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  2. Der Unbuddhist

Beiträge von Der Unbuddhist

  • OT: Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

    • Der Unbuddhist
    • 23. Juni 2017 um 09:53
    Morpho:

    Ich selber bin an Kampf nicht interessiert. Das macht manche "verrückt".()

    Da haben wir sie wieder, diese Heuchelei. Wer folgendes von sich gibt will sehr wohl den Konflikt – und zwar auf einer völlig unreflektierten Ebene.

    Morpho:

    Ich finde, dass "alle Welt" im Fall Döring geiert, geiert und giert, geiert wie es um ihn steht, geiert nach Informationen und nach "Neuigkeiten", ob die Gemeinschaft Bestand hat, geiert, dass der Tempel dich macht. Die Presse macht sich die Hände schmutzig, der Gerichtssprecher, […] und wenn [Void] mich fragt, sehe ich es auch so, dass hier ein Exempel statuiert werden soll.

    Wer so redet, muss sich, erstens, fragen lassen was er oder sie denn für eine selektive Wahrnehmung hat – und vor allem warum? Es gibt nämlich eine Berichterstattung über den jetzt angelaufenen Prozess, aus der man sich gut informieren kann. Die einzige Meldung im Fall Genpo D., die ich gefunden habe, die gegeiert und gegiert hat war – wär hätte das gedacht – von BILD.

    Wer pauschal die Berichterstattung und die Diskussion über den Fall so diffamiert, begibt sich, zweitens, im Prinzip ins Lager von Leuten die gerne von "Lügenpresse" reden – weil sie zu faul sind sich die Mühe zu machen und sich die Zeit zu nehmen, eine Sache differenziert anzuschauen. Es gibt im Übrigen auch auf dem Blog von Tenzin Peljor und auf dem Blog von Buddhismus aktuell eine zum Teil sachliche Diskussion (abgesehen, mal wieder – wer hätte das gedacht – vom unsäglichen GUIDO KELLER).

    Und es ist einmal mehr das Prinzip, den Überbringer der Botschaft zu denunzieren anstatt auf den Täter zu schauen. Es ist damit genau das Problem um das es geht: Dass Machtmissbrauch totgeschwiegen werden soll.

    Ich bin selbst z.T. sehr polemisch, keine Frage. Ich betrachte das als Mittel die Angesprochenen aus der Reservere zu locken. Einerseits, andererseits find ich es schlicht und ergreifend empörend was da vor sich geht. Ich finde es schlicht und ergreifend zum kotzen, dass Kinderfickerei klein geredet wird, dass sexuelle Übergriffe klein geredet werden, Sexismus, Machtmissbrauch von Leuten die mit dem Nimbus von Erleuchteten rumlaufen. Dass die DBU – als buddhistische Institution!? – zum Thema Ethik nichts zu sagen hat aber gleichzeitig so tut als sei sie eine gesellschaftlich relevante Kraft. Geht's noch? Das ist lachhaft. Heutzutage muss man sich sowas noch anhören?

    Allerdings ist es auch so, dass sich die Zeiten allmählich ändern. Die Leute gehen einem Buddhismus in dieser Form nicht mehr so leicht auf den Leim. Der Beitrag vom Deutschlandfunk und andere in der Art zeigen das. Auch hier im Forum isolieren sich die Leisetreter, Verschweiger und Diffamierer in Sachen Buddhismus und Machtmissbrauch zunehmend. Gut so.

  • OT: Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

    • Der Unbuddhist
    • 22. Juni 2017 um 17:10
    void:
    Der Unbuddhist:

    Übrigens, apropos Abgrund, Dröhnen und Narziss: Da wurde Stero erwähnt. Was ist aus ihm geworden? Ich dachte, ich hätte ihn seiner Zeit als geheilt entlassen...

    peinliche Geschichte […] so bizarre Sachen […] (viel Blut).

    Kommt einem aber auch alles immer wieder gleich vor......

