Sind wir für unsere Gefühle selbst verantwortlich?

Moderator: void

Liebe Foristen,

vielleicht hat sich ja die/der ein oder andere hier auch schon mit der folgenden Frage beschäftigt:

Sind wir für unsere Gefühle selbst verantwortlich?

Grundlage dieser Frage sind Erfahrungen, die ich durch die Beschäftigung mit Spiritualität und der Arbeit an mir selbst gemacht habe. Viele Emotionen, die mich früher belastet haben, kann ich heute für mich rational erklärbar machen und als Wirkung einer Ursache deuten. Dabei habe ich aber auch das Gefühl, es manchmal zu weit zu treiben: Hat man für jede Emotion eine rationale Erklärung, so fürchte ich, dass die schönsten Dinge im Leben ihren Glanz verlieren werden.

Wie würdet ihr meine Frage beantworten und was haltet ihr davon, ständig die eigenen Emotionen zu reflektieren?

Bitte entschuldigt, wenn dieser Beitrag nicht ins Buddhaland gehört, mir ist nur kein anderer Ort dafür eingefallen. :oops:

Viele Grüße,
Suchender
Suchender1 hat geschrieben:
...Wie würdet ihr meine Frage beantworten ...

Du bist für den Umgang mit deinen Gefühlen verantwortlich.

Suchender1 hat geschrieben:
... was haltet ihr davon, ständig die eigenen Emotionen zu reflektieren?...

Wenn's Spaß macht.
Suchender1 hat geschrieben:
Sind wir für unsere Gefühle selbst verantwortlich?

Viele Grüße,
Suchender

hallo Suchender,

wenn nicht ich für meine Gefühle, bzw. für dem umgang mit ihnen verantwortlich bin, wer kann es dann sein?
ich reflektiere nicht ständig über meine gefühle aber wenn sie mich "überfrauen" weiss ich wieso....

_()_
.
Suchender1 hat geschrieben:
Sind wir für unsere Gefühle selbst verantwortlich?


Wie würdest Du denn "Gefühle" definieren ?
Wovon hängen Deine Gefühle ab ?
Hall Suchender,
Suchender1 hat geschrieben:
Sind wir für unsere Gefühle selbst verantwortlich?

Wer sollte sonst dafür verantwortlich sein?
Das geht ja nicht mal (theoretische Unmöglichkeit).


Suchender1 hat geschrieben:
was haltet ihr davon, ständig die eigenen Emotionen zu reflektieren?

Wie wäre es mit beobachten?


Herzlich,
Mirco
Vielen Dank für die schöne Antworten und Denkanstöße von Euch!

Sehr wichtig finde ich die Unterscheidung von Gefühlen und dem Umgang mit ihnen. Das war das Schlüsselwort, nach dem ich vielleicht gesucht habe. Dafür, dass wir Gefühle haben, können wir nichts. Man kann Fühlen nicht abstellen, daher meine ich, dass wir für das Fühlen an sich nicht verantwortlich sein können.

Jedoch können wir durch unser Denken und durch unsere Handlungen die Ursachen für negative Emotionen entfernen oder meiden. Im Idealfall verfolgt man einen Lebensstil, der wenig Leiden -physisch oder emotional - in uns und anderen verursacht.

Leider habe ich gerade keine Ahnung, wie ich Gefühle umschreiben kann. Sind sie nur Gedanken? Sind sie etwas Größeres, das hintergründig wirkt? Sind sie geistige oder körperliche Phänomene, oder sind sie vielleicht beides?

Wenn das Betrachten positiver Emotionen diese entzaubert, waren sie dann echt, oder nur eine Illusion?
Suchender1 hat geschrieben:
...Leider habe ich gerade keine Ahnung, wie ich Gefühle umschreiben kann. Sind sie nur Gedanken? Sind sie etwas Größeres, das hintergründig wirkt? Sind sie geistige oder körperliche Phänomene, oder sind sie vielleicht beides?

Wenn das Betrachten positiver Emotionen diese entzaubert, waren sie dann echt, oder nur eine Illusion?


Ist das wirklich wichtig?

http://www.schattenblick.de/infopool/religion/buddha/rbpre873.html
Suchender1 hat geschrieben:
Leider habe ich gerade keine Ahnung, wie ich Gefühle umschreiben kann.
Sind sie nur Gedanken? Sind sie etwas Größeres, das hintergründig wirkt?
Sind sie geistige oder körperliche Phänomene, oder sind sie vielleicht beides?

