Buddhismus: Geißel der Völker

Moderator: void

http://www.hohewarte.de/MuM/Jahr2000/Buddhismus000810.html

Hab ich gerade beim Surfen entdeckt. Sehr wirr, aber lustig zu lesen.
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Würg... ein weiteres Lehrstück rechter Gesinnung im Dunstkreis der katholischen Kirche :-x

Hier ein kurzer Textauszug unter dem von Dir geposteten Link (Verlag Hohe Warte), der mir buchstäblich ins Auge gestochen hat:

Abschied von der Religionsfreiheit!

Der Westen irrt sich, wenn er meint, daß ihm freigestellt wird, sich zum Buddhismus zum bekehren oder nicht! Zivilisierte Vorstellungen von Religionsfreiheit, wo es ein bewußtes Sich Entscheiden wie z.B. bei der christliche Taufe gibt, die für alle Mitmenschen erkennbar einen Wendepunkt und ein offensichtliches Bekenntnis zu einer bestimmten religiösen Haltung darstellt - von solchen westlichen Vorstellungen müssen wird uns im Bezug auf den Buddhismus verabschieden.


http://www.hohewarte.de/MuM/Jahr2000/Bu ... 00810.html



Ich kann mich nicht erinnern, daß ich im Krabbelalter irgendeiner beschi****** Taufe zugestimmt hätte.

Ich habe diesen unerträglichen Quark, bzw. den Schoss, aus dem das kroch, mal kurz nachrecherchiert und stieß auf Folgendes:

Verlag Hohe Warte:

Der "Verlag Hohe Warte" gibt zweimal monatlich die rechtsextreme Zeitschrift "Mensch und Maß" heraus
. Die Postille ist das Sprachrohr des zeitweilig in der Bundesrepublik verbotenen "Bundes für Gotterkenntnis" (Ludendorff-Bewegung), der die antiparlamentarischen und rassistischen, insbesondere antisemitischen Ideen der Eheleute Ludendorff verbreitet. Nach Mathilde Ludendorff sind die Geschicke der Welt seit Jahrhunderten dem konspirativen Wirken überstaatlicher Mächte, den Juden, Jesuiten und der Freimaurer unterworfen.

Quelle: http://www.trend.infopartisan.net/trd1203/t061203.html
Ich dachte Hitler wird nachgesagt, ein Symphatisant des Buddhismus gewesen zu sein ?! Da müssten die Rechten dem Buddhimus doch etwas aufgeschlossener sein. Ich muss doch mal nachlesen, wie es um die Familie Ludendorff steht, bzw. welcher Gesinnung die genau sind, da der Text doch konträr zur buddhismusaffinen Entwicklung um die Jahrhundertwende des letzten Jahrhunderts und den daraus entstandenen rechten Verquickungen um Himmler und co. steht.

Gruß

Milou
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Milou hat geschrieben:
Ich dachte Hitler wird nachgesagt, ein Symphatisant des Buddhismus gewesen zu sein ?!


Ja logisch, die beknackten Trimondis und Co... Wenn Hitler Buddhist oder Sympathisant des Buddhismus war, dann bin ich ein Erzkatholik :mrgreen:

Es ist eine altbewährte Taktik (nicht erst seit dem Nationalsozialismus), den politischen oder religiösen Gegnern genau den Dreck vorzuwerfen, den man selbst am Stecken hat! 8)


Gruß,
freeman
Lieber Milou,

bei Geißel der Völker, Geißel Gottes assoziiere ich Krankheiten, Seuchenzüge und das ist es, unausrottbar wie Tuberkulose.

http://www.juedische-allgemeine.de/arti ... w/id/12650
http://www.uni-tuebingen.de/uni/aid/aki ... india.html wer hätte das gedacht?

Mißbrauchen kann man für "seine" Gesinnung Alles.

L.G.
Sarvamitra
@freeman:

Der (indirekte) Einfluss von Madam Blavatsky auf das dritte Reich, bzw. die SS ist doch aber unbestritten, oder? Neben diversen Interessen hat sich die Theosophische Gesellschaft doch auch mit dem Buddhismus beschäftigt. Die Tibetexpeditionen der Nazis kamen ja auch nicht von ungefähr, auch wenn man nicht den Buddhismus als primäres Ziel hatte.

