Vertrauen

Moderator: void

Karma Pema hat geschrieben:
Patrul Rinpoche, ein hochverwirklichter Meister des Dzogchen, sagt dazu :
"Wenn ihr kein Vertrauen habt, bleibt euch der Zugang zum Dharma versperrt. Unter den vier Arten des Vertrauens ist unumstößliches Vertrauen das erstrebenswerteste."

Das hat mich inspiriert, zumal ich im gleichen Thread folgende Ansicht geäußert habe
Stero hat geschrieben:
Und das beste Vertrauen ist Selbstvertrauen, weil ohne dieses traut man sich nicht mal was auszuprobieren, ...


Mir schoß der Begriff Urvertrauen in den Kopf, und ich fragte mich "Wie diesen in diesem Zusammenhang einordnen?" und fand bei Wiki folgende erwähnenswerte Sätze:
Es ... entspricht in der Gefühlsqualität der optimistischen Zuversicht des Erwachsenen im selbstvertrauenden Umgang mit der Welt. ...

Dieser Satz entspricht in etwa meiner Ansicht.

Mit jenem habe ich gewisse Probleme,
Es geht ... darum, ob der Säugling überhaupt lernt, Vertrauen zu irgendetwas zu entwickeln (also ein künftighin wirkendes „Vertrauen in Vertrauen“). ... die Grundeinstellung, dass er Situationen und Menschen vertrauen könne, oder aber er erwirbt sie nicht und kann sie dann im späteren Leben nicht mehr nachholen. ...

weil er mMn zu stark auf das Vertrauen in/auf das andere fokusiert und wegen der zum Ausdruck gebrachten Endgültigkeit eines Scheiterns. An eine solche Endgültigkeit glaube ich nicht.

Meinungen?
da haste aber perlen rausgefischt @ baby.

ich denke nicht, dass vertrauen so eindimensional ist und eine grundliegende eigenschaft. was dort teilweise suggeriert wird, zb bei dem baby. ich denke, dass es eine mischung ist. wenn die noetigen verraussetzungen stimmen, damit ich die notwendige offenheit habe, dann kann ich erst vertrauen. ich halte das fuer einen gesunden mechanismus, der auch ein anzeiger sein kann, mir unnoetig stress zu ersparen, da meine ratio ncht alles bewusst regeln kann. diese offenheit oder dieses vertrauen kann auch innerhalb eines bruchteils sein und aeussere und innere bedingungen betreffen. ich denke es ist verschieden.

es gibt neue situationen, da ist kritisches denken angebracht und nicht blindes vertrauen. anlass war zb das befragen ueber verschiedene richtungen und es gibt ja auch sekten. also informiert man sich. ich sehe da zb kein gegenteil von kritischem denken und vertrauen. ich kann dennoch selbstvertrauen haben, nur weil ich nicht blind in die welt vertraue und auch das muss sich nicht gegenseitig ausschliessen. ich kann darauf vertrauen, dass die welt so ist wie sie ist, aber das aendert ja nix an ihrer realen verschiedenheiten und manches davon kann unangenehm sein. wuerde ich einfach auf alles vertrauen und muesste das so aeusserlich sichtbar fuer andere sein, dann koennte man zb verlangen, dass ich mich bei scientology anmelde. was aber eig nichts mehr mit vertrauen zu tun hat. ich sage das nicht wegen dem thread, sondern um die verschieden arten des vertrauens abzugrenzen.

also ich denke, dass es selbstvertrauen gibt, eine art "urvertrauen" (aber dass das nicht statisch ist), vertrauen in aeussere umstaende und dann das aeussere verhalten. aber ich brauche zb kein vertrauen um unerschuetterlich zu tun.

im palikanon steht, dass zb gegen zweifel erkenntnis hilft. das waere also ein akt der erkenntnis und keine grundliegende eigenschaft und sozusagen etwas, dass sich entwickelt. wenn ich bei mir selbst schaue, dann kann ich dem zustimmen.
Interessantes Thema, was ist eigentlich Vertrauen? Laut Duden: "Festes Überzeugtsein von der Verlässlichkeit, Zuverlässigkeit einer Person, Sache". Was ist nun Überzeugung? Duden: "Feste, unerschütterliche [durch Nachprüfen eines Sachverhalts, durch Erfahrung gewonnene] Meinung; fester Glaube."

