Frage zu Gohonzon/ Buddhafiguren

Moderator: void

Ein Bekannter von mir, ist Mitglied der SGI. Daher hat er mich einige Male, zu den sog. Versammlungen mitgenommen. Dort hat ja jeder, zu Hause einen Gohonzon, vor dem gechantet wird. Auf meinen Vorschlag an meinen Bekannten, den Schrein mit Buddhafiguren zu schmücken, reagierte er empört. Sowas sei nicht üblich, meinte er. Warum nicht, frag ich mich?
Ist das immer so- und warum?
Namaste!

Hallo Rasmuss,

das Hauptobjekt der Verehrung in der SGI ist natürlich der Gohonzon, welcher in Schriftzeichenform ja die vollständige Versammlung der Anwesenden bei der "Zeremonie in der Luft" darstellt.
Soweit ich weiß, ist die Verehrung anderer Buddhas als Shakyamuni oder Nichiren (welcher in der SGI ja als solcher angesehen wird) dann allerdings in der SGI nicht zulässig.

Da macht es dann natürlich Sinn, auf Nr.-Sicher zu gehen und gar keine Buddha-Figuren einzusetzen, denn wer weiß schon genau, welchen Buddha die Figur letztlich darstellt? - Nicht, dass man später gar einen Buddha auf dem Altar stehen hat, dessen Verehrung Nichiren oder Präsident Ikeda ablehnt. [Nichiren war z. B. ein erklärter Feind des Amitabha-Buddhismus.]

< gasshô >

Benkei
Namaste Benkei,
Benkei hat geschrieben:

das Hauptobjekt der Verehrung in der SGI ist natürlich der Gohonzon, welcher in Schriftzeichenform ja die vollständige Versammlung der Anwesenden bei der "Zeremonie in der Luft" darstellt.

Die Anwesenden der Versammlung?
Soweit ich weiß, ist die Verehrung anderer Buddhas als Shakyamuni oder Nichiren (welcher in der SGI ja als solcher angesehen wird) dann allerdings in der SGI nicht zulässig.

Warum?
[Nichiren war z. B. ein erklärter Feind des Amitabha-Buddhismus.]

Warum Feind- das passt so gar nicht zum Buddhismus.. Irgendwie erscheint mir die SGI um Ikeda sehr radikal.
Namaste!

Hallo Rasmuss,
Rasmuss hat geschrieben:
Benkei hat geschrieben:
das Hauptobjekt der Verehrung in der SGI ist natürlich der Gohonzon, welcher in Schriftzeichenform ja die vollständige Versammlung der Anwesenden bei der "Zeremonie in der Luft" darstellt.

Die Anwesenden der Versammlung?

Die "Zeremonie in der Luft" beschreibt eine Stelle im Lotos-Sutra. Das hier jetzt alles auszuführen, würde m. E. den Rahmen sprengen.
Unter dem Stichwort "Nichiren-Buddhismus" findet man da bei Wiki ein bisschen und ansonsten einfach mal "Zeremonie in der Luft" oder "Ceremony in the air" googlen.

Rasmuss hat geschrieben:
Benkei hat geschrieben:
Soweit ich weiß, ist die Verehrung anderer Buddhas als Shakyamuni oder Nichiren (welcher in der SGI ja als solcher angesehen wird) dann allerdings in der SGI nicht zulässig.

Warum?