  • OT: Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

    • Der Unbuddhist
    • 22. Juni 2017 um 16:47

    Ich weiss nicht was Morpho sonst so treibt, kann aber auch sein, dass sie eine alte Bekannte ist. Das Verhalten ist jedenfalls bekannt. Vermutlich hat sie meinen Artikel nicht mal gelesen, sonst wüsste sie, dass ich mindesten dreimal darauf verwiesen habe, dass man abwarten müsse, was bei dem Prozess herauskommt und: dass ich im Wesentlichen auf Gemeinsamkeiten im Verhalten verschiedener Beteiligter mit dem Fall Shimano hingewiesen habe und nicht so sehr auf möglicherweise begangenen Taten. Dass der Kritiker dann als Aasgeier bezeichnet wird, gehört auch zu diesen Gemeinsamkeiten. Diese Leute kommen nie mit Argumenten, immer nur mit Diffamierung. Ich sehe solche Leute als Opfer der Verhältnisse. Sie sind verunsichert und suchen Sicherheit. Wenn sich diese Sicherheit auch als unsicher herausstellt, dann ist das die Probe aufs Exempel. Die Aggression als Reaktion auf die Enttarnung einer vermeintlichen Sicherheit zeigt den Narziss in seiner Panik vor dem Nichts. Der Lärm der Aggression ist immer das Mittel der Wahl das Dröhnen des Abgrundes zu übertönen über dem das Ich aufgespannt ist.

    Übrigens, apropos Abgrund, Dröhnen und Narziss: Da wurde Stero erwähnt. Was ist aus ihm geworden? Ich dachte, ich hätte ihn seiner Zeit als geheilt entlassen...

  • Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

    • Der Unbuddhist
    • 22. Juni 2017 um 16:02

    Man kann natürlich darüber streiten, wie eine Ethik zu begründen sei. Das ändert aber nichts am zweiten Teil des Problems: Dass viel im Buddhismus im Westen der Schwierigkeit dieser Begründung aus dem Weg gehen, indem sie einfach voraussetzen, das Problem sei im Meister gelöst.

  • Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

    • Der Unbuddhist
    • 22. Juni 2017 um 10:48
    void:

    Oder eine Sonderaushabe [von Buddhismus heute] "Wie gehen wir mit Missbrauch um" von Buddhismus aktuell.

    Vielleicht sollte man es allgemeiner angehen und die Problematik folgendermaßen thematisieren: Wir wissen heute, eine Ethik lässt sich nicht aus irgendwelchen objektiven Tatsachen herleiten. Z.B. in dem man Das Gute im Menschen voraussetzt. Ergo ergibt sich eine Ethik immer auf Basis von Übereinkünften. Das bedeutet, dass man miteinander darüber reden muss. Wie wir wissen ist das nicht einfach. Im Buddhismus im Westen haben wir aber oft das Problem, dass man diese Problematik der Übereinkunft umgeht indem man einfach unterstellt, der Meister besitze das Wissen um die Ethik. Alles Schalten und Wallten ist also beim Meister konzentriert, ohne dass es ein Gespräch darüber gäbe, wie sein Wissen wirklich aussieht.

    Für Buddhismus heute als Organ der DBU ergibt sich aber ein Interessenkonflikt bei einem solchen Thema. Starke Gruppen in der DBU-Mitgliedschaft die auch im Rat vertreten sind, basieren in ihrer Struktur auf der oben genannten, nicht hinterfragten Voraussetzung, dass der Meister weiss was er tut und dass kein Gespräch mit ihm darüber nötig ist, wie er zu seiner Auffassung von Ethik kommt.

    Buddhismus aktuell kann das Thema nicht in allen wichtigen Fassetten diskutieren, ohne, zumindest implizit, die Autorität von Personen wie z.B. Sogyal von Lakar oder Ole Nydahl in Frage zu stellen.

