Handhaltung bei der Zen-Meditation

Moderator: void

Hallo,

ist eigentlich die Handhaltung bei der Zen-Meditation von großer Bedeutung. Ich bin nämlich verwirrt: Manchmal wird davon geschrieben, dass man die Hände oberhalb des Bauchnabels auflegt, um dort die Kraft des Körpers zu spüren. Andere schreiben, dass die linke Hand schalenförmig in der rechten liegt und sich hierbei die Spitzen beider Daumen zart berühren. Ich meditiere immer, in dem beide Hände mit den Flächen auf den Beinen ruhen. Wäre dies auch vereinbar mit Zazen oder wäre dies falsch?

Danke!!!
Loslassen hat geschrieben:
ist eigentlich die Handhaltung bei der Zen-Meditation von großer Bedeutung. Ich bin nämlich verwirrt: Manchmal wird davon geschrieben, dass man die Hände oberhalb des Bauchnabels auflegt, um dort die Kraft des Körpers zu spüren. Andere schreiben, dass die linke Hand schalenförmig in der rechten liegt und sich hierbei die Spitzen beider Daumen zart berühren. Ich meditiere immer, in dem beide Hände mit den Flächen auf den Beinen ruhen. Wäre dies auch vereinbar mit Zazen oder wäre dies falsch?

1. kenn ich überhaupt nicht
2. Hokkaijoin, Daumen - zumindest in den Sawaki-Linien - wagerecht. Man bemerkt da am ehesten Schlaffheit (Absinken) oder Anspannung (Aufrichten, erhöhter Druck)
3. Mit den Handflächen auf den Knien oder kurz oberhalb hab ich anfänglich - aber außerhalb von Zazen - geübt, um die richtigen Rückenstreckung und Hüftneigung hinzubekommen, ist wohl eher nix für längeres Sitzen. Da soll sich der Körper allein tragen.
Mûdra (Sanskrit), wörtl.: „Siegel, Zeichen“, Körperhaltungen oder Gesten, die bestimmte Aspekte der buddhistischen Lehre verkörpern. Das wichtigste Mûdra des Zen ist die Zazen-Haltung selbst, und die Haltung der Hände (Jap. Hokkai-Join, „Dharma-Essenz, Siegel des Zazen“).
http://www.bodhidharmazendo.net/zen_glossary_de.html
auch Dhyana-Mudra genannt - oder kosmisches Mudra - die Haltung von Amidabha

im zen hat alles eine pragmatische bedeutung ( kein richtig-falsch ) so auch, daß das mudra eine natürliche achtsamkeit auf das tandien legt. und wie bel sagte, kann man anhand der daumen mitriegen, ob man einpennt, träumt, grübelt, was festhält ---
Und wenn ich die Hände schalenförmig aufeinander im Schoß lege ohne, dass sich die Daumen berühren...wäre das sich im sinne von zen?
Loslassen hat geschrieben:
Und wenn ich die Hände schalenförmig aufeinander im Schoß lege ohne, dass sich die Daumen berühren...wäre das sich im sinne von zen?


Im Fukanzazengi, der anleitung zum Zazen von Dôgen heißt es
http://www.antaiji.dogen-zen.de/deu/fzgi.shtml
Lege die rechte Hand auf den linken Fuß und die linke Hand auf die rechte Hand. Die Spitzen der beiden Daumen sind gegeneinander gestützt.


Hier wird das etwas erläutert.
http://www.antaiji.dogen-zen.de/deu/sitzen.shtml

Die Berührung der Daumen ist eine Stütze für den Geist.
Bei uns machen wir es so:
Die rechte Hand umfasst den linken Daumen von oben. Die Finger der linken Hand bedecken die rechte Faust. Beide Hände vor dem Unterleib entspannt auf den Oberschenkeln ablegen.
Taigen Shodo Harada zeigt wie man im Rinzai die Hände hält - ab Minute 2:55
http://www.youtube.com/watch?v=LL2XUTeoUsM
http://youtube.com/watch?v=zRWP7PB4oRc
ab 04:55

http://youtube.com/watch?v=B54vRNaUCDs
04:50 oder deutlicher 07:00 - 07:20

http://youtube.com/watch?v=bEAmQXIK6IY
ab 01:50 oder sehr deutlich 02:29

Shodo Harada zeigt also nur eine möglich Handhaltung. Offensichtlich gibt es im Rinzai mehrere Möglichkeiten. :wink:
Im Prinzip kocht jede Linie ihre eigene Suppe, auch beim Kinhin. :lol:
Ja, das stimmt. Hab ich auch schon erlebt.
Ji'un Ken hat geschrieben:
Shodo Harada zeigt also nur eine möglich Handhaltung. Offensichtlich gibt es im Rinzai mehrere Möglichkeiten. :wink:


Shodo Harada zeigt das Dhyana Mudra - was üblicherweise gelehrt wird.

