Das Studium des Geistes während Zazen und im Alltag

Moderator: void

Schöne Tage und ein helles Erleben des Wechsels hinein in ein anderes Jahr.

Wie das Gras im Winter
unsichtbar
im schneebedeckten Feld,
hält der weisse Reiher
seinen Körper
in seiner eigenen Form
verborgen


(Dogen 1234)

Wie kann (man) den Geist der Erweckung hervorrufen?

Dem Geist der Erweckung werden zahlreiche Namen gegeben, aber der Geist Buddhas ist einzigartig. Der Patriarch Nagarjuna hat einmal gesagt: Der das Werden und Vergehen, die Unbeständigkeit der Welt betrachtende Geist heißt der Geist der Erweckung. Wenn dem so ist, kann man dann nicht die Tatsache, daß man sich nur eine Weile auf diesen Geist stützt, als Geist der Erweckung bezeichnen ?
Wahrlich, wenn man die Vergänglichkeit erkennt, entsteht weder der Geist von "ich" und "mein", noch tauchen Gedanken an Ruhm und Gewinn auf. Man erschrickt über die Flüchtigkeit der Zeit; darum übt man sich im Weg, als ob man sich vor einem Feuer retten müsste. Man sieht die Vergänglichkeit des Körpers und des Lebens in allen Dingen; darum übt man mit Eifer wie der Buddha, der den Fuß erhoben hielt. Selbst wenn man die lobende Stimme der Gottheit Kimnara und des Vogels Kalavinka hört, empfindet man dies wie den Abendwind, der die Ohren streift; selbst wenn man den wundervollen Schönheiten Wang Ch,iand Hsi shid begegnet, betrachtet man sie wie den Morgentau, der die Augen umschleiert. Stimmt man nicht, sobald man sich von den Bindungen an Klang und Form befreit hat, sofort mit der absoluten Vollkommenheit des Weges überein ?

Meister Deshimaru sagt:
Was ist der Weg? Was bedeutet es, den Weg zu erlernen? Den Weg erlernen heißt, sich selbst zu verstehen. Wie kann man den Geist der Erweckung erzeugen ? Der Fleiß, die Aufmerksamkeit, die Mühe, die man dem Weg widmet, bringen den Geist der Erweckung hervor. Diese Aufmerksamkeit ist die Konzentration im Hier und Jetzt. Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit - ich höre euch ständig diese Worte sagen; aber ich möchte euch am liebsten sagen: Benutzt diese Worte nicht anderen gegenüber; richtet sie bitte an euch selbst.

Richtet all eure Aufmerksamkeit auf euren eigenen Weg, ohne die Anderen zu imitieren; euer Leben ist einzigartig, und jeder hat sein eigenes Karma; versucht nicht, Buddha oder Christus nachzuahmen, richtet euch nach ihren Unterweisungen, versteht deren innerstes Wesen, deren Tiefe und Reichweite, und erschafft euren eigenen wahren Weg, der eurem Leben entspricht.
Wenn ihr nicht den rechten Geist der Erweckung habt, ist alle Übung vergebens. Dieser Geist darf kein Geist des Erwerbs, der Gier, der Suche nach persönlichem Gewinn sein. Der Geist, der das Werden und das Vergehen, Leben und Tod, die Unbeständigkeit der Welt betrachtet, genau dieser Geist ist der Geist der Erweckung (bodai-shin).
Die Vergänglichkeit kann nicht durch die Vernunft begriffen werden. Ihr müsst aus euch selbst heraus verstehen, was mujo wirklich bedeutet. Wenn wir jemanden sterben sehen, haben wir oft kein wirkliches Empfinden dafür. Es erschüttert uns nur.
Wenn man mujo fühlt, hat nichts eine eigene Existenz. Alles befindet sich in Umwandlung, ist ohne Numen und unbeständig. Wenn man mujo versteht, bekommt der Geist eine neue Tiefe, mann versteht sich selbst und kann nicht mehr egoistisch sein. Auch wenn man während der Zazen Übung sein Ego sucht, kann man es nicht greifen, aber man kann sein Karma beobachten.
Wir müssen uns immer vergegenwärtigen, daß der Tod uns in jedem Augenblick überraschen kann. So können wir die Flüchtigkeit der Zeit spüren und unser Leben nicht vergeuden. Das Hier und Jetzt muß vollkommen, vollendet sein.
In der vollständigen Gegenwärtigkeit des Selbst, in der grenzenlosen Konzentration von Körper und Geist, in der Fülle des Hier und Jetzt kann der Augenblick zur Ewigkeit werden. Vergangenheit und Zukunft sind nur Träumerei, Einbildung, Trugbilder.
Wir müssen den Weg üben, als würden wir das auf unserem Kopf lodernde Feuer hier und jetzt, sofort, auslöschen.

In unseren Anstrengungen müssen wir es dem Vogel gleichtun, der davonfliegt.
Wenn wir uns von der Bindung von Klang, Farbe und Form und an die sechs Sinnesbereiche befreien, kommen wir unbewußt, auf natürliche Weise, ganz von selbst mit dem innersten Geist der Erweckung in Einklang.
Die Bindung an die sechs Sinne läßt uns dem Dämon ins Netz gehen.
Die Menschen täuschen sich, wenn sie ihr Ego und ihren Körper zufriedenstellen. Sie nähren nur ihren Egoismus. Wenn wir unser Ego aufgeben, gibt es weder Gefahr noch Furcht.
Unser Leben ist wie eine Blase auf dem Wasser. Eine schwache Blase zerplatzt schneller als eine kräftige Blase. Aber selbste eine dicke Blase hat ein Ende und kehrt in den Strom zurück. Es weht der Wind des mujo, und alles endet rasch.

Deshimaru
Die Lehren des Meister Dogen

Es weht der Wind der Gezeiten.
Das Meer.
Hoch die Wogen.
Ein kleines Boot, dass sich den eigenen Weg bahnt.

*aus dem nimmermansland*

Frohe Festtage
Sehr schöner Text - danke!

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