Hallo alle zusammen,
ich bin neu hier und sage erst einmal danke an alle, die sich Zeit nehmen, mein Problem zu lesen.
Gerade habe ich ziemlich viel geweint aus einem Grund, der mir immer zugegen ist: Ich habe Angst, dass mein Freund mich irgendwann verlässt.
Soweit zum Status quo.
Ich habe viel über loslassen / festhalten verursacht Leid etc. gelesen aber um ehrlich zu sein finden meine Gedanken immer nur (so logisch mir die Texte auch erscheinen) den Weg zur Angst.
Mein Freund und ich lieben uns sehr. Wir sind seit über 3 Jahren einPpaar, haben eine gemeinsame Wohnung und möchten auch die Zukunft zusammen verbringen.
Allerdings hat mein Freund gerade vor dem Schlafengehen ein Thema angeschnitten, was mir Angst macht und da er jetzt eingeschlafen ist und ich aber noch hellwach bin, niemanden habe, um darüber zu reden und schon wieder kurz vor einem Heulanfall stehe, fühle ich mich jetzt ziemlich allein gelassen und einsam.
Es ging um Buddhismus, materielle Werte und Freiheit.
Ein Beispiel vorweg: Ich mag Kunsthandwerk. Ich mag es gern anfassen, erschaffen, mich daran erfreuen etc. Ich sehe nichts Schlechtes darin, sich an so etwas zu erfreuen, solange kein Leid dabei verursacht wird. Meine Katzen liebe ich über alles- ich möchte mich um sie kümmern, für sie da sein und ich sehe darin auch irgendwie meinen Sinn hier auf dieser Welt.
Er meint, Leid wird so oder so kommen, weil alles irgendwann gehen wird. Daher sollte man sich davon frei machen. Er ist der Meinung, frei im Geist zu sein und sich von allem zu trennen, führt zur Erlösung und zur Freiheit.
Ok, in der Theorie macht das für mich Sinn. Nichts da, kein Leid- logisch. In der Praxis macht es mir Angst. Sehr viel Angst.
Ich sehe meinen Freund in einer kleinen Kammer, frei von jeglichen Dingen, auch frei von mir.
Meine Angst besteht darin, dass er evtl. dieses Ziel anstrebt, dass er sich irgendwann von allem lösen will. Dass unsere Liebe dadurch ihr Ende findet. Dass die Wege auseinander gehen (weil er oder ich irgendetwas falsch verstanden haben?).
Für ihn heißt Freiheit, alles im Geist zu erleben, zu schaffen etc.
Meine Frage: Wie kann es denn Freiheit sein, wenn ich allein mit mir bin. Wenn niemand und nichts da ist.
(Versteht mich nicht falsch: Den Geist als Refugium wünsche ich mir auch, aber dieses Bild mit der Kammer ist eine für mich absolut furchtbare Illusion und keine Freiheit. Oder was habe ich falsch verstanden?)
Also zurück zu meiner alles beherrschenden Angst: Was ist, wenn unsere Ziele auseinanderführen irgendwann? Wenn bei jeder getöpferten Tasse die mir Freude bereitet keine Freude zurückkommt, weil es ja eh nichts wert ist? Weil ja EH alles weg ist irgendwann?
Mir schießt es direkt in den Kopf: Warum machen wir dann alle weiter? Warum beenden wir nicht alle gleichzeitig unser Leben?
Alles, was mir Freude macht, alles was ich kann, mag, will, liebe, wertschätze, mein ganzes Sein in meinem Verständnis, meine Aufgaben etc etc.... alles nichts wert? Das alles soll NUR in meinem Geiste stattfinden? Ich sage ganz ehrlich: Schein hin oder her, das möchte ich nicht.
Ich möchte die Dinge anfassen, formen, erschaffen, liebkosen wie auch immer.
Also um es nochmal zu bündeln (sorry für den Redeschwall ich bin gerade echt in einer sehr traurigen Stimmung und versuche das irgendwie klar zu machen):
Ist es und wenn ja möglich, dass ein gemeinsamer Weg gegangen werden kann, ohne dass er auf seine Freiheit und ich auf meine getöpferten Tassen verzichten muss?
vielen vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und einen schönen Abend noch,
eure Lissa