Achtsamkeit

Seid ihr im Alltag achtsam?

Mir scheint das insbesondere bei routinierten Tätigkeiten (zB. Abwasch) sehr, sehr schwer (wohingegen Achtsamkeit bei einem Spaziergang leichter fällt).

Wie soll außerdem Achtsamkeit bei intellektuell anspruchsvollen Tätigkeiten wie dem Lesen gelingen?
Ich lese (Fokus > Inhalt) und bin mir zugleich bewusst, dass ich lese (ist das möglich?).
kimberly12345 hat geschrieben:
Wie soll außerdem Achtsamkeit bei intellektuell anspruchsvollen Tätigkeiten wie dem Lesen gelingen?
Ich lese (Fokus > Inhalt) und bin mir zugleich bewusst, dass ich lese (ist das möglich?).

Normalerweise wird es wohl eher nicht möglich sein bzw. je
mehr sich der Geist in die Inhalte des Gelesenen vertieft,
je weniger wird die Achtsamkeit auf das Lesen möglich sein.
Gleiches gilt z.B. auch für das Autofahren oder Motorradfahren.
Da ist nicht die rechte Zeit die vom Buddha gelehrte Achtsamkeit
zu üben. Nicht umsonst ist ein Asket ein Asket und soll anderen
Arbeiten so weit wie möglich meiden. Als Laie sollte man seine
Zeit möglich sinnvoll einrichten und entsprechend unterscheiden.
Aber rechte Achtsamkeit bezeichnet ja nicht nur diese Art der
Achtsamkeit sondern auch die Achtsamkeit auf das allgemeine Denken
Reden und Handeln bei Anderen und bei sich selber.
Eine solche Achtsamkeit auf die heilsame Lebensführung usw. kann man
immer üben.
kimberly12345 hat geschrieben:
Seid ihr im Alltag achtsam?

Mir scheint das insbesondere bei routinierten Tätigkeiten (zB. Abwasch) sehr, sehr schwer (wohingegen Achtsamkeit bei einem Spaziergang leichter fällt).

Wie soll außerdem Achtsamkeit bei intellektuell anspruchsvollen Tätigkeiten wie dem Lesen gelingen?
Ich lese (Fokus > Inhalt) und bin mir zugleich bewusst, dass ich lese (ist das möglich?).


Achtsamkeit bedeutet für mich "Geistestraining". Bin ich voll und ganz bei einer Sache ohne gedanklich abzuschweifen, dann ist das Achtsamkeit oder Gewahrsein. Natürlich fällt es dem Übenden nicht leicht, diesen Zustand stabil zu halten. Man fällt immer wieder raus aus der Achtsamkeit. Sich darüber bewusst zu sein, dass man nicht (mehr) achtsam ist, hat allerdings wieder viel mit Achtsamkeit zu tun!
Sherab Yönten hat geschrieben:
Achtsamkeit bedeutet für mich "Geistestraining". Bin ich voll und ganz bei einer Sache ohne gedanklich abzuschweifen, dann ist das Achtsamkeit oder Gewahrsein.

Genau, dann kommt es nur noch darauf an das es auch rechtes Sati ist.
Was ist denn rechtes Sati, Accinca?
Ich vermute, das, was accina meint, ergibt sich aus dieser Beschreibung:

... sati+ patthana or sati+pa+(t)thana
The word sati derives from the root meaning 'to remember' (santsarati), but as a mental factor it signifies 'presence of mind, attentiveness to the present, awareness, wakefulness and heedfulness', rather than the faculty of memory of the past. Patthana means 'close, firm and steadfast establishment, application, settingup'.

Combining these two elements, the meaning of the compound becomes 'close, firm and steadfast establishment of awareness on the object of observation'. This kind of awareness is also called suppatitthita sati,' steadfast mindfulness' …

....Sati
'Mindfulness' has come to be the accepted English translation of the term sati. However, this is an incomplete rendering. 'Observingpower' is a more adequate translation. The full scope of its meaning will be explainedby examiningits various aspects, such as characteristic, function, manifestation, proximatecause and the further distinguishing factors of mindfulness.

Non-superficiality
Sati has the characteristic of not wobbling; that is, of not floating away from the object (apilapana lakkhana). ... Quelle: The Meaning of Satipatthana - Ven. Sayadaw U Pandita

Kann man komplexe Bereiche, wie (z.B.) die des Auto-oder Motorradfahrens als Objekt der Satipatthana-Übung betrachten? ... Die "Vier Objekte der Achtsamkeit" sind ja ein sehr umfangreiches Gebiet ...

