragen zu stellen. Dadurch schrecken sie die potentiell offeneren Gesprächspartner aber i.d.R. gleich wieder ab. Diese ziehen sich zurück und das Ganze endet für den Vereinsamten enttäuschend und in dem Gefühl, das sich 'wieder mal' niemand für ihn oder seine doch so wichtigen Themen interessiert. Man denkt dann vielleicht, 'die anderen sind alle zu oberflächlich' oder 'sie können meinen Gedanken nicht folgen'. In Wirklichkeit ist aber fast immer meine mangelnde Bereitschaft, mich emotional und intelektuell auf den anderen einzulassen, der Grund dafür, das andere das Interesse an mir verlieren.

  • Hat Zen ein Marketingproblem?

    • Tai
    • 15. April 2025 um 21:16

    Als jemand, der grundsätzlich erst mal großen Respekt vor den anderen Traditionen hat (und den intertraditionellen Austausch hier wertschätzt) erschreckt es mich schon manchmal, was für seltsame Vorstellungen doch teilweise über Zen kursieren.

    „Zen is good for nothing“ ist vielleicht eine treffende Antwort auf hochmotivierte Zen-Schüler*innen, die sich mit voller Entschlossenheit auf die Praxis einlassen und es unbedingt erreichen wollen. Der Kern der Lehre ist es aber nicht. Hier könnte man schon eher die (im Zen) immer wieder gerne aufgegriffene Begebenheit nennen, derzufolge Buddha nach seinem großen Erwachen gesagt haben soll: „Die Wesen sind bereits vollkommen erwacht; nur aufgrund ihres verblendeten Denkens (und Anhaftens) werden sie sich dessen nicht gewahr.“ Erst in diesem Kontext erschließt sich die Lehre „Zen is good for nothing.“

    Zen hat ein klares Ziel: Zu erwachen. Da wir aber gemäß dieser Lehre bereits erwacht (vollkommen) sind, können wir genau das nur erkennen und verwirklichen, indem wir aufhören, unsere vielen, vielen Ziele zu verfolgen.

    Helmut: Ich kann natürlich nicht wissen, auf wen oder was sich dein „Eindruck“ zurückführt. Für mich kann ich allerdings sagen, dass es (abgesehen vielleicht von ein paar Posts im Corona-Faden) in allen meinen Beiträgen darum geht, „auf vielfältige Weise“ die Zen-Lehre wiederzugeben bzw. zu erklären. Auch die meisten Beiträge von z.B. Leonie oder Sudhana u.a. erlebe da ähnlich.

    Pauschalisierungen a la „wir Theravadins sind so und so, ihr Zennies seid so und so“, finde ich generell nicht besonders hilfreich, um ehrlich zu sein.

    pano: Die Zen-Lehre hat überhaupt nichts Mysteriöses. Sie ist im Grunde sehr einfach und klar. Wenn manche Koans geheimnisvoll, paradox oder kryptisch klingen, dann liegt das i.d.R. daran, dass unser komplexes Denken mit der Schlichtheit solcher Koans nicht kompatibel ist.

    Von Dogens und Hakuins Hinterlassenschaften mal abgesehen sind die gängigen klassischen Zen-Texte und meist erwähnten Zen-Meister i.a.R. chinesisch bzw. Chinesen und keineswegs „Japaner“.

  • H A I K U S

    • Tai
    • 22. März 2025 um 18:22

    Windstille.

    Vom Ruderblatt tropft

    der Abendhimmel.

    Hubertus Thum (ebd.)

  • Gedanken verdrängen statt zu beobachten

    • Tai
    • 15. März 2025 um 16:21
    Monika:

    Ja, mukti, "kann man", denn um sich mit der Lehre Buddhas zu beschäftigen, benötigt "man" ein Selbst, also ein Ego, dass das will - egal ob Christ oder was auch immer.

    _()_

    Soweit ich es verstehe, ist mit Ego im Buddhismus unser Selbstbild gemeint. Überwindung des Egos bedeutet in diesem Kontext die Überwindung von Anhaftung an eine solche Selbst-Vorstellung (wie mukti es bezeichnet hat), nicht aber, das da kein Wille mehr sei.

