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  1. Buddhaland Forum
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Angst und Traurigkeit wegen unterschiedlicher Ziele?

  • Lissa
  • 27. Oktober 2011 um 23:05
  • Zum letzten Beitrag
  • Lissa
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    27. Oktober 2011
    • 27. Oktober 2011 um 23:05
    • #1

    Hallo alle zusammen,

    ich bin neu hier und sage erst einmal danke an alle, die sich Zeit nehmen, mein Problem zu lesen.

    Gerade habe ich ziemlich viel geweint aus einem Grund, der mir immer zugegen ist: Ich habe Angst, dass mein Freund mich irgendwann verlässt.

    Soweit zum Status quo.

    Ich habe viel über loslassen / festhalten verursacht Leid etc. gelesen aber um ehrlich zu sein finden meine Gedanken immer nur (so logisch mir die Texte auch erscheinen) den Weg zur Angst.


    Mein Freund und ich lieben uns sehr. Wir sind seit über 3 Jahren einPpaar, haben eine gemeinsame Wohnung und möchten auch die Zukunft zusammen verbringen.
    Allerdings hat mein Freund gerade vor dem Schlafengehen ein Thema angeschnitten, was mir Angst macht und da er jetzt eingeschlafen ist und ich aber noch hellwach bin, niemanden habe, um darüber zu reden und schon wieder kurz vor einem Heulanfall stehe, fühle ich mich jetzt ziemlich allein gelassen und einsam.

    Es ging um Buddhismus, materielle Werte und Freiheit.

    Ein Beispiel vorweg: Ich mag Kunsthandwerk. Ich mag es gern anfassen, erschaffen, mich daran erfreuen etc. Ich sehe nichts Schlechtes darin, sich an so etwas zu erfreuen, solange kein Leid dabei verursacht wird. Meine Katzen liebe ich über alles- ich möchte mich um sie kümmern, für sie da sein und ich sehe darin auch irgendwie meinen Sinn hier auf dieser Welt.

    Er meint, Leid wird so oder so kommen, weil alles irgendwann gehen wird. Daher sollte man sich davon frei machen. Er ist der Meinung, frei im Geist zu sein und sich von allem zu trennen, führt zur Erlösung und zur Freiheit.

    Ok, in der Theorie macht das für mich Sinn. Nichts da, kein Leid- logisch. In der Praxis macht es mir Angst. Sehr viel Angst.
    Ich sehe meinen Freund in einer kleinen Kammer, frei von jeglichen Dingen, auch frei von mir.
    Meine Angst besteht darin, dass er evtl. dieses Ziel anstrebt, dass er sich irgendwann von allem lösen will. Dass unsere Liebe dadurch ihr Ende findet. Dass die Wege auseinander gehen (weil er oder ich irgendetwas falsch verstanden haben?).

    Für ihn heißt Freiheit, alles im Geist zu erleben, zu schaffen etc.

    Meine Frage: Wie kann es denn Freiheit sein, wenn ich allein mit mir bin. Wenn niemand und nichts da ist.
    (Versteht mich nicht falsch: Den Geist als Refugium wünsche ich mir auch, aber dieses Bild mit der Kammer ist eine für mich absolut furchtbare Illusion und keine Freiheit. Oder was habe ich falsch verstanden?)

    Also zurück zu meiner alles beherrschenden Angst: Was ist, wenn unsere Ziele auseinanderführen irgendwann? Wenn bei jeder getöpferten Tasse die mir Freude bereitet keine Freude zurückkommt, weil es ja eh nichts wert ist? Weil ja EH alles weg ist irgendwann?

    Mir schießt es direkt in den Kopf: Warum machen wir dann alle weiter? Warum beenden wir nicht alle gleichzeitig unser Leben?

    Alles, was mir Freude macht, alles was ich kann, mag, will, liebe, wertschätze, mein ganzes Sein in meinem Verständnis, meine Aufgaben etc etc.... alles nichts wert? Das alles soll NUR in meinem Geiste stattfinden? Ich sage ganz ehrlich: Schein hin oder her, das möchte ich nicht.
    Ich möchte die Dinge anfassen, formen, erschaffen, liebkosen wie auch immer.

    Also um es nochmal zu bündeln (sorry für den Redeschwall ich bin gerade echt in einer sehr traurigen Stimmung und versuche das irgendwie klar zu machen):

    Ist es und wenn ja möglich, dass ein gemeinsamer Weg gegangen werden kann, ohne dass er auf seine Freiheit und ich auf meine getöpferten Tassen verzichten muss?

    vielen vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und einen schönen Abend noch,


    eure Lissa

  • Bambus
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    24. Dezember 2009
    • 28. Oktober 2011 um 10:15
    • #2

    Hallo Lissa,

    der Schlaf, den Du hoffentlich noch gefunden hast, hat geholfen? Ich wünsche es Dir. Schau raus, bei uns scheint die Sonne. Ich hoffe bei Dir auch!

    Lissa:

    Für ihn heißt Freiheit, alles im Geist zu erleben, zu schaffen etc.

    Das hast entweder Du, oder Dein Freund, nicht richtig verstanden. Es macht keinen Unterschied ob Du haptisch, mit Deinen Fingern, eine Tasse anfasst und schön findest, oder ob Du rein im Geist das Objekt Deiner Freude bewunderst. Beides ist, negativ gesprochen, Anhaftung. Ob Du etwas mit Deinen Händen schaffst oder ein Gedankengebäude errichtest hat im Endeffekt die gleiche Qualität.

