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  1. Buddhaland Forum
  2. Buddhismus
  3. Allgemeines zum Buddhismus

Warum wird der Abhidharma so wenig beachtet ?

  • hedin
  • August 24, 2012 at 8:02 PM
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  • hedin
    Guest
    • August 24, 2012 at 8:02 PM
    • #1

    Die Probleme der buddhistischen Philosophie.

    Bereits 1924 stellte Dr. Rosenberg von der Universität Leningrad fest, dass der Abhidharma eine Grundvoraussetzung für das Verstehen der buddhistischen Philosophie ist, in dem er schreibt:

    Der an das Studium der buddhistischen Literatur Herantretende staunt unwillkürlich über die Verschiedenartigkeit der Richtungen, welche im Laufe der Jahrhunderte auf dem Gebiete des Buddhismus entstanden sind. Bei oberflächlicher Beobachtung sind die Unterschiede scheinbar sehr wesentlich, es kann einen vorkommen, als hätte man es nicht mit Unterabteilungen des Buddhismus zu tun, sondern mit verschiedenen Religionen. Es fragt sich also, was ist es, das alle Richtungen doch vereinigt, was ihnen das Recht gibt, sich Buddhismus zu nennen.
    Das Studium des älteren Buddhismus muss mit dem in der Sammlung des Abhidharma enthaltenen systematischen Traktaten beginnen, d.h. mit der sogenannten Literatur der „Gründerväter“, welche tatsächlich den späteren buddhistischen Organisationen zugrunde liegt und nicht mit den sutra. Bisher sind in Europa immer die sutra in den Vordergrund geschoben worden, in Sonderheit die Pali-sutra, welche den wirklichen, reinen Buddhismus enthalten sollen.
    Die sutra wurden selbstständig erläutert und übersetzt; die in den Traktaten und Kommentaren enhaltene traditionelle Auslegung wurde mehr oder weniger ignoriert.
    Der Pali-Abhidharma ist wenig studiert worden. Tatsächlich ist der Schlüssel zum Verständnis der buddhistischen Dogmatik und der Geschichte der buddhistischen Sekten gerade in ihm enthalten, da er uns autoritative Hinweise in Bezug auf die Gedanken gibt, welche wirklich unter den führenden Buddhisten vorgeherrscht haben, und nicht auf diejenigen, welche wir auf Grund einer mehr oder weniger willkürlichen Auslegung der sutra anzunehmen geneigt sind, der sutra, in denen wir lakonische Formeln finden, die ohne Kenntnis des Abhidharma sich nur einer künstlichen Gruppierung unterwerfen lassen.
    Die erste Übersetzung eines der Pali Traktate erschien erst im Jahre 1900, als sich in der europäischen Literatur das Bild des Buddhismus auf Grund der Literatur der sutra im allgemeinen schon fixiert hatte. Der Sanskrit Abhidharma im Original ist fast ganz verloren gegangen, er hat sich nur in chinesischer und tibetischer Übersetzung erhalten. Dadurch erklärt sich wahrscheinlich, daß er verhältnismäßig so spät der Gegenstand des Studiums geworden ist.

    hedin

  • guido66de
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    March 9, 2012
    • August 24, 2012 at 8:24 PM
    • #2

    Karmapa hat auf dem Sommerkurs immer wieder auf den Abhidharma verwiesen :D

    Halte dich an die Belehrungen, nicht an die Lehrer. Halte dich an die Bedeutung, nicht an die Worte.
    Halte dich an die Tiefe, nicht an die Oberfläche. Halte dich an die Weisheit, nicht an die Konzepte. (Sharmapa)

  • Grund
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    June 18, 2011
    • August 24, 2012 at 8:38 PM
    • #3
    Quote from hedin

    Die Probleme der buddhistischen Philosophie.


    Die buddhistische Philosophie hat nur ein Problem ... die buddhistische Philosophie. 8)

  • nibbuti
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    April 23, 2011
    • August 24, 2012 at 9:16 PM
    • #4
    Quote from hedin

    Der Pali-Abhidharma ist wenig studiert worden. Tatsächlich ist der Schlüssel zum Verständnis der buddhistischen Dogmatik und der Geschichte der buddhistischen Sekten gerade in ihm enthalten, da er uns autoritative Hinweise in Bezug auf die Gedanken gibt, welche wirklich unter den führenden Buddhisten vorgeherrscht haben, und nicht auf diejenigen, welche wir auf Grund einer mehr oder weniger willkürlichen Auslegung der sutra anzunehmen geneigt sind, der sutra, in denen wir lakonische Formeln finden, die ohne Kenntnis des Abhidharma sich nur einer künstlichen Gruppierung unterwerfen lassen.


