Rationalität, Erkenntnis und Emotionalität

Moderator: void

Da ist etwas, was mich echt erstaunt. Im Thread "Rationalität und Empfindung" gibt sich z.B. der Buddhist Sunu quasi als "Hohepriester der Emotionalität." Er führt da einen aussichtslosen Kampf gegen die Rationalität, welche von der Unwahrheit sprachlicher Ausdrücke ausgeht. Fast könnte man meinen, er will der Rationalität der Unwahrheit seine emotionale Wahrheit entgegensetzen.
Mein Eindruck ist aber, dass das nicht nur so ein "Sunu-Ding" ist, sondern dass Emotionalität im Buddhismus ganz allgemein kultiviert wird. Überall ist von Liebe und Mitgefühl die Rede und die Buddhisten beschäftigen sich auch ausführlichst mit anderen emotionalen Erscheinungen wie Hass, Freude etc.

Das merkwürdige daran ist, dass doch der Buddhismus auf der einen Seite vor der Idenitifikation mit Emotionen als "das macht mich aus" und "das ist mein" warnt, aber auf der anderen Seite Anleitungen gibt, solche Emotionen zu kultivieren - also nicht die negativen wie Hass, sondern nur die Wohlfühlemotionen - und diese bekräftigende Ermunterung ja grade dazu führt, dass sich Buddhisten mit ihren Emotionen identifizieren und sich unentwegt damit beschäftigen.

Der Philosoph Tsongkhapa sieht das so, dass ich als konventionelle oder relative oder verschleiernde (Un-)Wahrheit abhängig entstehe aus [‘Körper und Geist’] Phänomenen also gar nicht wahr bin, sondern nur eine sprachlich korrekte Bezeichnung. Die Bezeichnung von mir als konventionelle sprachliche (Un-)Wahrheit ist in diesem Falle angezeigt, weil alle deutschsprachigen Individuen von sich als "ich", "mir" und von "mein" reden. Indem ich aber meine [‘Körper und Geist’] Phänomene, aus denen ich als bloße Konventionalität abhängig enstehe, für wahr halte, identifiziere ich mich notwendigerweise mit ihnen, und dieses für-wahr-Halten schlägt dann auf mich als bloße Konventionalität durch und ich stilisiere mich dann selbst zu einer Wahrheit hoch, halte mich also für wahr und nehme mich irrtümlich als inhärent existent wahr.

Ich sehe es so, dass gerade weil diese Zusammenhänge Teil der Prasangika Philosophie sind, die Rationalität der zeitgemäßen von Buddhismus befreiten Prasangika Philosophie eine emotionslose Rationalität sein kann, die unabhängig von Trieben ist und frei von selbstbezogenen Eigeninteressen, und die eben, nur weil sie emotionslos, unabhängig von Trieben und frei von selbstbezogenen Eigeninteressen ist, zu valider, weil wirksamer Erkenntnis** von der Unwahrheit aller Objekte (d.h. der Abwesenheit von inhärenter Existenz in allen Objekten) führen kann - eine valide Erkenntnis, die z.B. mit einem Buddhismus, der Wahrheiten zu verkünden vorgibt und gleichzeitig Emotionalität bewirbt, niemals erzielt werden kann. Zu was immer Buddhismus auch führen mag, wenn er denn überhaupt zu was führt, die Erkenntnis der Abwesenheit von Wahrheit in den Objekten kann es nicht sein.



**PS: diese Erkenntnis ist auf gar keinen Fall mit der Erkenntnis einer Wahrheit zu verwechseln, denn es handelt sich nur um einen sprachlichen Ausdruck, dem selbst keinerlei Wahrhheit innewohnt, auf den allenfalls Wahrheit projiziert wird, wenn nicht die emotionslose, von Trieben unabhängige und von selbstbezogenen Eigeninteressen freie Rationalität der zeitgemäßen von Buddhismus befreiten Prasangika Philosophie ausgeübt wird
Seite Anleitungen gibt, solche Emotionen


das sind keine emotionen.
sondern ( auch ) empfindungen.
auch wird nicht emotion "kultiviert", sondern intution,
wenn du mich fragst, aber ich bin nicht gut
im haargenauen wort-werk.

so, noch mal von vorn allet. :wink:

