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Das "ich" und Karma

  • AtemAntrieb
  • 19. Oktober 2009 um 22:30
  • Zum letzten Beitrag
  • AtemAntrieb
    Gast
    • 19. Oktober 2009 um 22:30
    • #1

    Hallo ihr Lieben,
    mir geht schon seit einiger Zeit eine Frage im Kopf rum: Wie kann es persönliches Karma geben, wenn es kein "ich" gibt....? Ist für mich irgendwie paradox....
    Ich hoffe, diese Frage wurde nicht schon gestellt. Hab auf die schnelle jedenfalls nichts gefunden.
    Lieben Gruß, Martin

  • Akuma
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    • 20. Oktober 2009 um 10:41
    • #2

    Die wird andauernd gestellt. Das Problem ist das Fehlverständnis "Ich"; Anatta bedeutet erstmal nur, dass kein Objekt ein fixes, bleibendes Selbst hat, das die Dinge zusammengesetzt sind, durch Bewusstsein beleuchtet werden, veränderlich sind.
    In dem Kontext macht die Frage dann genausowenig Sinn wie die Frage danach, wieso man essen muss, wenn die Dinge veränderlich sind.

  • monikamarie
    Gast
    • 20. Oktober 2009 um 11:40
    • #3

    Hallo Martin,
    mir fiel dazu gerade ein: Hat ein Baum persönliches Karma? Aus meiner Sicht nein. Wenn er umfällt, auf andere Pflanzen drauffällt, nimmt das keine der Pflanzen persönlich, oder? Das ist für mich der Unterschied zwischen einem Geschehen und einem persönlichen Ich. Dieses Karma kann mir nur dann etwas anhaben, wenn ich mich mit meinem Ich identifiziere. Sehe ich, dass mein Ich nur eine Zusammensetzung von verschiedenen Kriterien ist, so kann ich dazu die nötige Distanz einnehmen. Es geschehen dann zwar Wirkungen aufgrund bestimmter Ursachen, aber ich bin darin nicht mehr involviert, falls ich die buddhistische Sicht der Leerheit, des Nicht-Ich verinnerlicht habe und akzeptiert habe, dass mich heute das trifft, was ich in der Vergangenheit gedacht, gesagt, getan bzw. unterlassen habe.
    Ganz liebe Grüße
    Monika

  • bel
    Gast
    • 20. Oktober 2009 um 12:01
    • #4
    AtemAntrieb:

    Hallo ihr Lieben,
    mir geht schon seit einiger Zeit eine Frage im Kopf rum: Wie kann es persönliches Karma geben, wenn es kein "ich" gibt....? Ist für mich irgendwie paradox....
    Ich hoffe, diese Frage wurde nicht schon gestellt. Hab auf die schnelle jedenfalls nichts gefunden.

    So wie es ein eingebildetes "Ich" (als Einbildung) gibt - woran sich dann dukkha manfestiert, "gibt" es auch (persönliches) Karma als Manifestation dieser Einbildungen vom "Ich". Was es nicht unwirksam macht - ganz genau wie dukkha.
    Aber beides fällt ab, wenn das eingebildete "Ich" abfällt.

    _()_

  • accinca
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    • 20. Oktober 2009 um 14:09
    • #5
    bel:
    AtemAntrieb:

    Hallo ihr Lieben,
    mir geht schon seit einiger Zeit eine Frage im Kopf rum: Wie kann es persönliches Karma geben, wenn es kein "ich" gibt....? Ist für mich irgendwie paradox....
    Ich hoffe, diese Frage wurde nicht schon gestellt. Hab auf die schnelle jedenfalls nichts gefunden.

    So wie es ein eingebildetes "Ich" (als Einbildung) gibt - woran sich dann dukkha manfestiert, "gibt" es auch (persönliches) Karma als Manifestation dieser Einbildungen vom "Ich". Was es nicht unwirksam macht - ganz genau wie dukkha.
    Aber beides fällt ab, wenn das eingebildete "Ich" abfällt.
    _()_

    Das ist richtig, dabei fällt mir ein:

    "In Abhängigkeit wovon - und nicht ohne Abhängigkeit - besteht
    nun (die Vorstellung) «Ich bin»?

    In Abhängigkeit von Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen,
    Bewußtsein besteht (die Vorstellung) «Ich bin», nicht ohne Abhängigkeit (davon).