    Allerdings lehrt ja auch das Christentum 'selbstloses' Handeln, weshalb man als Christ*in damit vielleicht gar nicht so ein großes Problem haben muss. Ich könnte mir vorstellen, dass die Idee, alles loszulassen, für einen Christen in letzter Konsequenz die größere Hürde sein kann. Denn würde alles loszulassen, nicht bedeuten, auch Gott loszulassen? (Als Buddhist kann ich das aber, ehrlich gesagt, auch nicht wirklich beurteilen)

  • Gedanken verdrängen statt zu beobachten

    • Tai
    • 13. März 2025 um 18:00
    Chico26:

    Ich verstehe was ihr mir sagen wollt und ich kann das auch alles nachvollziehen. Was ich aber nicht verstehe ist, wie ich das in die Tat umsetze.

    Wenn ich meditierte dann schaue ich mir meinen Atem an und merke das Gedanken aufkommen. Wenn sie aufkommen dann merke ich sie und schaue wieder auf meinen Atem. Dadurch kommen aber immer mehr Gedanken und die Gedanken werden dadurch lauter.

    Tai:

    Was ist dasjenige, das diese Erkenntnis hat oder diese Bewertung entstehen lässt. Ich stelle diese Frage nicht auf der Suche nach einer Antwort, sondern als wache, konstante auf das Fragende selbst gerichtete Aufmerksamkeit.

    Sowas Z.b kann ich nicht wirklich verstehen und umsetzen.

    Da ist doch etwas, das deine Atemzüge und die Gedanken wahrnimmt, nämlich du selbst. Bleib einfach bei dir, statt dich in einer Überaufmerksamkeit auf die Atemzüge zu verkrampfen. Gedankenwahrnehmen ist in der buddhistischen Praxis immer auch ein Loslassen der Gedanken. Die Gedanken sind nicht wichtig, der Atem geht eh von ganz alleine; wichtig bist nur du als derjenige, der all dies erlebt. Darauf geht der Fokus buddhistischer Praxis.

    Es stimmt allerdings, dass man solche Methoden am besten unter Anleitung eines/r Lehrer*in oder in einer Gruppe erlernen kann. Da du es aber bereits anwendest, lege ich dir während der Übung Loslassen (der Gedanken) und Bei-Dir-Selbst-Bleiben ans Herz. Ein Zen-Meister sagte mal: "Die Übung ist immer auch ein Entspannen in der Übung. Auch wenn wir aufrecht sitzen, tun wir es mit einer Haltung als würden wir uns mit einem Seufzer der Zufriedenheit entspannt zurücklehnen."

  • Gedanken verdrängen statt zu beobachten

    • Tai
    • 13. März 2025 um 17:23

    Chico26: Erstmal ist es natürlich wichtig, zu verstehen, warum in der buddhistischen Praxis Gedanken beobachtet werden. Daraus ergibt sich dann auch, der richtige Umgang mit dieser Methode.

    Gedanken sind gemäß der buddhistischen Lehre keineswegs an sich etwas Schlechtes oder Falsches. Nur leider führt unsere geradezu zwanghafte Fixierung auf gedankliche Vorstellungen (wir können sie nicht stoppen) dazu, von Augenblick zu Augenblick unsere ursprüngliche Natur, die eins mit allem ist, aus dem Blick zu verlieren. Wir sind die ganze Zeit mit tausend Dingen (Wahrnehmungen und Vorstellungen) beschäftigt und verlieren dabei uns selbst aus den Augen. Die auf unsere Gedanken gerichtete Achtsamkeit ist kein Selbstzweg. Sie soll uns vielmehr davon abhalten, uns in den Gedanken zu verlieren und dabei unser ursprüngliches Wesen zu vergessen. Das Tor zu dieser Art von Selbstgewahrsein liegt eben genau da, wo (immer genau jetzt!) Gedanken entstehen. Nur daher rührt die Bedeutung der Wahrnemung von Gedanken in der buddhistischen Lehre.

    Heißt das, wir sollen unsere Achtsamkeit während der Beobachtung der Gedanken auf unsere ursprüngliche Natur, also auf uns selbst richten? Als Methode für Beginner mit dieser Methode halte ich das erstmal für einen guten Start.

    Wenn du das eine Weile lang ernsthaft ausführst, also nicht nur darüber liest, sprichst oder nachdenkst, wird dir sicher irgendwann klar, dass unsere ursprüngliche Natur oder wir selbst ebenfalls erstmal gedankliche Vorstellungen sind. Es geht natürlich nicht darum, über uns selbst oder unsere ursprüngliche Natur nachzudenken. Es geht darum, dasjenige, das all diese Gedanken hat, unmittelbar wahrzunehmen. Einfach so, wie es ist.