Ganz einfache und eindeutige Unterscheidung:
Gefühle werden gefühlt. Sie haben eine Entsprechung im Körper.
Gedanken werden gedacht. Sie haben keine Entsprechung im Körper*.

Also, wenn Du gerade mal wieder nicht weißt, ob es ein Gefühl oder ein Gedanke ist, schau, wo es sich im Körper finden lässt.
Gibt es keinen Bereich, an der Du es lokalisieren kannst, dann ist es ein Gedanke.


Herzlich,
Mirco


*ausserhalb des Gehirns (für die Schlau-meier).
Naja. Buddha sagte dazu: Dies ist nicht mein, dies bin ich nicht, das gehört mir nicht. Und alle Patriarchen sagen das selbe.
Hallo Suchender,
es gibt notwendige Gefühle wie z. B. Hunger, Durst, Schlafbedürfnis. Damit wurden wir geboren. Alles Andere wurde uns an-erzogen, ab-erzogen. Wir entwickelten Vorlieben und Abneigungen und haben diese kultiviert. Wir haben gelernt, was uns angenehm ist, wir haben gelernt, was uns unangenehm ist, z. B. entstehen daraus auch die Anziehungskraft oder Ablehnung für bestimmte Personen - in der Liebe nennt es sich "Chemie". Diese Chemie hat aber sicher mit unseren ersten Erfahrungen als Baby und Kleinkind zu tun übertragen durch die Mutter und andere wichtige Personen.

Wenn ich also nun meine Konditionierungen erkenne und durchschaue, dann kann ich sie auch ändern. Ich übernehme die Verantwortung für mein Leben. Ich stelle plötzlich fest, dass ich mich beispielsweise ein Leben lang in Vorstellungen und Illusionen verfangen habe. Ich stelle plötzlich fest, dass ich gar nicht mehr auf bestimmte Reize anspringe, seien sie nun negativ oder positiv. So beginnt der Prozess der Entwöhnung von unheilsamen Gefühlen. Was ist unheilsam? Alles, was Macht über mich hat und mich in ein Leben drängt, dass ich im Grunde nicht will, all das, was Leiden verursacht. So entwickel ich mit der Zeit durch Meditation, Erwägen, Reflektieren usw. Weisheit.
Und diese Weisheit sorgt dafür, dass ich mit Gefühlen verantwortungsvoll umgehe oder diese noch nicht einmal mehr auftauchen.

Im übrigen finde ich, gehört dieser Thread in "Buddhismus Anfänger". :D

_()_ Monika
Ji'un Ken hat geschrieben:
Ist das wirklich wichtig?

http://www.schattenblick.de/infopool/religion/buddha/rbpre873.html


[quote="Zitat aus og Link]So jedenfalls stelle ich mir einen ganz wesentlichen Aspekt von Erleuchtung vor: Du hast Spaß an vielen Dingen in diesem Leben, freust dich über alles Mögliche - und wenn es nicht mehr da ist, wenn es vergangen ist, bleibt keine Spur von Bedauern. Und genauso der Umgang mit Unangenehmem wie Hunger, Schmerzen oder Trauer: Wenn du es ändern kannst, änderst du es, wenn du es aber nicht ändern kannst, nimmst du es ohne Bedauern als gegeben an. Wie mag das bei einem Buddha sein?
[/quote]

Es muss bearbeitet und gelebt werden - also kann die Reflektion darüber nicht falsch sein? Und wenn sie/ihn die grundsätzliche Frage umtreibt, ob die "Versachlichung" zur Emotionslosigkeit führt, also ein Missverständnis darüber herrscht, dass das Denken nicht das Empfinden ausschliesst sondern nur steuert, dann ist das kein Narzissmus sondern ne ehrliche Frage an den Buddhismus, die man beantworten kann.

Zum Threadersteller...
... ich für mich halte es damit, dass unser Fühlen unser Denken und unser Denken unser Handeln bestimmen. Zorn, Wut, Hass sind eigentlich negative Gefühle, denen wir uns nicht immer entziehen können. Aber wir können die Ursache und den Nutzen bedenken und kommen vielleicht zu einer Lösung die nicht sofort, aber immer mehr dort greift wo wir merken, dass wir auf uns "hereinfallen". Und in vielen Situationen werden wir dann nicht emotionslos, aber nicht mehr wütend vor einem Problem stehen und mit Sicherheit genauso dynamisch und schnell, aber eben maßvoller reagieren. Genauso verhält es sich mit allen guten Gefühlen. Die Erklärung von Gefühlen bedeutet nicht, dass wir das Gefühl als profan erklären.