    Zitat

    (sorry für den Redeschwall ich bin gerade echt in einer sehr traurigen Stimmung und versuche das irgendwie klar zu machen)

    Dafür brauchst Du Dich nicht zu entschuldigen. Allein das Aufschreiben wird Dir sicher geholfen haben. Und was Dir gut tut solltest Du machen. Es ist schwierig auf den ersten Beitrag eines neuen Nutzers wie Dir zu antworten. Man hat so wenig Informationen, kein Bild des Gegenübers. Alle Versuche zu helfen sind nur zielloses stochern im Sand. Aber vielleicht findest Du ja doch irgend etwas was Dir hilft.

    Nach 23:00 ist vielleicht nicht die optimale Zeit, aber ich wünsche Dir, dass Du Freunde hast denen Du Deine Gedanken und Sorgen Gesicht zu Gesicht schildern kannst. Das hilft akut sicher mehr als jedes anonyme Forum.

    Zitat

    Ich habe viel über loslassen / festhalten verursacht Leid etc. gelesen aber um ehrlich zu sein finden meine Gedanken immer nur (so logisch mir die Texte auch erscheinen) den Weg zur Angst.

    Das ist der Punkt an dem Du stehst. Akzeptiere es. Dein Freund steht an einem anderen Punkt, auf seinem ganz eigenen Weg. Schön wenn beide Wege eine Zeit zusammen verlaufen. Aber halt alles vergänglich.

    Meiner ganz persönlichen Meinung nach solltest Du vermeiden zu versuchen so zu sein wie andere es (vermeintlich) erwarten. Dich zu ändern, um Deinem Freund zu gefallen. Dich verändern um ihn zu halten. Das ist Selbstbetrug, Betrug am Partner, und wird eh nicht funktionieren. Kein einfacher Rat und er erfordert viel Selbstbewusstsein.

    Liebe Grüße

    Bambus

    Von mehreren Theorien, die die gleichen Sachverhalte erklären, ist die einfachste allen anderen vorzuziehen.

    Die Leute von denen Du am meisten lernen kannst sind die mit denen Du nicht einer Meinung bist.

  • Onda
    Gast
    • 28. Oktober 2011 um 10:58
    • #3

    Danke Lissa für deinen Beitrag,

    du siehst das Bild einer leeren Kammer vor dir, leer von allem, was dir am Herzen liegt.
    Da ist nichts mehr zum Anhaften. Aber auch nichts mehr, was das Herz erfreut.

    Es gibt viele Arten, den Buddhismus misszuverstehen. Diese "Entrümpelungs-Strategie" deines Freundes scheint mir eine davon zu sein. Es geht im Budha-Dharma nicht darum, um uns herum ein Vakuum zu schaffen. Es geht darum, das Anhaften zu überwinden. Diese Strategie, vorsorglich sein Leben von allem "Lieben" zu befreien, um eventuellem künftigen Leid vorzubeugen, ist eine Strategie der Feigheit und nicht im Einklang mit dem Buddha-Dharma. Der Buddha-Dharma ist kein Weg zur Gleichgültigkeit.

    Ich glaube, dein Freund deutet den buddhistischen Weg falsch.
    Buddha-Dharma ist keine Abkehr vom Leben. Er ist ein Weg des Mitgefühls, ein Weg des Erwachens, ein Weg der Überwindung des Leidens. Er ist kein Weg, zusätzliches Leiden zum bestehenden zu erzeugen. Sollte das der Fall sein, läuft irgendetwas schief.

    Liebe Grüße
    Onda

  • monikamarie
    Gast
    • 28. Oktober 2011 um 11:07
    • #4
    Lissa:


    ich bin neu hier und sage erst einmal danke an alle, die sich Zeit nehmen, mein Problem zu lesen.
    Gerade habe ich ziemlich viel geweint aus einem Grund, der mir immer zugegen ist: Ich habe Angst, dass mein Freund mich irgendwann verlässt.

    Herzlich Willkomm hier und danke für Dein Vertrauen, liebe Lissa.

    Zitat

    Ich habe viel über loslassen / festhalten verursacht Leid etc. gelesen aber um ehrlich zu sein finden meine Gedanken immer nur (so logisch mir die Texte auch erscheinen) den Weg zur Angst.

    Ja, das führt erstmal zur Angst, wenn Du damit noch nicht viel Erfahrungen gesammelt hast. Du bist vermutlich noch sehr jung, denn desto älter jemand ist, desto öfter musste jemand (vielleicht) auch schon Vieles loslassen, angefangen von zerschlagenen beruflichen Träumen über romantische Träume, finanzielle Träume, unerfüllte Kinderwünsche, unerfüllte Erwartungen an sich selbst ...

    Zitat

    Mein Freund und ich lieben uns sehr. Wir sind seit über 3 Jahren einPpaar, haben eine gemeinsame Wohnung und möchten auch die Zukunft zusammen verbringen.

    Das klingt doch vielversprechend!? Wenn Dein Freund das auch so will, ist er sich sicher auch der Verantwortung bewusst, die mit solchen Versprechen verbunden ist.

    Zitat

    Es ging um Buddhismus, materielle Werte und Freiheit.
    Ein Beispiel vorweg: Ich mag Kunsthandwerk. Ich mag es gern anfassen, erschaffen, mich daran erfreuen etc. Ich sehe nichts Schlechtes darin, sich an so etwas zu erfreuen, solange kein Leid dabei verursacht wird. Meine Katzen liebe ich über alles- ich möchte mich um sie kümmern, für sie da sein und ich sehe darin auch irgendwie meinen Sinn hier auf dieser Welt.