Der oben zitierte Text ist meines Erachtens auch nicht unbedingt katholizismusfreundlich. Wie kann er da aus dessen Umfeld kommen?

Ich bin mehr und mehr verwirrt.
Wenn man ansieht was dieser "Bund für Deutsche Gotterkenntnis" für ein Weltbild hat, ist es sehr schön dass ihm der Buddhismus nicht sympathisch ist.

    Der Bund für Gotterkenntnis wird der neugermanischen Szene zugeordnet. Dabei ist das kultische Element beim Bund für Gotterkenntnis völlig eliminiert. Die Religion wird auf das Volkstum als letzte Wirklichkeit reduziert, so dass sich nach den gleichen Gesetzen, nach denen sich körperliche Merkmale vererben, auch seelische Eigenschaften und damit die Religiosität vererbe

    Die Weltanschauung des Bundes für Gotterkenntnis ist durchzogen von Rassismus und Antisemitismus. Die Auffassung der je nach Ethnie unterschiedlichen „Gotterkenntnis“ und die daraus abgeleitete Forderung „Rassenvermischung zu vermeiden“ ist dafür ein Beispiel. Darüber hinaus ist die Gedankenwelt der Ludendorffer durch Verschwörungstheorien geprägt, wonach angebliche „überstaatliche Mächte“ wie Juden, Freimaurer, Jesuiten und die römisch-katholische Kirche die Weltherrschaft anstrebten

http://de.wikipedia.org/wiki/Bund_f%C3% ... erkenntnis
Na gute morgen auch!

So eine immens lange Anreihung an Verleumdung, lügen und verdrehter "Meinung" habe ich wirklich noch nie gelesen.

Nicht schlecht.

Wenn ich sowas les, tun mir die Leute so leid, die so voller Hass und Verblendung rumlaufen :(

_()_
Milou hat geschrieben:
@freeman:

Der (indirekte) Einfluss von Madam Blavatsky auf das dritte Reich, bzw. die SS ist doch aber unbestritten, oder? Neben diversen Interessen hat sich die Theosophische Gesellschaft doch auch mit dem Buddhismus beschäftigt. Die Tibetexpeditionen der Nazis kamen ja auch nicht von ungefähr, auch wenn man nicht den Buddhismus als primäres Ziel hatte.

Der oben zitierte Text ist meines Erachtens auch nicht unbedingt katholizismusfreundlich. Wie kann er da aus dessen Umfeld kommen?

Ich bin mehr und mehr verwirrt.


Nun ja, daß die Nazis ein verquastes Interesse für Okkultismus hatten, lässt sich nicht bestreiten. Aber die von ihnen vertretenen Thesen waren ziemlich versponnen, um nicht zu sagen: Verrückt. Sie waren in Tibet und auch in der Arktis auf der Suche nach dem mythischen Thule und den vermeindlichen "Ur-Ariern". Die Tibet-Expeditionen des SS-Mannes (und CIA-Mannes!) Heinrich Harrer, sowie des Biologen Ernst Schäfer sind dafür ein anschauliches Beispiel:


Viele hochrangige Mitglieder des Nazi-Regimes, einschließlich Hitlers, aber insbesondere Himmler und Hess, hingen verschrobenen okkultistischen Vorstellungen an. Von einigen dieser Vorstellungen angespornt, sandten die Deutschen zwischen 1938 und 1939, auf Einladung der tibetischen Regierung, eine Expedition nach Tibet, um an den Losarfeierlichkeiten (Neujahr) teilzunehmen...


Die Mythen von Thule und Vril

Das erste Element des Nazi-Okkultismus war der Glaube an ein mythisches Land Hyperborea-Thule. So wie Platon die ägyptische Legende des versunkenen Kontinents von Atlantis zitiert hatte, erwähnte Herodot die ägyptische Legende vom Kontinent Hyperborea im hohen Norden. Als Eis dieses alte Land zerstört habe, seien seine Bewohner nach Süden ausgewandert. In seinen Schriften von 1679 setzte der schwedische Autor Olaf Rudbeck die Atlantiden mit den Hyperboreern gleich und lokalisierte die Letzteren am Nordpol. Entsprechend mehreren Überlieferungen hat sich Hyperborea in die Inseln Thule und Ultima Thule aufgespalten, die manchmal mit Island und Grönland gleichgesetzt wurden.