    Was ist dasjenige, das gerade diesen Gedanken hat? Die Antwort darauf sollte keine kluge Erkenntnis oder Bewertung sein, sondern ein unmittelbares Erleben genau desjenigen, was da gerade erlebt. Tauchen kluge Erkenntnisse oder Bewertungen auf, würde ich versuchen, denen ebenfalls nicht weiter zu folgen, sondern mich weiter fragen: Was ist dasjenige, das diese Erkenntnis hat oder diese Bewertung entstehen lässt. Ich stelle diese Frage nicht auf der Suche nach einer Antwort, sondern als wache, konstante auf das Fragende selbst gerichtete Aufmerksamkeit.

    Bleibst du dabei, kannst du sehr schnell zu etwas zurückkehren, das diesseits/unberührt von Angst uns Stresssituationen ist.

    Nochmals auf den Punkt gebracht: Es geht bei dieser Methode niemals um die Gedanken selbst, sondern immer um dasjenige, was die Gedanken aufkommen lässt.

  • Zen auf Twitter - Jack Haubners viraler Tweet

    • Tai
    • 13. März 2025 um 17:13

    Aber er tut es für uns und das ist ihm hoch anzurechnen.

  • Zen auf Twitter - Jack Haubners viraler Tweet

    • Tai
    • 13. März 2025 um 16:42

    Man sollte aber fairer Weise auch dazu sagen, dass sich Shozan Jack Haubner hier (mit größtmöglichem Wohlwollen betrachtet) ins Gras (der Illusionen) fallen lässt und kräftig darin herumwälzt.

  • Zen auf Twitter - Jack Haubners viraler Tweet

    • Tai
    • 13. März 2025 um 16:31
    Ole Guacamole:

    Externer Inhalt x.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Zitat

    Als Mönch habe ich gelernt, dass es im Zen darum geht, einfache Tätigkeiten vollständig auszuführen. Das ist alles. Seien Sie nicht „achtsam“. Mach dir keine Gedanken über Erleuchtung oder Satori. Kümmere dich nicht um den Buddhismus. Mach dir keine Gedanken über Zen. Tue nichts auf eine Zen-Art. Zen ist unsichtbar. Wenn es da ist, ist es kein Zen.

    Und, ykxjbk1 , wie stehst du selbst zu dieser Lehre?

  • Gute Lehrer / schlechte Lehrer

    • Tai
    • 25. Februar 2025 um 09:49
    Amdap:

    Allerdings, wenn man als "Schüler" darin voll drinsteckt, dann ist man nicht mehr neutral, und daher kann man auch nicht sachlich damit umgehen.

    Das ist das Paradoxe: ein innerlich abhängiger Schüler kann wegen seiner Abhängigkeit nicht damit umgehen, und einer, der sich davon gelöst hat, für den spielt das persönlich keine Rolle mehr, obwohl er erkennt, dass diese drei Punkte voll berechtigt anzuwenden und die Lage zu hinterfragen ist.

    Da hast du einen Punkt.

    Es gibt natürlich auch Fälle zwischen diesen Extremen. Eine selbstkritische Haltung (wie sie die Fragen anregen) kann dabei helfen, gar nicht erst in so eine toxische Abhängigkeit hineinzugeraten. Oder aber nützlich sein, wenn es für eine*n Schüler*in darum geht, nach der Befreiung aus einer ungesunden Lehrer-Schüler-Beziehung eine neue Gruppe zu finden.

  • Gute Lehrer / schlechte Lehrer

    • Tai
    • 24. Februar 2025 um 09:15
    Amdap:

    Und dieser einseitige Schwerpunkt hat Helmut veranlasst, zu überlegen, ob man das Thema hier abtrennen soll.

    So wie ich Helmut verstanden habe, bestand sein Anliegen ja auch darin, Bewertungskriterien geeigneter Dharmalhrer*innen zusammenzustellen.

    Helmut:

    Am Ende seines Beitrags (#14) stellt void die Frage nach Kriterien anhand derer man feststellen kann, wer ein geeigneter Dharmalehrer / eine geeignete Dharmalehrerin ist. Ich fände es gut, sich hierauf zu konzentrieren, weil dies meines Erachtens das eigentliche Thema dieses Threads ist.