Demnach entsteht Vertrauen durch Nachprüfung und Erfahrung, oder durch Glauben. Glauben ist ein Vertrauensvorschuss, der sich durch Erfahrung als richtig oder falsch erweisen kann. Ein Mindestmaß davon ist wohl für den Zugang zum Dhamma nötig, und die Nachprüfbarkeit und Erfahrung bestätigt es allmählich. Wobei man erstmal an die Möglichkeit der endgültigen Befreiung glaubt, falls sie nicht logisch nachvollziehbar ist. Das Selbstvertrauen besteht dann in der Gewissheit: Das Potential zur Erleuchtung ist in mir.
Urvertrauen ist das Vertrauen in den Mensch. Das wird durch keine Person, Persönlichkeit gestört.
Mein Urvertrauen lässt mich Buddha oder sonst jemanden als Menschen sehen und damit hat es eine andere Form als ob ich Buddha vertrauen würde.
Buddha ist die Form die den Menschen umhüllt. Der Mensch der Buddha heißt bleibt Mensch, der befreit ist von jeder Benennung.
Selbstvertrauen ist das einstehen für den Menschen, auch das überprüfen der Person, ob seine Handlungen Persönlich oder menschlich sind ist Selbstvertrauen.
Selbstvertrauen ist auch das Vertrauen das die Person die gerade gezeigt wird der Situation angemessen ist.
Dem Urvertrauen das ich Mensch bin, so wie andere Menschen sind, macht es mir möglich alles zu verzeihen aber nichts zu vergessen.
Mitgefühl ist das Wissen das es Menschen gibt die wissen das sie Person als Schleier sehen und Menschen die glauben das sie Person sind.
Da das schwer ist zu erkennen braucht es Urvertrauen in den Menschen.
ich weiss nicht. ich glaube als erwachsener kann man sowas sagen, aber ich weiss nicht ob ich als kleinkind oder umfeldabhaengig das "urvertrauen" auch so bezeichnen wuerde. also ich weiss es wirklich nicht. ich finde diesen begriff iwie abstrakt. ich denke, dass es von den erfahrungen abhaengt. was ist zb wenn ich im ghetto gross werde und es dort ein zeichen der freundschaftlichkeit ist, sich gegenseitig anzupoebeln (ich komme aus berlin und empfinde das tatsaechlich teilweise so), dann hat das etwas vertrautes. wenn ich woanders hinkomme, dann sind die leute dort meistens nicht so. in der neuen situation waere ich ja erstmal verwirrt "ach ohgott, was hab ich denn gemacht? was stimmt denn nich?". vllt poebeln sie zurueck, aber es ist nicht die gewohnte art und vllt empfinde ich das sogar als unfreundlich. im moment der verwirrung ist bei mir zb kein "urvertrauen" da. ich bin dann einfach nur verwirrt. ich kann mich dann danach daran erinnern und denken "wird schon iwelche gruende haben..." und auf mich und die menschen vertrauen, aber das kommt bei mir dann auch aus der gefuehlten erinnerung, weil ich weiss "hat ja schonmal geklappt.". kA, ob das so is. ich denke grade laut... ps.: die farben sind voll schoen.
JazzOderNie hat geschrieben:
ich weiss nicht. ich glaube als erwachsener kann man sowas sagen, aber ich weiss nicht ob ich als kleinkind oder umfeldabhaengig das "urvertrauen" auch so bezeichnen wuerde. also ich weiss es wirklich nicht. ich finde diesen begriff iwie abstrakt. ich denke, dass es von den erfahrungen abhaengt. was ist zb wenn ich im ghetto gross werde und es dort ein zeichen der freundschaftlichkeit ist, sich gegenseitig anzupoebeln (ich komme aus berlin und empfinde das tatsaechlich teilweise so), dann hat das etwas vertrautes. wenn ich woanders hinkomme, dann sind die leute dort meistens nicht so. in der neuen situation waere ich ja erstmal verwirrt "ach ohgott, was hab ich denn gemacht? was stimmt denn nich?". vllt poebeln sie zurueck, aber es ist nicht die gewohnte art und vllt empfinde ich das sogar als unfreundlich. im moment der verwirrung ist bei mir zb kein "urvertrauen" da. ich bin dann einfach nur verwirrt. ich kann mich dann danach daran erinnern und denken "wird schon iwelche gruende haben..." und auf mich und die menschen vertrauen, aber das kommt bei mir dann auch aus der gefuehlten erinnerung, weil ich weiss "hat ja schonmal geklappt.". kA, ob das so is. ich denke grade laut... ps.: die farben sind voll schoen.