    Er meint, Leid wird so oder so kommen, weil alles irgendwann gehen wird. Daher sollte man sich davon frei machen. Er ist der Meinung, frei im Geist zu sein und sich von allem zu trennen, führt zur Erlösung und zur Freiheit.

    Das stimmt. Unter sich-davon-freimachen verstehe ich allerdings, nicht anhaften, nicht dran hängen, d. h. eine Katze, die ich nunmal schon bei mir im Hause habe, wird sicherlich bis zu ihrem natürlichen Ende bei mir auch weiterhin ihre Pflege und nötige Zuwendung finden. Aber ich würde z. B. keine "neue" kaufen. Einen Buddha aus Stein, Bronze oder was auch immer habe ich auch bei mir zur Erinnerung hingestellt. Auch wenn ich das heute nicht mehr brauche, schmeiße ich ihn dennoch nicht fort. Es genügt zu wissen, dass ich nicht an diesem "Murti" hänge und kaufe keine weiteren, würde mich aber auch nicht verurteilen, wenn ich es dennoch täte und geschenkte sowieso annehmen.

    Zitat

    Ich sehe meinen Freund in einer kleinen Kammer, frei von jeglichen Dingen, auch frei von mir.

    Sitzt er da oder stellst Du Dir das nur vor? Wenn Du es Dir nur so vorstellst, dann lös Dich von dieser Vorstellung, denn nur die Vorstellung macht Angst. Ansonsten ist seine Übung genau das, was auch der Buddha lehrte - frei von allem zu werden. Doch diese Übung muss nicht zwangsläufig darauf hinauslaufen, dass er Dich verlässt, schon gar nicht, wenn Dich die Lehre Buddhas auch interessiert und Du ihr folgen willst. Was immer geschehen wird, liegt ohnehin nicht in Deiner Hand.

    Zitat

    Meine Angst besteht darin, dass er evtl. dieses Ziel anstrebt, dass er sich irgendwann von allem lösen will. Dass unsere Liebe dadurch ihr Ende findet. Dass die Wege auseinander gehen (weil er oder ich irgendetwas falsch verstanden haben?).

    Loslassen heisst für mich hier, loslassen von der Angst. Jeder, der intensiv der Lehre Buddhas folgt, wird sich irgendwann von allem Möglichen lösen, das bedeutet aber nicht, unbedingt in die Hauslosigkeit zu gehen. Ich lebe mit einem Mann, der Buddhismus gut findet und toleriert, aber an allem hängt, woran ein westlicher Konsument so hängen mag. Wichtig ist dabei, dass ich meinen eigenen Weg finde und gehe - Step by Step.

    Zitat

    Meine Frage: Wie kann es denn Freiheit sein, wenn ich allein mit mir bin. Wenn niemand und nichts da ist.
    (Versteht mich nicht falsch: Den Geist als Refugium wünsche ich mir auch, aber dieses Bild mit der Kammer ist eine für mich absolut furchtbare Illusion und keine Freiheit. Oder was habe ich falsch verstanden?)

    Die schönste Erfahrungen in meinem bisherigen Leben erlebte ich in der Zeit, als ich noch mit mir alleine war. Ich fühlte mich absolut nicht einsam. Dennoch habe ich das Abenteuer der Partnerschaft noch einmal richtig erleben wollen und mich auf diese Beziehung mit meinem Mann eingelassen (wenn es dem Esel zu gut geht ... :lol: ). Aber auch das bereue ich nicht, weil ich viel über mich und andere Menschen erfahren habe, was mir zuvor noch fehlte. Außerdem erkannte ich einen weiteren Bereich, dem ich meine Aufmerksamkeit und Achtsamkeit zu widmen hatte, was zu weiterem Fortschritt führte.

    Aber auch gilt, mach Dir keine Vor-Stellungen darüber, was Dein Lebensgefährte wohl wünscht und wie seine Freiheitsvorstellungen sich auswirken mögen. Lass das Leben doch einfach auf Dich zukommen :) .
    Hätte mir mit 20 jemand prophezeit, wie sich mein Leben gestalten und verwickeln bzw. entwickeln würde, hätte ich mir damals wohl lieber das Leben genommen. Heute jedoch weiß ich, dass es alles sinnvoll war, was mir zugestoßen ist. Ich möchte nichts missen, denn all das, was ich erlebte, macht mich zu dem, was ich heute bin. Und das, was ich heute fühle ist Frieden, Mitgefühl und ein großes Maß an Freiheit und Unabhängigkeit (im Gegensatz zu der damaligen 20jährigen). Ich möchte mit diesem Unruhezustand niemals tauschen.

    Zitat

    Ist es und wenn ja möglich, dass ein gemeinsamer Weg gegangen werden kann, ohne dass er auf seine Freiheit und ich auf meine getöpferten Tassen verzichten muss?

    Ja, liebe Lissa, Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen (nicht in ihn, sondern in den Prozess Deines Lebens)
    _()_ Monika

  • Onda
    Gast
    • 28. Oktober 2011 um 12:54
    • #5
    Lissa:


    Also zurück zu meiner alles beherrschenden Angst: Was ist, wenn unsere Ziele auseinanderführen irgendwann? Wenn bei jeder getöpferten Tasse die mir Freude bereitet keine Freude zurückkommt, weil es ja eh nichts wert ist? Weil ja EH alles weg ist irgendwann?
    Mir schießt es direkt in den Kopf: Warum machen wir dann alle weiter? Warum beenden wir nicht alle gleichzeitig unser Leben?