Das zweite Element war die Idee eines hohlen Erdinneren. Am Ende des siebzehnten Jahrhunderts nahm der britische Astronom Sir Edmund Halley als erster an, dass die Erde ein Hohlkörper sei, bestehend aus vier konzentrischen Kugeln. Die Theorie der hohlen Erde entfachte die Vorstellungskraft vieler Menschen. Hier sei insbesondere die Veröffentlichung des Romans „Journey to the Center of the Earth“ („Reise zum Mittelpunkt der Erde“) des Franzosen Jules Vernes im Jahre 1864 erwähnt.

Bald tauchte der Begriff Vril auf. Im Jahre 1871 beschrieb der britische Romancier Edward Bulwer-Lytton in „The Coming Race“ („Die kommende Rasse“) eine höherstehende Rasse, die Vril-ya, die unter der Erde lebten und die Erde mit Vril, einer psychokinetischen Energie, zu erobern planten. Der französische Autor Louis Jacolliot entwickelte den Mythos weiter in Les Fils de Dieu („Die Söhne Gottes“) (1873) und Les Traditions indo-européennes („Die Indo-Europäischen Traditionen“) (1876). In diesen Büchern brachte er Vril mit dem unterirdischen Volk von Thule in Verbindung: Die Thuleaner würden eines Tages die Vril-Energie nutzbar machen, um Übermenschen zu werden, und dann die Welt regieren...

In „The Arctic Home of the Vedas“ („Die arktische Heimat der Veden“) (1903), fügte der frühe Verfechter der Freiheit Indiens, Bal Gangadhar Tilak, eine weitere Verbindung hinzu, indem er in der Wanderung der Thuleaner nach Süden den Ursprung der arischen Rasse sah. So glaubten am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts viele Deutsche daran, dass sie die Nachkommen der Arier wären, die aus Hyperborea-Thule südwärts gewandert und dazu bestimmt wären, durch die Macht von Vril zur Herrenrasse der Übermenschen zu werden. Auch Hitler vertrat diese Auffassung...


Buddhismus im nationalsozialistischen Deutschland

Paul Dahlke gründete 1924 das Buddhistische Haus in Frohnau, Berlin. Es war für die Mitglieder aller buddhistischen Traditionen offen, vorwiegend beherbergte es aber die Theravada- und die japanische Form, weil zu jener Zeit diese im Westen am weitesten bekannt waren. Hier fand 1933 der Erste Europäische Buddhistische Kongress statt. Die Nationalsozialisten ließen das Buddhistische Haus während des Krieges geöffnet, allerdings kontrollierten sie es streng. Da einige Mitglieder Chinesisch und Japanisch konnten, betätigten sich diese, in Gegenleistung für die Toleranz gegenüber dem Buddhismus, als Übersetzer für die Regierung.

Obwohl das Nazi-Regime die Buddhistische Gemeinde in Berlin, die seit 1936 aktiv gewesen war, schloss und kurzzeitig deren Begründer Martin Steinke 1941 inhaftierte, verfolgte es die Buddhisten nicht generell. Nach seiner Freilassung setzten Steinke und mehrere andere ihre Buddhismus-Unterweisungen in Berlin fort. Es gibt jedoch keinen Anhaltspunkt dafür, dass Lehrer des Tibetischen Buddhismus im Dritten Reich jemals anwesend waren.