Ich finde es interessant, dass du das mit vertrautem Verhalten und mit etwas vertraut sein verbindest. Als Kind wächst man ja einfach irgendwo auf und ist da vertraut, mit dem was da ist. Und dann kommen irgendwann, wenn man den eigenen Willen entwickelt hat, Zweifel auf, weil Gehorsam gefordert wird oder die Forderung "das gehört sich so" - das macht man so - plötzlich da ist und da kommt es dann zu einer Spaltung und zum Mißtrauen, dem Verlust des einfach so vertrauen. Man merkt als Kind schon sehr früh, dass die Leute lügen. Und dann lernt man das auch. Arno Gruen, der letzte Wochen verstorben sit, hat darüber eine ganze Menge geschrieben und geredet:
http://www.deutschlandradiokultur.de/zu ... _id=304094
ich glaube vielleicht doch an erwachen
Das mit dem (Selbst)Vertrauen ist so ne Sache….
Wo kommt es her?
Wie nehme ich es war?
Wie materialisiert es sich im Alltäglichen und überhaupt…
Wo ist die Grenze zur Selbstliebe?

Für mich hat Vertrauen nichts mit „Beweisen“ oder „Verdienen“ zu tun!
Es ist oder es ist nicht da! Ohne dieses Vertrauen reduziert sich (für mich) das Leben auf biologische Vorgänge, auf Reaktionsmuster die aus dieser Biologie entspringen.

_()_
.
ja ich vertraue
ich suche meinen sinn
und hoffe das es ein heiliger ist
hanujo hat geschrieben:
und hoffe das es ein heiliger ist

was verstehst du unter "heilig", vielleicht kann dann auch verstehen was du meinst :-)
_()_
.
das ist nur eine unbestimmte Sehnsucht von mir

ich wollte eigentlich sagen das ihr auf einen guten weg seid
und ich Blödsinn quatsch
Hallo Stero,

Im tibetischen Buddhismus gibt es vier Arten von Vertrauen und Hingabe:
...
4. Unumstößliches Vertrauen:

Man kann nicht mehr zurückfallen in übertriebene Zweifel oder Kritik um der Kritik willen.
Die drei Juwelen sind zentral und im Herzen fest verankert.
Man schreitet im Dharma stark und sicher voran.
Es gibt keinen Zweifel mehr.

Quelle


die 'vierte Art des Vertrauens' im tibetischen Buddhismus
erinnert mich stark das entgültige Überwinden des Zweifels
(an der Lehre am Buddha als Lehrer), welches der Stromeingetretene erfährt.

M34
9. "Genau wie die Kälber und das schwache Vieh dem Strom des Ganges trotzten und sicher ans jenseitige Ufer gelangten,
so auch jene Bhikkhus, die mit der Zerstörung von drei Fesseln Stromeingetretene geworden sind,
die nicht länger dem Verderben unterworfen sind, die dem Erwachen entgegengehen,
die (des Weges) gewiß sind,
- sie werden sicher ans jenseitige Ufer gelangen, indem sie Māra's Strom trotzen."