    Wie wenn, Bruder Ananda, ein Weib oder ein Mann oder ein Jüngling, die
    sich zu schmücken lieben, das Bild ihres Gesichtes in einem Spiegel oder
    in einer reinen, klaren, durchsichtigen Wasserfläche betrachten, dann sehen
    sie es in Abhängigkeit (vom Spiegel oder der Wasserfläche), nicht ohne
    Abhängigkeit. Ebenso auch, Bruder Ananda, besteht (die Vorstellung)
    «Ich bin» in Abhängigkeit von Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung,
    Gestaltungen, Bewußtsein, nicht ohne Abhängigkeit (davon)." S.22.83

  • bel
    Gast
    • 20. Oktober 2009 um 15:40
    • #6
    accinca:
    bel:


    So wie es ein eingebildetes "Ich" (als Einbildung) gibt - woran sich dann dukkha manfestiert, "gibt" es auch (persönliches) Karma als Manifestation dieser Einbildungen vom "Ich". Was es nicht unwirksam macht - ganz genau wie dukkha.
    Aber beides fällt ab, wenn das eingebildete "Ich" abfällt.


    Das ist richtig, dabei fällt mir ein:
    "In Abhängigkeit wovon - und nicht ohne Abhängigkeit - besteht
    nun (die Vorstellung) «Ich bin»?
    In Abhängigkeit von Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen,
    Bewußtsein besteht (die Vorstellung) «Ich bin», nicht ohne Abhängigkeit (davon).

    Alles anzeigen


    Das ist auch richtig und dabei fällt mir ein:
    Worin besteht nun diese Abhängigkeit von Körperlichkeit, Gefühl .... usw?

    _()_

  • AtemAntrieb
    Gast
    • 20. Oktober 2009 um 16:29
    • #7

    Vielen Dank!
    Das hilft mir weiter...

  • accinca
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    • 20. Oktober 2009 um 18:50
    • #8
    bel:
    accinca:


    Das ist richtig, dabei fällt mir ein:
    "In Abhängigkeit wovon - und nicht ohne Abhängigkeit - besteht
    nun (die Vorstellung) «Ich bin»?
    In Abhängigkeit von Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen,
    Bewußtsein besteht (die Vorstellung) «Ich bin», nicht ohne Abhängigkeit (davon).


    Das ist auch richtig und dabei fällt mir ein:
    Worin besteht nun diese Abhängigkeit von Körperlichkeit, Gefühl .... usw?
    _()_

    Alles anzeigen


    Was hier mit Abhängigkeit übersetzt ist wird im Original "Upādāna" (Anhangen) genannt.
    Worin besteht nun das Anhangen an Körperlichkeit, Gefühl .... usw? Welche Worte man
    auch immer verwenden würde, es muß eben Achtsam ergründet werden oder man hat
    eine unendliche Frage.

  • bel
    Gast
    • 20. Oktober 2009 um 19:10
    • #9
    accinca:
    bel:


    Das ist auch richtig und dabei fällt mir ein:
    Worin besteht nun diese Abhängigkeit von Körperlichkeit, Gefühl .... usw?


    Was hier mit Abhängigkeit übersetzt ist wird im Original "Upādāna" (Anhangen) genannt.


    Darauf wollte ich hinaus - denn das ergibt nämlich einen völlig anderen Sinn.

    _()_

  • Lauscher
    Gast
    • 20. Oktober 2009 um 19:12
    • #10
    bel:

    Worin besteht nun diese Abhängigkeit von Körperlichkeit, Gefühl .... usw?

    Hi Bel,

    kannst du die Frage präzisieren?
    Man kann, je nachdem wie man die Frage versteht, verschiedene Antworten geben.

    Aus den Kontext heraus, werde ich antworten, dass die >Ich-Bin-Empfindung<, aus einer Täuschung des Bewusstseins entsteht.
    Die Körperlichkeit sagt nicht >Ich-bin<,
    Das Gefühl, oder um zu präzisieren – Körpergefühl, sagt auch nicht >Ich-bin<,
    Die Wahrnehmung sagt es auch nicht. Das was da ist, wird wahrgenommen. Fertig.
    Die Gestaltungen ist die Vorstufe der >Ich-Bin-Empfindung<,
    Das Bewußtsein - ja, da manifestiert sich die >Ich-Bin-Empfindung<. Im Bewusstsein, im >In Relation setzen<, entsteht eine Bewertung, Separierung, >Ich bin hier< und >Du bist dort<, >Ich spüre mein körperlichen Schmerz<, dein Schmerz spüre ich nicht, also muss es mich wohl geben . . .

