Kay Zumwinkel (also Mettiko Bhikkhu) hatte sich ausführlich mit der Drei-Leben-Theorie befasst.
Eigentlich hält er nichts davon, aber alle Hinweise kann ich ausgerechnet auf der Seite Pali-Kanon finden, das ist echt bemerkenswert.
Also:
Quote19. "Gut, ihr Bhikkhus. Also sagt ihr folgendes, und auch ich sage folgendes: 'Wenn dies existiert, ist jenes; mit der Entstehung von diesem, entsteht jenes. Das heißt, bedingt durch Unwissenheit sind Gestaltungen; bedingt durch Gestaltungen ist Bewußtsein; bedingt durch Bewußtsein ist Name-und-Form; bedingt durch Name-und-Form ist die sechsfache Sinnesgrundlage; bedingt durch die sechsfache Sinnesgrundlage ist Kontakt; bedingt durch Kontakt ist Gefühl; bedingt durch Gefühl ist Begehren; bedingt durch Begehren ist Anhaften, bedingt durch Anhaften ist Werden; bedingt durch Werden ist Geburt; bedingt durch Geburt sind Altern und Tod, Sorge, Klagen, Schmerz, Trauer und Verzweiflung. So ist der Ursprung dieser ganzen Masse von Dukkha [5]'.
Was mir hier einfällt, ist, dass es hier um die Geburt geht, aber nicht um die Wiedergeburt, nur am Rande bemerkt.
Und was sagt dazu die Fußnote, hm?
Quote[5] Eine weitverbreitete Interpretation der bedingten Entstehung deutet die ganze Kette als zeitliche Abfolge von Kamma und seiner Frucht, die sich über drei Leben erstreckt. Auf das Prinzip reduziert wäre das: "Wenn dies aufgehört hat, entsteht jenes," was sich nicht mit den Aussagen des Buddha deckt. Eine befriedigendere Herangehensweise sieht in der bedingten Entstehung eine Darstellung der selbsterhaltenden Struktur von Unwissenheit, Begehren und Dukkha, welche gemeinsam entstehen und eigentlich nur verschiedene Aspekte von Dukkha sind.
Sehr klare Position , wie ich finde.
Quote"Gut, ihr Bhikkhus. Also wurdet ihr von mir in diesem Dhamma geleitet, welches hier und jetzt sichtbar ist, zeitlos ist [6], zum Überprüfen einlädt, das vorwärts führt, das von jedem Weisen selbst zu erfahren ist. Denn es geschah in Bezug auf dieses Thema, daß gesagt wurde: 'Ihr Bhikkhus, dieses Dhamma ist hier und jetzt sichtbar, ist zeitlos, lädt zum Überprüfen ein, führt vorwärts, ist von jedem Weisen selbst zu erfahren.'"
Das ist bestimmt keine höhere Mathematik, denn wenn Dhamma zeitlos ist, wozu braucht man eigentlich diese Drei-Leben-Theorie? Passt leid-er nicht.
Und die Fußnote:
Quote[6] "Hier und jetzt sichtbar" und "zeitlos" (nicht zeitabhängig) sind Charakteristika des Dhamma, welche auch für die bedingte Entstehung gelten müssen (Erkennen des Dhamma und der bedingten Entstehung werden in M28 gleichgesetzt). Oben erwähnte Drei-Leben-Theorie wird diesen Ansprüchen nicht gerecht.
Aha, auch sehr eindeutig und klar, oder? Bestimmt!
Die längere Lehrrede über die Vernichtung des Begehrens - Mahātaṇhāsaṅkhaya Sutta
Das ist nicht alles, wenn sich jemand die Mühe gibt, weiter zu bohren.
Kommen wir jetzt zu MN 9:
Quote53. "Freunde, wenn ein edler Schüler Name-und-Form [7] versteht, den Ursprung von Name-und-Form, das Aufhören von Name-und-Form, und den Weg, der zum Aufhören von Name-und-Form führt, dann ist er auf jene Weise einer mit Richtiger Ansicht, dessen Ansicht geradlinig ist, der vollkommene Zuversicht in Bezug auf das Dhamma hat und bei diesem wahren Dhamma angelangt ist."
Name und Form und Bewusstsein sind beide zugleich bedingt, das wurde auch früher zitiert, ohne die eine Seite gäbe es keine andere, und umgekehrt, so was.
Und die Fußnote:
Quote[7] Nāmarūpa bedeutet wörtlich Name-und-Form, wird aber oft mit Geistigkeit und Körperlichkeit wiedergegeben. Dies ist eine interpretative Übersetzung, die auf einer weitverbreiteten Deutung der Kette des bedingten Entstehens beruht, der sogenannten "Drei-Leben-Theorie". Diese Theorie versteht die bedingte Entstehung als Beschreibung des Wiedergeburtsmechanismus und interpretiert die zwölf Glieder in einer zeitlichen Abfolge. Die Drei-Leben-Theorie findet im Dhammavinaya keine Stütze und ist in den letzten Jahrzehnten vermehrt ins Kreuzfeuer der Kritik durch namhafte zeitgenössische Gelehrte und Denker geraten, u.a. Ajahn Buddhadāsa, Ñānavira Bhikkhu, Phra Payutto (Dschau Khun Dhammapiñaka). Diese Übersetzung folgt o.a. Gelehrten und versteht die bedingte Entstehung als Beschreibung der Struktur von Unwissenheit und Dukkha, etwas, das ständig - also nicht in zeitlicher Abfolge - stattfindet. Nāma als Geistigkeit zu bezeichnen, ist ungenau, da Bewußtsein ausdrücklich ausgeklammert ist. Rūpa in diesem weiteren Sinne, ist das Objekt des Erlebens. Bewußtsein ist die reine Gegenwart des Erlebten, nāma ist dessen Name, die Platzzuweisung durch den unwissenden Geist.
Harte Nuss eigentlich, aber wer sucht, der wird bestimmt mehr finden.