Gute Frage.
Das ist wohl historisch bedingt. In der Kamakura-Zeit bestand bei vielen buddhistischen Gelehrten die Tendenz, dass man sich auf "eine einzige Praxis" bzw. "einen einzigen Buddha" ausrichtet und alles andere beiseite lässt oder zumindest als unwichtiger ansieht. Dazu kam dann noch jeweils ein gewisser Absolutheitsanspruch, der bei einigen Meistern mehr und bei anderen weniger ausgeprägt war. Bei Nichiren war er sehr ausgeprägt.
Nichiren kritisierte also das Vorgehen anderer Lehrer und Traditionen - vor allem bzgl. der Rinzai Shû [welche die Zen-Praxis betonte und die schriftliche Überlieferung gering schätzte, wie er ihr vorwarf], der Jôdo Shû [welche Amida-Buddha verehrte und laut Nichiren Shakyamuni Buddha und das Lotos-Sutra gering achtete] und der Shingon-Ritsu [welche die Verhaltsvorschriften und den Mantrayana betonten, und laut Nichiren folglich das Lotos-Sutra nicht ausreichend respektierten].
Gleichwohl kann man aber auch feststellen, dass Nichiren selbst ebenfalls hauptsächlich Shakyamuni Buddha verehrte und seine Praxis auf das Daimoku beschränkte; er verhielt sich also kaum anders wie diejenigen, die er kritisierte.

Einige Nichiren-Traditionen haben den Absolutheitsanspruch wie ihn Nichiren lehrte und ebenso seine Exklusivität in Bezug auf die Praxis mit den Jahrhunderten überwunden und sich mehr dem - ich nenne ihn mal "Japanischen Mainstream-Buddhismus" - angeglichen.
Die Nichiren Shôshû, aus welcher die SGI hervorging, gehörte da allerdings nicht zu.

Rasmuss hat geschrieben:
Benkei hat geschrieben:
Nichiren war z. B. ein erklärter Feind des Amitabha-Buddhismus.

Warum Feind- das passt so gar nicht zum Buddhismus.. Irgendwie erscheint mir die SGI um Ikeda sehr radikal.

Der Buddhismus ist wohl kaum immer so friedlich, wie wir uns das glauben machen wollen - zumindest nicht, wenn er institutionalisiert wurde und Teil des herrschenden Systems ist.
So hatten dann zur Zeit Nichirens einige Fraktionen der Rinzai Shû, der Jôdo Shû und einige Priester der Shingon-Ritsu großen Einfluss auf die herrschenden Klassen, und konnten diesen gegen Nichiren gelten machen, welcher seinerseits nicht aufhörte, ihre "religiöse Häresie" in Bezug auf Shakyamuni und das Lotos-Sutra öffentlich anzuprangern.

Ich sehe Nichiren Shonin als Kind seiner Zeit und Umstände.
Er hatte viele durchschlagende und inspirierende Ansätze, vor allem in Bezug auf philosophische Themen, welche er teilweise von Tendai Chigi übernommen hatte.
Auch die Praxis des Daimoku ist - zumindest so, wie wir sie heute kennen - ihm zuzuschreiben, und ich erkenne da eine sehr positive Wirkung.

Man sollte aber auch sehen, dass er sehr intolerant und ausschließend war; einige seiner Briefe haben schon den Beigeschmack von "Hetze".
Und diese Intoleranz sollte auf jeden Fall ein Aspekt sein, in welchem man sich Nichiren nicht zum Vorbild nehmen sollte.
[Leider neigen einige Menschen gerade dazu, besonders auch die negativen Aspekte ihrer Vorbilder zu kopieren; das gilt wohl in allen Bereichen].

< gasshô >

Benkei

Namu-Myôhô-Renge-Kyô
Namu-Amida-Butsu
Benkei hat geschrieben:

Die Nichiren Shôshû, aus welcher die SGI hervorging, gehörte da allerdings nicht zu.

Ist aus der die SGI nicht ausgeschlossen worden..?


Der Buddhismus ist wohl kaum immer so friedlich, wie wir uns das glauben machen wollen - zumindest nicht, wenn er institutionalisiert wurde und Teil des herrschenden Systems ist.

Oh ja glaub ich, wenn Religion instrumentalisiert-, bzw. infiltriert wird..
Namaste!

Rasmuss hat geschrieben:
Benkei hat geschrieben:
Die Nichiren Shôshû, aus welcher die SGI hervorging, gehörte da allerdings nicht zu.

Ist aus der die SGI nicht ausgeschlossen worden..?

