Fragen zum Nichiren Budhhismus

Moderator: Jojo

Vor kurzem habe ich mich gefreut, dass ich eine Kollegin kennengelernt habe, die auch Buddhistin ist :)
Sie praktiziert Nichiren Budhhismus. Als Vajrayana Praktizerender sagte mir auch das Lotus Sutra etwas,
ohne nun den Inhalt exakt zu kennen.

Ist das Lotus Sutra im Nichiren Budhhismus der einzige relevante Text den man studiert oder gibt es noch
andere Texte (Sutren) ? Das Herz Sutra sagte ihr jedenfalls nichts, muss aber auch nichts heißen.

Ich möchte in keine "Fettnäpfchen" treten wenn wir uns über den Buddhismus austauschen, die Kollegin
schien aber davon auszugehen, dass man als Buddhist auch automatisch sämtliche Begriffe des
Nichiren Budhhismus kennen müsse. Verstanden habe ich erst mal Bahnhof.

Umgekehrt hatte ich den Eindruck, dass sie nicht viel Grundlagen Wissen hatte über das was sie in
ihrer Praxis rezitierte. Wie wird im Nichiren Budhhismus das Lotus Sutra studiert ? Gibt es dort Kurse
ähnlich dem vom Stufenweg im tibetischen Buddhismus oder ist der Schwerpunkt die Praxis ?

Zählt der Nichiren Budhhismus zum Zen Buddhismus ?
Namaste Sherab Yönten

frage sie doch selber. Was man wo macht hat ja nicht gleich was damit zu tun was sie macht.
Da habt ihr doch ein schönes Thema.


Gute Wünsche,
Karma Pema
Karma Pema hat geschrieben:
Namaste Sherab Yönten

frage sie doch selber. Was man wo macht hat ja nicht gleich was damit zu tun was sie macht.
Da habt ihr doch ein schönes Thema.


Gute Wünsche,
Karma Pema


Liebe Karma Pema,
da haben wir einfach zu wenig Zeit.
Wir sitzen nicht im selben Büro,
es gibt immer irgendwelche Zuhörer.
Das hier ist der hiesige Verein zur Nichiren Praxis und da stehen schon mal die Eckpunkte zu:
http://www.sgi-d.org/philosophie
Namaste!

Hallo Sherab Yönten,
Sherab Yönten hat geschrieben:
Vor kurzem habe ich mich gefreut, dass ich eine Kollegin kennengelernt habe, die auch Buddhistin ist :)
Sie praktiziert Nichiren Budhhismus. Als Vajrayana Praktizerender sagte mir auch das Lotus Sutra etwas,
ohne nun den Inhalt exakt zu kennen.

Ist das Lotus Sutra im Nichiren Budhhismus der einzige relevante Text den man studiert oder gibt es noch
andere Texte (Sutren) ? Das Herz Sutra sagte ihr jedenfalls nichts, muss aber auch nichts heißen.

Das kommt ganz auf die Schule innerhalb des Nichiren Buddhismus an.

So wie ich die Nichiren Shû einschätze, stützt man sich da zwar hauptsächlich auf das Lotos-Sutra, verachtet aber die anderen Buddhistischen Sutras nicht und legt das Studium des Lotos-Sutras und der Schriften Nichiren Shonins nah.

Die Soka Gakkai (SG oder SGI) hingegen, welche hierzulande wohl die bedeutendste Gruppierung / Schule ist, stützt sich hingegen vornehmlich auf die Versteile der Kapital 2 und 16 des Lotos-Sutras, und studiert werden nur die Schriften von deren Präsidenten Ikeda. Ob man in der SG überhaupt das Lotos-Sutra gelesen haben muss - keine Ahnung!

PS: Das Herz-Sutra spielt meines Wissens im tibetischen Buddhismus eigentlich eine größere Rolle wie das Lotos-Sutra; zumindest wird es, auch aufgrund seiner prägnanten Kürze, wohl weitaus häufiger rezitiert :wink:

Ich möchte in keine "Fettnäpfchen" treten wenn wir uns über den Buddhismus austauschen, die Kollegin
schien aber davon auszugehen, dass man als Buddhist auch automatisch sämtliche Begriffe des
Nichiren Budhhismus kennen müsse. Verstanden habe ich erst mal Bahnhof.

Leider gibt es insbesondere bei der SGI die Tendenz, die japanischen Spezialbegriffe zu verwenden.
Sozusagen "als Übersetzungshilfe für Anfänger" gibt es dann sogar diverse Seiten im Internet; diese hier.