"rationalität, erkenntnis, einfühlsamkeit und intuition-
wie kommet ? irrational ?!" Teil 1
Aus dem im OP Gesagten folgt, dass das Erkennen der Unwahrheit (= Leerheit von inhärenter Existenz) von sich selbst die Voraussetzung dafür ist, Rationalität überhaupt praktizieren zu können, denn ohne dieses Erkennen fehlen Emotionslogigkeit und die Unabhängigkeit von Trieben und auch das Fehlen von Eigeninteressen ist nicht gegeben.
Diese Reihenfolge, zunächst die Unwahrheit von sich selbst, dann die Unwahrheit des Anderen zu erkennen, schlägt auch Tsongkhapa vor, jedoch findet der keine überzeugenden Gründe, sondern behauptet ohne Angabe von Gründen, dass es einfacher wäre und beruft sich lediglich als Buddhist auf buddhistische Quellen.

Das Erkennen der Unwahrheit von sich selbst ermöglicht aber nicht nur erst Rationalität, sondern die dafür notwendige Identifikation des Objektes der Verneinung (inhärente Existenz) ist damit gelungen und weil dieses Objekt der Verneinung auch bei allen Objekten der Sphäre des Anderen das gleiche ist, ist auch diese Voraussetzung etabliert.

Auch ist durch diese Reihenfolge (1. Unwahrheit von sich selbst und dann erst 2. Unwahrheit des Anderen) die psychologische Gefahr quasi-solipsistischer Nebenwirkungen bei einem Beginn mit Pkt 2 gebannt.
Warum werden dem im Rationalismus Emotionen kritisch gesehen? Das kommt wohl daher, weil man bei einem wissenschatlichen Unterfangen, "objektive Erkentnisse" über die Welt sammeln will. Im Sinne dieser Aufgabenstellung sind Emotionen deswegen ein Problem, weil das Subjektive ja das "nicht verallgemeinerbar", rein persönliche darstellt. Das was weggeschält werden muss um zum Objektiven zu kommen.

Wenn es im Buddhismus darum geht, mit dem jetzigen Zustand glücklich zu sein, dann ist klar dass vor allem Gemützustände wie Abneigung ( Eas soll weg sein) und und Zuneigung (Das bauche ich noch) ein Problem darstellen. Wohin gegen Heitere Gelassenkeit, Freundlichkeit und Wohlwollen im Sinne der Aufgabenstellung kein Problem darstellen.

Konfusion ensteht, wenn man diese Aufgabenstellung miteinander durcheinander bringt. Und annimmt, das was im Sinne der einen Aufgabenstellung ein Problem darstellt, würde es notwenigerweise auch im Sinne der anderen.

Stero hat geschrieben:
Mein Eindruck ist aber, dass das nicht nur so ein "Sunu-Ding" ist, sondern dass Emotionalität im Buddhismus ganz allgemein kultiviert wird. Überall ist von Liebe und Mitgefühl die Rede und die Buddhisten beschäftigen sich auch ausführlichst mit anderen emotionalen Erscheinungen wie Hass, Freude etc.


Die Frage nach dem" Leiden" und seiner Überwindung ist die primäre Aufgabenstellung die Buddha sich gestellt hat. Er ist also eine so Art "Leidologie" die sich damit beschäftift, wie und unter welchen Umständen innerhlab des eignen Geistes (also subjektiv) Leid ensteht.

[quote="Stero"]Der Philosoph Tsongkhapa sieht das so, dass ich als konventionelle oder relative oder verschleiernde (Un-)Wahrheit abhängig entstehe aus [‘Körper und Geist’] Phänomenen also gar nicht wahr bin, sondern nur eine sprachlich korrekte Bezeichnung. Die Bezeichnung von mir als konventionelle sprachliche (Un-)Wahrheit ist in diesem Falle angezeigt, weil alle deutschsprachigen Individuen von sich als "ich", "mir" und von "mein" reden. Indem ich aber meine [‘Körper und Geist’] Phänomene, aus denen ich als bloße Konventionalität abhängig enstehe, für wahr halte, identifiziere ich mich notwendigerweise mit ihnen, und dieses für-wahr-Halten schlägt dann auf mich als bloße Konventionalität durch und ich stilisiere mich dann selbst zu einer Wahrheit hoch, halte mich also für wahr und nehme mich irrtümlich als inhärent existent wahr.[/quote