Ja.
Die SGI war zuerst "nur" eine Laien-Organisation innerhalb der Nichiren Shôshû.
Wie dann die Trennung vollzogen worden ist, darüber gibt es auch einiges zu lesen und je nachdem, wer der Autor ist (ob von der SGI oder der Shôshû), liest sich das auch anders, wer da nun wie gegangen (worden) ist :wink:

Rasmuss hat geschrieben:
Benkei hat geschrieben:
Der Buddhismus ist wohl kaum immer so friedlich, wie wir uns das glauben machen wollen - zumindest nicht, wenn er institutionalisiert wurde und Teil des herrschenden Systems ist.

Oh ja glaub ich, wenn Religion instrumentalisiert-, bzw. infiltriert wird..

Naja, "infiltriert", würde ich das gar nicht nennen.
Ein gewisses Maß an Organisation oder meinetwegen auch Institution muss wohl vorherrschen, damit eine Religion größere Akzeptanz und auch Dauer haben kann. Problematisch wird das dann nur, wenn die Religion Spielball der Politik wird oder gar selbst versucht, in der Politik mitzumischen.

Aber das hat natürlich nichts mehr mit dem Gohonzon bzw. "abweichenden" Buddhafiguren auf den Honzon [=Hauptaltar] zu tun :wink:

< gasshô >

Benkei
Namaste!
Benkei hat geschrieben:
Wie dann die Trennung vollzogen worden ist, darüber gibt es auch einiges zu lesen und je nachdem, wer der Autor ist (ob von der SGI oder der Shôshû), liest sich das auch anders, wer da nun wie gegangen (worden) ist :wink:

Die SGI sagt, dass sie man die Trennung wollte..

Ein gewisses Maß an Organisation oder meinetwegen auch Institution muss wohl vorherrschen, damit eine Religion größere Akzeptanz und auch Dauer haben kann. Problematisch wird das dann nur, wenn die Religion Spielball der Politik wird oder gar selbst versucht, in der Politik mitzumischen.

Stimme beidem zu.
Aber das hat natürlich nichts mehr mit dem Gohonzon bzw. "abweichenden" Buddhafiguren auf den Honzon [=Hauptaltar] zu tun :wink:

Is richtig.. :wink:
Namaste!
Rasmuss hat geschrieben:
Benkei hat geschrieben:
Wie dann die Trennung vollzogen worden ist, darüber gibt es auch einiges zu lesen und je nachdem, wer der Autor ist (ob von der SGI oder der Shôshû), liest sich das auch anders, wer da nun wie gegangen (worden) ist :wink:

Die SGI sagt, dass sie man die Trennung wollte..

Ja, ebenso wie die Shôshû beteuert, man habe Ikeda und seine Anhänger "exkommuniziert".

Es ist wohl wie beim "gewöhnlichen" zwischenmenschlichen Beziehungsaus: Trennt man sich nicht im Einvernehmen, dann will später jeder derjenige gewesen sein, der zuerst "Schluss gemacht" hat :roll:

Rasmuss hat geschrieben:
Benkei hat geschrieben:
Aber das hat natürlich nichts mehr mit dem Gohonzon bzw. "abweichenden" Buddhafiguren auf den Honzon [=Hauptaltar] zu tun :wink:

Is richtig.. :wink:

Vielleicht fragst Du einfach mal unverblümt und unverbindlich bei der SGI-Deutschland an?
Eine E-Mail-Adresse findest Du auf deren Homepage.

Ich hatte da mal vor Jahren ein paar Bände der Gosho dort bestellt und mir schicken lassen - es war dann nicht so, dass sie mich nachher mit E-Mails zugemüllt hätten; ich habe im Gegenteil nachher nichts mehr von ihnen gehört, und so sollte es ja auch sein, wenn man das nicht ausdrücklich wünscht.