    Eine Philosophie oder Religion, die nicht auf dem Fundament einer grundlegenden und unbedingten Wertschätzung des Lebens ruht, taugt in meinen Augen nichts.
    Natürlich verschwinden alle Dinge früher oder später. Zu schließen, sie seien deshalb nichts wert, ist falsch. Im Gegenteil.

    LG
    Onda

    Einmal editiert, zuletzt von Anonymous (29. Oktober 2011 um 07:27)

  • Sven
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    • 28. Oktober 2011 um 14:41
    • #6
    Lissa:


    Gerade habe ich ziemlich viel geweint aus einem Grund, der mir immer zugegen ist: Ich habe Angst, dass mein Freund mich irgendwann verlässt.


    Liebe Lissa,

    als ich ein kleiner Junge war und plötzlich verstanden hatte, was Tod bedeutet, hatte ich schreckliche Angst, dass meine Eltern sterben könnten und ich allein bin. Ich konnte nicht mehr einschlafen und weinte sehr.

    Heute über 45 Jahre später, leben meine Eltern immer noch und wenn sie jetzt sterben würden, wäre ich zwar traurig, aber die existenzielle Bedeutung, die es damals für mich hatte, ist nicht mehr vorhanden.

    Inzwischen habe ich eine ganze Reihe diversester Zukunftsängste durchgemacht. Mein Fazit:
    Diese Ängste sind vollkommen überflüssig, da es sowieso immer ganz anders kommt, als diese Ängste überhaupt in der Lage gewesen wären, es sich auszumalen.

    Auch wenn ich nun weiß, dass sie überflüssig sind (du könntest z. B. in deiner Vergangenheit schauen, ob du ähnliche Erfahrungen schon gemacht hast), wie gehe ich damit um, wenn sie in meinen Geist eindringen?

    Da ich weiß, dass dieser ängstliche Persönlichkeitsanteil nicht richtig liegt und irrational ist, sage ich rogoros, beinahe aggressiv zu ihm: "Halt's Maul!" und konzentriere mich wieder auf das, was ich eigentlich tun möchte (schlafen etc.) Zur Not, wenn der Geist gar keine Ruhe gibt und ich schlafen möchte, fange ich an von 1 bis 100 zu zählen und dann wieder von vorn, bis ich eingschlafen bin.

    Da solche Persönlichkeitsanteile sich als eigenes Ich ausgeben, es aber tatsächlich nicht sind, kann man sie, indem man sie z. B. nicht beachtet, abschwächen.
    Trotzdem gibt es noch viele andere Dinge, die diese Anteile stärken (z. B. bestimmte Drogen) oder verringern können. Hier sollte man entsprechend darauf achten und so etwas vermeiden.

    Sollte es sich aber um eine tiefergehende Angststörung handeln, ist es ratsam sich externe Hilfe zu holen. Zukunftsängste im normalen Maße hat jeder, und wie sie sich im Geist ausbreiten können, liegt am Umgang mit ihnen.

    Mit deinem Freund darüber zu sprechen, ist ein zweischneidiges Schwert. Es kann sein, dass er sich durch diese Angst schon eingeschränkt fühlt und deshalb dies zu dir gesagt hat. Du darfst ihm aber auch nicht die Last für dein Glück aufbürden. Diese Last ist zu schwer zu tragen und führt eher zu dem, wovor du dich fürchtest.

    Jeder Partner wünscht sich normalerweise insgeheim zuallererst einen Partner, der eigenverantwortlich und selbstbestimmt ist und dann sozusagen als Priorität Nr. 2 kommt man dann selbst ins Spiel.

    Lieben Gruß
    Sven

  • Lissa
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    27. Oktober 2011
    • 29. Oktober 2011 um 00:10
    • #7

    Guten Abend alle miteinander,

    erst mal ganz ganz herzlichen Dank für eure lieben und hilfreichen Antworten!
    Ich bin wirklich sehr gerührt von eurer Mühe und dem vielen Verständnis, was mir hier begegnet :)

    Kurz vorweg: Bei mir scheint wieder die Sonne :)


    @ Bambus:
    Ich habe heute morgen nochmal mit meinem Schatz gesprochen und er hat sich den Thread hier angeschaut. Er meinte mit einem Lächeln, dass er in der Tat mehr an seiner Ausdrucksweise arbeiten muss (bei der Arbeit wird er auch manchmal falsch interpretiert).

    Er hat nicht vor, in diese einsame Kammer zu ziehen. Er will auch nicht alles beseite schieben, was irgenwann mal Leider oder Kummer verursachen könnte. Er will mich auch nicht loswerden ;)

    Bei ihm resultiert dieser Wunsch nach Ruhe ohne Festhalten an Dingen eher daraus, dass er nicht das tun kann, was er eigentlich möchte und viel viel Zeit für einen Job draufgeht, der ihn zwar finanziell absichert, ihn aber in keinster Weise befriedigt. Das bereitet ihm wie vielen anderen Frust und bildet halt diesen starken Wunsch nach Ruhe und Zufriedenheit aus.

