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  1. Buddhaland Forum
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Nur Beobachten vs. gezielt Vorstellungen & Gefühle erzeugen

  • Gaukelmeister
  • 6. April 2014 um 14:45
  • Zum letzten Beitrag
  • Gaukelmeister
    Themenautor
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    5. Februar 2013
    • 6. April 2014 um 14:45
    • #1

    Liebe Buddhaland-Gemeinschaft,

    ich bin über einen Kurs zur achtsamkeitsbasierten Stressreduktion nach Kabat-Zin vor nunmehr etwas über einem Jahr zur Meditation gelangt. Nun beschäftigt mich eine Frage, die mit dem zu tun hat, was ich bei der Meditation mache - oder vielmehr: machen sollte. So wie ich viele der einführenden Schriften zur Meditation verstehe, die ich inzwischen gelesen habe, sollte ich zunächst einmal möglichst wenig machen. Idealerweise gelingt es mir, zum reinen Beobachter zu werden. Achtsam nehme ich meinen Atem wahr, achtsam nehme ich aufkommende Gedanken, Gefühle und Sinneseindrücke war. Wichtig ist, so verstehe ich dies, dass ich mich möglichst vollständig davon löse, aktiv etwas zu verändern. Ich werde zum reinen Beobachter und in der Folge beruhigt sich mein Geist. Das ist das Ziel.

    Was ich nun nicht richtig verstehe, ist Folgendes: Viele Autoren, die ich zunächst so verstehe, dass es ums achtsame Gewahrsein geht, beschreiben Meditationspraktiken, bei denen ich aktiv etwas tun soll. Bei der Mitgefühls-Meditation soll ich beispielsweise nach und nach ein möglichst umfassendes Mitgefühl in mir erzeugen, indem ich durch eine Reihe von gezielt hervorgebrachten Vorstellungen gehe. Allgemein gibt es häufig den Vorschlag, sich durch bestimmte Vorstellungen in bestimmte Stimmungen zu versetzen oder Ähnliches (bspw. die Vorstellung eines Berges für Zentriertheit, Stabilität etc.). Wie passen diese Sachen zusammen?

    Wie passt das Verständnis von Meditation als reiner Achtsamkeit mit den Praktiken zusammen, in denen gezielt Vorstellungen und Gefühle erzeugt werden? Ist eines das Fundament für das andere? Oder ergeben beide zusammen ein umfassenderes Bild, das ich noch nicht sehen kann? Oder sind das einfach zwei unterschiedliche Ideen oder Schulen der Meditation?

    Ich freue mich, wenn ihr mir bei der Klärung dieser Fragen helfen könnt.

  • VOOM108
    Gast
    • 6. April 2014 um 14:55
    • #2

    Auch wenn Achtsamkeit ein ursprünglich buddhistischer Begriff ist, wird er doch in der westlichen Psychologie teilweise eigenständig verwendet. Bestimmte Zustände bewusst zu erzeugen halte ich für einen eher psychologischen Ansatz. Die Idee des Buddhismus - zumindest in den meisten Schulen - ist ja doch eher, dass "Buddha", Mitgefühl, Weisheit usw. die eigentliche Natur jedes Menschen sind und sich auf natürliche Weise zeigen, wenn man die Ablenkungen zur Ruhe kommen läßt; oder sich in allen Phänomenen zeigen, wenn man die Welt mit den Augen eines Buddha sieht usw. - je nach Schule.