Buddhismus verlangt nicht Askese sondern wünscht Dir das Maß! Buddhismus fordert nichts! Du denkst, lernst und beobachtest aufmerksamer und ziehst sachlichere Schlüsse. Du gehst soweit Du gehen kannst - von selber. Kaum einer wird Mönch und meinem Gefühl nach sollte man das auch nicht wollen. Jeder lebt sein Leben. Der Achtfache Pfad spricht vom rechten Lebenswandel und umfasst, dass die meisten Buddhisten arbeiten.

Insofern gehts nicht darum seine Gefühle kaputtzudenken.
@Monika: ich stehe dem kritisch gegenüber. Es klingt ein wenig, als wäre "Liebe" ein ansozialisiertes Gefühl. Egal wie hart die Kulturrevolution Mao´s die Chinesen getroffen hat, sie sind in ihrem gesellschaftlichen Handeln immer noch sehr von ihrer Kultur geprägt. Ähnlich die Japan. Thailand, Kambodgia, Vietnam. In diesen Völkern ist die familiäre Konstruktion sehr symbiotisch. Asiatische Kinder und Mütter sind teils lange sehr nah aneinander im täglichen Leben. Es wird weniger gekuschelt, hat aber insgesamt viel mehr Kontakt. Westliche Eltern sind bedacht auf gegenseitige Freiräume, Kinder bekommen sehr früh eigene Zimmer. Die ergeben sich im asiatischen Raum in anderer Art (nicht aufgrund des Raummangels, asiatische Räume werden anders genutzt, dadurch wird weniger Platz benötigt). Ein Kind wird immer die Wärme von Eltern oder wenigstens einem Elternteil benötigen. Es entsteht dabei nicht nur Bindung, sondern der Mensch ist geradzu zur Bindung ausgelegt.

Aber wie gesagt, vielleicht empfinde ich Deine Haltung auch falsch.
Moin Berlinbuddhist,

berlinbuddhist hat geschrieben:
Ji'un Ken hat geschrieben:
Ist das wirklich wichtig?


.........Es muss bearbeitet und gelebt werden - also kann die Reflektion darüber nicht falsch sein? Und wenn sie/ihn die grundsätzliche Frage umtreibt, ob die "Versachlichung" zur Emotionslosigkeit führt, also ein Missverständnis darüber herrscht, dass das Denken nicht das Empfinden ausschliesst sondern nur steuert, dann ist das kein Narzissmus sondern ne ehrliche Frage an den Buddhismus, die man beantworten kann....


Es geht mir nicht um richtig oder falsch.
Meine Frage war, "ist es wichtig?"
Wenn es Suchender wichtig ist, muss er eben darüber reflektieren. Für mich ist das umschreiben können von Gefühlen unwichtig. Die Frage ob sie nur Gedanken sind, oder etwas Größeres, das hintergründig wirkt, hat sich mir nie gestellt. Ich halte die Unterscheidung zwischen körperlichen und geistigen Phänomenen nicht für hilfreich.
Für mich ist die Beschäftigung mit diesen Fragen nicht wichtig. Aus diesem Grund habe ich bei Suchender nachgefragt.

LG
Ji'un Ken
berlinbuddhist hat geschrieben:
@Monika: ich stehe dem kritisch gegenüber. Es klingt ein wenig, als wäre "Liebe" ein ansozialisiertes Gefühl. Egal wie hart die Kulturrevolution Mao´s die Chinesen getroffen hat, sie sind in ihrem gesellschaftlichen Handeln immer noch sehr von ihrer Kultur geprägt. Ähnlich die Japan. Thailand, Kambodgia, Vietnam. In diesen Völkern ist die familiäre Konstruktion sehr symbiotisch. Asiatische Kinder und Mütter sind teils lange sehr nah aneinander im täglichen Leben. Es wird weniger gekuschelt, hat aber insgesamt viel mehr Kontakt. Westliche Eltern sind bedacht auf gegenseitige Freiräume, Kinder bekommen sehr früh eigene Zimmer. Die ergeben sich im asiatischen Raum in anderer Art (nicht aufgrund des Raummangels, asiatische Räume werden anders genutzt, dadurch wird weniger Platz benötigt). Ein Kind wird immer die Wärme von Eltern oder wenigstens einem Elternteil benötigen. Es entsteht dabei nicht nur Bindung, sondern der Mensch ist geradzu zur Bindung ausgelegt.