    Dass mein Freund oft an einem anderen Punkt steht als ich, ist wahr.
    Er meint oft zu mir, er wäre in seinem Inneren oft noch sehr “böse” und ich sei ein guter Mensch, der aber eben so seine Probleme mit dem Leben und dieser Welt und vor allem mit seinem großen Ego hat.

    Trotzdem ist vieles im Gleichgewicht und wir ergänzen uns in vielen Dingen.
    Man könnte es so sagen: Er hat mehr Härte und Rationalität in mein Leben gebracht, ich habe mehr Emotion und Einfühlungsvermögen, mehr Weichheit in sein Leben gebracht.

    Verändern um ihm zu gefallen... ja da habe ich lange drüber nachgedacht und es ist vermutlich auch so... allerdings empfinde ich es eher so, dass ich mir besser gefalle wenn ich mir Mühe gebe, ihm zu gefallen.
    Zudem gehört zu einer Beziehung doch auch der Einsatz von Achtsamkeit gegenüber dem anderen.
    Und dass ich jetzt z.B. Nicht den ganzen Tag Kuchen in mich reinmampfe und stattdessen attraktiv und interessant und ein guter Gesprächspartner er für ihn sein möchte, gehört für mich zu dieser Achtsamkeit dazu.
    Es ist nicht so, dass ich mich die ganze Zeit verbiege. Das sicher nicht. Das halte ich auch nicht für sinnvoll oder erfolgreich.

    @ Onda:
    Dein Beitrag hat mir sehr geholfen und die Worte gebracht, die ich gesucht hatte: “Da ist nichts mehr zum Anhaften. Aber auch nichts mehr, was das Herz erfreut. “ Danke dafür :)

    Und er hat es glücklicherweise auch nicht als "Entrümpelungs-Strategie" gemeint.
    Das war nämlich genau der Punkt, an dem wir uns missverstanden haben und sich in meinem Kopf wieder alle Ängste ein Festmahl gegönnt haben.

    @Monika:
    Ja Angst habe ich in der Tat. Das zieht sich halt auch wie ein roter Faden durch mein Leben.
    Meine Eltern z.B. sind wirklich tolle Eltern und meine Großeltern sind auch wirklich tolle Großeltern,
    aber es war halt immer Thema, dass man irgendwann “mal etwas sein muss”, dass man “irgendwann mal fertig sein muss”. Sprich: Schule- Ausbildung- Beruf- Rente- Tod. So haben die das alle kennengelernt und nicht anders. Selbst mein Bruder scheint dieses Modell zu leben bis ans Ende...

    Ich habe viel ausprobiert und bin mit meinen 25 Jahren immernoch nicht “am Ziel”. Ich habe hier und da gearbeitet, eine Ausbildung angefangen (wo ich wegen einem Heulkrampf rausgeschmissen wurde- ich sei zu emotional) war lange am Theater (mein Traum für 5 Jahre!) und habe das getan, was ich wollte.
    Trotzdem blieb immer dieses Gefühl der Schuldigkeit gegenüber meinen Eltern, obwohl sie mich immer unterstützt haben und es immernoch tun.
    Aber mittlerweile (und das muss ich sagen kam NUR durch die Gespräche mit meinem Freund, der da nicht so determiniert ist wie ich) kann ich damit besser umgehen.
    Diese anerzogene Schuld und die Angst, die ganze Zeit fehlerhaft zu handeln, wird immer weniger weil ich verstanden habe, dass es nichts bringt, brav in seinem Beruf zu bleiben, auch wenn es einen körperlich krank und unglücklich macht (sehe ich in meiner Familie sehr deutlich).

    Was dieses Loslassen also Positives bewirkt, wird mir immer deutlicher. Aber da sind noch zig Sachen die mir Angst machen, in der Tat.

    Das mit der Kammer war ein Bild, eine Vorstellung. Sozusagen eine Verbildlichung seines Verständnisses für diesen Zustand.

    Allein hab ich mich früher auch wohl gefühlt. Da hab ich viel gelesen und noch viel viel mehr gebastelt. Stundenlang konnte ich allein in meinem Zimmer sitzen und war ganz vertieft... wo ich so darüber nachdenke sollte ich mir wieder mehr Zeit dafür schaffen. Es hat mir wirklich gut getan :)

    Sven:
    Wahnsinn wie ähnlich unsere Erfahrungen sind! Genau das mit den Eltern und der Angst vor dem Tod hatte ich auch! (Um ehrlich zu sein hab ich das immernoch... nur nicht ganz so arg... aber ich schiebe diese Gedanken auch immer direkt weg aus Angst (da ist das Wort wieder!) vor den Konsequenzen. Ich glaube ich hab echt Angst dann durchzudrehen oder so... keine Ahnung.)

    Auch das mit dem harten Umgang mit negativen Emotionen, die einen beeinflussen wollen kenne ich!
    Mir ging es eine Zeit körperlich und seelisch sehr schlecht. Da hab ich das ständig gehabt. Irgendwann habe ich angefangen auch zu denken “Halt’s Maul” oder “Verpiss dich!” Es hat geholfen.

    Zu den Gesprächen mit meinem Freund kann ich nur sagen: Wir reden beide generell über alles. Und das hat uns bisher immer eher gerettet, als uns auseinander zu treiben. Wir haben beide das Bedürfnis, alles zu teilen und nichts voreinander zu verbergen und uns in- und auswendig zu kennen. Das verbindet uns irgendwie und ich finde das auch schön und gut so.