Umgekehrt hatte ich den Eindruck, dass sie nicht viel Grundlagen Wissen hatte über das was sie in
ihrer Praxis rezitierte. Wie wird im Nichiren Budhhismus das Lotus Sutra studiert ? Gibt es dort Kurse
ähnlich dem vom Stufenweg im tibetischen Buddhismus oder ist der Schwerpunkt die Praxis ?

Das deutet daraufhin, dass sie der SGI angehört oder zumindest bei denen praktiziert.

Wie das genau abläuft bei der SGI mit der Fortbildung durch Präsident Ikedas Werke und die Gosho (Schriften Nichirens), darüber weiß ich nichts.
Es scheint so zu sein, dass man relativ schnell eine Regionalgruppe leiten kann, sogar wenn man von grundlegenden Inhalten des Buddhismus (Vier Edle Wahrheiten, Mittlerer Achtfacher Pfad, Pancasîla, etc.) wenig Ahnung hat.

Einen Stufenweg wie im tibetischen Buddhismus gibt allgemein im Nichiren-Buddhismus aber nicht.
Vereinfacht gesagt gehen Nichiren Buddhisten davon ausgegangen, dass man durch die Rezitation des Daimoku (der "Große Titel [des Lotos-Sutra]") - also Nam(u)-Myôhô-Renge-Kyô - und das Vertrauen ins Lotos-Sutra und die Lehren Nichirens bereits in diesem Leben Erleuchtung erfahren oder im Reinen Land des Geiergipfels, des Buddha-Gefildes von Buddha Shakyamuni, wieder-/hingeboren werden kann.

Zählt der Nichiren Budhhismus zum Zen Buddhismus ?

Nein!

Leider gibt es allerdings Menschen, die allgemein den japanischen Buddhismus mit "Zen" gleichsetzen, was aber immer aus (völliger) Unkenntnis passiert.

< gasshô >

Benkei

Namu-Myôhô-Renge-Kyô
Den Inhalt des Lotus-Sutra findet man hier:
http://www.ichinen.de/sutra/sutra_inhalt.html

Eine Übersicht der Werke von Nichiren ist hier
http://www.ichinen.de/nichiren/nd_intro.html
http://nichiren.info/gosho.html

Hier findet man eine Zusammenstellung vieler Schriften:
http://www.sgi-d.org/aktuelles/publikat ... daishonins

Manchmal werden Nichiren und seine Lehren auch sehr kritisch betrachtet, da er den damaligen Staat und andere etablierte buddhistische Schulen heftig und polemisch kritisiert hat.
"Für diese Kritik, die er in zahlreichen Schriften wie zum Beispiel der Risshō Ankoku Ron (立正安国論, übersetzt: „Über die Befriedung des Landes durch die Errichtung des wahren (richtigen) Gesetzes“)[2] formulierte, wurde er mehrmals in die Verbannung geschickt. Seine Hinrichtung wurde der Legende nach durch das Auftauchen eines Kometen verhindert, der bewirkte, dass der Scharfrichter vor Schreck das Schwert fallen ließ und die anwesenden Soldaten das Weite suchten."
http://de.wikipedia.org/wiki/Nichiren-Buddhismus
Benkei hat geschrieben:
Das deutet daraufhin, dass sie der SGI angehört oder zumindest bei denen praktiziert.


Das Zentrum ist in Möhrfelden - Walldorf, ich werde mal googeln.
Ich meinte, sie erwähnte auch SGI....

Benkei hat geschrieben:
Vereinfacht gesagt gehen Nichiren Buddhisten davon ausgegangen, dass man durch die Rezitation des Daimoku (der "Große Titel [des Lotos-Sutra]") - also Nam(u)-Myôhô-Renge-Kyô - und das Vertrauen ins Lotos-Sutra und die Lehren Nichirens bereits in diesem Leben Erleuchtung erfahren oder im Reinen Land des Geiergipfels, des Buddha-Gefildes von Buddha Shakyamuni, wieder-/hingeboren werden kann.


Und wie erlangt man dieses Vertrauen ?

Benkei hat geschrieben:
Es scheint so zu sein, dass man relativ schnell eine Regionalgruppe leiten kann, sogar wenn man von grundlegenden Inhalten des Buddhismus (Vier Edle Wahrheiten, Mittlerer Achtfacher Pfad, Pancasîla, etc.) wenig Ahnung hat.


Das finde ich, diplomatisch ausgedrückt, ein wenig merkwürdig..... :)

verrückter-narr hat geschrieben:
Manchmal werden Nichiren und seine Lehren auch sehr kritisch betrachtet, da er den damaligen Staat und andere etablierte buddhistische Schulen heftig und polemisch kritisiert hat.


Gegen Kritik ist ja nichts einzuwenden, aber "polemische Kritik" hat mit Rechter Rede nichts zu tun.