M22
45. "Ihr Bhikkhus, das Dhamma, das auf solche Weise von mir wohl verkündet wurde, ist klar, offen, ersichtlich und frei von Flickwerk. In diesem Dhamma, das auf solche Weise von mir wohl verkündet wurde, das klar, offen, ersichtlich und frei von Flickwerk ist,
sind jene Bhikkhus, welche drei Fesseln überwunden haben, alle Stromeingetretene,
die nicht länger dem Verderben unterworfen sind, die dem Erwachen entgegengehen
die (des Weges) gewiß sind.


Ob dieses zweifelsfreie Vertrauen ins Buddha Dhamma Qualitativ dem
psychologischen Urvertrauen entspricht, kann ich nicht beurteilen, da
ich weder Urvertrauen besitze noch Stromeingetretener bin. So wie
Urvertrauen beschrieben wird ("innere emotionale Sicherheit"), klingt
es aber ähnlich, wobei die Zweifelsfreiheit des Stromeingetretenen auf
der Frucht Einsicht beruht und Urvertrauen auf "im sehr frühen
Kindesalter durch die verlässliche, durchgehaltene, liebende und sorgende
Zuwendung von Dauerpflegepersonen"



Herzliche Gruesse
@Mirco
Ob dieses zweifelsfreie Vertrauen ins Buddha Dhamma Qualitativ dem
psychologischen Urvertrauen entspricht, kann ich nicht beurteilen, da
ich weder Urvertrauen besitze noch Stromeingetretener bin.


geht mir auch so.

Urvertrauen hat seine Funktion im Kindesalter.

Das Vertrauen in den Dharma kommt, wenn man "einfach" loslässt. Das ist keinesfalls so leicht, wie es sich anhört und es wird auch nicht einfacher, nur weil es viele mantramässig Dir immerzu sagen.
Aber manchmal kann man gar nicht anders, dann hat der Unbill des Lebens Dich an den Punkt gebracht, dass Du nur noch einen kleinen Schritt machen musst, um zu diesem Vertrauen zu gelangen. Und es wächst mit und nach jedem Schritt, den Du bewusst in diese Richtung tust. Und wenn Zweifel aufkommen, dann ruhig mal sagen: "Ich vertrau einfach mal!"
Für mich hat Vertrauen nichts mit „Beweisen“ oder „Verdienen“ zu tun!
Es ist oder es ist nicht da! Ohne dieses Vertrauen reduziert sich (für mich) das Leben auf biologische Vorgänge, auf Reaktionsmuster die aus dieser Biologie entspringen


Was bleibt denn außerhalb der biologischen Vorgänge?
Ich glaube wenn es eine Art Vertrauensproblem gibt, kommt das erst dadurch zu stande, weil wir unserer Natur nicht vertrauen und uns im Kern für " schlecht und böse" halten.
kann jemand irgentwas von dem er da schreibt überhaupt fassen ????
Interessante Beiträge. Vertrauen kann man halt nicht sehen, riechen, hören, tasten oder schmecken, deswegen hat da jeder seine individuellen Assoziationen bei dem Begriff. Die stärkste Differenzierung glaube ich bei mukti und Mirco auszumachen, die beide den Begriff Vertrauen mit dem Begriff Einsicht zusammenbringen und ihn so mit Urvertrauen kontrastieren.
Verknüpfen lässt sich das mMn dahingehend, dass das psychologische Urvertrauen als eine Voraussetzung zur Erlangung des Vertrauens gesehen werden kann, welches auf individueller Einsicht beruht. Dies in zweierlei Hinsicht: 1. indem es "selbstvertrauenden Umgang mit der Welt" ermöglicht und also auch selbstvertrauendes Einlassen auf "etwas anderes" und 2. indem es individuelle Einsicht auch selbstvertrauend als solche zu benennen ermöglicht (Fehlen von Selbstzweifel)
Ich vertraue mir selbst. Ich vertraue meinen Erfahrungen und meinem Verstand. Ich habe die Erleuchtung erfahren. Insofern glaube ich auch an die Erleuchtung. Ich glaube an die erleuchteten Meister und ihre Lehren. Ich glaube an die Lehre Buddhas, weil sie mit meiner Erfahrung übereinstimmt. Ebenso glaube ich an die Lehre von Jesus (Bergpredigt) und an meine erleuchteten Yoga-Meister. Die Erleuchtung ist der Leitstern in meinem Leben. Sie gibt mir Halt und Orientierung.