Das Identifizieren ist kein blosses Für-Wahr-halten, sondern ein mächtiger Prozess des Festhaltens, der sprachliche Anteile zwar einschliesst, aber sich nicht in ihnen erschöpft. Weswegen die Sabotage dieses Prozesses sich ebenfalls nicht auf die sprachliche Ebene beschränken kann, sondern eben eine körperliche Ebene miteinschliesst. Die dich ja nicht interessiert, weil du am "Philosoph Tsongkhapa" ( der Spitze des Eisbergs) interessiert bist.

Viellicht kann man das - um nicht in so eine Dikussion über Metaphysik zu kommen - mit anderen Formen des Festhaltens in Beziehung bringen. Sagen wir mal mit jemandem, der aufhören will zu rauchen. Auch dort gibt es vlleicht eine rationale, sprachliche Ebene wo er sich die nachteile des Rauchens vergegenwaärtigt und zu dem Schluss kommt, dass das schädlich ist und er es aufgeben will. Das Aufgeben selber, kann jedoch dann eben ein ganz körperliches Ringen mit Entzugserscheinungen, Verlaltensmusters und dem inneren Schweinehund sein. Das der Entschluss selbst gleich zum Ziel führt, wird selten sein. Es ist evrständlich, dass du dich als Philosoph auf die rationalen, argumentativen Aspekte beschränkst. Aber totzdem kann man ja anerkennen, dass es z.B der "Nikotinentzug" sich hautsächlich auf einer nicht-verstandesmässigen Ebene abspielt. Mir kommt es so vor, als siehst du jeden Hinweis auf Ebenen jenseits, des Vesrtandes als Irrationalismus.

Während ich es als druchaus vernünftig sehe, anzuerknnen, dass die Ratio einen beschränkten Teil unsereres Wesens ausmacht und sich auch mächtige Prozesse auf einer nicht-bewussten Ebene abspielen. Im Gegenteil erscheint mir, der Versuch hinter Freud zurückzugehen, als Ausdruck einer alltertümlichen Art zu Denken.
void hat geschrieben:
Warum werden dem im Rationalismus Emotionen kritisch gesehen? Das kommt wohl daher, weil man bei einem wissenschatlichen Unterfangen, "objektive Erkentnisse" über die Welt sammeln will. Im Sinne dieser Aufgabenstellung sind Emotionen deswegen ein Problem, weil das Subjektive ja das "nicht verallgemeinerbar", rein persönliche darstellt. Das was weggeschält werden muss um zum Objektiven zu kommen.

Das mag im Falle der auf dem System Wissenschaft begründeten Rationalität so sprachlich ausgedrückt werden, hinsichtlich der Rationalität, die ich vertrete, ist es einfach so, dass die Anwesenheit dieser Rationalität die Abwesenheit von Emotionen verursacht. Deswegen ist die Anwesenheit von Emotionen ein Merkmal der Abwesenheit von Rationalität.

void hat geschrieben:
Wenn es im Buddhismus darum geht, mit dem jetzigen Zustand glücklich zu sein, dann ist klar dass vor allem Gemützustände wie Abneigung ( Eas soll weg sein) und und Zuneigung (Das bauche ich noch) ein Problem darstellen. Wohin gegen Heitere Gelassenkeit, Freundlichkeit und Wohlwollen im Sinne der Aufgabenstellung kein Problem darstellen.

Die Frage Glücklichsein vs Nichglücklichsein stellt sich nicht im Kontext der Rationalität der zeitgemäßen Prasangika Philosophie.

void hat geschrieben:
Konfusion ensteht, wenn man diese Aufgabenstellung miteinander durcheinander bringt. Und annimmt, das was im Sinne der einen Aufgabenstellung ein Problem darstellt, würde es notwenigerweise auch im Sinne der anderen.

Stero hat geschrieben:
Mein Eindruck ist aber, dass das nicht nur so ein "Sunu-Ding" ist, sondern dass Emotionalität im Buddhismus ganz allgemein kultiviert wird. Überall ist von Liebe und Mitgefühl die Rede und die Buddhisten beschäftigen sich auch ausführlichst mit anderen emotionalen Erscheinungen wie Hass, Freude etc.