Danke für Deine Links :)

blue_aprico hat geschrieben:
Das hier ist der hiesige Verein zur Nichiren Praxis und da stehen schon mal die Eckpunkte zu:
http://www.sgi-d.org/philosophie


Auch hierfür: Danke :)
Und wie erlangt man dieses Vertrauen ?


So wie ich das sehe: wegen einer entsprechenden Affinität & hingebungsvoller Übung.
Vor dem steht natürlich der Glauben.
Wissen als solches, oder was wir so drunter verstehen, spielt eine eher untergeordnete Rolle.
Anfängergeist. Das Prinzip erfahren.
blue_aprico hat geschrieben:
Und wie erlangt man dieses Vertrauen ?


So wie ich das sehe: wegen einer entsprechenden Affinität & hingebungsvoller Übung.
Vor dem steht natürlich der Glauben.
Wissen als solches, oder was wir so drunter verstehen, spielt eine eher untergeordnete Rolle.
Anfängergeist. Das Prinzip erfahren.


Hi Blue,

Vielleicht hätte ich die Reihenfolge (der Zitate) anders herum wählen sollen:

Wie erlangt man das Vertrauen in ein Sutra wenn man keine Grundlagenkenntnisse (4 edle Wahrheiten, 8 facher Pfad u.s.w.) hat ?
Sherab Yönten hat geschrieben:

Hi Blue,

Vielleicht hätte ich die Reihenfolge (der Zitate) anders herum wählen sollen:

Wie erlangt man das Vertrauen in ein Sutra wenn man keine Grundlagenkenntnisse (4 edle Wahrheiten, 8 facher Pfad u.s.w.) hat ?



In dem man dem Lotussutra rsp. "Mantra" vertraut ? :D
Wie durchschreitet sich denn das Tor zum 8 fachen Pfad und zur Erkenntnis der vier edlen Wahrheiten ?

Dharma, Dharma, Dharma! Ursprünglich kein oben.
Wo kannst du nach
dem Dharma suchen?
Auch kein unten.
Wie können Lebewesen
gerettet werden?
Der Weder-oben-noch-
unten-Dharma
– Dies ist die Botschaft
der Lotosblüte,
die im Feuer blüht!

Young San Seong Do ( kein Nichiren Buddhist)



Frag Voom der weiß doch alles.
Gerade von der "reinen" öhm "absoluten" Sicht - oder wie ihr das nennt da :wink: :mrgreen:

Blüten treibt das !https://www.youtube.com/watch?v=I0dXMFkZLlE
Auweia. :D
Umgekehrt hatte ich den Eindruck, dass sie nicht viel Grundlagen Wissen hatte über das was sie in
ihrer Praxis rezitierte. Wie wird im Nichiren Budhhismus das Lotus Sutra studiert ? Gibt es dort Kurse
ähnlich dem vom Stufenweg im tibetischen Buddhismus oder ist der Schwerpunkt die Praxis ?



Dein Eindruck täuscht dich nicht. Ich war selber lange genug in der SGI. Manche mögen denken ich trete hier als DER Kritiker der SGI auf dem ist nicht so, man muss nur lange genug suchen um auf Unstimmigkeiten zu treffen. Richtig ist, dass bei Anhängern der SGI (den Terminus „Mitglieder“ vermeide ich, da 99% der sog. „Mitglieder“ der SGI-D nicht Mitglied des SGI-D e.V. sind) das Wissen um den Buddhismus nicht sonderlich ausgeprägt ist, da wir hier von einem sehr großen Koffer reden sei das auch noch in Ordnung. Erstaunlicher ist jedoch, dass das der durchschnittliche Anhänger der SGI, gerade hier im Westen, so gut wie nichts über den Nichiren Buddhismus per se weiss. Ich habe oftmals beobachtet, dass diejenigen Anhänger der SGI, die sich um ein über den Tellerrand hinaus schauendes Studium des (Nichiren) Buddhismus bemühen, sich früher oder später von der SGI distanzieren. Das sog. Studienmaterial ist sehr sehr einseitig. Über die Auseinandersetzung oder Anhängerschaft mit und zur SGI sich als Buddhist zu bezeichnen halte ich persönlich für abenteuerlich, sich als Nichiren Buddhist zu sehen halte ich dahingehend somit für anmaßend. Eine abschließende Beurteilung der SGI wird wohl erst nach dem Ableben von Hr. Ikeda erfolgen und ich kann mir gut vorstellen, dass der Begriff „Ikedaismus“ Eingang in die Literatur finden wird.
catflap08 hat geschrieben:
Über die Auseinandersetzung oder Anhängerschaft mit und zur SGI sich als Buddhist zu bezeichnen halte ich persönlich für abenteuerlich, sich als Nichiren Buddhist zu sehen halte ich dahingehend somit für anmaßend


Nimmt man denn keine Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha ?
Oder wie wird man sonst Buddhist/in als SGI "Mitglied" bzw. als Nichiren Buddhist ?
Nimmt man denn keine Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha ?
Oder wie wird man sonst Buddhist/in als SGI "Mitglied" bzw. als Nichiren Buddhist ?