Ich komme oft durch weltliche Energien in Verwirrung. Ich höre die Nachrichten und glaube, dass die Welt schrecklich ist. Dann muss ich meine erleuchtete Paradiessicht wieder entwickeln. Ich sehe merwürdige Filme im Fernsehen (Stargate, Horror, Liebe, Abenteuer) und falle in weltliche Süchte. Dann muss ich mich wieder auf den Weg der Weisheit, des Friedens und der umfassenden Liebe besinnen. Ich treffe weltliche Menschen und gelange in ihre Energien. Dann glaube ich an Sex, Karriere und materiellen Wohlstand. Dann denke ich über den Sinn des Lebens nach und finde wieder zu mir selbst. Ich meditiere und gehe durch den Wald. Ich mache einige Atemübungen, visualisiere mich als Buddha und sende allen Wesen Licht. Und bin wieder im Frieden, in der Einheit und im Glück.

Ich bin sehr dankbar, dass es die erleuchteten Meister und ihre Lehren gibt. Sie haben mich gerettet. Epikur brachte mich auf den Weg des inneren Glücks. Buddha zeigte mit den Weg der Meditation. Jesus lehrte mich den Weg der umfassenden Liebe. Und meine Yoga-Meister erweckten meine Kundalini-Energie. Und ich selbst gehe konsequent den Weg meiner Wahrheit, vertraue mir selbst und wachse jeden Tag ein kleines oder großes Stück auf dem spirituellen Weg. Mögen alle Wesen die unermeßliche Gnade des inneren Glücks und der umfassenden Liebe erfahren.
Mein Vertrauen basiert auf jahrzehntelangen guten Erfahrungen, aber auch darauf, dass ich mir selbst vertrauen kann. Was nicht bedeutet, dass ich immer alles richtig mache und unerschütterlich zuverlässig wäre. Aber deshalb kann ich eben auch anderen vertrauen, weil ich nichts Unmögliches von ihnen erwarte.
Mein Vertrauen beruht auf der Gewissheit, dass alles seinen Grund, seine Ursachen hat, dass wir nur bedingt in der Lage sind einzugreifen, dass uns auch dann ein Ziegel auf den Kopf fallen kann, wenn wir "nichts dafür können" und wir keinen tieferen Sinn darin entdecken können. Mein Vertrauen basiert auf der Grundlage einer Hingabe an die Unvermeidlichkeit meines Lebens.
_()_ Monika
Ist es nicht so, dass man eigentlich nichts in der Welt vollkommen vertrauen kann? Auch dieses psychologische Urvertrauen kann leicht erschüttert werden, wenn eine nötige Hilfe aus irgendeinem Grund nicht geleistet wird. Selbstvertrauen hat auch die Grenzen, die das Selbst eben hat, ständig geraten die Wesen in Situationen, wo sie absolut hilflos sind. Vertrauen muss es dennoch geben, sonst könnte man ja überhaupt nicht sinnvoll handeln. Man könnte nichtmal bei grün über die Straße gehen, wenn man nicht darauf vertraut, dass keiner bei rot losfährt. Aber es kommt eben vor, dass auch bei roter Ampel gefahren wird; so ist das Vertrauen immer relativ, nie absolut.