Die Frage nach dem" Leiden" und seiner Überwindung ist die primäre Aufgabenstellung die Buddha sich gestellt hat. Er ist also eine so Art "Leidologie" die sich damit beschäftift, wie und unter welchen Umständen innerhlab des eignen Geistes (also subjektiv) Leid ensteht.

Das mag im Kontext von Buddhismus sprachlich so ausgedrückt werden, Im kontext der Rationalität der zeitgemäßen Prasangika Philosophie kann Irrationalität nicht mit Irrationalität aufgehoben werden, sondern nur durch den Willen zur Rationalität.

void hat geschrieben:
Stero hat geschrieben:
Der Philosoph Tsongkhapa sieht das so, dass ich als konventionelle oder relative oder verschleiernde (Un-)Wahrheit abhängig entstehe aus [‘Körper und Geist’] Phänomenen also gar nicht wahr bin, sondern nur eine sprachlich korrekte Bezeichnung. Die Bezeichnung von mir als konventionelle sprachliche (Un-)Wahrheit ist in diesem Falle angezeigt, weil alle deutschsprachigen Individuen von sich als "ich", "mir" und von "mein" reden. Indem ich aber meine [‘Körper und Geist’] Phänomene, aus denen ich als bloße Konventionalität abhängig enstehe, für wahr halte, identifiziere ich mich notwendigerweise mit ihnen, und dieses für-wahr-Halten schlägt dann auf mich als bloße Konventionalität durch und ich stilisiere mich dann selbst zu einer Wahrheit hoch, halte mich also für wahr und nehme mich irrtümlich als inhärent existent wahr.


Das Identifizieren ist kein blosses Für-Wahr-halten, sondern ein mächtiger Prozess des Festhaltens, der sprachliche Anteile zwar einschliesst, aber sich nicht in ihnen erschöpft. Weswegen die Sabotage dieses Prozesses sich ebenfalls nicht auf die sprachliche Ebene beschränken kann, sondern eben eine körperliche Ebene miteinschliesst. Die dich ja nicht interessiert, weil du am "Philosoph Tsongkhapa" ( der Spitze des Eisbergs) interessiert bist.

Hier unterliegst du einem Missverständnis. Es geht nicht um eine "Sabotage" eines Prozesses, sondern um das Erkennen des Prozesses der bloßen Zuschreibung bzw. Projektion inhärenter Existenz. Dadurch dass dies erkannt wird, wird erkannt, dass das Zugeschriebene bzw. Projizierten nicht dem Objekt innewohnen kann und wird also verneint. Wenn die [‘Körper und Geist’] Phänomene als Objekte für-wahr gehalten werden, erst dann sind sie Basis für die sekundäre Zuschreibung "mein", welche als Objekt ebenso für-wahr-gehalten wird und weil dieser Prozess von Zuschreibungen nach der Geburt ab dem Erwerb der Begriffsbildungsfähigkeit (Verstand) eingeübt wurde, läuft er so konditioniert ab, wenn nicht Rationalität die Oberhand gewinnt.

void hat geschrieben:
Viellicht kann man das - um nicht in so eine Dikussion über Metaphysik zu kommen - mit anderen Formen des Festhaltens in Beziehung bringen. Sagen wir mal mit jemandem, der aufhören will zu rauchen. Auch dort gibt es vlleicht eine rationale, sprachliche Ebene wo er sich die nachteile des Rauchens vergegenwaärtigt und zu dem Schluss kommt, dass das schädlich ist und er es aufgeben will. Das Aufgeben selber, kann jedoch dann eben ein ganz körperliches Ringen mit Entzugserscheinungen, Verlaltensmusters und dem inneren Schweinehund sein. Das der Entschluss selbst gleich zum Ziel führt, wird selten sein. Es ist evrständlich, dass du dich als Philosoph auf die rationalen, argumentativen Aspekte beschränkst. Aber totzdem kann man ja anerkennen, dass es z.B der "Nikotinentzug" sich hautsächlich auf einer nicht-verstandesmässigen Ebene abspielt. Mir kommt es so vor, als siehst du jeden Hinweis auf Ebenen jenseits, des Vesrtandes als Irrationalismus.