In dieser Form ist das Konzept in der SGI nicht bekannt wie auch das Bodhisattva-Gelübde. Es gibt sehr sehr viel was in der SGI nicht praktiziert wird. Dennoch sollte man dem Anhänger an sich keinen Vorwurf machen … nur die stete Weigerung zu sehen dass man vieles nicht weiß kann einen verwundern. In anderen Formen des Nichiren Buddhismus sind diese Aspekte jedoch vorhanden.
Sherab Yönten hat geschrieben:
Wie erlangt man das Vertrauen in ein Sutra wenn man keine Grundlagenkenntnisse (4 edle Wahrheiten, 8 facher Pfad u.s.w.) hat ?


Und wie erlangt man Vertrauen in die Vier edlen Wahrheiten, in den Achtfachen Pfad?

Welche "Grundlagenkenntnisse" scheinen dir dafür erforderlich zu sein?

Kongjiazhong
catflap08 hat geschrieben:
Richtig ist, dass bei Anhängern der SGI (...) das Wissen um den Buddhismus nicht sonderlich ausgeprägt ist (…).

Ich habe nicht den Eindruck, dass bei der Soka Gakkai irgendjemand daran gehindert wird, sich Wissen in beliebiger Weite und Tiefe anzueignen. Du kennst sicherlich das buddhistische Wörterbuch der SGI, um dieses zu erstellen, wurde viel Fachwissen benötigt, es zu lesen bringt Gewinn. Ich lese darin recht gerne (einfach aus Spaß an der Freude und von einem Stichwort gehe ich zum nächsten usw.). Dies ist aber nur ein Beispiel. Es ist nicht so, dass Bildung und Wissen dort gering gehalten werden. Es ist aber nicht entscheidend.

Glaubst Du, dass in anderen buddhistischen Richtungen und unter normalen (um nicht zu sagen "einfachen") Gläubigen, es grundsätzlich anders aussieht? Und wenn wir uns unsere christlichen, z.B. die katholischen, Mitmenschen ansehen, wer hat denn dort eine kirchenhistorische und theologische Bildung vorzuweisen und kann beispielsweise die korrekte Lehre der Römisch-katholischen Kirche zur Trinität wiedergeben?

Es ist auch die Frage, ob derartiges Wissen überhaupt notwendig ist, um ein Erleuchteter oder Heiliger oder einfach ein guter Mensch zu werden und zu sein.

Erstaunlicher ist jedoch, dass das der durchschnittliche Anhänger der SGI, gerade hier im Westen, so gut wie nichts über den Nichiren Buddhismus per se weiss.

Das kann ich aus eigener Erfahrung nicht bestätigen, es kommt darauf an, mit wem Du redest. Wie gesagt, zwar haben sehr viele wenig "Ahnung", aber das stört sie nicht weiter - und wo anders sieht es auch nicht besser aus. Besuche doch mal eine Show der Diamantwegler. Dass die Nichiren Sho Shu Priester üble Burschen sind, dass dürften die meisten Freunde Senseis immerhin wissen - und mir ist die NSS auch unsympathisch.

Ich habe oftmals beobachtet, dass diejenigen Anhänger der SGI, die sich um ein über den Tellerrand hinaus schauendes Studium des (Nichiren) Buddhismus bemühen, sich früher oder später von der SGI distanzieren.

Das kann ich nicht beurteilen, ich könnte mir aber vorstellen, dass es mir auch so ginge. Aber ob dies weise wäre, das ist eine andere Frage. Warum nicht eine Methode in einem Milieu stur und mit Freunde praktizieren?

Ist dies nicht besser, als herum zu springen, wie dies manche tun, oder alles zu synthetisieren und zu vereinigen und alles für letztlich und abhängig von den jeweiligen Fähigkeiten und "Bedürfnissen", ich meine abhängig davon, welche Krankheitssymptome bei einem überwiegen, als gleichwertig anzunehmen (wozu ich neige)? Wer weiß?

Kongjiazhong
Neben dem Lotus-Sutra spielt meines Wissens auch das Mahayana-Nirvana-Sutra eine gewisse (wenn auch geringere) Rolle (Nichiren stammt halt aus der Tendai-Schule). Nebenbei bemerkt wär es für einen Mahayana (also auch für den tibet.) Buddhisten sicher von Vorteil, wenigstens die wichtigsten Mahayana-Sutren gelesen und verinnerlicht zu haben. Diese beiden gehören da mit Sicherheit dazu.