Aber wie gesagt, vielleicht empfinde ich Deine Haltung auch falsch.


Ich verstehe Deine Antwort nicht. Hab ich das geschrieben?
Ich schrieb von unheilsamen Gefühlen und ihre Loslösung davon.

...So beginnt der Prozess der Entwöhnung von unheilsamen Gefühlen. Was ist unheilsam? Alles, was Macht über mich hat und mich in ein Leben drängt, dass ich im Grunde nicht will, all das, was Leiden verursacht. So entwickel ich mit der Zeit durch Meditation, Erwägen, Reflektieren usw. Weisheit.


_()_
Monika, zumindest wird nicht deutlich, wo du das Bindungsbedürfnis bei Erwachsenen einordnest. Bei den Grundbedürfnissen (wo es hingehört) oder bei: in der Liebe muss an erst mal den ganzen Schrott aufarbeiten, der im Elternhaus an einem vermurkst wurde.
Wenn der Schrott weg ist, bleibt ja noch was... Das mischt sich scheinst bei dir etwas, geht es klarer?
MonikaMarie1 hat geschrieben:
es gibt notwendige Gefühle wie z. B. Hunger, Durst, Schlafbedürfnis. Damit wurden wir geboren. Alles Andere wurde uns an-erzogen, ab-erzogen. Wir entwickelten Vorlieben und Abneigungen und haben diese kultiviert. Wir haben gelernt, was uns angenehm ist, wir haben gelernt, was uns unangenehm ist, z. B. entstehen daraus auch die Anziehungskraft oder Ablehnung für bestimmte Personen - in der Liebe nennt es sich "Chemie". Diese Chemie hat aber sicher mit unseren ersten Erfahrungen als Baby und Kleinkind zu tun übertragen durch die Mutter und andere wichtige Personen.


Tashili hat geschrieben:
Monika, zumindest wird nicht deutlich, wo du das Bindungsbedürfnis bei Erwachsenen einordnest. Bei den Grundbedürfnissen (wo es hingehört)


Ja, das Bindungsbedürfnis gehört zu den Grundbedürfnissen.

oder bei: in der Liebe muss an erst mal den ganzen Schrott aufarbeiten, der im Elternhaus an einem vermurkst wurde.
Wenn der Schrott weg ist, bleibt ja noch was... Das mischt sich scheinst bei dir etwas, geht es klarer?


Hi Tashili,
mit welcher Betonung hast Du meinen Beitrag gelesen? Ich komme nicht auf "Schrott", der weggeräumt werden muss, sondern nur ganz einfach auf Vorlieben und Abneigungen, durch die wir die Welt sehen. Davon ist unser Er-Leben gefärbt - zumindest das der meisten.

Wenn ich also nun meine Konditionierungen erkenne und durchschaue, dann kann ich sie auch ändern.


So ich das denn will oder sogar muss.
Daraus entsteht

die Übernahme der Verantwortung für mein Leben.


So beginnt der Prozess der Entwöhnung von unheilsamen Gefühlen. Was ist unheilsam?


Hass, Neid und Verblendung. Wodurch entstehen diese? Durch Vorlieben und Abneigungen, Voreingenommenheit ...

So entwickel ich mit der Zeit durch Meditation, Erwägen, Reflektieren usw. Weisheit. Und diese Weisheit sorgt dafür, dass ich mit Gefühlen verantwortungsvoll umgehe oder diese noch nicht einmal mehr auftauchen.


Von Schrott, der beseitigt werden muss, ist in keiner Weise die Rede. Ich verstehe nicht, was ich da noch klarer ausdrücken müsste?
Erklärt es mir bitte :D .
_()_
Suchender1 hat geschrieben:
Liebe Foristen,

vielleicht hat sich ja die/der ein oder andere hier auch schon mit der folgenden Frage beschäftigt:

Sind wir für unsere Gefühle selbst verantwortlich?

Grundlage dieser Frage sind Erfahrungen, die ich durch die Beschäftigung mit Spiritualität und der Arbeit an mir selbst gemacht habe. Viele Emotionen, die mich früher belastet haben, kann ich heute für mich rational erklärbar machen und als Wirkung einer Ursache deuten. Dabei habe ich aber auch das Gefühl, es manchmal zu weit zu treiben: Hat man für jede Emotion eine rationale Erklärung, so fürchte ich, dass die schönsten Dinge im Leben ihren Glanz verlieren werden.