    Genau hierauf bin ich ja ausführlich eingegangen, indem ich diese sicher hilfreiche Anregung in #52 und in #136 noch um die Idee von selbstkritischen Schülerfragen zur Haltung zu unserem*r Lehrer(*in) erweitert habe:

    Tai:

    - Glaube ich an meinen Lehrer als unfehlbaren Heiligen? (Falls ja, Achtung!)


    - Geht es in meiner Praxis um die vollständige Befreiung aller Dualitäten oder bleibt die Beziehung zu meinem Lehrer als (z.B. bewundernswertes) Objekt stets bestehen? (Falls letzteres, Achtung!)


    - Werde ich durch meine Praxis über die Jahre selbstständiger und im Alltagsleben souveräner oder eher dogmatischer und abhängiger von meinem Lehrer, von der Sangha sowie den gelehrten Inhalten und Herleitungen? (Falls letzteres, Achtung!)

    Das, was du bis inzwischen dazu geschrieben hast, bestätigt mich eher darin, wie wichtig ein solcher Ansatz sein kann. Wie stehst du (steht ihr) denn dazu? Würdest du aus deiner Erfahrung heraus die drei von mir vorgeschlagenen Fragen für hilfreich halten? Beziehungsweise wo wäre aus deiner Sicht noch Ergänzungs- oder Verbesserungsbedarf?

  • Gute Lehrer / schlechte Lehrer

    • Tai
    • 23. Februar 2025 um 11:37
    Bebop:
    Tai:

    Gerade diese Lehre des Huang Po legt an ihre Lehrer besonders strenge Maßstäbe an.

    Huangpo spricht alle an.

    Genau, deswegen sind Lehrer impliziert; es gilt (auch) für sie.

    Bebop:

    Jenseits des begrifflichen Denkens geht es nicht darum, ob etwas okay ist oder Fehlverhalten oder ob ich es entschuldige, sondern darum, es erst einmal.jenseits begrifflichen Denkens wahrzunehmen.

    Richtig. Die nachträgliche (oder pauschale) Rechtfertigung eines Verhaltens als 'jenseits von begrifflichem Denken' ist aber selbst ein Ausdruck begrifflichen Denkens par excellence und steht damit in Widerspruch zu dieser Lehre: Egal, ob sie vom Lehrer selbst oder von seinen hörigen Schülern vorgebracht wird.

    void : Wir sind hier absolut in topic, weil mit diesem Trick zweifelhaftes Verhalten eines Lehrers gerechtfertigt bzw. Schüler, durch eine solche Argumentation in ihrer Einschätzung des Lehrers möglicher Weise verunsichert werden. Statt, wie es angemessen wäre, ein juristisch oder ethisch relevantes Verhalten auch juristisch bzw. ethisch zu bewerten, wird als eine Art Totschlagargument zur Selbstlegitimierung von solchen Lehrern oder deren Schülern die Zen-Lehre zur Befreiung des Geistes herangezogen. Eine Lehre, in der es um das große Erwachen und - da bin ich ganz bei Bebop - nicht darum geht, ob etwas jetzt moralisch "okay" ist oder nicht.

  • Gute Lehrer / schlechte Lehrer

    • Tai
    • 22. Februar 2025 um 12:45
    Hendrik:

    Auch der Versuch dieses moralische Verständnis ausschließlich im Licht einer bestimmten Interpretation einer einzigen buddhistischen Ausprägung unter vielen, nämlich des Zen, zu betrachten, um diesen moralischen Standard zu relativieren, ist unanständig.

    Es ist doch selbstverständlich und legitim, dass wir alle aus dem im Kontext unserer buddhistischen Schule erlangten Verständnis sprechen. Gerade das macht diesen Austausch unter verschiedenen Ausprägungen des Buddhismus ja so interessant. Ich finde es eher redlich, diesen Hintergrund klar zu benennen und sich auf ihn zu beziehen.

    Dass es allerdings auf einem Missverstehen (wenn nicht sogar einer verqueren Instrumentalisierung) der Zen-Lehre beruht, diese zur Rechtfertigung von Fehlverhalten durch Lehrer heranzuziehen, habe ich versucht in #134 zu begründen.