Einen guten Überblick über den Nichiren-Buddhismus kann man meiner Meinung nach in Yasuji Kirimura - Grundzüge des Buddhismus bekommen. Das kann man unter http://www.hokkeko.de/sonstige_texte/gr ... hismus.pdf nachlesen.
In den Schriften von Nichiren wird aber auch noch Bezug auf viele andere Sutren genommen. Nur so zur Ergänzung.

Zuflucht und Bodhisattvagelübde sind meines Wissens in manchen Nichirenschulen Teil jeder Praxis.
Der Zufluchtnahme kommt vielleicht die Annahme des Gohozons nahe, aber sie geht sicher darüber hinaus. Vielleicht wäre es vergleichbar mit Zuflucht, Bodhisattvagelübde, Guruyoga und Einweihung ins höchste Yogatantra in einem. Dadurch wird man ja Teil des Lotossutras.
Sherab Yönten hat geschrieben:
Und wie erlangt man dieses Vertrauen ?


Durch Vertrauen in dieses.
@ kongjiazhong. Also ich war ja nur 20 Jahre bei der SGI dabei. Wenn man in SGI Kreisen zu anderen buddhistischen Richtungen Bezug nimmt werden diese gern als „vorläufig“ abgetan. Es wird NICHT gut über sie gesprochen. Zur Nichiren Shsohsu kann man stehen wie man will, auch ich kann deren Interpretation nicht folgen aber eine Schule hat gewisse Grundsätze setzt man sich über diese hinweg sollte man den Ausgang suchen ohne zu warten herausgeschmissen zu werden – insofern halte ich das Vorgehen der Nichiren Shoshu für legitim … umgekehrt war ja die SG Jahrzehnte lang gewillt unter dem Deckmantel einer traditionellen Auslegung zu agieren. Und es tut mir wirklich leid das zu sagen aber SGI‘ler wissen in der Regel recht wenig über den Nichiren Buddhismus, sein Schulen, seine Ausprägungen etc – ach ja mir sagte man des Öfteren die Nichiren Shu würde einen Fuchs anbeten – sorry absoluter Schwachsinn. Ich bin keiner Nichiren Schule angehörig aber das was die SGI da abliefert hat was von TupperWare-Buddhismus. Es gibt in der SGI bestimmt auch Ausnahmen – über kurz oder lang bleiben sie dann jedoch nicht bei der SGI oder begeben sich inhaltlich in ein inneres Exil und behalten ihre Gedanken für sich.
catflap:
ach ja mir sagte man des Öfteren die Nichiren Shu würde einen Fuchs anbeten – sorry absoluter Schwachsinn.



野狐精 Yakozei „Wilder-Fuchs-Geist “ ?
blue_aprico

野狐精 Yakozei „Wilder-Fuchs-Geist “


Lach ich denke das ist weit entfernt von einem “dogmatischen” anbeten. Einige Tempel haben jedoch auch Shinto-Schreine in Ihrer direkten Nachbarschaft. Ich denke man sollte zw. Dogma und Volksglauben unterscheiden.
Mir scheint, im Moment, der Gründer des Nichiren hatte einen speziellen Zugang, den er dann für allgemein gültig erklärte. Sicher in bester Absicht. Aber so eine Ansicht ist nicht "voll-erleuchtet". Oder ?
Voll-erleuchtet oder nicht (die wenigsten Nichiren Schulen übrigens sehen Nichiren als einen Buddha an) die Nähe zu gewissen Shinto-Gottheiten ergibt vornehmlich aus einem historischen Kontext. Die Verehrung eines Fuchses ist nicht ein Glaubensgrundsatz der Nichiren Shu.
Namaste!
blue_aprico hat geschrieben:
Mir scheint, im Moment, der Gründer des Nichiren hatte einen speziellen Zugang, den er dann für allgemein gültig erklärte. Sicher in bester Absicht. Aber so eine Ansicht ist nicht "voll-erleuchtet". Oder ?

So speziell war das gar nicht: die Tendai Shû, in welcher Nichiren Shonin ja ausgebildet wurde, vertritt allgemein die Auffassung [hier etwas verklausuliert:], dass alle "höheren Wesen" [in Japan vornehmlich Kami, also Shinto-Gottheiten] Emanationen bzw. Aspekte der Buddhas, bzw. des Einen-Ewigen Buddhas [respektive der Buddha-Natur oder der Leerheit], sind, und dass alle "heilvollen Lehren" [ob nun buddhistisch oder anderweitig] Ausprägungen des Buddha-Dharma sind [manche eben mehr oder weniger als "vorläufige Lehren", bzw. "Geschickte Mittel", Hôben, andere höher gestellt und wieder andere, wie z. B. das Lotos-Sutra oder das Nirvana-Sutra, als höchste, absolute Lehren].

