Es gibt noch echte Menschen - Impressionen einer Kumbh Mela

Moderator: kilaya

Die Kumbh Mela ist das grösste Fest des sog. Hinduismus, das grösste spirituelle Fest weltweit. Sadhus, Heilige, Yogis, Wanderasketen, die ganze Vielfalt des spirituellen Reichtums Indiens kommt da zusammen und feiert alle 12 Jahre dieses Fest. Diese Menschen leben in bitterster materieller Armut, aber ihr spiritueller Reichtum ist unvergleichlich, sie sind wahre Könige auf Strohmatten. Im Vergleich dazu ist das Abendland in spiritueller Hinsicht bitterarm- nu ja, immerhin hat das Abendland ja Kohle ohne Ende, noch.

Diese Dokumentation ist in englischer Sprache. Aber das sollte nicht daran hindern, sich ausgiebig von den aussergewöhnlichen Bildern inspirieren zu lassen:

" Kings with Straw Mats - Yogis and Sadhus of the Kumbh Mela Festival"



https://de.wikipedia.org/wiki/Kumbh_Mela
@Moderation

Sorry, ich sehe gerade, ich habe den Thread aus Versehen in "Fernsehtips", statt in "Filmtips" eröffnet. Ich bitte um Verschieben nach "Filmtips"!
Vielen Dank für's Verschieben :sunny:

Hier ein kleines, wunderschönes Lied aus dem Film, vorgetragen von einem echten Menschen (14:56):

" O, meine Brüder, die Reichen und die Armen leben in zwei verschiedenen Welten. Die Reichen rasen in ihren schnellen Autos, während die Armen in jedem Haus Traurigkeit essen. Die Hunde der Reichen essen von Luxus-Geschirr, während die Kinder der Armen Glück haben, wenn sie ein paar Bohnen bekommen. Die Reichen füllen sich selbst mit süssen Desserts, während die Armen nichtmal die Krume eines Traumes haben. Die Reichen lustwandeln in schönen Gärten, aber es ist das Haus der Armen, in das Krishna kommt, um seine Flöte zu spielen."

Bild
Freeman reloaded hat geschrieben:
..
Hier ein kleines, wunderschönes Lied aus dem Film, vorgetragen von einem echten Menschen...


Warum jagen mir Zeitgenossen, die sich anmaßen, darüber zu entscheiden wer oder was ein 'echter Mensch' ist nur so einen Schrecken ein... ?



Wer einen Zugang hat sollte an dieser Stelle vielleicht einmal die Begriffe 'Mensch' 'menschenähnlich' etc. in 'Mein Kampf' suchen. Das reicht.
Es tut mir leid, wenn Dich Assoziationen mit den Nazis plagen, das lag nicht in meiner Absicht.

Ich empfinde die Menschen auf jener Kumbh Mela insofern als echte Menschen, als sie, im Gegensatz zu der Mehrheit in den reichen Industrieländern authentisch und einfach sind, nicht übersättigt, nicht entfremdet von Mutter Erde. Daher finde ich auch das zitierte Lied so schön.

Ist das OK für Dich?

Übrigens hatte auch Buddha dereinst, in einer Lehrrede der Mittleren Sammlung, jene ünverbrüchliche, kosmische Armut gepriesen :sunny:
Das ganze hinduistische System basiert auf Reinheit und Heiligkeit. Und dabei stehen ja die Yogis für die heiligste und reinsten überhaupt. Während das Kastensystem anderen dann dafür die Würdelosigkeit zuweist. Ich glaube, man muss da die beiden beide Seiten zusammen sehen.

http://www.aljazeera.com/indepth/featur ... 31163.html
void hat geschrieben:
Das ganze hinduistische System basiert auf Reinheit und Heiligkeit. Und dabei stehen ja die Yogis für die heiligste und reinsten überhaupt. Während das Kastensystem anderen dann dafür die Würdelosigkeit zuweist. Ich glaube, man muss da die beiden beide Seiten zusammen sehen.

http://www.aljazeera.com/indepth/featur ... 31163.html


Com on, offenbar hast Du Dir doch nichtmal die Mühe gemacht, den Film anzuschauen, denn sonst hättest Du gesehen, dass die Kumbh Mela ein spirituelles Volkfest ist, auf dem völlig mittellose Yogis und Sadhus buchstäblich im Staub der Strasse leben, da ist nicht viel mit "Reinheit".

