Chanten bis zur Ekstase

Moderator: Jojo

Hallo,

ich sehe gerade bei Tina Turner oder auch an sich bei vielen Daimoku Chant Videos, dass es zu einem lange Wort wird und bis zur Ekstase geht.

Frei nachdem Motto wer kann es am schnellsten und am meisten.
Außer das es ein gutes Atemtraining ist, sehe ich da aber kein Sinn dahinter.

Ist das denn was typisches für Nichiren-Buddhisten und warum tut man sowas ?

MfG
Cravin hat geschrieben:
Frei nachdem Motto wer kann es am schnellsten und am meisten.
Außer das es ein gutes Atemtraining ist, sehe ich da aber kein Sinn dahinter. Ist das denn was typisches für Nichiren-Buddhisten und warum tut man sowas ?
MfG

Mantren können ein Weg zur Erleuchtung sein. Es geht nicht darum, wer es am schnellsten und längsten kann. Es geht darum wie es persönlich am effektivsten ist.
Ist das denn was typisches für Nichiren-Buddhisten und warum tut man sowas ?


nein es ist nicht typisch für den nichiren-buddhismus, aber für die interpretation gemäß der soka gakkai gruppierung, die zwar die bekannteste vertretung dieser japanischen form des buddhismus ist, aber nicht die einzige und auch nicht die ursprünglichste.

die besondere form der rezitaion wird daimoku im japanischen genannt und wird auch in anderen japan. buddhistischen traditionen verwendet, z.b. im jodo shu.

https://de.wikipedia.org/wiki/Nam(u)_My%C5%8Dh%C5%8D_Renge_Ky%C5%8D
https://de.wikipedia.org/wiki/Nichiren-Buddhismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Nichiren

https://imyohorengekyo.wordpress.com/20 ... ka-gakkai/
https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ges ... oka_Gakkai
https://www.buddhismuskunde.uni-hamburg ... czorek.pdf
Danke euch für eure Antworten.

Ich finde das nur komisch, dass ich das in der Extreme noch bei keiner Schule gesehen habe.
Hi Cravin. Zeigen diese Videos Extase oder ist das dein Eindruck ? Ich kenn die nicht. Extase verbinde ich immer mit Verwirrung.
Aber Trance mithilfe schneller, schleifenförmiger Rezitationen ist durchaus nicht ungewollt. Ich sehe nicht, dass es um Zahlen geht, und wenn, fänden die Leute nichts darin.
Ekstase mag weit hergeholt sein. Ist auch ein Wort welches man eigentlich mit anderen Dingen in Verbindung bringt – Drogen, Sex, etc. Dennoch hat das SGI-Chanten eine eigene Dimension welche sie loslöst von der meditativen Anwendung. Es geht um Masse, um Schnelligkeit – Schnelligkeit mit der sich vermeintlich Wünsche erfüllen lassen und nicht zu vergessen die „Eine Million Daimoku Challenge“. Chanten in der SGI hat etwas von einem Deal mit dem Gesetz von Ursache und Wirkung – "Alda, chantescht du viel bekommscht du was von die Universum, muscht du nid verstehe. Besser du verschdescht nix." - Ironie war das.
Ich frage mich gerade, was das mit dem mittleren Weg zu tun hat?

Ebenso nach der Vereinbarkeit mit den Gedanken die hinter der 5ten Sila stehen?
Cravin hat geschrieben:
Hallo,

ich sehe gerade bei Tina Turner oder auch an sich bei vielen Daimoku Chant Videos, dass es zu einem lange Wort wird und bis zur Ekstase geht.

Frei nachdem Motto wer kann es am schnellsten und am meisten.
Außer das es ein gutes Atemtraining ist, sehe ich da aber kein Sinn dahinter.

Ist das denn was typisches für Nichiren-Buddhisten und warum tut man sowas ?

MfG
Das hab ich auch eine Zeit lang gemacht. Mit einem Mantra das ich bei einer Meditation Einführung bekommen hab. Nach einiger Zeit der Übung konnte ich dieses auch beim Einatmen weiter machen. Dann löste ich es von den Stimmbändern, dann von allen Sprechwerkzeugen und wurde dann als Gedanken immer schneller. Das machte ich dann so lange bis die Gedanken trotz Mantra erscheinen konnten. Dann lies ich das Mantra ganz los und es waren nur noch Gedanken da ohne Nachdenken mit ihnen.
Viele Jahre später hab ich dann erfahren das das hishiryo genannt wird. Also: Warum tut man sowas? Ich weiß es nicht warum das andere machen, ich hab damals mit Meditationen gespielt um den Kreislauf des Nachdenk-Gedanken abzubrechen. Nach dieser Erfahrung konnte ich Meditationsobjekte nicht mehr ertragen und ging zu "Nur Sitzen" genannt Shikantaza über. Während der Meditation bin ich in Sekunden Gedanken-frei. Nach einiger Zeit hab ich festgestellt das sich das auf den Alltag auswirkt und ich verlor jede Form von Angst aber nicht die Furcht. Gedankenkreisläufe musste ich ab da zulassen damit ich überhaupt noch mit "normalen" Menschen in Kontakt bleiben konnte. Genauso konnte ich diese abstellen wenn sie nicht mehr gebraucht wurden.
Chanten hat seinen Sinn verloren wenn es als Ritual in Gruppen verwendet und wie ein Gottesdienst verwendet wird, es verschließt den Weg und bring Euphorie, Erleuchtungsglaube, Ekstase, die mit Befreiung verwechselt werden, weil das so schön ist. Ich war nie euphorisch oder in Ekstase, liegt auch daran das ich diese Zustände nicht haben wollte weil sie den Gedankenfluss unterbrechen und den Zugang zum NichtNachdenkenRaum versperren. Ich sehe Chanten als Ritual aus Zen Sicht als Hindernis, als Teil des Weges zum mittleren Weg.
Namaste!