Ob Nichiren nun als "erleuchtet" / "verwirklicht" angesehen werden kann, das ist eine sehr gute Frage!?

Wenn ich mir Nichirens Lehren ansehe, und seine Schriften mit denen von Hônen, Shinran oder Ippen einerseits und großen Zen-Meistern [z. B. Huangpo, Linji, Dôgen, Hakuin] andererseits, oder auch tibetischen Meistern [z. B. Milarepa, Gampopa, Patrul Rinpoche], vergleiche, dann komme ich persönlich - aus meiner eigenen Bompu-Sichtweise - zu dem Schluss, das Nichiren Shonin teilweise die Gewissheit , die Zuversicht und das Vertrauen vermissen lässt, welches den anderen genannten Meistern in ihren späteren Jahren zu eigen war. Auch ist Nichiren im Gegensatz zu denen sehr intolerant und hat einen großen Hang zur Rechtfertigung.

Ein riesiger und mächtiger Philosoph war er aber auf jeden Fall.
Er kannte sich in den Tendai-Lehren und wohl auch anderen buddhistischen Doktrin aus wie nur wenige zu seiner Zeit in Japan, und er wusste alle seine Thesen, Erfahrungen und Überzeugungen anhand der Schriften zu belegen.
Aber auch das spricht vielleicht eher für seinen Rechtfertigungsdrang und gegen ein spontanes, intuitives Wirken der Buddha-Natur.

Ob er sich überhaupt selbst als "Erleuchteten" sah, dass würde ich auch als äußerst fraglich ansehen.
Zumindest sah er sich als Auserwählten und Restaurateur des "einen-wahren Tendai-Buddhismus" an.

< gasshô >

Benkei

Namu-Myôhô-Renge-Kyô
Ich glaube Nichiren hatte schon Vertrauen in das Lotussutra und ins Gohonzon. Und es gibt auch in anderen Schulen manchmal die Tendenz, das eigene ein wenig zu glorifizieren. Du hast ja auch bei Shinran das "Nur das Nembutsu ist wahr." Aber vielleicht nicht so diesen Missionierungsdrang und nicht so das nationale Element, was mich immer bei Nichiren abgestoßen hat. Aber manches ist eben auch in einer Verfolgungssituation entstanden, sollte man vielleicht nicht alles auf die Wagschale legen. (Insgesamt glaub ich ja, man sollte die historische Situation bei Religion nie ganz ausblenden. Das ist mir letztlich bei der Diskussion mit Nils ums I Ging sehr klargeworden, auch beim Theravada vs. Mahayana-Battle)
Manchmal hab ich den Eindruck, die drei Tendai-Leute Dogen, Shinran, Nichiren (ich mogel da Dogen mal noch mit darunter, obwohl mir schon klar ist,das er auf die Tradition des Ch'an zurückgreift) sind auf ganz einfache Sachen gestoßen. Auf so einfache, das wir sie oft nicht verstehen. Vielleicht ist es etwas, was uns zu nah ist, als das wir es bemerken. Auf Nur Sitzen, Nur Nembutsu, Nur Daimoku. Freilich haben sie dann doch wieder viele Sachen drum herum gestrickt. Und die Traditionen dann noch mehr. Aber es scheint mir da eine ähnliche Tendenz, Inspiration, Verwirklichung oder wie immer man das nennen will zu geben. Sicher kann man das speziellen Zustand nennen. Aber vielleicht ist es eher der Rückgang (Religio) zum allgemeinen, zum vorspeziellen, der sich dann schon speziell ausgedrückt hat. Und irgendwann gibts dann doch wieder ein riesen Lehrgebäude drum herum, das das Einfach so, das Nur verdeckt.

So gesehen ist da ja weniger die frage, war der oder der erleuchtet wichtig. Und wir können uns trefflich über das drum herum streiten. Aber dadurch verpassen wir vielleicht das, was wir sonst auch so leicht übersehen. Das Nur. :lol:

Ich hab mal nen Vortrag von nem koreanischen Zen-Mönch amerikanischer Abstammung über das Diamantsutra gesehen. Das was hängengeblieben ist und für mich so eindrücklich war, war seine Betonung auf "Not special", nichts besonderes.
Namaste!