Du verwechselst Yogis, Sadhus, Wanderasketen mit der parfümierten Brahmanenkaste, nicht zu fassen, lieber fotost Bild
Freeman reloaded hat geschrieben:
Com on, offenbar hast Du Dir doch nichtmal die Mühe gemacht, den Film anzuschauen, denn sonst hättest Du gesehen, dass die Kumb Mela ein spirituelles Volkfest ist, auf dem völlig mittellose Yogis und Sadhus buchstäblich im Staub der Strasse leben, da ist nicht viel mit "Reinheit".


Es geht um spirituelle Reinheit, die nix aber auch gar nichts mit Sauberkeit zu tun hat. So gilt Z.B der Ganges oder Kuh-Urin als spirituell rein. Und es ist wirklich so, dass die Sadhus und Yogis als die Prototypischen Vertreter dieser Heiligkeit und Reinheit gelten. Und, dass diese Erhabenheit zustande kommt, indem an anderer Stelle krass abgewertet wird.

Das ist wie man die Erhabenheit des Petersdom zusammen mit den nicht so schöne Seiten der Kirche sehen muss. Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.

Mir kommt vor für dich ist das ein "spiritueller Osten" der dir als Gegenentwurf zum "materialistischen Westen" dient.
Wenn das Dein Bild von Indien ist, dann ist das Dein Bild von Indien. Ich sehe da in dem Film offene, einfache Gesichter, Menschen, die in extrem einfachen Verhältnissen leben und die gemeinsam ein spirituelles Fest feiern, nicht mehr, nicht weniger. Wenn Du da spirituelle Reinheit siehst, finde ich das völlig in Ordnung. Falls an dem Film jedoch grundsätzlich etwas auszusetzen sein sollte, so bitte ich die Moderation, den Link zum Film zu löschen.
Freeman reloaded hat geschrieben:
void hat geschrieben:
Das ganze hinduistische System basiert auf Reinheit und Heiligkeit. Und dabei stehen ja die Yogis für die heiligste und reinsten überhaupt. Während das Kastensystem anderen dann dafür die Würdelosigkeit zuweist. Ich glaube, man muss da die beiden beide Seiten zusammen sehen.

http://www.aljazeera.com/indepth/featur ... 31163.html


Com on, offenbar hast Du Dir doch nichtmal die Mühe gemacht, den Film anzuschauen, denn sonst hättest Du gesehen, dass die Kumbh Mela ein spirituelles Volkfest ist, auf dem völlig mittellose Yogis und Sadhus buchstäblich im Staub der Strasse leben, da ist nicht viel mit "Reinheit".

Du verwechselst Yogis, Sadhus, Wanderasketen mit der parfümierten Brahmanenkaste, nicht zu fassen, lieber fotost Bild


:?: :?:

Was hab' ich damit zu tun?
Bist Du inzwischen in Deiner Verwirrung schon soweit abgerutscht??

Komm' runter. Werde wieder nüchtern! Ich würde niemals irgend etwas von Aljazeera verlinken!

Wie wäre es mit einer öffentlichen Entschuldigung und der Bitte an unsere Moderatoren, Deinen Unsinn zu löschen?
fotost hat geschrieben:
Komm' runter. Werde wieder nüchtern! Ich würde niemals irgend etwas von Aljazeera verlinken!

Sollte man grundsätzlich nicht zu denen verlinken?

Also ich finde das jetzt nicht besonders "buddhistisch", aber es ist doch auch schön, wie die so feiern. Und ich kann verstehen, wenn Freeman diese Unbeschwertheit teilen möchte. Auch wenn "echte Menschen" natürlich nie ideale Menschen sind.
In dem riesigen Indien gibt es vom Heiligen bis zum Meuchelmörder alles Mögliche, wie immer und überall. Allerdings ist es in Indien, im Gegensatz zu manch anderen Ländern, relativ einfach besitzlose Asketen mit ernsthafter spiritueller Praxis zu finden. Bei der Khumbha Mela kommen alle friedlich zusammen, Wandermönche, Yogis aus abgelegenen Regionen des Himalaya, Höhleneinsiedler und Orden aller Art. Natürlich ist Indien nicht der Himmel, aber doch die Weltgegend in der überaus hochentwickelte Weisheit in großem Umfang gedeihen konnte. Davon spürt man bis heute noch was.
Sorry fotost, ich hatte aus Versehen Deinen Namen mit voids Namen vertauscht, kein Grund, gleich auszuflippen. Gleichmut ist eine unschätzbare Tugend.