    Sudhana:

    Die DBU soll ihren Mitgliedsverbänden bescheinigen, dass sie alle "authentischen Buddhismus" lehren (was auch immer das sein mag) und ansonsten auf ehrenamtlicher Basis ein wenig PR machen - nicht aber Mitgliedern an den Karren fahren, wenn die aus der Spur laufen. Deswegen äußert sich Herr Gantzhorn auch so zu dem Thema, wie er das tut - da spricht er für die DBU heute, was ja auch sein Amt ist.

    Dazu zitiere ich Tenpel aus einer Diskussion im Forum der Buddhismus aktuell:

    Zitat

    Was sollte denn die Bedeutung der DBU sein, wenn sie nicht einmal Stellung zu ethischen Fragen beziehen kann? Ein buddhistischer Dachverband ohne Kompetenz in (buddhistischer) Ethik? [meine Hervorhebung]

    Sudhana:

    Noch 2011 wurde auf dem Kongress der DBU das Thema unter verschiedenen Aspekten diskutiert. Damals stand man tatsächlich bei diesem Thema "noch ganz am Anfang" - heute ist man einen großen Schritt zurückgetreten.

    Das in dieser Nüchternheit von einem ehemaligen Rat der DBU zu hören ist schon ein niederschmetterndes Urteil.

  • Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

    • Der Unbuddhist
    • 21. Juni 2017 um 14:25
    Moosgarten:

    Ich bin allerdings wirklich nicht dort, um zu recherchieren, auch nicht informell. Bitte um Verständnis.

    Schon klar. Ich meinte es auch nur im Sinne von, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

  • Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

    • Der Unbuddhist
    • 21. Juni 2017 um 13:55
    Moosgarten:

    Ich bin in 10 Tagen da, aber Hozumi Gensho ist ein vielbeschäftigter Mann, wer weiss ob ich ihn antreffe.

    Ganz im Ernst: Wie wäre es mit einer kleinen informellen Recherche, wie man dort mit dieser Sache umgeht. Nicht nur beim Cheff Hozumi sondern überhaupt bei den dortigen Zenis soweit du sie triffst. Wobei die wie auch immer sich darstellende Unmöglichkeit das Thema anzusprechen schon Teil der Sache wäre. Das Thema ist schwierig, das ist klar, und man will vielleicht nicht unbedingt damnit anderen auf die Nerven gehen. Andererseits würde mich mal wirklich eine starkes Statement eine anerkannten Zen-Persönlichkeit interessieren.

  • Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

    • Der Unbuddhist
    • 21. Juni 2017 um 13:49
    Sudhana:
    Der Unbuddhist:

    In welchem Zeitraum war eigentlich Genpo D. im Rat der DBU und welche Funktion hatte er da inne?


    April 1985 bis April 2008.

    Thx.

    Übrigens allgemein. Dass man als Kritiker immer wieder angefeindet wird, dass einem unlautere Motive unterstellt werden usw. usv. kennt man zur Genüge. Allerdings werden diejenigen die nicht mehr drauf haben, hier anscheinend weniger. Vor 5 oder zehn Jahren wäre hier im Buddhaland ein Thread wie dieser mit relativ viel Substanz nicht möglich gewesen. Das lässt hoffen.

  • OT: Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

    • Der Unbuddhist
    • 20. Juni 2017 um 15:22

    Morpho, Freundchen, du bist eine von den Gestalten, die so Typen wie Genpo D. sicherlich so lange wie möglich die Stange halten, nicht wahr. Und wo's absolut nicht mehr geht, wird "'ne Story" draus. Geile Ansage.

  • Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

    • Der Unbuddhist
    • 20. Juni 2017 um 13:53

    In welchem Zeitraum war eigentlich Genpo D. im Rat der DBU und welche Funktion hatte er da inne?

  • Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

    • Der Unbuddhist
    • 20. Juni 2017 um 09:01
    Axel:

    Aber manchmal scheint es in dem Artikel darum zu gehen, weitere 'Sex-Skandale' zu verhindern, statt die dahinterliegenden Strukturen anzuschauen, die eben nur im Einzelfall 'Sex-Skandale' verursachen, aber als Ergebnis des laufenden Geschäfts eben auch ganz andere 'Skandale'...

    Naja, der Schwerpunkt liegt halt schon bei Genpo D. und bei den sich wiederholenden Verhaltensweisen. Aber du hast Recht, der Sexskandal ist 'nur' ein Effekt der Strukturen in denen sich das abspielt.

  • Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

    • Der Unbuddhist
    • 20. Juni 2017 um 08:27
    Axel:

    Lesenswerter Artikel. Danke. Allerdings auch hier (finde ich) teilweise wieder das Verwechseln von Form ('Sex-Skandal') und Inalt (ideologisch-institutionell begünstigter Machtmissbrauch).

    Hi Axel, Danke.

    Betreffend Form und Inhalt. Mir geht es eher um die Unterscheidung Einzelperson gegenüber Struktur in der möglich wird, was die Einzelperson tut. Oder besser gesagt, Person als Erscheinung einer Struktur. Die Verantwortlichkeiten verteilen sich dann anders. Solange man nur von der Einzelperson ausgeht, können sich gewisse Institutionen leicht rausreden, damit nichts zu tun zu haben. Wenn man es strukturell betrachtet verändert sich das. Ich würde dabei auch Wert darauf legen, von Verantwortung zu reden und nicht von Schuld. Dieser Gedanke führt aber nicht dazu, das was Genpo D. getan hat zu relativieren. Er hat sich dafür zu verantworten. Er hat allerdings auch die Chance sich zu rehabilitieren. Dazu ist unser Rechtssystem so gebaut wie es gebaut ist.

  • Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

    • Der Unbuddhist
    • 20. Juni 2017 um 06:42

    Vielleicht sollte man, statt nach den Problemen zu fragen die sich scheinbar in einer Einzelperson konzentrieren, danach fragen, welche Strukturen es ermöglichen, dass solche Dinge nicht verhindert werden und sich andauernd wiederholen. Bei der Vielzahl solcher Fälle, die wir inzwischen kennen, fallen einem doch immer häufiger die immer gleichen Verhaltensweisen der Beteiligten auf. Bei denen geht es garnicht so sehr um 'Buddhismus' sondern um ganz normale Formen der Verdrängung, der Skrupellosigkeit, der Scham, Dummheit, Selbstüberschätzung, Narzissmus usw. Täglich grüßt das Murmeltier.

  • Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

    • Der Unbuddhist
    • 14. Juni 2017 um 18:33

    Auf Facebook schreibt jemand der Genpo Döring wohl kannte, dieser sei jemand, "dem der Amoralismus des Zen durchaus als Ausrede für äußerst zweifelhaftes Verhalten galt und den eine große Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit auszeichnete - das Gefühl, jemand Besonderes und anderen Menschen grundsätzlich überlegen zu sein."

    Ja, das kommt einem doch irgendwie alles sehr bekannt vor. Und genau solche Menschen sind es, die in Organisationen wie zB Diamantweg und Rigpa ausschliesslich nach oben kommen. Nach oben kommt, wer sich überlegen fühlt. Wer sich in der Szene auskennt, kennt das. Ein weiterer Fall an den einen das erinnert ist natürlich der von Eido Shimano.

  • Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

    • Der Unbuddhist
    • 14. Juni 2017 um 10:33
    Zitat

    Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Äußerung des Sprechers der DBU in diesem Beitrag
    http://www.deutschlandfunk.de/buddhismus-den…ticle_id=386025
    http://blog.buddhistische-sekten.de/buddhistische-…nen-haben-oder/

    Es ist wirklich zu hoffen, dass die DBU irgendwann da landed, wo sie hingehört: Auf dem Müllplatz der Geschichte.

