Was ist besser?
Der Philosoph Precht machte mal den Vorschlag, man könne doch einem Kalb bloß das Bein amputieren, das dann verspeist wird. Während man dann also in der schönen Natur das gute Fleisch genießt, könne das Tier nebenbei immer noch auf seinen drei Beinen rumhopsen und grasen.
Man könnte dagegen einwenden, dass ein solches Vorgehen Feingefühl und Mitgefühl verletzt. Es sei ja ein Fortschritt, dass Tiere heutzutage nur noch selten zur öffentlichen Gaudi gequält würden. Dies stünde schließlich auch mit der generellen Gewaltbereitschaft in Zusammenhang.
In einer Welt, die zunehmend von gegenseitiger Abhängigkeit geprägt ist, lässt sich Mitgefühl auch rational argumentieren. Indem Mitgefühl dazu einlädt, einen breiteren Blickwinkel einzunehmen, erhöht sich die Chance, für Probleme eine gute Lösung zu finden. Daher ist es auch rational sinnvoll, Mitgefühl für Wesen, die ebenso Leid empfinden und nach Wohlgefühl streben, zuzulassen.
Sofern Mitgefühl aber nur fordert, Leid eben nicht ansehen zu müssen, hat es eine gewaltige Schattenseiten. Ein solches Mitgefühl kann unter Umständen in eine Scheinheiligkeit galoppieren. Zwar sind wir zu feinfühlig, das Huhn selbst zu massakrieren, essen dafür aber ohne alle Skrupel Unmengen appetitlich verpacktes Huhn.