Möge ein jeder für sich schlussfolgern, ob Satipatthana im Alltag bei alltäglichen Beschäftigungen möglich ist, ... oder vielleicht doch nur im Kämmerlein auf dem Kissen:

A. DIE ÜBUNGS-ANWENDUNG

Die Gründlichkeit und Vollständigkeit der Methode erstreckt sich auch noch auf ein anderes Gebiet. Sie zeigt sich in der nach jeder einzelnen Übung im Lehrreden-Text wiederholten «Übungs Anwendung», beginnend mit den Worten:

«So weilt er nach innen (beim Körper) in Betrachtung (des Körpers); oder er weilt nach außen (beim Körper) in Betrachtung (des Körpers); oder weilt nach innen und außen (beim Körper) in der Betrachtung (des Körpers).»

Dieser Anweisung zufolge hat man jede Betrachtung oder Übung zunächst auf sich selber, dann auf andere und schließlich, auf beide anzuwenden. Dieser dreifache Übungsrhythmus galt offenbar als besonders wichtig, denn er findet sich in mannigfacher Anwendung in vielen kanonischen und nachkanonischen Texten. Hierdurch werden die Einseitigkeiten, Unvollkommenheiten und Gefahren einer ausschließlichen Einwärtswendung (Introversion) oder Auswärtswendung (Extraversion) des Geistes vermieden. Vieles mag man besser bei einer anderen Person ode einem äußeren Gegenstand erkennen als bei sich selber. ...

... Bei der methodischen Meditationsübung richtet sich freilich das Reine Beobachten lediglich «nach innen», d.h. auf die eigenen körperlichen und geistigen Vorgänge. Denn nur diese sind im hier erforderlichen Maße der direkten Erfahrung zugänglich, und es ist lediglich diese direkte Erfahrung, worauf sich das Reine Beobachten und die daraus wachsende Klarblickserkenntnis gründen.

Doch außerhalb der methodischen Meditationsübung wird sich auch für die «nach außen» (auf andere) gerichtete Achtsamkeit Gelegenheit bieten; zum Beispiel in der aufmerksamen und nachdenklichen Beobachtung der Körperbewegungen anderer; durch Schlüsse auf den Geisteszustand anderer aus ihren Worten, Gesten oder dem Gesichtsausdruck. ... Quelle: http://www.palikanon.de/diverses/satipa ... tt_04.html


LG mkha´ :)
Monikadie4. hat geschrieben:
Was ist denn rechtes Sati, Accinca?


Sammā-sati ist die 7 Stufe des achtfachen Pfades.
accinca hat geschrieben:
Monikadie4. hat geschrieben:
Was ist denn rechtes Sati, Accinca?


Sammā-sati ist die 7 Stufe des achtfachen Pfades.


Was verstehst Du unter rechtes Sati, wenn Du Sherab Yönten so antwortest?


accinca hat geschrieben:
Sherab Yönten hat geschrieben:
Achtsamkeit bedeutet für mich "Geistestraining". Bin ich voll und ganz bei einer Sache ohne gedanklich abzuschweifen, dann ist das Achtsamkeit oder Gewahrsein.

Genau, dann kommt es nur noch darauf an das es auch rechtes Sati ist.


_()_
mkha' hat geschrieben:
... Bei der methodischen Meditationsübung richtet sich freilich das Reine Beobachten lediglich «nach innen», d.h. auf die eigenen körperlichen und geistigen Vorgänge. Denn nur diese sind im hier erforderlichen Maße der direkten Erfahrung zugänglich, und es ist lediglich diese direkte Erfahrung, worauf sich das Reine Beobachten und die daraus wachsende Klarblickserkenntnis gründen.

Doch außerhalb der methodischen Meditationsübung wird sich auch für die «nach außen» (auf andere) gerichtete Achtsamkeit Gelegenheit bieten; zum Beispiel in der aufmerksamen und nachdenklichen Beobachtung der Körperbewegungen anderer; durch Schlüsse auf den Geisteszustand anderer aus ihren Worten, Gesten oder dem Gesichtsausdruck. ... Quelle: http://www.palikanon.de/diverses/satipa ... tt_04.html


Danke mkha,
das ist mir bekannt, aber mich interessiert, warum auf den Beitrag von Sherab Yönten noch eins draufgesetzt werden muss.
Denn ein Geübter erfasst sehr schnell, was das außen mit ihm/ihr innen macht und umgekehrt. Bei dieser Beobachtung sehe ich im Laufe des Fortschritts ganz klar, was mich zu bestimmtem Denken und Handeln motiviert. Daraus folgt, dass ich das noch tiefer beobachte, verstehe und es loslassen kann, wenn ich denn will.
Genau so sehe ich andersherum, was den anderen motivieren mag, kann es verstehen und entsprechend re-agieren bzw. loslassen.
_()_ Monika
Monikadie4. hat geschrieben:
Was verstehst Du unter rechtes Sati, wenn Du Sherab Yönten so antwortest?
"Bin ich voll und ganz bei einer Sache ohne gedanklich abzuschweifen,
dann ist das Achtsamkeit oder Gewahrsein."


