Ist die SGI-D am Ende?

Moderator: void

Hallo Weltmeister,

ich frage mich schon länger was wohl so mit der SGI in Deutschland passieren wird.

Ich habe vor 2 oder 3 Jahren aufgehört in der SGI und wo ich mich umhöre verlassen Leute, die ich schon früher als "Leiter" kannte und 20 Jahre und mehr praktiziert haben die Organisation. Sie üben diesen Buddhismus weiter aus aber nicht mehr in der SGI.

Abgesehen davon, dass es in Berlin schwierig war zu praktizieren - die Stadt hat ein eigenens Karma - höre ich es aber aus allen Gegenden der Republik immer wieder.
Hauptgrund sei der seit 4-5 Jahren um sich greifende, sehr dominant gewordene

"IKEDAISMUS".

Das war auch für mich neben ganz grundsätzlichen Überlegungen einer der Hauptgründe.

Meinungen?

gassho
Namaste!

Hallo Viersterner,

Argonath hat geschrieben:
ich frage mich schon länger was wohl so mit der SGI in Deutschland passieren wird.

Ich habe vor 2 oder 3 Jahren aufgehört in der SGI und wo ich mich umhöre verlassen Leute, die ich schon früher als "Leiter" kannte und 20 Jahre und mehr praktiziert haben die Organisation. Sie üben diesen Buddhismus weiter aus aber nicht mehr in der SGI.


Ich selbst kenne die SGI-D nicht von innerhalb, sondern nur von deren Texten und den kritischen Stimmen von Aussteigern.
Hierher ins Forum hat sich ja auch schon so mancher Aussteiger "verirrt" :wink:

Ich denke früher, als der Buddhismus in Deutschland noch nicht so angekommen war, das Internet noch nicht so präsent und damit Informationen rar, war der Nichiren-Buddhismus wie ihn die SGI lehrt, in Deutschland eine Alternative für Buddhismus-Interessierte, die es sich nicht zutrauten, stundenlang ein Kissen platz-zu-sitzen (Zen und auch Theravada), die von dem Bunten, dem Lauten und dem Komplizierten abgeschreckt wurden (tibetischer Buddhismus), oder die mit den moralischen Konventionen des Buddhismus nichts am Hut hatten (Theravada, tibetischer Buddhismus und auch Zen). Attraktiv wird dann auch noch der Umstand einer reinen Laien-Gemeinschaft gewesen sein (sofern denn die Abspaltung / der Rauswurf von der Nichiren Shôshû schon vollzogen war).

Heute kann man über das Internet viele Information bekommen und über die SGI sind es meist kritische, wenn sie nicht von innerhalb kommen. Demjenigen, der etwas recherchiert und der nicht ganz blind ist, wird schnell auffallen, dass die Ansichten und Doktrin der SGI in vielen Dingen vom "Mainstream-Buddhismus" abweichen, und nicht nur von diesem, sondern auch davon, was Buddha selbst gelehrt hat. Wenn noch ein paar Jährchen ins Land gehen, die Zahl der Aussteiger zunimmt und vielleicht endlich mal andere Nichiren-Buddhisten die deutsche Bühne betreten, dann werden die Interessierten vielleicht auch irgendwann leicht feststellen können, in welcher Hinsicht der Buddhismus der SGI von dem abweicht, was Nichiren Shonin selbst gelehrt hat.

Bis dahin wird aber wohl noch etwas Zeit ins Land gehen.
Denn anders als in anderen Ländern des Westens, z. B. USA, Österreich, England oder Italien, gibt es seitens der Nichiren Shû und der anderen Nicht-SGI-Nichiren-Schulen momentan wohl keine Bestrebungen hier Fuss zu fassen.
Beiderseitig versäumte Gelegenheiten, vielleicht. Denn "Missions-Priester" beispielsweise der Nichiren Shû würden hier zwangsläufig mehr mit anderen Buddhistischen Richtungen in Kontakt kommen, auch durch ihre Schüler. Und diese gegenseitige "Befruchtung" kann schon einiges bewirken - bzw. hat ja auch schon einiges bewirkt.
Wenn ich mir beispielsweise die "Liturgy of Nichiren Shu" ansehe, mit der "Shodai Gyo Meditation", welche von Bischof Nichijun Yukawa in den 1950ern eingeführt wurde, dann sehe ich darin eine teilweise Rückkehr zu den meditativen buddhistischen Wurzeln, welche wohl dem Wunsch einiger Schüler Rechnung trug, die wussten, welche positiven Effekte die meditative Praxis auch für Nichiren Buddhisten bringen konnte. [Ist natürlich meine subjektive, spekulative Wahrnehmung dieses Phänomens.]