    Wenn der Sprecher der DBU Gunnar Gantzhorn – heutzutage – zum Thema nicht mehr zu sagen hat, so outet er sich als völlig inkompetent. Stattdessen vom üblichen Esoterikmist à la Vajrayana usw. zu schwadronieren zeigt, dass es sich bei ihm um den üblichen Eso-Blender handelt.

    Kein Wunder allerdings, die DBU in ihrem Rat wird bekanntlich dominiert von den beiden mächtigsten und zugleich zutiefst reaktionären buddhistischen Gruppen Deutschlands bzw. weltweit: Ole Nydahls Diamantweg und Sogyal Rinpoches Rigpa. Da will man sich nicht unbeliebt machen, indem man zB Vergwaltigung Vergewaltigung nennt und das pseudobuddhistische Getue dieser Leute als das bezeichnet was es ist: Sektenseppels Grössenwahn als Voraussetzung für Machtmissbrauch in jeglicher Form.

  • Gutes Karma sammeln

    • Der Unbuddhist
    • 1. November 2016 um 15:24

    Ich samml gutes Karma per Facebook. Ich klapper einfach Buddhismusseiten ab und drücke "Like".

  • Wie der Zen William James von den Füssen auf den Kopf stellt

    • Der Unbuddhist
    • 18. Mai 2016 um 10:13
    Selbst:

    ....kulturell bedingten Gegebenheiten... […] . Das ist alles bekannt und dürfte von den meisten auch so gesehen werden.

    Es gibt im Westlichen Buddhismus vielerorts einen 'Kult des Originals'. Das wäre nicht weiter problematisch, wenn die Leute daraus nicht Autoritätsansprüche ableiten würden. Das vermeintliche Original (im Zen, im tibet. Buddhismus, im sog. Theravada etc. pp.) ist aber, wie du sagst, bedingt durch "kulturell bedingte Gegebenheiten" – und zwar von Anfang an. D.h. der Meister selbst war bedingt. Das wird leider von den meisten nicht so gesehen. Weder Lehrer, und noch weniger ihre Schüler, sind meistens in der Lage, sich wirklich eine Bild zu machen über kulturelle Bedingtheiten. Ironischer Weise macht spätestens Madhymaika selbst mit diesem Kult des Originals Schluss.

  • Wie der Zen William James von den Füssen auf den Kopf stellt

    • Der Unbuddhist
    • 18. Mai 2016 um 09:46
    Monday:

    Das Kuriosum besteht eher darin, dass diese Ansicht von Sharf auf Dilworth zurück geht, der allerdings hierin Nishida UND James falsch verstanden hat, was die intellektuellen Relationen anbetrifft. Vgl. Maximiliane Demmel, Der Begriff der reinen Erfahrung bei Nishida Kitaro und William James und sein Einfluss auf Nishidas Begriff der religiösen Erfahrung. München 2004, S. 115 ff - insb. S.125.

    Danke für den Lit.-Hinweis. Würde mich übrigens nicht wundern, wenn derartige Komplikationen auftauchen, dass nun Sharf sich auf etwas bezieht was seine Quelle wiederum falsch verstanden hat....

    P.S. das mit dem bedingten Entstehen ist halt alles ein schreckliches duichAnanda.