Daraus erwächst das Bedürfnis, in etwas vollkommen zu vertrauen das nicht von der Welt ist, und daher sind die Religionen entstanden. Eine feste Burg ist unser Gott usw. Und wenn der Buddhismus auch mehr ein Weg der Erkenntnis als einer des Glaubens ist, so spielt auch hier das Vertrauen eine gewisse Rolle. Allerdings ist die Gewissheit hier nicht so weit weg wie etwa im Gottesglauben, weil man selber erfahren kann was der Weg bewirkt, während eine Erlösung durch Gottes Gnade doch immer etwas zweifelhaft erscheint, soweit ich das sehe.
hanujo hat geschrieben:
ich glaube vielleicht doch an erwachen

"viellecht doch" liest sich eher wie Zweifel. Glauben und Zweifel sind halt nicht vereinbar, weil wenn man zweifelt, dann glaubt man nicht. vielleicht will man glauben, aber man tut es nicht. In diesem Sinne sind die sprachlichen Äußerungen von vielen mit Vorsicht zu genießen, weil viele sagen "ich glaube", aber damit nur ausdrücken, dass sie glauben wollen.

hanujo hat geschrieben:
das ist nur eine unbestimmte Sehnsucht von mir

Ja diese Sehnsucht veranlasst manche, glauben zu wollen

hanujo hat geschrieben:
kann jemand irgentwas von dem er da schreibt überhaupt fassen ????

Worte sind fassbar, aber die Gedanken und Vorstellungen, die damit ausgedrückt werden sollen, nicht.
mukti hat geschrieben:
Man könnte nichtmal bei grün über die Straße gehen, wenn man nicht darauf vertraut, dass keiner bei rot losfährt. Aber es kommt eben vor, dass auch bei roter Ampel gefahren wird; so ist das Vertrauen immer relativ, nie absolut.


Eine Sufisprichwort sagt:

Bevor Du meditierst, binde Dein Kamel fest. :D
_()_ Monika
Monikadie4. hat geschrieben:
Eine Sufisprichwort sagt:

Bevor Du meditierst, binde Dein Kamel fest. :D

:D
Vielleicht kann man das auch umgekehrt sehen: Also das "Vertrauen" kein etwas ist , was mit der Welt und zu ihr dazukommt.

Sondern, dass es der natürliche Zustand eines Babies ist es einfach mal ganz normal, glücklich und offen da zu sein, und erst dieser Ok-Zustand wird Probleme (Hunger, in die Windel gemacht, Bauchschmerzen) gestört wird.

Erst wenn solche "Warnsignal" blinken, das die Situation "nicht ok" ist, geht man von einem offenen, entspannten Zustand in einen angespannten, gestressten über.

Urvertrauen ist also der ursprünglich Zustand, in dem die Wansignale aus sind. Und deswegen kann für jemanden, bei dem die Warnisgnal vorwiegend auf grün sind, viele "äußere Problem" auftauchen, ohne dass es als existentiell bedrohlich wahrgenommen wird. Vieles kann wegbrechen und vieles in Zweifel gezogen werden, ohne dass das grundlegende "ok" verschwindet.

Gier,Hass und Verblendung hängen ja alle mit dem roten Warnlämpchen zusammen. Damit dass die Welt flasch ist und anders sein soll. Während das grüne Lämpchen demgegnüber die Bejahung der Welt bedeuten.
void hat geschrieben:
Sondern, dass es der natürliche Zustand eines Babies ist es einfach mal ganz normal, glücklich und offen da zu sein, und erst dieser Ok-Zustand wird Probleme (Hunger, in die Windel gemacht, Bauchschmerzen) gestört wird.

