Reis

Moderator: void

In der Studie Large-Scale Psychological Differences Within China Explained by Rice Versus Wheat Agriculture (http://immuno4ever.org/PDF%20files/Science-2014-Talhelm-603-8.pdf) untersuchte Thomas Talhelm Unterschiede zwischen Reis- und Weizenanbauregionen in China und stellte die Hypothese auf, dass der wesentlich mehr von arbeitsintensiver Bewässerung abhängige Reis ein holitisches Denken fördert, die den Gemeinschaftssinn höher bewertet während der Weizenanbau eher mit einem individualistischeren Denken verbunden ist.

    Cross-cultural psychologists have mostly contrasted East Asia with the West. However,
    this study shows that there are major psychological differences within China. We
    propose that a history of farming rice makes cultures more interdependent, whereas
    farming wheat makes cultures more independent, and these agricultural legacies
    continue to affect people in the modern world. We tested 1162 Han Chinese participants
    in six sites and found that rice-growing southern China is more interdependent and
    holistic-thinking than the wheat-growing north. To control for confounds like climate,
    we tested people from neighboring counties along the rice-wheat border and found
    differences that were just as large. We also find that modernization and pathogen
    prevalence theories do not fit the data.

Da sich gezeigt hat, dass die Scheidungsrate ein Indikator für den Individualismus eines Landes ist, wird in unterem Diagramm Scheidungsrate, holitisches Denken und Reisanbaufläche verglichen.

Auch der Buddhismus denkt ja sehr "interdependent" obowohl es ja auch buddhitische gepägte Länder wie Tibet oder die Mongolei gibt, wo kein Reis wächst.

Dateianhänge

Kann man da in echt Gemeinschaftssinn sagen ? Denn geschieden wird sich ja, zumindest von Seiten der Frau, wo der "Gemeinschaftssinn" fehlt. :? Dem letzten Satz kann ich ebenfalls keinen Glauben schenken.
Morpho hat geschrieben:
Kann man da in echt Gemeinschaftssinn sagen ? Denn geschieden wird sich ja, zumindest von Seiten der Frau, wo der "Gemeinschaftssinn" fehlt. :?


"Gemeinschaftssinn" klingt wohl zu positiv. Im Endeffekt wird der Frau gesagt: "Denke an deine Eltern, deinen Mann deine Kinder und denk nicht an deine eignen Bedürfnisse".

Die Frau würde wohl eher von Unterdrückung durch die Gemeinschaft sprechen als von Gemeinschaftssinn.
In der Regel wird der Frau nicht gesagt, dass sie an was denken soll. Das unterstellt ja, sie hätte eine Wahl.
Es werden Sanktionen aufgeführt. Es wird gedroht.
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
In der Regel wird der Frau nicht gesagt, dass sie an was denken soll. Das unterstellt ja, sie hätte eine Wahl.
Es werden Sanktionen aufgeführt. Es wird gedroht.
:like:
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
In der Regel wird der Frau nicht gesagt, dass sie an was denken soll. Das unterstellt ja, sie hätte eine Wahl.Es werden Sanktionen aufgeführt. Es wird gedroht.


Also redest du jetzt von Ehehöllen im moderneren Europa? Oder über den Reisanbau in vergangenen Jahrhunderten in asiatischen Ländern, die nach dem Artikel so einer "Reismentalität" zu Grunde liegen?

Wenn ich es richtig verstanden habe, erorderte der Reis eben einen so extrem starken Zusammenhalt, das dem die individuellen Interessen geopfert werden. Weil ein Reisfeld eben nicht von einer Familie allein abgeernten werden kann, muss zur Erntezeit das halbe Dorf antanzen. Weswegen alles was Disharmonie und Streit hineinbringt tunlichst zu unterlassen ist. Und da ist ja schon die typische Romeo-und-Julia Geschichte, wie man sie in jedem barischen Bauernschwank findet, eine Bedrohung des Lebens aller. Weil das was man tut, alle so stark beinflusst, muss sich das Individuum sehr stark fügen.