  • Wie der Zen William James von den Füssen auf den Kopf stellt

    • Der Unbuddhist
    • 17. Mai 2016 um 09:49

    Ein Beispiel für den Veränderungsprozess, den verschiedene asiatische Formen des Buddhismus beginnen, wenn sie mit dem Westen in Berührung kommen, ist der japanische Zen. Dieser hat ab dem Ende des 19. Jahrhunderts eine völlige Neuprägung erhalten, die einem Wechselspiel exo- und endogener Einflüsse unterliegt. Trotz dieser Interaktion gibt es bei uns bis heute den Mythos vom Zen als einer uralten und reinen Tradition der Bilderstürmerei, die akademisches Lernen und das Ritual verneine und stattdessen Natürlichkeit, Spontanität und Freiheit bevorzugt. Zen soll die „reine Erfahrung“ sein, eine ahistorische und transkulturelle Erfahrung „reiner Subjektivität“ die diskursives Denken völlig transzendiert. Zen soll die ultimative und unmittelbare Erfahrung des Lebens sein, ohne dabei von kulturellen Artefakten beeinträchtigt zu werden. Darüber hinaus soll Zen die ursprünglich Quelle aller religiösen Erfahrung sein, westlicher wie östlicher. (vgl. ZN, 107)

    Tatsächlich jedoch lässt sich feststellen, dass dieser Zen ein Konstrukt ist, das seit dem ausgegehenden 19. Jhdt. entstand. Die bekannteste Person in diesem Zusammenhang ist der Autor D.T. Suzuki. Dieser neue Zen ist gekennzeichnet durch folgendes Axiom: „Zen zu studieren heisst, Zen zu erfahren, denn ohne die Erfahrung gibt es keinen Zen den man studieren könnte.“ (ZN, 127) Man wird diese Grundsatzaussage endlos variiert in jeder Zengruppe hören. Die Betonung der Erfahrung ist jedoch neu für den japanischen Zen und geht zurück aufSuzukis persönlichen Freund Nishida Kitarō. Von ihm geht in Zusammenarbeit mit Suzuki eine „neue Buddhismusexegese aus, die die reine und unmittelbare Erfahrung gegenüber Ritual und Studium privilegiert.“ (ZN, 123) Die Einflüsse für diese Entwicklung kommen aus dem Westen und lassen sich bis auf das besondere und neue Interesse an religiöser Erfahrung bei Friedrich Schleiermacher zurück verfolgen, wobei aber besonders der amerikanische Philosoph William James auf Nishida einen wichtigen Einfluss ausübte. Nishida wurde von Suzuki mit James bekannt gemacht, wobei man wissen muss, dass Suzuki Anfang des 20. Jahrhunderts wiederum eine jahrelange ‚Lehrzeit‘ in den USA durchmachte, während der er mit dortigen zeitgenössischen philosophischen Strömungen bekannt wurde. Nishida lernt über Suzuki James’ Erfahrungsbegriff kennen, der dann für den Zen des 20. Jahrhunderts von grösster Bedeutung wird – ohne dass er vorher im Zen eine solche jemals gehabt hätte. Kurios ist dabei, dass Nishida den von James importierten Begriff von der Erfahrung entgegen James’ Intention auslegt. Für James ist „in der psychologischen Introspektion einzig die Tatsache gegeben, daß Denk- und Erfahrungsprozesse vor sich gehen. Mit dieser Vorstellung folgt James der Tradition Humes, der die Existenz einer unveränderlichen substantiellen Seele oder eines reinen, identischen Selbst als Gegenstand der Introspektion bestritten und statt dessen behauptet hatte, es gebe lediglich die wahrgenommenen wechselnden Bewußtseinsepisoden. Für James und Hume gilt gleichermaßen: Bei der Introspektion müssen wir feststellen, daß sich uns kein „reines Selbst“ offenbart, das außerhalb der Empirie stehend die einzelnen Erfahrungsepisoden koordinieren würde.“ (PE, 6 f.)

    Das Kuriosum ist, dass Suzuki und Nishida Kitarō eine ihrer Quellen, was den überaus wichtigen Erfahrungsbegriff im neuen Zen angeht, schlicht völlig entgegen deren Intention verstehen: James kritisiert die Introspektion als verlässliche Quelle des Wissens, Nishida und Suzuki machen daraus eine Quelle reiner Erfahrung transhistorischer Wahrheit.