Hallo Jinen,
Jinen hat geschrieben:
So gesehen ist da ja weniger die frage, war der oder der erleuchtet wichtig. Und wir können uns trefflich über das drum herum streiten. Aber dadurch verpassen wir vielleicht das, was wir sonst auch so leicht übersehen. Das Nur. :lol:

Ja, diese "auslesende Konsequenz", das absolute Vertrauen in eine einzige Praxis, [Shikantasa, Nenbutsu, Daimoku, jeweils bei Dôgen Zenji, Shinran Shonin und Nichiren Shonin] findet man so bestimmt und kompromisslos nur bei wenig anderen Meistern.

Die drei genannten "Traditions-Gründer" hatten zwar alle die Tendai Shû als "Mutter" [wird so ja auch in der "Ahnengalerie" auf dem Hiei-san "verkauft"], allerdings hatten sie auch alle eine andere Begründungen vorgelegt, weshalb man eben nur eine einzige Praxis - nämlich ihre - ausüben sollte.

Dôgen Zenji berief sich da auf seine nicht zielführende Praxis als Tendai-Mönch und später als suchender Zen-Schüler, der dann einzig bei Tiantong Rujing den "Wahren Dharma" fand und auch übermittelt bekam. Für ihn gab es damit - aus seiner Erfahrung heraus - keinen anderen Weg.

Shinran Shonin führte die Erfahrung seiner eigenen Unzulänglichkeiten [die wir wohl heute nicht mal als solche erkennen würden, bzw. als gar nicht so gewichtig ansehen würden] zu Hônen Shonin, dessen Lehre er dann noch radikaler interpretierte. Da er sich selbst bereits als Bompu ansah, uns sich seine Schüler im Vergleich mit ihm wohl ebenfalls so sahen, war die logische Konsequenz, sich ganz Amida Buddha hinzugeben.

Nichiren Shonin sah demgegenüber in dem Umstand, dass sich die Tendai-Mönche immer mehr von den ursprünglichen Tendai-Lehren Saichô's und Chigi's abwandten, und stattdessen Schriften und Praktiken des Zen, Jôdo oder Shingon anwandten, einen Verfall der "Wahren Lehre" seiner Patriarchen.
Aus meiner Sicht spielt bei ihm - im Gegensatz zu Dôgen und Shinran - eher der Wille zur Bewahrung einer Tradition, hier dem Lotos-Sutra-Aspekt der Tendai Shû, die Hauptrolle bei seiner "Selektion" des Daimoku, und [zumindest zu Beginn] nicht so sehr seine persönlichen Erfahrungen. Denn zu Anfang versucht er noch, Nenbutsu, Mikkyô und Zen anhand der Schriften (insbesondere dem Lotos Sutra) zurückzuweisen, auch indem er anderen Mönchen vorwirft, sie würden das Lotos-Sutra geringschätzen. Der Erfahrungsaspekt kommt dann erst später hinzu.

Aber wie dem auch sei;
sie vertreten jedenfalls alle die Auffassung, dass man "einen Weg für die Besteigung des Berges auswählen soll, und diesen dann zu Ende gehen muss".
Anders also als in der traditionellen Tendai Shû, wo bereits Saichô sowohl Aspekte der traditionellen Tiantai-zong, der Mahayana-Ordination, Zen, und Shingon [Mikkyô] vereinte, und später dann Ennin noch das Nenbutsu hinzufügte.
Auch Eisai Zenji und die Rinzai-Mönche der nächsten Generationen hielten teilweise vor allem noch an Mikkyô-Aspekten fest, während andere Rinzai-Mönche, zum Beispiel Mujû Ichien Dôkyô, auch noch das Nenbutsu schätzten.
Selbst Hônen Shonin ließ ja neben dem Nenbutsu weitere Praktiken als unterstützende Übungen zu, obwohl er natürlich riet, sich hauptsächlich auf das fortwährende Nenbutsu zu konzentrieren.

Das erinnert dann irgenwie an den Vorwurf der indischen Mahasiddhas an die tibetischen Buddhisten, der ja in etwa lautete:
"Ihr Tibeter praktiziert zahlreichen Übungen parallel oder gleichzeitig und meistert doch keine einzige davon.
Wir Inder beschränken uns auf wenige Praktiken oder gar nur eine einzige, meistern diese, und meistern dadurch auch alle übrigen.
"

Da mag etwas sehr Wahres dran sein.
Allerdings verkennen diese "selektiven Traditionen", dass es auch Menschen geben kann, denen gerade diese einseitigen Sichtweisen nicht liegen.

Jinen hat geschrieben:
Ich hab mal nen Vortrag von nem koreanischen Zen-Mönch amerikanischer Abstammung über das Diamantsutra gesehen. Das was hängengeblieben ist und für mich so eindrücklich war, war seine Betonung auf "Not special", nichts besonderes.