Aljazeera ist vollkommen in Ordnung, ich jedenfalls hab da kein Problem mit, im Gegenteil, ich schätze Aljazeera ua als Gegengewicht zu den westlichen Medien :-) Denk dran, fotost, tief durchatmen und "Gleichmut, Gleichmut, Gleichmut" Bild

@void

Die Kumbh Mela bzw die Menschen dort mit dem Petersdom bzw dem superreichen Vatikan zu vergleichen ist arg weit hergeholt.

Ich schätze generell einfache Menschen, die noch nicht so sehr von der westlichen Konsumgesellschaft verdorben sind. Solche Menschen findet man nicht nur in Indien, sondern zB auch in Deutschland oder anderswo.
Freeman reloaded hat geschrieben:
Die Kumbh Mela bzw die Menschen dort mit dem Petersdom bzw dem superreichen Vatikan zu vergleichen ist arg weit hergeholt.


Mir geht es eher um den Teil und das Ganze und wie sie zusammenhängen. Und da ist der Petersdom für mich nur ein Beispiel dafür, wie Schönheit und Pracht auf der einen Seite mit Unterdrückung und Hässlichkeit wo anders zusammenhängen.

Ich glaube du willst die Fröhtlichkeit auf dem "Kumbh Mela" als einen unbeschwerten, unverdorbenen Menschen sehen, den du unserer Konsumgesellschaft entgegenstellen kannst. Im Rahmen der indischen Gesellschaft ist es aber ja so, dass man im Allgemeinen in den starren System von Klasse, Geschlecht und Herkunft lebt und die fröhlichen Feste den Chrakter eines Ventils haben. Ein Ventil, in dem für kurze Zeit Dampf abgelassen wird, und man sich in einem Zustand der Unbeschwertheit befindet, das aber genau dadurch zur Starrheit beiträgt.

Also so wie die alten Römer als "Ventil" die Saturnalien hatten, wo einmal im Jahr Ausgelassenheit und ein Hauch von Anarchie herrschte und sogar Sklaven und Herren mal kurz die Rolle tauschten und lustig zusammen feiern konnten. Damit es den Rest des Jahres züchtiger und ungerechter zugehen kann. Die Saturnalien stehen nicht für die "unverdorbene römische Gesellschaft".

Freeman reloaded hat geschrieben:
Ich schätze generell einfache Menschen, die noch nicht so sehr von der westlichen Konsumgesellschaft verdorben sind. Solche Menschen findet man nicht nur in Indien, sondern zB auch in Deutschland oder anderswo.


Die Leute sind nicht so von der modernen Industriegesellschaft verdorben, aber sie sind auch nicht frei. Sondern mindestens so tief, in ihre traditionellen Strukturen verstrickt. Die sicher ihre schönen Seiten haben, was man an so Festen sieht, aber auch bizarre Ungerechtigkeit beinhalten.
void hat geschrieben:
Freeman reloaded hat geschrieben:
Die Kumbh Mela bzw die Menschen dort mit dem Petersdom bzw dem superreichen Vatikan zu vergleichen ist arg weit hergeholt.


Mir geht es eher um den Teil und das Ganze und wie sie zusammenhängen. Und da ist der Petersdom für mich nur ein Beispiel dafür, wie Schönheit und Pracht auf der einen Seite mit Unterdrückung und Hässlichkeit wo anders zusammenhängen.


Ja doch. Bezogen auf Indien: Pracht und Protzerei der indischen Elite auf der einen Seite und Unterdrückung und Elend auf der anderen Seite. Die Menschen (unterste Kaste!) auf der Kumbh Mela sind die Opfer jener Politik, nicht nur in Indien, sondern eben auch in Rom usw.

void hat geschrieben:
Ich glaube du willst die Fröhtlichkeit auf dem "Kumbh Mela" als einen unbeschwerten, unverdorbenen Menschen sehen, den du unserer Konsumgesellschaft entgegenstellen kannst. Im Rahmen der indischen Gesellschaft ist es aber ja so, dass man im Allgemeinen in den starren System von Klasse, Geschlecht und Herkunft lebt und die fröhlichen Feste den Chrakter eines Ventils haben. Ein Ventil, in dem für kurze Zeit Dampf abgelassen wird, und man sich in einem Zustand der Unbeschwertheit befindet, das aber genau dadurch zur Starrheit beiträgt.