    So hilfreich es auch sein mag, reicht der allgemeine Ansatz in diesem Faden nach meinem Verständnis noch nicht aus, um gute von schlechten Lehrern zu unterscheiden. Wir können hier schließlich noch so gut rote Listen über bedenkliches Verhalten von Lehrern erstellen und im Bedarfsfall abharken - es hilft alles nichts: Als Schüler müssen wir auch selber lernen, unsere Lehrer im Kontext zu prüfen und auch unsere eigenen Erwartungen zu hinterfragen.

    Aus dem, was ich z.B. in #52 detailliert ausgeführt habe, könnte man legitim die Warnung vor 'erleuchteten' Lehrern mit Unfehlbarkeitsnimbus ableiten. Wenn aber ein Schüler glaubt, ein erwachter Meister sei damit automatisch für immer eine Art unfehlbarer Heiliger, dann wird er auch nur Lehrer mit einem solchen Unfehlbarkeitsnimbus wirklich ernst nehmen / für voll erwacht halten. Selbst wenn der Lehrer dann erklärt, auch ihm würden Fehler unterlaufen, dann wird von solchen Schülern nicht selten auch das wieder 'heilig gesprochen' im Sinne von: "Unser Lehrer ist ja so erleuchtet und dann auch noch so bescheiden! Da erkannt man den wahren Meister!" Und ich habe auch schon buddhistische Lehrer in genau diesem Sinne mit ihrer Bescheidenheit kokettieren sehen.

    Rote Listen können sicher nützlich sein und wenn es um Missbrauch geht, liegt mir nichts ferner als eine Täter-Opfer-Umkehr. Aber gerade im Sinne des Opferschutzes sollten wir auch in der Lage sein, uns als Schüler einige selbstkritische Fragen zur Haltung zu unserem Lehrer zu stellen. Zum Beispiel:

    - Glaube ich an meinen Lehrer als unfehlbaren Heiligen? (Falls ja, Achtung!)

    - Geht es in meiner Praxis um die vollständige Befreiung aller Dualitäten oder bleibt die Beziehung zu meinem Lehrer als (z.B. bewundernswertes) Objekt stets bestehen? (Falls letzteres, Achtung)

    - Werde ich durch meine Praxis über die Jahre selbstständiger und im Alltagsleben souveräner oder eher dogmatischer und abhängiger von meinem Lehrer, von der Sangha sowie den gelehrten Inhalten und Herleitungen? (Falls letzteres, Achtung)

    Dies nur mal so auf die Schnelle gebrainstormt.

  • Gute Lehrer / schlechte Lehrer

    • Tai
    • 22. Februar 2025 um 11:38
    Bebop:

    Ich erinnere mich, bereits vor mehreren Jahrzehnten hier gegen die Gleichwertigkeit, den Dreiklang von Regeln - Versenkung - Weisheit angeschrieben zu haben.

    Nun habe ich an diesen aktuellen Beispielen noch einmal verdeutlicht, was man bereits im frühen Chan findet, wo eindeutig die Weisheit den ersten Rang genießt und die Versenkung als ein Hilfsmittel dazu dient. Regeln und Moral sind von Huangpo z. B. so eingeordnet: "Das Erwachen findet im Geist statt und hängt NICHT mit den zehntausend verdienstvollen Handlungen und den sechs Tugenden (paramita) zusammen."

    Es ist für mich erstaunlich, mit welcher Hartnäckigkeit diese wesentlichen Ausgangspunkte der Chan-Tradition immer wieder geleugnet werden.

    An den nun genannten Beispielen erkennt man also Folgendes:

    1) Upaya, geschickte Mittel, wie Zazen, führen nicht notwendig zu "Moral" oder (durchgängig, verlässlich) anständigem Verhalten.

    2) Einsicht/Weisheit geht nicht notwendig mit anständigem Verhalten einher.

    3) Ausgiebiges Zazen (Versenkung) führt nicht notwendigerweise zu Weisheit/Einsicht.

    Damit ist widerlegt, dass ein Achtfacher Pfad oder sogar Zazen für die wesentliche Weisheit der Chan-Tradition zwingend notwendig oder auch nur hoch wahrscheinlich sind. Umgekehrt ist auch aufgezeigt, dass Weisheit oder Einsicht nicht zwangsläufig zu dem Verhalten führen, was eine Mehrheit sich möglicherweise vom "Weisen" wünscht.