Der Punkt ist, dass die Rationalität der zeitgemäßen Prasangika Philosophie eine Nikotinabhängikeit erst gar nicht ermöglichen würde, denn wo ist denn im Wunsch nach Genuß, im Geschmack etc. Wahrheit zu finden?
Wenn sie jedoch bereits durch Irrationalität verursacht wurde, ist sie halt ebenso schwer zu dekonditionieren wie das für-wahr-Halten von sich selbst, welches ja auch auf der Grundlage von Irrationalität eingeübt wurde wie das Rauchen auch und welches ja die Ursache für den Wunsch nach Genuß ist.


void hat geschrieben:
Während ich es als druchaus vernünftig sehe, anzuerknnen, dass die Ratio einen beschränkten Teil unsereres Wesens ausmacht und sich auch mächtige Prozesse auf einer nicht-bewussten Ebene abspielen. Im Gegenteil erscheint mir, der Versuch hinter Freud zurückzugehen, als Ausdruck einer alltertümlichen Art zu Denken.

Tatsächlich steht die Rationalität der zeitgemäßen Prasangika Philosophie über dem Sprachsystem von Freud und über allen anderen Sprachsystemen wie dem Buddhismus, weil sie neutral ist.
Ich mach das nur, damit diese Plastik endlich ausdiffenenziert.

Gruß
Und ich find's immer wieder interessant, wie intensiv sich Leute mit dem Buddhismus beschäftigen, die anscheinend gar nichts davon halten. Innert zwei Monaten mehr Beiträge, als ich in eineinhalb Jahren geschafft habe. :o
Elke hat geschrieben:
Und ich find's immer wieder interessant, wie intensiv sich Leute mit dem Buddhismus beschäftigen, die anscheinend gar nichts davon halten. Innert zwei Monaten mehr Beiträge, als ich in eineinhalb Jahren geschafft habe. :o


Ja, was ist die Grundlage? Was ist die Motivation die Stero für dieses Projekt hat?

In seinem Blog schreibt Stero:

Rationalität als spezifisch charakterisiertes Objekt meint im Kontext der zeitgemäßen Prasangika Philosophie also die Manifestation des unter Pkt 1-4 Beschriebenen inklusive all der psycho-mentalen Wirkungen dieser Rationalität als Praxis.
Als solche ist Rationalität emotionsloses begriffliches Denken, welches ergebnisoffen ist und also keinem Zweck dienen soll, der außerhalb der verwendeten Begrifflichkeiten liegend bereits vorgegeben wäre, und welches sowohl von konventionellen Denkroutinen, die auf parteilichen Sprachsystemen beruhen (nicht aber von den Konventionen der Landes- bzw. Nationalsprache) als auch von Trieben unabhängig ist. Rationalität hängt aber ab vom kontinuierlichen Willen zur Rationalität und ist demzufolge an eine Form introspektiver Achtsamkeit gebunden.
Diese Rationalität hat in erster Linie eine von irrationalem Essentialismus befreiende quasi “psychotherapeutische” Wirkung und in zweiter Linie kann sie, indem sie den homo politicus solcherart zu transformiert vermag, sozialreformerische bis sozialrevolutionäre Wirksamkeit entfalten bzw. kann entsprechende Bestrebungen vor essentialistischen fatalen Irrtümern bewahrenQuelle


Ich verstehe das so, dass Rationalität für Stero nicht einfach ein Mittel zum Zweck ist ( also z.B um Wissenschaft zu betreiben und zu gültigen Aussagen zu kommen) sondern etwas viel Größeres. Es gibt ja Leute die behaupten, dass unsere Gesellschaft und unser Planet daran krankt, dass die Menschen nicht aufgeklärt genug sind. Wären alle Leute vernünftig anstatt irrational und emotional - so sagen sie - könnte man sofort eine gerechte Gesellschaft schaffen und Krieg und Umweltzerstörung sofort abschaffen. Ich habe das Gefühl, Stero ist von so einem ähnlichen Glauben an die Kraft der Vernunft getrieben. Mir ist auch der Verweis auf Bakunin nicht klar. Als Außenstehender weis man ja nicht, ob dessen Anarchismus als ein Beispiel an Rationalität oder als ein Beispiel an Irrationalität gesehen wird. Vielleicht sollte man da die Motivation glasklar heruaschälen, weil da immer noch einiges an Spekulation und Interpretation nötig ist. Ich versteh überhaupt nicht, wie Rationalität gelichzeitig emotionslos und ergebnisoffen sein soll und warum sie deswegen mehr zu Friede und Huamniät beitragen soll als zu Krieg und Egoismus.