Was also schlägst Du vor, um jene Unterdrückung zu unterbinden? Abschaffung der Kumbh Mela?

Freeman reloaded hat geschrieben:
Ich schätze generell einfache Menschen, die noch nicht so sehr von der westlichen Konsumgesellschaft verdorben sind. Solche Menschen findet man nicht nur in Indien, sondern zB auch in Deutschland oder anderswo.

void hat geschrieben:
Die Leute sind nicht so von der modernen Industriegesellschaft verdorben, aber sie sind auch nicht frei. Sondern mindestens so tief, in ihre traditionellen Strukturen verstrickt. Die sicher ihre schönen Seiten haben, was man an so Festen sieht, aber auch bizarre Ungerechtigkeit beinhalten.


Jedenfalls haben jene Menschen, die auf der Kumbh Mela zu finden sind, NULL politische Macht und sind somit nicht für jene Ungerechtigkeiten verantwortlich.

Übrigens kommt mir zB der korrupte, milliardenschwere Sportwahnsinn in den reichen Industrieländern viel eher als Brot und Spiele vor, als die Kumbh Mela Bild
Freeman reloaded hat geschrieben:
Ja doch. Bezogen auf Indien: Pracht und Protzerei der indischen Elite auf der einen Seite und Unterdrückung und Elend auf der anderen Seite. Die Menschen (unterste Kaste!) auf der Kumbh Mela sind die Opfer jener Politik, nicht nur in Indien, sondern eben auch in Rom usw.


Im Bezug auf den Klimawandel hasr du doch gut veranschaulicht, wie sehr jeder von uns mit Teil des Problemes ist, insofern er Teil der Struktur ist. Hier unterscheidest du aber sehr stark zwischen einer "schuldigen Elite" und einem "unschuldigen Volk".

Der andere Punkt ist, dass in der traditionellen indischen Gesellschaftsstruktur "Spriritualität" nichts harmloses ist, und auch nichts was das Gegenteil von materieller Unterdrückung ist. Im Gegenteil: Das ganze Traditionelle System Kreist um die Begriffe "Reinheit" und "Unreinheit" und auch um spirituell höher und niedriger. Und diese sakrale Herrschaftsordnung schwingt im Kumbh Mela mit.

Das hat auch was unglaublich positives. Denn das bedeutet ja, dass das auch der Punkt ist, wo man anfangen kann die Dinge anders zu sehen. Das da mal alle so ausgelassen zusammenkommen, MUSS ja nicht bedeuten, dass sie dann wieder nachhause gehen und kuschen. Ich finde es toll, dass es beim Kumbh Mela auch Podien gibt, wo politische Fragen angeschnitten werden.

Freeman reloaded hat geschrieben:
Was also schlägst Du vor, um jene Unterdrückung zu unterbinden? Abschaffung der Kumbh Mela?


Nein, da verstehst du mich falsch. Mir ging es nur einfach darum, dass man nicht einfach eine Ausdrucksform einer traditionellen Gesellschaft 1:1 als Gegenmittel zu modernen Problemen sehen kann. Weil man da leicht in einer naive, romantisierende Sichtweise abgleiten kann.

Das bedeutet aber nicht, dass es irgendwie grundsätzlich schlecht wäre und nicht wirklich was Positives beitragen kann.

Freeman reloaded hat geschrieben:
Jedenfalls haben jene Menschen, die auf der Kumbh Mela zu finden sind, NULL politische Macht und sind somit nicht für jene Ungerechtigkeiten verantwortlich.


Aktive Politik fängt dort, an, wo man sich selber als verantwortlich sieht und nicht bloss als ohnmächtiges Opfer. So gab es am Kumb Mela ja grossangelegte Projekte gegen die Pläne der indischen Regierung, den Ganges aufzustauen.

Jeder der wählt, hat politische Macht und da in Indien derzeit die hindu-nationalistische BJP an der Macht ist, die ja immerhin auf traditionelle Hinduwerte beruft (sogar einen Yogaminister gibt), muss man anehmen, dass die Stimme der Yogis auch innerparteilich Gewicht haben könnte. So wie man in der CSU in Bayern hört, was der Bischof auf den kirchentag so von sich gibt.
void hat geschrieben:
Freeman reloaded hat geschrieben:
Ja doch. Bezogen auf Indien: Pracht und Protzerei der indischen Elite auf der einen Seite und Unterdrückung und Elend auf der anderen Seite. Die Menschen (unterste Kaste!) auf der Kumbh Mela sind die Opfer jener Politik, nicht nur in Indien, sondern eben auch in Rom usw.