nicht zu vergessen das licht, die kaelte, der eigene rhytmus (zb schlaf), die leute, erhoehte kognitive vernetzung und der rest der da noch so is.
Ich würde Ur-Vertrauen mit dem im Zen verwendeten Un-geborenen vergleichen. Es ist das Vertrauen, was im Shinjinmei gemeint ist. Dabei geht es um den Zustand, in dem das Ich noch nicht geboren ist und die Trennung von Ich und Nicht-Ich. Dieses Ur-Vertrauen verliert jeder und muss es dann wieder gewinnen durch den Weg.
Thursday hat geschrieben:
Ich würde Ur-Vertrauen mit dem im Zen verwendeten Un-geborenen vergleichen. Es ist das Vertrauen, was im Shinjinmei gemeint ist. Dabei geht es um den Zustand, in dem das Ich noch nicht geboren ist und die Trennung von Ich und Nicht-Ich. Dieses Ur-Vertrauen verliert jeder und muss es dann wieder gewinnen durch den Weg.


Wie steht dieses Ur-Vertrauen mit dem "großen Zweifel" in Zusammenhang?
void hat geschrieben:
Thursday hat geschrieben:
Ich würde Ur-Vertrauen mit dem im Zen verwendeten Un-geborenen vergleichen. Es ist das Vertrauen, was im Shinjinmei gemeint ist. Dabei geht es um den Zustand, in dem das Ich noch nicht geboren ist und die Trennung von Ich und Nicht-Ich. Dieses Ur-Vertrauen verliert jeder und muss es dann wieder gewinnen durch den Weg.


Wie steht dieses Ur-Vertrauen mit dem "großen Zweifel" in Zusammenhang?


Es besagt ja, dass es nicht gewusst werden kann - es gibt keine Sicherheit, sondern die letzte Wahrheit, Wirklichkeit hat eben keiner wahrgenommen oder verwirklicht, also geht es eben immer weiter - durch den Zweifel hindurch. Noch einen Schritt ....
void:
Urvertrauen ist also der ursprünglich Zustand, in dem die Wansignale aus sind. Und deswegen kann für jemanden, bei dem die Warnisgnal vorwiegend auf grün sind, viele "äußere Problem" auftauchen, ohne dass es als existentiell bedrohlich wahrgenommen wird. Vieles kann wegbrechen und vieles in Zweifel gezogen werden, ohne dass das grundlegende "ok" verschwindet.


Ja.
Das Ur-Vertrauen eines Babies ist keineswegs auf "grün" geschaltet. Die Grundbedürfnisse rufen heftige Reaktionen hervor. Erst wenn diese befriedigt sind, ruht das Kind. Es gibt dennoch Kinder, die bereits bei der Geburt eine große Unruhe in sich haben, weil sie vielleicht schon im Mutterleib mit Ängsten und Qualen der Mutter berührt wurden. Der Arzt sagte meiner Mutter, sie hätte einen Schreier geboren, und befragte sie, was sie denn während der Schwangerschaft erlebt habe. Ihr Sohn, der durch einen Lungenschuss im 2. Weltkrieg verwundet war, hatte sich das das Leben genommen und starb in ihren Armen. Sie hat die Trauer unterdrückt. Das soll sich auf mich übertragen haben. Ich soll das erste Jahr - bis auf den Schlaf - fast ununterbrochen geschrien haben.

Trotz allem habe ich mein Leben lang im Gegensatz zu vielen Freundinnen immer großes Vertrauen gehabt, und habe dies noch immer, obwohl ich nicht viel Gutes an dieser Welt entdecken kann. Ich weiß nicht, woher das kommt. Es ist einfach als friedliches Empfinden in mir. Manchmal jedoch werde ich erst durch die Zweifel Anderer überhaupt aufmerksam, ob ich misstrauen sollte. Häufig sehe ich aber, dass dies nur ihre eigene Begrenzung ist.
_()_ Monika
Genau das hab ich mich auch gefragt: aber was ist mit Schreibabys oder Behinderten? Und fand die Erklaerung etwas zu romantisch verklaert. Zusammen mit der Erklaerung des "Unbedingten" ergab es dann wieder Sinn, unabhaengig von den Vorraussetzungen. Es ist schoen zu hoeren, dass ein "Schreibaby" antwortete. Danke fuers Erfahrungteilen.

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