    Hi hedin

    Dr. Rosenberg spricht hier aus der Sicht eines Gelehrten ohne meditative Praxis

    daher kann er (erwartungsgemäß) mit den Suttas wie sie sind wenig anfangen

    meines Erachtens ist der Abhidhamma nicht wirklich notwendig für das Verständnis

    für mich sind die Lehrreden selbsterklärend und schlüssig (bis auf wenige bekannte Ausnahmen)

    einige der Fünfergruppe wurden schon beim Hören der ersten Lehrrede erleuchtet

    im Grunde enthalten die ersten drei Lehrreden schon die gesamte Lehre

    :)

    Trage nicht das Weltgetöse in die stille Einsamkeit
    Such den Wald, daß er Dich löse von der Krankheit unsrer Zeit.

  • hedin
    Guest
    • August 24, 2012 at 10:44 PM
    • #5

    nibbuti

    Ich bin da eher bei Dr. Rosenberg.
    Nicht weil ich von den Sutas nichts halte, ganz im Gegenteil ich möchte mich bei accinca und Elliot bedanken, dass sie mir im Laufe der Zeit ein grundlegendes Verständnis der Sutas vermittelt haben, sondern weil sie im hohen Maße interpretationsbedürftig sind, was ja nicht ganz unproblematisch ist.

    Fehlen nun die Grundkenntnisse des Abhidharmas, dann ist Fehlinterpretationen Tür und Tor geöffnet, wie man bei den Missverständnissen z.B. zu Karma eindeutig sehen kann.

    hedin

  • nibbuti
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    April 23, 2011
    • August 24, 2012 at 11:36 PM
    • #6
    Quote from hedin

    weil sie im hohen Maße interpretationsbedürftig sind


    Hi hedin

    interpretationsbedürftig sind die Lehrreden bei einer rein intellektuellen Herangehensweise

    daher wird dazu geraten ein Sutta als Begleitung zu einer Meditation auf sich wirken zu lassen

    das hat Dr. Rosenberg mit Sicherheit nicht getan ;), zumal das zu der Zeit Neuland war

    ergo basiert seine Schlussfolgerung nicht auf einer richtigen Anwendung

    Quote from hedin

    Fehlen nun die Grundkenntnisse des Abhidharmas, dann ist Fehlinterpretationen Tür und Tor geöffnet


    hier wird mE 'das Pferd von hinten aufgesattelt', dann ist Fehlinterpretationen Tür und Tor geöffnet

    das Abhidhamma ('höhere Lehre') ist eine philosophische Abhandlung

    das Abhidhamma widerspricht in wesentlichen Teilen den Lehrreden des Buddha (zB drei Leben-Theorie, Geist-Kontinuum, Reinkarnation, mangelnder 'Sinn für Dringlichkeit' (samvega))

    wer das braucht dem sei es von Herzen gegönnt, aber: es ist keine Voraussetzung

    Grundkenntnisse werden im tiefen Dhamma und in der Praxis vermittelt

    Quote from hedin

    wie man bei den Missverständnissen z.B. zu Karma eindeutig sehen kann


    welche Missverständnisse zu Karma, lieber hedin?

    :)

    Trage nicht das Weltgetöse in die stille Einsamkeit
    Such den Wald, daß er Dich löse von der Krankheit unsrer Zeit.

  • hedin
    Guest
    • August 25, 2012 at 9:11 AM
    • #7

    nibbuti

    Nur mit Geschichten erzählen, ohne einen analytischen Untergrund (Abhidharma), kann man auch in der buddhistischen Lehre bewusst irreführen oder unbewusst für allerlei Verwirrung sorgen.
    Bei analytischen Kenntnissen (Abhidharma) der geistigen Vorgänge an den 6 Sinnen ist es kaum möglich, dass die Vorstellungen von Karma, seiner Entstehung, seinen Ursachen und deren Wirkungen so vielfältig und verwirrend dargestellt wird, wie dies hier teilweise geschieht.

