Worüber man nicht reden kann..

Moderator: void

darüber kann man irgendwann auch nicht mehr denken...
Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man es für eine Art Orwell'sche Satire halten.

Die US-Regierung hat nach einem Bericht der “Washington Post” der US-Seuchenbehörde CDC, der obersten Gesundheitsbehörde der USA, eine Liste mit verbotenen Wörter gegeben.
..
Darunter sind demnach: “Transgender”, “verwundbar”, “Fötus”, “Diversität” (Vielfalt), “Anspruchsberechtigung”, “auf wissenschaftlicher Grundlage” und “auf der Grundlage von Beweisen”.

http://www.huffingtonpost.de/entry/trump-verbietet-woerter-gesundheitsbehoerde-cdc_de_5a356af7e4b0ff955ad36a5f
Falls erforderlich gibt es auch eine Liste mit alternativ zu verwendenden Termini. Nichtdoppelgut...


Ich unterstelle, daß eine oberste Gesundheitsbehörde nicht zur Unterhaltung Dinge veröffentlicht. Zu rechter Rede ein Zitat
Barsche Worte hat er verworfen, von barschen Worten hält er sich fern. Worte, die lauter sind, dem Ohre wohltuend, liebevoll, zum Herzen dringend, höflich, viele ansprechend, vielen angenehm, solche Worte gebraucht er. Plappern und Plaudern hat er verworfen, von Plappern und Plaudern hält er sich fern. Zur rechten Zeit spricht er, den Tatsachen gemäß, gehaltvoll, der Lehre und Ordnung getreu; seine Rede ist wert, daß man ihrer gedenke, gelegentlich mit Gleichnissen geschmückt, klar und bestimmt, dem Gegenstande angemessen

M. 41. (V,1) http://www.palikanon.com/majjhima/m041n.htm

Auch Buddha hat also grundsätzlich nichts dagegen zu empfehlen, bestimmte Worte nicht zu verwenden. Nur hier steht der Begriff der Lauterkeit im Ausgang, für mich bedeutet dies keine konkrete Aufzählung einzelner Wörter, sondern gedankliche Zusammenhänge.

Um es auf eine Formel zu bringen: Wörter bestehen aus Buchstaben, Worte bestehen aus Gedanken.
Spiegel online http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-abc-worte-woerter-a-307445.html

Bitte kein allgemeines Trump Bashing. Mir geht es eher um rechte Rede heute. Danke :rainbow:
Beim Thema Redeverbot fällt mir der Besuch des evangelischen Sektenbeauftraten und Pfarrers Georg Schmid in Plum Village ein (Relinfo)

    Weil ich weiss, wie oft in Frankreich bei neuen Fenstern und Türen Tropenhölzer verwendet werden, und weil ich kurz zuvor in einem der Bücher auf die Klage des Ökobuddhisten Thich Nhat Hanh über die Zerstörung der Tropenwälder gestossen war, frage ich nach den ersten Pinselstrichen den uns anleitenden Mönch: Woher kommt dieses Holz? Ist dies Tropenholz? Der Mönch überhörte meine Frage. Nach einer Stunde meditativen Streichens - ich strich nach Ansicht des Mönches zu emsig und zu wenig meditativ - brannte mir meine Frage immer noch auf den Lippen. Vielleicht täuschte ich mich. Ich bin kein Experte. Vielleicht war das Holz nur nordische Fichte. (Französische Eiche, das sah ich, war es nicht.) Aber wenn es kein Tropenholz war, dann konnte man mir dies doch sagen oder auf dem Lieferschein nachprüfen. So fragte ich nach einer Stunde ein zweites Mal: "Ehrlich, ich möchte gerne wissen: Ist dies Tropenholz?" Diesmal schweigt die ganze Gruppe - eisig

Für die Beteiligten war so eine impertinente Frage sicher etwas was in zweierlei Hinsicht unheilsam war: Einerseits weil es die meditative Arbeit hin auf das Reflektieren störte. Andererseits weil es den Lehrer kritisierte und so Zweifel und Entzweiung verursacht.

Von der Wirkung her - das man bestimmte "störende" Themen nicht anspricht, hat es dann aber schon so den Charakter eines Sprechverbots (Wobei es vielleicht auch da subtile "asiatischete" Möglichkeiten gibt Kritik zu üben, ohne jemand zu brüskieren)
Worüber man nicht reden kann, darüber kann man irgendwann auch nicht mehr denken. ... Die US-Regierung hat nach einem Bericht der “Washington Post” ...

Was mir sponatan dazu einfiel: oha, (eine subtile Art von) brainwash, … denn der Hund beißt sich alsbald in den Schwanz: worüber der Mensch nicht mehr (nach-)denkt, wird er nicht reden, … und „über allen Gipfeln ist Ruh‘“.