    Aber es spricht eigentlich nichts dagegen, beides zu tun und damit zu experimentieren, solange man die Sachen nicht mischt und zusammenrührt. Das verträgt sich meistens nicht gut. Aber mit einem gewissen Abstand mal so und mal so zu meditieren und dann zu schauen, was einen gerade weiterbringt, was einem im Alltag wirklich hilft (und darum geht es ja immer), dagegen spricht aus buddhistischer Sicht meinem Verständnis nach nichts... :)

  • mukti
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    • 6. April 2014 um 14:59
    • #3

    Hallo,

    aufschlussreich hierzu finde ich das Buch von Nyanaponika "Geistestraining durch Achtsamkeit"

    Zitat

    Der Einsatz-, Angel- und Endpunkt der Heilsbotschaft des Buddha und das Kernstück seiner Geistlehre liegt in jenem einfachen Mahnwort: Sei achtsam! Die Achtsamkeit erfüllt somit die gleichen Funktionen, die wir der Geistlehre des Buddha im allgemeinen zuschrieben. Denn die Achtsamkeit ist

    der selbst das Verborgene öffnende Schlüssel zur Erkenntnis des Geistes und damit der Einsatzpunkt;
    das nie versagende Werkzeug zur Formung des Geistes und damit der Angelpunkt;
    das Wahrzeichen der gewonnenen Befreiung des Geistes und damit der Höhe- und Endpunkt.

    http://www.palikanon.com/diverses/satip…atipattana.html

    Schöne Grüße,
    mukti

    Mit Metta, mukti.


  • Gaukelmeister
    Themenautor
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    5. Februar 2013
    • 7. April 2014 um 16:52
    • #4

    Dank euch beiden für die Antworten! Ich habe dazu noch Rückfragen.

    VOOM108:

    Bestimmte Zustände bewusst zu erzeugen halte ich für einen eher psychologischen Ansatz.

    Ich frage mich, ob ich dann möglicherweise die Meditation zur Erzeugung von Mitgefühl falsch verstehe. Ich habe hier im Forum gelesen, dass der Name für diese Meditation Metta Bhavana Meditation lautet. Bei dieser Praktik ist es doch üblich, gezielt Vorstellungen von Mitgefühl, Liebe, Güte zu erzeugen, um schließlich mit einer mitfühlenden, liebenden, gütigen Haltung den Menschen zu begegnen? Oder irre ich mich da? Das wäre dann doch aber keine psychologische, sondern eine inmitten des Buddhismus entspringende Meditation zur bewussten Erzeugung bestimmter Zustände.


    VOOM108:

    Aber es spricht eigentlich nichts dagegen, beides zu tun und damit zu experimentieren, solange man die Sachen nicht mischt und zusammenrührt. Das verträgt sich meistens nicht gut. Aber mit einem gewissen Abstand mal so und mal so zu meditieren und dann zu schauen, was einen gerade weiterbringt, was einem im Alltag wirklich hilft (und darum geht es ja immer), dagegen spricht aus buddhistischer Sicht meinem Verständnis nach nichts... :)

    Ja, dieser Einschätzung von dir kann ich vollkommen zustimmen. Ich darf ausprobieren, was ich möchte, und dann meine eigene Meditationspraxis so ausrichten, wie es mir gut tut. Meine Frage ist auch weniger darauf angelegt, die Erlaubnis für etwas zu bekommen. Ich möchte vielmehr herausfinden, wie erfahrene Meditierende dazu stehen und welche Erfahrungen sie damit gesammelt haben. Denn auch jetzt probiere ich ja in der Meditation Dinge aus, die andere (Meister? Zumindest Erfahrene) für sinnvoll erachten. Ich gebe diesen Menschen einen Vertrauensvorschuss, um nicht alle Sackgassen selbst erkunden zu müssen.

    mukti:

    aufschlussreich hierzu finde ich das Buch von Nyanaponika "Geistestraining durch Achtsamkeit"

    Ich muss gestehen, dass es mir schwerfällt, den von dir zitierten Text auf meine Unsicherheit zu beziehen. Ist die Achtsamkeit als "Einsatzpunkt" in etwa das, was ich als reines Beobachten bezeichnet habe? Und ist Achtsamkeit als "Angelpunkt" dann eine Weiterentwicklung, die mir die "Formung des Geistes" durch gezieltes Erzeugen bestimmter Vorstellungen ermöglicht? Hm, du merkst vielleicht, dass ich dir oder genauer dem Text noch nicht ganz folgen kann. Wenn du mir das noch einmal aus deiner Sicht heraus erläutern magst, wäre ich dir sehr dankbar.