    Um die Kritik gleich vorwegzunehmen: Man könnte den von mir unterstellten Weisen natürlich ihre Weisheit absprechen. Aber dann müsste man den Nachweis führen, dass Zazen und anständiges Verhalten (Beachten der sila) zu Weisheit führen. Und dies wird nicht gelingen. Insofern wird man bei der Diskussion um moralische Fehlleistungen von so genannten Zen-Meistern stets das Opfer seiner eigenen Illusionen, vor allem einer falschen Idee davon, was Chan ist und von Anfang an sein sollte. Und das kommt meist davon, dass man die frühen Quellen nicht ausgiebig genug studiert hat.

    Alles anzeigen

    Das hast du treffend auf den Punkt gebracht.

    Leider wird diese so klare Lehre heutzutage gerne missbraucht für eine allzu bequeme Argumantation etwa in dem Sinne: Genau deswegen könne man einen erwachten Zen-Lehrer*1 auch nicht verstehen/kritisieren; was immer der 'erleuchtete' Lehrer tue, sei damit schon pauschal gerechtfertigt. Eine solche Auffassung ist selbsverständlich keineswegs im Sinne der Lehren eines Huan Po's oder anderer Zen-Meister seiner Zeit. Denn erstens ist sie Ausdruck begrifflichen Denkens (eines sehr platt verallgemeinerndens noch dazu). Und zweitens nimmt uns ein solches Totschlagargument die Möglichkeit, im Augenblick (auf dem Marktplatz/Ochsenbild) die Situation adäquat einzuschätzen, um das jeweils Angemessene zu tun.

    Gerade weil ausgiebiges Zazen, Einsicht und geschickte Mittel nicht zwangsläufig zu anständigem Verhalten führen, bleibt uns nichts anderes übrig, als die Taten unserer Lehrer von Augenblick zu Augenblick zu prüfen und entsprechend zu handeln. Gerade weil ein einmal 'erleuchteter' Lehrer dieses Erwachen von Augenblick zu Augenblick aufs Neue verwirklichen muss, bleibt uns nichts anderes übrig, als auch dieses Erwachen von Augenblick zu Augenblick zu prüfen und entsprechend zu handeln. Die Koan-Sammlungen bestehen nicht umsonst zu großen Teilen genau aus diesen Bemühungen um das Erwachen immer genau jetzt, sowie der entsprechenden Prüfung und den darauf erfolgenden Handlungen.

    (Noch zum Kontext für alle, die mit dieser Zen-Lehre noch nicht so vertraut sind:) In 'Geist des Zen', Kapitel 15 spricht Huang Po z.B. über Gier, Zorn und Verblendung (im Gegensatz zu Zurückhaltung, Gelassenheit und Weisheit):

    Zitat

    Zurückhaltung, Gelassenheit und Weisheit existieren nur im Gegensatz zu Gier, Zorn und Verblendung. Wie könnte es ohne Täuschung Erleuchtung geben? Bodhidarma sagte: „Buddha verkündet alle Dharmas, um sicher jede Spur begrifflichen Denkens auszumerzen. Enthielte ich mich vollkommen des begrifflichen Denkens, was wäre dann der Nutzen aller Dharmas?“ Heftet euch an nichts jenseits des Buddha-Wesens, der ursprünglichen Quelle aller Dinge.


    Huan Po, Geist des Zen, Kapitel 15

    Wenn also ein Lehrer in seinem Verhalten sexueller Gier raumgibt, verrät er damit zwangsläufig die Zen-Lehre des Huang Po. Nur weil Huang Po selbst noch das Festhalten von Tugenden wie Zurückhaltung, Gelassenheit und Weisheit als begriffliches Denken entlarvt, heißt das natürlich nicht, dass ein Festhalten von Gier, Zorn oder Verblendung deswegen okay wäre. Im Gegenteil. Und ganz sicher ist diese Lehre keineswegs so zu verstehen, jedes (Fehl-)Verhalten eines Lehrers pauschal zu rechtfertigen. Auch da wieder im Gegenteil: Gerade diese Lehre des Huang Po legt an ihre Lehrer besonders strenge Maßstäbe an.


    *1 Lehrerinnen immer mit gemeint

  • Gute Lehrer / schlechte Lehrer

    • Tai
    • 16. Februar 2025 um 21:28
    Hendrik:

    Woran erkennt man eigentlich einen guten Lehrer und woran einen schlechten?

    Vielleicht kann es hilfreich sein, die Frage einmal umzudrehen: Woran erkennt man eigentlich einen guten Schüler(*in) und woran einen schlechten?