verrückter narr hat geschrieben:
nein es ist nicht typisch für den nichiren-buddhismus, aber für die interpretation gemäß der soka gakkai gruppierung, die zwar die bekannteste vertretung dieser japanischen form des buddhismus ist, aber nicht die einzige und auch nicht die ursprünglichste.

die besondere form der rezitaion wird daimoku im japanischen genannt und wird auch in anderen japan. buddhistischen traditionen verwendet, z.b. im jodo shu.

So ganz korrekt ist das nicht.
Das "Daimoku" ist der Titel des Lotos-Sutra "Namu-Myôhô-Renge-Kyô" (Dai-moku heiβt wohl soviel wie "Groβer Titel"), und die Rezitation genau dieses Titels ist schon eine Praxis, die speziell den Schulen des Nichiren-Buddhismus zuzuordnen ist.
Vielleicht mag es auch Priester oder Laien der Tendai Shû geben, die das Daimoku rezitieren, aber es ist mir noch in keiner Tendai-Liturgie als reine Titel-Rezitation untergekommen!

Die allgemeinere Form ist demgegenüber das "Nenbutsu" - die Vergegenwärtigung des / eines Buddha-Namens. Die findet man dann in fast allen Schulen des japanischen Buddhismus, wobei natürlich am bekanntesten die Anrufung speziell Amida-Buddhas ist ("Namu-Amida-Butsu"), welche in der Jôdo Shû, Jôdo Shinshû und Ji Shû, aber auch der Tendai Shû praktiziert wird.

Andere Nenbutsu sind dann beispielsweise im weiteren Sinne:
"Namu-Shakamuni-Butsu",
"Namu-Kannon-Bosatsu" oder auch
"Namu-Daishi-Henjô-Kongô".

< gasshô >

Benkei
Namaste!

Speziell zum Daimoku kann ich dann sagen, dass es schon irgendwas "mit einem macht", wenn man wirklich mehrere Stunden lang einzig und allein "Namu-Myôhô-Renge-Kyô" chantet.

Im Frühjahr habe zweimal die Friedenspagode der Nipponzan-Myôhôji-ha in Darjeeling besucht und dann dort an den Abendandachten teilgenommen. Da mir japanische Andachter diverser buddhistischer Traditionen durchaus nicht fremd sind, war ich sehr überrascht, dass die Andacht fast ausschlieβlich aus der über 90 Minütigen Rezitation von "Namu-Myôhô-Renge-Kyô" und dazugehörigem Trommeln bestand.
Wenn man das dann über eine Stunde mitmacht (es ist ein groβes Kommen und Gehen, denn kaum jemand tut sich das für längere Zeit an), dann schaltet sich schon das Denken komplett ab und dann ist man nur noch "Na-Mu Myô-Hô Renge-Kyô" und die Handtrommelschläge. Schon irgendwie ein schönes Gefühl des Eins-seins mit den anderen Trommlern und Rezitierern.

Aber nachher war ich dann immer etwas heiser!

Hochachtung für den dortigen Priester und seine Laien-Brüder und -Schwestern, die das täglich zweimal durchziehen!

< gasshô >

Benkei
fotost hat geschrieben:
Ich frage mich gerade, was das mit dem mittleren Weg zu tun hat?

Ebenso nach der Vereinbarkeit mit den Gedanken die hinter der 5ten Sila stehen?


Das Odaimoku ist kein "berauschendes Mittel" von daher sehe ich da keinen Zusammenhang zu den Sila. Lt. Nichiren ist das Rezitieren des Titels des Lotos Sutra mit der Vorsilbe "Namu" gleich bedeutend mit der Ausübung bzw. Annahme des gesamten Inhalts des Sutras. Und da die Buddhaschaft als angborener Lebenszustand in uns bereits vorhanden ist (10 Welten) Prinzip von ichinen sanzen aktiviert man diesen Lebenszustand des Buddha.

Ob man dabei in Ekstase gerät ist wohl sehr subjektiv - wahrscheinlich sind Künstler bei der Wortwahl einfach schneller dabei etwas ekstatisch zu finden... :)
auch wäre noch zu bemerken, das die Vorstellungen in den unterschiedlichen Schulen des Nichiren Buddhismus über Länge und Qualität der Rezitation sehr unterschiedlich sind.

Während bei der Soka G. eindeutig die Quantität des Daimoku in den Vordergrund gestellt wird - wobei Aussprache und auch das Rezitieren des Sutras selbst marginalisiert werden, werden in traditionelleren Richtungen mehr Zeit und Mühe auf die Qualität verwendet. Dies auch insbesondere bei der Aussprache der Sutratexte. Das Odaimuko wird bewußter ausgeführt und ist Höhepunkt jeder Zeremonie, ob zu Hause oder im Tempel.

Damals bei der Soka hatte das rein gar nichts von Ekstase für mich. Es war hektisch weg genuschelt damit man mehr Zeit für die Texte von Ikeda (& Ghostwriter) hatte. Daher ist das Gongyo alles andere als feierlich oder meditativ auf diese Weise. Man war ja froh, wenn überhaupt noch Wasser und Weihrauch dargebracht wurde.

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