Wenn ich mir die asiatische Seite außerhalb Japans ansehe, dann stelle ich häufig mit Erschrecken fest, dass die SGI dort wohl noch immer auf dem Vormarsch ist.
Den Priester-/Mönchs-Buddhismus kennen die Asiaten ja, und die Geistlichen dort sind keinesfalls so offen darin, den Laien auch Wege zu allen Praxismethoden zu eröffnen. So sind Retreat-Tempel und Klausuren in Asien häufig noch Orte, die allein den Geistlichen vorbehalten sind, und der "gewöhnliche Laie" beschränkt sich auf das Ansammeln von Verdiensten indem er die ordinierte Sangha unterstützt, die Tugendregeln (zumindest an den vorgesehenen Feiertagen) einhält, Wallfahrten unternimmt und Buddha verehrt.
Da ist dann die SGI als Organisation wo alle Laien sind, Erleuchtung und weltlicher Erfolg im gegenwärtigen Leben versprochen werden, und jeder den vollständigen Zugang zu allen dort angebotenen Praktiken hat (die natürlich kaum so vielfältig sind wie beispielsweise in der Theravada-Schule oder im chinesischen Buddhismus) sehr attraktiv für Laien, die mit dem jeweils vorherrschenden traditionellen Buddhismus unzufrieden sind.

So hatte ich auf Penang (Malaysia) in der Inselhauptstadt Georgetown ein villenartiges SG-Zentrum entdeckt, dass sich von seiner Größe her keinesfalls hinter dem buddhistischen Gemeinschaftszentrum in der Nachbarschaft verstecken musste, welches von mehreren verschiedenen buddhistischen Richtungen betrieben wurde.
Auch in Colombo gibt es ein entsprechendes SG-Zentrum.


Persönlich bin ich allerdings letztlich zu der Überzeugung gelangt, dass die SGI sich mit dem Tod Ikedas auflösen oder zersetzen wird.

Abgesehen davon, dass es in Berlin schwierig war zu praktizieren - die Stadt hat ein eigenens Karma - höre ich es aber aus allen Gegenden der Republik immer wieder.

Das musst Du einem Landei wie mir erklären, mit dem eigenen Karma Berlins, und den Schwierigkeiten dort zu praktizieren.
Ich dachte immer, von den Angeboten und der Vielfalt her wäre Berlin für einen "suchenden Buddhisten" einer der attraktivsten Orte auf dem europäischen Kontinent!?

< gasshô >

Benkei

Namu-Myôhô-Renge-Kyô
Benkei hat geschrieben:

Persönlich bin ich allerdings letztlich zu der Überzeugung gelangt, dass die SGI sich mit dem Tod Ikedas auflösen oder zersetzen wird.


Zwangsläufig..
Das glaube ich auch. Vor allem beginnt es ja schon. In Italien verlassen Scharen die SGI - und dort werde Dinge noch viel handfester ausgetragen als in der hübschen kleinen SGI-D....

Ich höre auch andere seltsame Dinge gerade: Nachdem man letztes Jahr eine Verlautbarung der SGI Presse in Japan las, dass man den Gohonzon von Kosen Rufu nun errichten würde, und den Daigohonzon Daigohonzon sein läßt... wurde mir von Innen aus der SGI-D zugetragen, dass es nun DEN Gohonzon geben wird, welcher noch für Josei Toda zur Verwirklichung von kosen-rufu eingeschrieben wurde (vom Hohepriester? der Nichiren Shoshu). Dieser wird in einer eigens dafür errichteten oder noch zu errichtenden(??) großen Halle für alle SGI Anhänger zugänglich sein.
Man muß sich nur nach Japan bewegen... ha - Kinderspiel!



Ganz ehrlich? Wer weiß mehr darüber??