Gerade in Japan war ja Gewalt in der Familie vepönt. Wenn man seiner Frau drohen oder sie anschreien muss, dann bedeutet ja schon, dass da die Harmonie verloren war. Wenn die ganze Erziehug darauf aufbaut, dass man sich fügen muss, dann reicht ja wirklich Scham- und Schuldgefühle um einen auf Linie zu halten. Und dann ist es natürlich so, dass man dort nicht drohen und Sanktionen verhängen muss, wo entsprechende Sachzwänge Druck ausüben.

Wenn du da dann entweder in deinem Dorf beleibst und das tust, was die Familie und die Dorgemeinschaft von dir verlangt, oder eben davonläuft und dich in der Stadt als hungernde Bettlerin oder Prostitierte durchschlagen musst, dann sind Drohungen oder Sanktionen nicht in der Form möglich, wie wenn es wirklich Alternativen gibt.

Die Menschen sind nicht wie Weizenhalme, wo einer gedeiht und der andere nicht, sondern wie Reisbüsschel stehen sie alle im selben Wasser, das alle zusammen rein halten müssen.
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
In der Regel wird der Frau nicht gesagt, dass sie an was denken soll. Das unterstellt ja, sie hätte eine Wahl.
Es werden Sanktionen aufgeführt. Es wird gedroht.


in unserem Haushalt is das nich so....aber wir sind auch keine Reis- oder Weizenanbauer.....
bei uns gibts auch keine Hölle und kein antanzen.. :moon: :heart: :rose:
@ Void:

Worauf willst du denn nun eigentlich hinaus ?
Morpho hat geschrieben:
@ Void:

Worauf willst du denn nun eigentlich hinaus ?


So richtig raus will ich auf nichts.

Ich finde es sehr interessant, dass die Reisanbaufläche damit korreliert ist, wie holitisch das Denken ist und auch damit wie indivudalistisch eine Gesellschaft ist. So das der Reis eine bestimmte Art von kollektivitisch/holistische "Reiskultur" hervorbringt.

Dabei stellt sich dann natürlich die Frage, inweiweit die asiatischen Religionen wie z.B der Buddhismus mit dieser "Reiskultur" zusammenhängen.

Außerdem finde ich es interessant, dass der Individualismus einer Gesellschaft sich an der Scheidungsrate messen lässt. Was einen ja auch zum Denken bringt: Denn normalerweise hat man ja so ein Denken darauf, dass man unsere Gesellschaft zu individualistisch und zu entfremdet findet und sich mehr nach einem Leben aus der Gemeinschaft heraus sehnt. Aber wenn man dann an das Scheidungsbeispiel anschaut, dann bedeutet das ganz konkret Unfreheit und Unterdrückung. Man tut nicht was man selber will, sondern was das Umfeld vorgibt.

Ich wünschte mir Autisten, die sich an Diagrammen und statistischen Zusammenhängen berauschen können.
void hat geschrieben:
Ich wünschte mir Autisten, die sich an Diagrammen und statistischen Zusammenhängen berauschen können.

Frag doch ma Keks. Ich bin eher so der Listenjunkey und grade mit einer "Metaliste" für mehrere Listen beschäftigt. Natürlich berauscht. Auch wenn ich kurz in Statistikversuchung kam bei dem Thread.
Ich könnte mir eher vorstellen, dass die Scheidungsrate mit steigenden Wohlstand der Gesellschaft und höherem Bildungslevel der Frauen steigt. Scheiden lassen können sie sich doch nur wenn sie sich durch eigene Arbeit selbst ernähren können. Also, im reicheren Norden haben die Frauen mehr Geld und lassen sich eher scheiden? Aber vielleicht liegt es auch am Reis :wink:
happygolucky hat geschrieben:
Ich könnte mir eher vorstellen, dass die Scheidungsrate mit steigenden Wohlstand der Gesellschaft und höherem Bildungslevel der Frauen steigt. Scheiden lassen können sie sich doch nur wenn sie sich durch eigene Arbeit selbst ernähren können. Also, im reicheren Norden haben die Frauen mehr Geld und lassen sich eher scheiden? Aber vielleicht liegt es auch am Reis :wink:


Also die Scheidungsrate wird ja deswegen verwendet, weil es anscheinend ein guter Indikator ist, wie individualistisch eine Gesellschaft ist.