Wie würdet ihr meine Frage beantworten und was haltet ihr davon, ständig die eigenen Emotionen zu reflektieren?

Bitte entschuldigt, wenn dieser Beitrag nicht ins Buddhaland gehört, mir ist nur kein anderer Ort dafür eingefallen. :oops:

Viele Grüße,
Suchender


Deine Frage ist eindeutig mit einem Ja zu beantworten !

Die Emotionen kochen hoch, das spürst Du sicherlich -
und kannst SOFORT gegensteuern.
Das klappt natürlich nicht immer und die Suppe kocht über . . .

Was die Gefühle betrifft, die sind ebenso schnell vergänglich
wie ein jeder Augenblick des Lebens oder Gedanken, welche dahinflattern.

Bloß nicht dran kleben bleiben und ein Gedanken- oder Gefühlskarussell
drau*s (o, GRAUS) machen.

herzliche Grüße, Gitte
brigittefoe hat geschrieben:
Deine Frage ist eindeutig mit einem Ja zu beantworten !


Bis zu Dir da so sicher, liebe Brigitte ?

Matthias65 hat geschrieben:
Suchender1 hat geschrieben:
Sind wir für unsere Gefühle selbst verantwortlich?


Wie würdest Du denn "Gefühle" definieren ?
Wovon hängen Deine Gefühle ab ?


Die Welt, auch die emotionale und geistige Welt hängt sehr stark von unserem Gehirn ab. Das Gehirn ist die eigentliche "Schaltzentrale" des menschlichen Körpers, nicht die Gefühle.

Den Link von J'iun Ken "Ist das Gehirn das Tor zur Unendlichkeit ?" kann ich nur empfehlen !

Eine ähnliche Diskussion hatten wr auch noch mal bei dem Thread "freier Wille". Wenn ich traurig bin, bin ich traurig, Aber bin "ich" wirklich dafür verantwortlich, dass ich traurig bin oder steuert das Gehirn diese emotionalen Prozesse eher unbewußt ?
Liebes Buddhaland,

jetzt möchte ich gerne auf eure Antworten eingehen. Ihr habt mich wirklich weitergebracht und ich finde es sehr schön, dass ihr einem Fremden bei der Suche helft.

Ist es wichtig zwischen Gefühlen und Gedanken zu unterscheiden?
Beide bringen sich wechselseitig hervor und es liegt daher nahe, sie nicht zu trennen. Allerdings fällt es mir leichter, willentlich meine Gedanken zu ändern, als meine Gefühle. Die Ursache negativer Gefühle finde ich häufig in den falschen Gedanken und Einstellungen. Die Befreiung von manchen negativen Emotionen erlange ich durch Einsicht, also durch das Infragestellen und Überwinden meiner bisherigen Weltsicht. In einer theoretischen Betrachtung ist es meiner Meinung nach sinnlos zwischen Gefühl und Gedanke zu unterscheiden, für meine Lebenspraxis jedoch zur Zeit wichtig.

Sind Gefühle körperliche Phänomen?
Ja, sie sind es. Ein Gefühl kann ich in meinem Körper außerhalb der abstrakten Gedankenebene (meine Umschreibung für Körper ohne Gehirn) verorten. Viel fühle ich im Brustbereich, insbesondere in der Gegend des Herzens. Manche Gefühle sitzen im Bauchraum und andere erheben oder drücken den gesamten Körper.

Erklärt die Belehrung von Buddha über das Nicht-Selbst alleine meine Fragen?
Nein, das tut sie nicht. Zumindest hat sie mir nicht zu den gesuchten Einsichten verholfen. Es ging mir nicht darum, von meinen Gefühlen befreit zu werden, sondern mehr über sie zu erfahren. Sie mag die hintergründige Essenz sein, die meine Fragen auch erklärt, aber für meine jetzige Entwicklungsstufe war sie nicht griffig genug.

Gibt es notwendige und antrainierte Gefühle?
Ja, die gibt es und es ist sinnvoll zwischen beiden Gruppen zu unterscheiden. Könnte man die lebensnotwendigen Gefühle nicht vielleicht auch als Instinkte beschreiben? Nicht alle Konditionierungen sind schlecht, sie führen doch letztlich auch dazu, dass mir Menschen hier Antworten auf große Fragen geben - Stichwort Sozialisierung. Im Moment möchte ich besonders solche antrainierte Gefühle hinterfragen, die mir Unbehagen und Anhaftung bereiten.