Im Bezug auf den Klimawandel hasr du doch gut veranschaulicht, wie sehr jeder von uns mit Teil des Problemes ist, insofern er Teil der Struktur ist. Hier unterscheidest du aber sehr stark zwischen einer "schuldigen Elite" und einem "unschuldigen Volk".


Ah, ok, dann sollte ich wohl im Klimathread noch um einiges deutlicher machen, dass die Hauptverantwortung für den Klimawandel bei den Eliten, den Grosskonzernen liegt. Allerdings hatte ich dort zB mit folgendem Link eindeutig darauf hingewiesen:

https://www.smokeandfumes.org/

void hat geschrieben:
Der andere Punkt ist, dass in der traditionellen indischen Gesellschaftsstruktur "Spriritualität" nichts harmloses ist, und auch nichts was das Gegenteil von materieller Unterdrückung ist. Im Gegenteil: Das ganze Traditionelle System Kreist um die Begriffe "Reinheit" und "Unreinheit" und auch um spirituell höher und niedriger. Und diese sakrale Herrschaftsordnung schwingt im Kumbh Mela mit.


Wir drehen uns hier im Kreis. Die Menschen auf der Kumbh Mela gehören zur untersten Kaste. Im Übrigen spielt auch im Buddhismus Reinheit und Heiligkeit eine zentrale Rolle:

http://www.palikanon.com/buddhbib/08weg ... 05.htm#Die sieben Stufen der Reinheit


void hat geschrieben:
Das hat auch was unglaublich positives. Denn das bedeutet ja, dass das auch der Punkt ist, wo man anfangen kann die Dinge anders zu sehen. Das da mal alle so ausgelassen zusammenkommen, MUSS ja nicht bedeuten, dass sie dann wieder nachhause gehen und kuschen. Ich finde es toll, dass es beim Kumbh Mela auch Podien gibt, wo politische Fragen angeschnitten werden.


Exakt. Insofern ist das oben zitierte Lied durchaus ein politisches Lied. Allerdings sind die Möglichkeiten der untersten Kaste gegen die korrupte Elite etwas zu unternehmen extrem gering, in Indien genauso, wie anderswo. Die globale Elite muss sich halt erst komplett den Ast absägen, auf dem sie sitzt. Und da besteht ausgezeichnete Hoffnung, dass das sehr bald geschieht, sie sind auf dem besten Wege dorthin.

void hat geschrieben:
Freeman reloaded hat geschrieben:
Was also schlägst Du vor, um jene Unterdrückung zu unterbinden? Abschaffung der Kumbh Mela?


Nein, da verstehst du mich falsch. Mir ging es nur einfach darum, dass man nicht einfach eine Ausdrucksform einer traditionellen Gesellschaft 1:1 als Gegenmittel zu modernen Problemen sehen kann. Weil man da leicht in einer naive, romantisierende Sichtweise abgleiten kann.

Das bedeutet aber nicht, dass es irgendwie grundsätzlich schlecht wäre und nicht wirklich was Positives beitragen kann.


Whoar, ich hab doch nirgendwo behauptet, dass die völlig machtlosen Menschenauf einer Kumbh Mela in Indien ein Gegenmittel für die korrupte Machtelite ect sind. Wie gesagt, als das beste Gegenmittel werden sich die Eliten selbst erweisen, sobald sie sich den Ast abgesägt haben, auf dem sie sitzen, bald, sehr bald :-)

Freeman reloaded hat geschrieben:
void hat geschrieben:
Jedenfalls haben jene Menschen, die auf der Kumbh Mela zu finden sind, NULL politische Macht und sind somit nicht für jene Ungerechtigkeiten verantwortlich.


Aktive Politik fängt dort, an, wo man sich selber als verantwortlich sieht und nicht bloss als ohnmächtiges Opfer. So gab es am Kumb Mela ja grossangelegte Projekte gegen die Pläne der indischen Regierung, den Ganges aufzustauen.