Die von dir genannte Idee, wird ja in dem Artikel als "Modernisierungshypothese" bezeichnet. Je moderner und reicher ein Land ist - so die Idee - desto individualistischer wird es. Und dies ist wohl auch bewiesen, es erklärt aber nicht alles. Ginge man nach der "Modernisierungshypothese" müssten moderne und reiche Länder wie Japan oder Korea genauso individualistisch seien, wie gleich moderne westliche Länder. Was aber nicht der Fall ist. Und da kommmt (als Ergänzung) der Reis ins Spiel.

    The modernization hypothesis argues that,as societies become wealthier, more educated,and capitalistic, they become more individualistic and analytical. World Values Surveys (7) and studies on indigenous Mayans’ transition to a market economy (5) have given some support to the modernization hypothesis. But this theory has difficulty explaining why Japan, Korea, and Hong Kong are persistently collectivistic despite per-capita gross domestic products (GDPs) higher than that of the European Union.
Vielleicht ist das ja so. Über den Unterschied zwischen Nord- und Südchina kann ich auch nicht viel sagen. Auch nicht, inwieweit der Weizenanbau unabhängiger vonstatten geht als der Reisanbau.
void hat geschrieben:
The modernization hypothesis argues that,as societies become wealthier, more educated,and capitalistic, they become more individualistic and analytical. World Values Surveys (7) and studies on indigenous Mayans’ transition to a market economy (5) have given some support to the modernization hypothesis. But this theory has difficulty explaining why Japan, Korea, and Hong Kong are persistently collectivistic despite per-capita gross domestic products (GDPs) higher than that of the European Union.

Japan, Korea und Hong Kong haben ganz andere religiöse und kulturelle Werte und Wurzeln als der Westen. Im Westen wurde die Individualisierung durch das aufkommende Christentum gefördert. Wo vorher die Griechen und Römer ihre Familien- und Hausgötter hatten, deren Unterstützung man verlor wenn man den Ort wechselte oder den Familienverband verliess, hat der eine Gott, dem man als Individuum Rechenschaft schuldete die Familienverbände im Laufe der Jahrhunderte atomisiert. Bis hin zur Aufklärung. Das ist eben in Asien nicht gegeben. So hab ich das bisher verstanden und lasse mich gerne eines besseren belehren. :)
happygolucky hat geschrieben:
Wo vorher die Griechen und Römer ihre Familien- und Hausgötter hatten, deren Unterstützung man verlor wenn man den Ort wechselte oder den Familienverband verliess, hat der eine Gott, dem man als Individuum Rechenschaft schuldete die Familienverbände im Laufe der Jahrhunderte atomisiert.


Es passiert leicht, dass man das Spätere auf das Frühere projiziert. Bei "Asterix bei den Goten" trainieren die Vorfahren der Deutschen mit Pickelhauben stramm für den Angriff auf Frankreich, während bei "Asterix in Spanien" Stierkämpfe und Windmühlen wichtig sind. Die Denkweise ist wohl, dass das das halt so das Wesen der Spanier und Goten war, das sich auch schon damals abzeichnete.

Und genauso neigt man dazu, von der europäischen Aufklärung auf die Vergangenheit zu schauen und dort Indvidualisten im Larvenzustand zu erblicken.

Aber ich glaube, dass das zu groben Schnitzern führt, weil man ja für alles irgendwelche Wurzeln und Vorformen findet -von daher bin ich da total skeptisch.