Ich hatte diesem Satz generell zugestimmt.
Das heißt der Satz stimmt natürlich immer.
Der trifft auf "falsche" Achtsamkeit ebenso wie auf "rechte" Achtsamkeit zu.
Aus diesem Grunde kommt es eben nur noch auf die "rechte" Achtsamkeit an.
Ob es sich in einem Einzelfall darum handelt oder nicht, war von mir damit
nicht behandelt.
Danke.
_()_
Liebe Monika,

herzlichen Dank. _()_

Manchmal erkenne ich meine kommunikativen Defizite erst mittels einer gutmeinenden Zusatzinfo., (und achtsameren Beachtens des Kontextes - im Nachhinein.)

LG mkha´ :) :wink:
:)
Ich habe die letzten Wochen den Eindruck, dass ich erst jetzt anfange Achtsamkeit zu verstehen, obwohl ich schon über 3 Jahre meditiere. Mein Verständnis geht in die Richtung, dass es darum geht die Dinge neutral von außen zu betrachen und abschweifende Gedanken zu erkennen. Schweifen sie ab, holt man sie wieder zurück. Sie zu beobachten und zurückzuholen ist nach meinem jetzigen Verständnis die Achtsamkeit. Schweift man in fiktive Gedankenwelten ab, wird es zudem sehr ernst, denn diese fiktiven Traumwelten führen zu großem Schwund in der Geistespräsenz bis zu Rumination.

Aus meiner Sicht geht es nicht so sehr darum, den Abwasch hochkonzentriert zu machen. Sowas liest man machmal in Büchern. Damit kann man erklären, worum es geht, aber nicht wie man Achtsamkeit erreicht. Es geht darum, eine Tätigkeit soweit mit ausreichend Gelassenheit auszuführen, dass man sie sorgfältig macht, aber noch genügend Kapazitäten im Kopf frei hat, um Abschweifen der Gedanken erkennen zu können und sich zurückholen zu können.

Ich bin oft sehr abgeschweift in fiktive Gedankenwelten um die innere Leere mit Inhalt füllen zu können. Aber das Abschweifen in fiktive Gedankenwelten hat den Kopf nur immer kränker werden lassen vor überschäumenden Gedanken. Ist man achtsam, ist witzigerweise kein Gefühl von innerer Leere mehr da. Das könnte der eigentliche Punkt an der Achtsamkeit sein. Etwas sehr konzentriert zu machen wie man das manchmal in Büchern liest, scheint mir nicht der Weg zu sein. Das neutrale Beobachten, bewachen der Eingänge zum Geist und zurückholen in die reale Welt, scheint mir das Wesentliche zu sein.

Ein paar Gedanken dazu. Vielleicht sehen es andere ähnlich oder ganz anders ...
So wie ich das bis jetzt gelernt habe, kann man achtsam beim Atem bleiben und wenn sich Gedankenketten bilden, wieder achtsam zum Atem zurückkehren. Wenn Körperempfindungen oder Gefühle auftauchen, oder Gedanken, kann man diese im Geist benennen mit "jucken, jucken" oder "traurig, traurig" oder "erinnern, erinnern" oder "planen, planen" und somit den Fokus darauf halten bis sie wieder weg sind, dann zum Atem zurückkehren.

Genauso achtsam kann man aber Abwaschen, indem man den Fokus auf den Teller richtet und Gedanken z.B. "planen, planen" benennt. Oder beim Salat machen den Fokus nur auf der Tätigkeit hat.

Wenn aber ein bestimmter Gedanke bzw. ein bestimmtes Thema immer wieder auftaucht, kann es genauso sinnvoll sein, den Fokus gerade darauf zu richten und auf nichts anderes für eine Weile, weil dann eben gerade dieses Thema beleuchtet und komplett durchdacht werden will.

zwei Pole von Achtsamkeit. Das eine ist, das, was du tust, mit Engagement, mit Bewusstsein zu tun und wirklich achtsam zu sein im Hier und Jetzt. Das kann zum Flow-Erlebnis führen, das kann eine wunderbare Erfahrung sein. Oder eben Achtsamkeit als meditative Achtsamkeit, Sakshi Bhav, Beobachter zu sein. Mal ist das eine wichtig, mal das andere. Und manchmal ist es auch wichtig, zu reflektieren und die Zukunft zu planen.

http://wiki.yoga-vidya.de/Achtsamkeit

Grüße :om:
@Carneol: was du beschreibst erfüllt m. E. eher die Definition von Samadhi: Stichwort "Fokus" = Konzentration. Natürlich sind die Übergänge fließend:
"Rechte Sammlung (samma-samādhi)

Was aber ist rechte Sammlung? Das Gerichtetsein des Geistes auf ein einzelnes Objekt (cittassa ekaggatā, wtl.: Einspitzigkeit des Geistes), das ist Sammlung.