    So ich hoffe ich habe nichts Wichtiges übersehen. Ist schon ein bissl spät aber ich wollte auf jeden Fall noch sagen, dass alles wieder gut ist :)

    Ich danke euch von ganzem Herzen für eure Mühe und Meinung. Es war wirklich vieles dabei, was mir geholfen hat und vieles, was ich wiedererkannt habe. Das tat gut :)

    Ich denke in Zukunft werde ich öfter die Kommunikation suchen, als ganz allein durch diese Wissens- Welt zu wandern und verstehen zu wollen, was man tun kann, dass das Leben leichter und glücklicher wird :)

    In diesem Sinne euch allen einen angenehmen Schlaf,


    eure Lissa

  • crazy-dragon
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    • 29. Oktober 2011 um 00:13
    • #8

    _()_Lissa-san:
    Kann es sein, daß Du überdurchschnittlich sensibel bist? Wenn Dich in einer Diskussion eine andere Ansicht derart umhaut, frage ich mich schon, ob das immer so ist bei Dir?
    Wenn Dir die Ansicht Deines Freundes nicht zusagt, bleibst Du einfach bei Deiner Sicht der Dinge.
    Daß einmal auch Leid in eure Beziehung kommen kann, ist schon möglich. Diese Angst muß man aushalten lernen, am besten durch Akzeptieren.
    Außerdem lebst Du nicht gerade im Hier und Jetzt, denn die eventuelle Trennung spielt sich nur in Deinen Gedanken ab derzeit.

    _()_ c.d.

    Tag für Tag ein guter Tag

  • Lissa
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    • 30. Oktober 2011 um 11:36
    • #9

    guten morgen,

    @ crazy dragon: Ja das kann gut sein. Wird mir auf jeden Fall oft gesagt und ich selbst empfinde das auch so...

    Im Hier und Jetzt leben... Ich hab so meine Probleme damit weil ich einfach nicht weiß, wie das gehen soll rein praktisch betrachtet. Klar weiß ich, dass man nicht alles unnütz herausschieben soll. Aber wenn ich in Job und Alltag stecke ist das oft ziemlich schwer weil man ja doch seine Verpflichtungen hat...

    Liebe Grüße,

    Lissa ^^

  • monikamarie
    Gast
    • 30. Oktober 2011 um 13:10
    • #10
    Lissa:

    guten morgen,

    @ crazy dragon: Ja das kann gut sein. Wird mir auf jeden Fall oft gesagt und ich selbst empfinde das auch so...

    Im Hier und Jetzt leben... Ich hab so meine Probleme damit weil ich einfach nicht weiß, wie das gehen soll rein praktisch betrachtet. Klar weiß ich, dass man nicht alles unnütz herausschieben soll. Aber wenn ich in Job und Alltag stecke ist das oft ziemlich schwer weil man ja doch seine Verpflichtungen hat...

    Liebe Grüße,

    Lissa ^^

    Ja, aber liebe Lissa, was hält Dich denn davon ab, hier und jetzt nur darauf bedacht zu sein, was vor Deiner Nase liegt. Im Job z. B. nur die Aufgabe im Blick haben, die gerade zu erledigen ist oder eventuell, wenn das notwendig ist, achtsam auch alles andere im jetzigen Moment wahrzunehmen, z. B. wie eine Mutter, die auf ihr Kleinkind achtet, während sie gleichzeitig die Suppe zubereitet, den Herd angestellt hat und Wasser einlaufen lässt, das Telefon klingelt und der Postbote das Paket abgeben will. Das ist jetzt natürlich ein überforderndes Beispiel. Aber wenn Du da nicht im Hier und Jetzt bist, sondern von Deinem nächsten Urlaub träumst oder im Geiste die Auseinandersetzung mit Deinem Lebensgefährten fortsetzt, dann geht sicher einiges schief.
    _()_ Monika

  • crazy-dragon
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    • 30. Oktober 2011 um 14:43
    • #11
    Lissa:


    ...Ich hab so meine Probleme damit weil ich einfach nicht weiß, wie das gehen soll rein praktisch betrachtet. Aber wenn ich in Job und Alltag stecke ist das oft ziemlich schwer weil man ja doch seine Verpflichtungen hat...
    Liebe Grüße,
    Lissa ^^

    _()_ Lissa-san:
    Reine Ausreden...Ich habe auch Verpflichtungen, Job kenne ich auch und Alltag sowieso... :D ES GEHT, man muß nur wollen.
    Wobei ich nix gegen Deine Tassen habe: Für mich ist Freude unabdingbar- aber man soll nicht daran anhaften und wissen, daß die Freude schnell in Leid umschlagen kann- sprich Deine schönste Tasse fällt zu Boden...
    _()_ c.d.

    Tag für Tag ein guter Tag

  • Lissa
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    27. Oktober 2011
    • 31. Oktober 2011 um 23:15
    • #12

    Guten Abend ihr Lieben,

    klar weiß ich in gewissen Situationen wie es geht, im hier und jetzt zu leben. Im Job z.B bekomme ich das gut hin. Es ist nicht so, dass ich die ganze Zeit an was anderes denke als an meine Aufgaben. Dann würde ich den Job nicht machen können ;)
    Wenn ich dann aber zuhause bin, beschäftigt mich natürlich das, was auch in der Zukunft liegt.
    Ich muss halt lernen, das nicht immer direkt so zu überspitzen und vor allem nicht so negativ zu machen.