Bedeutet die Erklärung von Gefühlen, dass wir sie für profan erklären?
Nein, und vielen Dank für die Erläuterung! Mensch ich habe vergessen, dass Buddha stets von einem mittleren Weg gesprochen hatte.

Sind wir für unsere Gefühle selbst verantwortlich?
Jein. Wir sind für den Umgang mit unseren Gefühlen verantwortlich, nicht aber für das Fühlen selbst. Für mich persönlich ist diese Unterscheidung essentiell, da mir manches Fühlen weitere Schuldgefühle bereitet hat. (,,So solltest du dich jetzt aber nicht fühlen!")

Vielen Dank und ich hoffe durch das Offenlegen meiner Gedanken anderen helfen zu können.

Viele Grüße
Suchender
Matthias65 hat geschrieben:
brigittefoe hat geschrieben:
Deine Frage ist eindeutig mit einem Ja zu beantworten !


Bis zu Dir da so sicher, liebe Brigitte ?
Ja, werter Matthias, bin ich mir !

Matthias65 hat geschrieben:
Suchender1 hat geschrieben:
Sind wir für unsere Gefühle selbst verantwortlich?


Wie würdest Du denn "Gefühle" definieren ?
Wovon hängen Deine Gefühle ab ?


Die Welt, auch die emotionale und geistige Welt hängt sehr stark von unserem Gehirn ab. Das Gehirn ist die eigentliche "Schaltzentrale" des menschlichen Körpers, nicht die Gefühle.

Den Link von J'iun Ken "Ist das Gehirn das Tor zur Unendlichkeit ?" kann ich nur empfehlen !
... und ich empfehle den Beitrag von kanshiketsu !
Für mich ist der Geist das WESENTLICHE, das Gehirn ist NUR Werkzeug zur Umsetzung, vergeht mit dem Körper;
in Wahrheit bin ich Geist, welcher für eine Weile das Gehirn sowie die verschiedenen "Ich"-Identitäten
benutzt.


Eine ähnliche Diskussion hatten wr auch noch mal bei dem Thread "freier Wille". Wenn ich traurig bin, bin ich traurig, Aber bin "ich" wirklich dafür verantwortlich, dass ich traurig bin oder steuert das Gehirn diese emotionalen Prozesse eher unbewußt ?
Hallo Monika,

mit Schrott (Sorry) meinte ich das, was durch Konditionierungen entstanden ist. Mangelgegühl aus Kindertagen, das mich heute noch gierig sein lässt als Beispiel genannt.
Dafür ist man selbst verantwortlich, das zu heilen oder zumindest einigermaßen sozialverträglich damit umzugehen.

Ich muss zugeben dass ich mir motivational nicht zutraue, da gerade tiefer mit im Gespräch einzusteigen in Form von Zitaten etc.

Liebe Grüße trotzdem!
Danke Tashili!♥♥♥
_()_ Monika

PS: Kann das mit den 29 Zeichen nicht mal ein Ende nehmen? - für das grimmige Gefühl :mrgreen: bin ich natürlich selbst verantwortlich :lol:
Tashili hat geschrieben:
Hallo Monika,

mit Schrott (Sorry) meinte ich das, was durch Konditionierungen entstanden ist. Mangelgegühl aus Kindertagen, das mich heute noch gierig sein lässt als Beispiel genannt.
Dafür ist man selbst verantwortlich, das zu heilen oder zumindest einigermaßen sozialverträglich damit umzugehen.

Ich muss zugeben dass ich mir motivational nicht zutraue, da gerade tiefer mit im Gespräch einzusteigen in Form von Zitaten etc.

Liebe Grüße trotzdem!

Hallo Tashili,
bei Buddhisten habe ich oft das Gefühl, ihr Ziel ist es anderen nicht zur Last fallen zu wollen, wieso sollten wir mit unseren Mangelgefühlen sozialverträglich umgehen oder gar heilen um niemanden zu schaden?
Ich heile meine Mängel, weil ich für mich glücklich sein möchte, weil ich die körperlichen Beeinträchtigungen nicht mehr möchte und weil ich den gesellschaftlichen Ärger - der damit verbunden ist - nicht mehr möchte. Das Wohl der Anderen ist ein netter Nebeneffekt.