Ich sehe es so, dass die gesellschaftlichen Veränderungen das Grundlegende sind. Für mich war es so, dass da römische Reich eben ganz viele Leute aus den Familieverbänden gerissen und entwurzelt hat, so dass die sich eben im Christentum die zugehörige Religion gesucht haben. Während dann als der Feudalismus sich entabliert hat, man sich auch ein anderes Christentum suchte. Eben eines das nicht atomisierte Individuen ansprach sondern wo von Schöpfungsordnung, Gottesgnadentum und Gemeinde die Rede war. Und ich schätzte, Je nachem, welche Nische gerade aufklafft, zieht irgendwer ein reaktionäres, befreiungstheologisches, kapitalistisches oder Öko-Christentum aus der Tasche.

happygolucky hat geschrieben:
Bis hin zur Aufklärung. Das ist eben in Asien nicht gegeben. So hab ich das bisher verstanden und lasse mich gerne eines besseren belehren. :)


Für Aufklärer wie Voltaire war China ein grosses Vorbild, sowohl darin, dass es säkular war, dass nicht Herkunft sondern Fähigkeit entscheidet, dass dem Schulsystem so viel Bedeutung zugemessen wurde und die Verwaltung so gut funktionierte. Während gerade das Christentum Teil der mitelalterlichen zustände ist, die man überwinden will. Aufklärung bedeutete für Voltaire teilweise "chinesische Verhältnisse":

    The Jesuit monks described a China with an emperor, who inherited his title like Europe’s kings, while mandarins were employed as tax collectors. The mandarins (bureaucrats, counsellors or ministers) did not inherit their position, but were trained to it, with strict examinations.

    They were sent to China’s various regions to collect taxes – and also to fight poverty and ensure the people had enough food. In Europe, fighting poverty was not a task for the nobility or king, but mainly for priests, nuns and the church.
    ...
    Francois-Marie Arouet (1694-1778), better known as Voltaire, was one of the Enlightenment philosophers inspired by the differences between China and Europe.

    “China became an example of how Europe could manage without nobility,” says Jacobsen. “Thinkers like Voltaire pointed out that the best educated should be the civil servants – he no longer regarded kinship as important.”

    The idea that the realm should be run by the best educated people also gained a foothold in European royal houses – for instance at the court of Joseph II (1741-1790), who ruled the Habsburg lands, which comprised Austria, Slovenia and parts of Germany and Italy.

    Joseph II was taught philosophy by a Jesuit monk, and learned about the Chinese education system. He also listened to the criticism of kinship in the positions related to running the country. He concluded that civil servants should be selected because of their education. But Joseph II was a king who had inherited his title. How should he extricate himself from the dilemma?

    “For Joseph, China showed it was possible to have an absolute monarch without nobility,” says the researcher. China also showed it was possible to have a king and run the realm more effectively.

    So while Enlightenment philosophers like Voltaire used China as inspiration in promoting education for the people who would run the country, the monarchs saw how they could retain their power while having educated civil servants.
( http://sciencenordic.com/china-has-insp ... ightenment )
void hat geschrieben:
Für Aufklärer wie Voltaire war China ein grosses Vorbild ...

Wobei man nicht vergessen sollte, dass Voltaires Chinabild, wie eigentlich das europäische überhaupt, ziemlich krumm war.
Ey, Void, nicht andauernd englisch Posten! :evil:
pamokkha hat geschrieben:
Wobei man nicht vergessen sollte, dass Voltaires Chinabild, wie eigentlich das europäische überhaupt, ziemlich krumm war.

Da stimme ich zu und es zeigt mir auch, dass void da vollkommen recht hat. Man muss alle diese Ideen, wissenschaftlichen Theorien, Untersuchungen und Abhandlungen immer auch vor dem Hintergrund ihres eigenen Entstehens betrachten. Erst dann wird die Sache rund.

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