    So ist die Täuschung vorprogrammiert.

    In Metta,

    L.

  • bel
    Gast
    • 20. Oktober 2009 um 19:19
    • #11
    Lauscher:
    bel:

    Worin besteht nun diese Abhängigkeit von Körperlichkeit, Gefühl .... usw?


    kannst du die Frage präzisieren?
    Man kann, je nachdem wie man die Frage versteht, verschiedene Antworten geben.


    Die Frage würde schon beantwortet.
    Die Abhängigkeit von Körperlichkeit, Gefühl .... usw, besteht im Anhaften an Körperlichkeit, Gefühl .... usw.

    _()_

  • accinca
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    • 20. Oktober 2009 um 23:11
    • #12
    bel:
    accinca:


    Was hier mit Abhängigkeit übersetzt ist wird im Original "Upādāna" (Anhangen) genannt.


    Darauf wollte ich hinaus - denn das ergibt nämlich einen völlig anderen Sinn.
    _()_


    Zumindest könnte man das meinen. Auch könne man denken das "Abhängigkeit"
    einen passiven Charakter hat und "Anhangen" einem mehr aktiven.

    Zitat

    @Lauscher
    Die Körperlichkeit sagt nicht >Ich-bin<,
    Das Gefühl, oder um zu präzisieren – Körpergefühl, sagt auch nicht >Ich-bin<,
    Die Wahrnehmung sagt es auch nicht. Das was da ist, wird wahrgenommen. Fertig.
    Die Gestaltungen ist die Vorstufe der >Ich-Bin-Empfindung<

    Kann man vielfältig sehen, aber klar ist auch, das z.B. Verlangen, Sehnsucht usw.
    ein Gefühl, nämlich ein Mangelgefühl darstellt welche "Ich will" und "Mein" sagt!
    Das Begehren, aber auch Wahrnehmung, Bewußtsein usw. sagen Ich und Bin und Mein.

    ''Durst', hat der Asket gesagt, 'ist der Pfeil,
    Nichtwissen die Giftsalbe, Willensgier und -haß reißen auf'; " (M 105)

    "Ebenso, Sunakkhatta, ist es möglich, daß ein Bhikkhu hier folgendes denken könnte:
    'Begehren ist vom Großen Mönch (Asketen) als Pfeil bezeichnet worden;
    der giftige Saft der Unwissenheit wird durch Gier, Begierde und Übelwollen verbreitet.

    Jener Pfeil des Begehrens ist aus mir entfernt worden;
    der giftige Saft der Unwissenheit ist ausgetrieben worden.
    Ich bin einer, der ganz und gar auf Nibbāna aus ist.'

    Weil er einer ist, der wirklich ganz und gar auf Nibbāna aus ist,
    würde er nicht jenen Dingen nachgehen, die unpassend sind für einen,
    der ganz und gar auf Nibbāna aus ist.

    Er würde nicht dem Anblick unpassender Formen mit dem Auge nachgehen,
    er würde nicht unpassenden Klängen mit dem Ohr nachgehen, nicht unpassenden
    Gerüchen mit der Nase, nicht unpassenden Geschmäckern mit der Zunge, nicht
    unpassenden Berührungsobjekten mit dem Körper und nicht unpassenden
    Geistesobjekten mit dem Geist.

    Weil er nicht dem Anblick unpassender Formen mit dem Auge nachgeht, nicht
    unpassenden Klängen mit dem Ohr, nicht unpassenden Gerüchen mit der Nase,
    nicht unpassenden Geschmäckern mit der Zunge, unpassenden Berührungsobjekten
    mit dem Körper und nicht unpassenden Geistesobjekten mit dem Geist, dringt
    Begierde nicht in seinen Geist ein. Weil Begierde nicht in seinen Geist eingedrungen ist,
    würde er nicht dem Tod verfallen oder sich tödliches Leid zuziehen." (auch M 105)

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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