So kreiert der das Volk Vertretende (und das Denken des Volkes Lenkende) eine graue Masse auf diverse Monitore starrender, zufrieden vor sich hin mampfender Wesen, ein wenig tumb, aber glücklich.

Rechte Rede ist nicht gleichbedeutend mit einem Verschweigen des (scheinbar) Unaussprechlichen; sie kann, obwohl nicht barsch, sondern sachlich und wohlmeinend formuliert, recht klar, strukturiert, aufzeigend und daher auch unangenehm sein.

Das genau passt nicht jedem, …

... hinter einer klar formulierten, keineswegs (versteckt) herablassend dargelegten, gut durchdachten, Schwächen aufzeigenden und möglicherweise gar konstruktive Alternativen anbietenden Rede, steht (meist) ein geradliniger (unbestechlicher) Charakter. So etwas ist … unangenehm (eher lästig); es ist nicht mit Bekanntem zu reglementieren.

Doch gemach, ... da es nichts gibt, was sich nicht mittels schleichend schärferer Kontrollen regeln und eindämmen ließe … 8)

Das, was, wenn zu Ende gedacht, dabei herauskommt, ist bereits global vertreten, (bislang auch durchaus wirksam und keineswegs das Ansehen (Geschäfts-) schädigend.)

LG mkha‘
Im eigenen Geist sind alle Wörter erlaubt.
... doch wenn Menschen die Wörter nicht leben, sich über sie nicht (lebhaft, mit regem Geist) austauschen, werden sie eines Tages den Sinn der Wörter, der toten Worte in der bunten Schachtel, vergessen haben.

Nicht allen Menschen ist bewusst, dass ihr Denken nicht erst seit gestern (mehr oder weniger) subtil gelenkt wird. Da auch die Schwemme der (irrelevanten) täglichen Nachrichten zu einem Ohr hinein-, und zum anderen (ungefiltert) wieder hinausgeht, wird nicht mehr Erwähntes erst recht (leise und unbemerkt) untergehen.
Wenn Menschen Wörter nicht leben, dann endet es im Chaos.

Napolion wurde in den Invalidendom überführt.
Jesus wurde ans Kreuz genagelt.
Ramses wurde mumifiziert.

Herr, gib uns Unschuld, damit wir unschuldig werden!
mkha' hat geschrieben:
... doch wenn Menschen die Wörter nicht leben, sich über sie nicht (lebhaft, mit regem Geist) austauschen, werden sie eines Tages den Sinn der Wörter, der toten Worte in der bunten Schachtel, vergessen haben.

Nicht allen Menschen ist bewusst, dass ihr Denken nicht erst seit gestern (mehr oder weniger) subtil gelenkt wird. Da auch die Schwemme der (irrelevanten) täglichen Nachrichten zu einem Ohr hinein-, und zum anderen (ungefiltert) wieder hinausgeht, wird nicht mehr Erwähntes erst recht (leise und unbemerkt) untergehen.


Es gibt eh keinen "Sinn per se", der hinter Wörtern steckt. Ich muss mich nicht mit anderen Menschen über Wörter und Sinnhaftigkeit austauschen, damit ich sie leben kann. Ich kann sie bereits jetzt leben, ohne irgendeinem davon zu erzählen, was sich als "Buddhist" auch sehr oft empfiehlt, außer man ist noch in seiner idealistischen Bodhisattva Phase und will die Menschheit retten.
Hallo void,

void hat geschrieben:
Beim Thema Redeverbot fällt mir der Besuch des evangelischen Sektenbeauftraten und Pfarrers Georg Schmid in Plum Village ein (Relinfo)(...)

Von der Wirkung her - das man bestimmte "störende" Themen nicht anspricht, hat es dann aber schon so den Charakter eines Sprechverbots (Wobei es vielleicht auch da subtile "asiatischete" Möglichkeiten gibt Kritik zu üben, ohne jemand zu brüskieren)

Nur damit ich das richtig verstehe, er hat als Gast in einer asiatisch geprägten Gemeinde während einer praktischen meditativen Übung versucht, den Abt über seine Mönche vors Schienbein zu treten.

Das muss die berühmte deutsche Feinfühligkeit sein! :lol:
Liebe Grüße, Aravind.
fotost hat geschrieben:
darüber kann man irgendwann auch nicht mehr denken...
Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man es für eine Art Orwell'sche Satire halten.

Die US-Regierung hat nach einem Bericht der “Washington Post” der US-Seuchenbehörde CDC, der obersten Gesundheitsbehörde der USA, eine Liste mit verbotenen Wörter gegeben.
..
Darunter sind demnach: “Transgender”, “verwundbar”, “Fötus”, “Diversität” (Vielfalt), “Anspruchsberechtigung”, “auf wissenschaftlicher Grundlage” und “auf der Grundlage von Beweisen”.

http://www.huffingtonpost.de/entry/trump-verbietet-woerter-gesundheitsbehoerde-cdc_de_5a356af7e4b0ff955ad36a5f
Falls erforderlich gibt es auch eine Liste mit alternativ zu verwendenden Termini.