    Glaubst du z.B., dass Erwachen/Erleuchtung etwas ist, dass von Augenblick zu Augenblick immer genau jetzt verwirklicht werden will und muss? Oder glaubst du, dass die Erleuchtung etwas ist, das man einmal endgültig "erreicht", um danach (für immer) eine Art unfehlbarer Heiliger/Erwachter zu sein?

    Der kindliche Glaube an den Lehrer als unfehlbaren Meister kann leicht zum Problem werden, weil damit jedes Verhalten des Lehrers per se gerechtfertigt ist; auch unheilsames oder missbräuchliches (*1). Ein Erwachen, das von Augenblick zu Augenblick verwirklicht werden will, muss dagegen vom Schüler auch immer wieder neu geprüft werden - was u.a. auch hilfreich dabei sein kann, unheilsame oder missbräuchliche Strukturen zu durchschauen.

    Ich weiß, dass es Lehrer gibt, die einen solches Nimbus des unfehlbaren Meisters vor sich hertragen oder glauben, ihren Schülern vorspielen zu müssen, weil diese das von ihnen vielleicht zu erwarten scheinen (auch im Koan-Zen, das ich praktiziere). Dabei handeln die Koans kaum von etwas anderem als von diesem Kampf um das Erwachen von Augenblick zu Augenblick und wie berühmte Lehrer und ihre Schüler es meistern und aber auch daran scheitern.

    (*1 = Unabhängig davon gibt es auch noch eine Reihe anderer Gründe, warum diese Haltung Probleme versursachen kann, besonders bezogen auf die eigene Praxis.)

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Tai
    • 7. Februar 2025 um 19:30

    Cooler Song.

    Danke, dass du das mit uns geteilst hast. :)

  • Über die Vergänglichkeit des Lebens.

    • Tai
    • 26. Januar 2025 um 14:47
    void:
    Igor07:
    [lz]

    Achtsame Betrachtung des Todes V

    Im Kapitel über die achtsame Betrachtung des Todes beschreibt der „Weg

    der Reinheit“ (Visudhhimagga) die Betrachtung zunächst so: Man denke

    an jemanden, der schon gestorben ist. Vorzugsweise sollte es sich um

    jemanden handeln, dem man weder nahestand, noch den man ablehnte.

    Einfach jemand, der gestorben ist. Wie ich vielleicht hinzufügen darf,

    sollte es jemand sein, den man zu Lebzeiten gekannt hat und der eine

    besondere Persönlichkeit war. Sich an solch eine Person wiederholt zu

    erinnern und dies mit Worten zu verbinden wie „Die Lebenskraft wird

    ausgelöscht werden. Der Tod wird kommen.“ kann den Geist zur Zugangskonzentration

    führen.

    Wenn man nicht so weit kommt, kann man versuchen, sich auf folgende

    acht Weisen den Tod zu vergegenwärtigen:

    1. In Gestalt eines Mörders.

    2. Als Ruin des Erfolgs.

    3. Durch Vergleich seiner selbst mit Menschen großen Ruhms, großer

    Macht, großer Verdienste oder großen Geistes, die gestorben sind.

    4. Durch die Vorstellung, den eigenen Körper mit anderen Wesen zu

    teilen, wie z. B. Würmer usw., die einen letztendlich töten können.

    5. Durch Betrachtung der Hinfälligkeit des eigenen Körpers. Viele

    Ursachen können das Leben kurzerhand auslöschen.

    6. Ohne Kennzeichen, denn der Tod kann für jeden jederzeit überall

    kommen, ohne sich durch ein Zeichen anzukündigen.

    7. Durch die begrenzte Lebenszeit. In unserem Zeitalter begegnet man

    z. B. relativ selten einem Hundertjährigen.

    8. Durch die Kürze des Augenblicks. Diese Betrachtungsweise richtet

    ihr Augenmerk auf die momentane Natur der geistigen und körperlichen

    Prozesse, aus denen das Leben besteht. Sie leitet damit zur

    echten Einsichtspraxis über.

    [/lz]

    Das ist die Quelle: ( PDF).

    https://www.abhidhamma.de/Fusspfade_kl.pdf

    Und nochmal Alles Gute!


    Monika:

    Es wäre Abneigung, weil schrecklich - das hat der Buddha nicht damit bezwecken wollen.