  • VOOM108
    Gast
    • 7. April 2014 um 18:22
    • #5
    Gaukelmeister:

    Dank euch beiden für die Antworten! Ich habe dazu noch Rückfragen.

    VOOM108:

    Bestimmte Zustände bewusst zu erzeugen halte ich für einen eher psychologischen Ansatz.

    Ich frage mich, ob ich dann möglicherweise die Meditation zur Erzeugung von Mitgefühl falsch verstehe. Ich habe hier im Forum gelesen, dass der Name für diese Meditation Metta Bhavana Meditation lautet. Bei dieser Praktik ist es doch üblich, gezielt Vorstellungen von Mitgefühl, Liebe, Güte zu erzeugen, um schließlich mit einer mitfühlenden, liebenden, gütigen Haltung den Menschen zu begegnen? Oder irre ich mich da? Das wäre dann doch aber keine psychologische, sondern eine inmitten des Buddhismus entspringende Meditation zur bewussten Erzeugung bestimmter Zustände.

    Ich bin da sicherlich auch von meinem eigenen Hintergrund geprägt. Ich kenne in erster Linie die tantrischen Methoden und bin selbst irgendwie auf natürliche Weise in einer Dzogchen oder Mahamudra-Haltung verwurzelt, wo man die Zustände eher nicht erzeugt, sondern ihr natürliches Erscheinen nicht mehr verhindert.

    Im Tantra ist dann die Frage: wenn ich auf Chenrezig meditiere, um Mitgefühl zu erlangen, erzeuge ich dann etwas oder lege ich etwas frei? In meiner Wahrnehmung ist Chrenrezig / Mitgefühl ein natürlicher Bestandteil "meines" Geistes, wenn ich nicht durch Gewohnheit verhindere, dass dieser zum Vorschein kommt. Das so zu sehen hat auch den Vorteil, dass man nicht Gefahr läuft eine eigene Vorstellung von Mitgefühl zu erzeugen, die vielleicht nicht mit höchster Weisheit vereint ist, wie das Mitgefühl eines Buddha es ist.

    Aber ich könnte mir denken, dass es da in verschiedenen Richtungen und Schulen ganz verschiedene Ansätze gibt und das wie Du es beschreibst durchaus eine ursprüngliche buddhistische Technik ist. Trotzdem würde ich sie immer noch eher unter "psychologisch" einsortieren; viele buddhistische Methoden sind ja durchaus psychologisch (helfen den Alltag gut zu bewältigen) und nicht spirituell (helfen die Fehlwahrnehmungen über diese Realität aufzulösen und zu transzendieren...)

  • Jojo
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    • 7. April 2014 um 18:42
    • #6

    Wenn ich meine Lehrer richtig verstanden habe, sind Achtsamkeitsmeditation und Metta-Bhavana zwei verschiedene Methoden.
    Auf einer tieferen Ebene können sie auch gleich sein: wenn du davon ausgehst, dass Metta der ursprüngliche Zustand ist,
    1. davon ausgehend bei der Meditation Achtsamkeit auf deine Gefühle richtest (die Gefühle als Objekt verwendest),
    2. feststellst, welche geistigen und physischen Hindernisse dem Metta entgegen stehen und
    3. diese Hindernisse dann fallen lässt. Dann zeigt sich Metta von selbst, ohne dass du aktiv etwas hinzufügen musst.
    Ich finde das aber zu schwierig, so lange man noch keine Klarheit über die Zusammensetzung der Gefühle hat. Es ist einfacher, den Atem als Objekt zu nehmen.

  • accinca
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    • 7. April 2014 um 22:35
    • #7
    Jojo:

    Auf einer tieferen Ebene können sie auch gleich sein:
    wenn du davon ausgehst, dass Metta der ursprüngliche Zustand ist,


    Auch wenn Metta kein ursprüngliche Zustand ist, so ist ein Zustand mit Metta
    doch ein heilsamer Zustand.

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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