Die Washington Post hat davon als erste berichtet und dann machte es ungeprüft die Runde. Was da genau damit verbunden ist, kann ich jetzt noch nicht erkennen.
Es geht aber soweit ich das sehe, um die Formulierung in Anträgen. Vielleicht
macht das sonst Schwierigkeiten aufgrund von Algorithmen ...

Das jetzt in den Kontext von rechter Rede zu stellen ist etwas abwegig. Auch bei uns gibt es erwünschte Formulierungen und unerwünschte - und auch versteckte, wie das bei Arbeitszeugnissen bekannt ist.

Bevor also nicht konkreter diese Sache geprüft ist, gibt es keinen Grund zur Aufregung. Letzeres dürfte auch unter den Teil von Rechter Rede gehören, dass man nicht durch Zwischenträgerei oder ungeprüfter Weitertratscherei das weise Nachdenken unweise beeinflusst.
Aravind hat geschrieben:
Das muss die berühmte deutsche Feinfühligkeit sein! :lol:
Liebe Grüße, Aravind.


Bei Trump ist es so, daß in der Behörde bestimmt Wörte nicht verwendet werden dürfen, eben weil die als eine Infragestellung der Autorität gesehen werden.

Auch da hast du dann eine Atmosphäre der Harmonie und Klimwandel auch nur zu erwähnen wird eben auch als Affront gesehen. Man muss "feinfühlig" sein und Dinge totschweigen können.
void hat geschrieben:
Aravind hat geschrieben:
Das muss die berühmte deutsche Feinfühligkeit sein! :lol:
Liebe Grüße, Aravind.


Bei Trump ist es so, daß in der Behörde bestimmt Wörte nicht verwendet werden dürfen, eben weil die als eine Infragestellung der Autorität gesehen werden.

Auch da hast du dann eine Atmosphäre der Harmonie und Klimwandel auch nur zu erwähnen wird eben auch als Affront gesehen. Man muss "feinfühlig" sein und Dinge totschweigen können.

Das meinte ich natürlich nicht. Feinfühlig würde bedeuten, die der Situation angemessenen Kommunikationswege zu nutzen. Klar kann man auch sagen, mir wurst, was interessiert mich Deine Kultur, erreicht hat man damit in der Regel dann erst mal nichts.

Aber schon an diesem kleinen Wort, feinfühlig, sieht man, wie viel Macht Begriffe und die Deutungshoheit darüber haben. Da gebe ich Dir sofort recht. Wenn jemand alleine bestimmen kann, was feinfühlig bedeutet, dann hat man ein mächtiges Instrument. Das weiß Trump mit seinenm Instinkt für Macht natürlich genau.

Begriffsdefinitionen, und wer darüber bestimmt, spielen hier im Forum ja auch immer wieder eine Rolle. In so weit finde ich das Thema ziemlich spannend.

Liebe Grüße,
Aravind.
void hat geschrieben:
Bei Trump ist es so, daß


Ist das wirklich so, oder dichtest du dir das zusammen?


Er ist doch Erfüllungsgehilfe - der Koch-Brüder was die Steuer"reform" anbetrifft, der Republikaner was den Umwelt-und Klimabereich anbetrifft und der Evangelikalen, was Israel und diese Newspeak-Sache anbetrifft.
Ich würde da mal den Fokus auf den Hintergrund lenken. Dann bekommt man eine Vorstellung, was da kommen wird und weshalb. Das ist alles ja völlig "logisch".

http://www.faz.net/aktuell/politik/trum ... 47613.html
Hier eine Analyse der möglichen Gründe und Folgen des CDC-Wortverbots:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagno ... 83966.html



"Neusprech (englisch Newspeak) heißt die sprachpolitisch umgestaltete Sprache in George Orwells dystopischem Roman 1984. Durch Sprachplanung sollen sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten beschränkt und damit die Freiheit des Denkens aufgehoben werden. ...

Neusprech wird im übertragenen Sinne als Bezeichnung für Sprachformen oder sprachliche Mittel gebraucht, die durch Sprachmanipulation bewusst verändert werden, um Tatsachen zu verbergen und die Ziele oder Ideologien der Anwender zu verschleiern.
"
https://de.wikipedia.org/wiki/Neusprech


"Die Maxime, jederzeit selbst zu denken, ist die Aufklärung." Immanuel Kant
Ich bin sehr für Sprechverbote!!!
Es kann niemals sein, was nicht sein darfk
...
Es muß erst schlimmer werden, bevor es besser wird.

Und also sprach Gott: "ich werde sie verwirren, dass sie nicht eines sind"

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