    Es ist jedoch entsetzlich und schrecklich. Der normale Mensch verdrängt es oder versucht, sich abzulenken – das ist der Schutzmechanismus. Der Theravada-Buddhismus hingegen lehrt, dem Tod ins Gesicht zu sehen. Und meistens sieht der Tod nicht sehr schön aus, tut mir leid.

    Zitat

    25. "Wiederum würde man vielleicht genau jene Frau als Leiche sehen, ein Skelett ohne Fleisch und Blut, von Sehnen zusammengehalten. Was meint ihr, ihr Bhikkhus? Ist ihre frühere Schönheit und ihr Liebreiz verschwunden und die Gefahr sichtbar geworden?" - "Ja, ehrwürdiger Herr." - "Ihr Bhikkhus, auch dies ist eine Gefahr im Fall (materieller) Form."

    26. "Wiederum würde man vielleicht genau jene Frau als Leiche sehen, Knochen ohne Verbindung, in alle Richtungen verstreut, hier ein Handknochen, da ein Fußknochen, da ein Schienbein, da ein Oberschenkelknochen, da ein Hüftknochen, da ein Rückenwirbel, da eine Rippe, da ein Brustbein, da ein Armknochen, da ein Schulterknochen, da ein Halswirbel, da ein Kiefer, da ein Zahn, da ein Schädel. Was meint ihr, ihr Bhikkhus? Ist ihre frühere Schönheit und ihr Liebreiz verschwunden und die Gefahr sichtbar geworden?" - "Ja, ehrwürdiger Herr." - "Ihr Bhikkhus, auch dies ist eine Gefahr im Fall (materieller) Form."

    27. "Wiederum würde man vielleicht genau jene Frau als Leiche sehen, weiß gebleichte Knochen, muschelfarben. Was meint ihr, ihr Bhikkhus? Ist ihre frühere Schönheit und ihr Liebreiz verschwunden und die Gefahr sichtbar geworden?" - "Ja, ehrwürdiger Herr." - "Ihr Bhikkhus, auch dies ist eine Gefahr im Fall (materieller) Form."

    https://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m013z.html

    Und das ist von Bhikkhu Anālayo. Klingt nicht besonders erfreulich, oder?

    "BA Ich stelle mir vor, dass ich sterbe, wobei ich mich

    an den bekannten Sterbephasen orientiere: Am An-

    fang steht ein Gefühl der Schwere. Tatsächlich wird

    ja der Körper von Sterbenden schwerer, weil er seine

    Kompaktheit verliert, sodass das Pflegepersonal in

    Krankenhäusern oft Schwierigkeiten hat, die Körper

    von Sterbenden hochzuheben. Dann verliert man die

    Kontrolle über die Flüssigkeiten, die Augen tränen, der

    Urin läuft aus. Im Anschluss daran trocknet der Körper

    aus, und schließlich verlässt die Wärme den Körper, die

    Temperatur entweicht zuerst aus Fingern und Zehen

    und geht dann insgesamt langsam zurück. Am Schluss

    kommt das schwere Atmen. Und dann ist es vorbei."

    Alles anzeigen
    Alles anzeigen

    Für mich ist das alles Annäherung an eine Realität. Für Mediziner und Hospizhelfer ist das etwas, dem sie sich mit Freundlichkeit, Respekt und Fingerspitzengefühl nähern.

    Wenn man mit dem Tod konfrontiert ist geht man durch Verdrängung hin zu Angst und von da aus zu freundlicher Akzeptanz. Jemand der diese Weg gefangen ist zu sagen, er musse zurück zum Horror und den Tod als Fratze sehen ist nichts was sich aus den Worten Buddhas ableiten liese

    Es ist kein Aufruf zur Angst.

    Alles anzeigen

    (ein bisschen off-topic, aber irgendwie auch nicht:)

    10.000 sachliche, fachkundige, von Mitgefühl, Achtsamkeit und Respekt geprägte Beiträge, void! Und dazu noch deine Moderatorentätigkeit. WOW!

    Dank und Respekt für dein großartiges Wirken hier!

    _()_ _()_ _()_

    Tai

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

  1. Impressum
  2. Datenschutzerklärung
  3. Nutzungsbedingungen
Netzwerk Buddhismus
Community-Software: WoltLab Suite™ 6.2.6
Buddhaland Forum in der WSC-Connect App bei Google Play
Buddhaland Forum in der WSC-Connect App im App Store
Download