    Ein Haus, dass ohne Grundmauern, also auf dem blanken Boden aufgebaut wurde, bekommt über kurz oder lang Risse und muss dann als Folge davon mit allerlei Behelfen ausgebessert werden….

    hedin

  • Sukha
    Guest
    • August 25, 2012 at 9:36 AM
    • #8

    Grundkenntnisse des Abhidhamma sind für das analytische Wissen (eines der Bojjhaṅga, nämlich Gesetzesergründung**) unerlässlich.
    Auch hilft es dabei zu sehen, wo man in der Medi gerade steht, bzw. es einzuordnen. (Vom Groben ins Feine)

    Nur Abhidhamma, ist aus meiner Erfahrung aber eher ein Hemmnis. Ich kenne keinen (was aber nicht heißt, dass es irgendwo einen auf diesem Planeten gibt), der sich nur auf Abhidhamma spezialisiert hat, der wirklich nennenswerte "Fortschritte" für sich gemacht hat.

    ()

    _______

    **Gesetzesergründung (dhammavicaya-sambojjhaṅga) .

    Sie beinhaltet das Wissen um die Dinge, wie sie denn tatsächlich sind. Karmisch Heilsames, nicht Heilsames und Neutrales müssen unterschieden werden. Weiterhin beinhaltet sie die Erforschung der Charaktereigenschaften, die Wirklichkeitsergründung und die Einsicht in das Gesetz der Daseinserscheinungen. Es erfordert ein systematisches Herangehen an alles das Dasein Betreffende, um Erkenntnisse und Wissen über die logischen Gesetzmäßigkeiten zu erlangen. Als Ergebnis entsteht ein analytisches Wissen. Es wird aufgeteilt in vier analytische Wissensformen.

    1. Das Analytische Wissen vom wahren Wesen (attha-patisambhidā).
    attha: Sinn, Zweck, Ergebnis, Bedeutung, wahres Wesen
    patisambhidā: Kenntnis der Bedeutung (von Wörtern)
    Diese Erkenntnis beinhaltet das Wissen um das bedingte Entstehen, das Nibbāna, Wortbedeutungen, karmische Wirkungen und karmisch unabhängige Funktionen. Des Weiteren die Erkenntnis vom Leiden.

    2. Das Analytische Wissen vom Gesetz, den Gesetzmäßigkeiten (dhamma-patisambhidā).
    dhamma: Bedingung, Gesetz, Gesetzmäßigkeit, Träger (tragen), Phänomen, Gegebenheit, Ding.
    Diese Erkenntnis beinhaltet das Wissen über jede ein Ergebnis erzeugende Ursache, das gesprochene Wort, der Edle Achtfache Pfad, das karmisch Heilsame und das karmisch Unheilsame, des weiteren die Erkenntnis vom Entstehen des Leidens.

    3. Das Analytische Wissen von der Sprache (nirutti-patisambhidā).
    nirutti: Ausdrucksweise, Aussprache, Dialekt
    Dies bedeutet, dass man immer die richtige Wortwahl hat, um es wirklichkeitsgemäß "auf den Punkt" zu bringen, und dass die Ausdrucksweise präzise ist.

    4. Das Analytische Wissen von der Schlagfertigkeit (patibhana-patisambhidā).
    patibhana: Redegewandtheit, Schlagfertigkeit
    Auf alle Fragen, die einem gestellt werden, oder in Diskussionen hat man immer die richtige Antwort.

    Wie erlangt man die vier analytischen Wissen?

    Im Aṅguttara-Nikāya VII. 37 kann man lesen:

    Im Besitze von sieben Eigenschaften, ihr Mönche, mag sich ein Mönch nach gar nicht langer Zeit die vier Analytischen Wissen zu eigen machen, sie selber erkennend und verwirklichend; und mit ihnen ausgestattet, hat er sich die vier Analytischen Wissen zu eigen gemacht, sie selber erkennend und verwirklichend. Welches sind diese sieben Eigenschaften? Da weiß, ihr Mönche, der Mönch der Wirklichkeit gemäß: 'Diese geistige Schlaffheit besteht in mir.' Ist sein Geist innerlich verkrampft, so weiß er der Wirklichkeit gemäß: 'Mein Geist ist innerlich verkrampft.' Ist sein Geist nach außen hin zerstreut, so weiß er: 'Mein Geist ist nach außen hin zerstreut.' Bewusst steigen die Gefühle in ihm auf, bewusst sind sie da, bewusst schwinden sie. Bewusst steigen die Wahrnehmungen in ihm auf, bewusst sind sie da, bewusst schwinden sie. Bewusst steigen die Gedanken in ihm auf, bewusst sind sie da, bewusst schwinden sie. Bei den zuträglichen und unzuträglichen, den gemeinen und edlen Dingen und den Gegensätzen von Gut und Böse, da hat er die Ursache wohl erfasst, wohl erwogen, wohl verstanden, in Weisheit wohl durchdrungen.