Gruß
Martin
Hallo Martin,

da ist schon was dran,
Wenn ich aber mal an junge Menschen denke, die ihre miesen Gefühle durch ausagieren von allem möglichen wegmachen wollen (meine Güte, was hab ich mit der Welt gekämpft...und tue es noch oft genug!), ist der Aspekt sich sozialverträglich zu verhalten auch beachtenswert. Wie Heilung gehen kann muss gelernt, geübt werden, bis einer das kann, darf ein bisschen Selbstbeherrschung auch dabei sein*find
MonikaMarie1 hat geschrieben:
Danke Tashili!♥♥♥
_()_ Monika

:



Für was;) haben wir uns am Ende vielleicht doch gar nicht so falsch verstanden?!
Der Begriff "Veratwortung" ist in dem Zusammenhang problematisch.

Verwantwortung ist ja, zuerst einmal was Soziales. Also dass wir in gewissen Ausmass die Pflcht haben, unser Handeln vor anderen zu rechtfertigen. So gelten imz.B im Strassenverkehr bestimtme Regeln, die ich vor der Polizei rechtfertigen muss. Und auch vor meinem Mitmischen muss ich mich wegen meiner Umagngsformen rechfertigen. Dann gibt es aber eben auch Freiräume, die ich vor niemanden rechtfertigen muss. Für meine Gedanken und für meine Gefühle, muss ich erst mal vor niemanden Rechenschaft ablegen.

Abgleitet von der sozialen Verantwortung, gibt es die Idee einer inneren Instanz, vor der ich mich verantworten muss. Also z.B vor Gott, vor dem eignen Gewissen, der eignen Ehre oder vor einem bestimmten Wertesystem. An dieser Stelle berühren sich Verantwortung und Spiritualität. Das wovor man sich da verantworten muss, sind die forderungen die man an sich selber stellt. Und diese können sehr, sehr unterscheidlch sein. Gelobt man sich selbst gegenüber, keinen Alkohol zu trinken oder keine Sexualität mehr zu haben, so muss man sich selbst gegenüber diesen Gelöbnissen verantworten. Man kann aber noch weitegehen und an sich selber die Anforderung stellen, Wut schon im Aufsteigen zu bekämpfen und gegenüber anderen keinen Hass zu spühren.

Das Problem ist, dass es nur sinnvoll ist solche Forderungen an sich zu stellen, die auch erfüllbar sind. Nur wenn man seine Gefühle kontrollieren kann, macht es Sinn, sich dafür für verantwortlich zu erklären. Überfordert man sich zu stark, scheitert man andauernd und hat in sich einen Kriegszustand. Hat ein mäklendes und krittelndes Gewissen in sich, das ständig alles besser weiss. Reflektieren alleine ist nicht genug. Nur wenn der wilde Elefant hinreichend gebädingt ist, kann man ihn herumführen. Sich von ihm am Boden druch die Gegend schleifen zu lasse und dabei die Verantwortung für den Kurs zu übernehmen, macht keinen Sinn. Die Grundlage für Verantwortung ist also eine geistige Sammlung.

Diese unterchiedlichen Bedeutungen von Verantwortung darf man nicht verwechseln. Nur weil jemand sich selbst die Forderung stellt, nur bestimtme Gefühle zuzulassen, hat er nicht das geringste Recht, dies von anderen einzufordern. Noch verwegener wird es, wenn man Verantwortung mit Ursache und mit Schuld in Verbindung bringt und dann zu anderen Leuten hingeht un ihnen sagt, sie sein an allem, was sie an Gefühlen haben schuld. So darf man nur mit sich selber reden, oder wenn man z.B als spiritueller Lehrer speziell dazu ermächtigt wurde, diese Funktion für einen einzunehemen.
Hallo void,

da wir (Du, ich, alle) abhängiger und beinflussender Teil der Welt sind, gibt es ebenso die Verantwortung, heilsam wirkend auf die eigenen Gedanken und Gefühle zu antworten. Wer und wie wir sind, bestimmt nicht nur uns, sondern auch die Umwelt. (Was keinenfalls zum Umkehrschluß genommen werden kann).


Herzlich,
Mirco
Mirco hat geschrieben:
Hallo void,

da wir (Du, ich, alle) abhängiger und beinflussender Teil der Welt sind, gibt es ebenso die Verantwortung, heilsam wirkend auf die eigenen Gedanken und Gefühle zu antworten. Wer und wie wir sind, bestimmt nicht nur uns, sondern auch die Umwelt. (Was keinenfalls zum Umkehrschluß genommen werden kann).