Rechte Sammlung (sammā-samadhi), im weitesten Sinne, ist diejenige geistige Konzentration, die mit jedem karmisch heilsamen Bewußtseinszustande verbunden ist, also auch begleitet ist von rechter Gesinnung (2. Stufe), rechter Anstrengung (6. Stufe) und rechter Achtsamkeit (7. Stufe). Verkehrte Sammlung (micchā-samādhi) dagegen ist anwesend in karmisch unheilsamen Bewußtseinszuständen und ist daher nur möglich in der Sinnensphäre. Wird das Wort samādhi allein für sich gebraucht, so bezieht es sich stets auf rechte Sammlung (samma-samādhi).
OBJEKTE DER SAMMLUNG
Die vier Grundlagen der Achtsamkeit (sati-patthāna), diese bilden die Objekte der Sammlung." http://www.palikanon.com/buddhbib/01wrt ... uddhas.htm


Für mich ist sati-sampajañña ein "Offensein", Gewahrsein gegenüber allem, was gerade stattfindet. Intuitive Achtsamkeit. Ohne Benennungen. Aber das ist nur meine eigene Erfahrung mit "sati". Sati ohne pañña (Weisheit) ist m. E. übrigens nur bedingt befreiungsrelevant. Man kann achtsam die unheilsamsten Dinge tun...
Anandasa hat geschrieben:
Ich habe die letzten Wochen den Eindruck, dass ich erst jetzt anfange Achtsamkeit zu verstehen, obwohl ich schon über 3 Jahre meditiere. Mein Verständnis geht in die Richtung, dass es darum geht die Dinge neutral von außen zu betrachen und abschweifende Gedanken zu erkennen. Schweifen sie ab, holt man sie wieder zurück. Sie zu beobachten und zurückzuholen ist nach meinem jetzigen Verständnis die Achtsamkeit. Schweift man in fiktive Gedankenwelten ab, wird es zudem sehr ernst, denn diese fiktiven Traumwelten führen zu großem Schwund in der Geistespräsenz bis zu Rumination.

Aus meiner Sicht geht es nicht so sehr darum, den Abwasch hochkonzentriert zu machen. Sowas liest man machmal in Büchern. Damit kann man erklären, worum es geht, aber nicht wie man Achtsamkeit erreicht. Es geht darum, eine Tätigkeit soweit mit ausreichend Gelassenheit auszuführen, dass man sie sorgfältig macht, aber noch genügend Kapazitäten im Kopf frei hat, um Abschweifen der Gedanken erkennen zu können und sich zurückholen zu können.

Ich bin oft sehr abgeschweift in fiktive Gedankenwelten um die innere Leere mit Inhalt füllen zu können. Aber das Abschweifen in fiktive Gedankenwelten hat den Kopf nur immer kränker werden lassen vor überschäumenden Gedanken. Ist man achtsam, ist witzigerweise kein Gefühl von innerer Leere mehr da. Das könnte der eigentliche Punkt an der Achtsamkeit sein. Etwas sehr konzentriert zu machen wie man das manchmal in Büchern liest, scheint mir nicht der Weg zu sein. Das neutrale Beobachten, bewachen der Eingänge zum Geist und zurückholen in die reale Welt, scheint mir das Wesentliche zu sein.

Ein paar Gedanken dazu. Vielleicht sehen es andere ähnlich oder ganz anders ...
Betrachten nenn ich das. Es ist kein Beobachten das immer mit irgendwelchen Gedanken verbinden gemacht wird. An einem Bild kann ich das erklären. Ich kann ein Bild beobachten indem ich Linien verfolge, versuche dahinter zu kommen was das Bild, auch Foto, be-deutet -wertet und ich komme in Gedankenwelten, Vorstellungen.
Wenn ich ein Bild betrachte und die Gedanken zulasse ohne eine Verbindung zu suchen oder zu schaffen bleibt das was ich betrachte das was es ist, ein Objekt das auch Subjekt ist.
Ich kann mich aufregen über eine McDonald Verpackung am Straßenrand, ich kann das Szenario auch betrachten ohne Wertung. Auf diese Weise hab ich Zen-garten verstanden und Picasso.
Achtsamkeit ist Betrachten um vielleicht zu bewerten um dann zu handeln oder nicht.

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