    Um analytisches Wissen zu erlangen, ist ein hilfreiches, eigentlich das wichtigste! Instrument die "Durchschauung" (vipassanā). Man unterscheidet drei weltliche Durchschauungen:

    1. Die Durchschauung des Erkannten (ñāta- vipassanā)
    2. Die untersuchende Durchschauung (tirana- vipassanā)
    3. Die überwindende Durchschauung (pahāna- vipassanā)

  • hedin
    Guest
    • August 25, 2012 at 9:45 AM
    • #9
    Quote from Grund


    Die buddhistische Philosophie hat nur ein Problem ... die buddhistische Philosophie. 8)

    Die buddhistische Philosophie wird dann für manchen zum Problem, wenn durch andere „Theorien“ und „Gründe“ bereits eine Vorkonditionierung stattgefunden hat. 8)

    hedin

  • Elliot
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    October 5, 2010
    • August 25, 2012 at 11:19 AM
    • #10
    Quote from hedin

    Die sutra wurden selbstständig erläutert und übersetzt; die in den Traktaten und Kommentaren enhaltene traditionelle Auslegung wurde mehr oder weniger ignoriert.


    Vielleicht lässt sich das ja mal anhand von ein paar Beispielen verdeutlichen: Wo Traktate und Kommentare die Lehrreden eher verständlicher machen oder eher ein vorhandenes sich direkt aus der Lehrrede ergebendes Verständnis durch ein anderes Verständnis ersetzen wollen.

    Viele Grüße
    Elliot

    Viele Grüße

    Elliot

  • Geronimo
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    April 2, 2011
    • August 25, 2012 at 11:20 AM
    • #11

    Was bedeutet denn immer dieses Wort Interpretation in Zusammenhang mit den Texten im Pali Kanon?

    Es wird doch zum allergrößten Teil darin selbst erklärt was gemeint ist, und was nicht. Was rechte Ansicht ist, was rechter Lebenserwerb, was rechte Handlung, was rechtes Denken und so weiter. Es wird bis ins kleinste Detail nachvollziehbar gemacht, was heilsam und was unheilsam bedeutet.

    Möglicherweise muss man dazu irgendwann verschiedene Lehrreden quergelesen haben, aber alles in allem ist der Interpretationsspielraum doch sehr überschaubar.

    Wichtig ist nicht, besser zu sein als alle anderen.
    Wichtig ist, besser zu sein als du gestern warst. (Dogen)

    Edited 2 times, last by Geronimo (August 25, 2012 at 11:23 AM).

  • Elliot
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    • August 25, 2012 at 11:21 AM
    • #12

    Ja, das sehe ich im Grunde genauso.

    Viele Grüße
    Elliot

    Viele Grüße

    Elliot

  • nibbuti
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    • August 25, 2012 at 11:33 AM
    • #13
    Quote from hedin

    Nur mit Geschichten erzählen, ohne einen analytischen Untergrund (Abhidharma), kann man auch in der buddhistischen Lehre bewusst irreführen oder unbewusst für allerlei Verwirrung sorgen.


    hedin

    achte bitte auf was du sagst

    du unterstellst hier dem Buddha er habe bloß Geschichten erzählt und nicht gründlich analysiert

    wenn von Abhidhamma gesprochen wird, ist normalerweise die Ansammlung von Texten im Abhidhamma-Korb gemeint

    diese Ansammlung widerspricht aber in wesentlichen Teilen den Lehrreden des Buddha

    es gab auch 'damals' schon philosophierende (Abhi~) Mönche und Nonnen

    das ist aber kein analytischer Untergrund im Sinne von Grundwissen

    das ist keine Voraussetzung fürs Verständnis

    :)

    Trage nicht das Weltgetöse in die stille Einsamkeit
    Such den Wald, daß er Dich löse von der Krankheit unsrer Zeit.