Jeder der wählt, hat politische Macht und da in Indien derzeit die hindu-nationalistische BJP an der Macht ist, die ja immerhin auf traditionelle Hinduwerte beruft (sogar einen Yogaminister gibt), muss man anehmen, dass die Stimme der Yogis auch innerparteilich Gewicht haben könnte.


Bleib mir weg mit Wahlen. Politik wird nicht durch Wahlen oder Politiker bestimmt, sondern durch Geld, durch die Wirtschaft, Lobbyismus. Sobald die Deutsche Bank, Mercedes, Bayer ect auf dem Wahlzettel steht, geh ich evt auch wieder wählen, denn erst dann fühle ich mich nicht mehr verarscht als Wähler.
Freeman reloaded hat geschrieben:
Die Kumbh Mela ist das grösste Fest des sog. Hinduismus, das grösste spirituelle Fest weltweit. Sadhus, Heilige, Yogis, Wanderasketen, die ganze Vielfalt des spirituellen Reichtums Indiens kommt da zusammen und feiert alle 12 Jahre dieses Fest. Diese Menschen leben in bitterster materieller Armut, aber ihr spiritueller Reichtum ist unvergleichlich, sie sind wahre Könige auf Strohmatten. Im Vergleich dazu ist das Abendland in spiritueller Hinsicht bitterarm- nu ja, immerhin hat das Abendland ja Kohle ohne Ende, noch.

Diese Dokumentation ist in englischer Sprache. Aber das sollte nicht daran hindern, sich ausgiebig von den aussergewöhnlichen Bildern inspirieren zu lassen:

" Kings with Straw Mats - Yogis and Sadhus of the Kumbh Mela Festival"



https://de.wikipedia.org/wiki/Kumbh_Mela

Vielen Dank für's Teilen. Manchmal staunt man allerdings, was manche sich freiwillig antun. Aber wer weiß was solche über unsereins denken, was wir uns freiwillig antun (Fleisch essen, Alkohol & Kaffee trinken z.B. - nach dem indischen Ajurveda ist das alles andere als förderlich für die Gesundheit).
Hehe, ist schon krass, was da in der Doku so manch einer mit seinem Gemächt und/oder Zibbedäus anstellt :mrgreen: Mein Fall wäre sowas nicht unbedingt, da trinke ich lieber hin und wieder eine Tasse Kaffe oder ein Gläschen Roten. Buddha hatte ja auch erkannt, dass derlei asketische Übungen, wie in der Doku zu sehen, eher nicht zum Erwachen bzw zur Befreiung vom Leiden führen. Dennoch finde es höchst bemerkenswert, mit wie wenig überflüssigem materiellen Humbug diese Menschen da auskommen.
Ja, man ist schon Komfort-abhängig geworden. Nachdem die Jungs nicht mehr ganz so klein waren, haben wir uns gefragt ob wir denn überhaupt noch fähig sind, in einem einfachen Zelt zu übernachten. Und als jemand von der Hortgruppe ein gemeinsames Zelt- und Kanu-Wochenende vorschlug, waren wir sofort dabei. Gemeinsam kochen und Lagerfeuer mit Stockbrot, hat allen Spaß gemacht. Rückenschmerzen hatten wir nicht und das Baden im Fluss hat sogar die Dusche überflüssig gemacht. Aber nur so leben - wer kann das heutzutage noch?
Die meisten Menschen auf diesem Planetem leben mehr oder weniger immer noch so. Dennoch, ein wenig Komfort ist ja ok, die Frage ist halt, wie weit der Konsum insgesamt gehen muss. Es ist im Wesentlichen eine Frage der gerechten Verteilung, denke ich. Diesbezüglich muss global noch sehr viel getan werden, nicht zuletzt auch zB wegen des Klimawandels, der fatalerweise in sehr hohem Masse durch extrem ungleiche Verteilung materieller Güter mitbestimmt wird.
Was die immer kiffenden Sadhus angeht, glaube ich, dass die traditionelle indische Kultur für sehr unterschiedliche Menschen religiöse Möglichkeiten bietet.

Zufällig verbrachte ich meinen Urlaub im Februar 2013 in Indien und besuchte die große Kumbh Mela in Allahabad. Man darf sich nicht vorstellen, dass dort nur Yogis und Sadhus wären, sondern es sind Millionen Menschen, die endlos umhertreiben. Massen armer Menschen, oft ohne Schuhe, staubiger Boden, milchiges Licht, niemand spricht Englisch.