Aber wie ist er von da aus zum Buddhismus und zu Nagarjuna ( und dann über diesen hinaus gekommen?) Es könnte sein, dass die Radaikalität, mit der im Buddhismus Verblendungen abgetan werden Stero zusagt? Wobei dann aber das Problem besteht, dass das im Buddhismus nicht auf einer rein sprachlchen ratiionalen Ebene passiert. Weswegen er da quasi das wertvolle Metall von der religiösen Schlacke befreien muss, die philsophischen Elemente von all dem Irrationalen. Und diese Threads hier sind sein Bergwerk. Und wir die Ureinwohner, die zwar im allegmeinen vollkommen Unsinn glauben, aber in ihrem traditionellen Wissen den ein oder anderen Hinweis auf ergiebige Lagerstätten beisteuern können.
void hat geschrieben:
Ich verstehe das so, dass Rationalität für ihn nicht einfach ein Mittel zum Stero ist ( also z.B um Wissenschaft zu betreiben und zu gültigen Aussagen zu kommen) sondern etwas viel Größeres.

"etwas Größeres" finde ich nicht angemessen, weil dies ein Ausdruck ist, der oft für metaphysisch essentialistische Schwärmereien verwendet wird.

void hat geschrieben:
Es gibt ja Leute die behaupten, dass unsere Gesellschaft und unser Planet daran krankt, dass die Menschen nicht aufgeklärt genug sind. Wären alle Leute vernünftig anstatt irrational und emotional - so sagen sie - könnte man sofort eine gerechte Gesellschaft schaffen und Krieg und Umweltzerstörung sofort abschaffen. Ich habe das Gefühl, Stero ist von so einem ähnlichen Glauben an die Kraft der Vernunft getrieben.

Tatsächlich geht es mir um die Beseitigung von Glauben jedweder Art, weil Glauben immer mit der Projektion von inhärenter Existenz auf das Objekt des Glaubens einhergeht, welches ja nur abhängig von Benennung bzw. begrifflicher Zuschreibung entsteht.

void hat geschrieben:
Mir ist auch der Verweis auf Bakunin nicht klar.

Es ist kein Verweis auf Bakunin, sondern ein Verweis auf die Arbeit Saul Newmans, die sich dem Essentialismus im Bereich von Gesellschaft und politischem Widerstand widmet und also eine Relation zwischen Essentialismus und Befreiung in diesem Kontext herstellt.

void hat geschrieben:
Als Außenstehender weis man ja nicht, ob dessen Anarchismus als ein Beispiel an Rationalität oder als ein Beispiel an Irrationalität gesehen wird.

Bakunin ist als Essentialist sicher ein Irrationalist. Einer, dessen essentialistische Agenda der Befreiung von Unterdrückung notwendigerweise nur zu Unterdrückung in einer anderen Form führt.

void hat geschrieben:
Aber wie ist er von da aus zum Buddhismus und zu Nagarjuna ( und dann über diesen hinaus gekommen?)

Anders rum: ich bin von der buddhistischen Inspiration ausgehend zufällig über ein paar Ecken auf Newman gestoßen und dies hat dann zu einer sehr willkommenen Erweiterung des etwas engstirnigen und weltabgewandten Ausblickes selbst der von Buddhismus befreiten Prasangika Philosophie geführt.
Diese von Buddhismus befreite Prasangika Philosophie liefert praktisch all das an sprachlichem Ausdruck, was einem Saul Newman in dieser zitierten Arbeit fehlt, der mit dem Essentialismus die Quelle politisch-gesellschaftlicher Unfreiheit und die Quelle des notwendigen Scheiterns aller historischen Befreiungsbewegungen entdeckt hat.
Ich melde mich hier mal wieder zu Wort ohne gleich jeden Post dieser und anderer Debatten im Detail gelesen zu haben.