Mal abgesehen davon, dass es der krasseste Dogmenwechsel seit dem Shisma der SGI und der Shoshu ist, nicht mehr den Daigohonzon zu verehren... Wer jetzt dachte, "oh wow, man macht sich völlig frei von so einer zentralen Abhängikeit an ein Objekt und an eine Person" - dem wird gleich ein neues Objekt präsentiert. Das finde ich schon frech! Daigohonzon 2.0 :oops:
Schon Nichikans Gohonzon war eine echte Notlösung...

Wenn Ikeda nicht mehr ist, wird es das Erbe sein, den AnhängerInnen die Verpflichtung zur Verwirklichung von kosen rufu aufzudrücken. Die erfordert (ich übertreibe) dann viele Reisen nach Japan und bindet die AnhängerInnen durch ewige Tozo Veranstaltungen bis niemand mehr sein Leben auf die Reihe bekommt. Nein ich übertreibe nicht, denn die "Verantwortlichen" werden ja schon jetzt immer nach Japan geflogen: o-ton ("...und dann kam Sensei - wir konnten ihn schon seit dem Flughafen spüren - sein Daimoku beschützte alle Mitglieder! Gesehen habe ich ihn nicht - es war zu weit weg, aber ich war so glücklich ihm begegnen zu dürfen!" :idea: Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich!

Und es wird weiter NICHT das Lotos Sutra, und die Gosho studiert (wie früher), sich nicht mit der Lebensgeschichte des Buddha befasst, nicht Zuflucht genommen und eigentlich gar nichts über Buddhismus vermittelt. Sondern es wird auf ewig nebulöse Sekundärliteratur Ikedas GEKAUFT und studiert, die soweit von der Grundlage entfernt ist, dass man irgendwann nicht mehr weiß worum es in der Überschrift ging. Und alle nicken in der Versammlung wissend um die mystischen Geheimnisse, welche nur zwischen den Zeilen auf ihre Entdeckung warten...

Die Mitglieder werden ahnungslos bleiben, dass sie von den Grundlagen des Buddhismus nichts mitgeteilt bekommen... Chanten, dem Meister für kosen rufu folgen, das Ichinen stärken, sich für kosen rufu entscheiden, einen Partner für kosen rufu finden und dieses ganze Ikedageschwurbel...


Dagegen hilft nur: back to basics!!!
Namu myoho renge kyo
Über den „Exodus“ in Italien habe ich auch schon gehört, doch da die SG ja traditionell nur Beitritte verkündet und keine offiziellen Zahlen zu den Austritten vorliegen ist das natürlich eine Sache die man glauben kann oder nicht. Das mit dem Toda-Super-Dai-Gohonzon würde natürlich ins Bild passen … dogmatisch gesehen steckt die SG seit dem Ausschluss durch die Nichiren Shoshu in einem Dilemma. Persönlich glaube ich dass die Abflachung der „Lehre“, falls diese irgendwo überhaupt festgezurrt ist, zunehmen wird. Was die reine Lehre Nichirens angeht so gibt es dazu wohl genauso viele Meinungen wie es Schulen, Organisationen, Gruppen und Grüppchen gibt, die alle von sich behaupten den Lehren Nichirens zu folgen.
Namaste!
catflap08 hat geschrieben:
Was die reine Lehre Nichirens angeht so gibt es dazu wohl genauso viele Meinungen wie es Schulen, Organisationen, Gruppen und Grüppchen gibt, die alle von sich behaupten den Lehren Nichirens zu folgen.

Darin unterscheidet sich "die reine Lehre Nichirens" wohl kaum von der "reinen Lehre Buddha Shakyamunis" :wink:

< gasshô >

Benkei

Namu-Myôhô-Renge-Kyô
Darin unterscheidet sich "die reine Lehre Nichirens" wohl kaum von der "reinen Lehre Buddha Shakyamunis" :wink:


Würde ich so nicht sagen wenn man bedenkt was für einen kleinen Teil die Nichiren Buddhisten ausmachen finde ich die Zersplitterung gerade auch im 20. Jahrhundert doch sehr symptomatisch. Den Personenkult in den einzelnen neuen religösen Bewegungen spricht für sich.
Gasho dir auch :-)

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