Nein, diese Verantwortung gibt es nicht. Wir sind nicht verpflichtet, heilsam zu handeln. Keiner muss sein Vermögen an Bettler verschenken. keiner muss Mönchen werden. Man muss Mücken nicht schonen, sondern kann sie einfach töten. So wie wir auch übellaunig sein dürfen.

Nur weil es heilsam ist, also weil es für uns und andere gut ist, besteht noch keine Verplichtung so zu handeln. Die meisten Wesen handeln vollkommen egoistisch. Nur weil etwas wünschenswert ist, ist das noch keine Verplichtung so zu handeln. Ausser man gelobt, sich und anderen gegenüber, heilsam zu handeln. Dann wird aus dem Wünschenswerten eine Verantwortung.

"Verantwortung" entsteht durch eine Vereinbahrung oder durch ein Versprechen. Oder durch ein Gesetz. Es gehört in den Bereich "sozialer Spielregeln"
und ist nichts, was unabhängig von handelnden Wesem existiert.
Void,
void hat geschrieben:
Nein, diese Verantwortung gibt es nicht. Wir sind nicht verpflichtet, heilsam zu handeln. Keiner muss sein Vermögen an Bettler verschenken. keiner muss Mönchen werden. Man muss Mücken nicht schonen, sondern kann sie einfach töten. So wie wir auch übellaunig sein dürfen.

Nur weil es heilsam ist, also weil es für uns und andere gut ist, besteht noch keine Verplichtung so zu handeln. Die meisten Wesen handeln vollkommen egoistisch. Nur weil etwas wünschenswert ist, ist das noch keine Verplichtung so zu handeln. Ausser man gelobt, sich und anderen gegenüber, heilsam zu handeln. Dann wird aus dem Wünschenswerten eine Verantwortung.

"Verantwortung" entsteht durch eine Vereinbahrung oder durch ein Versprechen. Oder durch ein Gesetz. Es ist eine soziale Tatsache und nicht etwas unabhängig von handelnden Wesem entsteht.


demnach wäre Verantwortung (und Pflicht) eine wenn(-ich-will)-dann(-ich-muß)-Veranstaltung und es gibt sie nicht als universelles Gesetz.

Naja, das glaube ich nicht. Mein Gefühl sagt mir was anderes.


Herzlich,
Mirco
Mirco hat geschrieben:
demnach wäre Verantwortung (und Pflicht) eine wenn(-ich-will)-dann(-ich-muß)-Veranstaltung und es gibt sie nicht als universelles Gesetz.

Naja, das glaube ich nicht. Mein Gefühl sagt mir was anderes.



Eine "wenn(-ich-will)-dann(-ich-muß)-Veranstaltung" ist es nicht, weil wir ja in viele der sozialen Verpflichtungen,, die wir haben (Gesetzte) nie explizit eingewilligt haben. Trotzdem gelten sie. Wenn du vater wirst, bist du für dein Kind verantwortlich und wenn du mit Haltverbot parkst, kriegst du einen Strafzettel. Aber all dies ist nichts "universelles".

Unser Gefühl tendiert dazu, Sachen aus dem sozialen Bereich auf die Welt als Ganzes zu beziehen. Also soziale Konzepte wie Schuld, Verantwortung und Pflicht im Kosmischen anzusiedeln. Auch die Idee von "universellen Gesetzen" sieht ja die Welt durch die soziale Brille. Selbst das Wort "Natugesetz" verschmiert den Unterschied zwischen reinen Gesetzmässigkeiten mit den von Menschen oder Göttern geplanten Gesetzten. Das ist die Nachwirkungen von einem theologischen Denken, nach der ein Gott die Welt geschaffen hat, wobei er allem eine Ort und eine gebürende Verhaltensweise zugeordent hat. Männer soltten nur mit ihrer eignen Frau schlafen, Fische sollten im Wasser leben und das Wasser nach unten fliessen. ( Und sollte ein Fisch mal an Land kommen, ist er dem Erstickungstod zu überantworten, der Mann soll beichten gehen und das Wasser wird exorziert )

Das wurde dadurch erleichter, dass soziale Gesetze als komische Gestzte gesehen wurden, um sich ungreifbar zu machen. Weil sie nicht einen Einzelwillen sondern den Willen des Ganzen (z.B des Stammes) ausdrückten, wurden sie als transzendent und heilig angesehen. Noch heute gibt es ja viele Leute, die meinen, dass die Frau genauso "natürlich und gegeben" in die Küche gehört wie der Fisch ins Wasser. Die Natur hat es so bestimmt.

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