    Das Problem ist einfach, dass man ja oft versucht, sich selbst den Wind aus den Segeln zu nehmen und sich vor Enttäuschungen zu schützen, indem von diesen eben immer und immer wieder verschiedene Versionen gedanklich durchspielt, damit einem auch ja nichts passiert, wenn es einen dann trifft.

    Und das ist der Punkt, den ich gerne ändern würde.

    Ich bin mir im Klaren darüber, dass das bescheuert ist und einem nicht hilft, sondern einen eher zu einem negativen Menschen verkommen lässt, aber es fehlt mir noch so der richtige Input, um das loszulassen. (Denn meist kommt das eher automatisch als bewusst.)
    Viele Dinge habe ich schon ändern können durch Texte und Worte, die einem auf einen Schlag alles klar machen und dann kann man das auch loslassen.
    Bei diesem Thema mit der Durchspielerei der schlimmen Dinge die vielleicht kommen könnten fehlt mir dieses Aha- Erlebnis einfach, auch wenn mir bewusst bin, dass das nichts bringt. (Oder offensichtlich bin ich mir nicht wirklich bewusst darüber sonst würd ich das ja net machen oder? :oops: )
    Wie macht ihr das denn oder wie habt ihr das gemacht? Was habt ihr euch gesagt, was habt ihr gedacht, um diese Gedanken zu unterbrechen und wieder in das Hier und Jetzt zu kommen?
    (Ich kann mir nicht vorstellen dass ich der einzige Mensch bin der so tickt)


    Lieben Dank und einen schönen geruhsamen Abend,

    eure Lissa :)

  • Maybe Buddha
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    6. August 2011
    • 1. November 2011 um 18:07
    • #13
    Lissa:

    Guten Abend ihr Lieben,

    klar weiß ich in gewissen Situationen wie es geht, im hier und jetzt zu leben. Im Job z.B bekomme ich das gut hin. Es ist nicht so, dass ich die ganze Zeit an was anderes denke als an meine Aufgaben. Dann würde ich den Job nicht machen können ;)
    Wenn ich dann aber zuhause bin, beschäftigt mich natürlich das, was auch in der Zukunft liegt.
    Ich muss halt lernen, das nicht immer direkt so zu überspitzen und vor allem nicht so negativ zu machen.

    Das Problem ist einfach, dass man ja oft versucht, sich selbst den Wind aus den Segeln zu nehmen und sich vor Enttäuschungen zu schützen, indem von diesen eben immer und immer wieder verschiedene Versionen gedanklich durchspielt, damit einem auch ja nichts passiert, wenn es einen dann trifft.

    Und das ist der Punkt, den ich gerne ändern würde.

    Ich bin mir im Klaren darüber, dass das bescheuert ist und einem nicht hilft, sondern einen eher zu einem negativen Menschen verkommen lässt, aber es fehlt mir noch so der richtige Input, um das loszulassen. (Denn meist kommt das eher automatisch als bewusst.)
    Viele Dinge habe ich schon ändern können durch Texte und Worte, die einem auf einen Schlag alles klar machen und dann kann man das auch loslassen.
    Bei diesem Thema mit der Durchspielerei der schlimmen Dinge die vielleicht kommen könnten fehlt mir dieses Aha- Erlebnis einfach, auch wenn mir bewusst bin, dass das nichts bringt. (Oder offensichtlich bin ich mir nicht wirklich bewusst darüber sonst würd ich das ja net machen oder? :oops: )
    Wie macht ihr das denn oder wie habt ihr das gemacht? Was habt ihr euch gesagt, was habt ihr gedacht, um diese Gedanken zu unterbrechen und wieder in das Hier und Jetzt zu kommen?
    (Ich kann mir nicht vorstellen dass ich der einzige Mensch bin der so tickt)


    Lieben Dank und einen schönen geruhsamen Abend,

    eure Lissa :)