    _____________________________

    Litertaur:

    PE: William James: Zwischen Psychologie und Erfahrungsmetaphysik, Felicitas
    Krämer, in: e-Journal Philosophie der Psychologie, 2007, Internet: http://
    http://www.jp.philo.at/texte/KraemerF1.pdf (15.1.2015)

    ZN: The Zen of Japanese Nationalism, Robert H. Sharf, in: Curators of the Buddha, Donald S. Lopez, Jr. (Ed.), Chicago, 1995.

  • Historizität Buddhas(OT::Selbstmord im Buddhismus)

    • Der Unbuddhist
    • 25. März 2016 um 18:42

    Aus der Heuristik des Spekulativen Non-Buddhismus: [url=https://unbuddhist.com/die-heuristik-…tagonist,%20Der]Protagonist, Der[/url].

  • Buddhismus Aktuell 1/2016: einige weitere Anmerkungen

    • Der Unbuddhist
    • 6. März 2016 um 17:07

    Morpho: Mit dem Thema befassen und dann was sagen. Danke.

  • Buddhismus Aktuell 1/2016: einige weitere Anmerkungen

    • Der Unbuddhist
    • 6. März 2016 um 09:55
    Losang Lamo:

    Zwischenfrage: haben wir hier auch irgendwo den Originalartikel aus "Buddhismus Aktuell", um den es geht? Ich finde nur Kommentare dazu, mit denen ich nichts anfangen kann, wenn ich das Original nicht gelesen hab.

    Es geht um das ganze Heft. Darin haben diverse Autoren geschrieben. Man kann es nur bestellen oder in grossen Bahnhofsbuchhandlungen bekommen. Kost 9,50 €.

  • Buddhismus Aktuell 1/2016: einige weitere Anmerkungen

    • Der Unbuddhist
    • 6. März 2016 um 08:41

    Ich habe in Artikel Buddhismus Aktuell 1/2016: einige weitere Anmerkungen in der Schlussbetrachtung geschrieben, dass bei den kritisierten drei Punkten – starke Gewichtung der Meditation im westlichen Buddhismus, Fraglichkeit der Herkunft von Achtsamkeit im asiatischen Buddhismus, Fraglichkeit der Wirksamkeit von Achtsamkeit – nicht klar wird, was sie mit asiatischem Buddhismus zu tun haben sollen. Auf dem englischsprachigen Blog Speculative Non-Buddhism ist ein Artikel zu lesen – Notes Towards a Coming Backlash von Per Drougge* –, der besonders in Hinsicht auf die Fraglichkeit der Herkunft von Achtsamkeit aus dem asiatischen Buddhismus einige wichtige Quellen an führt. U.a. handelt es sich um zwei auch online zugängliche Texte von Robert Sharf: Is mindfulness Buddhist? (and why it matters) und [url=http://buddhiststudies.berkeley.edu/people/faculty…arly%20Chan.pdf]Mindfulness and Mindlessness in early Chan[/url].

    Ich zitiere aus Is mindfulness Buddhist? (and why it matters):

    Zitat

    Was die moderne Auffassung von Achtsamkeit und ihr Vorkommen im vormodernen Asien angeht, ist zu sagen, dass sie eine Minderheitenposition war, die sich zudem nicht unerheblicher Kritik aus traditionellen Kreisen ausgesetzt sah. […] Wir hören z.B. den Vorwurf, dass solche Praktiken vorübergehende Zustände statt langfristiger Veränderungen betonen, dass sie nicht den Nutzen bringen den sie versprechen, dass sie eher hinduistisch als buddhistisch sind und dass ihre Betonung des Vorranges von innerer Ruhe bei gleichzeitiger Abwesenheit einer kritischen intellektuellen Auseinandersetzung mit den Lehren, zu einem paralysierenden Zustand der Selbstversunkenheit führen kann, der ostasiatischen Buddhisten seit langem als "Meditationskrankheit" bekannt ist. (S. 479; meine Übersetzung)

    * vgl. dazu auch hier auf The Non-Buddhist.