Dieses "nichts besonderes" erinnert mich irgendwie an Shunryû Suzuki's Worte in "Der Tigerbericht", oder auch Linji's Worte aus "Shulazi: Morgengespräche im Kloster des Abtes Linji":
"Das alltägliche Leben selbst ist der WEG. Bist du hungrig - so iss; bist du müde, so leg dich nieder!"
[Diese Worte werden auch oft den Zen-Meistern Jôshu oder Nansen in den Mund gelegt.]


Ich hab mir übrigens "Nichiren Daishonin and the Great Mongol Invasion" bei Youtube angesehen.
Ist, wenn auch recht vereinfacht dargestellt, ganz interessant. Die englischen Untertitel waren eigentlich einfach gedanklich zu übersetzen, auch wenn gerade die belassenen japanischen Begriffe anders geschrieben wurden, als man es mittlerweile gewohnt ist.
Wer Zeit hat, kann sich den Film ja mal ansehen.

Einen schönen Sonntag!
< gasshô >

Benkei

Namu-Myôhô-Renge-Kyô
Vor sieben Jahren war ich auch noch ein Fan der SGI (Soka Gakkai). Zeitgleich mit mir sind viele andere neue Leute eingetreten, und wir hatten viele
tolle Treffen und lebhafte Diskussionen u.a. über das Lotus Sutra. Naja gut, die "Verantwortlichen" der Organisation haben dann versucht, alles auf Linie zu bringen. Inzwischen sind die meisten von uns wieder ausgetreten. Wenn ich heute mal zu einem der Treffen gehe, bin ich oft erschüttert, wie öde alles geworden ist. Die Themen werden von oben vorgegeben (z.B. wer waren die Präsidenten der SGI; wer war Religionsgründer Nichiren usw.). Man kann zu diesen Themen auch eine Klausur schreiben (!), aber seien wir doch mal ehrlich: Bringt das irgendeinen Menschen wirklich weiter? Die meisten treten nach ein paar Jahren wieder aus. Übrig bleiben die, die sich als wichtige "Organisatoren" betrachten... und noch ein paar andere Leute, über die ich mich hier nicht weiter äußern will. Manche haben auch für sich selber einen Trick gefunden, mit dem Ganzen etwas Geld zu verdienen (auch wenn es eigentlich nicht so sein sollte). So oder so ähnlich ist die allgemeine Stimmung rund um die SGI hier in Bremen; in anderen Städten mag es vielleicht anders aussehen, ich weiß es nicht...
Sorry, ich habe an vielen Stellen hier mich bestimmt kritisch zur SGI und etwaigen Abspaltungen der SGI-D gemeldet. Es gehört jedoch zu jeder Seite auch eine Gegenseite. Ich sehe ehemalige Anhänger der SGI (bzw. SGI-D) nicht per se als „Opfer“. Wir leben in einem Informationszeitlalter die Informationen sind DA, man muss sie nur lesen. Mit ist klar dass die SGI gerne das Bild von sich hat, dass wenn man ihr angehört man Teil eines größeren besseren Ganzen ist und man somit „erhaben“ ist über alle anderen auch wenn man über alle anderen keinerlei Informationen bekommt. Es mag manchen auch helfen diese Erhabenheitsgefühl zu kultivieren wenn man bei näherer Betrachtung wie alle anderen auch nur in einem nine-to-five job sitzt und schaut dass das Leben einem etwas mehr bieten sollte. Es mag sein dass man das Gefühl hat das eigene Gehirn abzuschalten zu müssen aber man tut das immer auch selber. Der SGI laufen die Anhänger davon das nun wirklich nicht neu. Ich denke jeder Pilateskurs an einer VHS biete mehr realen Austausch nach dem man sich doch eigentlich sehnt.
Ich habe damals in Bremen Gohonzon empfangen und später 4 Jahre dort gelebt und es wurde immer sehr ernsthaft studiert - querbeet, Gosho vor allem.
Aber schon damals fing es an mit dem ausschließlich Ikeda lesen, Videos mit Ikeda gucken etc. Woanders ist es auch nicht besser! Ist auch klar, es ist ja alles gleichgeschaltet.
In Berlin hat sich das ganze Konstrukt schon soweit selbst zerlegt, dass es seit Jahren kein Kulturzentrum der SGI-D mehr gibt. Auch weil die Mieten so gestiegen sind aber auch weil es nicht genug Unterstützung von den Mitgliedern gibt.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass viele einfach mit anderen Dingen so beschäftigt waren, da war für buddhistische Versammlungen dann nicht auch noch Zeit. Man kam zu spät oder lieber gleich gar nicht.
Vor allem aber haben viele ausserhalb der SGI-D weitergemacht, Gruppen gegründet, die nicht straffe SGI Linie fahren und auch andere Traditionen kennenlernen wollen. Vor allem "respektieren" sie diese als gleichwertig!!!

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