Die tolerante Nazi-Politik gegenüber dem Buddhismus ist kein Beweis für irgendeinen Einfluss Buddhistischer Lehren auf Hitler oder die Nazi-Ideologie. Eine wahrscheinlichere Erklärung ist die, dass Deutschland die Beziehungen mit seinem buddhistischen Verbündeten Japan nicht beschädigen wollte.



http://www.berzinarchives.com/web/de/ar ... tibet.html


Zu Heinrich Harrer siehe z.B. hier: http://www.welt.de/vermischtes/article1 ... d-CIA.html





Im Übrigen: Wenn ich mir die Person Adolf Hitler und seine Realpolitik im Besonderen, sowie das sog. "3. Reich" im Allgemeinen anschaue, dann kann ich da unmöglich einen Zusammenhang zu buddhistischen Tugenden erkennen!
:mrgreen: 8)
Milou hat geschrieben:
Der oben zitierte Text ist meines Erachtens auch nicht unbedingt katholizismusfreundlich. Wie kann er da aus dessen Umfeld kommen?



Nicht nur im Dunstkreis des Katholizismus gibt es verrücktere Ansichten, als manch einer glauben mag:


http://www.spiegel.de/kultur/gesellscha ... 10418.html

http://www.schwerte-gegen-rechts.de/ind ... m-internet

http://www.tuckenalarm.com/start/schwul ... -auf/23948

http://www.theologe.de/katholische-kirche_holocaust.htm

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitges ... e-pfeiffer


... usw usw usw. Mit der Aufarbeitung der Rolle der Kirchen im 3. Reich fange ich hier garnicht erst an... ich habe z.B. christliche Religionsbücher aus jener unseligen Zeit gesehen, in denen Adolf Hitler unumwunden als Erlöser der Menschheit gefeiert wurde. Und daß die Verfolgung der Juden im 3. Reich in nicht unerheblichem Maße von christlich-antisemitischer Propaganda gespeist wurde, ist eine historische Tatsache. Antisemitische Propaganda gab es bereits im Johannes-Evangelium 8)
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Unter den von Sarvamitra geposteten, sehr erhellenden Links fand ich folgende exemplarische Aussage:

Himmler hat dem finnischen Physiotherapeuten Felix Kersten offenbart, dass ihm das vierte Kapitel aus der Bagavad Gita sehr gefiel:

Handle, aber hänge dich nicht an die Tat, töte, aber bleib dabei völlig gelassen. Das kam Himmler als Gewissensentlastung sehr zupass...


http://www.juedische-allgemeine.de/arti ... w/id/12650



Ja, es gibt nicht wenige Beispiele in der Menschheitsgeschichte, wo religiöse Weisheiten und Mythen zu eigenen unheilsamen Zwecken gedeutet und umgedeutet wurden. So kann man letztlich alles verdrehen und sogar ins exakte Gegenteil verkehren. Auch die Geschichte des amtlichen Christentums ist da ein mehr als beredtes Beispiel. Wer ein solches Karma, eine solch verdrehte Wahrnehmung hat, dem ist meiner Ansicht nach kaum noch zu helfen auf seinem Weg in die unteren Bardos. Gute Reise kann ich da nur sagen!
Hallo,
Lesen bildet und was G.Buddho wirklich sagte, steht im Pali-Kanon.

sakko
Genau! Und eigentlich hat es dieser wirre (verwirrte) Artikel gar nichtverdient, dass man sich so lange damit beschäftigt. Aufregen bringt leider nichts und häklt auch nur davon ab, den achtfachen Pfad zu beschreiten. Und was meinte Buddha dazu?
Wenn andere, ihr Mönche, zu meiner Unehre reden oder zur Unehre der Lehre oder zur Unehre der Mönchschaft, so darf euch darüber nicht Ärger und Verdruß und Unzufriedenheit des Geistes anwandeln. Wenn andere, ihr Mönche, zu meiner Unehre reden oder zur Unehre der Lehre oder zur Unehre der Mönchschaft, und ihr wolltet darüber zornig oder niedergeschlagen sein, so wäre das nur euer eigener Schaden.
Quelle: Digha Nikāya:
Thubten Gawa hat geschrieben:
Und eigentlich hat es dieser wirre (verwirrte) Artikel gar nichtverdient, dass man sich so lange damit beschäftigt. Aufregen bringt leider nichts und hält auch nur davon ab, den achtfachen Pfad zu beschreiten.


Genau auch meine Meinung.
_()_v.d.

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