Ansonsten kann ich von anderen Nichiren-Richtungen sagen, dass dort sehr wohl Buddha-Statuen oder auch andere "Gottheiten" auf dem Altar stehen dürfen.
So habe ich in einem Tempel der Nichiren Shû in Kamakura einen Kannon [=Avalokiteshvara] vor dem Gohonzon stehen sehen, und an der Friedenspagode in Gotemba stehen ebenfalls mehrere große Kannon-Statuen und das Tor wird zu beiden Seiten von Nios bewacht [ein Nio ist eine Wächtergottheit]; in der Friedenspagode selbst ist Buddha (Shakyamuni) in Meditationshaltung eingeschreint.
[Die Friedenspagode gehört zum dortigen Haupttempel der Nipponzan-Myôhôji-Daisanga.]

< gasshô >

Benkei
Benkei hat geschrieben:
Ja, ebenso wie die Shôshû beteuert, man habe Ikeda und seine Anhänger "exkommuniziert".

Es ist wohl wie beim "gewöhnlichen" zwischenmenschlichen Beziehungsaus: Trennt man sich nicht im Einvernehmen, dann will später jeder derjenige gewesen sein, der zuerst "Schluss gemacht" hat :roll:

So steht also Aussage gegen Aussage, und man kann Genaues nicht mehr nachvollziehen? Ich hörte ja immer, und las hier auch immer wieder, dass die Shoshu die SGI ausgeschlossen hat, weil sie eine reine Laienorganisation ist. Die SGI sagt, dass man sich von der NS getrennt hat, weil dort die "Priester" zuviel Macht und Einfluss- vor allem im Finanziellen hatten!?
Namaste!
Rasmuss hat geschrieben:
Benkei hat geschrieben:
Ja, ebenso wie die Shôshû beteuert, man habe Ikeda und seine Anhänger "exkommuniziert".

Es ist wohl wie beim "gewöhnlichen" zwischenmenschlichen Beziehungsaus: Trennt man sich nicht im Einvernehmen, dann will später jeder derjenige gewesen sein, der zuerst "Schluss gemacht" hat :roll:

So steht also Aussage gegen Aussage, und man kann Genaues nicht mehr nachvollziehen? Ich hörte ja immer, und las hier auch immer wieder, dass die Shoshu die SGI ausgeschlossen hat, weil sie eine reine Laienorganisation ist. Die SGI sagt, dass man sich von der NS getrennt hat, weil dort die "Priester" zuviel Macht und Einfluss- vor allem im Finanziellen hatten!?

Naja, nachvollziehen kann man es wohl schon.
Bei Wiki unter "Sôka Gakkai" ist zu lesen:
"Im November 1991 forderte die Nichiren-Shōshū die Sōka Gakkai zur Auflösung auf und enthob sie damit ihres bisherigen Status einer Laienorganisation der priesterlich organisierten Nichiren-Shōshū, wobei sich eine Mehrheit der Laiengläubigen für einen Verbleib in der SGI entschied. Die individuellen Mitglieder der Sōka Gakkai waren ab dem Jahre 1997 von diesem Ausschluss ebenfalls betroffen. Seit diesem Vorgang handelt es sich bei der Sōka Gakkai bzw. Nichiren-Shōshū um zwei voneinander unabhängige religiöse Gruppierungen. Zuverlässige Angaben dazu, wie viele Laiengläubige sich keiner der beiden Gruppen zugehörig fühlten, bzw. zu anderen Nichiren-Schulen wechselten, gibt es jedoch von keiner der beiden Seiten."
Das verstehe ich so, dass die SG der Aufforderung zur Auflösung nicht nachkam sondern sich stattdessen von der Shôshû lossagte und eine eigene "Religion" gründete. Die bisherigen Einzelmitglieder der SG mussten sich in der Folge dann entscheiden, ob sie in der SG blieben (und folglich nicht mehr zur Shôshû gehörten) oder ob sie sich von der SG lossagten und so in der Shôshû bleiben konnten.
Der letzte Teil des Zitats bezieht sich dann auf diejenigen Laien, die komplett aus dem Konflikt ausstiegen und sich dann anderen Nichiren-Schulen anschlossen (oder eben gar keiner).

< gasshô >

Benkei

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