  • Sukha
    Guest
    • August 25, 2012 at 11:42 AM
    • #14
    Quote from nibbuti

    das ist aber kein analytischer Untergrund im Sinne von Grundwissen

    das ist keine Voraussetzung fürs Verständnis

    Stimmt!!!

  • nibbuti
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    April 23, 2011
    • August 25, 2012 at 11:44 AM
    • #15
    Quote from Sukha

    Grundkenntnisse des Abhidhamma sind für das analytische Wissen (eines der Bojjhaṅga, nämlich Gesetzesergründung**) unerlässlich.


    Sukha

    der Erhabene sagte:

    "das Eine (anapanasati) erfüllt Vier (satipatthanas), die Vier erfüllen Sieben (bojjhangas), die Sieben erfüllen Zwei (echtes Wissen und Schauung)"

    wie kommst du also zu der Behauptung, Kenntnisse des Abhidhamma seien "unerlässlich" für das bojjhanga 'Gesetzesergründung'?

    Trage nicht das Weltgetöse in die stille Einsamkeit
    Such den Wald, daß er Dich löse von der Krankheit unsrer Zeit.

  • hedin
    Guest
    • August 25, 2012 at 12:11 PM
    • #16
    Quote from Geronimo


    Was bedeutet denn immer dieses Wort Interpretation in Zusammenhang mit den Texten im Pali Kanon?

    Interpretation sollte zunächst nicht negativ oder positiv verstanden werden.

    Die Bibel wird von Theologen interpretiert. Die Sutren von Lehrern, Gurus und Lamas…..
    ….alle interpretieren.

    Quote from Geronimo


    Es wird doch zum allergrößten Teil darin selbst erklärt was gemeint ist, und was nicht. Was rechte Ansicht ist, was rechter Lebenserwerb, was rechte Handlung, was rechtes Denken und so weiter. Es wird bis ins kleinste Detail nachvollziehbar gemacht, was heilsam und was unheilsam bedeutet.

    Der Abhidharma erklärt nicht was die Phänomene bedeuten, sondern erklärt, wodurch, wann und wie sie entstehen, welche Abhängigkeiten sie voneinander haben. Und wie sie untereinander kommunizieren.....eben analytisch.

    hedin

  • Grund
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    June 18, 2011
    • August 25, 2012 at 12:30 PM
    • #17
    Quote from hedin
    Quote from Grund


    Die buddhistische Philosophie hat nur ein Problem ... die buddhistische Philosophie. 8)

    Die buddhistische Philosophie wird dann für manchen zum Problem, wenn durch andere „Theorien“ und „Gründe“ bereits eine Vorkonditionierung stattgefunden hat. 8)


    Wenn die Vorkonditionierung das Wissen ist, welches dadurch ist, dass die Wort-Lehre des abhängigen Entstehens als zutreffende sprachliche Ausdruckweise gesehen wurde, dann ja. Denn dann erscheinen die Art von Gedanken, die durch Philosophie kultiviert werden im Vergleich zu dem Wissen wie das Kultivieren der Vorstellung "süß" im Vergleich zur Erfahrung des Geschmackes "süß".
    Die buddhistische Philosophie fragt nach Erklärungen und Begründungen. Der Gedanke ist ihr wichtiger als das Durchschauen des Denkens selbst, und damit ist die Philosophie nur eine Variante des "Heimstattbauens" des bewußt-Seins. 8)

  • xxx
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    May 11, 2011
    • August 25, 2012 at 12:31 PM
    • #18

    Ich gehe mit Nibbuti einig, Abhidharma kann eigene meditative Erfahrungen nicht ersetzen.

    Wenn man Meditation als Reise ins Ich, in den eigenen Geist betrachtet ist Abhidharma sozosagen eine Sammlung von Reiseberichen.
    Ein Reisebericht kann eine Reise aber nicht wirklich ersetzen. Eine Bericht zu lesen, z.B über den Besuch des Eiffelturms in Paris, ist niemals so intensiv wie die Erfahrung wenn man die Zugluft, die Gerüche und die Ausblicke selber erlebt.

    Gruss Bakram

  • hedin
    Guest
    • August 25, 2012 at 12:43 PM
    • #19
    Quote from nibbuti

    du unterstellst hier dem Buddha er habe bloß Geschichten erzählt und nicht gründlich analysiert


    Es müßte doch klar ersichtlich sein, dass ich mit Geschichtenerzähler die Lehrer, Gurus und Lamas meinte.