Wie dann letztlich der einzelne sitzt und mit seinen Fingern oder Daumen sich irgendwo festhakelt - wen interessiert das denn? Im Soto sitzt man sowieso zur Wand - .
Loslassen hat geschrieben:
... Ich meditiere immer, in dem beide Hände mit den Flächen auf den Beinen ruhen. Wäre dies auch vereinbar mit Zazen oder wäre dies falsch?

Danke!!!

Diese Haltung kenne ich nur aus dem Umfeld des tib. Buddhismus.
Wenn's dir hilft, warum nicht. Im Zen werden andere Handhaltungen gelehrt.
Ji'un Ken hat geschrieben:
Loslassen hat geschrieben:
... Ich meditiere immer, in dem beide Hände mit den Flächen auf den Beinen ruhen. Wäre dies auch vereinbar mit Zazen oder wäre dies falsch?

Danke!!!

Diese Haltung kenne ich nur aus dem Umfeld des tib. Buddhismus.
Wenn's dir hilft, warum nicht. Im Zen werden andere Handhaltungen gelehrt.


Im tibetischen Buddhismus werden verschiedene Handhaltungen empfohlen. Der Schüler soll hier die wählen, die ihm am meisten taugt. Am idealsten gilt die Dhyana-Mudra, bei der die rechte Hand in der linken ruht und sich die Daumen leicht berühren. I
n den Zen-Zentren, in denen ich war wurde diese Handhaltung ebenfalls gelehrt, allerdings in der Variation, dass die linke hier in der rechte Hand lag. Die etwas kompaktere Variante, die du Ji'un oben beschrieben hast, wurde ebenfalls in einem anderen Zentrum verwendet. Ist das vielleicht von Linie zu Linie und von Lehrer zu Lehrer verschieden? Am besten man hält sich an das, was man beigebracht bekommen hat, oder?

Liebe Grüße.
Simo hat geschrieben:
Ist das vielleicht von Linie zu Linie und von Lehrer zu Lehrer verschieden? Am besten man hält sich an das, was man beigebracht bekommen hat, oder?


http://www.tibet.de/zeitschrift/newsdet ... 951b1f665d
Da wird auch die Handhaltung nach dem Dhyana-Mudra gelehrt.

Es besteht wohl auch ein Unterschied zwischen dem was Lehre ist und dem was so zu beobachten ist.

Woran man sich hält oder halten soll, hängt vom jeweiligen Umfeld auch ab, in dem man praktiziert und was dort üblich ist. Falls man darauf hingewiesen wird, wie man es zu machen hat.
Ji'un Ken hat geschrieben:
Bei uns machen wir es so:
Die rechte Hand umfasst den linken Daumen von oben. Die Finger der linken Hand bedecken die rechte Faust. Beide Hände vor dem Unterleib entspannt auf den Oberschenkeln ablegen.


Gut. Kenn ich von irgendwo her. Mach ich ab sofort auch öfters so. Passt.
Danke für die Antworten. Dann werde ich es mal versuchen, dass sich die Daumenspitzen berühren. Ich war skeptisch, ob die nicht die Aufmerksamkeit vom Atmen teils auf die Gefühle in den Daumen lenken würde...

Berühren sich die Daumen nur ganz zart oder schon feste, ohne natürlich viel Kraft aufzuwenden?

Nochmals danke!!!
Loslassen hat geschrieben:
Berühren sich die Daumen nur ganz zart oder schon feste, ohne natürlich viel Kraft aufzuwenden?


Einfach berühren.

[quote="Loslassen"]Danke für die Antworten. Dann werde ich es mal versuchen, dass sich die Daumenspitzen berühren. Ich war skeptisch, ob die nicht die Aufmerksamkeit vom Atmen teils auf die Gefühle in den Daumen lenken würde...

Wenn wir normalerweise mit unserer Hand etwas berühren, dann ist die Hand "Ich", während das was wir berühren ein aüßeres "Objekt" ist. Wenn das was wir berühren aber auch nur wieder Ich ist (unsere andere Hand) dann sind wir in der Berührung Subjekt und Objekt gleichzeitig.

Das Mudra steht also für "jenseits von Subjekt und Objekt".

Mit dem Atem ist das etwas ähnliches. Einerseits kann er etwas bewusstes sein, andererseits aber auch etwas nicht dem Willen unterworfenes was uns zustösst. Auch da geht es also um den Kipppunkt wzischen Subjekt und Objekt und was jenseits dessen ist.

Von daher ist das nicht so getrennt wie es scheint. Atmen ist ja auch nichts was sich in der Nase oder vor dem Gesicht abspielt. Sondern etwas Tiefes, was auch den Bauch miteinschliesst. Weil der Atem den Sauerstoff für jede einzelne Zelle liefert ist der ganze Körper vom Atmen betroffen.
Danke für die Erläuterung, es wird mir somit klarer :-)

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