  • Buddhismus Aktuell 1/2016: einige weitere Anmerkungen

    • Der Unbuddhist
    • 4. März 2016 um 19:18
    Stero:

    ...der Begriff "Übersetzung" muss erst mal angemessen bestimmt werden...

    Genau. Es geht um Übersetzungsprobleme.

  • Buddhismus Aktuell 1/2016: einige weitere Anmerkungen

    • Der Unbuddhist
    • 4. März 2016 um 08:08

    VORSTELLUNGEN

    JazzOderNie:

    Streng genommen heisst "Transzendenz" ja "Uebersteigen" und wenn man das durchdefiniert dann koennte das auf die meisten "Vorstellungen" zutreffen, weil es ueber das Sinnliche hinausgeht.

    Ja, da wird's dann echt spannend. Und es wird auch klar, dass man ohne ein minimales Set an solchen Vorstellungen nicht auskommt, z.B. die von Void erwähnten Regeln auf denen unsere säkulares Miteinander basiert.

    Meine Vorstellung vom Buddhismus war mal, dass er eine derartige Minimierung vornimmt. Das mag im frühen Buddhismus so gewesen sein, auch z.B. in bestimmten Richtungen die sich in Tibet entwickelt haben, oder auch im Chan oder Zen. Gleichzeitig sieht man an solchen Beispielen auch, dass es zu einer enormen Diskrepanz kommen kann zwischen diesen Versuchen der Minimierung von Vorstellungen und der gleichzeitigen Ausbreitung von Vorstellungen über alle möglichen transzendenten Wesenheiten. Diese Unterscheidung charakterisiert auch das Non-Buddhismus-Projekt (wobei dieser Begriff einfach nur ein Name für die Sache ist, um die es geht, sonst nichts. Man kann es auch anders nennen. Es gibt da keine Bekehrungsbestrebungen).

    JazzOderNie:

    ...das Konzept der Seele ist ja ein Teil von dem Konzept Gott....

    Genau. Und da ist man bei den Grundlagen unserer Vorstellungen im Denken, das unserer Kultur eigen ist und das sich möglicherweise grundlegend von dem anderer Kulturen unterscheidet. Diese Unterscheidung spielt ein sehr wichtige Rolle, weil man unter Umständen Vorstellungen aus anderen Kulturen unbeabsichtigt auf Grundlage der eigenen Vorstellungen 'übersetzt'. Deshalb ist es z.B. problematisch – wie bel angemerkt hat – wenn ich sage, der Buddhismus heute im Westen vergesse sein eigenes bedingtes Entstehen, weil ich da eine bestimmte Vorstellung nutze, die ich über das Bedingte Entstehen habe, die aber evtl. nicht mit älteren übereinstimmt. Man sieht also, dass man es mit einem Problem zu tun hat, das weder einfach zu beschreiben ist, weil es die Struktur unseres eigenen Denkens betrifft, noch einfach zu lösen ist, weil man u.a. die Strukturen des Denkens andere Kulturen sichtbar machen muss. Ein sehr schönes, leicht lesbares und kurzes Beispiel für eine solche Sichtbarmachung ist Dekonstruktion auf Chinesisch von Byung-Chul Han. Ich garantiere für das eine oder andere aufgehende Licht bei Lektüre dieses Büchleins.

    itune:

    … dass sich der SNB dem historischen Materialismus verpflichtet fühlt...

    Das kam mir doch gleich so merkwürdig vor. Wie kommt der da drauf? Nun stellt sich heraus, das war olle Guido....

    mukti:

    Unter Transzendenz verstehe ich "jenseits der Sinneswahrnehmungen". Wobei im Buddhismus auch der Geist als ein Sinn gilt.

    Man könnte also vielleicht auch sagen, dass es darum ginge, bestimmte Vorstellungen vom Geist, von unserem Bewusstsein zu hinterfragen...

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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