    Quote from nibbuti


    wenn von Abhidhamma gesprochen wird, ist normalerweise die Ansammlung von Texten im Abhidhamma-Korb gemeint
    diese Ansammlung widerspricht aber in wesentlichen Teilen den Lehrreden des Buddha


    Scheinbar reden wir hier aneinander vorbei, der Abhidharma den ich meine, erklärt die analytischen Zusammenhänge der Geistprozesse an den 6 Sinnen.
    Er befasst sich sonst mit nichts anderen. Ableitungen von den Analysen sind dann in den Sutren zu lesen.
    Mancher Interpret mag das anders sehen.
    Untergrund ist vielleicht missverständlich, ich meinte damit: Unterbau oder auch Hintergrund.

    hedin

  • Sukha
    Guest
    • August 25, 2012 at 1:05 PM
    • #20
    Quote from nibbuti


    wie kommst du also zu der Behauptung, Kenntnisse des Abhidhamma seien "unerlässlich" für das bojjhanga 'Gesetzesergründung'?

    Im Abhidhamma werden lediglich die Phänomene beschrieben wie jeder sie in der Medi vom Groben ins Feine erkennen kann.
    Abhidhamma betreibt jeder der in der Medi etwas auseinander pflückt und auflöst.

    Gefühl ... angenehm/unangenehm/neutral ..... entstehen (wie, wo, wann), vergehen usw
    Atem ...... geht er langsam/schnell .... flach/tief .... warm/kalt. ..... bemerken der Länge der Atempausen .... liegen Nivaranas vor ... z.B. ein Gefühl ... wie wo wodurch entstanden .. welcher Einfluß wird auf den Atem erkennbar usw., eben Analytik.

    Manche Entstehungsketten sollte man kennen, damit man die eigene Medi überprüfen kann, weiß wo man steht.

    Das irgendwelche gelangweilte Mönche das mal aufgeschrieben haben (und sich dann selber gebauchpinselt haben und es dann Abhi - Dhamma genannt haben) ist ja auch recht lobenswert, aber da haben sich dann halt auch einige Diskrepanzen zu den Sutten eingeschlichen.

    Es gibt ja mehrere Arten der Medi. Manchmal wird das Objekt in der Medi auch gewechselt. Je nachdem was ansteht. Will man die volle Sammlung, wird man versuchen erst einmal den Geist immer wieder auf das Objekt Atem zurück bringen. In der vollen oder angrenzenden Sammlung oder aus den Jhanas kommend wird man die Objekte analytischer betrachten eben vom Groben ins Feine bis Klarblick (Vipassana) aufsteigt.

    Als der Buddha während seines Erwachens paticcasamuppāda (die "Bedingte Entstehung") vorwärts und rückwärts durchdachte war das nichts anderes. :)

    Quote

    Gesetzesergründung (dhammavicaya-sambojjhaṅga).

    Sie beinhaltet das Wissen um die Dinge, wie sie denn tatsächlich sind. Karmisch Heilsames, nicht Heilsames und Neutrales müssen unterschieden werden. Weiterhin beinhaltet sie die Erforschung der Charaktereigenschaften, die Wirklichkeitsergründung und die Einsicht in das Gesetz der Daseinserscheinungen. Es erfordert ein systematisches Herangehen an alles das Dasein Betreffende, um Erkenntnisse und Wissen über die logischen Gesetzmäßigkeiten zu erlangen. Als Ergebnis entsteht ein analytisches Wissen. Es wird aufgeteilt in vier analytische Wissensformen.

    Edited once, last by Anonymous (August 25, 2012 at 1:09 PM).

  • hedin
    Guest
    • August 25, 2012 at 1:07 PM
    • #21
    Quote from Bakram

    Abhidharma kann eigene meditative Erfahrungen nicht ersetzen.


    Hier stimme ich dir uneingeschränkt zu.

    Quote from Bakram


    Eine Bericht zu lesen, z.B über den Besuch des Eiffelturms in Paris, ist niemals so intensiv wie die Erfahrung wenn man die Zugluft, die Gerüche und die Ausblicke selber erlebt.


    Es ist aber von Vorteil vor Antritt der Reise zuerst einen Reiseplan zu erstellen.

