tibetische Rezitation

Moderator: kilaya

Ich sehe immer wieder Leute, vor allem in Gruppenpraktiken, die wie die Tibeter die tantrischen Texte laut rezitieren, wie ein Gebet.
Macht ihr das auch, bspw. in der täglichen Praxis?

Würde gerne wissen, wie verbreitet das ist.
Ich glaub das kommt sehr auf den Text an. Viele der Pujas sind z.B. gleichzeitig genaue Beschreibungen der Visualisierung und des Aufbaus, also Meditation, Gebet, Rezitation und Anleitung in Einem.

Solange es bei der stumpfen Rezitation eines Textes bleibt, finde ich persönlich das eher nutzlos und würde es daher auch nicht machen. Es mag traditionell den Sinn gehabt haben, dass man sich so die Texte besser merken konnte, wo nicht jeder geschriebene Texte hatte oder überhaupt lesen konnte. Der Faktor fällt bei uns ja raus...
In der Linie, mit der mich quasi ein Stück eigene Tradition verbindet, wird sowohl rezitiert wie auch gesungen, in Gruppen wie in der Einzelpraxis. Pujas spielen eine entsprechende Rolle, und auch das ist quasi einer Traditionslinie geschuldet. Vielleicht aber noch hinzuzufügen, dass die Bedeutungen schon auch mit dabei sind, auf deutsch, neben tibetischer Lautschrift und Original.
raterz hat geschrieben:
Macht ihr das auch, bspw. in der täglichen Praxis?



Ja, wir rezitieren die Sadhanas in einer kleinen Gruppe gemeinsam. Dabei wird das Mantra gesungen. Manchmal ist jemand da, der kann Tibetisch.
In der täglichen Praxis ist es eher so, dass ich die Mantras eher im Geist rezitiere. In der Bahn würde das sonst wahrscheinlich negativ auffallen, wenn ich sie laut rezitieren würde. :lol:
Warum fragst Du?
Hallo rater,

zu Hause mit Variationen, wie es gerade kommt, in der sangha sehr traditionell. Das hat seine eigene Kraft.
RaterZ?

Was genau möchtest du wissen?

Was eine praktizierende innen 'tut' während der Rezitation ist ja nicht wirklich außen sichtbar. Was, denkst du, sagt es aus ob jemand täglich tibetisch rezitiert?
Lucy hat geschrieben:
Was, denkst du, sagt es aus ob jemand täglich tibetisch rezitiert?


Ich glaube, Raterz meint nicht die Sprache.
Sondern stellt generell die Frage, was eine regelmäßige Rezitation von Sutra Texten bringt.
Ich kenne einen Dharmafreund, der kennt das Herzsutra auswendig, da denke ich immer (manchmal ganz neidisch) im Stillen: "Wow, diese Person muss aber viel praktizieren!"
Nicht unbedingt viel praktizieren, aber auf jeden Fall viel rezitieren ;)
Nachdem ich beim Fremdsprachenlernen in der Schule mitbekommen habe, dass bei Übersetzungen gelegentlich ein wenig ursprüngliche Bedeutung verloren geht, habe ich begonnen, darauf auch bei meiner buddhistischen Praxis zu achten. Eine erste überraschende Erkenntnis war damals für mich, dass, im Tibetischen statt Vajrasattva immer 'Bendsa sato' gesagt wurde. Später habe ich gelernt, dass das mit dem nichtexistenten F im tibetischen Alphabet zusammenhängt. Aber Vajra und sattva haben im Sanskrit noch eine eigene Bedeutung, Bendsa und sato im Tibetischen schon nicht mehr. Gar nicht zu reden davon, wie die Namen/Mantras bei der weiteren Übertragung ins Chinesische und Japanische 'gelitten' haben. Und das sind nicht immer nur Feinheiten in der Aussprache. Die Frage, ob Dakini und Khandroma exhaustiv dasselbe bedeuten, wird in der Sangha kontrovers diskutiert.Und es gibt auch keinen allgemein anerkannten englischen oder deutschen Begriff, der alles exakt trifft. In welcher Sprache wollte/sollte ich nun selbst praktizieren? Ich habe mich letztlich entschieden, zu versuchen, möglichst nahe an die Ursprünge meiner jeweils persönlich praktizierten Übungen heranzukommen. Bzgl. Vajrasattva arbeite ich seither mit der Sanskritversion. Bei den großen Tantras versuchte ich nach der Einweihung ebenfalls, das Sanskrit ausfindig zu machen, weil sie zuerst außerhalb von Tibet praktiziert wurden. Bei den Pujas zusammen mit Anderen muss ich an den Stellen natürlich immer etwas leiser rezitieren, damit es nicht stört. Für Padmasambhava hingegen habe ich mich klar für die tibetische Version entschieden, weil er seine zentralen Lehren dort verbreitete und sie dort zum ersten Mal niedergeschrieben wurden. Am Ende mag die Sprache aber gar nicht das Entscheidende sein, denn sie ist nur ein Hilfsmittel, um den Schüler auf das aufmerksam zu machen, was es eigentlich zu verwirklichen gilt. Das ist aber letztlich wohl unaussprechlich.
nein ich denke schon dass das rezitieren einen sinn hat. aber in meinen augen ist das was anderes, als tantrische praxis. erinnert mich eher an die wirkung von nichiren buddhismus.

und in der tat kann man auf tibetisch klanglich sehr schön rezitieren. es ist kein zufall, dass die tibeter aus dem rezitieren eigtl. eine eigene praxis gemacht haben - man bedenke die ganzen instrumente die sie dabei benutzen noch.
z.b.:



Mahakala Sadhana - Dun-kye



Mahakala Sadhana - Dag-kye

:vajra:

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