Eigentlich fühlte ich mich dort sehr verloren und wartete keinen großen Badetag ab, sondern zog bald weiter. Um den praktizierten Hinduismus zu erleben, gibt es aus meiner Sicht interessantere Möglichkeiten, beispielsweise die Tempeln im Süden oder Varanasi oder die farbenprächtige Kultur Rajasthans...
Ganz sicher ist Indien ein faszinierendes Land. Und Du hast Recht, es gibt dort gewaltige Armut und Elend, viele Menschen siechen dahin und sterben buchstäblich in den Strassen. Ich kenne auch ein paar Leute, die mit Sadhus längere Zeit zusammen gelebt haben. Einige von diesen Leuten sind ganz schön abgedreht, haben sich nie wieder vom Kulturschock erholt. In Indien sind die Psychiatrien gefüllt mit Leuten, die in irgendeinen religiösen Wahn verfallen sind. Es ist halt ein unendlich vielfältiges Land, man fühlt sich teilweise um viele Jahrtausende zurückversetzt, ich denke zB an Babylon oder an andere antike Städte, das muss dort ganz ähnlich zugegangen sein.
Karnataka hat geschrieben:
Um den praktizierten Hinduismus zu erleben, gibt es aus meiner Sicht interessantere Möglichkeiten, beispielsweise die Tempeln im Süden oder Varanasi oder die farbenprächtige Kultur Rajasthans...


Und erst diese tollen Schlachtfeste mit den Tieropfern. Hach ja... *verträumt.guck* ... Ganz herrlich. :hug:
Mirco hat geschrieben:
Karnataka hat geschrieben:
Um den praktizierten Hinduismus zu erleben, gibt es aus meiner Sicht interessantere Möglichkeiten, beispielsweise die Tempeln im Süden oder Varanasi oder die farbenprächtige Kultur Rajasthans...


Und erst diese tollen Schlachtfeste mit den Tieropfern. Hach ja... *verträumt.guck* ... Ganz herrlich. :hug:


:)
Mirco hat geschrieben:
Karnataka hat geschrieben:
Um den praktizierten Hinduismus zu erleben, gibt es aus meiner Sicht interessantere Möglichkeiten, beispielsweise die Tempeln im Süden oder Varanasi oder die farbenprächtige Kultur Rajasthans...


Und erst diese tollen Schlachtfeste mit den Tieropfern. Hach ja... *verträumt.guck* ... Ganz herrlich. :hug:


Übrigens, lieber Mirko, auf der Kumbh Mela, um die es hier in diesem Thread geht, gibt es keine Tieropfer. Und was den sog. "Hinduismus" betrifft:

" Im Buddhismus werden Tieropfer generell abgelehnt und sind durch symbolische Handlungen ersetzt. Ebenso im Hinduismus, der jedoch Ausnahmen kennt wie etwa Ziegenopfer im Kalitempel in Kolkata sowie in Nepal Büffelopfer zum Fest der Göttin Durga."

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Tieropfer
Freeman reloaded hat geschrieben:
Übrigens, lieber Mirko, auf der Kumbh Mela, um die es hier in diesem Thread geht, gibt es keine Tieropfer. Und was den sog. "Hinduismus" betrifft: "Im Buddhismus werden Tieropfer generell abgelehnt und sind durch symbolische Handlungen ersetzt. Ebenso im Hinduismus, der jedoch Ausnahmen kennt wie etwa Ziegenopfer im Kalitempel in Kolkata sowie in Nepal Büffelopfer zum Fest der Göttin Durga." https://de.m.wikipedia.org/wiki/Tieropfer

Das Erste habe ich nicht behauptet und mit dem Zweiten bestätigst du meine Aussage. Sagen möchte ich, dass Hinduismus (dessen größtes Fest Kumbh Mela ist), mit Kastenwesen und Tieropfern einfach nen Haufen ... ach, die Bewertung überlasse ich doch lieber anderen.
Jiddu krishnamurti hat geschrieben:
Es gibt echte Probleme auf der Welt, aber wie ich sehe geht es hier im Forum um schnick schnack :wink:

Na, dann los. Löse das erste echte Problem und berichte uns davon.
Enel hat geschrieben:
Nichts wird sich in der Welt ändern,
ändert sich nicht der Mensch!
Jiddu krishnamurti

Na gut. Dann berichte uns davon, wie du dich ändertest.

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