  • Sukha
    Guest
    • August 25, 2012 at 1:18 PM
    • #22
    Quote from hedin


    Es ist aber von Vorteil vor Antritt der Reise zuerst einen Reiseplan zu erstellen.

    Vor Antritt der Reise alles schon wissen, schürt aber auch eine Erwartungshaltung, die zum Hemmnis werden kann.
    Denn im Grunde sieht dann alles ganz anders aus, als wie man es in den Beschreibungen gelesen hat. So ist das auch in der Medi.
    Es sieht meistens dann ganz anders aus, als wie wir es gelesen/gehört haben.

    Wie erwähnt, zum Einordnen der eigenene Erkenntnisse bedingt ja, aber nicht als Grundlage.
    Ich kannte einen, der konnte den Abhidhamma fast auswendig, da er dies als Mönch gelernt hatte. Bis zum Lebensende war dies aber für ihn auch ein Hemmnis, weil sofort bei allem die auswendig gelernten "Ketten/Prozeßabläufe" hochkamen und dadurch ein "eigenes Erkennen" fast unmöglich wurde. Er kannte ja scheinbar schon alle Phänome und dadurch wurde das selber durchdringen gehemmt.

    Und das müssen wir nun mal. :)

    ()

  • Geronimo
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    • August 25, 2012 at 1:51 PM
    • #23
    Quote from hedin
    Quote from Geronimo


    Was bedeutet denn immer dieses Wort Interpretation in Zusammenhang mit den Texten im Pali Kanon?

    Interpretation sollte zunächst nicht negativ oder positiv verstanden werden.

    Die Bibel wird von Theologen interpretiert. Die Sutren von Lehrern, Gurus und Lamas…..
    ….alle interpretieren.

    Quote from Geronimo


    Es wird doch zum allergrößten Teil darin selbst erklärt was gemeint ist, und was nicht. Was rechte Ansicht ist, was rechter Lebenserwerb, was rechte Handlung, was rechtes Denken und so weiter. Es wird bis ins kleinste Detail nachvollziehbar gemacht, was heilsam und was unheilsam bedeutet.

    Der Abhidharma erklärt nicht was die Phänomene bedeuten, sondern erklärt, wodurch, wann und wie sie entstehen, welche Abhängigkeiten sie voneinander haben. Und wie sie untereinander kommunizieren.....eben analytisch.

    hedin

    Ja und? Was hat das damit zu tun, das der Weg den der Buddha gewiesen hat klar ist, und nicht beliebig auslegbar?

    Wichtig ist nicht, besser zu sein als alle anderen.
    Wichtig ist, besser zu sein als du gestern warst. (Dogen)

  • nibbuti
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    • August 25, 2012 at 2:55 PM
    • #24
    Quote from hedin

    Scheinbar reden wir hier aneinander vorbei, der Abhidharma den ich meine, erklärt die analytischen Zusammenhänge der Geistprozesse an den 6 Sinnen.

    Quote from Sukha

    Abhidhamma betreibt jeder der in der Medi etwas auseinander pflückt und auflöst.


    Hi hedin & Sukha

    ich denke nicht dass wir aneinander vorbeireden

    "abhi(höheres-)dhamma" mit der Bedeutung einer analytischen Herangehensweise (vibhajjavada) oder überweltlichen (lokuttara) Lehre ist legitim, aber kommt im gesamten Lehrredenkorb nur 1 Mal vor

    hingegen wurde hier zuvor (von hedin) unterschieden zwischen Sutta und Abhidhamma, und das Verständnis von Abhidhamma als Grundlage für das Verständnis von Sutta (wie es auch heute in der Kommentartradition nicht unüblich ist) voraus gesetzt

    daher folgt das nicht daraus

    :)

    Trage nicht das Weltgetöse in die stille Einsamkeit
    Such den Wald, daß er Dich löse von der Krankheit unsrer Zeit.

  • Elliot
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    Quote from hedin

    Scheinbar reden wir hier aneinander vorbei, der Abhidharma den ich meine, erklärt die analytischen Zusammenhänge der Geistprozesse an den 6 Sinnen.


    Vielleicht gibt es da auch ein paar Zitate zu?

    Viele Grüße
    Elliot

    Viele Grüße

    Elliot

Ausgabe №. 134: „Keine Angst vor der Angst"

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