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    Hi Lissa,
    das ganze hat sehr viel mit achtsamkeit zu tun. Der Gedanke, was vielleicht "schlimmes" passieren könnte, kommt auch bei mir (mal) auf. Und das ist warscheinlich bei jedem so (der noch nicht einen gewissen Verwirklichungsstatus erreicht hat, also fast bei jedem "Weltling"). Das wichtige ist, das man diesen Gedanken der auftaucht nicht weiterspinnt. Und dafür ist die Achtsamkeit sehr sehr hilfreich. Bei mir hat das immer ganz gut geklappt, das ich mir in dem Augenblick wo ein Gedanke kam (ob an etwas schlimmes, oder an etwas gutes, das ist egal), mir klar gemacht habe, das das gerade nur ein Gedanke ist und nicht die Realität. Ich könnte den gedanken jetzt positiv oder negativ weiterspinnen, aber da das nichts bringt lässt man es einfach. Ich sag mir dann "Aha, das ist dieser Gedanke, ok" und kurze zeit später ist er dann auch wieder weg. Wenn du achtsam bist und dir sofort auffällt das du gerade einen Gedanken der auftaucht weiterspinnst bzw weiterspinnen möchtest und es dann einfach lässt, kommen diese Gedanken immer seltener und selbst wenn sie dann auftauchen ist es nicht mehr schlimm, weil du dir im klaren bist das es nur ein Gedanke ist und das er das letzte mal auch einfach verschwand. Das ganze geht natürlich nicht von heute auf morgen, denn dieses "reinsteigern" in den Gedanken ist bei dir anscheinend etwas tiefer konditioniert. Aber wenn es 1-2 mal gut geklappt hat und die die positive Auswirkung des nicht-ergreifens (des Gedankens) gesehn hast, und wenn du siehst das du vielleicht beim letzten mal als so ein Gedanke auftauchte und du ihn nicht ergriffen hast und vielleicht schon 10min später wieder gut drauf warst und gar nicht mehr an diesen schlimmen Gedanken gedacht hast, dann verlieren solche auftauchenden Gedanken auch ihre Macht über dich.
    Im Endeffekt ist das was du beschreibst ja genau eines der Teile was der Buddha uns lehrte warum wir leiden. Das ergreifen/festhalten-wollen von geliebtem bzw die Angst es zu verlieren.
    Bist du denn ansonsten relativ "glücklich" in deiner Beziehung, bzw läuft es ansonsten "gut" bei euch?
    Falls ja versuch doch dir das klar zu machen, das ihr hier und jetzt doch glücklich seid und das das unglück nur in deiner Phantasie da ist. Nur ein Gedanke eine Illusion, die nicht der realität entspricht. Selbst wenn dein Freund dich verlassen würde, ist die Vorstelung davon viel schlimmer. Natürlich würdest du dann erstmal leiden, aber in deiner Vorstellung ist das viel länger als in echt. Denn, wie der Buddha lehrte und was man auch sehr gut beobachten kann, wenn man seine Gefühle, Gedanken, Wahrnehmungen etc beobachtet, alles ist vergänglich. Vielleicht wärst du einen Monat lang traurig und am Boden zerstört und dann käme mal wieder ein schöner Tag an dem du gar nicht dran denkst das dein Freund dich verlassen hat etc. Und dann werden diese Abstände immer kürzer und irgendwann denkst du vielleich nur jedes halbe Jahr noch an deinen Freund... Oder triffst einen neuen und dann ist der alte ganz schnell vergessen. Das ist alles nicht berechenbar, auch wenn man sich 100 Szenarien im Kopf ausmalt und durchspinnt, keine entspricht der realität.

    Noch ein Tip, was ich persönlich auch immer sehr hifreich finde, ist sich wenns unruhig wird und der Geist anfängt zu rasen oder alles so "unklar" wirkt, sich vorzustellen das man soweiso stirbt, vielleicht schon in einer Woche oder morgen. Das führt mir immer wieder vor Augen was wirklich wichtig ist und das dieses ganze Gedanken-machen (!)(das weiterspinnen eines auftauchenden Gedankens) völlig unnütz ist in den meißten Fällen.

    Das wichtigste was ich dir aber raten kann ist und bleibt die Achtsamkeit (!!!) und das beobachten. Dazu noch entsagung (nicht zu viel unnützes denken, tuen, reden), dadurch bleibt der Geist viel ruhiger und du kannst viel actsamer sein auf den Augenblick. Wenn du dann achtsam beobachtest und erkennst, wie Gedanken und Gefühle, kommen und verschwinden und dann wieder auftauchen, sieht man die unbeständigkeit und das es im Grunde keine Rolle spielt ob sie da sind oder nicht. Und wenn man das erkennt und dadurch automatisch nicht mehr ergreift, verschwinden sie schneller und tauchen seltener auf.
    Undalles wird ruhiger und entspannter.

    Ich hoffe ich konnte dir mit irgendwas weiterhelfen, viel Gück und Erfolg dabei! Und nicht vergessen, versuch achtsam zu sein und beobachte :D

    "Nur eines verkünde ich heute, wie immerdar: Leiden und seine Vernichtung."
    Buddha

  • Sven
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    • 1. November 2011 um 18:31
    • #14
    Lissa:


    Ich bin mir im Klaren darüber, dass das bescheuert ist und einem nicht hilft, sondern einen eher zu einem negativen Menschen verkommen lässt, aber es fehlt mir noch so der richtige Input, um das loszulassen. (Denn meist kommt das eher automatisch als bewusst.)

    Wie schon gesagt, lasse ich diesen Gedanken, die aufgrund meiner Erfahrung unnütz sind, keinerlei Raum, indem ich mich auf etwas anderes Konzentriere (Buch lesen, Fernseh gucken, abwaschen etc.).

    Unter normalen Umständen sollte dies reichen. Wenn du aber von diesen Gedanken nicht ablassen kannst, solltest du untersuchen, was dir diese Gedanken bringen, welchen Nutzen du davon hast. So ein Nutzen kann durchaus etwas sehr Schräges sein wie z. B. ein Gefühl von Geborgenheit, das Gleichzeitig anwesend sein könnte, oder irgendein anderer "Gewinn".

    Natürlich gibt es auch noch andere Möglichkeiten. Wenn die Analyse für dich allein zu schwer sein sollte, würde ich in diesem Fall einen Threapeuten im Hilfe ersuchen.

    Lieben Gruß
    Sven

  • Lissa
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    • 1. November 2011 um 19:29
    • #15

    Guten Abend ihr Lieben,

    danke für eure Antworten :)

    Ja ich denke ich werde das mit der Achtsamkeit mehr ausprobieren müssen anstatt nur drüber nachzudenken :D

    Da war doch auch was mit "Gedanken sind nur Besucher"...

    Achtsamkeit auch mir und meinen Gedanken selbst gegenüber... hab ich irgendwie aus den Augen verloren scheinbar (so mit meinen Mitmenschen klappt das nämlich schon besser als vor ein paar Monaten / Jahren)... da werde ich auf jeden Fall neu ansetzen :)


    euch einen geruhsamen Abend,

    eure Lissa :)

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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