Über Rationalität, Empfindung, Emotion etc lässt sich in der Tat vortrefflich philosophieren. Auch wenn wir hier im Unterforum Philosophien, Religionen und Freidenker posten nehme ich für mich in Anspruch das Ganze unter einem buddhistischen Sichtwinkel zu betrachten.

Im Bewusstsein, das es sich bei der ganzen Diskussion um "papanca" handelt möchte ich dennoch anmerken, dass Rationalität per se gar nicht in Erscheinung tritt wenn sie nicht von Motivation angetrieben wird.

Motivation resultiert aus schier undurchdringbar irrationalen Klüngeln Emotionen, Empfindungen etc.

Hier setzt Buddha-dhamma den Hebel an.
Bakram hat geschrieben:
Im Bewusstsein, das es sich bei der ganzen Diskussion um "papanca" handelt möchte ich dennoch anmerken, dass Rationalität per se gar nicht in Erscheinung tritt wenn sie nicht von Motivation angetrieben wird.

Und was motivert dich, obgleich du die Diskussion auf Verblendung zurückführst (was ich nicht tue), deiner Verblendung mit deiner Anmerkung hier freien Lauf zu lassen? Offensichtlich sucht dein "Buddha-dhamma" noch nach der Stelle in dir, wo es den Hebel ansetzen kann. Oder aber es gibt weder dein "Buddha-dhamma", noch "den Hebel" noch irgendeine Stelle, wo letzterer angesetzt werden könnte, weil dies alles nur Produkte deines privaten "papanca" sind. :wink:
Stero hat geschrieben:
Und was motivert dich, obgleich du die Diskussion auf Verblendung zurückführst (was ich nicht tue), deiner Verblendung mit deiner Anmerkung hier freien Lauf zu lassen?


Keine Ahnung. Vielleicht Langeweile, vielleicht auch nur bodhicitta.
Alles vergebene Liebesmüh. :wink:
Bakram hat geschrieben:
Keine Ahnung. Vielleicht Langeweile, vielleicht auch nur bodhicitta.

Monikadie4. hat geschrieben:
Alles vergebene Liebesmüh. :wink:


Das listet doch einige Begriffe, wofür Rationalität nicht steht: Ahnungslosigkeit, Langweile, 'bodhi-dingens' und Liebesmüh. :wink:
Stero hat geschrieben:
Bakram hat geschrieben:
Keine Ahnung. Vielleicht Langeweile, vielleicht auch nur bodhicitta.

Monikadie4. hat geschrieben:
Alles vergebene Liebesmüh. :wink:


Das listet doch einige Begriffe, wofür Rationalität nicht steht: Ahnungslosigkeit, Langweile, 'bodhi-dingens' und Liebesmüh. :wink:


Ich erspare mir eine Liste der Begriffe, die mir einfallen würde wofür "Deine" sogenannte "Rationalität" stehen würde.
Sherab Yönten hat geschrieben:
Ich erspare mir eine Liste der Begriffe, die mir einfallen würde wofür "Deine" sogenannte "Rationalität" stehen würde.

Faule Ausrede. :lol:
Sherab Yönten hat geschrieben:
Stero hat geschrieben:
Bakram hat geschrieben:
Keine Ahnung. Vielleicht Langeweile, vielleicht auch nur bodhicitta.

Monikadie4. hat geschrieben:
Alles vergebene Liebesmüh. :wink:


Das listet doch einige Begriffe, wofür Rationalität nicht steht: Ahnungslosigkeit, Langweile, 'bodhi-dingens' und Liebesmüh. :wink:


Ich erspare mir eine Liste der Begriffe, die mir einfallen würde wofür "Deine" sogenannte "Rationalität" stehen würde.
Aus seinen Beiträgen seh ich nur eine Bedeutung: Konsequentes angehen von Glauben, bis nur noch Glauben bleibt wo Tatsachen wirklich nicht vorhanden sind.
Ellviral hat geschrieben:
Aus seinen Beiträgen seh ich nur eine Bedeutung: Konsequentes angehen von Glauben, bis nur noch Glauben bleibt wo Tatsachen wirklich nicht vorhanden sind.


:lol: :lol: :lol:

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